So, hier für Euch neues Lesefutter - auch wenn Ihr mich kläglich mit Eurem Feedback im Stich lasst! Dabei bin ich doch so neugierig, wie Euch mein Werk bisher gefällt! Viel Spaß mit dem Kapitel! Tardo

6. Kapitel

Legolas lief wie ein gehetztes Tier durch die unzähligen Gänge der unterirdischen Höhlen. Er meinte vernommen zu haben, wie Elrohir zu Boden gegangen war. Das Geräusch von trampelnden Füßen auf dem steinigen Boden hatte ihm dies nur zu sehr bestätigt.

‚Hoffentlich lassen sie ihn am Leben...!', waren die einzigen Gedanken, die er gehabt hatte.

Der Abstand zwischen den Orks und ihm war nicht sehr groß – und er wusste nicht, wo er hinsollte. Wenn das so weiter gehen würde, würden sie ihn bald gefasst haben. Zudem konnte es sein, dass hinter jeder Biegung weitere dieser Kreaturen auf ihn warten würden.

Legolas hielt in seinem Lauf inne. Er sah die Hand vor Augen nicht. Verwirrt versuchte er den nächsten Gang vor sich auszumachen – wieso sah er nichts mehr? Der Elb kniff die Augen zusammen und konzentrierte sich. Schemenhaft sah er den Gang vor sich und einige dickere Felsbrocken, die von einem Erdbeben liegen geblieben sein mussten. Schnell verbarg er sich hinter ihnen – er musste eine Pause machen. Als er auf dem feuchten Boden saß, schloss er für einen Moment die Augen und holte tief Luft.

Die Zeit unter der Erde erdrückte ihn abermals. Seine elbischen Fähigkeiten ließen immer mehr nach. Ein leichter Schweißfilm hatte sich auch seiner Haut gebildet. Er öffnete die Augen wieder und lauschte in den Gang hinein. Kein Geräusch drang an seine Ohren.

WO war er? Hatte er sich vollständig verirrt? Mit einem Seufzen zog er die zerrissene Tunika enger um seinen Oberkörper und überging den Schmerz, der sich bei der Reibung über seine Wunden bildete. Er MUSSTE den Drachen finden! Ansonsten hätte Elrohir sich vielleicht umsonst geopfert. Aber wie sollte er zu ihm gelangen? Die Orks mussten diese Gänge wie Ameisen angelegt haben. Legolas hatte keinerlei Orientierungssinn mehr. Sollte er sich gen Süden oder gen Norden halten? Auf einmal rieselten einige Steine von den Wänden und das unterirdische Grölen des Drachen war leise zu vernehmen. Legolas' Gesicht hellte sich – er musste mit dem Drachen Kontakt aufnehmen! Er würde ihn zu sich führen! Doch... wie?

Der Drache musste über die Verbundenheit zwischen ihnen, gespürt haben, dass Legolas nicht weiter wusste. Der Elb schloss die Augen und richtete seinen Blick nach innen. Er konzentrierte sich ganz und gar auf die Präsenz des Wesens. In seinem Innern breitete sich eine angenehme Wärme aus. Sie löste die Beklemmung ab und gab dem Elben neuen Mut. Mit dieser Wärme würde er ihn finden! Vorsichtig stand er auf und schlich hinter den Felsen hervor. Er musste sich rechts halten. Weit sehen, konnte er immer noch nicht. Mit der einen Hand hielt er das Orkschwert fest gefasst, mit der anderen stützte er sich an den feuchten, dreckigen Wänden ab. Die Wärme erfüllte ihn immer noch und gab ihm die Sicherheit, dass er auf dem richtigen Weg war. Von Zeit zu Zeit vernahm er dieses Grölen, es erklang immer stärker. Er kam dem Drachen näher...

Was würde er tun, wenn er ihn erreicht hatte? Legolas hielt inne – die Gänge verzweigten sich erneut. Musste er sich rechts halten oder doch nach links gehen? Die Wärme hatte ihn immer noch erfasst und er bog in den linken Gang ein, doch mit jedem Schritt, den er mehr machte, spürte er, wie die Wärme ihn verließ und die Kälte zurückkam. Das konnte nicht der richtige Weg sein! Flugs drehte er wieder um und ließ in den rechten Gang hinein. Nach wenigen Schritten spürte er bereits, wie die Kälte wich – der Drache wies ihm den Weg.

