Disclaimer: Weder die Figuren, noch die darauf basierende Handlung meiner Fanfiction, gehören mir. Die Rechte an Harry Potter liegen ganz alleine bei Joanne K. Rowling. Ich verdiene hiermit kein Geld.
A/N: Hi Leutz! Ganz nach dem Kapiteltitel "Getrennte Wege" verläuft nun auch diese FF mit mir. Es ist mir schwer gefallen, doch nach diesem Kapitel werde ich "Mortal Sin" abbrechen. Gerne hätte ich daran weitergeschrieben, doch im Moment fehlt mir nicht nur die nötige Inspiration meinerseits, sondern auch die von euch. Das ist jetzt keinesfalls böse gemeint, doch es ist für mich - und auch für andere Autoren - ziemlich deprimierend zu sehen, wenn man sich die Mühe macht und neue Kapitel schreibt, während Schwarzleser nicht mal dazu ein paar kleine Sätze hinterlassen wollen. Ganz besonders ärgert mich das auch immer wieder, wenn sie auf den Alert- und Fav-Listen stehen :(.
Nun ja, "im Moment" ist die FF jedenfalls abgebrochen. Es wird jedoch sicher mal wieder daran weitergeschrieben. Wann genau dieser Zeitpunkt ist, weiß ich noch nicht so genau, jedoch liegt das nicht alleine an mir.
Danken will ich natürlich allen, die mir immer schön fleißig reviewt und mich mit ihren Worten aufgebaut haben. Es tut mir Leid, dass ich mich dazu entschlossen habe und ganz besonders, tut es mir für den Cliffhanger am Ende leid xP.
Bussi, eure Tanya
PS: Hier ist nun der Bruch zwischen Hermione und Ron, auf den ihr solange gewartet habt!


Mortal Sin – Getrennte Wege

Deswegen, weil du es wissen willst.", entgegnete er. „Aber mach dir keine großen Hoffnungen, du wirst nicht mehr von mir zu hören kriegen. Ich will nur, dass du begreifst, dass ich nicht auf Voldemorts Seite stehe. Heute bist du nur hier, weil ich beschlossen habe, dir deine Kräfte zu nehmen."


Eine plötzliche Unruhe überkam Hermione wieder. Automatisch schloss sie den Griff um das Lederband ihrer Tasche fester, das sie in er Zwischenzeit noch immer nicht losgelassen hat. Die silbernen Augen Malfoy betrachteten sie mit einem so seltsamen Blick, so dass sie nicht wirklich zuordnen konnte, was er dachte und vor allem, was er vorhatte. Was ist, wenn das alles nur eine Falle gewesen ist? Wollte er vielleicht ihre Kräfte selbst in die Finger bekommen und hatte er ihr deshalb solche Angst gemacht? War sie nur deswegen hier? Hatte er dies alles nur erzählt, um sie zu verunsichern?

Diese Fragen schossen ihr alle durch den Kopf, doch eine wirkliche Antwort darauf konnte ihr nur Malfoy geben. „Was hast du vor?", wisperte sie fragend und wollte automatisch einen Schritt zurücktreten, als er sich von seinem Bett erhob und sie mit den Augen fixierte, doch die Mauer hinter ihr ließ das nicht mehr zu.
„Nichts.", antwortete er ihr mit ruhiger Stimme. „Ich werde dir nichts tun."

Seine Worte schafften es aber nicht sie zu beruhigen und auch die Tatsache das er sich abwandte, ließ sie nicht erleichtert ausatmen. Ganz im Gegenteil. Ihre Augen verfolgten achtsam jeden Schritte, jede Gestik und jeden Blick auf das genaueste, während Hermione mit der anderen Hand in ihre Tasche griff und die Hand um den Zauberstab schloss.

