11. Kapitel
Hochzeit
Die letzten Herbststürme wurden von den ersten Winterstürmen abgelöst und machten das Reisen bald unmöglich, doch es befanden sich ohnehin nur noch wenige Gäste in der Kolonie des Düsterwaldes. Nachdem schnell klar war, dass eine Hochzeitszeremonie so rasch nicht stattfinden konnte, waren alle Geladenen wieder den Heimweg angetreten – alle, bis auf die engsten Gefährten, die einmal die Gemeinschaft des Ringes gebildet hatten. Tage und Wochen verstrichen, in denen es Aragorn von Tag zu Tag besser ging, doch es gab vieles, was ihm einfach immer noch zu sehr anstrengte und dazu zählte unweigerlich eine lange, beschwerliche Heimreise. In der ersten Zeit erlaubte Elrond noch nicht einmal, das ihn alle Freunde besuchen durften, und bald fragte selbst Aragorn immer wieder seinen Ziehvater, wann endlich die Hobbits, Gimli, Elrohir, Elladan und Tanhis zu ihm dürften. Doch Elrond blieb hart.
Legolas' Heilung verlief, wie zu erwarten, ohne Probleme und bereits nach zwei Tagen erinnerte nur noch der ruhig gestellte Arm an seinen schweren Kampf mit Haldur, und dieser verschwand schließlich nach einer Woche ebenfalls. Legolas vertraute alleine Tanhis an, dass er insgeheim vermutete, die Heilung verlaufe schneller als selbst für einen Elben üblich und das dies wiederum daran läge, das er mit dem Drachen so stark verbunden war. Saradas übermittelte ihm so präsent und real seine Gefühle, dass seine Kraft darüber mit dem Elben zu verschmelzen schien. Das Saradas sich außerdem auch noch in den Höhlen des Einsamen Berges sein Lager ausgesucht hatte und sich somit unmittelbar in Legolas' Nähe befand, trug wohl ebenfalls zu diesem Umstand bei.
Gandalf und Legolas wechselten sich meist im Tagesrhythmus mit ihren Besuchen bei Aragorn ab, verweilten aber selten länger als wenige Stunden, in denen sie ruhige Gespräche mit ihm führten. Elrond selbst hatte den Beiden gewisse Themen in dessen Gegenwart sogar strengstens verboten und so berichteten sie meist von belanglosen Dingen oder den Geschehnissen der letzten Tage. Diese ermüdeten den Patienten mal mehr und mal weniger, aber einmal schmiss Elrond Legolas regelrecht hinaus. Dem Elben lagen einfach zu viele Gefühle auf dem Herzen und er musste sie endlich mit sich und seinem Freund ins Reine bringen, doch Elrond, der das Gemach unangekündigt betrat, um Aragorns Verbände zu wechseln, verwies ihn schroff des Zimmers. Diese Maßnahme erwies sich in sofern als richtig, als dass Aragorn noch in der selben Nacht wieder von Alpträumen heimgesucht wurde.
Arwen verbrachte ihre gesamte Zeit an der Seite ihres Mannes und zog sich nur für die wenigen Stunden zurück, wenn Gandalf oder Legolas bei ihm waren. Sie verstand es, seine Ungeduld zu zerstreuen, führte ihm jeden noch so kleinen Fortschritt seiner Heilung vor Augen und lenkte ihn mit Büchern und Briefen aus Gondor ab, die Faramir gesendet hatte. Erst nach drei Wochen ließ Elrond ihn das erste Mal aufstehen - wozu er alleine schon drei Anläufe benötigte - und ihn nur eine Runde um das Bett drehen, doch Aragorns anfängliche Proteste, er fühle sich bereits schon viel kräftiger und könne weiter gehen, erstarben, als er nach seinem kurzen Ausflug um Atem rang. Jeden Tag erkämpfte er sich jedoch einige Schritte mehr und verbissen mühte er sich ab, der Schwäche seines eigenen Körpers zu trotzen.