Das Gefühl der Wärme wurde immer stärker und Legolas beschleunigte seine Schritte. Abermals ertönte ein Grollen – diesmal vernahm er es jedoch nicht mehr unterirdisch, sondern so nah, dass er meinte, den Boden unter seinen Füßen vibrieren zu spüren. Als er um die nächste Biegung ging, sah er das Ende des Ganges – ein heller Schein ging davon hervor. Schnellen Schrittes schlich er dorthin. So gut es ging, verbarg er sich hinter einigen Steinen und spähte hinunter in die große Höhle, die sich vor ihm auftat. Sein Atem drohte ihm den Dienst zu versagen. Er hatte sich gar keine Gedanken gemacht, was ihn erwarten würde. Was er jetzt sah, überbot seine kühnsten Träume – der Drache!

Er kannte diese faszinierenden Wesen bis jetzt nur aus Sagen und Erzählungen... Der Körper des Drachen hüllte beinahe die gewaltige Höhle aus und zählte mindestens 45 Ellen. Die vielschichtigen Schuppen, die so hart wie ein Panzer waren, schimmerten in allen erdenklichen Gelb- und Grüntönen. Doch das Bild wurde getrübt – schwere Ketten hielten den gewaltigen Körper fest an der Erde. Sie schlangen sich rund um seinen Körper und drückten sich in die Schuppen ein. Der lange Schwanz war an der gegenüberliegenden Wand fest gekettet. Seine großen prächtigen Schwingen, wurden durch das Eisen nahe an seinen Körper gepresst. Die Pranken scharrten so gut es ging in dem harten Boden der Höhle und verrieten zu gut den Unmut des Drachens, der hier festgehalten wurde. Selbst sein Kopf wurde mit den schweren Ketten am Boden gehalten. Sie hatten ihm das Maul zugebunden, damit er nicht mit Feuer um sich speien konnte. Vier Hörner zierten seinen Kopf, seitlich gelegen.

‚Wie haben sie es geschafft, solch ein Wesen zu fangen?', fragte sich Legolas voller Ehrfurcht.

Im nächsten Augenblick erfuhr der Elb auch den Grund für das Grollen, dass er, seit er in Gefangenschaft war, vernommen hatte. Ein Ork rammte dem Drachen seinen Sperr in die Schuppen der Pranke, mit der er abermals versucht hatte, die Ketten abzustreifen. Klirren drang an Legolas' Ohren, als der Drache sich in seinen Fesseln wandte. Dann erstarrte der Elb. Der Drache sah zu ihm – sah ihn an! Legolas spürte den Blick aus den uralten Augen, als hätte ihn ein Schwert gestreift. Die gelben Pupillen zeigten das Leid und den Zorn der Kreatur. Legolas nahm seine Umgebung nicht mehr war – nur noch der Drache erfüllte sein Blickfeld. Die beiden verbanden sich miteinander, ihre Gedanken wurden eins, das Feuer schien sie beide zu erfüllen – ein unsichtbarer Bann lag zwischen ihnen und Legolas durchzuckten die Gedanken des Drachen, so wie seine zu dem Drachen trieben. Ein Wort hallte in seinem Kopf, erfüllte sein Inneres ganz und gar, bis sich Legolas sicher war, die Bedeutung dieses Wortes zu erfassen. Der Name des Drachen!

Im nächsten Moment verursachte der Drache, infolge eines weiteren Sperrhiebs, ein erneutes Grollen und Legolas erwachte aus seiner Lethargie.

„Saradas...", murmelte er und sah wieder zu dem Drachen. „Ich werde dich befreien!"

