Nach langer Zeit ist es endlich wieder so weit! An der Stelle will ich mich dafür entschuldigen, dass ihr so lange warten musstet! Aber ich hatte einfach keine Idee, wie es weitergehen sollte mit dem Abenteuer und an Zeit und Lust weiterzuschreiben hat es mir auch gemangelt (

Ich hoffe dennoch,dass ihr meine Geschichte weiterlesen werdet und ihr immer noch Gefallen daran habt :) Also dann..auf ein Neues!

Kapitel 27 – Über den Dächern von Hong-Kong

Das mechanische Öffnen einer eisernen Tür weckte Lara auf.

Von einer Sekunde auf die andere war sie hellwach.

„Los…nimm du mal die Kisten da hinten und ich kümmere mich um die Behälter.", hörte Lara eine männliche Stimme mit unfassbar schlechtem englischen Akzent sagen.

„Und wo müssen die noch mal hin?", erwiderte eine zweite männliche Stimme. Diesmal chinesisch.

„Auf die Paletten da hinten du Dummkopf. Damit sie nachher leichter abgeladen werden können.", erklärte der Erste der beiden leicht genervt.

Lara dachte nicht lange nach und versuchte eine offene Kiste zu finden. Die Schritte des Mannes kamen immer näher, doch die junge Frau war schneller.

Hinter ihr war eine quadratische Kiste an der sich ein kleines Metallschloss befand, das Lara schnell öffnete. Sie klappte den Deckel auf, stieg in die Kiste und schloss sie ganz behutsam wieder.

„Bist du verrückt?", hörte sie Zips Stimme in ihrem Ohr. Mit einem kurzen Pss brach sie ihn zum Schweigen und konzentrierte sich.

Vorsichtig tastete Lara das Innenleben der Kiste ab. Das einzige was sie spürte war trockenes Heu und die hölzernen Wände um sie herum.

Die Schritte kamen näher.

„Die Kiste…sie ist nichmal zu Lara! Verdammt…"

Die junge Frau hörte, wie die hölzerne Box hinter der sie noch vorher war weg geschoben wurde.

Nach kurzer Zeit kam das Dumpfe Geräusch der Schritte wieder näher und entfernte sich mit einem weiteren Schleifton.

Nach dem vierten Mal hörte Lara den ersten Mann auf Englisch sagen: „Eins, zwei, drei vier,...ok, das müssten alle sein!"

„Nein nein. Ich glaube da hinten war noch eine…", sagte der Zweite auf Chinesisch und lief wieder nach hinten.

Lara spürte wie ihr Körper sich anspannte.

„Ha! Sag ich's doch. Da ist noch eine!", verkündete der Chinese schadenfroh, der jetzt genau vor der Kiste stand.

„Das kann nicht sein…"

„Das Schloss ist ja offen.", bemerkte er verwundert.

Lara hörte, wie er das Schloss kurz berührte. Der Deckel öffnete sich langsam. Lara kniff die Augen zusammen, rückte sich in die Ecke der Kiste, ein kleiner Lichtstrahl und…

„Hey!", rief der andere Arbeiter, der jetzt genau hinter seinem chinesischen Arbeitskollegen stand und den Deckel mit seiner rechten Hand zuknallte. Der Mann blickte erschrocken auf. Auch Lara musste zusammenzucken.

„Spinnst du? Wir dürfen da nicht reinschaun! Anordnung vom Boss! Also mach dich mal nützlich und merk dir die Sachen, die ich dir sag.", klärte er mit scharfem Ton und verriegelte die Kiste.

„Ok, verstanden.", antwortete der Zweite auf Chinesisch und half seinem Kollegen die Box nach hinten zu bringen.

Lara atmete erleichtert auf und spürte wie sie hochgehoben wurde.

Nochmal Glück gehabt…, dachte sie sich und lies sich von den Männern zu den Paletten tragen.

Kurz nachdem die Männer den Raum verlassen hatten, ertönte ein Lautsprecher. Auf Chinesisch wurde verkündet, dass man bald landen würde.

„Woah…da hast du echt mal Schwein gehabt!", sagte Zip. Lara lächelte kurz, lehnte sich an die Kiste und legte ihren Arm aufs Knie. „Mal sehen, wo die mich jetzt hinbringen. Pläne vom Gebäude hast du grad keine da Zip, oder?"

