Natsumi nutze in der Zwischenzeit Bunnys Abwesenheit, sich mit Mamoru vertraut zu machen. Der schein vorerst eher abelehnend und schweigsam. "Also Mamoru... es is doch ok, wenn ich dich einfach so nenne, oder?" Er nuschelte daraufhin lediglich ein "Ist mir gleich!" als Antwort. "Mamoru..." Ihre Stimme hatte nun einen unglaublich traurigen Ton, so dass Mamoru gerade zu gezwungen war, sie anzusehen. Er konnte es nicht ertragen, wenn Mädchen ihm gegenüber so einen Ton anschlugen. Als ob er hier die größte Pein zugefügt hätte und nur er dies auch wieder beheben könnte. Nun besah er sie sich näher. Sie war schon ziemlich attraktiv, das mußte er ihr lassen. Aber so, wie sie sich bislang gegenüber Bunny verhalten hatte, mit ihrer arroganten und überheblichen Art, mutmaßte er, dass er es mit einem klassischen Fall von "Aussen hui, innen pfui" zu tun hatte. Ihre langen schwarzen Haare waren heute zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und ihre grünen Augen blickten ihm glänzend entgegen. "Also, was?" "Mamoru... ich weiß, wir hatten keinen besonders guten Start. Ich war sauer auf... deine Freundin" man merkte förmlich ihren Widerwillen, diese beiden Wörter zu benutzen "und deshalb war ich auch so eklig zu ihr. Ich bin es nicht gewöhnt, dass sich mir andere widersetzen." Sie versuchte, ihn gewinnend anzulächeln. Mamoru reagierte weder auf Blick noch auf Satz. Also fuhr sie fort. "Aber ich würde dich wirklich gerne kennen lernen. Ich meine... ich hab dich schon gemocht, als ich dich das erste Mal gesehen habe! Und dann zu erfahren, dass du derjenige Welcher bist... ich war fassungslos vor Glück!" Mamoru schaute sie unschlüssig an. Was sollte er jetzt tun? Er war sich nicht sicher, ob sie sich gerade nur verstellte oder ernsthaft meinte, was sie da sagte. Jedenfalls war er nun in Zugzwang, er mußte ihr etwas antworten. Er schaute ihr in die Augen, um eventuelle Anzeichen von Verschlagenheit oder Heimtücke zu sehen, doch sie blickte ihn nur mit großen Kulleraugen an, gerade zu hoffnungsvoll. Er wollte sie nicht verletzen, und so schwieg er einen Moment, um eine passende Formulierung zu finden. Er atmete tief ein. "Natsuki..." bei seiner vertrauten Ansprache erröteten ihre Wangen, doch er wollte sich davon nicht beirren lassen. "Du bist bestimmt ein nettes Mädchen, das will ich gar nicht bezweifeln, aber..." "Bin ich nicht attraktiv genug, ist es das? Was gefällt dir denn nicht an mir?" Tränen traten ihr in die Augen und sie blinzelte, damit sie sich nicht den Weg in die Freiheit erkämpften. "Nein, das ist es nicht! Aber... ich kenne dich doch gar nicht. Selbst das schönste Mädchen auf der Welt könnte nicht innerhalb von 2 Minuten bei mir landen, weil ich sie schlicht und einfach nicht kenne! Und ausserdem... mich interessiert keine andere Frau als Bunny!" "Aber du könntest mich doch kennenlernen!" widersprach sie ihm heftig. "Ich meine, deine Eltern, sie haben sich das gewünscht! Du bist 21 Jahre alt und ich bin 20, das passt doch gut. Wir sind beide Studenten, es gibt bestimmt eine Menge, was wir gemein haben und worüber wir diskutieren können!" Ihr Ton war mitlerweile eher bittend. Sie blickte hinter ihm und sah Bunny wieder auf sie zukommen, gefolgt von Hajime, der überhaupt nicht erfreut wirkte. "Mamoru... Bunny ist gerade mal 17, noch ein halbes Kind, verspielt und tollpatschig. Mit ihr willst du also dein restliches Leben verbringen?" Bunny hatte ihren Namen gehört und blieb stehen, um zu hören, um was es ging. Hajime hielt hinter ihr, ahnend, das Natsuki wohl etwas vor hatte. Mamoru bemerkte das Hinzukommen der beiden nicht. Mamoru sah sie direkt an; "Ja, das will ich!" Bei seiner Antwort strahlten Bunnys Augen auf und sie machte Anstalten, noch näher zu kommen und ihrem Freund um den Hals zu fallen. "Und was wäre... wenn du Bunny gar nicht kennen gelernt hättest...? Ohne sie, würdest du mich dann kennenlernen wollen?" Bunny hielt mitten in der Bewegung inne.