Der Elb sah sich hektisch um. Wie würde er es schaffen können, zu dem Drachen zu gelangen? Das Tier an sich, konnte sich kaum rühren. Als Legolas abermals die Ketten und die, dadurch aufgescheuerten Wunden des Drachens sah, überkam ihn Wut. Ein Blick genügte – dann stahl er sich hinter seiner Deckung hervor und kraxelte hinunter in die Höhle. Er wusste, dass das Auge des Drachen ihn stets beobachtete. Noch hatten die Orks ihn nicht bemerkt – und sie würden es auch nicht! Sie schienen für den Moment von Saradas abgelassen zu haben. Diesen Augenblick nutzte Legolas für sich und schlich sich zu einem Ork, der unauffällig an einer Steingruppe stand. Ohne Aufsehen zu erregen, hatte er ihn mit seiner eigenen Lanze erstochen. Die Kreatur glitt mit einem leisen Gurgeln zu Boden und Legolas schnappte sich das Krummschwert. Er sah auf. Der gewaltige Körper des Drachen ragte vor ihm auf. Für einen Moment schluckte er – aus der Höhe hatte er nicht so bedrohlich gewirkt... Wie, als hätte der Drache Legolas' unsichere Gedankengänge verstanden, breitete sich wieder Wärme in dem Elben aus und er wusste, dass er Saradas vertrauen konnte. Flink lief er zur Hinterpranke, der er am nächsten war. Die Schuppen schimmerten in allen erdenklichen Grüntönen, die Legolas beinahe, in Verzückung inne hielten ließen.

‚Jetzt nicht!', ermahnte sich der Prinz und huschte weiter am Körper des Drachen entlang. Mit einer schnellen Bewegung versteckte er sich noch rechtzeitig hinter der Vorderpranke Saradas' – er hatte den Ork nicht gesehen, der davor postierte. Vorsichtig lugte er hinter der Gliedmaße hervor und sah, dass der Ork ihm den Rücken zukehrte.

‚Das geht ja leichter als gedacht... kein anderer Ork dürfte mich hier sehen...!', dachte er sich schmunzelnd, sprang nach vorne und schlug der Kreatur kurzerhand den Kopf ab. Ohne ein weiteres Geräusch hauchte sie ihr Leben aus. Legolas hielt kurz inne um seine Kräfte erneut zu sammeln. Höhlen, Wunden, die starke Präsenz eines Drachen... all das zerrte zur Genüge an den Kräften des Elben. Er holte tief Luft und ging langsam weiter zu dem Kopf Saradas', der mit schweren Ketten am Boden gehalten wurde. Bevor er sich dem Drachen zuwandte, lugte er über dessen Hals und sah, dass er zurzeit nicht beobachtet wurde. Saradas beobachtete ihn – sein Auge suchte nach dem Elben, da er den Kopf nicht drehen konnte. Legolas ließ sich auf die Knie nieder und streckte vorsichtig seine Hand aus, um die stählernen Schuppen zu berühren. Als seine Hand über den harten Panzer strich, wurde er augenblicklich von einem Blitz durchzuckt. So nahe war er dem Drachen noch nie gewesen.

Die Kraft, die zwischen ihnen strömte war so stark, dass Legolas für einen Moment dachte, von ihr übermannt zu werden. Wie traumatisiert strich er immer wieder über die Schuppen, bis er sich schließlich losreißen konnte und Saradas schwer atmend ansah. Dieser konnte ihn mittlerweile sehen und blinzelte – Legolas schien es, als würde er zwinkern.

‚Habe ich nicht in der Zelle noch gesagt, dass ich bald wahnsinnig werde...!'

Saradas versuchte vorsichtig seinen Kopf zu bewegen, doch das einzige was geschah, war, dass die Ketten rasselten. Erzürnt knirschte er mit den scharfen Zähnen. Legolas kroch näher zu ihm und strich ihm behutsam über die Wange. Wieder durchzuckte ihn eine Vielfalt von Farben, allerdings nicht mehr so stark, wie beim ersten Mal. Saradas grummelte, doch diesmal hörte es sich nicht finster und bedrohlich an, mehr, als würde er den Elben verstehen. Legolas hatte ihm vermittelt, dass er ihm helfen würde. Sie mussten es schaffen, den Fängen Haldurs zu entkommen!

