Ersteinmal danke für die Reviews Naomi und Azhura.

Dieses Kapitel ist diesmal ein wenig länger und ich habe ein paar Mal hin und her überlegt, wie die Geschichte nun weitergehen soll.

Es wird nämlich bald einen anderen Verlauf nehmen, als im Manga, lasst euch einfach überraschen.

Kapitel 2: Inu Yasha erwacht

Dunkelheit hatte sich inzwischen über das Dorf gelegt, allein das Licht der Sterne erhellte den Himmel; da der Mond noch nicht aufgegangen war. Kitaku blickte in das prasselnde, kleine Feuer in der Mitte des Hauses, in dem die Miko lebte.

„Hmmm", die alte Frau brummte vor sich hin, während sie mit einer Kelle aus dem Topf schöpfte, der offenbar eine Art Eintopf oder Suppe enthielt, so genau konnte er es nicht erkennen.

„Du sagst also, du wurdest von einem Tausendfüßler Mononoke durch einen Brunnen in einem alten Schrein gezogen? Und danach bist du aus dem Brunnen geklettert und kamst in Inu Yashas Wald heraus?"

Der dunkelhäutige Junge nickte.

„Ja, Miko- sama …"

Die Miko schüttelte den Kopf, ihr faltiges Gesicht wurde noch etwas faltiger, als sie lächelte.

„Du brauchst mich nicht Miko- sama zu nennen. Das tun die Leute aus dem Dorf, aber eigentlich bin ich nur eine alte Frau, meine Kräfte sind nicht all zu groß. Nicht so wie die meiner Schwester…" Sie stellte ihm eine Schüssel von dem dampfenden Gericht vor die Nase.

Kitaku nickte und bedankte sich schüchtern. Trotz der Jahreszeit war es eine kalte Nacht und das kleine Kochfeuer reichte nicht aus, den Raum mit seinen hölzernen Wänden zu erwärmen. Kitaku fröstelte in seiner leichten Sommerkleidung. Er nahm die Schüssel in die Hand und spürte die angenehme Wärme des Eintopfs durch das Gefäß dringen, während ihm der Dampf das Gesicht wärmte. Eine kurze Weile des Schweigens verging, während der ihn Kaede freundlich mit ihrem unverdeckten Auge musterte. Der Junge hatte jedoch das Gefühl, dass auch etwas Prüfendes in dem Blick lag. Schließlich räusperte er sich und brach die Stille.

„Ich, ich habe eine Frage…"

Er wusste nicht genau, was er fragen konnte, aber er musste sichergehen, auch wenn er schon eine recht eindeutige Vermutung hatte, wo er sich befand, oder besser gesagt, wann…

„Befindet sich hier in der Nähe ein Ort namens Tokyo?

Die Miko runzelte die Stirn.

„Tokyo?" Sie griff seine Hand und malte ihm fragend mit dem Finger die Zeichen für „östliche Hauptstadt" auf die Handfläche.

„Ist das der Ort, von dem du kommst? Tut mir Leid, aber so einen Ort gibt es hier in der Gegend nicht. Die Hauptstadt liegt in Kyoto im Westen. Sofern man in dieser Zeit überhaupt von einer Hauptstadt sprechen kann…"

Die alte Frau blickte bei diesen Worten grimmig.

Kitaku erinnerte sich an das, was er über die japanische Geschichte gelernt hatte und setzte nach.

„Ähm, vielleicht heißt es hier noch anders. Vielleicht ist euch der Ort als Edo bekannt."

Diesmal sah die Miko noch erstaunter drein.

„Edo? Aber Edo ist doch nur ein Dorf hier in der Nähe. Du siehst ehrlich gesagt nicht so aus, als kämst du aus dieser Gegend."

