Virginia war nicht mit beim Abendessen. Anscheinend war das am Abend zuvor eine Ausnahme gewesen, da es ihr erster Arbeitstag war. Diesmal herrschte eine etwas angenehmere Atmosphäre, da weder Blaise, noch Narcissa, noch Lucius, dass neue Dienstmädchen anstarren und dabei je nach dem, irgendwelche unmoralischen Gedanken hegen konnte.
Draco langweilte sich tierisch, denn sein Vater sprach mit seiner Mutter über die Geschäfte. Zum letzten Geburtstag hatte ihr Malfoy Senior eine Boutique für Designerumhänge geschenkt, damit, wie Draco vermutete, sie ihm nicht weiter auf der Tasche lag, weil sie sich angeblich nicht als nützlich erweisen könne. Draco hoffte insgeheim, dass sich das Gespräch nicht auf ihn richten würde, doch leider hatte er sich zu früh gefreut.
„Draco, warum bist du eigentlich hier?" Harkte Narcissa nach und richtete somit ihre Aufmerksamkeit auf ihn. Verständlich, Draco war nie besonders scharf darauf gewesen, Zeit mit seinen Eltern zu verbringen. Sie war schon froh darüber, dass er wenigstens jeden Sonntag zum Abendessen kam.
„Geschäfte. Ich muss etwas recherchieren Mutter." Sie wusste, dass es sich nicht gehörte zu fragen, um welche Geschäfte es sich handle. Sie hatte sich nie getraut, danach zu fragen – nicht bei Lucius und bei Draco würde sie es auch nicht wagen.
„Und wie lange gedenkst du zu bleiben?"
Er zuckte mit den Schultern „Keine Ahnung, ich schätze ein bis zwei Wochen." Jetzt schien auch Lucius interessiert. „So lange? Nun, ich hatte eher mit fünf Tagen gerechnet." Draco wurde nervös. Mist. Warum ausgerechnet jetzt? Können sie es nicht einfach so hinnehmen!
„Wir werden ja sehen, wie lange ich brauche." Er versuchte das Thema so zu beenden, aber er merkte den misstrauischen Blick seines Vaters und den überglücklichen Gesichtsausdruck seiner Mutter,
Er fluchte innerlich. Draco hatte eigentlich gedacht, dass Weasley das größte Problem sein würde, aber die Fürsorge seiner Mutter hatte er nicht bedacht. Er musste ihr irgendwie klar machen, dass er schwer beschäftigt sei. In Gedanken versunken, wie er das anstellen könnte, aß er still und schnell weiter.
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Ginny saß an ihrem Schreibtisch und überlegte was sie tun könnte. Sie hatte den zweiten Arbeitstag erfolgreich beendet und hatte sich jetzt ungefähr ein Bild davon gemacht, was sie jeden Tag erwartete. Sie entschied, dass sie Hermione schreiben würde. Sie, Ron und Harry waren nicht allzu sehr begeistert gewesen, als sie ihnen von dem Praktikum bei 'Familie' Malfoy berichtet hatte. Doch im Moment war sie zu müde, um Mione zu schreiben. Sie ging zu ihrem Bett hinüber und legte sich auf die Tagesdecke. Erstaunlicher weise hatte sie gar nicht soviel zu tun. Sie musste weder saubermachen, noch kochen. Dafür hatten die Malfoys ihre Hauselfen. Ginny konnte nur Vermutungen anstellen, dass es sich um ungefähr zwanzig Elfen handeln musste. Nein, Virginia war eher für den Empfang verantwortlich. Gäste begrüßen, sie in den großen Saal zu geleiten und ihnen kurz Gesellschaft zu leisten, bis Malfoy Senior sich dazu hinabließ, den Gästen, ob willkommen oder nicht, entgegen zu treten. Mr Malfoy verlangte nicht mehr von ihr, aber Mrs Malfoy erwartete schon ganz andere Dinge von ihr: Tee bringen, Kaffee kochen, Tisch decken, im Kamin mehr Holz verfeuern, einen wärmeren Umhang holen und wieder wegbringen. Wenn Ginny von Narcissa Befehle annahm, durfte sie die meiste Zeit rennen. Sie hatte irgendwie das Gefühl, dass die ältere Frau eifersüchtig auf Ginny sei. Doch konnte sie sich nicht vorstellen, warum.
Sie streckte sich gähnend. Sie würde schon noch die Sympathie der Hausherrin für sich gewinnen und einfach das tun, was sie von ihr verlangte. Träge stand sie auf und schleppte sich in ihr Badezimmer. Sie wollte sich noch duschen, bevor sie schlafen ging. Plötzlich klopfte es an der Tür. Ginny fluchte und ging langsamen Schrittes zur Zimmertür.
