Willkommen, liebe Leser...

Kitaku: Verzeihung, aber ich kann nur einen Leser sehen.

Shinkaishi: (Hart auf dem Boden der Tatsachen aufgeschlagen) Ähmpf, wie auch immer...

Vielen Dank ersteinmal für den Review, HiYasha, ich hoffe nur, dass ich mich eines solche großen Lobes auch als würdig erweisen kann (blush).

Nun, da es weiter auch nichts zu sagen gibt, fange ich mit dem zweiten Kapitel an. (Meine Vorreden sind so dürftig...)

Kapitel 1: Ein schlafender Junge

Erneut ein Knirschen. Kitaku starrte wie gebannt auf den Brunnen, kalter Schweiß lief über seinen Körper. Etwas war in diesem Brunnen. Der Kater stieß ein hohes, angsterfülltes Miauen aus und versteckte sich hinter dem Jungen.

Er zitterte, der schwache Lichtschein reichte nicht bis zum Brunnen.

Kitaku ging einen Schritt auf den Brunnen zu.

Atem, etwas zog sich klappernd über Stein.

Seine Schritte knarrten auf der Holztreppe, mit jeder Stuf wurde es dunkler.

Wurde es jetzt auch kälter? Sein nass geschwitzter Körper fühlte sich auf einmal klamm und kalt an.

Kitaku stieß mit dem Fuß gegen etwas, es war ein Knochen.

Auf dem bloßen Erdboden um den Brunnen herum lagen Knochen verstreut.

Ein Stöhnen hallte durch den Raum, ein uralter Laut, ein Laut voll von einem Verlangen, das längst hätte erloschen sein müssen.

Laut heulend zog ein Windstoß durch den Raum, vom Eingang, oder von…

Mit einem Knallen wurde die Tür zugeschlagen, alles war dunkel.

Wieder das Stöhnen, diesmal lauter, dann ein ängstliches, schrilles Miauen und Kratzen am Holz.

Er stand nun direkt vor dem Brunnen, wagte es jedoch nicht, einen Blick in die gähnende Tiefe zu werfen. Schon wieder das Geräusch und noch etwas anderes, etwas, das näher kam…

Kitaku drehte sich um, wollte weglaufen, als ihn viele Arme umfingen, sie packten ihn an seinen Schultern, seinen Armen, seinem Hals.

Er war viel zu geschockt, um sich auch nur zu wehren, als die Arme ihn rückwärts in den Brunnen hinein zerrten.

Kitaku fiel, ein seltsames Licht umgab ihn, blau, violett und seltsam verzerrt.

Er wirbelte im Fall herum, sah nun seine Angreiferin. Die Arme gehörten zum Oberkörper einer Frau, der jedoch in einen Unterleib aus Knochen, wie die einer Schlange überging.

„Welche Freude", es war dieselbe unmenschliche Stimme, die auch das Stöhnen ausgesandt hatte.

Kittaku verspürte Ekel angesichts der Berührung des Körpers dieses Etwas, doch der Schock lähmte ihn immer noch, wie ein Kaninchen angesichts eines Raubtiers.

„Ich spüre die Kraft… Meine Körper kehrt zurück!" Vor Kitakus Augen, formte sich aus den Knochen mit einem widerlichen Knirschen ein Körper, nicht der einer Schlange, sondern der vielgliedrige Leib eines Tausendfüßlers.

Die Tausendfüßlerfrau zog ihn näher an sich:„Shikon no Tama! Gib ihn mir!"

Eine lange, klebrige Zunge schnellte hervor und fuhr über sein Gesicht.

Kitaku schrie vor Ekel auf, seine weit aufgerissenen Augen tränten: „Lass mich los!", und er versuchte mit aller Kraft, die in seinem zitternden Körper verblieben war, das Monster von sicht zu stoßen.

Ein helles Licht schoss aus seiner Hand und blendete ihn, die Tausendfüßlerfrau wurde mit einem heftigen Schlag zurückgestoßen und der Arm, mit dem sie ihn noch festgehalten hatte, riss von ihrem Körper.

Das Monster fiel von ihm ab und verschwand in dem seltsamen Licht, das sie umgab.

Allein ihre Stimme, nun voller Zorn, hallte in seinen Ohren wieder: „Du entkommst mir nicht, Shikon…

no…Tama…"

Kitaku fiel immer schneller, das seltsame Licht um ihn herum begann, sich langsam zu verändern, wurde heller, fast weiß. Geblendet schloss Kitaku die Augen

Shikon no Tama?

