13. Hogwarts
Schlagartig wurde es ruhig im Zug und alle betrachteten den Neuankömmling überrascht.
Nur Hermine lächelte wissend im Hintergrund.
Seamus fing sich als erstes wieder und blaffte Harry an:
"Was willst du?"
Anscheinend fragten sich das alle, denn keiner fügte noch irgendetwas hinzu.
"Ich würde mich gerne mit Ronald Weasley und Hermine Granger unterhalten. Wenn das geht."
Überrascht sahen ihn die beiden genannten an, dann nickte Hermine auf ein leeres Abteil und ging hinein. Die zwei Jungen folgten ihr.
Kaum waren sie alleine, als Ron die nächste Frage stellte:
"Wer bist du?"
"Das müsstest du dir selbst beantworten können." Und Harry setzte sich und sah ihn leicht belustigt an.
Auch Hermine schien erheitert.
Die Sekunden vergingen und Harry wollte schon antworten, als sich Rons Gesichtsausdruck veränderte.
Er runzelte leicht die Stirn und musterte Harry von oben bis unten. Bei seinem Gesicht, dem Gryffindorabzeichen und dem Ohranhänger blieb sein Blick kurz hängen, nur um danach weiter zu wandern.
Plötzlich legte sich Erkennen' auf seine Gesichtzüge:
"HARRY?! Bist du das?"
"Ja, Ron. Ich bin es."
Stille.
Und dann......nach dem Beweis kamen die Fragen:
"Wo warst du?"
"Was ist geschehen?"
"Wieso bist du jetzt im Zug? Auf dem Bahnsteig habe ich dich nicht gesehen..."
"Wieso hast du uns nicht geschrieben?"
Für seine armen Elbenohren war das die Hölle.
Er hob abwehrend die Hände und versuchte sie zu beruhigen:
"Es tut mir Leid, das ich solange nicht da war und euch nicht geschrieben habe, aber es war unvermeidlich."
"Aber warum?" kam die verzweifelte Frage von den Beiden.
Harry sah sie leicht verzweifelt an und antwortete:
"Es hatte mehrere Gründe. Aber ihr müsst mir glauben, dass ich es nicht absichtlich gemacht habe. Ich wollte nach Hogwarts...aber es ging nicht."
"Harry." Versuchte es Hermine. "Du kannst uns vertrauen und alles erzählen. Wir sagen es nicht weiter."
Er wusste sie sagte die Wahrheit, aber die Elben- und Vampirgeheimnisse gingen keinen Außenstehenden etwas an.
Und was die restlichen Vorfahren betraf...Was würden sie dazu sagen das er Voldemorts Enkel war? Das er ein Todesengel war?
Sie sah die Zweifel in seinen Augen und lenkte ein:
"Wenn du nicht alles erzählen willst, musst du das auch nicht. Aber ist es dir wenigstens gut gegangen?"
"Und wo warst du? Das könnest du auch sagen, in ganz England wurdest du nicht gesehen!"
erzählte Ron erhitzt.
"Es tut mir Leid, das ich es euch nicht erzählen darf. Aber ungefähr...In Ordnung. Bis Weihnachten war ich in Irland, dann habe ich Reisen durch ganz Europa unternommen."
"Du bist gereist?" fragte Ron. "Warst du auch in Rumänien?"
"Ja. Aber bevor du fragst, dein Bruder wird mich nicht gesehen haben."
Hermine runzelte die Stirn.
"Warum sollte dich Charlie nicht sehen?"
Harry zuckte mit den Schultern und gab zu erkennen, das er bitte nicht weiter gefragt werden möchte.
Seine besten Freunde nahmen dies zur Kenntnis und versuchten einen anderen Weg:
"Warum hast du uns nicht geschrieben?"
"So ein Brief vom anderen Ende Europas dauert lange und ich hatte Hedwig nicht. Zudem war jeder Brief eine Heidenarbeit. Ich glaube auf jeden Brief mussten über 10 Schutzzauber gelegt werden, damit ihr mich nicht findet."