Weitere drei Wochen verstrichen, bis er einige Stunden am Tag in einem Sessel am Fenster verbringen durfte und dem Tanz der Schneeflocken zusah, die nun den Düsterwald mit einer weißen Decke verhüllten. Immer wieder kam es vor, dass er dabei in Erinnerungen versank und auf ein nicht erkennbares Ziel in der Winterlandschaft starrte, bis ihn eine Berührung von Arwen, Gandalf oder Legolas hochfahren ließ. Danach war er meist von noch größerem Ehrgeiz erfüllt und trieb sich selbst noch entschlossener voran, bis Elrond ihn sanft aber energisch wieder zur Ruhe verbannte. Doch selbst Elrond fielen nach einer weiteren Zeit keine Ausflüchte mehr ein, um einen Besuch der übrigen Freunde zu verweigern und so kam es, dass Aragorn weitere Abwechslung bekam, die ihm sichtlich gut tat. Doch trotz aller Fortschritte blieb seine Ungeduld und auf Elronds Ratschläge bezüglich seiner Genesung reagierte er immer öfter gereizt und schroff. Seine schlechte Laune bekam eines Tages sogar Arwen zu spüren, worauf sie ihm mit einem zuckersüßen Lächeln erwiderte, dass er sicherlich bald völlig genesen sein, wenn er schon wieder in der Lage sei, so halsstarrig und zynisch zu sein! Sie schloss ihm mit der Fingerspitze der vor Verblüffung offen stehenden Mund und fuhr damit fort, übel riechende Dampfkissen im Raum zu verteilen. Aragorn gab sich kampflos geschlagen…
Die Zeit verrann unendlich langsam, aber schleichend wurden die Nächte wieder kürzer, der Schnee taute an manchen Stellen unter den Strahlen der Mittagssonne und der Wind hatte nicht mehr die einst schneidende Kälte.
Legolas unternahm ausgedehnte Besuche bei Saradas und genoss die Zeit mit dem einzigartigen Geschöpf in vollen Zügen. Aber er freute sich auch jedes Mal wieder in die Kolonie zurück zu kehren, denn jedes Mal berichtete Tanhis ihm mit leuchtenden Augen und voller Freude von Aragorns Fortschritten.
Eines Abends ritt Legolas in rasendem Galopp durch den Düsterwald nach Hause zurück, um noch vor Sonnenuntergang einzutreffen. Er hatte dies Aragorn am Morgen fest versprochen und ein seltsamer Ausdruck hatte in dessen Augen gestanden, als er ihn darum gebeten hatte. Sein fester Vorsatz war aber schnell vergessen gewesen, als Saradas ihm einladend die weiten Schwingen zugeneigt hatte und ihn somit zu einem Ausflug eingeladen hatte, den er unmöglich hatte ablehnen können. Jetzt mußte er sich beeilen, um den Freund nicht zu enttäuschen und seine Neugier drang wieder mit aller Gewalt an die Oberfläche. Er wollte nur zu gerne wissen, was seinen Freund bewogen hatte, ihm dieses Versprechen zu entlocken.
Er gelangte an die große Lichtung, wo die Wachen ihm einen respektvollen Gruß zuriefen, den er aber nur mit einem raschen Kopfnicken erwiderte, sprang aus dem Sattel und stürmte mit langen Schritten die Eingangstreppe hinauf.
Oben fing Tanhis ihn lächelnd ab und hakte sich in aller Seelenruhe bei ihm unter und bremste seine eiligen Schritte.
„Na, na, na! Ist ein Balrog hinter dir her, oder sonst ein dunkles Geschöpf? Prinzen schreiten mit Würde daher und stürmen nicht so unbeherrscht durch die Hallen eines Königs!"
Legolas verdrängte nicht sonderlich erfolgreich seine Ungeduld.
„Tanhis, ich habe jetzt keine Zeit für alberne Anstandsregeln! Ich muss zu Aragorn bevor Elrond mich nicht mehr zu ihm lässt! Du weißt doch wie streng er ist, wenn es um Aragorns Gesundheit geht und Aragorn wollte mich unbedingt heute noch sprechen!"
Tanhis' Lächeln war bei seinen Worten noch breiter geworden und nun zog sie entschieden in die Richtung der großen Halle, weg von den Korridoren, die zu Aragorns Gemächern führten.
„Was, im Namen der Valar, soll das? Hast du mir überhaupt zugehört, Tanhis?"
Er versuchte, sich von ihrem Arm zu befreien, aber er hatte vergessen, wie viel Kraft sie besaß und wie flink ihre Hände sein konnten und so scheiterten seine Versuche kläglich, bis sie vor der hohen Eingangstüre standen.
„Ich habe dich sehr wohl verstanden, mein Herz! Und wenn du dein Versprechen halten willst, dann bist du hier genau richtig!"
