So, ersteinmal möchte ich mich dafür entschuldigen, wie lange ich für das dritte Kapitel gebraucht habe. Eigentlich war es ja schon eine ganze Weile fertig, aber leidr ist es dann wegen meines kaputten Computers ewig liegen geblieben und ich habe erst heute, als ich mich an eine neue Geschichte machen wollte, daran gedacht.

Nun, nachdem jetzt die Grundlage da ist, kommen wir langsam zu den ersten Veränderungen (Wesshalb das Kapitel auch einen eigenständigen Namen hat), die den Plot etwas interessanter machen. Ich hoffe, meine geschätzten Leser, falls noch vorhanden, haben ihr Vergnügen an diesem neuen Kapitel (Und vielleicht die Muße für einen Review).

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Kapitel 3: Vorboten des Wandels

Kitaku spürte es. Wie ein Donnergrollen , das den Körper des Jungen durchfuhr. Der Wind war abgeflaut, nachdem er die Überreste des Pfeils wie das Nachglühen eines Feuerwerkskörpers davongetragen hatte, doch dafür spürte er, wie sich die für so lange Zeit gebändigte Kraft des Hanyou einen Auslass suchte. Die Muskeln des Jungen spannten sich an und Kitaku konnte deutlich die gefletschten Zähne sehen, mehr wie die eines Hundes, als wie die eines Menschen. Er spürte den Druck gegen seinen Körper, als ihn Inu Yashas Aufbegehren zwischen dessen Körper und dem der Tausendfüßlerin einquetschte. Er rang nach Atem als der Körper des anderen sich nah vorne bog und den Druck verstärkte.

Druck…

Das Blut schoss ihm in die Wangen als er spürte, was da gerade gegen seinen Bauchnabel gedrückt wurde. Sein ganzer Körper fühlte sich an als wäre er unter Spannung, doch bevor er weiter über dieses Gefühl (Scham?) nachdenken konnte, erreichte Inu Yashas Kraftanstrengung ihren Höhepunkt und sowohl Kitaku, als auch das Monster wurden ins Gras geschleudert und der Schmerz, als er mit dem Rücken gegen eine Wurzel knallte, raubte ihm fast die Sinne.

Inu Yasha landete mit einem mühelosen Satz auf dem Boden, wie ein Hund auf allen vieren und den Kopf mit einem selbstsicheren Grinsen gereckt. Sein Blick blieb herausfordernd an dem Monster hängen, das immer noch in einem Knäuel am anderen Ende der Lichtung lag, nur um Haaresbreite von den rechtzeitig ausgewichenen Dorfbewohnern entfernt „So, Tante, dann werden wir einmal sehen, wie viel dir der Juwel noch nützt, nachdem ich mit dir fertig bin." Sein herablassendes Lachen hallte über die Lichtung.

Wie gebannt sahen Kitaku, Kaede und der Rest der Dorfbewohner zu, als der silberhaarige Halbdämon mit einem weiteren Satz und kampfbereit gekrümmten Klauen sich auf das Monster stürzte.

„Sankon Tes…", schrie Inu Yasha und fuhr mit seinen Krallen durch die Luft, als wollte er sie zerreißen.

Niemand sah das schwach im Mondlicht leuchtende Augenpaar, das aus der Krone eines Baumes auf das Geschehen herabblickte, die Gestalt, gehüllt in ein weißes Gewand, die gegen die obersten Ausläufer des Stammes lehnte. „Sieht ganz so aus, als hätten wir die richtige Wahl getroffen…" Die Augen folgten der Bewegung des Halbdämons, als dieser sich auf seine Gegnerin stürzte. „Kikyos Seele wird unausweichlich zu ihm gezogen… Inu Yasha…"

Doch noch bevor er seinen Angriff beenden konnte schnellte der vielgliedrige Leib empor und warf ihn zu Boden.

Der Halbdämon zuckte zusammen, als er spürte, wie die dornigen Beine über ihn schrappten und seine Seite aufrissen.

„Verdammt!"

Das harte Chitin hatte einen blutigen Schnitt hinterlassen, das weiße Untergewand war schimmerte dunkelrot, genau wie der aufgerissene Kimono darüber.

Hmpf, dass sie genug Kraft absorbiert hat, um durch das Feuerrattenhaar zu dringen…

Ein Aufschrei riss ihn aus seinen Gedanken, Inu Yasha sprang auf und wirbelte herum, es war die Stimme des Jungen gewesen.

Die Tausendfüßlerdämonin hatte ihn mit ihren wieder angewachsenen Armen gepackt und hielt ihn fest in ihrem Griff. Ihre roten Augen blickten boshaft auf den Halbdämon und die Dorfbewohner, der zuckende Leib schien wie eine gespannte Feder nur darauf zu warten, mit seiner Beute davon zu schnellen.

„Wagt es nicht, mich zu verfolgen, oder ich töte den Jungen!", der Nachhall ihrer verzerrten, schrillen Stimme blieb wie ein fallender Schleier hinter ihr zurück, als die klickenden Beine sich mit rasender Geschwindigkeit in Bewegung setzten.

„Kitaku!", die alte Miko sah zusammen mit den fassungslosen Dorfbewohnern entsetzt zu, wie sich die Tausendfüßlerin mit dem Juwel und dem Jungen davonmachte.

„Verdammt, du altes Mistweib, ich bin noch nicht fertig mit dir!", obwohl kaum in Augenblick vergangen war, schien es, als durchschneide der Ruf des Halbdämonen eine Ewigkeit überraschter Stille.

Kaede sah, wie ein Wirbel aus silbernem Haar und rotem Stoff an ihr vorbeirauschte und in schnellen Sätzen die Verfolgung der Dämonin und ihres Opfers aufnahm.

Wie gebannt blickte sie ihm nach, als er im Schatten des Waldes verschwand.

„Inu Yasha…", sie schüttelte den Kopf, als versuchte sie das geschehen zu verarbeiten.

„Wir müssen ihnen Folgen!", Kaede wandte sich, ihre energische Autorität zurückgewinnend an die wie versteinert dastehenden Männer, die immer noch mit weit aufgerissenen Augen in die Richtung sahen, in denen Mononoke und Hanyou verschwunden waren.

Inu Yasha… Egal wie, er darf diesen verfluchten Juwel nicht in die Hände bekommen.