„Sieht schlecht aus…diese Mafia hat an alles gedacht. Da musst du wohl ohne Anleitung durch." „Dürfte kein Problem sein.", antworte die Archäologin zuversichtlich und lehnte ihren Kopf nach hinten.

Schon Minuten später landete der pechschwarze Helikopter und Lara hörte wieder, wie sich etwas Eisernes öffnete. Viele verschiedene Stimmen waren zu hören und kurz darauf ertönte ein Motorgeräusch, das sich der Ladung näherte. Da Lara sich in einer der vordersten Kisten befand, wurde sie gleich zu Beginn aus dem Helikopter gefahren.

„Hm…mit einem Zeitunterschied von sechs Stunden plus der Flugzeit von ungefähr 15 Stunden und den restlichen Zeitverschiebungen, müssten wir jetzt ungefähr…4 Uhr morgens haben, oder?"

„Stimmt genau…Respekt Lara!", bestätigte Zip begeistert.

Eine Zeitlang hörte Lara das gleichmäßige Surren des Motors, die quietschenden Reifen und Unmengen von Stimmen, die wild durcheinander sprachen.

Ganz schön was los hier…, ging es der jungen Frau durch den Kopf.

Dem Gabelstapler wurde ein großes eisernes Tor geöffnet, das den Weg in eine kleine Halle freigab. Sie war nur spärlich beleuchtet und an der hintersten Wand Waren weitere vier große Türen. Vor jeder stand ein Wachmann. Der Fahrer steuerte das Gefährt zur ersten Tür links. Der Wachposten fragte nach einer Erkennungskarte, die ihm der Fahrer sogleich vorzeigte. Die Tür öffnete sich und zum Vorschein kam ein Art Beförderungslift. Der Gabelstapler fuhr rein und nach wenigen Sekunden kam er drei Stockwerke tiefer in einem Lagerraum an. Er fuhr einige Meter weiter zu einem zweiten Areal und hielt auf der östlichen Seite des Raumes an. Die Kiste in der sich die Archäologin befand hatte er mit wenigen Knopfdrücken abgeladen, machte eine kurze Drehung und verließ die Lagerhalle wieder.

Lara spürte, wie die Kiste langsam gesenkt wurde und der Gabelstapler sich dann leise entfernte.

„Hast du ne Ahnung wo du dich jetzt befindest?", fragte der Computerfachmann.

„Ich würde mal sagen in einer Art Lagerhalle. Und es scheint als wären wir allein.", flüsterte die junge Frau in das kleine Mikro und legte ihr linkes Ohr an die Wand der Kiste.

Schnell drehte sie sich kurz auf ihrem Steißbein, zog die Füße an und verpasste dem Holz der Box einige kräftige Tritte. Schon nach wenigen Schlägen zersprang das Holz und hinterließ ein Loch in der Kiste. Lara blickte kurz nach draußen und stellte fest, das einige Zentimeter vor ihr sich eine der dunklen Wände der Halle befand.

„Wie passend.", sprach sie leise in ihr Headset und stieg vorsichtig aus der Kiste. Sie lehnte sich an die kalte Wand und ging in die Knie.

„Glaubst du, die haben Kameras?"

„Ich weiß nicht Zip. Aber ich würde aufpassen…", antwortete sie ihm und entfernte einige Heubüschel, die an ihrer Kleidung hafteten.

Die junge Frau inspizierte die neue Umgebung über die Kante der Kiste.

Alles war hier feinsäuberlich beschriftet und sortiert. Sei es in großen Regalen oder in hölzernen Behältern. Licht kam nur aus länglichen Halogenlampen, die in der Mitte der Decke befestigt waren. Lara nahm ihr Fernglas zur Hand, um nach Kameras zu suchen. Und sie wurde fündig. In dem Raum waren zwei die jeweils über den zwei Eingängen des Areals befestigt waren.

„Scheint, als ob es hier noch mehr von diesen Räumen geben würde. Zip…weißt du, was das für Kameras sind?"

„Du müsstest näher rangehen…es ist zu dunkel!"

Lara wollte sich schon auf den Weg machen, als sie ein leises Surren von links hörte. Schnell kauerte sie sich nach unten und lehnte sich gegen die gestapelten Boxen.

Der Gabelstapler kam mit einer weiteren Kiste und legte sie auf diejenige ab, in der sich zuvor Lara befand. Wieder drehte er sich kurz und fuhr hinaus.