Doch bevor er noch weiter über die Worte der Tausendfüßlerfrau nachgrübeln konnte, spürte er auf einmal wieder Boden unter sich, nach dem sanften Aufprall blickte er sich um: um ihn herum erhoben sich die Wände des Brunnenschachts, Sonnenlicht fiel von oben hinein.

Was ist bloß los? Habe ich das etwa alles nur geträumt?

Er rieb sich verwundert die Augen.

Die Szenerie vor ihm blieb jedoch die gleiche. Vorsichtig tat er einen Schritt nach vorne.

Zum zweiten Mal an diesem Mittag stieß er mit dem Fuß gegen etwas, seine nackten Zehen berührten es. Das Etwas fühlte sich weich an und kühl, wenn auch nicht so, wie etwas, was lange in einem kalten Brunnenschacht gelegen hatte. Als er auf den Boden sah, lag dort der bleiche Arm des Monsters.

Kein Traum also…

Shikon no Tama…

Was hat dieses Tausendfüßlermonster damit gemeint? Und das Sonnenlicht! Wie konnte die Sonne hier herab scheinen, im Schrein des Brunnens war es stockdunkel gewesen!

Er sah sich genauer um, Kletterpflanzen hingen an der einen Schachtwand herab. Sie schienen stark genug, sein Gewicht zu halten. Trotz seiner Größe von 1, 75 war er sehr leicht, aber er zog trotzdem mehrmals kräftig daran, bevor er sich an den Aufstieg machte.

Hm, die sollten wirklich kräftig genug sein…

Überall um ihn herum waren Bäume. Er befand sich auf einer Lichtung inmitten des Waldes.

Stille lag über diesem Ort, nur unterbrochen von sanftem Vogelzwitschern und dem Rauschen des Windes im Gras. Ein Hügel, dessen Hang von Büschen und Gräsern bedeckt war, erhob sich sanft ansteigend vor ihm.

Kitaku streckte sich und zog schnuppernd die Luft durch die Nase ein. Sie roch frisch und unverbraucht, ganz anders als in Tokio.

„Wo bin ich hier bloß? Dieser Ort kann unmöglich in Tokio liegen."

Seine Stimme war mehr verwundert als ängstlich, als er diese Worte zu sich sprach. Eigentlich war er ja immer noch mitgenommen von der Begegnung mit dem Monster aus dem Brunnen. Er rieb sich schaudernd die Wange, wo die Zunge seine Haut berührt hatte, fast so, als hätte sie seinen Geschma-…

Er schüttelte heftig den Kopf, so dass sein blauschwarzes Haar um sein Haupt herumwirbelte. Er wollte diese Überlegung lieber gar nicht fortführen.

Aber irgendetwas hier an diesem Ort war so…

Er konnte nicht anders, als eine gewisse freudige Aufregung zu verspüren, es war so, als hätte er eben ein Tor durchschritten, als läge nun eine ganz neue Welt vor ihm.

Fast wie in Lewis Büchern… Nur dass ich nicht durch einen Schrank, sondern durch einen Brunnen gegangen bin…

Er sah sich um, die Kronen der Bäume wogten sanft im leichten Wind…

Doch an einem Baum blieb sein Blick unwillkürlich haften. Er überragte die anderen deutlich und auch sein Stamm war dicker.

Er kam ihm seltsam vertraut vor.

„Goshin Boku!"

Der überraschte Ausruf entkam seiner Kehle, ohne das er es gewollt hätte. Seine Augen weiteten sich in Erstaunen und ohne darüber nach zu denken, rannte er auf ihn zu.

Äste streiften seine nackten Arme und Beine, aber er ignorierte den Schmerz.

„Wie kann das sein? Wenn hier der Goshin Boku steht, müsste ich doch immer noch am Higurashi Schrein sein."

Das Unterholz teilte sich vor ihm, Kitaku fand sich am Rande einer weiteren Lichtung wieder.

Vom Schrein, dem Hof oder der Treppe hinab zur Straße war nichts zu sehen, doch in der Mitte der Lichtung erhob sich der große, heilige Baum, fast genauso, wie vorhin, als er sich gegen dessen wunderbar kühle Rinde gestützt hatte.

Bis auf eines. Vielleicht gerade einen Meter über dem Boden, den Körper von Ranken umschlungen, einen Pfeil in seiner Brust, hing ein Junge am Baum, ein Junge in einem roten Kimono, mit silbernen Haaren und…

HUNDEOHREN!

