Tag 4, Abends - Eine Aussprache mit Folgen
Warum bin ich hier? fragte sich Robert zum hundertsten Mal. Er saß in seinem Auto vor Gregs Wohnung und starrte zu den hell erleuchteten Fenstern. Es wäre so einfach, den Schlüssel im Zündschloss zu drehen und den Wagen wieder in Richtung seiner Wohnung zu lenken. Einfach ja, für den Moment. Bis er wieder allein im Dunkeln saß und seine Gedanken sich nur um ihn drehten.
Entschlossen schluckte er das mulmige Gefühl herunter und stieg aus dem Wagen. Langsam, fast schon schleichend, legte er die wenigen Meter zur Haustür zurück. Von drinnen hörte man die leisen Klänge eines Klaviers. Bevor ihn der Mut wieder verließ klingelte er einmal. Die Musik stoppte und Schritte kamen näher. Robert schluckte.
"Komm rein," knurrte House und hielt Robert die Tür offen. Robert nickte und schluckte unsicher, als er ins Haus trat. Im Inneren herrschte noch immer das gemütliche Chaos, das so gar nicht zu House passen wollte. "Willst du was trinken?" fragte House und deutete zum Tisch auf dem eine Flasche Wasser und zwei Gläser standen. Robert nickte und schenkte sich ein Glas ein. Seine Hand zitterte und er wirkte auf House eher wie ein verschrecktes Reh, als ein selbstbewusster junger Arzt.
"Um Himmels willen, setzt dich hin!" Robert ließ sich. wie auf Kommando, auf das Sofa sinken. Er fuhr sich mit der Zunge über die trockenen Lippen. Warum war er nur hergekommen? "Genug mit dem Smalltalk, Robert. Ich will Antworten!" sagte House, der inzwischen in einem der Sessel saß.
Robert trank einen Schluck Wasser. Er hatte sich eine halbwegs glaubwürdige Geschichte zurechgelegt, aber als er jetzt hier saß, waren alle einstudierten Worte vergessen. Er spürte nur die unterdrückten Gefühle: die Enttäuschung, die Angst, die brodelnde Eifersucht und die Wut. Ohne nachzudenken fing er schließlich an zu reden.
"Mein Vater hat Krebs," sagte er. House zog eine Augenbraue nach oben und wollte etwas sagen. Robert kam ihm zuvor. Er starrte in sein leeres Wasserglas, während er mit monotoner Stimmer weitersprach: "Er hat es mir vor ein paar Wochen gesagt oder besser sagen lassen. Sein Anwalt hat mich kontaktiert, wegen seinem Testament. Da habe ich erfahren, warum er in Amerika war. Er hat ein paar Spezialisten aufgesucht, darunter auch Wilson. Ist eine lustige Geschichte. Ich hatte wirklich geglaubt, dass er wegen mir in der Klinik war. Wie dumm von mir!" Robert schluckte und unterdrückte die Tränen. Schnell sprach er weiter. "Es hätte mir klar sein müssen, dass es einen anderen Grund gab. Er war bei Wilson und bei dir. Du hast es gewusst, die ganze Zeit." Anklagende Augen richteten sich auf House, der wieder zum Sprechen ansetzte.
Robert schüttelte abwehrend den Kopf. "Du wolltest Antworten, also unterbrich mich nicht. Ich versuche immer noch herauszufinden, was mehr wehgetan hat; die Art wie ich es erfahren habe, oder die Tatsache, dass du es mir nicht gesagt hast. Du hast mal gesagt, du würdest nie lügen und ich hab dir geglaubt."
"Also war es Rache," sagte House nach einer Weile. Robert schaute in fragend an. "Die Sache mit Vogler." Robert zuckte mit den Schultern. "Nicht wirklich. Vogler wusste von uns. Frag mich nicht woher." "Warum hast du nicht mit mir gesprochen?" herrschte House ihn an. Robert lachte auf. "Natürlich hätte ich mit dir sprechen können. Aber ich hatte zu dem Zeitpunkt nicht unbedingt viel Vertrauen in dich. Ich wusste, das du mich feuern wolltest. Wen auch sonst? Die süße Alison oder etwa Eric? Dazu kam die Sache mit meinem Vater. Ich hab mich allein gefühlt, also hab ich das getan, was ich tun musste. Um meinen Job gekämpft."
Eine Weile schwiegen beide. Robert starrte wieder in sein Glas und versuchte die Kontrolle wieder zu finden. Sein Herz schlug laut in seinen Ohren.
