12. Die Rückkehr
Es war der 1 September und der erste Tag im neuen Schuljahr.
Auf dem Bahnsteig 9 ¾ drängten sich die plappernden Schüler, die lachenden Eltern und die aufmerksamen Reporter.
Reporter?
Ja. Denn heute soll der Tag sein an dem Harry Potter, der Junge der lebt, wieder in die Zauberwelt zurückkehrt.
Ein Jahr hatte niemand etwas von ihm gehört oder gesehen und das einzige Lebenszeichen war ein Brief an Albus Dumbledore.
In dem stand aber nur, dass Harry Potter das 6Schuljahr in Hogwarts nicht besuchen wird und ein Jahr seinen unbekannten Beschäftigungen nachgehen muss.
Dem entsprechend war das Hauptgesprächsthema Harry Potter und fast jeder hoffte ihn zu entdecken. Aber keiner konnte den Helden ausmachen.
Langsam drohte die Gerüchteküche über zulaufen und jeder wollte wissen warum er noch nicht da sei:
"Sicher hat es ihm in der Muggelwelt besser gefallen und kommt nie mehr zurück!" weinte ein braunhaariges Mädchen aus dem dritten Jahrgang.
"Die Todesser haben ihn erwischt und jetzt wird er irgendwo gefoltert!" erklärte ein blonder Junge.
"Quatsch! Er stirbt nur wenn er Selbstmord begeht! Das ist die einzige logische Erklärung!"
Immer fantastischer wurden die erfundenen Erklärungen und Harry Potters Freunde konnten nur zweifelnd und hoffend danebenstehen.
Keiner beachtete den jungen schwarzhaarigen Mann der zynisch lächelnd in der Ecke stand und alles beobachtete.
Plötzlich wurde er jedoch von einer jungen Reporterin angesprochen, die eindeutig eine Anfängerin war:
"Entschuldigen sie, sie sind doch ein Hogwarts Schüler in der 7. Klasse, oder?"
"Ja. Gryffindor. Warum?"
"Dann müssten sie doch Harry Potter gekannt haben. Glauben sie das er heute noch kommt?"
"Nein." Kam die Antwort, mit einem Blick in die Menge. "Ich glaube er ist schon da."
Die Reporterin starrte ihn überrascht an und freute sich über diese Antwort. Vielleicht konnte sie ihrem Chef ja doch noch eine halbwegs interessante Story liefern.
Rasch fragte sie, wie er zu dieser Meinung gekommen sei.
"Ganz einfach. Harry Potter würde Hogwarts nicht noch ein Jahr verlassen und der Zug fährt in 4min ab. Er muss hier sein!"
"Aber warum sieht ihn dann keiner?" versuchte die Reporterin einzuwenden.
"Ein Jahr ist eine lange Zeit....Menschen verändern sich und vielleicht mag er auf keine Reporter treffen."
Die Reportein lächelte amüsiert und fragte:
"Wie denken sie sieht er jetzt aus? Ähnlich, verzeihen sie, gutaussehend wie sie?"
Ihr Gegenüber fing an zu lachen und konnte sich fast nicht mehr beruhigen. Dann presste er ein kurzes "Ja." heraus.
Wieder ernst geworden sah er auf die Uhr und erschrak. Der Zug fuhr jeden Moment ab!
"Entschuldigung." Sagte er noch zu der jungen Frau, bevor er los lief. "Der Zug fährt ab."
Schon hatte er sich an ihr vorbei gedrängelt und lief auf den anfahrenden Zug los. Mit einem gewagten Sprung schaffte er es schließlich gerade noch aufzuspringen.
Auf einem Trittbrett stehend winkte er der Reporterin noch ein letztes mal zu.
In dem Moment fiel der Armen etwas wirklich Wichtiges ein was sie noch fragen musste. Auch sie lief los und neben dem immer schneller werdenden Zug her.
Außer Atem formulierte sie die Frage:
"Wie was ihr Name?"
"Harry Potter heiße ich. Wiedersehen!" rief er noch bevor der Zug aus dem Bahnhof raus fuhr und aus ihrem Blickfeld entschwand.
Auf dem Bahnsteig standen nun nur noch die Eltern und mehrere enttäuschte Reporter. Und am Ende des Bahnsteiges stand eine fassungslose junge Reporterin, die plötzlich anfing zu lachen.
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Harry grinste, als er das fassungslose Gesicht der Reporterin verschwinden sah.
Er wusste, dass er mit dem kleinen Jungen von damals fast nichts mehr gemeinsam hatte.
Auf Grund seiner Verwandlung war er gewachsen und nun fast 1,90 (!) groß.
Auch hingen seine schwarzen Haare (ob das von den Elben oder den Todesengeln kam wusste er nicht) fast bist zum Po und waren nur durch ein schmales schwarzes Band gebändigt.
Nur seine Augen waren grün wie eh und je, auch wenn mehrere Leute behaupteten sie hätten einen seltsamen Glanz (wahrscheinlich eine Nebenwirkung der Blutbindung mit der Drachin).
Zudem trug er keine Brille mehr, was die Veränderung noch verstärkte.