„Was kann ich – " sie pausierte „Malfoy, was machst du denn hier?" fragte sie entgeistert.
„Nun Weasley," Er musste grinsen. „dass ist das Haus meiner Eltern, also nicht so ungewöhnlich, dass ich hier bin. Ich wollte nur sagen, dass ich reif für eine Massage wäre. Harter Tag, musst du wissen." Er seufzte theatralisch. „Wie du sicherlich weißt, ist mein Zimmer gleich nebenan. Also, bis in zehn Minuten!" Er schlenderte gelassen hinüber in sein Zimmer. Ginny starrte ihm ungläubig hinterher. War das sein ernst? Erwartete er wirklich, dass sie ihn massieren würde? IRGH! Niemals!
Fünfzehn Minuten später stand sie vor der Zimmertür Draco Malfoys. Sie konnte nicht einfach nicht hingehen, denn sie war nur eine Angestellte und massieren hatte schon etwas mehr mit Medizin zu tun, als Menschen zu empfangen. Doch als ein Zeichen von Protest kam sie wenigstens fünf Minuten später, das regte in ihr schon ein kleines Gefühl der Genugtuung, dass sie Malfoy nicht gänzlich unterlegen war. Sie klopfte zaghaft und Malfoy öffnete die Tür.
„Da bist du ja." Sie hörte keinerlei Anzeichen von Verärgerung in seiner Stimme. Das demotivierte sie. „Wo genau bist du denn verspannt?" Fragte sie gereizt und trat in sein deutlich größeres Zimmer. „Nun, so gesehen bin ich eigentlich überall verspannt." Er drückte seine Zungenspitze von Innen gegen seine Wange und grinste anzüglich. Ginny kniff die Augen zusammen, denn sie verstand nicht, oder besser gesagt, sie wollte nicht verstehen. Er sah ihren Blick und guckte wieder etwas ernster „Ich denke, wenn du meinen Rücken massierst, reicht das vorerst." Sie seufzte resigniert.
„Na dann zieh dich aus." Sagte sie. Er grinste und sah sie fragend an. Sie wurde sich der Bedeutung ihrer Worte bewusst, errötete und stotterte: „Also... zieh dein Oberteil aus, damit ich dich massieren kann."
Draco tat, wie ihm geheißen. Langsam zog er den schwarzen Umhang aus und noch langsamer zog er das ebenso schwarze Shirt darunter aus. Dabei blickte er die ganze Zeit über Ginny an, um zu sehen, wie diese reagieren würde. Und Ginny reagierte nicht schlecht, denn egal wie unangenehm der Gedanke daran war, dass sie gleich den Erzfeind ihres Bruders massieren würde, kam sie nicht umher zu bemerken, dass Draco einen verdammt gut gebauten Oberkörper besaß.
„Hast du eine schöne Aussicht, Weasley?" schnarrte Malfoy. Ginny blickte hastig weg und ärgerte sich über ihr pubertärendes Verhalten. Malfoy war eben extrem attraktiv. Na und? Sie hatte schon genug attraktive Männer, deutlich weniger bekleidet gesehen. Es gab also keinen Grund auszuflippen.
„Halt die Klappe Malfoy und leg dich auf dein Bett." Antwortete Virginia ärgerlich.
„Wir haben es aber eilig." Antwortete er anzüglich und legte sich mit dem Bauch nach unten auf sein großes Himmelbett.
„Wenn es nach mir ginge, Malfoy, würde ich hier nicht stehen und dich massieren. Also lass deine blöden Kommentare." Sie nahm sich etwas Massageöl und begann es langsam auf seinen muskulösen Rücken zu verteilen. Sanft massierte sie es in seine Haut ein und sie spürte, wie sich Dracos Körper deutlich, unter ihren Berührungen, entspannte. Sie konnte schon immer gut massieren, dass wusste Virginia und wenn sich andere wohl dabei fühlten, war ihr das nur Recht. Fast mechanisch knetete und drückte, quetschte und streichelte sie die Haut, des Mannes unter ihr. Sie träumte vor sich hin und starrte geradeaus, an die gegenüberliegende Wand. So vergingen bestimmt dreißig Minuten, als sich Malfoy plötzlich aufsetzte. Geschockt durch die unerwartete Bewegung hörte Ginny auf und sah ihn fragend an.
„Hast du genug, Malfoy?" Sie tat genervt, doch in Wirklichkeit hatte sie sich dabei selbst sehr gut entspannen können, aber das musste sie ihm ja nicht auf die Nase binden.
„Was den Rücken betrifft schon, aber ..."
