Kapitel 18 – Home Sweet Home
Schon früh morgens saß der Hacker in der Computerzentrale des Croft Manors und analysierte die Aufnahmen der Archäologin in Paris.
Währendessen hatte sich der Historiker in die Bibliothek zurückgezogen, um hunderte von Büchern ein weiteres Mal durchzublättern auf der Suche nach irgendwelchen Hinweisen zu der Sage der Àvla.
Der treue Butler des Croft Manors machte wie jeden Morgen um 9Uhr eine leckere Kanne Pfefferminztee für die Bewohner des Hauses.
Der Eingeborene machte es sich draußen im großen Garten des Anwesens gemütlich und lauschte dem Zwitschern der Vögel.
Die Herrin des Hauses entspannte sich in einem wohltuenden Dampfbad im Poolbereich.
Doch diese Idylle wurde durch einen aufgeregten Hacker unterbrochen.
„Oh Mann! Scheiß PC! Stürzt schon wieder das fünfte Mal heute ab! Scheißteil!"
Erschrocken verließ der Butler die Küche und machte sich auf zur Computerzentrale.
„Zip, was ist denn passiert?", fragte Winston.
„Ach, seit dieser Jason hier war, stürzt mein PC andauernd ab! Zum Aufhängen ist das. Ich werd wohl eine Kopie der Festplatte machen und alle Passwörter ändern müssen. Ich bin mir sicher, dass dieser Oberschlaumeier alle Daten auf einen kleinen Chip kopiert hat. Ich wusste doch, dass man ihm nicht trauen kann!", schimpfte Zip und machte sich an die Arbeit.
„Ich wünsche viel Glück. Vielleicht etwas Pfefferminztee zur Beruhigung?", schlug Winston vor.
„Ja, ich glaub das wäre ganz nett.", antwortete Zip kurz und verschwand hinter einem Haufen Kabel.
Im nächsten Moment kam ein mies gelaunter Alister die große Treppe hinunter. Da er sah, dass sich ein Kabelhaufen in der Computerzentrale bewegte, ging er auch dort hin.
„Na, auch ohne Erfolg Zip?", fragte er den Hacker, von dem nur die Beine zu sehen waren.
„Ach. Ich muss die PCs völlig neu programmieren. Sie stürzen jede Sekunde ab! Ich vermute mal, dass das wegen diesem Jason ist!"
„Das glaube ich. Er schien eigentlich ganz nett. Aber seit dem Vorfall in Paris, bereue ich, dass wir ihn so freundlich aufgenommen haben. Wenn das so weitergeht, werden wir von den Informationen andere Abhängig werden. Das darf nicht sein.", bemerkte Alsiter.
„Ja, du hast Recht! Aber keine Sorge. Sobald ich das hier fertig hab, wird alles gut. So, hier noch das Kabel da rein. Die Festplatte hier und - Fertig!", sagte Zip erfreut.
Alister sah, wie in der Zentrale einige Lichter anfingen zu blinken und etliche Bildschirme angingen.
Schon kam Zip wieder zum Vorschein.
„Jetzt noch die Passwörter ändern und keiner hat mehr Zugriff auf das World Wide CM!" grinste er und setzte sich auf seinen Stuhl.
Alister setzte sich neben ihn.
Da kam Winston aus der Küchentür hervor mit einem großen Tablett, auf dem sich eine große Kanne Pfefferminztee und vier Tassen befanden. Er stelle die Sachen auf den Tisch neben dem Kamin ab.
„Dankeschön Winston. Sehr freundlich." Lächelte ihm Lara entgegen, die aus der Tür rechts vom Kamin gerade herauskam.
„Ich werde Herr Tawarin aus dem Garten zu uns holen Madam.", benachrichtige der Butler und ging fort.
Lara schenkte Tee für drei Personen ein und begab sich dann zur Computerzentrale.
„Guten Morgen Jungs. Na, schon wieder am Arbeiten?", begrüßte sie die zwei Männer und reichte jedem eine Tasse.
„Ja ja. Ich muss hier gerade mal paar Passwörter ändern. Die PCs sind alle paar Sekunden abgestürzt.", sprach Zip.
„Wir beide sind uns einig, dass das wohl etwas mit Jason zu tun haben wird.", meldete sich Alsiter zu Wort.
„Jason", sagte Lara, „Dieser Feigling kann uns ruhig gestohlen bleiben. Seit dem, was in Paris passiert ist, kann ich diesen Namen nicht mehr hören. Er ist in Grews Villa einfach abgehauen."