ooOOoo

Haldurs Raunen war leise und gefährlich, Aragorn zwang sich deshalb dazu, sich ganz auf den Elben zu konzentrieren und seine Schmerzen in den Hintergrund zu verbannen. Er wußte nur zu gut, dass Haldur im Kampf jede List einsetzte und keine Rücksicht auf den Zustand seines Gegners nehmen würde. Ganz in Gegenteil! Er würde es genießen, mit ihm zu spielen und ihn noch mehr quälen. Aber Aragorn konnte nicht umhin, sein eigenes Wohl hinten an zu stellen und dafür zu danken, dass Haldur wenigstens Elrohir so verschonte. Aragorn lächelte bei diesem Gedanken erleichtert und dann landete ein gezielter Schlag auf seinem Brustkorb, der diesen mit Schmerzen umschloss. Diesmal keuchte er auf und schnappte nach Luft, doch dann zwang sich eine Woge des Zorns in seinem Inneren empor. ‚Reiß dich zusammen, Aragorn!', sprach er zu sich selbst. ‚Du bist nicht mehr das Kind, das er besiegen kann! Du hast in unzähligen Schlachten bewiesen, dass du dich behaupten kannst und von den Elben gelernt hast, zu kämpfen. Diesmal wirst du dich zu verteidigen wissen!'

Er hob den Blick und sah Haldur entschlossen entgegen, der ihn überheblich und siegessicher ansah.

„Diesmal solltest du dich verteidigen, Estel! Denn ich will dich töten und ich werde es diesmal tun, wenn ich die Gelegenheit dazu habe!" Sein Lachen hallte durch den Saal und dröhnte in Aragorns Ohren wieder. Dann griff der Elb ohne weitere Warnung mit gezogenem Schwert an und der König spürte vom ersten Augenblick an, dass dies ein Kampf auf Leben und Tod werden würde. Er befand sich im klaren Nachteil, denn er war immer noch benommen von den Schlägen der Orks und die Strapazen der Suche und die Folgen seiner Erkältung zehrten an seinen Kräften. Hinzu kam, dass er völlig unbewaffnet war, doch das gedachte er so schnell wie möglich zu ändern. Die Orks hatten ihm zwar sein Schwert genommen, doch der lange Dolch steckte immer noch in seinem Stiefel. Mit einer fließenden Bewegung lenkte er Haldurs Aufmerksamkeit in eine andere Richtung und hatte auch schon seine Waffe gezogen, als sich ihre Blicke wieder trafen.

„Deine Tricks werden dir nicht viel nutzen.", doch der Elb wirkte nicht mehr so selbstsicher, wie noch zuvor.

Haldur startete seinerseits eine Finte und Aragorn konnte aufgrund seiner angeschlagenen Rippen nicht schnell genug reagieren, was ihm eine klaffende Wunde am Oberschenkel eintrug. Aragorn sah das Blut auf seinem Bein, spürte den scharfen Schmerz und kam zur Besinnung.

‚Konzentrier dich auf das was du tust, sonst bist du tot!' Wohl tausend Mal hatte er das den Knappen gesagt, die er hin und wieder in Minas Tirith unterrichtete. Jetzt beherzigte er seinen eigenen Rat. Haldur setzte zu einem beidhändigen Schlag an - er parierte ihn im letzten Moment mit der Klinge seines Dolches und wehrte ihn nach unten ab. Sein Blick war ruhig geworden und suchte bei jedem Angriff nach der Schwäche in der Deckung seines Gegners. Der Kampf nahm an Geschwindigkeit und Härte zu, immer schneller trafen die Klingen aufeinander und Funken stoben auf. Aragorns Bein wurde mit jeder Minute Gefühlloser und er ermahnte sich dazu, sich zu beeilen.

Doch Haldur war ein ebenbürtiger Gegner, er hatte auf jeder seiner Überraschungen eine Antwort und versuchte seinerseits, den Zustand von Aragorn zu seinem Vorteil zu nutzen. Er taktierte den Menschen immer wieder von der Seite, die er zu entlasten versuchte und erreichte so, dass er schneller ermüdete und die Blutung nicht zum Stillstand kam.

Währe Aragorn nicht verwundet gewesen, hätte letztlich der gesiegt, der die größere Ausdauer hatte, doch Aragorn merkte, dass seine Verteidigung immer schwächer wurde und er dazu noch stark blutete. Er griff deshalb auf einen Trick zurück, den Legolas ihm einmal beigebracht hatte.

