Streit
Harry schlang sein Abendessen möglichst schnell herunter und war so als erster fertig.
Er konnte es nicht genau sagen woran es lag, aber er fühlte sich beobachtet.
Gut, er hatte sich in dem Jahr davor an neugierige Blicke gewöhnt, als er in ganz Europa allen möglichen hochrangigen Elben und Vampiren vorgestellt worden war, aber das war anders.
Diese Blicke wollten was anderes, und in gewisser Weise gefährlicheres.
Er entschuldigte sich bei seinen Freunden das es ihm zu laut sei und verlies beinahe fluchtartig die Halle in Richtung Gryffindorraum.
Gedanken verloren schlenderte er durch die Gänge und dachte über das seltsame Verhalten der Mädchen nach.
Ginny und Luna wurden in seiner Gegenwart rot und schüchtern, ein anderes fragt ihn einfach, ob er eine Freundin hätte....Wahnsinn!
Die einzige Erklärung wäre, das sie sich alle in ihn verliebt hätten, aber alle?
Weiter kam er in seinem Gedankengang nicht, denn zwei Gorillas, genannt Crabbe und Goyle versperrten den Weg.
Und wie das bei ihnen so war, konnte das Gehirn auch nicht weit sein. Zwischen den beiden stand feist grinsend, Draco Malfoy.
Auch er war größer geworden und sah unbestreitbar gut aus. Er wäre sicher der Schwarm aller Mädchen gewesen (und war es das 6. Jahr auch wahrscheinlich), wenn da nicht ein gewisser Harry Potter aufgetaucht wäre.
Und dafür wollte er sich anscheinend rächen.
"Na Potter. Hast dich auch wieder her getraut?"
"Wie du siehst..."
Harry blieb cool. Er wollte sich nicht von einem eifersüchtigen Jüngling provozieren lassen.
"Du konntest wohl dein Schulgeld nicht bezahlen, was?
Das tut mir aber Leid. Musstest wohl ein Jahr auf dem Müll leben."
Die beiden Gorillas fingen an zu grinsen und verschränkten die Arme.
Malfoy meinte es ernst und versuchte alles daran zu setzen, das Harry zuschlug.
Doch der wollte nicht.
Er konnte seinen gegenüber auch so des Wind aus den Segeln nehmen.
"Malfoy." Setzte Harry langsam an. "Ich habe genug Geld um davon zu leben."
"Sicher. Also war es keine Müllkippe.
Dann hast du das Jahr in einem Hotel verbracht mit Drogen und über deinen toten Paten getrauert. Würde ich dir zutrauen."
Inzwischen waren die meisten mit dem Abendessen fertig und kamen den Gang entlang.
Gezwungener Maßen, da der Gang blockiert war, blieben sie stehen und hörten zu.
"Nein. Ich habe nichts dergleichen getan.
Aber da du auf solch schmutzige Gedanken kommst, hast du deine Ferien vielleicht auf der Müllkippe verbracht?"
Harry war wütend und seine Stimme hatte die Temperatur eines Eiswindes.
Trotzdem schaffte er es noch eine gewisse Liebenswürdigkeit hineinzulegen, so das er fast wie ein höflicher Gesprächspartner klang.
Immer mehr Schüler versammelten sich um die beiden, doch niemand griff ein.
Alle wollten erst einmal wissen, wer gewinnen würde.
Draco hatte anscheinend seine Stellung im letzten Jahr ausgebaut.
Der war inzwischen auch nicht mehr ohne Gefühlsregung. Sein Gesicht hatte einen leichten Rotschimmer bekommen und er blaffte gehässig zurück:
"Wärst du aus einer genauso reinblütigen und edlen Familie wie ich, würdest u wissen dass das völlig unmöglich ist!
Aber woher sollst du das wissen? Schließlich bist du der Sohn eines Schlammblutes!"
Mehrere in der Umgebung hielten entsetzt die Luft an und sahen zu Harry, gespannt wie der auf die ungeheuerliche Beleidigung reagieren würde.
Harry hatte schon immer empfindlich auf Beleidigungen seiner Eltern reagiert, doch das war bisher der Gipfel!