Auf ein Zeichen hin, öffnete einer der Diener die Türe, die langsam aufschwang und in den behaglichen Vorraum der Halle führte. Von Draußen drang das Licht der letzten Dämmerung herein, begleitet von den letzten schwachen Düften der letzten Regenschauer, feuchter Erde und frischem Gras. Die Hobbits saßen auf dem bequemen Sofa vor dem Kamin, in dem nur ein kleines Feuer brannte; Elrohir und Elladan saßen mit ihrem Vater und Gandalf über ein Spielbrett gebeugt da und schauten nun gespannt auf, als sie den Raum betraten. Thranduil beendete seine Unterhaltung mit Arwen, die in den Lehnstühlen am Fenster saßen, aber was Legolas' Blick anzog, war Aragorn, der seiner Frau gegenüber auf der Bank, gleich in der Fensternische, saß. Er war immer noch blass und schmal, aber in seine Augen war der alte Glanz zurückgekehrt und er strahlte wieder diese einzigartige Präsenz aus, die den ganzen Raum auszufüllen schien.
„Was…? Kann mir vielleicht jemand sagen, was das alles zu bedeuten hat?", fragte Legolas verwirrt und sah Aragorn unverwandt an.
„Wir feiern, mellon nin! Elrond hat mich heute ganz offiziell als geheilt erklärt und ich wollte zu diesem Anlass alle meine Freunde um mich haben – und endlich aus den Räumen heraus, in die mich Ada die letzten Wochen und Monate gesperrt hat!"
Legolas wechselte einen verwirrten Blick mit Tanhis, aber dann zuckten seine Mundwinkel zu einem spöttischen Lächeln hoch. „Du hast es die ganze Zeit über gewußt, nicht war mein Herz? Und du hast es mal wieder genossen, mich zum Narren zu machen!"
„Das würde ich doch niemals wagen!", lachte sie ihn an und die kleine Runde am Fenster stimmte in ihr Lachen ein.
Es wurde ein langer und fröhlicher Abend, den alle Freunde aus tiefstem Herzen genossen und auf ewig in ihren Herzen behalten würden, um sich noch oft und gerne daran zu erinnern. Doch nach und nach zogen sich einer nach dem anderen zurück, bis nur noch Elrond, die Zwillinge, Legolas und Aragorn um das ersterbende Kaminfeuer saßen und der letzten Glut dabei zusahen, wie sie langsam erkaltete. Nach einer Weile räusperte Elrond sich und erhob sich, um sich ebenfalls zurückzuziehen. Jedoch nicht, ohne sich einen gut gemeinten Ratschlag an seinen Ziehsohn verkneifen zu können.
„Übertreibe es nicht gleich wieder, Elessar! Du bist zwar geheilt, aber die alte Kraft ist noch nicht in deinen Körper zurückgekehrt! Ruhe und Geduld…"
„…sind die wahren Heiler bei einer solchen Verletzung – ich weiß Ada! Das hast du mir jetzt oft genug gepredigt! Ich werde mich deiner Worte erinnern und zu Bett gehen sobald ich mit Legolas und deinen Söhnen gesprochen habe."
Elrond nickte wissend und Legolas schaute bei Aragorns Worten erwartungsvoll auf. Gleich nachdem sich die Türen hinter dem weisen Elben geschlossen hatte, seufzte Gondors König.
„Ich möchte euch so viel sagen, aber um ehrlich zu sein, finde ich einfach nicht die Worte die das zum Ausdruck bringen könnten, was ich eigentlich sagen möchte. Wie soll ich auch all das in Worte fassen, was ich euch verdanke?
Wie bedankt man sich für ein neu geschenktes Leben? Wie für die Rettung, eurer Schwester und Freundin? Was kann ich sagen, zu der Bereitschaft, das eigene Leben zu riskieren, um ein einziges zu rächen? Elladan, Elrohir. Wenn ihr mich nicht gefunden hättet und so rasch gehandelt hättet…! Legolas, du hast viel auf dich genommen und beinahe einen zu hohen Preis dafür gezahlt – ein langes und erfülltes Leben an der Seite von Tanhis. Ich weiß, aus welchen Gründen ihr gehandelt habt und bin überwältigt von dem Geschenk eurer tiefen Freundschaft an mich. Was kann ich tun, um mich dafür erkenntlich zu zeigen?"
Die drei Elben hatten schweigend den Worten ihres Freundes gelauscht, aber nach dieser letzten Frage wollten gleich alle zusammen protestieren. Elladan war es schließlich, der sich durchsetzte und als erster sprach.