Mamoru schüttelte den Kopf. "Was soll das? Das hat rein gar nichts..." "Bitte Mamoru, ich mein es Ernst..." Er seuftze; "Ja, vielleicht sähe es dann anders... Wenn es sie nicht gäbe... Aber..." weiter kam er nicht. Er hörte ein ersticktes Schluchzen und fuhr herum. Hinter ihm stand sie, die blauen Augen weit aufgerissen, die ersten Tränen bahnten sich ihren Weg ihre Wangen hinab und in ihrem Gesicht war einfach nur... Schmerz zu sehen. Mamoru wollte aufspringen, aber sie schüttelte einfach nur den Kopf, drehte sich um und stürmte davon.
Mamoru schaute Natsuki an, die ihn völlig unschuldig entgegenblickte. Er wußte jedoch, dass sie genau gesehen hatte, das Bunny hinter ihnen in Hörweite stand und somit alles mitbekam. Ohne sie weiter zu beachten und ohne seinen Onkel eines Blickes zu würdigen stürmte er hinter Bunny her, die schon ausserhalb seiner Sichtweite war. Er lief zum ausgang des Parkes, dodh weit und breit war nichts mehr zu sehen von ihr. wo konnte sie nur hingerannt sein? Er mußte es ihr erklären. Er war doch noch gar nicht fertig mit seiner Antwort gewesen. Und nun... er wußte nicht genau, was sie nun dachte, aber ihm war klar was Gutes - nach dem Ausdruck ihres Gesichtes nach zu urteilen - war es nicht. Er suchte in seinen Taschen nach seinem Handy, und als er es endlich hatte, wählte er schnell die Nummer von Bunny und wartete auf das Klingeln. Als das Tönen erklang, hielt er den Atem an, so unerträglich war die Zeit des Wartens, bis sie endlich dran gehen würde. Doch statt dessen erklang plötzlich ein Besetztzeichen. Weggedrückt. Er wiederholte das Anwählen ihrer Nummer nochmals, doch diesmal erklang sofort; "Der gewünschte Teilnehmer ist vorübergehend nicht zu erreichen. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt noch einma." Er klappte sein Handy wieder zu. Sie hatte es ausgestellt. Kein Interesse, mit ihm zu sprechen.
Bunny rannte durch die engen Straßen der Großstadt, ihr war alles egal. Wenn es sie nicht geben würde... dann... Wenn es sie nicht geben würde, wäre er warscheinlich innerhalb kurzer Zeit mit Natsumi zusammen... Der Wunsch seiner Eltern würde in Erfüllung gehen... Eine Persönlichkeit an seiner Seite, die auch zu ihm passen würde. Gebildet, hübsch, in seinem Alter, wußte sich zu benehmen... Schluchzer schüttelten sie. Aber was war mit ihr? Seit 3 Jahren waren sie hier auf Erden ein Paar. Schon in ihrem vorigen Leben hatten sie einander geliebt, bis in den Tot... Aber warum sollte er sich deshalb an sie gebunden fühlen? Er hatte es damals selber gesagt, als er sich von ihr getrennt hatte. Blind vor Trauer lief sie weiter, orientierungslos und ohne Ahnung wo sie hin wollte oder auch konnte. Ihre Gedanken überschlugen sich weiterhin. Es war doch vor 2 Tagen noch alles ok. Sie war mit ihren Freunden unterwegs, hatte Spaß... Ihr Freund... ihr Noch-Freund... Ihre Liebe... ihre Tochter... lies sich die Zukunft, wie sie sie gesehen hatte, so einfach ändern?