Es ist also wahr… Ich bin wirklich in einer anderen Zeit… Wenn Edo hier nur ein Dorf ist und wenn das Land im Aufruhr ist, dann bin ich mehrere Jahrhunderte vom Tokyo das ich kenne entfernt, dann ist das hier Sengoku jidai, die Ära der kriegerischen Staaten…

„Ähm, nein, das muss wohl ein anderes Edo sein", warf Kitaku rasch ein, um Kaedes verwirrtem Blick zu begegnen. Innerlich war er jedoch immer noch dabei, das, was soeben zur Gewissheit geworden war, zu verarbeiten.

So unmöglich ist eine Zeitreise wohl doch nicht, Nokoru- sama…

Er schüttelte den Kopf:

Woran denke ich denn! Jetzt ist wirklich nicht der richtige Zeitpunkt, sich über Physik Gedanken zu machen!

Er wiegte nachdenklich die Schale in seiner Hand, während er fasst automatisch zu Essen begann.

Der Eintopf bestand aus verschiedenen Gemüsesorten, ohne Gewürze oder Fleischeinlagen.

Aber ich denke, für die Menschen in dieser Zeit ist so etwas ein ziemlicher Luxus…

„Kaede- baasan?"

Die Miko sah in an.

„Ja?"

Kitaku räusperte sich. „Die Männer, die mich aufgegriffen haben und vorhin auch ihr, haben von Inu Yashas Wald gesprochen…"

Er senkte den Blick leicht, fast als wäre es ihm unangenehm, danach zu fragen.

„Hat es etwas mit dem Jungen an dem Baum zu tun?"

Er musste daran denken, wie sich sein Körper angefühlt hatte, kühl, ja, aber nicht wie der eines Toten, eher wie ein Schlafender…

„Er lebt, nicht wahr? Obwohl er einen Pfeil in der Brust hat, ist er nicht tot…"

Die Miko sah ihn an, in ihren Zügen spiegelte sich etwas wieder, was er nicht richtig deuten konnte. Die Art, wie sich ihr Gesicht veränderte, fast, ja, fast als hätte sie eine solche Frage erwartet.

„Inu Yasha, du hast ihn natürlich gesehen…"

Die Miko hielt kurz inne, als überlege sie, wo sie anfangen sollte.

„Er ist es, der an diesem Baum versiegelt wurde…"

Kitaku sah sieh erstaunt an.

„Versiegelt? Wer ist dieser Inu Yasha, ein Dämon?"

Die Miko legte den Kopf zur Seite.

„Ein Dämon… Nicht ganz. Inu Yasha ist ein Hanyou, ein Halbdämon…"

Kitaku sah sie an.

„Wieso wurde er versiegelt?"

Kaede legte einen Holzscheit in die Glut, während sie ihre Eintopfschale leerte. Die Essstäbchen stießen mit einem leichten Klingen gegen das Steingut.

„Nun, dies ist eine längere Geschichte… Alles begann vor etwas mehr als fünfzig Jahren, als meine Schwester Kikyo noch als Miko unser Dorf beschützte. Damals war ich noch ein Kind…"

Kitaku spürte den Blick der Miko auf sich ruhen. Sie musterte ihn wieder, ganz so wie vorhin, als er gefesselt auf dem Dorfplatz gesessen hatte.

In eben diesem Moment zerriss ein panischer Aufschrei die Nacht, Kaede sprang auf, ihre Züge hatten sich verhärtet. Sie schlug den Bastvorhang zurück und stürzte dicht gefolgt von Kitaku nach draußen.

Ein Pferd, die Flanke aufgerissen, sodass die Rippen sich deutlich abzeichneten, stürzte unter einem qualvollen Wiehern direkt vor ihnen zu Boden, doch es war nur ein Vorgeschmack auf die Szene, die sich vor ihnen auf dem Dorfplatz abspielte:

Mehrere Männer lagen halb begraben unter den Trümmern eines zusammengestürzten Hauses, eine Frau rannte schreiend davon, während andere mit Fackeln und meist eher provisorischer Bewaffnung das in Schach zu halten versuchten, was sich in der Mitte des Dorfplatzes aufbäumte. Die Flanke des Pferdes noch im blutigen Maul wandte sich das riesige Geschöpf um. Kalte Augen sahen Kitaku aus einem von langem, schwarzem Haar umrahmten Gesicht an.