Die Miko wusste nicht, dass die Gestalt mit den nun im Wind flatternden weißen Gewändern dasselbe dachte, als sie verschwand, der Mononoke und ihrem Verfolger hinterher.

Kitaku wand sich vergeblich in dem eisernen Griff, der ihn fest umklammert hielt. Der Gestank des Monsters ließ seinen Magen sich zusammenziehen, es war ein süßlicher, fauliger Verwesungsgeruch, wie der eines toten Insekts. Das Monster lachte nur und verstärkte seinen Griff noch. Aber Kitaku wusste sowieso, dass er in seiner derzeitigen Verfassung keine Chance hatte, sich aus eigener Kraft zu befreien.

Hilf mir, bitte, Inu Yasha…

Nackte, klauenbewehrte Füße trommelten auf den Waldboden, das silbriger Haar flatterte hinter dem Halbdämonen her, der der kaum übersehbaren Spur der Zerstörung folgte, die die Dämonin hinterlassen hatte.

Sträucher waren zerfetzt und die jungen Bäume mit ihren dünnen Stämmen umgeknickt, wo immer sie die uralte Vegetation durchbrachen

Verdammt… Wächst die den jetzt auch noch?

Tatsächlich schien die Spur der Zerstörung breiter zu werden. Einem Menschen wäre es wahrscheinlich entgangen, aber Inu Yashas Dämonensinnen blieb der langsame Wandel nicht verborgen.

Pah, hätte dieser Schwächling nur nicht so lange gebraucht, um wieder zu sich zu kommen, dann hätte ich sie schon längst erledigt!

Inu Yasha schnaubte verärgert, während er sein Tempo steigerte.

Verdammt, dass so ein schwächlicher Dämon Durch den Juwel so stark werden würde…

Plötzlich lichtete sich der Wald vor ihm, Inu Yasha kam rutschend und schlitternd zum Stehen.

Vor ihm erstreckt sich ein Abgrund in dessen Tiefen ein rauschender Fluss im Licht des aufgehenden Vollmonds glitzerte.

Wo…

Er sah sich mit zwei ruckartigen Kopfbewegungen um, sein Blick streifte hastig den Rand des Abgrunds entlang.

Da!

Er erblickte die Tausendfüßlerin zwanzig Meer zu seiner Rechten. Ihre dunkle Gestalt deutlich sichtbar gegen das silbrige Mondlicht, schob s ihren Leib vorsichtig auf die über dem Abgrund hängende Brücke zu, all ihre Aufmerksamkeit auf das dünne Holz gerichtet, um zu überprüfen, ob es ihr Gewicht tragen würde.

„Oh nein, alte Lady!"

Mit einem Schrei sprang der Halbdämon in die Richtung der monströsen Kreatur, seine rechte Hand an die Seite gepresst, wie um die Blutung der immer noch offenen Wunde zu stillen.

„Hijin Kessou!"

Kaum war der Schrei seiner Kehle entrungen, schleuderte Inu Yasha seine nun blutige rechte Klauenhand mit einer ruckartigen Bewegung nach vorne. Mit einem sirrenden Geräusch flogen die roten Blutstropfen von seinen Fingern, wie dunkelrote Pfeile, fast schwarz im Mondlicht, und das nun zu sichelartigen Klingen erstarrte Blut durchschnitt die Nachtluft. Das Monster drehte sich um, überrascht von dem plötzlichen Angriff und dem Schrei, der im vorausgegangen war.

Mit einem Kreischen wich sie zurück.

Doch Inu Yashas Ziel war nicht die Tausendfüßlerin gewesen. Befriedigt sah er zu, wie die fliegenden Klingen die Brückenseile zertrennten und die gesamte Konstruktion krachend in die Tiefe stürzte.

„Noch einmal kannst u mir nicht davonlaufen! Gib mir den Juwel der vier Seelen, oder ich reiße ihn dir höchstpersönlich aus deinen Eingeweiden heraus!" Ein selbstsicheres, bedrohliches Grinsen legte sich über sein Gesicht.

Langsam trat er auf die Dämonin zu, beide Hände zu mörderischen Klauen gekrümmt, das lange Silberhaar wie ein bedrohlicher Schleier hinter ihm herwallend.

„Was ist, Tantchen Tausendfuß, der Juwel, oder dein Leben, was gibst du mir zuerst?"

Die blutunterlaufenden, schmutzig violetten Augen des Monsters weiteten sich vor Schreck.

Trotz der Kraft des Juwels spürte die Mononoke, dass sie diesen Kampf vielleicht nicht gewinnen würde. Die bösartige Stimme bebte leicht und ein ganz anderer Ton als zuvor war darin zu erkennen, als sie sprach: „Keinen Schritt weiter, schmutziger Köter!" Die Klauenhand des einen Armes, mit dem sie den Jungen festhielt, der inzwischen jegliche Gegenwehr eingestellt hatte, schloss sich wie zur Warnung um dessen Hals.

„Ansonsten stirbt der Junge!"

Kitakus Gehirn arbeitete trotz seines geschwächten Zustands fieberhaft.

Es muss, es muss doch einen Weg geben…

Die Tauendfüßler Mononoke würde ihn nicht am Leben lassen, sobald er seine Rolle als Geisel gespielt hatte. Und Inu Yasha… Würde er überhaupt auf ihn Rücksicht nehmen? Er hatte ihn zwar befreit, aber er bezweifelte, dass der Halbdämon sich ihm hinreichend verpflichtet fühlte, um sein Leben über diesen „Juwel der vier Seelen" zu stellen, den jeder besitzen zu wollen schien.

Der Juwel…

Nicht weit von seiner kraftlos herabhängenden Hand sah er ein hell violettes Leuchten, das durch den Chitinpanzer drang.

Der Juwel muss ihn ihrem Körper sein, deshalb ist sie so stark… Dasselbe Leuchten wie im Brunnen, dieselbe Farbe wie die des Steins…

Er dachte daran, wie sich die Knochen wieder zu einem lebendigen Körper zusammengesetzt hatten.

Alles nur wegen des Juwels… Wegen des Juwels…

Er sah zu dem leuchtenden Fleck Chitin.

Wenn wir ihn nur aus ihrem Körper entfernen könnten, würde sie dass vielleicht genug schwächen...

Seine Finger stießen gegen den Chitinpanzer.

Aber wie sollte er durch den Chitinpanzer hindurchkommen?