„Du kannst den wieder loslassen.", meinte er aber plötzlich.
Obwohl er aus dem inzwischen aus dem Fenster sah und sich kein einziges Mal zu ihr umgewandt hatte, schien er gewusst zu haben, dass sie in Erwägung gezogen hatte, ihren Zauberstab zu benutzen.
„Wie ich schon mal gesagt habe, ich werde dir nichts tun."
„Wieso nicht? Hast du etwa Angst vor meinen Kräften, die in mir stecken sollen?", wollte sie wissen.
Malfoy lachte auf und schüttelte den Kopf. „Nein, das nun wirklich nicht."

Hermiones Kehle schnürte sich zusammen und sie musste schlucken. Er hatte keine Angst! Wieso aber tat er ihr dann nichts an? Es wollte ihr einfach nicht in den Sinn gehen.
„Deine Kräfte sind nicht aktiv, Granger.", erklärte er plötzlich. „Du bist der Schlüssel zu einer ungeheuren Macht und ich weiß nicht was es ist, doch irgendwann wird irgendetwas ausschlaggebend sein, das sie erwachen lässt. Bevor das aber geschieht, müssen wir diese Kraft in deinem Inneren vernichtet haben, sonst vernichtet es die ganze Welt."

Wie schon so oft in letzter Zeit spürte Hermione wieder Ärger in sich aufsteigen. Dieses Mal jedoch nicht, weil sie es satt hatte, ständig die selben Worte mitanhören zu müssen, sondern nun, da jeder mehr über sie zu wissen schien, als sie selbst.
Sie konnte dem Ärger jedoch keine Luft machen. Dazu fühlte sie sich jetzt einfach nicht in der Lage. Vielleicht war das die Chance? Wenn man ihr wirklich diese Kräfte nehmen konnte, dann stand Ron und ihr doch nichts mehr im Wege? Es klang einfach zu schön um wahr zu sein. Ob dies jedoch wirklich funktionierte, wagte sie zu bezweifeln.

„Dann tu es.", murmelte sie. „Nimm mir die Kräfte."
Malfoy wandte sich wieder um. Den Blick den er ihr zuwarf, kannte Hermione nun bereits in und aus wendig. Immer etwas kritisch und teilnahmslos. Auf einmal schüttelte er den Kopf, für sie war diese kleine Geste doch wie ein Schlag ins Gesicht. Langsam stieß sie sich von ihrer Mauer ab und trat auf ihn zu.
„Wie? Nein?", wisperte sie dabei. Sie fühlte wie sich große Tränen in ihren Augen bildeten. Das zuschnürende Gefühl in ihrer Kehle wollte sich nicht mehr lösen. „Ich... bitte! Wenn du es kannst, bitte hilf mir!"

Hermione wusste nicht warum sie das tat, doch sie bettelte tatsächlich. Es kam aber noch schlimmer. Ihre Verzweiflung war inzwischen so groß geworden, dass sie langsam ihre Arme um Malfoys Hals legte und den Kopf auf seine Brust betete, während sie bitterlich zu weinen begann. Malfoy wich ihrer Berührung nicht aus, nahm sie allerdings auch nicht tröstend in die Arme.

So vergingen mehrer Minuten, ihre Tränen schien aber einfach nicht trocknen zu wollen. Auf einmal spürte Hermione den festen Griff seiner Hände auf ihren Schultern und merkte, wie er sie langsam einige Zentimeter von sich drückte, damit er ihr in die Augen sehen konnte.
„Ich kann es nicht.", erklärte er schließlich sachlich.
Hermione musste schluckten. Sie schaffte es nicht etwas zu erwidern, sondern blickte ihn einfach nur verständnislos mit ihren großen Augen an, so als wollte sie damit ausdrücken: Aber du hast doch eben gesagt... Wieder schüttelte Draco aber den Kopf. „Ich weiß nicht wie es geht Kräfte zu bannen. Ich weiß es gibt einen Weg, es muss einfach einen Weg geben. Den müssen wir aber erst finden, gemeinsam. Dafür brauche ich deine Hilfe."