Das ist doch…!

„GIB MIR DEN SHIKON NO TAMA!"

Das Tausendfüsslermonster hatte die Flanke fallen lassen und kam unter dem Klacken vieler spitzer Insektenbeine auf sie zu.

„Du hast den Juwel der vier Seelen, Junge?" Die Miko sah ihn an, weniger erstaunt, als vielmehr so, als habe sich ein Verdacht bestätigt, den sie schon längst gehegt hatte, aber Kitaku hatte nicht genug Zeit, um diese Details zu bemerken.

„Ich.. ich weiß nicht!"

Er schüttelte verwirrt den Kopf.

Aber eins weiß ich, dieses Monster ist hinter mir her, nicht…

Er wurde in seinen Gedanken unterbrochen, mehrere Männer, die versucht hatten, das Monster auf zu halten, wurden wie beiläufig von seinem Leib zur Seite geschleudert.

„Ich muss es hier weglocken, sonst werden die Dorfbewohner…"

Einer der Männer, der ältere von denen, die Kitaku im Wald aufgegriffen hatten, stand mühsam auf, rieb sich mit der einen Hand die schmerzende Seite und wandte sich an Kaede.

„Es hat keinen Zweck, Speere und Pfeile können es nicht verletzen!"

Die Miko hatte die Stimme gehoben.

„Versucht, es zum alten Brunnen zu jagen, vielleicht können wir…"

Kitaku unterbrach sie.

„Wo ist dieser alte Brunnen?"

Ist es vielleicht…

Die Miko wandte sich zu ihm um.

„In Inu Yashas Wald!"

Kitaku sah sich um, aber er im Dunklen konnte er den Weg nicht wieder finden, auf dem ihn die Männer ins Dorf gebracht hatten.

„Welche Richtung?"

„Er ist im Osten", rief die Miko.

Kitaku ah sich rasch um, aber ohne die Sonne am Himmel konnte er sich nicht orientieren. Sein Blick streifte etwas, da war ein Licht, fast wie die Aurora, nur dass es hellviolett war und aus dem Wald zu dringen schien.

„Ist es da, wo dieses Licht herkommt?"

Kitaku zeigte mit seinem Finger in die Richtung, während er über die Schulter zu Kaede sah.

Die Miko nickte, bevor sie sich der Worte überhaupt bewusst war, die Kitaku da gesagt hatte.

Der Junge war schon losgerannt, das Monster dicht auf seinen Fersen, als ihre Verwunderung sie doch noch zu einer Antwort bewegte.

„Was hat er gesagt…? Normale Menschen können das Miasma doch nicht sehen!"

Ihre Miene glättete sich.

„Vielleicht ist er es ja tatsächlich…"

Der Nachtwind blies leicht durch die silbernen Haare, die im schwachen Mondlicht schimmerten. Plötzlich jedoch ging eine Bewegung durch den Körper, der fünfzig Jahre lang regungslos an dem Baum gehangen hatte. Die Ohren zuckten und das schimmernde Haar sträubte sich. Die Nasenflügel blähten sich leicht, ein leises Schnüffeln war zu hören, als sich die bernsteinfarbenen Augen öffneten.

„Dieser Geruch… das riecht wie das Weib, das mich besiegt hat!"

Erneut ein Schnüffeln.

„Hm, aber irgendwie ist es doch anders…"

Die eben noch zur Klaue gekrümmte Hand entspannte sich, auch wenn der Körper des Jungen angespannt blieb. Er legte den Kopf schief, sog erneut die Luft ein.

„Egal, wer es auch ist, er kommt näher!"