Dann passierte es. Wie so oft lief sie in jemanden rein, und schmerzhaft ging sie zu Boden. Den dumpfen Schmerz in ihrem Gesäß nahm sie gar nicht wahr. "Ent.. Entschuldigung..." stammelte sie, ohne ihr Gegenüber anzusehen. Zwei starke Arme hoben sie einfach vom Boden auf und stellten sie wieder auf ihre Beine. "Nichts passiert, Kleine! Aber du siehst aus, als hättest du Probleme. Kann ich dir vielleicht helfen?" Irgendwas an der Stimme des jetzt eindeutig als männlichen Mitmenschen gefiel ihr ganz und gar nicht... Also versuchte sie, durch ihren Tränenschleier zu erkennen, mit wem sie es eigentlich zu tun hatte. Sie mußte schwer schlucken. Ein mindestens 3 Köpfe größerer Kerl, so um die 25 wie sie schätzte, stand vor ihr, mit langen grünen Haaren, die offen über seine Schultern hingen und einem gerade zu lüsternem Blick. Er hatte einen leichten Bart am Kinn, wohl auf 3 Tage-Bart gestylt und eine lange Narbe zog sich von seiner rechten Schläfe bis hin zu seiner Nase. Nicht gerade der Typ Mensch, dem man seine Kinder anvertrauen würde! Oder eben sein Leid klagt über den Freund... "Öhm, nein..." Sie versuchte zu lächeln. "Aber vielen Dank. Ich hoffe, es ist Ihnen nichts passiert. Leider muß ich los." Sprachs und rauschte an ihm vorbei. Seine Pläne schienen jedoch anders auszusehen. Kaum war sie drei Schritte an ihm vorbei, spürte sie den harten Griff einer Hand an ihrem Oberarm. "Hey, erst umrennen und dann abhauen? nicht sehr nett!" Sein süffisantes Grinsen war nicht mehr zu übersehen. Bunny blickte sich hilfesuchend um. Sie war mitten im Vergnügungsviertel Shinjuku. Links von ihr eine Hauptstraße, auf der die autos im schnellen Tempo vorbei rasten und sich nicht darum kümmerten, was am Straßenrand geschah. Auf der andern Seite standen dicht an dicht die Häuser,kleinere Läden mit Ramsch und Souveniers sowie mehrere kleine Pubs und Karaokebars. 2 Häuser weiter war eine kleine Nebenstraße, in der es immer sehr ruhig zuging und niemand sie dort bemerken würde... Als hätte der Rüpel ihre Gedanken gelesen, zerrte er sie an ihrem Arm in Richtung des Seitenweges. Bunny versuchte sich zu wehren, hatte jedoch gegen die grobe Gewalt des Mannes keine Chance. Panisch blickte sie sich um, sagte laut "Lass mich los! Ich will jetzt gehen!" doch das veranlasste den Kerl nur noch mehr zum lachen. "Ich würde vorschlagen, du tust was das Mädchen sagt!" Überrascht blickte der Grünhaarige sich um. "Was willst denn du?" Bunny schaute ebenfalls in die Richtung, aus der die Stimme kam. Erleichtert atmete sie auf. "Haruka! Michiru!" "So, ihr kennt die Kleine also! Tja, wir wollten uns gerade vergnügen, entschuldigt!" Wenn blickte töten könnten, wäre er auf jeden Fall sofort gestorben. "Vergnügen sollte es aber beiden bereiten, und die Worte "Lass mich los!" waren kein Scherz! Ich gebe dir jetzt genau 10 Sekunden, sie loszulassen und dich zu verdrücken!" "Oder was? Was will ein Mädchen denn schon gegen mich ausrichten?" Haruka lächelte gefährlich. "Die Zeit läuft." Sie wartete ab. Michiru folgte dem ganzen recht desinteressiert, sie wußte ohnehin, wie es ausgehen würde. Aufmunternd lächelte sie Bunny zu. Der Typ entscheid sich dann dafür, Bunny loszulassen, ging jedoch auf Haruka zu und baute sich vor ihr auf. Er war auch ein gutes Stück größer als sie, doch das tangierte Haruka nicht im geringsten. "Du glaubst wohl ich würde dir nichts tun, weil du ein Mädchen bist, he?" Haruka erwiderte seinen herausfordernden Blick. "Du glaubst wohl ich hätte keine Chance weil ich nen Mädchen bin. Ich habe dich erledigt, bevor du weißt wie dir geschieht!" Das war wohl zuviel. Die geballte Faust ihres Widersachers näherte sich ihrem Gesicht. Haruka drehte sich elgant zu Seite, so dass die Hand an ihr vorbei ins Leere traf. Dann holte sie aus und verpasste ihm einen Magenschwinger, so dass er sofort röchelnd zu Boden ging. "So, gut dass wir das geklärt haben!" Sie beugte sich ein Stück hinunter, damit er sie besser hören konnte. "Sehe ich dich jemals wieder in der Nähe unserer Freundin... überhaupt in der Nähe eines Mädchens, wirst du feststellen, dass ich mich gerade mal aufgewärmt habe!" Michiru war inzwischen neben Bunny und legte dem zitternden Mädchen ihre Jacke um. " Komm Bunny, wir bringen dich weg!" Sie führte sie zum Auto, dass direkt am Straßenrand stand und lies sie hinten einsteigen. Dann setzte sie sich selber auf den Beifahrersitz und auch Haruka stieg in ihren gelben Sportwagen hinter das Steuer. Den Kerl ließen sie einfach unbeachtet zurück. Bunny fühlte sich total leer. Sie fühlte nichts. Sie zitterte nur am ganzen Körper und war ansonsten nicht in der Lage, etwas wahr zu nehmen. Es schienen auch keine Tränen mehr kommen zu wollen.