Er dachte an das Taschenmesser in seinem Rucksack, doch bei dem Gedanken musste er innerlich den Kopf schütteln, eine lächerliche Allzwecktaschenmesserklinge könnte niemals Chitin dieser Dicke durchdringen.

Er blickte zu Inu Yasha, der zu seiner Überraschung immer noch am selben Fleck stand, ein leichter Ausdruck des Zögerns stand ihm ins Gesicht geschrieben.

Die Stimme seiner Geiselnehmerin durchschnitt den Augenblick der Stille, Kitaku spürte, wie der vielgliedrige Leib gleichzeitig langsam zurückwich.

„Lass mich ziehen und ich gebe den Jungen frei." Sie wich zögernd ein weiteres Stück zurück.

Inu Yasha trat mit zornigem Gesichtsausdruck weiter auf die Tausendfüßlerdämonin zu.

„Keh, glaubst du, du könntest mich erpressen?! Denkst du wirklich ich verzichte wegen eines Menschenjungen auf den Juwel?" Er trat noch einige Schritte weiter auf die Dämonin zu. Er schnaubte verächtlich.

„Gib mir den Juwel und ich lasse dir meinetwegen deine jämmerliche Existenz!"

Doch Kitaku merkte, dass etwas nicht stimmte, Inu Yasha hatte immer noch einen gewissen Abstand gewahrt und obwohl seine Stimme dieselbe, bedrohliche, selbstsichere Herablassung auszudrücken schien, traf Kitaku die Erkenntnis wie ein Pfeil, Inu Yasha bluffte.

Und auch die Tausendfüßlerin schien es nicht verborgen geblieben zu sein. Auf Inu Yashas Näherkommen hin schloss sich ihre Hand noch enger um Kitakus Hals.

„Wirklich? Der Junge ist dir also egal?" Ein Lachen entrang sich ihrer Kehle.

„Zum letzten Mal, zieh dich zurück, oder der Junge stirbt!"

Inu Yasha blieb schließlich stehen, die Zähne vor Ärger gefletscht.

Man, das läuft aber auch gar nicht wie geplant! Und je länger ich hier herumstehe, desto mehr Kraft absorbiert sie!

„Keh!"

Das wütende Schnauben des silberhaarigen Jungen ließ die Dämonin in noch schallenderes Gelächter ausbrechen, ihre Klauen gruben sich in den Hals des immer noch fast lässig mit einem Arm gehaltenen Jungen und ein Aufschrei entrang sich seiner Kehle.

„Also, was ist, Köterjunge?"

Ein weiteres wütendes Schnauben entrang sich der Kehle des Halbdämons.

Kitaku presste seine Zähne zusammen, er fühlte, wie aus den Wunden das Blut über seinen Hals rann.

Blut…

Für einen kurzen Moment vergaß er den Schmerz.

Inu Yasha ist auch verwundet.

Er sah zu dem Riss der in dem seltsamen, roten Gewand klaffte, der Riss, an dessen Rändern sich das Gewand deutlich dunkel verfärbt hatte.

Moment einmal, was hat Inu Yasha vorhin gemacht, als er die Brücke durchtrennt hat?

Er erinnerte sich, wie er im Gegensatz zur Dämonin, die ganz mit der Brücke beschäftigt gewesen war zurückgeblickt hatte. Inu Yasha hatte sich an die Seite gegriffen und dann die roten Klingen geschleudert… Hijin Kessou…

Die Brücke war völlig zerstört worden und sogar einige Felsbrocken hatten sich gelöst, als einige der Klingen ins Gestein geschlagen waren.

Wenn sie Gestein durchschlagen können, dann…

Kitaku sah zu dem Halbdämonen und holte tief Luft:

„Inu Yasha…!"

Der gerufene, der immer noch zögernd dastand, sah zu ihm auf.

Kitaku Biss die Zähne zusammen. Er wusste, was er jetzt tun musste, würde wehtun, aber es war die einzige Möglichkeit, In Yasha seinen Plan mitzuteilen, ohne die Dämonin darauf aufmerksam zu machen, was er vorhatte.

So schnell er konnte tastete er mit seiner Hand nach der Wunde, die ihm die Tausendfüßlerin zugefügt hatte.

An der selben Stelle wie bei Inu Yasha…

Er hätte fast vor Schmerz aufgeschrieen, als er seine Finger in die kaum verheilte Wunde drückte. Er spürte, wie das Blut über seine Haut rann, die Sekunden kamen ihm wie eine halbe Ewigkeit vor.

Einen bohrenden Schmerz zurücklassend, zog er schließlich seine Hand weg und drückte sie mit aller Kraft und so schnell er konnte gegen den leuchtenden Fleck auf dem Chitin Panzer des Monsters.

„…bitte!" Er schrie jetzt, halb flehend, halb vor Schmerz. „Bitte, Inu Yasha!"

Inu Yashas Ohren zuckten, für einen Moment sah er den Jungen verständnislos an.

Dann blieb sein Blick auf dem blutigen Handabdruck hängen, der auf dem Tausendfüßlerpanzer prangte.

„Bitte, Inu Yasha!"

Bei dem zweiten Ruf verstand er und sein Ausdruck wandelte sich von Unverständnis zu Erstaunen.

Die Dämonin, die nur den Ruf gehört hatte, durch ihren Panzer hindurch jedoch Kitakus Berührung nicht gespürt hatte, sah Inu Yasha unverwandt siegesgewiss an.

Der Ausdruck des Verständnis, der sich über Inu Yashas Gesicht gelegt hatte, entging ihr jedoch.

Nur den Bruchteil einer Sekunde legte sich das selbstsichere Grinsen wieder über das Gesicht des silberhaarigen Jungen, um gleich darauf von einer Maske des Ärgers überdeckt zu werden.

Seine Hand schlug wie in einer Geste der Niederlage gegen sein Seite: „Verdammt!"

Er sah die Dämonin mit vor Wut funkelnden Augen an.

„Du hast gewonnen!" Er sah der Dämonin ins Gesicht, die Ohren an den Kopf angelegt.

„Ich gebe dir einen Vorsprung bis zu dem verkrüppelten Baum dort hinten. Lass den Jungen dort fallen und dann verschwinde meinetwegen!"

Die Dämonin brach bei seinen Worten in schallendes Gelächter aus. Es war ein seltsam unwirklicher Laut, ganz anders, als das verzerrte, halb erstickt klingende Lachen und die dumpfe Stimme, ein Laut, der den vielgliedrigen Leib beben ließ.