Augenblicklich stand Lara auf und stieg auf die zwei Kisten rechts neben ihr. Sie musste kurz springen und zog sich dann hoch. Kauernd sprang sie leise auf eine Kiste unter ihr und berührte vorsichtig wieder den Fußboden. Stumm ging sie weiter an der Wand entlang, kam an einer Säule vorbei, bis ihr Blick genau auf die Kamera fiel. Als sie bemerkte wie sich diese bewegte, machte Lara schnell einen Schritt zur Säule, um von der Kamera nicht entdeckt zu werden.

„Und…hast du sie erkannt?"

„Das ist eine Tag und Nachtsichtkamera von RADCON. Das Modell LE906. An der rechten Seite befindet sich ein kleiner schwarzer Knopf. Mit dem kann man dem Gerät ganz einfach den Saft abdrehn. Müsstest du hinkriegen!"

„Ich bin beeindruckt…Na dann-"

Lara hörte wie der Gabelstapler sich wieder näherte. Sie vollführte eine Rolle nach vorne und lehnte sich im Dunklen kauernd gegen eine der Kisten.

„Der lässt einem aber auch keine Ruhe.", flüsterte sie kurz und beobachtete den Fahrer. Er war ebenfalls Chinese. Er hatte etwas längere schwarze Haare. Quer über seine Stirn hatte er einen Pony. Seine Backen waren etwas dicker. Auch der Rest des Körpers schien nicht gerade durchtrainiert. Lara schätzte ihn auf Mitte 40. Auf seinem schwarzen T-Shirt fand sie ein kleines Logo. Sie kniff kurz die Augen zusammen und erkannte die Erdkugel, vor der eine helle Holzkiste angebracht war. Durch einen dunkelblauen Strahl hinter ihr, schien es, als ob die Kiste um die Erde kreisen würde.

Lara setzte ein nachdenkliches Gesicht auf. Sicher eine Art Schutzlogo. Um nicht als Mafia aufzufliegen…

„Kennst du das Logo?", fragte sie Zip, als der Arbeiter wieder weg war.

„Moment…hm…hier steht, dass es eine Lieferantenfirma unter dem Namen „Logoworld" ist. Anscheinend liefert sie jedes Zeug um die ganze Welt. Den Aktien und Kursen zufolge scheffeln die ganz schön Kohle.", erklärte er. „Interessant…", erwiderte Lara und konzentrierte sich wieder auf die Überwachungskamera.

Schon nach wenigen Blicken hatte sie den Knopf gefunden.

„Mit meinen 9mm werd ich den nicht treffen…aber vlt…", Lara kramte in ihrem Rucksack und holte eine 4mm M20 heraus.

„Woah…woher hast du die?", sprach Zip erstaunt und guckte verblüfft auf den Monitor.

„Ein ungewolltes Geschenk von Diogo.", antwortete die junge Frau kurz und blickte über ihre Schulter zur Kamera. Lara lud die Pistole, legte an und zielte konzentriert. Als die Kamera wieder nach rechts drehte, kniff die Archäologin ihre Augen zusammen und wartete auf den richtigen Moment.

Jetzt…

Der Schuss viel und traf.

„Wer ist da?!"

Lara erschrak. Sie ging sofort in die Knie und presste sich gegen die kalte Säule.

Der Motor des Gabelstaplers wurde ausgeschaltet. Dann kamen leise Schritte.

Unter starkem Herzklopfen suchte Lara den Boden nach etwas zum Werfen ab. Als sie nicht fündig wurde, zog sie den Munitionsstreifen der 4mm mit zitternden Händen heraus. Die Schritte kamen immer näher zu ihr. Unter dem Schutz der Dunkelheit warf sie die Munition hinter die Kisten. Der Mann hörte, wie etwas Metallenes den Boden traf und lief dem Geräusch hinterher. Lara tat es ihm gleich, doch nahm sie den Weg über die Kisten. Von den Kisten herab sah sie, wie der Mann behutsam nach etwas suchte. Leise landete die junge Frau auf dem Boden und schlich sich an den Mann heran. Sie atmete gleichmäßig ein und aus. Gerade als der Mann sich umdrehen wollte, schlang ihm Lara den rechten Arm blitzschnell um den Hals. Mit der linken drückte sie seinen Kopf nach hinten. Nach einem kurzen Knackgeräusch ließ sie ihn auf den Boden sinken.