„Erkenntlich zeigen? Das ist der größte Irrsinn, den ich je von dir vernommen habe, Estel! Den größten Lohn für unsere Mühen hast du uns längst gezahlt, nämlich damit, dass du dich selbst nicht aufgegeben hast und dich zurück in das Leben gekämpft hast! Das ist mehr, als ich eine Zeit lang zu hoffen gewagt hatte und sollte es jemals eine Schuld gegeben haben, so hast du sie damit beglichen!"
Elrohir und Legolas nickten zustimmend und der Düsterwaldelb, der an Aragorns Seite saß, legte diesem eine Hand auf die Schulter.
„Elladan hat wahr und weise gesprochen, mellon nin. Außerdem denke ich, haben wir eine viel größere Schuld auf uns geladen, als wir deinen Befürchtungen wegen Haldur keinen Glauben geschenkt haben. Jeder deiner Freunde hätten dich gut genug kennen müssen, um zu wissen, dass man deinem Gefühl trauen kann. Vielleicht hätten wir dann all die Schrecken verhindern können. Ich bin froh, dass ich eine Gelegenheit dazu bekommen habe, Haldur etwas von den Schmerzen zurückzuzahlen, die er uns bereitet hat."
Aragorn waren bei den Worten von seinen Freunden Tränen in die Augen getreten, aber er schämte sich dafür nicht. Zu tief ergriff ihn die aufrichtige Zuneigung und Freundschaft, die ihn mit seinen Gefährten verband und es erfüllte ihn mit Liebe und Wärme, sie an seiner Seite zu wissen. Er lachte befreit auf und wischte sich mit dem Handrücken flüchtig die salzigen Perlen aus den Augenwinkeln.
„Nun, dann bleibt wohl nur noch eine Sache, die es zu klären gibt. Wann holen wir deine Hochzeit mit Tanhis nach, Legolas?"
Ein verschmitztes Lächeln breitete sich über Legolas' Gesicht und er tauschte einen vielsagenden Blick mit den Zwillingen.
„Um ehrlich zu sein, mein Freund, haben wir bereits alles so weit vorbereitet, dass wir nur noch auf zwei Dinge warten mussten, um meinen Bund mit Tanhis zu schließen. Den Ersten haben du und Elrond heute Abend erfüllt, indem er dich als gesund erklärt hat. Für den zweiten bleibt nur so viel zu tun, eine Nachricht an Faramir zu senden, damit er mit Eowyn und Eomer so rasch wie möglich zum Düsterwald kommt. Und dies kann ganz geschwind geschehen! Ich werde selbst mit Saradas hinfliegen und sie auch gleich mit ihm hierher bringen."
„Na, du scheinst es ja wirklich eilig zu haben!", rief Elrohir aus und klopfte Legolas dabei so fest und kameradschaftlich auf den Rücken, dass dieser gespielt aufstöhnte. Die kleine Gruppe brach nun in schallendes Gelächter aus das damit endete, für den nächsten Tag alles in die Wege zu leiten. Nachdem sie damit fertig waren, begleitete Legolas Aragorn noch bis zu seinen Gemächern und zog sich dann selbst zurück.
Bald, dachte er, als er sich leise und vorsichtig neben Tanhis auf ihrem gemeinsamen Lager nieder ließ. Bald werden wir auf ewig in Liebe verbunden sein.
ooOOoo
Aragorn lachte unterdrückt auf, als er seinen sonst so ruhigen und besonnenen Freund dabei beobachtete, wie er ungeduldig auf der Lichtung auf und ab lief und immer wieder zwischen die Bäume spähte.
„Ist es möglich, dass man so lange benötigt, um sich anzukleiden und eine so kurze Strecke zurück zu legen?", murmelte er dabei. Ähnliche Äußerungen brachte er schon eine geraume Weile zum Ausdruck, was Aragorn nur noch mehr belustigte.
Zum wiederholten Male blieb der Elb stehen und ließ prüfend seinen Blick über die kleine Lichtung schweifen, die sie für die Trauung vorbereitet hatten.