„Inu Yasha, ich habe von dir ja bereits gehört." Ihre Stimme wurde immer wieder von dem bebenden Gelächter unerbrochen: „Von einem Halbdämonen auf der Suche nach dem Juwel, der sich schließlich von einer menschlichen Miko um den Finger wickeln und an einem Baum versiegeln ließ, aber wer hätte gedacht", sie sah mit abfälligem Blick zu ihm herab, ihre großen, fast aus ihrem Mund quellenden Zähne gebleckt, „ dass du tatsächlich so weichherzig geworden bist."

Ihre Krallen fuhren über Kitakus Körper: „Oder hängst du so sehr an ihm?"

Inu Yasha wandte den Blick ab, in seiner Stimme lag ein verärgerter Ton: „Quatsch lieber nicht so viel, Alte!"

Die Dämonin sah ihn verächtlich an, dann wandte sie sich langsam um, den Blick jedoch immer noch auf den Halbdämonen gerichtet, der mit gefletschten Zähnen auf dem Boden hockte, den Blick gesenkt.

Tatsächlich machte sich Inu Yasha jedoch zum Sprung bereit.

Na, hoffen wir mal, dass es klappt, was immer er vorhat.

Nun denn…

Inu Yasha spannte seine Muskeln.

„Kitaku!", der erschöpfte Ruf der Miko schallte ihnen aus dem Wald entgegen, als die alte Frau gefolgt von den übrigen Dorfbewohnern aus dem Unterholz auftauchte.

Genau in dem Moment, als Inu Yasha lossprang.

Der ganz auf sein Vorhaben konzentrierte Halbdämon zuckte nur kurz mit den Ohren, als er die laute Stimme hörte, doch seine Gegnerin wirbelte herum und blickte zu den Dorfleuten, die ihre Pfeile auf sie gerichtet hatten.

Die Ablenkung war perfekt.

„Hijin…", erneut fuhren Inu Yashas Klauen durch die Luft, „kessou!" Zischend flogen die Blutsicheln auf de Dämonin zu, genau in dem Moment, als ihre Aufmerksamkeit ganz auf ihre menschlichen Gegner gerichtet war.

Kitaku, immer noch von dem monströsen Arm gegen den Tausendfüßlerleib gepresst zuckte zusammen, als eine der Sicheln seinen Arm streifte und eine blutige Spur hinterließ. Doch Inu Yasha hatte gut gezielt, die Sicheln trafen ihr Ziel mit einer für die Heftigkeit des Angriffs überraschenden Präzision und rissen ein Loch in den Panzer, genau dort, wo Kitakus Hand die blutige Zielmarkierung hinterlassen hatte.

„Aaaaaarrrhhhh!", die Dämonin schrie auf vor Schmerz.

Kitaku spürte, wie der schraubstockartige Griff sich löste und er an dem Tausendfüßlerleib herunter zu rutschen begann.

Die spitzen, buckelartigen Dornen, die aus der ansonsten glatten Oberfläche hervorragten, scheuerten über seinen Rücken und zerrissen den Stoff seines T-Shirts.

Er schaffte es gerade noch, sich fest zu halten, bevor er zu weit herunterrutschte.

Mit einem Arm klammerte er sich an den heftig zuckenden Tausendfüßlerleib, mit dem anderen versuchte er, das Loch zu erreichen, das Inu Yasha in den Chitinpanzer geschlagen hatte.

Inu Yasha hatte derweil die Wucht aus einem Sprung genutzt, um den nun nicht mehr durch einen lebendigen Schutzschild verdeckten Oberkörper mit einem Hagel von Klauenschlägen ein zu decken.

Die Dämonin schwankte unter dem Ansturm, schaffte es jedoch ihre Position zu halten und die ankommenden Schläge mit ihren Armen zu blocken.

Inu Yasha ließ sich zurückfallen, um einem Gegenangriff zu entgehen und landete mit einem eleganten Satz auf dem Ast eines kräftigen Baumes.

„Danke übrigens für das Ablenkungsmanöver, alte Hexe", rief er der Miko zu, die immer noch wie gefesselt auf das Geschehen starrte, „und übrigens, statt wie ein Haufen hässlicher Statuen herum zu stehen, würde ich an eurer Stelle lieber dem Jungen helfen, er scheint irgendetwas zu versuchen, was euch vielleicht doch noch davor bewahrt, Monsterfraß zu werden." Mit einem überheblichen Grinsen zu den Angesprochenen hin stieß er sich wieder vom Ast ab und setzte zu einem neuen Ausfall gegen die Tausendfüßlerdämonin an.

Inu Yashas Worte hatten Kaede aus dem Bann gerissen, der sie und die anderen Dorfbewohner das Geschehen hatte stumm beobachten lassen.

Ihr Blick glitt von dem erbitterten Kampf zwischen dem Halbdämonen und dem Oberkörper der Tausendfüßlerin der sich einige Meter über dem Boden abspielte, hin zu der im Mondlicht mehr einem Schatten ähnelnden Gestalt des Jungen, der sich verzweifelt am hin und her wippenden Tausendfüßlerleib festhielt.

„Kitaku!", die Miko war dem Kampf so nah wie nur möglich gekommen, ohne von den umherwirbelnden Gliedern getroffen zu werden.

Der Junge drehte seinen Kopf, seine vor Anspannung zusammengekniffenen Augen wanderten zu der Priesterin und den Männern, die in einem respektvollen und vorsichtigen Abstand hinter ihr standen, die Speere und Bögen gespannt und gestreckt.

„Kaede- baasan!", Kitakus Stimme klang gepresst, doch die Erleichterung war dennoch deutlich daraus heraus zu hören, „ich, ich komme nicht hoch genug, ich habe nicht genug Kraft." Ein gequälter Ausdruck lag in seiner Miene. Sein Blick schweifte zu den Männern, die hinter der Miko standen.

„Könntet ihr die sie noch einmal mit den Seilen festhalten?" Er sah flehend zu den Dorfleuten.

„Festhalten? Was hast du vor, Junge?" Die Miko sah ihn verdutzt an.

„Dafür ist jetzt keine Zeit!", Kitaku musste sich mit beiden Armen festklammern, um nicht abgeschüttelt zu werden. „Bitte, Kaede-san!" Er sah die Miko flehend an.