Er wollte nicht gleich allen von seinen nicht menschlichen Seiten erzählen, deshalb trug er so genannte Magieblocker.
Eins war ein schmales goldenes Armband das sich zweimal um den rechten Oberarm wand. Da es dafür sorgte das sein Elbenaussehen verschwand und seine Elbenmagie unterdrückte, waren an den beiden Enden des Bandes zwei grüne Blätter aus Smaragds eingefasst.
Der zweite Magieblocker war breites Goldarmband, das am linken Oberarm saß. Als Zeichen das es seinen Blutdurst und seine spezielle Vampirmagie unterdrückt, waren Rubine und Mondsteine eingelassen.
Der letzte Blocker war ein Ohrring an dem ein pechschwarzer Edelstein hang. Der Edelstein war von mehreren schwachen Goldlinien durchzogen. Dieses Schmuckstück war das mächtigste, da es einfach all seine Todesengeleigenschaften unterdrücken. Und Todesengel waren mächtig......sie beherrschten die Schattenmagie (die Ursprungsform der Dunklen Magie die Voldemort benutzt).
Normalerweise reichte ein Blocker aus, um einer Person jede Magie zunehmen.
Aber das war nun egal...
Fröhlich machte er sich auf den Weg zu seinem bereits verstauten Gepäck.
Langsam schlenderte er durch den Zug und beobachtete die anderen Schüler. Hin und wieder sah er ein bekanntes Gesicht, sprach es aber nicht an.
Gryffindors aus der letzten Jahrgangsstufe und damit seine Freunde konnte er nicht entdecken.
Wo sind Ron und Hermine? Es ist ihnen doch nichts passiert?'fragte er sich leicht nervös.
Er hatte das Abteil mit seinem Gepäck erreicht und öffnete die Schiebetür.
In dem Abteil das eine Mädchengruppe aus dem ersten Jahrgang, die erschreckt aufschauten als er herein kam.
"Entschuldigt. Ich hatte hier vorhin mein Gepäck verstaut..."
Ein stupsnasiges Mädchen zu seiner Rechten fasste sich als Erste wieder und erklärte entschuldigend:
"Sie müssen sich irren. Hier wurde kein fremdes Gepäck verstaut. Oder?"
Die anderen stimmten ihr rasch zu, doch er schüttelte den Kopf:
"Doch hier sind meine Gepäckstücke. Wahrscheinlich habt ihr euch drauf gesetzt. Würdet ihr kurz aufstehen?"
Sie taten ihm den Gefallen, auch wenn sie eindeutig nicht wussten wo diese Koffer sein sollten.
Er fing schweigend mit der Suche an. Zuerst waren die Sitzpolster dran, dann der Boden und zuletzt das Ablagebrett am Fenster.
Plötzlich rief er, "Ich hab sie!" und stellte sich wieder aufrecht hin.
Die Mädchen sahen ihn verblüfft an. Sie konnten nirgendwo Koffer und ähnliches sehen!
"Wo denn?" fragte sie einstimmig.
Er öffnete seine zur Faust geballte Hand und streckte sie ihnen entgegen.
Tatsächlich lagen dort mehrere Koffer und Taschen, allerdings war keine größer als 3cm.
"So klein?!" fragte ein braunhaariges Mädchen überrascht.
"So klein." Antwortete Harry lachend. "Sie sind verkleinert und so platzsparender und auch noch leichter zu transportieren. Ihr lernt das auch noch."
"Cool."
Er nickte zu Abschied, steckte sein Gepäck in die Hosentasche und verlies das Abteil.
Ohne zu Zögern nahm er die Suche wieder auf.
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Er hatte fast ¾ des Zuges durchsucht als er an zwei Hufflepuff vorbei kam.
Harry wollte schon weiter gehen, als in ihrem Gespräch sein Name fiel.
Nun doch neugierig geworden blieb er stehen und hörte zu:
"Harry ist nicht da! Sonst hätte ihn doch wohl irgendeiner gesehen."
Es war Ernie Mc Ellan der da einen Standpunkt versuchte zu erklären. Ihm gegenüber stand Hannah Abbott die leise einwandte:
"Aber er muss da sein. Du weißt doch auch wie sehr er Hogwarts liebt. Und seine Freunde sie sagen doch auch das er da ist."
"Sicher er liebt Hogwarts, aber wenn er nicht kommen kann?!
Und auch seine Freunde, die Gryffindors, sagen nicht mehr alle, dass er 100% kommt. Ich war vorher kurz hinten, im letzen Wagen. Du hättest hören müssen wie die sich streiten!"
Harry hatte genug gehört. Er wusste nun, dass alle seine Freunde sich im letzten Wagen aufhielten und dort über ihn diskutierten.
Statten wir ihnen mal einen kleinen Überraschungsbesuch ab.' Dachte er zynisch und schlenderte los.
Je mehr er sich dem Ende des Zuges näherte, desto mehr Gryffindors kamen ihm entgegen.
Auch wurde die Stimmung gereizter und im vorletzten Abteil hörte er schon die ersten Stimmen.