Erschöpft ließ Hermione die Tür ins Schloss fallen und fuhr sich mit den Finger durch ihr langes braunes Haar. Kaum hatte sie ihre Tasche in der Garderobe fallen lassen, ertönte auch schon Rons Stimme durch das Haus und sie hörte seine trampelnden Schritte die Treppe hinunterkommen.
„Wo warst du?"
Einen Augenblick später schob sich auch schon seine Gestalt um die Ecke. In seinem Gesicht war Röte zu erkennen, von der sie nicht ganz wusste woher sie ruhte. Seine Augen jedoch betrachteten sie argwöhnisch und automatisch sank Hermiones Herz tiefer. Er war wütend.

„In der Bibliothek.", schaffte sie es aber, ihm ohne Unschweife zu entgegen. „Hast du denn meinen Zettel nicht gelesen?"
„Doch, das habe ich." Hermione merkte, wie Rons Augen zu ihrer fallengelassenen Tasche wanderten. Sie wusste sofort was er suchen wollte und es war nur schwer zu erraten, dass er es nicht finden würde. Alleine schon die Form ihrer Tasche bewies, dass nicht gerade viel Inhalt in ihr war. Schnell hob sie wieder vom Boden auf und ging hastig an ihm vorbei in ihr Zimmer. Wirklich verhindern konnte sie aber nicht, dass er ihr folgte.

„Wo sind deine Bücher?", rief er auch schon hinterher.
„Ich habe keine mitgenommen, sondern nur welche abgegeben."
Als sie in ihr Zimmer kam, wandte sie sich zu ihm um und verschränkte ihr Arme vor der Brust. „Was soll das eigentlich?"
Ron aber ignorierte ihre Worte. Er trat an ihren Schreibtisch und griff nach einem der daraufliegenden Bücher. „Meinst du etwa die, die hier liegen?"

Es war nicht schwer zu erkennen, dass es eines aus der Stadtbibliothek war. Sie waren jeweils am Bücherrücken mit einem kleinen gelben Zettel gezeichnet, auf dem eine griechische Nummer vermerkt war.
Für einen Moment fühlte sich Hermione ertappt, doch wirklich in Erwägung zog sie es nicht, mit ihm über Malfoy zu sprechen. So schnell sie konnte nahm sie ihm das Buch aus der Hand und legte es wieder sicher auf den Schreibtisch.
„Es geht dich überhaupt nichts an, was ich in meiner Freizeit treibe."

Rons Braune zog sich kritisch nach oben. Sein Blick wanderte über ihre Gestalt und als er sie genauer betrachtete, merkte Hermione, wie sich seine Augen zu Schlitzen verengte. „Also gibt's du es zu, du warst nicht in der Bibliothek. Du hast uns belogen."
„Ich gebe gar nichts zu."
Es tat Hermione weh mit Ron zu streiten. Jeder Streit schmerzte sie und diese Erfahrung hatte sie auch schon oft machen müssen. Bis jetzt war er auch immer unnötig gewesen und dieses Mal war es einfach genauso. Zu gerne hätte sie ihm die Wahrheit erzählt, dies würde aber nur zur Folge haben, dass sie sich noch besser in die Haare kriegen würden.

Ron schloss kurz die Augen und schüttelte dabei fast unmerklich den Kopf. Schließlich atmete er tief durch und öffnete sie wieder. „Also gut. Wer ist er?"
„Wie?", entkam es Hermione verwundert. Sogar ein kleines ungläubiges Lächeln bildete sich auf ihren Lippen. Alles hatte sie erwartete, doch nicht, dass er ihr eine Affäre andichten wollte.
In seiner Miene konnte sie allerdings erkennen, das Ron es bitter ernst meinte. „Du betrügst mich doch!", rief er wütend. „Ich will wissen, wer er ist, verdammt noch mal!"

Erschrocken wich sie einen Schritt von ihm zurück und schüttelte dabei heftig den Kopf. „Ich betrüge dich nicht!", erwiderte sie und hielt dann für eine kurze Sekunde inne. „Selbst wenn ich jemand anderen hätte, Ron, würde ich dich nicht betrügen. Wir... wir sind nicht zusammen."
Es schien für ihn wie ein Schlag ins Gesicht zu sein. Seine Gesichtszüge entglitten ihm und aus der Wut darin wurde pures Entsetzten. „Aber...", war das Einzige, was er über die Lippen brachte.