Die Wut kochte in Harry hoch und nur mühsam hielt er sich davon ab, dem anderen an die Kehle zu gehen.
Trotzdem muss einiges aus seiner Gemütslage rüber gekommen sein, denn Crabbe und Goyle stellten sich schützend vor ihren Meister.
Aus den Augenwinkeln entdeckte Harry Ron, Hermine und andere Gryffindors, die versuchten sich durch die Menge zu ihm durch zukämpfen.
Dieser Anblick beruhigte ihn wieder und er erinnerte sich wer er war.
Seine Mutter war reinblütig gewesen, die einzige Versschmutzung' des Blutes war Tom Riddle gewesen.
Ansonsten war der Stammbaum rein- und das konnte man in allen Linien zurückverfolgen bis 300 nach Christus!
Am liebsten hätte er das gesagt, doch es ging nicht.
Also muss ich seine Familie beleidigen.....'
"Du kennst nicht einmal die Hälfte meiner Familie, Malfoy (was wahr war). Also erlaube dir kein Urteil!
Ich weiß sehr wohl, dass deine Familie reich und reinblütig ist, aber bilde dir nicht zuviel darauf ein!
Anscheinend kommt sie nämlich ihrer Stellung nicht nach.
Du, zum Beispiel, rutschst sehr schnell in die Gossensprache ab und bist den anderen bestenfalls einmiserables Vorbild."
Zufrieden registrierte er, wie der Slytherin die Fäuste ballte und anscheinend nicht sehr begeistert war.
Diabolisch lächelnd machte Harry weiter:
"Dein Vater hingegen bewahrt immer Anstand und Haltung, oder?
Er repräsentiert den Malfoystolz und Glaube, ein echter Reinblütler.
Zumindest denk man das.
Dein Vater ist auch ein Todesser und dient einer lächerlichen Gestalt, dem dunklen Lord.
Er kniet vor ihm nieder, küsst ihm den Umhang und was weiß ich noch...
Lass deiner Fantasie freien Lauf!"
Draco wechselte immer schneller von blass, zu rot und wieder zurück.
Die Zuschauer sahen nur noch still zu und auch Harrys Freunde hörten diese Rede an und vergaßen ganz, sich weiter voran zu kämpfen.
"Tja, der dunkle Lord.
Anführer der Reinblütigen die mehr Macht und Recht, natürlich zu ihrem Vorteil wollen.
Weißt du, was sie dabei vergessen?
Der Vater des Lords war kein Zauberer.........ich sehe es dämmert dir.
Ja, der Vater des Dunklen Lords war ein ganz gewöhnlicher Muggel, der die Mutter von ihm obendrein verlassen hat!"
Mehrere schnappten nach Luft. Die Geschichte war ihnen neu und unglaublich.
Auch die drei Slytherins hörten nur noch zu, was er ihnen zu sagen hatte.
Harry hatten schon zwei- oder dreimal Reden gehalten und dabei sein Talent entdeckt. Das lies er nun zur vollen Entfaltung kommen.
"Aber lassen wir das, dies hatte nicht alles direkt mit der Familie zu tun.
Also fragen wir, wofür stehen Reinblütler? Und speziell reiche Reinblütler, wie die Familie Malfoy?
Sie stehen für Wahrheit, Rechtschaffenheit, Gerechtigkeit und als kluge Berater der Zauberwelt, da sie auf Grund ihrer langen Geschichte so manches Geheimnis kennen.
Welche dieser Eigenschaften hat dein Familie erfüllt?"
Malfoy ballte die Fäuste und starrte ihn hass erfüllt an.
"Wahrheit? Indem sie sich als Todesser im Schutze der Nacht versteckt?
Rechtschaffenheit? Indem sie Schlammblütler tötet?
Gerechtigkeit? Indem sie versucht das Gesetz zu umgehen und willkürlich richtet?
Oder war sie zumindest kluge Berater? Sie war Berater, aber klug? Eher auf ihren eigenen Vorteil bedacht.
Ein bisschen Ehrhaftigkeit und Anstand täten deiner gesamten Familie gut.