Als ihre Klingen sich das nächste Mal trafen, übte er solchen Druck aus, dass sie die Arme immer weiter nach oben nehmen mussten, dann tauchte er blitzschnell unter seinem eigenen Schwertarm hindurch, drehte sich einmal um die eigene Achse und drückte dabei erneut den Arm nach oben. Haldurs Arme schienen hoffnungslos verknotet und dessen Schwert fiel aus der Hand. Der Elb geriet aus dem Gleichgewicht, wankte Rückwärts und fiel hart auf den Rücken. So schnell Aragorn es vermochte, war er über ihm und drückte ihm den Dolch an die Kehle.

Es war totenstill im Saal, einzig ihr schneller Atem tönte in ihren Ohren, als sie sich regungslos fixierten. Haldur sprach als Erstes.

„Los! Töte mich schon! Tu es endlich – Feigling!"

Einen Augenblick lang war Aragorn versucht, der Aufforderung nach zu kommen. All der Schmerz, der ihm von Haldur zugefügt worden war, brach in ihm hervor und er umklammerte den Dolchgriff so sehr, dass seine Fingerknöchel sich unter der Haut abzeichneten. Seine Wangenmuskeln arbeiteten und seine Gefühle lagen im Widerstreit miteinander, doch dann lockerte sich sein Griff und er kam zu Besinnung.

„Law! (Nein) Ich werde mich nicht auf dein Niveau herablassen! Du wirst deine Strafe erhalten, aber nicht ich werde über dich richten!"

Aragorn zwang sich, die Entgegnungen von Haldur zu überhören, als er diesen auf den Bauch drehte und ihn mit Stoffstreifen fesselte, die er von dessen Tunika schnitt. Einen weiteren benutzte er dazu, sein Bein zu versorgen und damit die Blutung zu stillen. Seine Hände zitterten und immer wieder misslang ihm sein Vorhaben, doch dann hielt der Knoten endlich und er humpelte zu Elrohir, der immer noch unbeweglich am Rande des Saales lag.

Vorsichtig ließ er sich zu ihm herab und tastete nach dessen Herzschlag. Regelmäßig und kräftig spürte er ihn gegen seine Handfläche klopfen und er atmete erleichtert auf. Wieder ließ er den Blick über die Brandwunden seines Ziehbruders wandern, doch er konnte nichts tun, um diese zu versorgen. Wenigstens wurde er nun nicht weiter gequält. Leise sprach er Elrohir an und flüsterte ihm auf elbisch heilende Worte zu und endlich flatterten dessen Lider und er öffnete die Augen.

„Was ist… Wie kommst du… hierher?" Vorsichtig ließ er sich von Aragorn in eine sitzende Position verhelfen. „Aragorn! Du musst hier weg! Haldur ist hier…er will dich…"

„Schon gut, Elrohir! Es ist vorbei! Ich habe ihn besiegt, siehst du, er ist…" Aragorn drehte sich herum und wollte seinem Ziehbruder zeigen, dass er Haldur gefesselt hatte, doch die Worte erstarben ihm auf den Lippen. Dort, wo er den Elben eben noch zurückgelassen hatte, lagen nur noch die Reste dessen Mantels – Haldur selbst war verschwunden.

Wie ein gehetztes Tier ließ Aragorn den Blick durch die Halle schweifen, doch nirgends konnte er seinen Feind erblicken, hinter keinen Pfeiler tauchte er mit gezückter Waffe auf, um sich auf die Brüder zu stürzen, aber dennoch breitete sich ein Gefühl der Angst in Aragorn aus.

Haldur hatte es schon wieder geschafft ihm zu entkommen und er wünschte sich plötzlich gegen seine Natur, dass er ihm die Kehle durchgeschnitten hätte, als er die Gelegenheit dazu gehabt hatte!

ooOOoo

„Was war das?", fragte Tanhis gehetzt, als sie das knirschende Geräusch von, sich schließenden Gesteinsmassen vernahm. Elladan und Gimli hatten sich ebenfalls erschrocken umgedreht.