Hermine und Ron grinsten amüsiert:
"Die Briefe waren wirklich lustig. Die waren wirklich kompliziert. Lupin, Mc Gonagall und Dumbledor haben versucht sie zu brechen....Am Schluss haben sie ausgesehen wie Clowns."
Auch Harry grinste nun:
"Das war ja auch so geplant. Hermine hast du noch Fragen?"
"Natürlich!" kam die entrüstete Antwort. "Wer hat dir geholfen? Und was hast du gemacht außer reisen? Wiederholst du die 6Klasse Hogwarts? Du müsstest nämlich ziemlich hintendran sein."
Sie hätte noch weiter geredet, wenn Harry sie nicht lachend unterbrochen hätte:
"Ist schon gut Mine. Du hast noch Fragen. Wer mir geholfen hast? Darf ich nicht sagen.
Aber was ich getan habe, außer reisen war lernen.
In manchen Fächern dürfte ich euch sogar voraussein. Hintenher hängen tue ich in Wahrsagen, aber das Fach wähle ich ab und wechsle zu den Runen."
Er spürte wie Ron etwas sagen wollte, es sich jedoch dann verkniff.
Hermine hingegen sah aus als wäre ihr größter Wunsch in Erfüllung gegangen, Harry lernte!!!
So gratulierte sie ihm auch überschwänglich:
"Harry! Das ist wundervoll, ich habe mir solche Sorgen gemacht! Ich hoffe du hast wirklich viel gelernt, denn das 6Jahr war nicht leicht und die UGZ stehen ja an..."
"Kennst du schon den Duellierunterricht? Er ist freiwillig."
"Nein, Ron. Mit meinem Hogwartsbrief stand zwar etwas davon drinnen doch keinen genaueren Angaben. Also, was ist geschehen?"
Den Rest der Zugfahrt verbrachten sie mit dem erzählen des letzten Schuljahres und dem Ärgern über Snape, der führte nämlich den Duellierclub.
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Die Zeit verging wie im Fluge und schon sagte Hermine mir einem Blick auf die Uhr:
"Wir müssen uns umziehen Ron. Harry hat das ja schon erledigt."
Ron nickte Harry zu und die beiden verließen das Abteil, man wollte Hermine ja nicht unnötig blamieren.
Fünf Minuten später erfolgte der Wechsel, wobei Harry wieder draußen blieb.
Ron war gerade einmal 5min fertig, als der Zug auch schon hielt. Alle Schüler strömten plappernd, lachend nach draußen und Harry mit ihnen.
Auf dem Bahnsteig war das übliche Gedränge und Gehschubse doch Harry stand wie fest genagelt da und sah zu dem Gebäude in der Ferne.
HOGWARTS.
Harry hatte ganz vergessen, wie imposant der erste Anblick ist.
Doch jetzt traf es ihm mit voller Wucht.
Majestätisch erhob sich die Burg über das Land und wurde von innen heraus von Tausenden Kerzen erleuchtet.
All diese Lichter spiegelten sich, zusammen mit der Burg, in einer magischen Atmosphäre auf dem See wieder.
"Ha...ry...Harry...HARRY!!!"
Jemand zog an seinem Ärmel und er erwachte langsam aus seiner Starre.
"Was ist den Hermine?" fragte er brummig.
"Nichts. Außer das die Kutschen gleich abfahren! Komm!!!"
Sie lief los und zerrte Harry mit sich.
Die meisten Kutschen waren schon besetzt und sie überlegten schon, ob sie in eine Kutsche mit Ravenclaws steigen sollten, als Harry Ron entdeckte.
Der stand auf dem Trittbrett einer Kutsche und winkte ihnen zu:
"Hierher! Die ist noch frei!"