Dann würde sie vielleicht auch mehr als Bestechungsgelder haben, nämlich unerkauftes Ansehen und Freunde."
Die ganze Rede über war Harry höflich, nett und freundlich gewesen, doch war die Verletzungen ganz genau kalkuliert gewesen.
So überraschte es ihn nicht sonderlich, als Draco anfing zu zittern und die Fäuste ballte:
"Wie kannst du er wagen?!" presste er mühsam zwischen den Zähnen hervor.
Der Slytherin sprang nach vorn und zielte mit seiner Faust direkt auf Harrys Gesicht.
Schlechte Idee, wie sich nachher rausstellen sollte...
Harry sah ihn dank seiner übermenschlichen Sinne schon früh kommen und wich ohne Probleme nach hinten aus.
Wieder ein Angriff und diesmal drehte er sich elegant zur Seite.
Diese Überlegenheit machte Malfoy noch wütender und er vergaß alles um sich herum.
Immer wieder griff er an, ohne auch nur eine Berührung zu landen.
Mit der Zeit wunderte sich Harry, was sein Gegner vor hatte, als er es jedoch erkannte...war es zu spät.
Er stand mit dem Rücken zur Wand.
Harrys Freunde wollten ihm helfen, doch sie würden erst in mehreren Minuten, bis zu ihm durch kommen...
Ihm fiel es immer schwerer den Angriffen auszuweichen, die immer schneller kamen.
Der Ausweichzeitraum wurde auch immer knapper und hier und da spürte er den Luftzug.
Schnell checkte er die Situation.
Wenn er angreifen würde, hätte er die zwei Gorillas am Hals und zudem sein Versprechen gebrochen niemals Menschen zu verletzen.
Wenn er nichts tun würde, läge er aber in absehbarere Zeit am Boden.
Wenn er fliehen würde, wäre er bei den Schülern unten durch.
Noch mit diesen Gedanken beschäftigt, sah er einen tiefen Schwinger zu spät kommen.
Mit voller Wucht traf ihn die Faust im Magen.
Ächzend ging er in die Knie.
Der Schlag hatte weh getan und nun war er.... nicht einmal mehr wütend.
Das einzige was von nun an zählte, war die Vernichtung des Gegners.
Sein Versprechen war vergessen.
Sein Todesengelinstinkt hatte übernommen....
Draco Malfoy glaubte sich am Ziel und grinste schon siegessicher auf den Knieenden herunter.
Er hob den Fuß und trat zu.
Harry sah den Tritt kommen und er zog eine abfällige Grimasse.
Der Fuß war langsam und schlecht gezielt. Kein Problem auszuweichen.
Aus der Hocke sprang Harry hoch und zur Seite.
Der Tritt ging ins Leere und er stand nun neben dem Angreifer.
Ein Schritt und er war hinter ihm.
"Du hast einen Fehler gemacht, Drache. Und dafür musst du bestraft werden."
Wie in Zeitlupe zuckte der Slytherin zusammen und versuchte sich umzudrehen.
Aber er war wieder zu langsam.
Harry hatte genug Zeit die Hand zuheben und sie mit mörderischen Präzision in das Genick von Malfoy fallen zu lassen.
Mit einem leisen Seufzer ging er in die Knie.
Er war bereits ohnmächtig, als er auf dem Boden aufschlug.
Harry stand als Sieger über ihm und drehte sich um.
Der Kampf war vorbei.
Die Schülermenge stand ratlos rum und die ersten wollten schon gehen.
Schließlich gab es nichts aufregendes mehr zusehen und die ersten Lehrer würden jeden Moment auftauchen.
Allerdings waren da noch die zwei Gorilla...
Er hatte jetzt keinen Nerv sich mit ihnen abzugeben.
Sie ignorierend, wollte er zwischen ihnen zu seinen Freunden hindurch gehen.
Crabbe hielt ihn jedoch an der Schulter fest.
"Ja?" kam die eiskalte Frage von Harry.
Der Ton ließ die Beiden zusammen zucken und auch ein paar Schüler in der Umgebung wichen leicht zurück.
"....wir....du....verletzt...."
"Wenn ihr keinen Ärger haben wollt, lasst mich auf der Stelle durch."