„Estel?", flüsterte Elladan und versuchte in der Dunkelheit seinen Bruder auszumachen. Kein Ton kam als Antwort. Wieder rief er nach ihm – er bekam keine Antwort. Ohne sich auch nur zu seinen zwei Gefährten umzudrehen, kehrte er um und lief den Gang zurück.

‚Diesen Menschen kann man auch keinen Augenblick alleine lassen!', dachte er sich, eine böse Vorahnung habend. Es war vergessen, dass Estel ein erfahrener Kämpfer und Herrscher war. Für Elladan war er in dem Moment wieder der unerfahrene, schutzbedürftige kleine Ziehbruder, den sie vor etlichen Jahren in der Elbensiedlung aufgenommen hatten. Hinter sich vernahm er die Schritte von Tanhis und Gimli – gut, sie folgten ihm. Plötzlich blieb er stehen und verursachte beinahe, dass der Zwerg in ihn hinein lief. Gimli konnte bei weitem nicht so gut sehen wie die beiden Elben und war beinahe blind in der Finsternis, die in diesen unterirdischen Gängen herrschte. Ein Grummeln ließ Elladan vernehmen, dass der Zwerg ihn bemerkt hatte, doch den Elben interessierte das Gemecker des Zwerges gerade herzlich wenig. Aragorn war verschwunden! Er stand vor eine Felswand und befühlte angestrengt das raue Gestein.

„Ist es das, was ich meine?", fragte Tanhis leise hinter seinem Rücken und Elladan nickte.

„Er hat es schon wieder geschafft, sich in Gefahr zu bringen! Die Steinpforten müssen sich hinter ihm geschlossen haben, als er den – wahrscheinlich – falschen Weg einschlug..."

Tanhis trat neben ihn und berührte ebenfalls die rauen Felsen. Sie sah auf und versuchte etwas zu erkennen, aber nur scharfe Augen konnten die winzigen Ritze zwischen den Steinen erkennen. „Aragorn! Aragorn, hörst du uns? Aragorn?", rief sie und hämmerte mit ihrer Hand gegen den rauen Fels, doch nichts tat sich. Die kurze Hoffnung, die Türen würden sich wieder öffneten, erlosch in Windeseile.

„Hmpf!", ertönte es hinter ihnen. Der Zwerg stützte sich schwer auf seine Axt. „Warum muss ich Freunde haben, deren Lieblingsbeschäftigung es ist, sich von einer Gefahr in die nächste zu stürzen? Was machen wir jetzt?"

„Hier kommen wir nicht durch...", sagte Elladan, als er abermals den Stein befühlte. „Wir müssen wohl oder übel dem Gang folgen, bis wir eine Möglichkeit finden zu Estel zu stoßen!"

Tanhis sah dem Elben an, dass es ihn wahrlich Mühe kostete, die Worte über seine Lippen kommen zu lassen, aber auch sie wusste sich sonst keinen anderen Rat.

„Dann kommt und lasst uns hier nicht weiter Rumstehen! Wenn ich diese, mittlerweile DREI finde, die wir suchen, werden sie sich wünschen, wieder in den Fängen von diesem was auch immer zu sein!", grollte Gimli. Elladan und Tanhis mussten Schmunzeln und suchten sich schließlich wieder ihren Weg durch die Finsternis.

Nach der dritten Abzweigung hielten sie erneut inne. Elladan sah sich hektisch um.

„WIE – bei den Valar – soll man hier etwas finden?", fluchte er und sah hilfesuchend zu Tanhis und Gimli, doch die beiden zuckten nur mit den Schultern. Sie alle waren nervös. Nun waren bereits drei ihrer Freunde in diesen Höhlengängen... und sie hatten keinerlei Anhaltspunkte.

„Wenn wir Glück haben...", überlegte Tanhis. „Wenn man überhaupt von Glück sprechen kann... wurde Aragorn ebenfalls gefangen genommen!"

Elladan hob eine Braue und sah sie fragend an.

„Was ich meine: Wenn er gefangen genommen wird, wird er bestimmt zu Legolas und deinem Bruder gebracht. Dann sind sie zu dritt und können sich eventuell besser wehren.