"Bunny, was machst du denn allein in dieser Gegend? Sei froh, das wird zufällig vorbeigekommen sind." Haruka versuchte ihre Stimme nicht all zu vorwurfsvoll klingen zu lassen, weil sie fand, das Bunny ohnehin wie ein Häufchen Elend aussah, schaffte es aber nicht ganz. "Ja Bunny, ich dachte, du bist mit Mamoru unterwegs...?" versuchte Michiru dem ganzen eine neue Richtung zu geben. Bunny zuckte zusammen, reagierte aber nicht. Die beiden Mädchen tauschten einen besorgten Blick aus. "Wir haben dich beim Vorbeifahren gesehen und dachten, wir helfen dir besser..." "Ja, danke..." Michiru musterte Bunny argwöhnisch im Rückspiegel. "Bunny, stimmt irgendetwas nicht?" Ohne eine Regung in der Stimme antwortet Bunny nur "Nein, alles ok..." Haruka zuckte die Schultern. Wenn sie ihnen nicht erzählen wollte, was los war, dann konnten sie sie schlecht dazu zwingen. "Hm... wohin sollen wir dich bringen? Möchtest du, dass ich dich nach Hause fahre? Oder zu den Mädchen? Oder ja, ich kann dich auch zu Mamorus Wohnung bringen wenn du möchtest!" "NEIN! Nicht zu Mamoru! Bitte... bloß nicht... zu Mamoru..." Daher wehte also der Wind. Nun hatten sie zumindest schon mal eine Spur, woher der Wind wehte. "Was ist denn los, hattest du Streit mit Mamoru? Das lässt sich doch ganz leicht wieder kitten, da bin ich sicher! Ging es um diese Sache mit seinem ominösen Onkel?" Mitfühlend legte Michiru ihr die Hand aufs Knie. "Du bist nicht allein... wir helfen dir, wenn wir können!" Haruka fuhr weiter durch die Innenstadt, jedoch im Kreis herum, weil sie immer noch unschlüssig war, wohin es nun mit dem Häufchen Elend hingehen sollte. Aber ihre Konzentration lagerte im Moment sowieso eher auf dem Gespräch. "Ich... Mamoru und ich... wir trennen uns..." Totenstille. Das Quitschen von Bremsen war zu vernehmen. Der Wagen stand, mitten auf einer Kreuzung. Als nächstes ging eine furchtbare Erschütterung durch das Auto, und ein metallenes Scheppern war zu hören. Haruka war auf ihrem Fahrersitz herum gesaust, hockte nun mit den Beinen auf dem Fahrersitz um Bunny anschauen zu können. "WIE meinst du das ihr trennt euch? Ihr könnt euch nicht trennen!" Auch Michiru schien geschockt, sie konnte sich nur nicht so recht entscheiden, was sie mehr schockierte, das von Bunny oder der Unfall. "Wir trennen uns... ich werde mich von ihm trennen!" Neben dem Autofenster von Haruka tauchte ein Mann mittleren Alters auf, mit hochrotem Kopf und einer dicken Beule am Kopf. Er riss ihre Autotür auf. "SAGEN SIE MAL, HABEN SIE DEN VERSTAND VERLOREN? MITTEN AUF DER KREUZUNG ZU BREMSEN!" Haruka, genauso erregt; "NERVEN SIE MICH NICHT! NICHT JETZT!" und knallte die Tür wieder zu. Der Mann, total verdattert, schüttelte den Kopf, zog sein Handy aus der Jackentasche und tätigte einen Anruf. Mit der Polizei, wie Michiru vermutete. "Bunny schaute ihre Freundinnen nicht an. "Es ist besser so... vorerst werde ich mich trennen... ich habe es vorhin gehört. Er sagte zu Natsuki, dass wenn es mich nicht gäbe, würde er er sie auch kennenlernen wollen..."Sie schluckte hart und merkte, wie ihrr wieder Tränen in die Augen stiegen. "Ich stehe ihm nur im Weg... ihr sagt doch selber, ich bin... unfähig. Ich bin eine Heulsuse, tollpatschig bis immer, bringe andere in Schwierigkeiten..." sie deutete mit der Hand hinter sich, das Auto meinend, dass ihnen aufgefahren war "und ausserdem... wir passen nicht zueinander. Er ist so schlau und gebildet, engagiert... er sollte sich jemanden suchen, der zu ihm passt..." Die Traurigkeit in ihrer Stimme war nicht zu überhören und Michiru mußte sich zusammen nehmen, nicht mit ihr zu weinen...