„Aber was?" Sie sah ihn an und bemerkte, dass er einfach nur schön war. Sein aristokratisches Gesicht, seine blonden Haare, die in sein so maskulines Gesicht fielen und diese eisgrauen Augen. Eisgraue Augen, welche ihr Gesicht genauso musterten, so wie sie seines. Ginnys Herz schlug auf einmal schneller. Alles war so perfekt: Die Atmosphäre, das flackernde Kerzenlicht und Malfoy hier. Er legte seine Hand an ihr Kinn und führte dieses langsam aber sicher näher zu seinem Gesicht.
Plötzlich wurde Ginny bewusst, was sie hier eigentlich tat. Sie ruckte ihren Kopf zur Seite und sah Malfoy wieder wütend an.
„Was soll das?"
„Hm, was meinst du?" Malfoy tat unschuldig, doch in Wirklichkeit kochte er vor Wut und gekränkter Eitelkeit. Warum musste diese blöde Kuh von Weasley auch gerade jetzt moralische Gewissensbisse bekommen? Er war kurz davor gewesen. Nur ein Kuss von ihm, Draco Malfoy, hätte genügt und danach wäre ihm jede Frau verfallen gewesen. Doch nur dieser eine verdammte Kuss...
„Weasley, ich bin müde. Verschwinde!" Herrschte er sie an. Sie wusste nicht, was auf einmal mit ihm los war, schätzte aber, dass er versucht hatte, sich einen Spaß mit ihr zu erlauben.
„Nun dann, schlaft schön Mr Malfoy." Blaffte sie zurück und schritt erhobenen Hauptes aus dem Zimmer.
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Draco stand unter der Dusche und überlegte sich, wie er Weasley rumkriegen könnte. Ihm schwirrten schon einige Ideen im Kopf herum, doch er beschloss, sie einfach jeden Abend zum Massieren antanzen zu lassen. Irgendwann würde sie sich ihm auch nicht mehr entziehen können, denn immerhin war er Draco Malfoy. Er schnappte sich sein Handtuch rubbelte sich damit seine Haare trocken und wickelte es sich um die Hüften. Dann trat er in sein Zimmer und seine Laune verschlechterte sich nochmals um ein zehnfaches, denn in einem Sessel, am Kamin saß Blaise.
„Blaise, was machst du hier?" Fragte er genervt und irgendwie gequält.
„Ich dachte mir, 'Hey, guckst du mal, was dein bester Freund, Draco Malfoy so treibt' und jetzt bin ich hier. Also was machst du so?"
„Zabini, ich bin echt müde, also fass dich kurz und dann verschwinde, bevor ich dir die Wache auf den Hals hetzen muss," Blaise sah, dass Draco echt wütend war. Lief es dann also doch nicht so gut mit dem Wettobjekt!
„Ganz einfach: ich bin der Meinung, dass du mit unfairen Mitteln spielst."
Draco sah ihn ungläubig an. „Wieso spiele ich denn mit unfairen Mitteln?"
„Du wohnst wieder hier." Antwortete Blaise schlicht.
„Ja und? Du wolltest, dass sie für dich arbeitet, dass wäre ja dann genauso unfair, oder etwa nicht? Und Wette ist Wette, Zabini, da kann man weder fair noch unfair spielen. War das alles?"
„Eigentlich ja. Ach noch was: Ich habe mit deinem Vater gesprochen, muss für Gringotts ein altes Artefakt finden lassen, doch leider verfügt Gringotts selbst nicht über die nötigen Informationen. Dein Vater hat mir angeboten, so lange ich will in seiner Bibliothek zu suchen."
Draco wirkte nicht begeistert. „Heißt das, du hängst hier jetzt jeden Tag rum?"
„Ist das nicht wunderbar?" Strahlte ihn Blaise mit übertriebener Fröhlichkeit an.
Ja ganz toll, dachte sich Malfoy und hätte Blaise am liebsten umgebracht.
A/N: Jo hier endlich das 4. Kapitel. ES TUT MIR LEID! Ich weiß, dass es verdammt lange gedauert hat, aber naja... Ehrlich gesagt, bin ich faul, eine Tatsache, welche die Situation hoffentlich ausreichend erklärt. Naja ich werde mich demnächst mehr 'beeilen' -seuf- Ich danke euch für die vielen Reviews und mal wieder ein Dankeschön an die Julia. Jaja, du machst deine Sache toll (Sie hat mich im Übrigen dazu gedrängt, endlich weiter zu schreiben. Also beschwert oder bedankt euch bei ihr xD) Also: Morgen werde ich gleich mal mit dem 5. kapitel anfangen. Bis dahin reviewt bitte (BITTE!) fein.
KK Bis dann, die Luise