„Ron, ich wollte dir nicht wehtun. Das war wirklich nicht meine Absicht."
Hermione wusste nicht, ob er sich bewusst war, wie viel Ehrlichkeit in ihren Worten lag. Nein, das letzte was sie wollte, war ihm weh zu tun. Allerdings hatte sie über alles gut nachgedacht. Das Gespräch mit Malfoy war aber dann ausschlaggebend gewesen. Sie konnte ihn einfach nicht in Gefahr bringen. Gleichzeitig brach es ihr aber auch selbst fast das Herz. Da hatte sie an einem Tag alles bekommen, was sie sich je gewünscht hatte, und es wurde ihr in nicht mal ein paar Stunden wieder schmerzhaft entrissen.

Ron schien immer noch nach einer Erklärung zu suchen. Er schüttelte weiter mit dem Kopf. „Hermione, hör mir zu. Wenn dir das gestern zu schnell ging, wir können wirklich warten. Damit habe ich kein Problem. Lavender und ich waren auch noch nicht soweit. Ich weiß, dass du gesagt hast, du seiest keine Jungfrau mehr, doch ich habe dich durchschaut. Deine Klamotten an diesem Abend als wir in diesen Club waren und dein Auftreten, du wolltest mich beeindrucken. Das habe ich jetzt verstanden."

„Ron!", rief Hermione. „Das stimmt nicht! Begreif doch endlich! Es liegt nicht daran, ich... ich hätte kein Problem damit gehabt. Ja, ich wollte es anders als wie es gestern gelaufen wäre, doch diese Erfahrung wäre für mich nicht neu gewesen. Ich bin nicht aus Angst davongerannt."
Ein weiterer Schlag ins Gesicht schien Ron zu treffen. Hermiones Herz schmerzte vor Verzweiflung. In diesem Moment tat sie ihrem Freund mehr weh, als sie es eigentlich jemals gewollt hatte.

„Mit wem?"
Hermione schluckte. Sie sah ihn zweifelnd an und schüttelte langsam den Kopf. „Das willst du nicht wissen."
„Mit wem?", wollte er allerdings entschlossen wissen. „Oder war es vielleicht sogar Harry?"
„Nein!", wandte sie schnell ein.
„Wer war es dann?"
„Ron!"
„Hermione!" Sein Gesicht war wutverzerrt. Als er ihren Namen geschrien hatte, war sie ein weiteres mal zusammengezuckt.

„Dean.", wisperte sie schließlich.
Die Wut in Rons Gesicht verschwand. Zurück blieb einfach nur Ungläubigkeit und Verzweiflung. Er wusste schon, dass es sich um einen Bekannten von ihm handelte, sogar einen Freund, doch jetzt schien es für ihn doch eine abermaliger Schlag zu sein, die Tatsache so um die Ohren geschlagen zu bekommen.
Hermione merkte wie langsam das ungute Gefühl in ihr größer wurde. Eigentlich war sie Ron nichts schuldig, sie waren nicht zusammen, trotzdem aber fühlte sie sich so schlecht wie noch nie zuvor. Jetzt jedoch gab es etwas in ihr, was sich unbedingt dafür rechtfertigen wollte. „Es war an dem Abend, als Ginny und er sich getrennt hatten. Er sah so verzweifelt aus. Ich wollte ihn trösten, doch irgendwie klappte es nicht. Mir ging es selbst nicht gerade gut. Du und Lavender, ihr war zwar nicht mehr zusammen, doch... sogar da hast du mich nicht beachtet!"