Kitakus nackte Füße trommelten auf den Boden. Die Sandalen hatte er zum Glück schon ausgezogen, als er das Haus der Miko betreten hatte, mit ihnen wäre er wahrscheinlich längst gestolpert. Trotz der kühlen Luft schwitzte er, und sein Atem ging deutlich schwerer. Er war die ganze Strecke über so schnell gelaufen, wie er konnte, doch das Monster war immer noch dicht hinter ihm. Wenn er anhalten würde, dann…

Was für eine Chance habe ich eigentlich? Wenn nicht irgendeine Form von Wunder geschieht…

„Gib mir den Shikon no Tama!"

Die Stimme des Monsters war viel zu nah, er verlor den kleinen Vorsprung, den er hatte.

Aber ich weiß doch nicht einmal, was dieses Juwel genau ist, dachte er verzweifelt.

Plötzlich spürte Kitaku, wie ihn etwas am Fuß streifte, er verlor das Gleichgewicht und fiel der Länge nach zu Boden.

Jetzt ist es…

Doch die Baumwurzel, um eine solche handelte es sich, die ihn zu Fall gebracht hatte war sein Glück, denn im selben Moment schoss der Körper der Tausendfüßlerdämonin über ihn hinweg und das Monster landete wutschnaubend in einer Baumgruppe am Rande der Lichtung…

Lichtung…!

Kitaku wurde gerade bewusst, was er gedacht hatte, er rappelte sich auf und sah sich um. Er war wieder auf der Lichtung, wo in die Männer aus dem Dorf gefunden hatten. Der heilige Baum mit seiner unveränderten Aura des Friedens schien geradezu eine Parodie auf das, was sich nun hier abspielte. Aber etwas hatte sich verändert. Der Junge, Inu Yasha, der zuvor friedlich am Baum hängend geschlafen hatte war wach und sein Gesicht schien überhaupt nicht mehr sanft zu sein, als er ihn aus seinen Verachtung spiegelnden Bernsteinaugen ansah. In einer anderen Welt sahen diese Augen zur gleichen Zeit jemand anderen an. Hätte Kitaku in diesem Moment durch die Augen von Kagome, die in seiner Welt seine Cousine war, sehen können, wäre ihm ein Unterschied in den Blicken aufgefallen.

„Hey, du, sag mir, wie kommt es, dass du so wie dieses Weib Kikyo stinkst!"

Kitaku sah ihn verwirrt an.

„Kikyo!"

Diesen Namen nannte Kaede- baasan doch….

Die Bernsteinaugen sahen ihn unverändert an, doch Kitaku bemerkte, dass da noch etwas anderes war, als Verachtung. Verwirrung. Oder bildete er sich das nur ein?

„Hmpf, du riechst so wie sie, bist du ihr Kind oder so etwas? Wie erbärmlich, dass sie nicht mal ihre eigene Sippschaft vor so einem kleinen Fisch verteidigen kann."

Kitaku war inzwischen wieder aufgestanden.

„Ich bin nicht mit ihr verwandt, aber das tut im Moment nichts zur Sache! Ich…"

„Sie kommt."

Die Krone des mächtigen Baumes krachte und knackte, als die Dämonin von oben auf ihn herabstürzte.

Kitaku schrie auf und versuchte, dem Monster auszuweichen, doch die Arme hatten ihn schon fast umschlossen. Er hielt seine eigenen Arme schützend vor sein Gesicht, erwartete die Hände, die ihn packen würden

Doch nichts geschah. Er blickte verwundert auf und sah, dass die Männer aus dem Dorf die Tausendfüßlerfrau mit Speeren und Seilen von ihm wegzogen.

„Das war knapp…"

Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn. Eine barsche Stimme zerbrach den kurzen Moment der Erleichterung.

„Was ist, willst du nicht langsam nach Kikyo rufen?"

Der Halbdämon schnaubte verächtlich:

„Wie ein Kind, das heulend zu seiner Mutter läuft?"