Kaede sah skeptisch zu der Dämonin. Das Monster war durch den Juwel deutlich stärker geworden. Schon vorher war es den Leuten schwer gefallen gegen die Kraft der Tausendfüßlerin anzukommen, aber jetzt…

Trotzdem…

„Ihr habt gehört, was er gesagt hat", sie wandte sich zu den Männern um, „nehmt die Seile und tut, was in eurer Kraft steht!"

Die Männer sahen die Miko zweifelnd an, ungläubig, dass es ihnen noch einmal gelingen sollte, das Monster fest zu halten: „Unmöglich…"-„…sie ist viel zu stark."

Einige der Männer sahen zweifelnd auf die Seile, die sie in den Händen hielten.

„Was trödelt ihr so lange?!", ein kräftiger Mann mittleren Alters hatte sich vor die anderen gestellt, Seil und Bogen fest in den Händen. Es war einer der Männer, die den fremden Jungen die ganze Zeit über misstrauisch angesehen hatten. „Ihr hab gehört, was die Miko gesagt hat! Also steht nicht rum sondern zeigt diesem Monster, dass es nicht einfach ungestraft unser Dorf angreifen kann!" Zunächst begegneten ihm zweifelnde Blicke, doch schließlich, einer nach dem anderen, nickten die Männer oder stießen bekräftigende Rufe aus.

Kaede, die das ganze angespannt beobachtet hatte wandte sich wieder an die Männer.

„Sehr gut!" Sie deutete auf die Seile: „Versucht, möglichst die viele Seile um sie zu winden, ohne den Jungen zu treffen. Setzt sie am besten an ihrem Oberkörper und den oberen Segmenten an!" Die Männer nickten. Kaede und die anderen Bogenschützen machten die Seile an ihren Pfeilen fest, eine andere Gruppe näherte sich dem Monster von verschiedenen Seiten in weitem Abstand, bereit, sich gegenseitig ihre Seile zuzuwerfen und die den Tausendfüßlerleib damit zu umschnüren.

Kitaku ließ sich ein Stück weiter hinabgleiten, um den Dorfbewohnern mehr Angriffsfläche für ihre Seile zu bieten. Er sah über das Grasstück, das den Wald und den Abgrund trennte.

Die Gruppe, die die Seile um den Leib der Dämonin zu schnüren versuchte, kam dem Rand der Schlucht gefährlich nah.

Hoffentlich passiert ihnen nichts…

Kitaku spürte wie sein Magen sich zusammenzog, als sein Blick den Dorfleuten folgte.

Es wäre meine Schuld… nur, weil ich zu schwach bin…

Fast wünschte er, die Miko nicht um Hilfe gebeten zu haben, doch andernfalls…

Er sah hinauf zu dem Halbdämon, der immer wieder mit einem Hagel von Klauenhieben auf die Dämonin eindrosch, sich dann blitzartig zurückzog, nur um gleich darauf erneut auf sie los zu stürzen. Ohne den heftigen Angriff des silberhaarigen Jungen wäre das Vorhaben der Dorfbewohner, sein Vorhaben, unmöglich.

Kitaku zuckte zusammen, als die Pfeile sirrenden über seinem Kopf vorbeiflogen.

Einige schlugen in den weicheren Oberkörper und durchdrangen mit ihren Wiederhaken die schrundig schwarze Haut der Dämonin.

Das Monster schrie vor Schmerzen auf, drängte den erneut angreifenden Halbdämonen mit einigen heftigen Schlägen zurück. Mit einem Schlag ihres Unterleibs schleuderte sie einige der sie umringenden Dorbewohner zurück ins Unterholz, doch die Seile hatten sich bereits um ihren Körper geschlungen.

„Zieht!" Kaedesamas Ruf hallte über den Kampfplatz, während sie selbst mit aller Kraft an dem Seil zog, das sie zusammen mit zwei weniger geschickten Bogenschützen umklammert hielt.

Auch die anderen Dorbewohner hatten nun ihre Seile ergriffen.

Kiatku spürte, wie ein Ruck durch den Körper der Dämonin ging, als sie sich mit aller Kraft gegen die an ihr zerrenden Seile stemmte. „Ihr armseligen…!", brüllte die Tausendfüßlerin, während sie mit ihrem freien Unterleib versuchte, ihre Gegner von sich ab zu schütteln.

Kitaku wusste, dass er nicht lange Zeit hatte, bis der ungleiche Kampf entschieden sein würde.

Die Schmerzen ignorierend, kletterte er an dem Monströsen Dämonenleib empor, die Beine und Vorsprünge im Panzer als Kletterhilfen benutzend.

Nur noch ein paar Meter…

Er hörte ein Kreischen über sich, dann ein Schlittern und eine Hand die ihn an der Schulter berührte.

„Beeil dich lieber ein bisschen mit deiner Klettertour, ich glaube nämlich nicht, dass die da unten noch lange durchhalten."

Er blickte auf und sah in das Gesicht eines grinsenden Inu Yasha der ihm die Hand entgegenstreckte.

„Ich hoffe nur, dein Plan ist diese ganze Posse hier wert."

Kitaku konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.

„Ich hoffe es", er streckte Inu Yasha seine Hand entgegen. Der Halbdämon zog ihn mühelos nach oben, bis zu dem klaffenden Loch ihm Panzer. Mit angewidertem Gesicht sah er auf die auf das hervortretende Innere des Monstrums: „Na dann, ich hoffe, du weißt, was du tust", Inu Yasha wartete, bis Kitaku wieder Halt an dm Monsterleib gefunden hatte, dann stieß er sich mit einem Satz ab, landete auf einem Ast und startete einen weitren Ausfall: „Ich werde sie ablenken, nutze deine Chance!"

Kitaku nickte nur stumm, auch wenn der Halbdämon es nicht mehr sah.

Seine Miene zeigte denselben Ausdruck wie noch kurz davor die von Inu Yasha, als er sich dem Loch zuwandte.

Der widerliche Geruch der Dämonin schlug ihm entgegen. Hätte er eine Hand freigehabt, Kitaku hätte sich die Nase zugehalten, doch er hatte auch so schon genug Probleme, sich an der Tausendfüßlerin fest zu halten. Die meisten Seile hatte das Monster schon abgeschüttelt, wenn er nicht schnell war, würde sie ihn abschütteln, bevor er den Juwel…

Der Juwel! Kitaku sah auf die Wunde, das Leuchten war verschwunden!