Ganz zu schweigen, dass wir sie dann – irgendwann – zusammen finden werden!"

„Da hast du recht... aber das hilft uns jetzt auch nicht sonderlich weiter...", bemerkt Gimli und wandte seine Aufmerksamkeit den Felswänden zu. Seine Augen begannen zu glänzen. War er die ganze Zeit in diesen Gängen umhergeirrt, ohne diese Kostbarkeiten zu sehen? Er, als Zwerg? Behutsam hob er seine Hand und strich über die schroffen Gesteine. Er hielt inne. Für einen Moment hatte er gedacht, dass sich eine kleine Goldader in dem Felsen befinden würde – jetzt wurde er eines Besseren belehrt. Es war kein Bodenschatz, den er befühlen wollte, es war reiner Stein. Gimli zog seine Hand kurz fort, bevor er sie im nächsten Augenblick wieder auf den Stein drückte. Er runzelte die Stirn. Abermals hob er seine Hand, bevor er eine andere Idee bekam. Der Zwerg presste sich ganz nahe an den Felsen und versuchte durch eine rissige Spalte zu spähen.

Tanhis und Elladan wandten verwundert ihre Köpfe zu ihrem Gefährten und hoben beinahe gleichzeitig die Augenbrauen.

„Gimli...", begann Tanhis und musterte ihn kritisch. „Was... machst du da?"

„Im Gegensatz zu euch...", erwiderte Gimli und sah zu den beiden. „Habe ICH etwas entdeckt!" Er winkte die beiden hastig zu sich heran. „Schaut mal hier! Durch den Ritz dringt ein wenig Licht!"

Die beiden besahen sich die gewiesene Stelle und nickten schließlich.

„Ihr seid mir zwei tolle Elben... seht nichts, auch wenn es genau vor eurer Nase ist...!"

„Licht – dort muss etwas sein! Hier muss es doch irgendwo einen Gang geben!", flüsterte Tanhis aufgeregt, ohne auf den Zwergen einzugehen – die Hoffnung, ihren Geliebten zu finden, war neu in ihr entfacht.

Elladan nickte und ging bereits weiter in den Gang hinein.

„Hier ist wieder eine Gabelung!", zischte er und wartete, bis die beiden anderen zu ihm aufgeschlossen hatten, bevor er sich in den engen Gang zwängte.

‚Ich – hasse - Höhlen!', war das einzige, das er noch dazu dachte.

„Seht! Hier sind überall vereinzelt Risse, durch die der Schein von Fackeln drängt!", bemerkte Tanhis und beschleunigte ihre Schritte.

Sie folgten diesen Zeichen noch einige Stollen entlang, bis sie abrupt stehen blieben. Vor ihnen tat sich der Gang in einer Höhle auf – soviel konnten sie erkennen. Vorsichtig schlichen sie sich näher – die Waffen bereits griffbereit in ihren Händen. So gut es ging, drückten sie sich an die dunklen Felswände, die den Gang bildeten. Doch was sie nun sahen, ließ ihnen den Atem stocken.

„DAS... ist verantwortlich für die Risse...", murmelte Elladan tonlos und sah gebannt auf den gewaltigen Drachenkörper, der von dicken Eisenketten umschlungen war. Die drei wussten gar nicht, wie sie ihre Entdeckung verarbeiten sollten – mit so etwas hatten sie bei weitem nicht gerechnet. Elladan war kurz davor, sich zu kneifen, um sich zu zeigen, dass er nicht am träumen war. Drachen waren ausgestorben... schon seit ewigen Zeiten... Oder nicht?

Gimli ließ vor Staunen beinahe seine Axt fallen... „Bei meinem Barte..."

Auf einmal schrie Tanhis auf. Sie hielt sich noch rechtzeitig die Hand vor den Mund, so dass nur ein erstickter Laut zu hören war. Wie versteinert sah sie hinunter.

„Was – macht – er - da?", fragte sie außer Atem.

Elladan und Gimli wandten irritiert ihre Köpfe und dann sahen sie, was Tanhis so außer Fassung brachte: Legolas – bei dem Drachen!