Kitaku sah ihn an. Die Art, wie sein Gegenüber sich verhielt, weckte ein Gefühl in ihm, dass er sich nicht wirklich erklären konnte, es war nicht wirklich Zorn, eher...

„Ich habe keine Eltern mehr, zu denen ich laufen könnte. Und ich sagte doch schon mit Kikyo habe ich nichts zu tun."

Seine Stimme war ruhig, als hätte er nur einen einfachen Sachverhalt genannt. Die Bitterkeit, die hinter diesen Worten lag, blieb größtenteils in seinem Innerem verborgen. Kitaku war näher an den Baum herangetreten und stand nun direkt vor ihm, sodass sie nur wenige Handbreit voneinander entfernt waren..

Inu Yasha, der auf einen hitzigen Wortwechsel gewartet zu haben schien, hielt bei Kitakus Worten inne, die Überheblichkeit schien für einen Moment einem anderen Ausdruck zu weichen, war es Verständnis? Doch der Hanyou wandte das Gesicht zur Seite.

„Hm, es hätte mich auch gewundert, wenn sich Kikyo mit irgendeinem Youkai eingelassen hätte."

Er sah dabei eindeutig auf Kitakus freie Hautpartien.

„Ich… das hat nichts mit Youkai zu tun!"

Kitakus Wangen waren feuerrot geworden.

Doch bevor einer der beiden noch irgendetwas hätte sagen können, prallten die Männer direkt neben ihnen gegen die Baumwurzeln, die Dämonin hatte sich befreit, Kitaku spürte, wie ihn viele Hände packten. Er suchte instinktiv nach einem Halt, doch alles, was er zu fassen bekam, war ein paar silbrigweißer Koteletten. Ein schmerzerfülltes unisono:

„Lass mich los!", war die unabwendbare Folge.

Inzwischen hatte auch die Miko den Ort des Geschehens erreicht.

„Kaede- sama, Inu Yasha ist…!" Einer der Männer war zu der Priesterin geeilt, die alarmiert das geschehen um den heiligen Baum beobachtete.

„Inu Yasha ist erwacht!"

Das Siegel, das auf ihm liegt, hätte ewig Bestand haben sollen! Was ist nur los? Ist es etwa alles wegen dieses Jungen!

„Shikon no Tama!", Kitaku spürte die Worte der Dämonin zusammen mit ihrem Atem in seinem Nacken. Er schrie auf, als ihn einer der Zähne an der bloßen Schulter streifte und ätzender Speichel auf seine Haut tropfte.

Ein helles Licht blendete ihn fast, er hatte seinen Arm zur Abwehr nach hinten gestreckt, um die Dämonin von sich weg zu stoßen. Unter den erstaunten Blicken der Männer und auch der Miko, fuhr das Monster mit einem wilden Schmerzgeheul zurück und ließ den Jungen zusammen mit vier abgetrennten Armen zu Boden fallen.

Kitaku landete zum Glück im weichen Gras, sein Herz raste noch immer vor Schock. Das seine rechte Seite violett glühte, bemerkte er nicht, den anderen auf der Lichtung entging es jedoch keineswegs. Kitaku war viel mehr mit seiner Hand beschäftigt, oder mehr damit, was sich durch sie manifestiert hatte.

Wie im Brunnen… Vielleicht, vielleicht ist das meine Chance!

Er sprang auf, doch die Mononoke war schneller, ihr Insektenleib warf ihn zu Boden und die scharfen Fänge vergruben sich in seine Seite, Kitaku schrie auf, das Monster fuhr mit seiner Zunge in seinen Körper, grub sich durch Haut und Muskeln. Er wurde in die Luft geschleudert, gleichzeitig spürte er einen Zug, als würde etwas aus ihm herausgerissen, dann landete wieder im Gras, Blut rann aus dem klaffenden Riss im Stoff, aus dem Riss in seinem Körper! Ein leiser, dumpfer Aufprall ertönte neben ihm. Er drehte den Kopf zur Seite, sah einen kreisrunden Edelstein über den Boden kullern, dessen helles Violett von dem tiefen Rot seines Blutes fast überdeckt wurde.