Die Bäume und Blumen standen in den ersten Blüten des anbrechenden Frühlings und zauberten eine wahre Farbenpracht, die sie nicht mit allen Hilfsmitteln aus ganz Mittelerde hätten zaubern können. Die Sonne warf ihre Strahlen großzügig durch die Wipfel der Bäume und tauchte den gesamten Platz in ein märchenhaftes Licht. Bienen und Hummeln durchbrachen es hin und wieder, begleitet von Schmetterlingen und Vögeln. Die kleine Quelle plätscherte fröhlich über die Steine ihres Bettes und schlängelte sich im Halbkreis um den mit Efeu bewachsenen Steinpavillon, in dem Aragorn auf der Brüstung saß. Dieser Ort war in dessen Augen erfüllt von der Magie des Waldes und er wußte, dass sich sein Freund genau diese Atmosphäre für seine Verbindung mit Tanhis gewünscht hatte. Er dankte Thranduil im Stillen, das er am Ende doch noch nachgegeben hatte und auf eine Trauung mit all dem übertriebenen Standesregeln verzichtet hatte. So gesehen hatten die Ereignisse der letzten Monate doch noch etwas Gutes gehabt!
Legolas fuhr sich mit der Hand immer wieder durch die Haare und zog zum tausendsten Mal seine Tunika zurecht. Als er dabei zu Aragorn aufschaute, entdeckte er das belustigte Lächeln in den Mundwinkeln seines Freundes.
„Was gibt es denn da zu grinsen?", fragte er aufgebracht und augenblicklich zwang sich Aragorn zu einer ernsten Mine. Doch dann weiteten sich seine Augen vor aufrichtiger Bewunderung, als er über die Schulter seines Freundes blickte. Er nickte in Richtung des Waldrandes.
„Sieht aus, als wären deine Flüche erhört worden, mellon nin. Da kommt die Erfüllung deiner Träume…"
Legolas wirbelte geradezu herum und es war nicht nur die rasche Bewegung, die ihm danach Schwindel bereitete.
Die kleine Prozession seiner engsten Freunde trat in die Strahlen der Sonne, alle in ihren besten Kleidern gewandet und ausnahmsweise trieben sogar die Hobbits einmal keinen Schabernack, sondern trugen lediglich offene Freude zur Schau. Vielleicht lag es daran, dass sie von Gandalf, Elrond und Thranduil flankiert wurden, deren Würde und Respekt die Halblinge zu bändigen schien. Eowyn wurde von Faramir und Eomer in die Mitte genommen und hatte ihr bezauberndes Lächeln aufgesetzt. Doch was Legolas beinahe taumeln ließ, war der Anblick von Tanhis, die von Gimli mit Stolz geschwellter Brust die Gefährten anführte. Noch nie hatte er Tanhis schöner gefunden, als in genau dem Augenblick, als der goldene Glanz der Sonne auf sie fiel. Das Cremefarbene Gewand, mit goldenen Stickereien verziert, schmiegte sich um ihre schlanke Gestalt und glitzerte im Licht. Ihre Haare wallten in ungewohnter Ordnung bis über ihre Schultern und waren mit Bändern verflochten, die zu der Farbe ihres Kleides passten. Sie wirkte wie ein Gedanke der Valar, der Gestalt angenommen hatte, denn ein reineres Wesen vermochte Legolas sich nicht vorzustellen. Unsicher lächelte Tanhis ihn an, aber in ihren Augen lag ein erfüllter Glanz, als sie neben ihn trat und seine Hände ergriff.
Legolas holte zitternd Luft und merkte erst jetzt, dass er den Atem angehalten hatte. Aragorn trat neben die Beiden und lächelte hinter deren Rücken zu Arwen hinüber, die neben ihrer Freundin auf die Lichtung getreten war. Wenn Legolas in diesem Augenblick genauso für Tanhis empfand, wie er, wenn er Arwen anblickte, dann war er nicht alleine der glücklichste Mann in Mittelerde!
Legolas drückte Tanhis' Hand und erwiderte ihr Lächeln. Er hatte sich noch nie glücklicher gefühlt, als in diesem Augenblick! Die Elbe seiner Träume stand neben ihm, um den Bund mit ihm einzugehen. Seine engsten Freunde waren um ihn, um daran Zeuge zu sein und Aragorn und Arwen standen ihnen als Paten bei.
Er warf aus den Augenwinkeln einen Blick auf den Menschen und dankbar schloss er für einen Moment die Lider. Er mochte sich gar nicht vorstellen, wie er sich gefühlt hätte, wenn Aragorn diesen Augenblick nicht mit ihm hätte teilen können. Dann wäre dieser Tag nicht so vollkommen gewesen, wie er es nun war!
Seine Gefühle schienen überzuschäumen und umgehend machte sich ein weiteres Empfinden in seinem Körper breit. Er konnte förmlich spüren, wie Saradas ebenso zufrieden aufatmete wie er und sich in seiner Höhle zusammenrollte.