Panik erfasste ihn; wenn der Juwel nicht mehr da war…

Fast wäre Kitaku verzweifelt, doch plötzlich sah er es wieder. Ein Funkeln in seinem Augenwinkel. Der Juwel war immer noch da, doch nun war er ein ganzes Stück weitergewandert, etwas weniger als einen Meter von der vorherigen Stelle entfernt.

Er schätzte die Entfernung ab, wenn er seinen ganzen Arm…

Sein Magen drehte sich um bei der Vorstellung, doch es war die einzige Möglichkeit.

Langsam und mit größtem Widerwillen fasste er in das Loch in dem starren Chitinpanzer.

Seine Hand berührte die glibberige, faulige Masse der Innereien, die zu einem schlaffen, schleimigen Brei zerfallen waren. Kitaku hatte das Gefühl, als berührte er etwas Totes, halb Verwestes.

Ein Schauder überlief ihn, als er spürte, wie sein Arm immer tiefer in der ekelhaften Masse versank, während sich seine Hand suchend vorwärts tastete. Der Gestank war kaum aus zu halten, als er fast bis zur Schulter in den Körper des Monsters eingedrungen war und sein Gesicht nur wenige Zentimeter von der klaffenden Öffnung entfernt war.

Suchend tasteten seine Finger nach dem Juwel, halb von seinen Augen geleitet, die sich an dem Leuchten, das durch den Körper drang orientierten, halb von einem seltsamen Gefühl, als reagierte sein Körper auf die Nähe des Juwels.

Ein erneuter Ruck ging durch den Körper der Dämonin, Kitaku musste nicht hinsehen, die Rufe der Dorfbewohner verrieten ihm, dass die Tausendfüßlerin soeben auch das letzte Seil abgeschüttelt hatte.

„Beeil dich Junge, erklang Inu Yashas Ruf."

Kitaku schluckte. Jetzt, da sie die Dorfbewohner abgeschüttelt hatte, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie ihr Augenmerk wieder auf ihn richten würde.

Sein Herzschlag beschleunigte sich, der Juwel war zum greifen nahe, aber um ihn zu erreichen musste er…

Kitakus ganzer Körper verkrampfte sich bei dem Gedanken. Er nahm seinen ganzen Mut zusammen und drang das letzte Stück in die faulig stinkenden Innereien der Dämonin ein, der Gestank betäubte ihn fast, als seine Nasenspitze die ekelhafte Masse berührte. Endlich spürte er es; etwas Kleines, rundes und hartes inmitten der halbverwesten Gedärme, Kitaku schloss seine Hand um den Juwel.

Der Schrei der Dämonin durchriss die Nachtluft:„AAAAAhhhaaaaaaarrrrrrrrrrr-rrrrrrrrrrrrrrrrrrrhh!", in eben dem Moment, als ddie Hand des Jungen sich um den Juwel geschlossen hatte, überfiel das Monster ein heftiger Krampf, ihre Arme schlugen wild um sich während sich langsam die Haut von ihnen zu lösen begann.

Inu Yasha, der Kitaku bis zu letzt mit seinen Angriffen Deckung gegeben hatte, sprang mit einem Satz zurück auf den Baum, der ihm schon so oft als Abstoßpunkt für seine Ausfälle gedient hatte.

Kitaku hatte Mühe, sich an dem wild peitschenden Leib fest zu halten, während seine Hand sich wie in Verzweiflung immer fester um den Juwel schloss.

„Duuuuu", die verzerrte, fast panische Stimme schlug ihm entgegen, als die Dämonin schlussendlich wieder ihrer vorherigen Geisel gewahr wurde. „Fass ihn nicht an! Weg!"

Ihr Körper bebte, als sich immer mehr Körperteile langsam zu zersetzen begannen. Das Monster schrie und bäumte sich auf; und Kitaku spürte, wie seine rechte Hand löste, mit der er sich an dem Tausendfüßlerkörper festhielt. Kitakus Körper wurde durch die Luft geschleudert, direkt auf die Schlucht zu.

Doch statt dem Gefühl des freien Falls spürte Kitaku einen heftigen Schmerz im Rücken, der im fast erneut die Sinne geraubt hätte. Ein alter knorriger Baumstamm, der halb über den Abgrund ragte, hatte ihn vor dem Sturz in die Tiefe bewahrt.

Noch bevor Kitaku wieder zu sich gekommen war, geschweige denn Gelegenheit

Gehabt hätte, sich auf zu rappeln, zeriss erneut ein schriller Schrei die Benommenheit: „Gib ihn zurück! Gib ihn zurüüück!" Kitaku wurde erst jetzt richtig klar, dass seine linke Hand noch immer den Juwel der vier Seelen umfasst hielt.

Wie in Zeitlupe sah er die Dämonin auf sich zu rasen, ihr Körper hatte sich bereits deutlich verändert.

In dem Sekunden Bruchteil sah Kitaku den Oberkörper von dem sich das Fleisch löste, während der Unterkörper bereits vollständig skelletiert war. Wie in Abwehr versuchte er die Arme zu heben, doch sein Körper schien unter der Belastung schließlich gänzlich aufgegeben zu haben. Nicht, dass es ihm überhaupt etwas genützt hätte, stellte Kitaku in einem morbid- nüchternen Gedanken fest.

Doch bevor die Tausendfüßlerin ihr Ziel erreichen konnte, durchschnitt eine Zweite Stimme den Bann des Augenblicks: „Sankon Tessou!" Wie ein rot- und silberner Blitz schnellte die Gestalt des Halbdämons zwischen den Jungen und seine Angreiferin die Klauen blitzten auf und mit einem berstenden Krachen wurde der Körper der Dämonin unter Inu Yashas Ansturm zertrümmert. Allein ein Haufen verstreuter Knochenreste blieb übrig, auf dem der Sieger mit einem überheblichen Lächeln thronte. Mit einem letzten verächtlichen Blick auf die Überreste wandte er sich ab. Langsam schritt er auf Kitaku zu, der immer noch von dem Aufprall wie betäubt in den Ästen des toten Baums hing.

„Danke, Inu Yasha…", ein schwaches Lächeln hatte sich über das Gesicht des Jungen gelegt.

Ein abfälliges Schnauben und ein Grinsen, das allerdings bei weitem nicht mehr so geringschätzig und ablehnend war, wie zuvor, begleiteten Inu Yashas Antwort: „Keh, denkst du, ich lasse Tantchen Tausendfuß dir den Juwel gleich noch einmal abnehmen?" Der Halbdämon trat noch einen Schritt näher.