Ist das… dieser Shikon no Tama? Er war in meinem Körper! Ist er etwa dafür verantwortlich, dass…

Er versuchte, sich wieder auf zu richten, aber es gelang ihm nicht, seine Glieder fühlten sich völlig kraftlos an, als wäre sein ganzer Körper aus Blei. Ihm wurde schwindelig, das Bild vor seinen Augen verschwamm, sein Herz, das vor Aufregung wild geschlagen hatte, schien langsamer, dumpfer zu pochen..

Ich… muss wohl zu viel Blut verlieren… Aber dass es ausgerechnet jetzt wieder passieren muss.

Er hörte die Stimme der Dämonin, kalt und höhnisch.

„Er war also doch in deinem Körper! Nun gehört er mir, der Shikon no Tama!"

Dann eine andere Stimme, laut, energisch, und panisch?

„Los, gib mir den Juwel, oder möchtest du gerne in ihrem Magen enden! Wenn sie den Juwel bekommt, frisst sie euch alle!"

Kitaku versuchte, das Schwächegefühl zu überwinden, aber der Blutverlust war zu stark für ihn, zu stark für jemanden, dessen Blut ohnehin nur so schwach durch seine Adern pulste. Er schob vorsichtig, langsam seinen Arm nach vorne, sah angestrengt auf die mattrote Kugel, unter der helle Flecken wie aus Amethyst hervor glommen.

Seine tastenden Finger waren nur noch wenige Zentimeter von dem blutigen Edelstein entfernt. Er streckte die Hand nach dem Juwel aus, doch bevor er es greifen konnte, wurde er wieder durch die Luft geschleudert, der Leib der Tausendfüßlerin fegte ihn gegen den Baum und schnürte sich zusammen. Kitaku spürte, wie sein Körper gegen den des anderen Jungen gepresst wurde, wie der Insektenleib sich wie ein Gürtel um beide schloss. Ihm war schwindlig, ganz als würde er immer noch durch die Luft gewirbelt und Schwärze begann sich wie ein großer feiner Schleier Schicht für Schicht über seine Augen zu legen…

Schreie…

Alles um ihn herum war dunkel, die Stimmen drangen nur dumpf an seine Ohren.

Was, wo bin ich…

Warm… Sein Oberkörper und sein Kopf waren gegen etwas warmes gedrückt worden, er spürte ein schnelles, rhythmisches Klopfen durch sein Ohr. Alles um ihn herum schien in Aufruhr, all die Stimmen, ein lautes Lachen und es roch nach

äumen und noch etwas - er zog die Luft leicht durch die Nase ein - wie ein Hund…

„Hey! Du kannst doch nicht einfach ohnmächtig werden!"

Eine laute, energische Stimme direkt über seinem Ohr riss ihn wach. Er blinzelte, schlug die Augen auf. Das warme feste, worauf sein Kopf geruht hatte, war Inu Yashas Brust gewesen.

Eben dieser begegnete seinem Blick mit funkelnden Bernsteinaugen, als er den Kopf zurücklegte, um ihn an zu sehen.

„Was denkst du dir eigentlich dabei, einfach schlapp zu machen, für so etwas ist jetzt keine Zeit!"

Kitaku wurde sich schlagartig wieder der Situation bewusst, in der er sich befand, und blickte sich um.

Das Monster, dessen Gesicht nun einer verzerrten Fratze glich, attackierte die Dorfbewohner mit heftigen Rammangriffen und den Männern blieb nichts übrig, als auszuweichen, ihre Speere und Pfeile zersplitterten an dem Insektenleib wie morsches Holz, Kaede konnte er nirgendwo entdecken.