„War vorher nicht die Rede von einer Sicherheitskarte Zip?"

Der Hacker brauchte einen Augenblick, um sich wieder einzukriegen. „Eh…ja. Glaub schon."

In der rechten Hosentasche des Mannes wurde sie fündig. Ning Sai stand auf der Karte. Einige persönliche Daten und ein Foto. Am Rand war ein schwarzer Streifen.

„Jetzt müssen wir uns aber beeilen. Sonst schöpfen die noch verdacht…", sagte Lara entschlossen.

Sie packte den Toten unter den Armen und schleifte ihn in die kleine Ecke zwischen dem Kistenstapel. Hob den Munitionsstreifen vom Boden, steckte ihn wieder in die schwarze 4mm und ging ans andere Ende des Raumes.

Erst jetzt fiel ihr auf, dass über dem Eingang ein weißes B aufgemalt war. Auch hier war eine Säule, hinter der sie gut auf die Überwachungskamera zielen konnte. Wieder zielte sie konzentriert und traf den Knopf beim ersten Versuch. Ein kleines rotes Lämpchen auf dem Gerät erlosch.

Schnell ging Lara zu der Stelle unter der Kamera und blickte in den anderen Raum. Auf der Wand gegenüber fand sie ein großes weißes A.

„Jeder Raum hat hier wohl seinen eigenen Namen", kommentierte Zip.

Die junge Frau ging gar nicht darauf ein und suchte nach einer Art Lesegerät für die Sicherheitskarte. Vorsichtig betrat sie den Raum.

Ok, keine Kameras…, stellte sie erleichtert fest und beschleunigte ihre Schritte nun.

Neben einem großen eisernen Regal fand sie eine Tür, über dem das Zeichen für Notausgang angebracht war. Schnell lief sie auf diese zu und öffnete sie. Lara fand sich in einem kleinen Treppenhaus wieder. Sie blickte kurz nach oben, doch die metallenen Stufen schienen kein Ende zu nehmen. Links von ihr sah sie eine weitere Tür. Daneben ein Lesegerät.

Bingo!

Schnell holte sie die Karte hervor und zog sie durch das Gerät. Ein kleines grünes Lämpchen erleuchtete und die Tür öffnete sich, indem sie sich nach links in die Wand einzog.

Lara betrat den Lift und fand satte 60 Knöpfe vor, die für das jeweilige Stockwerk des Wolkenkratzer standen.

„Wie hoch ist eigtl. dieses Gebäude Zip?", fragte die Grabräuberin erstaunt.

„Ich guck schon…laut den Satellitenbildern…sehr hoch! Wow…die drei obersten Stockwerke scheinen nur aus Glas zu bestehen! Und auf dem Dach ist wieder dieses Logo…"

„Gut, dann statten wir Diogo mal einen kleinen Besuch ab.", gab Lara sarkastisch von sich und drückte den Knopf mit der Zahl 60.

Die Tür schloss sich wieder und der Lift setzte sich in Bewegung. Erst sah alles noch relativ dunkel aus, doch dann auf einmal dieser Szenenwechsel. Lara blickte durch einen gläsernen Lift hinab auf das beleuchtet Hong-Kong. Tausende von Lichtern waren zu sehen. Es war noch dunkel. Die Sonne schien hier spät aufzugehen. Lara wurde immer weiter nach oben gefahren und immer kleiner erschienen ihr die Gebäude unter ihren Füßen. Die Lichter der Metropole verschwammen langsam zu einem bunt glänzendem Meer. Der Anblick war unbeschreiblich.

Noch 5 Stockwerke. Lara blickte wieder nach oben. Das langweilige schwarzgrau des Wolkenkratzers verschwand und zum Vorschein kamen unzählige Glaswände. So groß, wie Lara sie noch nie gesehen hatte. Was hinter dem Glas war, konnte man nicht erkennen.

„Er hat an alles gedacht.", kam es von der jungen Frau.

60.Stock.

Der Lift hielt an. Die Gläserne Tür öffnete sich und gab den Weg auf einen großen beleuchteten Balkon frei. Ein Swimmingpool, eine Bar und eine Tanzfläche befanden sich hier. Auch viele exotische Pflanzen waren auf dem Balkon. Über diesem war ein großes Dach angebracht, auf dem sich Glasscheiben in allen Farbvarianten befanden.