„Du möchtest das hier, oder?", Kitaku hob schwach die linke Hand hoch. Der Juwel war ebenso wie sein Arm von einem grauvioletten Staub bedeckt, der nach dem Zerfall der Dämonin von dem vorherigen Schmutz übrig geblieben war. Er sah prüfend in Inu Yashas Bernsteinaugen, wie um sch einer zweifelhaften Tatsache zu vergewissern.

„Kluger Junge!", Inu Yashas Grinsen entblößte die hundeartigen Eckzähne.

„Nein!", Der Halbdämon wandte sich um und sah die alte Miko die aufgeregt auf die beiden zukam. „Kitaku, du darfst ihm den Juwel nicht geben, auf keinen Fall!" Das Gesicht der alten Frau war vor Aufregung verzerrt, ihr unversehrtes Auge blickte Kitaku beschwörend an.

Inu Yasha betrachtete die Miko ungerührt, sein Gesicht hatte wieder den überheblichen Ausdruck angenommen, der ihm all zu oft zu Eigen war: „Alte Hexe, wenn ich mich recht erinnere, war der Juwel im Körper dieses Jungen", er sah zu Kitaku. „Ist es dann nicht an ihm zu entscheiden, was er mit dem Juwel tun will?" Ohne der Priesterin eine Gelegenheit zu geben, etwas ein zu wenden, wandte er sich an den Jungen: „Kitaku, so heißt du doch, oder?" Sein Ausdruck wirkte freundlicher, als er mit ihm sprach. „Du hast gesehen, was Dämonen mit diesem Juwel anfangen können, für Menschen ist er hingegen vollkommen wertlos." Er machte eine Pause und sah zu Kaede und den Dorfleuten: „Glaubst du, sie könnten einen noch stärkeren Dämonen als die da", er deutete auf den Knochenhaufen unter sich, „ davon abhalten, sich den Juwel zu holen?"

Er sah Kitaku in die Augen, seine Stimme war herablassend, als er fortfuhr. „Sobald all die Dämonen spüren, dass der Juwel hier in diesem Dorf ist, werden sie aus allen Himmelsrichtungen herbeeilen, wie Krähen zu einem Schlachtfeld, nur um den Juwel an sich zu bringen. Willst du ihn nicht lieber mir geben, als zuzusehen, wie diese Idioten", er sah abfällig zu Kaede und den Dorfbewohnern, „ sich bei ihren sinnlosen Versuchen, den Juwel zu beschützen umbringen lassen? War doch dein Wunsch, dass niemand deinetwegen sterben muss, oder?" Zum ersten Mal meinte Kitaku so etwas wie den Anflug eines zynischen Lächelns auf dem Gesicht des Halbdämons zu sehen.

„Kitaku, hör nicht auf ihn!"- Doch der Junge sah die Miko entschuldigend an und schüttelte den Kopf: „ Es tut mir Leid, Kaede- san." Er machte eine kurze Pause, um das Schwindelgefühl zu unterdrücken. Langsam wanderte sein Blick zu dem Halbdämonen: „Wenn Inu Yasha sich den Juwel der vier Seelen nehmen wollte, könnte ich ihn nicht daran hindern, ebenso wenig wie sonst jemand hier…" Er ließ seinen Blick über Kaede und die mitgenommenen Männer aus dem Dorf wandern, angestrengt holte er Atem, wobei ihm ebenso wie allen anderen das schwache knarrende Ächzen entging, „Egal, wer Recht hat, egal, wem dieser Juwel zusteht...", er sah den silberhaarigen Halbdämonen an: „Außerdem, ich sagte bereits, ich vertraue dir, Inu Yasha…", Ein schwaches Lächeln breitete sich über sein Gesicht aus. Langsam streckte er seinen Linken Arm aus und hielt ihm den Juwel auf der ausgestreckten Handfläche entgegen. Kitaku konnte es nicht genau erkennen, aber es schien ihm, alles veränderte sich der Ausdruck auf dem Gesicht des Halbdämons. Durch die Verschwommenheit, die seine Sicht umfing, glaubte er einen Ausdruck von Unsicherheit zu erkennen, als wüsste der Junge mit den im Mondlicht silbrig schimmernden Haaren nicht, wie er mit diesen Worten umgehen sollte. Ohne eine der üblichen harschen Erwiderungen kam er Schritt um Schritt näher auf ihn zu. Niemand sprach in dem Moment, weder die Miko, die das Geschehen mit einer Mischung von Entsetzen und Erstaunen auf dem Gesicht zu betrachten schien, noch die Dorfbewohner oder die beiden Jungen selbst. Die Schatten, die das Mondlicht auf Inu Yashas Gesicht, schienen mit jedem Schritt von seinem Gesicht zu weichen, bis Kitaku in die beiden bernsteinfarbenen Augen blickte. Und plötzlich schien ihm die ganze Szene unglaublich vertraut; wie der Schatten einer Erinnerung legte es sich über seien Blick: Eine einladende Geste, die seinen Worten folgte, der scheue, unsichere Blick, als der Halbdämon sich ihm langsam näherte, wie ein wildes Tier. Es war, als hätte er das ganze schon einmal erlebt, oder nein… Er wusste, dass er dies zum ersten Mal spürte und zugleich nicht. So, als würde sich nur ein Teil von ihm daran erinnern…

Inu Yashas Hand näherte sich der seinen, langsam, als läge eine nicht greifbare Spannung in der Luft, die jede Bewegung zäh werden ließ. Die feinen Härchen an seinem Körper schienen wie elektrisiert ab zu stehen und ein seltsames Kribbeln durchlief seinen Körper, als ihre Augen sich trafen. Ein lautes Knarren, nein, ein Krachen ertönte hinter ihm.

Und plötzlich brach der alte Baumstamm entzwei und Kitaku fühlte, wie Luft und Schwerkraft an ihm zerrten, als er in die Schlucht hinabfiel.

„Kitaku!", Kaede sah noch, wie das alte Holz langsam unter dem Gewicht des Jungen nachgab, unfähig etwas zu tun. Erst, als sie sich des wehenden roten Stoffes bewusst wurde, der im Bruchteil einer Sekunde dem fallenden Jungen mit seinen weit aufgerissenen Augen hinterhergestürzt war, erkannte sie, dass sie nicht die einzige war, die gerufen hatte.