„Sie hat den Juwel absorbiert und sich verwandelt."

Inu Yashas Stimme, jetzt wieder ruhiger ließ ihn seinen Blick wieder auf den Halbdämonen richten.

„Wie, wie lange war ich bewusstlos? Und was ist mit Kaede- baasan? Ich kann sie nirgends sehen?"

Er sah den anderen Jungen mit ängstlich geweiteten Augen an.

„Keh!", schnaubte Inu Yasha. „Lange genug! Und wenn du die alte Hexe meinst, die lebt noch."

Kitaku atmete erleichtert auf.

„Aber was sie und die anderen betrifft kann sich das bald ändern!"

Er fixierte den Oberkörper des Monsters, das sich halb vom Baum gelöst hatte, mit zornigen Augen.

„Sie wird mit jedem verstreichenden Augenblick stärker, je mehr von der Kraft des Juwels sie absorbieren kann. Wenn also nicht bald irgendetwas passiert, enden sie alle als Insektenfraß und du als Nachspeise."

Kitaku schluckte.

„Was, was kann ich tun? Es ist meine Schuld, Dass dieses Monster sie hier aufgetaucht ist, ich möchte nicht, dass ihnen deshalb etwas passiert!"

Er sah den Halbdämon flehend an.

„Zieh den Pfeil heraus."

Inu Yashas Stimme war ruhig und der Ausdruck in seinen Augen hatte sich verändert.

Der Pfeil…

Kitaku streckte seine Hand aus.

„Zieh ihn nicht heraus! Dieser Pfeil ist das Siegel das ihn an diesem Ort festhält!"

Die Stimme der Miko durchschnitt die Nacht. Kaede stand mit bleichem Gesicht auf der Lichtung, hinter sich die Dorfmänner, ihr eines Auge war weit aufgerissen.

„Hast du den Verstand verloren, alte Hexe!", der Halbdämon rief wütend zurück.

„SIE wird euer sicherer Tod sein! Willst du lieber in ihrem Magen enden!"

Er sah wieder zu Kitaku hinab.

„Was willst du jetzt tun!"

Seine Miene entspannte sich ein klein wenig.

„Du sagtest doch, du willst nicht Schuld daran sein, dass diese Trottel sterben."

Er schnaubte verächtlich.

Kitaku überlegte fieberhaft. Ein Teil von ihm stellte erneut die Frage, auf die ihm die Miko noch keine Antwort hatte geben können, doch …

Egal, unabhängig davon, weshalb er hier versiegelt wurde, wenn ich es nicht tue, dann…

Seine Hand schloss sich um den Schaft.

„Ich vertraue dir, Inu Yasha!"

Kitaku packte den Pfeil und zog, ohne die Veränderung in Inu Yashas Miene zu erkennen, die seine Worte ausgelöst hatten.

Der Pfeil erstrahlte in einem hellen Licht und eine Druckwelle wie ein Windstoß schwappte über die Lichtung, ließ das Haar des Hanyou empor flattern wie Steppengras im brüllenden Sturm.

Kitaku spürte die Welle durch seinen Körper dringen, wie die dunklen Gefühle eines lange eingekerkerten Wesens. Wut, Zorn, Trauer, Verrat…

Dann löste sich der Pfeil mit einem Zischen auf.

Ich weiß, ich wollte eigentlich weiter kommen, aber diese Szene bot sich einfach so gut als Kapitelabschluss an.

Gomen Nasai!

Wie gesagt, ab dem nächsten Kapitel werden ein paar Dinge anders ablaufen, als im Original, ich hoffe, meine Leser haben überhaupt noch Interesse.

Ich habe darüberhinaus noch ein paar kleine Änderungen in den ersten beiden Kapiteln vorgenommen, hauptsächlich kleine Korrekturen und Umformulierungen.

Nun, ich möchte mich bei meinen Lesern bedanken, bis zum nächsten Kapitel!