Sie waren zu doof um die Warnung zu kapieren. Stattdessen versuchten sie ihn zu erpressen:
"Du hast ihn niedergeschlagen, wenn das Professor Snape erfährt wird er sehr böse sein."
"Jaaaa, und du wirst von der Schule fliegen."
Die dachten anscheinend, dass das sein größtes Problem sei, wie blöd konnten zwei Personen sein?
"Danke für die Warnung. Aber glaubt ihr das stört mich?
Euer Boss kann froh sein, das nichts Schlimmeres geschehen ist. Er hat mich gezwungen mein Versprechen zu brechen.
Und Snape...ich glaube ich habe genug Zeugen, die ihm erzählen werden, wer angefangen hat.
Und jetzt lasst mich durch!"
Wortlos gingen sie endlich auf die Seite und ließen ihn ziehen.
Er drängte sich durch mehrere Schüler, die alle irgendwelche Fragen an ihn stellten.
Endlich hatte er seine zwei besten Freunde erreicht.
Die sahen ihn leicht geschockt, ratlos und verwirrt an.
"Gehen wir. Mir ist hier zuviel Trubel." schlug Harry kurzer Hand vor.
Wortlos machten sie sich auf dem Weg zum See.
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Dort angekommen setzten sie sich ins Gras.
Hermine begann:
"Harry, was du da gemacht hast, war...."
"Unglaublich!" sprang Ron ein.
"Ja. Und du hast dich anfangs noch nicht einmal gewehrt. Was wirklich toll von dir war.
Aber was ist dann passiert?"
Harry verstand nicht. Was sollte passiert sein?
Genau das fragte er auch und er bekam eine Antwort.
"Malfoy hat dich angegriffen Harry und zwar sehr schnell. Aber du bist einfach ausgewichen und das zick mal!" ereiferte sich Ron.
"Er hat dich aber an die Wand gedrängt und dann das Tempo erhöht."
Bis dahin stimmten die beiden Versionen über ein, doch was kam danach?
"Ihr beide wurdet immer schneller, bis man euch fast nicht mehr gesehen hat.
Das war.....übermenschlich!"
Da Ron in seiner Begeisterung versank übernahm wieder Hermine:
"Das nächste, was man deutlich erkennen konnte, war das du auf dem Boden knietest.
Dann wollte Malfoy dich treten, aber du standest plötzlich hinter ihm, sagtest was und schlugst ihn mit einem Hieb nieder.
Harry, warum wart ihr so schnell?!"
Das würde Harry auch gerne wissen.
Er hatte seine Geschwindigkeit der von Malfoy angepasst, ohne zu bemerken, dass er zu übermenschlich schnell war.
Harry wusste, dass diese Geschwindigkeit nur von Nichtmenschen erreicht wurde.
Was war dann Draco Malfoy?
Draco Malfoy. Todessersohn. Reinblütig. Reich. Aufgeblasen. Blass. Geheimnisvoll?'
zählte er in Gedanken auf.
Er würde Nachforschungen anstellen, aber im Moment war es wichtiger eine plausible Ausrede zufinden:
"Hermine, Ron. So ein Tempo erreicht man durch intensives Training von Kampfsportarten.
Bei mir ist das Karate, ich habe mir im letzten Jahr den schwarzen Gürtel geholt.
Bei Malfoy, weiß ich es nicht, aber ich vermute Duellieren.
Das er darin von klein auf, von seinem Vater unterrichtet und trainiert worden ist.
Die wichtigste Sache dabei ist bekanntlich Schnelligkeit.
Er ist doch der Champion von Duellierclub?"
"Ja, das ist er." Antwortete Hermine zweifelnd. "Auch mit deinen Erklärungen war das einfach unglaublich!
Aber wenn du tatsächlich den schwarzen Gürtel hast..."
"Moment mal, was ist ein schwarzer Gürtel? Und was ist Garate, oder wie auch immer das heißt?"
Hermine fing sofort mit einem Vortrag darüber an und vergaß ihre Zweifel.
Zufrieden lehnte sich Harry zurück und genoss den Sonnenuntergang.