Der Fallwind pfiff Inu Yasha um die Ohren, und die Ärmel und Säume seines Gewandes flatterten ebenso wie sein Haar wild hinter ihm her, während er auf den Jungen zusteuerte, der wenige Meter unter ihm auf die schwach glitzernde Wasseroberfläche zufiel.

Zu seinem Ärger bremsten seine weiten Kleider seinen Fall jedoch eher, als dass sie ihn beschleunigten, ganz im Gegensatz zu denen des Jungen unter ihm.

Ein trotziger Ruf entrang sich seiner Kehle. Inu Yasha brauchte nicht einmal den Bruchteil einer Sekunde, um sich an einem Vorsprung der nahen Wand abzustoßen und seinen Fall so zu beschleunigen.

Ihre Distanz verkürzte sich nun rasant, doch ebenso schnell fielen sie auf die strömenden Fluten zu. Iu Yashas Gesicht verzerrte sich vor Anspannung, es waren nur noch Meter, die sie voneinander und den Jungen von der Wasseroberfläche trennten. Noch drei Meter, noch zwei…

Inu Yasha hörte schon das Platschen, als er im letzten Moment Kitaku zu fassen bekam.

Wie ein Vorhang aus silbrigen Perlen stiegen die Luftblasen um die beiden herum empor, als die Wassermassen sie in sich aufnahmen. Den Körper des Jungen fest an sich gepresst ruderte er mit den Beinen nach oben. Quälend langsam schien sich die Wasseroberfläche zu nähern, doch schließlich durchstieß sein Kopf die Fluten. Sich das nasse Silberhaar aus dem Gesicht wischend sah er sich um: Der Fluss schien an manchen Stellen nicht bis zum Rand der steil aufragenden Felswand zu reichen. Eine kiesige, flache Uferbank säumte zu seiner Linken den Flusslauf. Er atmete tief ein und sog die kalte Nachtluft durch die Nase und steuerte so gut er es mit den Beinen und nur einem Arm paddelnd vermochte auf das Ufer zu- der andere Arm hielt immer noch den regungslosen Jungen umklammert.

Kitaku kam hustend und spuckend wieder zu sich. Langsam, als lasteten Schleier aus Blei auf seinen Lidern, öffnete er die Augen. Inu Yashas hatte sich über ihn gebeugt, die Hand immer noch auf dem Bauch des Jungen. „Meine Güte, du machst mir wirklich nichts als Ärger." Doch Inu Yashas Blick schien eher besorgt als wütend. Kitaku spürte die Strähnen des Nassen Haars, die seine freien Hautpartien kitzelten. Er versuchte zu antworten, doch ein Husten, das noch mehr Wasser aus seiner Lunge hinausbeförderte, war das einzige, was er zu Stande brachte. Stattdessen sah er den anderen Jungen entschuldigend an. Schweißperlen rannen über Inu Yasas Gesicht- nein, Wassertropfen, korrigierte sich Kitaku, er hat mich doch aus dem Fluss gezogen. Überall schmerzte es ihn, auch am Bauch; natürlich, er hatte ja Wasser geschluckt und Inu Yasha… Ein leichter Schwindel umfing ihn, sein Blick glitt wie ein Stürzender von Inu Yashas Gesicht hinab. Das rote Gewand klebte nass an Inu Yashas Körper und durch den dicken Stoff zeichneten sich die Umrisse des muskulösen Oberkörpers ab. Es wäre viel einfacher, ihn zu zeichnen, wenn er sich aus ziehen würde… Kitaku spürte, wie die Schleier seine Lider wieder herab zu drücken begannen. Schatten… sind so schwierig… vor allem… bei den Muskeln… Ein letzter Rest seines Gehirns wehrte sich gegen die aufkommende Besinnungslosigkeit und die verwirrten, sinnlosen Gedanken. Ich bin doch nicht im Kunstunterricht… was soll der Unsinn… Ich kann doch nicht einfach… Krampfhaft zog er seine linke Hand zusammen. Er spürte, wie seine Fingernägel sich in seinen Handteller bohrten, doch es reichte nicht, um die Bewusstlosigkeit, die sich langsam über ihn legte zu vertreiben. Ein letzter Gedanke, fast wie ein erstickter Aufschrei entfuhr ihm: Meine Hand… habe ich nicht etwas gehalten…

Doch bevor er diese Erkenntnis verarbeiten konnte, drückten die bleiernen Schleier seine Lider herab, seine Augen schlossen sich und mit seiner Sicht schwand seine Besinnung.

Tatsächlich war der Juwel aus Kitakus Hand gefallen, als der Baum unter ihm nachgegeben hatte. Zunächst war er nur auf dem felsigen Vorsprung gelandete, der über die Schlucht hing, doch niemand, weder Kaede noch die Dorfbewohner, hatten ihn gesehen und so konnte niemand ihn aufheben, bevor er hinter seinem Hüter und dem, der ihn so begehrte in die Schlucht hinabrollte. Keiner hatte ihn gesehen, auch nicht Inu Yasha, in dessen Augenwinkeln das violette Funkeln kurz aufblitzte, als der Juwel an ihm vorbei in die Fluten fiel. Keiner außer dem Weißgewandeten, der das Geschehen aus der Deckung eines Baumes, kaum ein paar Meter von Inu Yashas Abstoßpunkt im Kampf gegen die Dämonin aus beobachtet hatte. „Puh, sieht aus, als wäre alles noch einmal gut gegangen…" Er fuhr sich mit einem erleichterten Seufzer über die Stirn und strich dabei die Fransen des schwarzen Haares zurück. „Hätte der Bam nicht von sich aus nachgegeben, wäre ich gezwungen gewesen, direkt ein zu greifen…" Mit einer belustigten Geste warf er etwas violett Glitzerndes mit seiner rechten Hand fast einen halben Meter in die Nachtluft, nur um es gleich darauf wieder auf zu fangen.

„Die einzige Frage ist, was nun hiermit geschehen soll…"

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Nun, neben Kitaku st nun der erst neu Charakter aufgetreten, der noch eine wichtige Rolle spielen wird. Ich werde mich bemühen, das nächste Kpitel zügiger zu schreiben (Auch wenn ich es leider ersteinmal für eine Kingdom Hearts Fanfiction aufschiebe) und hoffe, dass ihr, die ihr dieses Kapitel lest, auch beim nächsten mir diese Ehre erweist. Kritik ist herzlich willkommen.