Rasch stießen sie zu ihm und ließen sich dann erleichtert in die weichen Kissen fallen.
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Die große Halle war schon fast voll und sie mussten sich einen der hinteren Plätze am Gryffindortisch suchen.
In der alle herrschte ein riesiger Trubel, trotzdem fiel Harry mehreren Schülern auf.
Nach kurzer Zeit hatten alle von seinem Auftritt im Zug gehört und er war das Gesprächsthema Nr. 1.
Die Schülerinnen fanden ihn gutaussehend, attraktiv, geheimnisvoll und gerieten ins schwärmen.
Die Jungen wieder rum mochten ihn genau aus diesen Gründen nicht und erfanden abwertende Geschichten über ihn.
Die Gerüchte schwirrten nur so und fast jeder hatte seine eigene Meinung.
Ein paar behaupteten er sei ein Leibwächter, der angestellt worden war um die Freunde von Harry Potter zu beschützen.
Dem stand das Gerücht das er ein Auftragskiller sei gegenüber.
Die Realistischen erzählten, er sei ein Austauschschüler und die Romantischen er wolle einfach seine Freundin (Hermine) abholen.
Keiner kam auf die Idee, dass dies Harry Potter sei.
Sie waren einfach zu verschieden. Das einzige was sie gemeinsam hatte war die Haar- und Augenfarbe, doch selbst da gab es winzige Unterschiede:
Die Augen des Neulings leuchteten richtig und sein Haar war schwärzer (die verliebten Mädchen behaupteten seine Haare würden das Licht geradezu verschlucken).
Ansonsten waren nur Unterschiede.
In der Größe, in der Verhaltensweise (mehr Selbstbewusstsein), in der Haarlänge, im Körperbau, bei den Muskeln (ein Traum!), im Schmuck (der Ohranhänger), schlicht weg in allem.
Harry ignorierte die Gerüchte und redete weiter mit seinen zwei Freunden.
Ein bisschen wunderte er sich schon, warum ihn niemand fragte wer er sei, aber dann kam ihn das Killergerücht zu Ohren und begriff, dass sie etwas Angst hatten (Um das Trio herum war fast ein Meter Platz!)
Der Todesengel in ihm flüsterte leise, dass das auch gut so sei.
WUMMMM!!! Flog die Flügeltür auf.
Herein kamen circa 60 verängstigte Erstklässler, angeführt von Mc Gonagall.
Sofort verstummten alle Gespräche im Saal und beobachteten die Prozession. Vorne, am Lehrertisch stoppte sie und der Hut begann sein Lied.
Als er geendet hatte tobten die Schüler und Mc Gonagall rief die erste Schülerin vor:
"Alanew, Richard."
"Slytherin."
"Atherworth, Sandra."
"Ravenclaw."
So ging es weiter, bis............
"Zechs, Kerstin."
"Gryffindor."
"Zolge, Andrew."
"Slytherin."
Die Auswahl war beendet und Dumbledore erhob sich um seine Rede zu halten:
"Herzlich willkommen zu einem neuen Jahr voller lernen.
Ich hoffe ihr werdet alle in Hogwarts viel Spaß und Freude haben."
Er lächelte beruhigend zu den nervösen Neulingen.
"Nun zu etwas unangenehmen, was euch direkt betrifft.
Erstens, bleibt der verbotene Wald verboten und jeder der dort erwischt wird, muss mir ernsthaften Konsequenzen rechnen.
Auch darf sich in Hogsmaede keiner weiter als 100m vom Dorf entfernen.
Zudem ist eine neue Ausgangsregel in Hogwarts in Kraft getreten, um euch Schüler zu schützen.
Nach 19.00Uhr dürfen sich nur, ich wiederhole NUR die Lehrer außerhalb des Gemäuers aufhalten.
Falls ihr vorhabt einen Geheimgang zu benutzen, seit vorgewarnt, ein Zauber ist auch dort aktiv. Ihr könntet eine unangenehme Überraschung erleben."