„Der Typ übertreibt doch maßlos!", meinte Zip, legte die Hände über den Kopf und lehnte sich nach hinten.

Lara lächelte nur kurz und ging dann auf die Eingangstür zu. Auch sie war wie erwartet aus Glas. Lara sah genauer hin und sah Diogo, wie er gerade an seinem Schreibtisch telefonierte. Sein Büro war kreisrund. Der Boden war mit Marmor verlegt und an den weißen Wänden waren Hie und Da goldene Verzierungen angebracht. Eine Couchecke befand sich dort auch, genauso wie einige Gemälde und ein großer Plasmafernseher.

Zip war sprachlos.

Lara öffnete beide Türflügel und schritt in die Mitte des Raumes. Sie sah, wie Diogo den Hörer langsam weglegte und sie dabei fixierte.

„Sei vorsichtig…", war alles was Zip rausbrachte.

Ohne mit der Wimper zu zucken näherte sich die junge Frau dem Schreibtisch.

„Was machen Sie hier? Habe ich Sie nicht in Sizilien gelassen?", kam es aus dem spitzen Mund des Mannes. Lara wusste, dass er auf keine Antwort aus war.

„Ich wollte Ihnen das hier zurückbringen", sagte sie scharf und legte die schwarze 4mm M20 auf den mahagonifarbenen Schreibtisch.

„Und der Rest?"

„Das sind meine. Und die bleiben da, wo sie sind."

„Fragt sich nur wie lange", erwiderte Diogo und lachte kurz auf.

„Worauf wollen sie hinaus?"

„Wir wissen doch beide, dass wir auf der Suche nach dem gleichen Artefakt sind. Nicht wahr?", sprach Laras Gegenüber schon fast melodisch. Die Archäologin hob nur die Augenbrauen.

„Die Àvla geht schon seit Jahrtausenden von Kultur zu Kultur. In den meisten Fällen werden sie irgendwo etwas über dieses Artefakt lesen. Jede dieser Kulturen hat ihre eigenen Spielchen mit dem Stück gespielt. Einige haben es für gute andere wiederum für schlechte Zwecke benutzt. Sie haben es verehrt oder versteckt, weil sie Angst vor den Kräften hatten. Ich jedenfalls fürchte mich nicht davor. Ich genieße die Macht, die es mir verleiht!"

„Diogo, Sie sind besäßen.", sagte Lara schon fast angewidert.

„Besäßen? Sie begreifen einfach nicht. Dieses Gefühl zu bestimmen! Kommen Sie…ich zeige es Ihnen."

Mit diesen Worten stand er langsam auf. Lara sah, wie seine Augen anfingen sich rot zu färben. Um seinen Hals herum bildete sich eine pechschwarze Flamme, die sich langsam ausbreitete. Diogo schrie kurz auf und schon im nächsten Moment wurde er zu einem fliegenden Unheil.

Noch bevor Lara reagieren konnte, traf sie ein schwarzer Strahl mitten in ihren Bauch. Schlagartig wurde sie nach hinten geschleudert und landete unsanft in der Couchecke. Gerade als sie wieder aufstehen wollte, bildete sich eine schwarze Wolke um sie, die sie in die Luft beförderte und dort festhielt.

Die schwarze Flamme kam auf sie zu.

„Und…beeindruckt?", zischte es heraus.

„Also wenn das alles ist, was sie draufhaben, dann kann ich gut und gerne auf dieses Artefakt verzichten!", antwortete Lara höhnisch.

„Wenn Sie mehr sehen wollen, dann müssen Sie mir nur den Splitter zurückgeben!"

„Und was wäre, wenn ich Ihnen die restliche Hälfte von Àvec geben könnte?"

„Sie sind im Besitz der schwarzen Hälfte?!"

„Das habe ich nie behauptet…heißt das also, dass Sie auch nicht wissen, wo der Rest steckt?"

„Den Rest werde ich schon finden. Doch zuerst brauche ich meinen Splitter wieder! Also her damit Lady!", rief Diogo aus und Lara verspürte, wie es von allen Seiten gegen sie drückte. Als ob der Nebel um sie herum enger werden würde.

„Wozu…wozu brauchen Sie den Splitter?", brachte Lara gerade noch so raus.

„Um mir zurückzuholen, was ich Nicklson überreicht habe. Die weiße Hälfte! Und vielleicht noch eine Kleinigkeit mehr…"

„Was?! Sie arbeiten auch für Nicklson?!"