„Und so wie es aussieht, hat er paar wichtige Unterlagen mitgehen lassen.", fügte Zip hinzu.
„Nicht nur das."
Die drei drehten sich zum Kamin. Tawarin stand dort und kam zu ihnen.
„Dieser Jason ist ein seltsamer Mann. Er ist ein Mann mit zwei Seiten. Er hilft und verrät. Er ist ein Ichmensch."
„Ein Ichmensch? Du meinst wohl damit einen Egoisten, oder?", hackte Alister nach.
„So. Das letzte Passwort ist geändert. Jetzt können wir uns ja die Aufnahmen noch mal anschauen.", sagte Zip.
„Erzähl uns mehr Tawarin.", bat Lara und nahm einen Schluck von ihrem Tee.
„Was in diesen Blättern genau ist, das weiß ich nicht. Ich habe aber von ihm reden hören, dass dort viele wichtige Sachen zu der Kugel sein sollen. Grew sagte aber zu ihm, dass er sich von diesen Blättern fernhalten sollte. Nur Grew gibt ihm die nötigen Informationen. Er will nicht, dass Jason alleine auf die Suche geht. Grew war sein Auftraggeber. Jetzt ist er aber tot. Jason hat alles was er braucht. Er kann selber auf Suche gehen.", erzählte Tawarin.
„Hmh…Das heißt dann wohl, dass wir Jason öfters über den Weg kommen werden. Na gut.", dachte Lara laut nach und nahm noch einen Schluck.
„Ok. Hier sind mal die Aufnahmen aus dem Labor. Schaut euch mal diese Strahlen an!", staunte Zip.
„Lara, konntest du etwas in der Nähe der Strahlen spüren?", fragte Alsiter.
„Nicht mehr als Hitze.", erwiderte sie und stellte die Tasse weg.
„Und du Tawarin?", richtete sich Alister jetzt an den Eingeborenen.
„Diese Strahlen haben mich nie berührt. Ich wurde in meiner Heimat von einem dunklen Nebel umgeben. Es kam mir so vor, als ob ich Gesichter sehen würden. Schreiende Gesichter. Sie flogen auf mich zu und übernahmen wohl die Kontrolle über mich. Ich konnte mich dann an nichts erinnern. Grew konnte mich dann kontrollieren. Nur in dem großen Haus von Grew fand ich mich wieder. Da war ich aber in diesem Gefängnis."
„Hm…interessant. Das heißt dann, dass die dunkle Hälfte durchaus mehr Fähigkeiten hat, als wir geglaubt haben. Dieses Artefakt ist eine Art Mulitalent.", schlussfolgerte Alister.
„Da geb ich dir Recht.", erwiderte Lara und holte dann den kleinen gläsernen Würfel aus einer kleinen Stofftasche, die an ihrer Hose hing.
Sie legte den Würfel auf ihre Handfläche.
„Wunderbar.", staunte Alsiter und begutachtete das Artefakt von allen Seiten.
„Das ist kein normales Glas. Es ist Glas aus hochwertigsten Swarowskiedelsteinen. Schweineteuer.", fügte er hinzu.
„Unsre lieber Herr Grew konnte sich das sicher leisten. Ich hoffe, dass es uns kein Unglück bringen wird. Alister? Willst du dir unser Prachtstück vielleicht etwas genauer anschauen?", fragte Lara ihren Historiker.
„Gerne. Ich werde mein bestes geben.", antwortet er und nahm die kleine Stofftasche mit dem kostbaren Inhalt entgegen.
„Aber hol den Stein bloß nicht aus diesem Würfel! Wer weiß, was passieren kann.", warnte die Archäologin.
„Geht klar.", bestätigte Alister und machte sich auf in die Bibliothek.
„Wenn du willst, kannst du ihm helfen Tawarin."
„Das würde ich gerne machen.", sagte der Eingeborene und folgte dem Historker.
„Gut, und was machen wir?", fragte Zip.
„Ich würde mir mal die Karte genauer anschauen."
Schon in wenigen Sekunden hatte der Hacker eine identische Karte auf den großen Bildschirm der Zentrale gezaubert.
„Nicht schlecht!"
„Danke danke."
„Gut, was haben wir denn da? Hm…Tempel des Arun? Ob sich dort die weiße Hälfte befindet?", fragte sich Lara.