Die Augen Rons weiteten sich ungläubig. „Ach? Jetzt bin ich also Schuld?", schrie er ihr mit aggressiver Stimme entgegen. „Meinst du damit etwa, dass ich dich direkt in die Arme dieses Idioten getrieben habe, oder was?"
„Aber nein! Ich will dir doch nur erklären, wie es mir ging! Ich will das du mich verstehst, Ron!", erwiderte Hermione hastig. Erneut standen ihr die Tränen am heutigen Tag in den Augen. Sie versuchte ihre Verzagtheit hinunterzuschlucken, aber es gelang ihr nur schwer.
„Tut mir Leid, doch das kann ich ganz und gar nicht verstehen!", entgegnete er zornig. „Dein erstes Mal hätte nicht mit diesem Idioten sein sollen, sondern mit mir!"

Aus Hermiones Verzweiflung wurde plötzliche Fassungslosigkeit. Hatte Ron das eben wirklich gesagt? Sie starrte ihn verständnislos an, während er ihr wütend funkelnd entgegensah. Es sah nicht so aus, als würde er seine Worte bereuen.
„Wie bitte? Das ist doch nicht dein Ernst, oder? Du tust gerade so, als wäre meine Entjungferung ein goldener Pokal, der an einen anderen ging und dir das Los des ewigen Zweiten eingebracht hat. Wenn ich dir aber nur so viel bedeute, dann kannst du den zweiten Platz vergessen! Ich will dich nicht! Hab ich mich jetzt endlich genug ausgedrückt? Ronald Weasley, auf deine Liebe kann ich dankend verzichten, es gibt Besseres."

Schweigen trat ein. Im gleichen Moment als ihr die Worte über die Lippen waren, tat es Hermione schon Leid, sie ließ ihren Blick jedoch nicht weicher werden. Das Zornesfunkeln in Rons Augen verglich ebenfalls nicht. Schließlich wandte er sich von ihr ab und ging. Für Hermione war der Augenblick, als er ihre Tür ins Schloss fallen ließ, das Ende. Das Ende ihrer Liebe und vor allem das Ende ihrer Freundschaft.

Die Tränen die zuvor schon in ihre Augen traten konnten nun nicht mehr zurückgehalten werden. Wie ein Fluss brachen sie hervor und sie taumelte benommen auf ihren Stuhl am Schreibtisch, bevor sie den Kopf in ihre Hände bettete und bitterlich zu weinen begann. Hermione wusste, nichts konnte ihr den Schmerz nehmen, der in diesem Moment auf ihrer Seele lag.


Hermione war unklar, wie lange ihr die Tränen über das Gesicht gerannt waren und als sie ihre Augen öffnete, wusste sie auch nicht, dass sie vor lauter Erschöpfung auf ihrem Schreibtisch eingeschlafen war, nachdem die Tränen trockneten. Nur langsam kam die Erinnerung an Ron und ihren Streit zurück. Wieder spürte sie einen dicken Kloß in ihrem Hals, als sie daran dachte was geschehen war. Sie rieb sich die brennenden Augen und blickte sich langsam im Zimmer um. Alles lag friedlich dort wo es hingehörte. Nichts schien auch nur daran zu erinnern, dass vor Minuten, vielleicht sogar mehreren Stunden, eine Freundschaft zerbrochen war.

Mit einem kleinen Blick auf die Bücher zu ihrer rechten, die alle ein gelbes Markierungszeichen trugen, stieg Wut in ihr auf. Ohne genau zu wissen, um was es sich handelt, packte sie eines davon und schlug es auf, in der Hoffnung sich vielleicht irgendwie ablenken zu können.
Lesen hatte ihr schon oft in schlimmen Situationen geholfen und sie bat zu Gott, dass es auch dieses Mal so sein würde. Dieser Versuch erwies sich aber als schwieriger, als eigentlich angenommen. Die Buchstaben schienen vor ihren Augen zu verschwimmen und einige waren teilweise fast gar nicht mehr lesbar. Ein brennender Schmerz machte sich darin breit, sodass sie sie schließen musste, um sie kurz zu erholen.