„Das wussten Sie nicht? Ts…"

Lara spürte, wie der Druck um sie herum wieder leichter wurde. Von draußen blinkte kurz ein Licht. Für einen Augenblick sah Lara, wie die Flamme heller wurde.

Natürlich!

Mit ihrem Kinn berührte Lara den Knopf an ihrem LPS, das sogleich anging.

Augenblicklich löste sich die Wolke um sie herum auf und die junge Frau landete wieder auf dem Boden.

„Direktes Licht…in Ihrer verwandelten Gestalt könne sie es nicht ausstehen. Stimmt doch?", sprach Lara, wobei sie ihre Handgelenken rieb. Sie spürte die leichte Unsicherheit, die von Diogo ausging.

„Lange werden Sie mich so nicht aufhalten können.", erwiderte er und ging einige Schritte nach hinten.

„Vielleicht habe ich Sie bis dahin schon erledigt…"

„Das glaube ich kaum!", zischte es wieder aus der Flamme.

Zu Laras Überraschen sah sie, wie Diogo sich wieder zurückverwandelte.

Ohne lange nachzudenken rannte sie auf ihn zu und richtete ihre Pistolen auf ihn. Jedem Schuss wich er geschickt aus, bis er nur wenige Meter vor ihr stand und ihren Hals blitzartig mit seiner linken Hand umschlang. Lara spürte die Kälte.

Noch bevor die Archäologin ihn mit einem Kick von sich entfernte, packte er ihr LPS und schmiss es mit so einer Wucht gegen die Wand, dass es in kleine Teile zersprang.

Lara atmete geschockt aus und funkelte Diogo böse an. Wieder startete er einen Angriff. Wieder lief er auf sie zu, wobei er sich im Lauf verwandelte. Noch bevor er Lara traf, vollführte sie einen Salto über ihn hinweg. Sie landete, drehte sich schnell um und wurde sofort von einem Strahl erfasst, der sie zu Diogo zog. Nun standen sie eng am Fenster.

„Sie sind ja doch nicht so stark wie ich dachte!"

„Ich muss mich erst mal warmlaufen mein Lieber!", erwiderte Lara und holte zum Schlag aus. Kurz bevor sie ihren Gegner traf, spürte sie eine gigantische Druckwelle. Die junge Frau wurde nach hinten geschleudert und traf mit ihrem Rücken gegen die Wand, woraufhin sie zu Boden sank.

Diogo wurde so gegen das Fenster gedrückt, dass sich einige Risse darin bildeten.

„Genug?"

„Niemals…", antwortete Lara kämpferisch und richtete sich wieder auf.

Die beiden Rivalen gingen nun im Kreis. Den Blick stets aufeinander gerichtet.

„Wissen Sie, was Ashley mit dem Artefakt vorhat?", fragte die Archäologin.

„Nicht wirklich. Ich weiß nur, dass ich langsam keine Lust mehr habe für sie die Drecksarbeit zu machen. Das Geld habe ich schon längst bekommen. Doch eins werde ich noch mit Vergnügen für Nicklson erledigen!"

„Und das wäre?", Laras Herz raste.

„Sie töten!"

„Scheiße! Lara!"

Das war das Einzige was Lara noch hörte. Im nächsten Moment traf sie ein gewaltiger Strahl, der sie an das Glasfenster drückte. Der Druck war so stark, dass die junge Frau kaum atmen konnte. Und dann gab das Glas des Fensters nach. Es brach in tausend Stücke. Tausend Stücke, die sogleich samt Lara in die Tiefe zu stürzen drohten.

Lara spürte, wie sich ihr Körper wieder entspannte sie blickte hoch. Ein Glasregen fiel über sie herab. Und dann sah sie ihn wieder. Diogo als Flamme. Mit rasantem Tempo kam er auf sie zugeflogen, packte sie wieder an sich und wirbelte sie durch die Luft.

„Ich spüre sie…die Energie, die aus dem Splitter kommt. Sie erfüllt mich geradezu mit Kraft! Er ist ihn Ihrem Rucksack. Geben Sie schon her!", die letzen Worte brüllte Diogo förmlich heraus. Mit all seiner Wut steuerte er die Glaswand eine Etage tiefer an. Er beschleunigte sein Tempo stetig.