Kitaku ging neugierig näher auf den Baum zu.

Oder war es mehr als Neugier? Er spürte, dass sein Herz schneller schlug, irgendetwas schien ihn zu dem Jungen hin zu ziehen, als wäre er ein Magnet und Kitaku der Eisenspan…

Der Junge sah so aus, als wäre er ungefähr in seinem Alter, seine Gesichtszüge wirkten sanft, als würde er schlafen, das fransige Pony hing ihm fast über die Augen.

Kitaku kletterte auf eine besonders dicke Ranke, die den Körper des Jungen festhielt.

Er besah sich das Gesicht des Jungen nun von Nahem, lange, silbrigweiße Koteletten und noch längeres Haupthaar in der gleichen Farbe, rahmten die hellen, leicht honigfarbenen Züge ein, nur seine Augenbrauen waren tiefschwarz.

Sein Blick blieb jedoch bei den silbrigweißen Fellohren hängen, er konnte dem Impuls nicht widerstehen, sie wie bei einem Hund zu kraulen.

Kitaku lächelte wie ein Kind, als seine Finger das weiche, kurze Fell berührten, es fühlte sich an den Spitzen wie Samt an. Dann wurde ihm jedoch wieder bewusst, in welcher Lage er sich befand.

Was ich da mache ist ziemlich unhöf-…

„Was machst du da!" Eine raue Männerstimme hallte über die Lichtung. Kitaku presste sich erschrocken an den Körper des Jungen, als mehrere Pfeile neben ihm in der Rinde einschlugen. Sein Herz raste wie das eines verängstigten Kaninchens. Oder war es mehr als der Schock?

„ Das hier ist ein verbotener Ort, was hat ein Junge wie du hier zu suchen!" Wieder die raue Männerstimme, sie klang feindselig und drohend.

Kitaku drehte sich mit immer noch wild klopfendem Herzen um, die Pfeile hatten ihm einen gehörigen Schrecken eingejagt. Am Rande der Lichtung standen zwei Männer mit Langbögen, doch mehr konnte er nicht erkennen, denn ihre Gestalten zeichneten sich vor der hellen Sonne nur schemenhaft ab.

„Du bist wohl nicht von hier, Junge" Die Stimme schien diesmal einem jüngeren Mann zu gehören, aber sie klang genauso forsch, wie die des anderen.

Die Nachmittagsonne ließ das trübe Wasser der Reisfelder golden aufglitzern, Wolken türmten sich hoch auf, beschienen von den Sonnenstrahlen wirkten sie selbst wie Gebirge aus Licht.

„In Inu Yashas Wald?" Die Stimme einer erwachsenen Frau.

„Ja, ein Junge in seltsamen Kleidern" Der jüngere Mann antwortete.

Kitaku saß auf dem Erdboden eines kleinen Platzes inmitten der Holzhäuser des Dorfes, in das ihn die beiden Männer gebracht hatten. Seine Arme und Beine waren gefesselt und überall um ihn herum standen die Dorfbewohner, alle trugen sie altmodische, japanische Gewänder, und starrten ihn an wie ein seltsames Tier. Oder schlimmeres…

„Bitte, bindet mich los!" Kitaku sah unsicher in die Menge, zu den Männern mit ihren streng zurückgebundenen Haarknoten und den Frauen, von denen einige und darunter auch welche, die eindeutig in seinem Alter waren, kleine Kinder auf dem Arm trugen.

Aber niemand von ihnen reagierte auf seine Worte, alle schienen miteinander zu tuscheln, oder es vor zu ziehen, ihn an zu starren.

„Sicher ein Spion! Schaut euch nur diese Kleider an…" Ein erwachsener Mann blickte ihn misstrauisch an.

„Wird es wieder neue Kämpfe geben?", fragte der alte Mann neben ihm, vielleicht sein Vater, der sich auf einen knorrigen Stock stützte, als er sich zu ihm wandte.

„Sicher ist das ein Kitsune, der sich in einen Jungen verwandelt hat." Die erwachsene Frau, die das gesagt hatte, hatte die Köpfe halb mit ihrer Nachbarin, einer jüngeren Frau mit einem Säugling in den Armen, zusammengesteckt.

„Aaach", eine der jungen, anscheinend unverheirateten Frauen seufzte, "der ist viel zu hübsch für einen Youkai!" Das Mädchen neben ihr kicherte, die Frauen warfen ihnen jedoch missbilligende Blicke zu. Kitaku errötete und sah überall hin, nur nicht zu den Mädchen.