Als sie sie allerdings einen Augenblick später wieder öffnete, wurde sie von einem grellen weißen Licht geblendet. Hermione spürte wie sich um sie alles drehte und ein lautloser Schrei ihren Lippen entfuhr. Eine saugende Kraft hatte ihren Körper gepackt und im nächsten Moment konnte sie rein gar nichts mehr vor Augen erkennen.


Mit nachdenklicher Miene sah Draco aus seinem geöffneten Fenster auf die dunkle Straße herab, in der kleine, ziemlich ärmlich gekleidete, Jungen ausgiebig miteinander Fußball spielten und verschiedene Rufe in griechischer Sprache einander zuschrien. Selbst die Sonne schaffte es nicht gegen das große brüchige alte Gebäude dem Hotel gegenüber anzukommen und ihren hellen Schein auf die Straße zu werfen.
Wie lange er hier schon stand war ihm Schleierhaft. Er wusste aber, dass er sich keinen Millimeter vom Fleck gerührt hatte, nachdem Hermione Granger sein Hotelzimmer verlassen hatte.

Wenn er ehrlich war, hatten ihre Tränen ihn zutiefst schockiert. In diesem Moment als sie plötzlich ihre Arme um ihn geschlungen und er etwas Warmes auf seiner Brust gespürt hatte, hatte er nicht die leiseste Ahnung gehabt, was er tun sollte. Sie war nicht das erste Mädchen gewesen, dass in seiner Gegenwart geweint hatte, doch sie war die Erste gewesen, die nicht wegen ihm geweint hatte.
Es hatte ein bisschen gedauert, bis er die Situation wieder unter Kontrolle gehabt hatte und als er ihr dann in die Augen sah und sie bat, sich zusammenzureißen, damit sie einen Weg finden würden, hatte er ihr leichtes Nicken nur teilweise mitbekommen.

Viel mehr hatte ihn ihr Gesicht fasziniert. Er hatte es schon in vielen verschiedenen Gefühlssituationen erlebt. Wütend, hasserfüllt, teilnahmslos, arrogant, fröhlich, verletzt, traurig... doch in diesem Moment war sie einfach nur schlicht und ergreifend verzweifelt gewesen. So verzweifelt, dass sie sogar seine Hilfe in Kauf nahm. Obwohl sie doch jederzeit damit rechnen musste an den dunklen Lord ausgeliefert oder gar getötet zu werden. Anscheinend war ihr das Risiko es wert.

Draco wusste nicht wieso, aber als sie nickte, hatte etwas in ihm sich noch mehr vorgenommen ihr zu helfen. Wollte er sie wirklich nicht enttäuschen? Hermione Granger? Die muggelstämmige Hexe? Das Schlammblut?
Er seufzte und fuhr sich durch das längliche blonde Haar, als das Tor einer der Jungenmannschaften fiel und die Gewinner kreischend und lachend aufeinanderzugestürmt kamen, sich in den Arm nahmen und sich auf ihren Gesichtern ein Gefühl wiederspielte, als hätte es noch nie etwas Schöneres in ihrem Leben gegeben.

In diesem Augenblick wünschte Draco sich, er würde auch einer von ihnen sein. Oder zumindest eine Kindheit wie diese gehabt zu haben. Kaum vorstellbar, dass diese Jungs auch Leid erfahren mussten. Vielleicht sogar noch viel Schlimmeres als er.
Ein plötzliches Klopfen riss ihn aus seinen Gedanken. Für einen Augenblick schoss ihm das Bild eines braunhaarigen Mädchens mit haselnussfarbenen Augen in den Kopf. So schnell wie es aber gekommen war, verschwand es auch schon wieder.

Draco stieß sich von seinem Fensterbrett ab und ging auf die Tür zu, nicht ohne zuvor jedoch nach seinem Zauberstab zu greifen und diesen gut versteckt hinter seinem Rücken bereit zu halten, als er die Tür öffnete. Wen er aber dann sah, ließ ihm die Sprache verschlagen.


TBC

A/N: Ist euch diese FF vielleicht doch mal ein Review wert? Mich würde es auf jeden Fall sehr freuen :)! Klick on "Go", please.