Aus dem auszuhaltenden Druck der Luft gegen den Kopf, wurde plötzlich ein harter Schlag. Lara hörte ein lautes Klirren und spürte wie sich das Glas in ihre Haut bohrte. Am liebsten hätte sie aufgeschrieen, doch es ging nicht.

Die Flamme löste ihren Griff von der Frau und wieder schleuderte Lara mit ihrem ganzen Körper gegen eine Wand.

Keuchend lag die junge Frau am Boden.

Langsam legte sie ihre Hände auf den Boden, drückte sich hoch und setzte sich auf ihre Knie. Jedes Glied an ihrem Körper schmerzte. Der Kopf drohte jeden Moment zu platzen. Sie spürte wie etwas Kaltes ihre Arme runter lief. Das machte den metallischen Geschmack in ihrem Mund nur noch unerträglicher.

Der Splitter, das ist es!

Vorsichtig griff sie nach ihrem Rucksack. Öffnete ihn und holte den kleinen Lederbeutel heraus.

Diogo betrachtete die Szene gierig.

Sie hielt den Beutel verkehrt herum und ließ den schwarzen Splitter in ihre linke Hand fallen.

Nun blickte sie wieder auf.

„Sie machen sich alles nur selber kaputt. Ohne Sie wäre ich nie auf den Splitter gekommen."

Lara hörte das aufgeregte Atmen von Zip. Langsam richtete sie sich wieder auf.

„Was meinen Sie damit? Sehen Sie sich doch nur an…völlig kraftlos. Sie haben kein Chance gegen mich!", zischte es aus der Flamme, die wieder einen Angriff startete.

Schnell packte Lara einen der Tische, warf ihn auf den Boden und wich mit einer Rolle zur Seite aus. Die Flamme krachte durch den Tisch und verschwand durch die Wand.

Alles klar…

Die Archäologin spürte, wie ihr Körper sich langsam wieder stärker anfühlte. Sie schaute auf ihre linke Faust.

Bloß nicht zu lange…

Auf der anderen Seite des Raumes drehte sie sich wieder um und schaute nach vorn. Sie hörte ein lautes Raunen und erblickte kurz darauf wieder die schwarze Flamme. Beide liefen aufeinander zu. Kurz bevor Diogo Lara erreichte, sprang sie mit ganzer Kraft vom Boden ab. Kopfüber in der Luft streckte sie ihren linken Arm aus und stach mit dem Splitter in die Flamme ein. Genau wie sie es geplant hatte. Die Flamme war hart.

Sie hörte einen Schrei. Diogo geriet außer Kontrolle und landete in einer Reihe von Computerschreibtischen, die durch den Aufprall zerbarsten.

Ohne anzuhalten lief Lara auf einen Lichtschalter zu und betätigte diesen. Der Raum wurde augenblicklich hell, sodass die junge Frau kurz ihre Augen schließen musste.

Dann ging sie zu den zerstörten Schreibtischen und sah Diogo, der wieder seine alte Gestalt angenommen hatte und voller Kratzer war.

„Denken sie ja nicht, dass Sie schon gewonnen haben! Sie kleines Miststück!"

Lara blieb unbeeindruckt. Sie sah zu, wie Diogo langsam aufstand. Als er aufblickte spürte er etwas Kaltes an seiner Schläfe.

„Bereit aufzugeben Diogo?"

„Ich denke nicht mal daran!"

Blitzschnell bückte er sich nach unten und rammte Lara mit seinem Oberkörper gegen die Beine. Die junge Frau fiel nach vorne und ließ ihre Waffe fallen.

Währenddessen packte Diogo das linke Handgelenk seiner Rivalin und riss sie nach oben. Die Archäologin verpasste ihrem Gegenüber einen Tritt in die Magengegend und nutzte den Schub, um mit einem Rückwärtssalto ein Stück weiter hinten zu landen.

Diogo taumelte nur kurz herum und holte zu einem weiteren Schlag aus. Schnell vollführte Lara einen Flick-Flack nach hinten und traf dabei mit ihren Füßen Diogos Gesicht.

Dieser stöhnte auf und landete mit seinem Rücken auf den Boden. Nur wenige Zentimeter trennten ihn von dem riesigen Loch in der Glaswand. Er sah, wie die Grabräuberin auf ihn zukam. Ihre Augen waren voller Hass.