"HARRY......NIE......" schrie dort jemand erregt.
Er konnte den Satz nur undeutlich verstehen und schlich sich näher an die Tür.
Stimmengemurmel.........immer wieder sein Name.......und zwei Stimmen die sich laut stritten.
Nach einigen Minuten Zuhörens hatte Harry genug von dem Theater bei dem man nichts versteht und öffnete die Schiebetür.
Das Bild das sich ihm bot war bizarr.
Ron stand in der Mitte des Ganges und ihm gegenüber Dean. Beide mit hochroten Köpfen und vor Wut verzerrtem Gesicht.
Um sie herum standen Hermine, Seamus, Neville, Ginny, Luna und viel andere seiner Freunde und sahen ebenso erhitzt drein.
Keiner beachtete den Neuankömmling, der nun leise die Schiebetür schloss und sich umdrehte.
Harry lies seine Augen über die Versammlung streifen.
Sie alle waren gealtert und sahen reifer aus.
Ron war fast so groß wie Harry und überragte damit alle anderen um Weiten.
Hermine hingegen war fast gar nicht gewachsen. Dafür hatte sie einen weiblichen Körper bekommen und sah richtig schön aus (selbst ihre buschigen Harre waren weniger).
Seamus und die anderen waren gewachsen, hatten tiefere Stimmen bekommen und hatten das kindliche verloren.
Man sollte meinen diese Gruppe wäre auch ernster und besonnener geworden, aber dies war anscheinend nicht der Fall.
Gerade schrie Ron:
"HARRY IST MEIN FREUND!!! ER WÜRDE UNS NIEMALS VERRATEN UND WEGLAUFEN!"
Das Geschrei klingelte Harry in seinen empfindlichen Elbenohren.
Als auch noch mehrere Ron lautstark zustimmten, hielt er sich verzweifelt die Ohren zu.
"ER WAR EIN JAHR WEG! WAS WILLST DU DEN NOCH ALS BEWEIS?! KEIN MENSCH HAT IHN SEIT DEM ÜBERFALL MEHR GESEHEN!!!"
Auch Seamus bekam seine Zustimmungsrufe, was Harry nur den Kopf schütteln lies.
Hier standen seine besten Freunde und stritten sich wegen ihm wie kleine Kinder...
Obwohl sie durch aus um ernste Themen redeten.
Es hatte ihn tatsächlich seit einem Jahr kein Mensch mehr gesehen und erkannt....kein Mensch.
"ER HATTE HALT EINEN SCHOCK ODER WAS WEIß ICH WAS! HARRY BRAUCHT AUCH EINMAL EIN JAHR AUSZEIT!
VIELLEICHT KONNTE ER NICHT KOMMEN, WEIL TODESSER IHN AUF HIELTEN!!!" konterte Ron.
Mehrere Leute im Umkreis nickten und stimmten ihm zu.
Währenddessen stand Hermine etwas einsam am Rand und betrachtete alles mit einem Hauch Missfallen, aber nicht wenig parteiisch.
Plötzlich sah sie auf und entdeckte Harry, der immer noch still neben der Tür stand.
Sie runzelte leicht die Stirn und musterte ihn von oben bis unten.
Harry lächelte über ich verwirrtes Gesicht und strich sich ein paar Strähnen aus der Stirn.
Nun konnte sie deine Narbe gut erkennen.
Er sah wie sie nach Luft schnappte und schon zu ihm laufen wollte, doch er schüttelte leicht den Kopf und legte den Zeigefinger auf die Lippen.
Sie stoppte und sah ihn nochmals verwirrt an und folgte dann seiner stummen Anweisung.
Sie tat als hätte sie ihn nicht gesehen und beobachtete wieder das Wortduell.
Nun war Seamus dran mit einer Antwort und die kam auch prompt:
"VIELLEICHT HAT ER SICH ABER AUCH DER DUNKLEN SEITE ZUGEWANDT UND FOLGT VOLDEMORT!!!"
"DAS WÜRDE ER NIE FREIWILLIG TUN!!! DAFÜR BRÄUCHTE ES SCHON EINE GEHIRNWÄSCHE!!!" schrie Ron wutentbrannt.
Seamus Zorn erreichte nun ebenfalls seinen Höhepunkt und Harry ahnte schon eine Prügelei voraus:
"ICH SAGTE VIELLEICHT DU VOLLIDIOT!!!!! VIELLEICHT HAT ER JA AUCH SELBSTMORD BEGANGEN!"
Harry wurde es zu bunt.
Seine besten Freunde stritten sich hier, ob er Selbstmord begangen hatte oder nicht und fingen jeden Moment eine Prügelei an!
Er beschloss einzugreifen und sagte mit ruhiger, aber relativ durchdringender Stimme:
"Vielleicht Seamus, vielleicht. Vielleicht aber steht Harry Potter auch gerade hinter euch und fragt sich was für Kindsköpfe seine Freunde sind."
Schlagartig wurde es ruhig und alle sahen den Neuankömmling überrascht an.
Nur Hermine lächelte und betrachtete belustigt die überraschten Gesichter ihrer Mitschüler.