"Gut, das erklärt die Sache mit Vogler. Also, weiter..." Robert schaute House überrascht an. Er hätte etwas anderes erwartetet. Vielleicht einen Wutausbruch. Aber House hatte nicht mal einen Kommentar gemacht. "Nur damit du es weißt, ich hab mich dafür gehasst. An dem Tag, als Alison gekündigt hatte, wollte ich zu dir, um es dir zu erzählen. Aber dann ging alles drunter und drüber. Du bist Alison nachgelaufen, wie ein Rüde einer läufigen Hündin. Du bist sogar mit ihr ausgegangen!" "Das war..." unterbrach House Robert. "Was? Ein Deal? Für Alison war es mehr. Und was war mit deinem Grundsatz, mh? Gehe nie mit einem Kollegen aus, fange nie eine Beziehung am Arbeitsplatz an. Pff, das ich nicht lache!"
"Ich hatte nie vor etwas mit ihr anzufangen, nur deshalb hab ich mich auf dieses schwachsinnige Date eingelassen," verteidigte sich House. Robert schüttelte den Kopf. "Darum geht es nicht, ich weiß, dass du nichts von ihr willst. Trotzdem hat es wehgetan..." fügte er leise hinzu.
House seufzte. Er hätte nie gedacht, dass er Robert damit weh tun könnte. Sie waren zu dem Zeitpunkt nicht mal mehr zusammengewesen, und der Blonde hatte sich ihm gegenüber mehr als kühl verhalten. Doch als er ihn jetzt da sitzen sah, mit diesem verlorenen Ausdruck in den Augen, wollte er nichts lieber als ihn in den Arm zu nehmen. "Stacy", murmelte Robert plötzlich. "Was?" fragte House. "Stacy, deine Ex. Wie du sie ansiehst. Du liebst sie immer noch. Bis dahin konnte ich mir immer noch einreden, dass du mich vielleicht immer noch liebst, mich vermisst. Doch als ich deinen Blick gesehen habe, diese Sehnsucht nach ihr, wurde mir klar, das ich einer verlorenen Hoffnung hinterher renne." House schluckte. Es stimmte. Als er Stacy wiedergesehen hatte, waren die alten Gefühle wieder aufgeflammt. Aber nur kurz. Bis ihm klar geworden war, das es nicht Stacy war, die er wollte.
"Ich gehe jetzt," sagte Robert tonlos. "Oh nein, so leicht kommst du mir nicht davon." fuhr House ihn wütend an. Es war so typisch für den Australier, immer schön den Problemen aus dem Weg gehen. Robert stand auf, ohne auf House zu reagieren. "Wir sehen uns dann morgen in der Klinik."
"Du hast mir wohl nicht zugehört," herrschte Greg und stand auf, so schnell es sein Bein erlaubte. Mit einer Schnelligkeit, die er sich selbst nie zugetraut hatte, trat er zwischen Robert und die Tür und lehnte sich dagegen. Robert seufzte. "Was willst du denn noch? Ich hab dir alles erzählt, wie du wolltest."
Keiner von beiden konnte später sagen, wer wen zuerst geküsst hatte. Es war kein sanfter Kuss, sonder einer voller Leidenschaft, unterdrückter Wut. Greg vergrub seine Hände in den blonden Haaren, biss auf die volle Unterlippe des Jüngeren. Robert stöhnte und drängte sich gegen ihn. Seine Hände zogen das Hemd aus der Hose. Keuchend versuchte er die winzigen Knöpfe zu öffnen, bevor er an dem weißen Stoff riss und schließlich ein Reißen hörte.
Irgendwie schafften sie es in Schlafzimmer. Unterwegs verloren sie ein Kleidungsstück nach dem Anderen. Nur noch in Boxershorts begleitet, landeten Greg und Robert auf dem Bett.
Irgendwo in seinem Kopf meldete sich eine kleine warnende Stimme, die ihm sagte, wie unvernünftig es war, doch Robert ignorierte sie. Viel zu lange hatte er warten müssen. Fast schien, als hatte es ihre Trennung nie gegeben. Fasziniert folgte Robert den altbekannten Linie des Körpers unter ihm mit den Lippen, spürte die Händen in seinen Haaren, hörte die murmelnde Stimme, die ihn antrieb.
Zitternd vor Erregung entledigten sie sich ihres letzten Kleidungsstück. Mit einem lauten Stöhnen hieß Robert den kurzen, scharfen Schmerz willkommen, als Greg ihn in eindrang.
Viel zu schnell, war Roberts letzter klarer Gedanke, ehe er sich ganz seinen Gefühlen hingab.
So, ich hab diesmal die Rückblick komplett weggelassen und versucht einiges von dem "Chaos" aufzuklären. Ich hoffe das ist mir gelungen. Und auf speziellen Wunsch (unauffällig in Richtung Sputty schiel) gibt es auch "Action":) Für eine Review wär ich wie immer dankbar!