Mehrere, oder fast alle Schüler sahen ihn geschockt an. Konnte er so etwas wirklich tun?!
"Aber es gibt auch positive Nachrichten. Quidditch ist von dieser Regel nicht betroffen."
Ein erleichtertes Aufseufzen ging durch die Halle, bevor der Direktor weiter reden konnte.
"Wir konnten es so einrichten, dass der Schutzzauber über dem Quidditchfeld liegt.
Nur der Weg zwischen Hogwarts und dem Feld hat gewisse Einschränkungen.
Sobald ihr auch nur einen Fußbreit von dem Weg abkommt, seid ihr ohne Schutz!
Also Achtung!
Der Duellierclub von Professor Snape wird auch diese Jahr existieren und ist wieder freiwillig."
Ein anschwellendes Gemurmel brach aus, das aber schnell wieder leiser wurde.
"Da Professor White vom letztem Jahr bekanntlich von einem Irrwicht schwer verletzt wurde,
waren wir gezwungen uns nach einem neuen Lehrer umzusehen. Den Unterricht wird Professor Snape übernehmen."
"SNAPE?!" keuchten mehrere erschrocken und dem Rest hatte es die Sprache verschlagen.
Wie sollten sie das Jahr überleben?
Der gefürchtete Professor lächelte süffisant in die Runde.
Die Gryffindorfer sahen aus, als wäre gerade eine Welt für sie zusammen gebrochen und auch die Hufflepuff und Ravenclaws waren nicht sehr begeistert.
Slytherin hingegen schien sich zufreuen.
"........allerdings nur bis Halloween. Dann wird uns Professor Pechstein beehren." fügte Dumbledore noch hinzu.
Ein leichtes Klatschen brach bei den Gryffindors aus, das sich bald zu einem kleinen Tumult an drei Tischen steigerte.
Die Slytherins saßen nur stumm da.
Dumbledore sagte noch ein paar Grußworte und das Festessen begann.
Die Gryffindorer aßen verhältnismäßig wenig und waren früh fertig. Die Ankündigung mit Snape war ihnen anscheinend auf den Magen geschlagen.
Auch Harry fiel diesem Phänomen zum Opfer und unterhielt sich mehr mit seinen Freunden.
Dabei fiel ihm etwas unheimlich wichtiges ein:
"Ron? Wo hast du meine Sachen und Hedwig hin?"
Ron wurde rot.
"Nun ja. Dumbledore wollte sie haben. Zum Aufpassen und so...
Hedwig ist auch hier, in der Eulerei. Ihr ist es nicht schlecht ergangen. Ich habe Dumbledore ja noch gesagt, das es besser wäre sie bei uns zu lassen, aber er sagte es gäbe Zauber die dich durch deine Eule gefährden könnten.
Tut mir Leid."
Harry versuchte Ron zu beruhigen:
"Du brauchst kein schlechtes Gewissen haben.
Dumbledore hat das Richtige getan und Hedwig wird es hier auch besser gefallen haben. Da bin ich mir sicher.
Was den Tarnumhang und die Karte des Rumtreibers betrifft, glaube ich, wollte er einfach Unsinn verhindern."
"Und was ist mit deinen anderen Sachen?"
"Die hat er wahrscheinlich eh weg geschmissen. Das war ja alles von den Dursleys..."
Endlich überzeugt, hellte sich Rons Gesicht auf und Hermine, die die ganze Zeit zu gehört hatte, schlug vor:
"Harry, wenn du deine Eule so vermisst können wir nach dem Essen in die Eulerei gehen. Ich bin sich Hedwig freut sich, sie war seit dem du weg warst traurig."
Die Jungs stimmten dem Vorschlag zu und wollten gerade aufstehen, als eine strenge Stimme hinter ihnen sagte:
"Entschuldigen sie. Darf ich fragen wer sie sind?"