„Es ergreift langsam Besitz von Ihnen.", stellte er fest und setzte ein gieriges Grinsen auf.

Ohne darauf einzugehen, trat Lara ihm mit den Fuß in den Bauch. Griff dann mit der rechten Hand nach seinem Kopf und zog ihn hoch.

„Zeit sich von ihrem Schmuckstück zu verabschieden!"

Mit voller Kraft rammte sie den Splitter in ihrer linken Hand gegen den in Diogos Nacken. Schwarze Blitze kamen zwischen den beiden Splittern zum Vorschein. Der Mann schrie qualvoll auf. Daraufhin fiel sein Artefaktstück auf den Boden.

Diogo sah völlig erschöpft auf. Lara umschlang seinen Hals mit ihrer rechten Hand und lies den Mann über dem Boden schweben. Langsam ging sie auf das große Loch im Fenster zu. Panisch blickte Diogo nach unten. Sein Körper war so hoch über den Straßen Hong-Kongs, das er diese nicht einmal sehen konnte. Er griff mit seinen Händen nach Laras Handgelenken. Sie spürte, wie sich auf der kalten Haut Schweißtropfen bildeten.

„Ich Hoffe nur für dich, dass du auch ohne den Splitter fliegen kannst!", sprach sie voller Hass.

Der Mann begann gerade mit einem. Einem Satz, den er nie über die Lippen bekommen sollte. Er fiel. Er fiel in das glänzende Meer aus Lichtern. In das glänzende Meer aus Lichtern, aus dem er nie wieder auftauchen würde.

Lara blickte ihm nicht nach. Sie öffnete ihre linke Faust und ließ auch ihren schwarzen Splitter zu Boden fallen. Sofort spürte sie, wie erschöpft ihr Körper doch war.

Sie beugte sich nach unten, hob die Splitter auf und steckte diese in den kleinen Lederbeutel.

„Lara…geht's dir gut?"

„Was? Oh, eh…ja. Ich bin nur etwas erschöpft und…".

Es tat gut Zips Stimme zu hören. Sie fühlte sich nicht so allein.

Ein lauter Alarm ging los. Das weiße helle Licht in dem Raum wurde durch ein kleines, blinkendes rotes Licht ersetzt. Und dann war da dieses dumpfe Getrampel. Aus dem Lautsprecher war eine Stimme zu hören. Doch die konnte Lara nicht mehr verstehen. Ein weiters Geräusch kam hinzu. Es kam näher und langsam entwickelte es sich zum Lärm.

Die Archäologin blickte aus dem Fenster. Ein kräftiger Wind wehte ihr ins Gesicht und brachte ihre Haare in Aufruhr. Der Lärm der laut rotierenden Trageflügel übertönte alle restlichen Geräusche.

Was zum Teufel…

Fassungslos blickte Lara auf den Helikopter vor ihr. Die Tür öffnete sich und eine Strickleiter kam zum Vorschein.

Ein lauter Knall. Lara blickte nach hinten und sah wie schwarzbekleidete Männer den Raum stürmten. Die junge Frau sah keinen anderen Ausweg. Schnell ging sie einige Schritte zurück und nahm dann Anlauf. Sie hörte Schüsse. Im letzten Moment sprang sie ab und griff mit ihrer linken Hand nach der Strickleiter. Wieder verfehlten sie einige Kugeln. Schnell legte sie ihre restlichen Gliedmaßen nach und kletterte hinauf. Noch bevor sie oben angekommen war, entfernte sich der Helikopter und die Geräusche aus dem Hochhaus wurden nur noch zu einem kaum vernehmbaren Surren.

Mit den Händen stützte sich Lara am Fußboden ab, hob ihren rechten Fuß hoch und stieg in den Helikopter. Automatisch setzte sie sich auf einen der weichen schwarzen Ledersitze. Sie atmete kurz aus und blickte dann nach vorn.

Lara wäre am liebsten wieder ausgestiegen, als sie erkannte, wer vor ihr saß.


Ja, das war durchaus wieder eins der etwas längeren Kapitel! Aber schön,das ihr durchgehalten habt ;)

Wie ich selbst wieder festgestellt habe - mein Schreibstil! Der ändert sich echt ständig...deswegen hab ich beschlossen an den Anfangskapiteln noch par Änderungen vorzunehmen bzw. diese etwas auszuschmücken!

Also dann! Liebe Grüße, eure lara4ever