Wo bin ich hier nur gelandet? Das sieht hier alles aus wie im Mittelalter…

Er wurde in seinen Gedanken unterbrochen, als ein Raunen durch die Menge ging.

„Die Miko! Macht Platz für Kaede- sama!"

Er drehte sich überrascht um. Eine alte Frau, über deren faltiges Gesicht sich das Band einer Augenklappe spannte, kam auf einen kräftigen Bogen gestützt auf ihn zu. Ihre gedrungene, kleine Gestalt war in ein Gewand aus rotem und weißem Stoff gehüllt.

Die, die sieht ja aus wie eine Babajaga!

Kitaku sah sie an, wobei er ein wenig zurückwich, so weit ihm das die Fesseln erlaubten.

Das soll die Priesterin sein!

Die alte Frau blieb wenige Schritte von ihm entfernt stehen und reichte dem Mann, der ihn für einen Spion gehalten hatte, wortlos den Bogen, zog dafür aber einen dunkelblauen Beutel aus den Falten ihres Gewands.

Bevor der überraschte Junge auch nur irgendwie hätte reagieren können, was so gefesselt eh schwierig gewesen wäre, nahm die Alte eine Hand voll Staub aus dem Beutel und warf ihn ihm ins Gesicht.

Kitaku hustete, als er eine Dosis von dem Staub einatmete, seine Augen tränten.

Die Miko wiederholte die Prozedur, ohne eine sichtbare Gefühlsregung auf dem Gesicht.

Nach zwei weiteren Portionen von dem seltsamen, dunkelblauen Staub, die Kitaku wenigstens nicht in den Mund bekommen hatte, steckte sie den Beutel weg, ihre Miene verlor die Schärfe und Anspannung.

„Er ist eindeutig weder Dämon noch Geist." Ihre raue Stimme wandte sich nun an die Dorfbewohner, die sie die ganze Zeit gespannt beobachtet hatten.

Die meisten schienen bei ihren Worten erleichtert auf zu atmen, das junge Mädchen stieß ihrer Freundin den Ellbogen in die Seite, wieder unter den missbilligenden, wenn auch nun erleichterteren Blicken der Älteren : "Siehst du, was habe ich dir gesagt?"

Nur der junge Mann, der ihr inzwischen den Bogen zurückgegeben hatte, sah ihn immer noch finster an.

„Er könnte auch ein Spion sein, Kaede- sama! Seht euch nur seine dunkle Haut an, er ist sicher nicht aus dieser Gegend!"

Die Priesterin drehte sich zu ihm herum. Ihre Stimme klang fast ungehalten, als sie ihm antwortete: „Wir sind ein kleines Dorf und kommen gerade so über die Runden. Was sollte es den geben, weswegen uns jemand angreifen sollte?"

Die alte Miko wandte sich von ihm ab und musterte Kitaku erneut, plötzlich stutzte sie, ihre Augen verengten sich. Vor Zorn oder vor Überraschung? Kitaku sah verschreckt zu Boden.

„Lass dich einmal anschauen!" ihre Stimme war freundlicher, als sie sich zu Kitaku herunterbeugte. Sie nahm sein Gesicht in die Hände, ihre Haut fühlte sich rau und uneben auf seinen glatten Wangen an. Er versuchte, ihrem Blick aus zu weichen, als sie seine Züge begutachtete.

„Ich fresse dich schon nicht auf Junge, also hör auf, den Boden an zu starren."

Die Mädchen kicherten wieder bei den halb freundlichen, halb belustigten Worten der Miko und noch mehr bei Kitakus beschämten Blick, der darauf folgte. Die angespannte Stimmung schien sich mit einem Schlag in Luft auf zu lösen, manche der Dörfler lachten offen, nicht schadenfroh, sondern mehr erleichtert, andere erstickten den Impuls in einem verhaltenen Husten und selbst der misstrauische Mann konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Kitakus braune Haut nahm einen deutlichen roten Schimmer an.

Allein die Priesterin war ruhig geblieben und musterte ihn weiterhin, starrte ihn schon beinahe an.

Irgendetwas an ihm kommt mir vertraut vor… Seine Haare, die Augen und auch der Gesichtsschnitt…

Fast wie bei… Kikyo!

Nun, ich weiß, eigentlich geht das Kapitel "Ein schlafender Junge" im Manga weiter, aber ich hoffe ihr verzeiht einem Autor im Kursarbeitsstress. Ich wollte die Geschichte zumindest ein wenig weiterführen...