„Das werden wir noch sehen. Schau. Sie haben sich anscheinend verabredet. Am Flughafen in Lugtha. Um 18Uhr den 7.April. Wahrscheinlich soll es dort ab nach Hause mit dem Schmuckstück gehen.", erklärte Zip.
„Ja, du könntest Recht haben. Ob wir Jason dort treffen werden?"
„Das wird sich noch herausstellen. Aber ein ist klar. Auch er ist auf der Suchen nach der Àvla."
„Das ist wohl nicht auszuschließen. Ich werde Winston bitten einen Flug nach Lugtha zu buchen. Dann sehen wir weiter."
„Ok. Ich werde dann mal die Computer weiter durchchecken."
„Mach das."
Lara nahm die drei leeren Tassen und legte sie auf das Tablett. Dann begab sie sich zur Küche.
„Ah, Winston", sagte sie und legte das Tablett auf die Theke, „Ich würde gerne einen Flug nach Lugtha buchen lassen."
„Wie sie wünschen. Wann denn genau Miss?"
„Am 7.April um 7Uhr. Es wäre gut, wenn ich gegen 12Uhr dort wäre."
„Ich buche sofort."
Dann machte sich Lara auf zur Bibliothek.
„Ich kann hier wirklich nichts finden.", hörte man Alisters verzweifelte Stimme.
„Ich habe alle Bücher schon mindestens 1000 Mal durchgeblättert und finde nichts. Ich bin am verzweifeln."
„Sei nicht böse Alister. Wir werden sicher was finden.", versuchte Tawarin den Historiker zu beruhigen.
„Hallo Jungs. Störe ich?", fragte Lara, als sie durch die hineinkam.
„Nein, ganz und gar nicht. Wir sind nur wieder auf der Suche nach einem Buch, das uns helfen könnte.", erläuterte Alister die Situation.
Aber natürlich! Ging es Lara durch den Kopf.
„Wieso bin ich nicht gleich darauf gekommen?", sagte sie laut.
„Was ist denn?", fragte Alister verwundert.
Lara machte sich auf die Suche nach vier bestimmten Büchern, die in der Bibliothek versteckt waren.
„Alsiter, sind dir vielleicht einige Bücher komisch vorgekommen?"
„Ehm…ja. Da gab es glaube ich drei oder vier Bücher, die sich nicht bewegen liesen, Deswegen hab ich sie lieber in Ruhe gelassen."
„Wo sind diese Bücher?"
„Also ein ist hier.", sagte er und zeigte auf ein rotes Buch, das in einem der unzähligen Regale, die in die Wand eingebracht wurden war.
„Und die anderen?"
Alsiter zeigte ihr Buch für Buch. Das zweite Buch, ein Gelbes, war oben in dem kleinen Leseraum, in dem sich auch ein PC befand in einem Regal. Das Grüne war gleich neben der Treppe und das Letzte, ein Blaues war in einem Regal rechts, neben dem Roten.
„Helft mir bitte diese Bücher aus den Regalen zu ziehen", forderte Lara die beiden Männer auf, die sich gleich an die Bücher machten. Als die vier Bücher nebeneinander auf Alisters Schreibtisch, neben dem Glaswürfel lagen, öffnete Lara Buch für Buch. In jedem der Bücher befand sich ein Amulett, das der Farbe des Einbandes entsprach. Die Amulette waren kleine Nachbildungen des Zeichens des Croft Manors - ein Schild mit einem großen C.
„Was hat das zu bedeuten Lara?", fragte Alister.
„Siehst du gleich.", erwiderte sie und nahm die vie Amulette in ihre Hand.
Sie ging hinter eine Statue, die Athene darstellen sollte und steckte die Amulette in vier kleine Einkerbungen, auf dem Sockel. Als sie das letzte Schild eingesetzt hatte, schon sich eines der Regale im Erdgeschoss zur Seite und ein kleiner Erker mit einem weiteren Regal kam zum Vorschein.
„Das ist ja wunderbar!", sagte der Historiker begeistert und lief gleich zu den vielen neuen Büchern.
„Schon toll, was sich mein Vater ausgedacht hat. Dort befinden sich alle seine Aufzeichnungen und viele Bücher, über mysteriöse Artefakte. Ich glaube, wir werden dort sicher was finden.", gab Lara stolz von sich und ging gemeinsam mit Tawarin zu Alister.
Puh…hätte nicht gedacht, dass das jetzt so lang wird -lol-
Ich hoffe, dass es nicht allzu langweilig war!
