Manrico:

Die Schwierigkeiten, die ich hatte, um Leonora aus dem Kloster zu holen, gingen in eine andere Richtung, als ich zuvor gedacht hatte. Ich hatte nicht damit gerechnet, in die Gefahr zu geraten, Luna gegenübertreten zu müssen. In meiner Vorstellung hatte ich mich nur Leonora zeigen müssen, um dann mit der Äbtissin zu sprechen.

Als ich beim Überklettern der Klostermauern Lunas und seiner Männer ansichtig wurde, packte mich die Wut. Wollte er Leonora jetzt etwa nicht nur meinen Armen, sondern auch dem Schutz eines Klosters entreißen?

Ehe ich mir über die Konsequenzen klarwerden konnte, stand ich zwischen Leonora und meinem Rivalen. Erst als er mir drohte, seine Schergen erneut auf mich zu hetzen, wurde mir bewußt, in was für einer Todesgefahr ich mich befand. Bevor Lunas Männer jedoch auf mich losgehen konnten, tauchte aus dem Nichts Ruiz mit zwanzig Männern auf. Dank der stummen Drohung, die ihr Anblick darstellte, konnten wir entkommen.

„Ich dachte, du könntest vielleicht Hilfe gebrauchen," rief Ruiz mir zu, als wir bei den Pferden anlangten.

„Du kamst wie üblich genau im richtigen Moment." Ich wandte mich an Leonora. „Ich fürchte, du wirst vor mir im Sattel sitzen müssen, Geliebte. In der gebotenen Eile bin ich einfach nicht dazu gekommen, ein zweites Pferd zu besorgen."

„Ich kann immer noch nicht glauben, daß du wirklich am Leben bist," erwiderte sie.

„Ich bin ein Glückskind." Ich lächelte und hob sie auf mein Pferd. „Sonst wäre ich auch kaum noch pünktlich gekommen, um dich zu retten."

„Ja." Es klang wie ein leises Seufzen.

Ich nahm hinter ihr Platz im Sattel und hielt sie fest, während wir losritten. „Bist du glücklich?" fragte ich und küßte sie auf den Nacken.

„Sehr," antwortete sie, „aber wohin bringst du mich jetzt?"

„Nach Castellor. Conde d'Urgel hat mich zum Kommandanten ernannt."

Der Rest des Rittes erfolgte sehr schweigsam. In Castellor angekommen ließ ich Leonora ein Gemach anweisen und stürzte mich in die Arbeit, die Festung auf die Angriffe der Truppen Castillas vorzubereiten.

Ich hatte wenig Zeit für Leonora, da es viel für mich zu tun gab. Wir nahmen die Mahlzeiten gemeinsam ein, hatten aber sonst nicht viel Gelegenheit für ein Zusammensein. Trotzdem fiel mir auf, daß sie niedergedrückt wirkte, was sicherlich nicht nur aus Langeweile kam.

Am Tag, als Castillas Truppen mit der Belagerung begannen - was vorauszusehen gewesen war - fand ich sie oben an den Zinnen. Sie blickte hinunter auf die Betriebsamkeit im Lager.

„Was tust du hier oben?" fragte ich und legte ihr den Arm um die Taille.

Sie zuckte spürbar zusammen. „Siehst du das Zelt mit der Fahne?" fragte sie. „Er ist hier."

„Wer?"

„Luna. Er kommandiert die Truppen." Sie zitterte leicht. „Was geschieht, wenn er Castellor einnimmt?"

„Das wird er nicht," versuchte ich, sie zu beruhigen.

„Ich habe trotzdem Angst." Sie sah mich direkt an. „Ich liebe dich, Manrico, aber irgendwie hat er Macht über mich. Ich fühle mich von ihm angezogen."

„Leonora, du wirst ihn nicht wiedersehen. Er kann dir also nichts antun." Ich zog sie in die Arme und hielt sie fest. Vielleicht hatte ich einen Fehler gemacht, als ich mich zurückhielt und sie nicht anrührte, womit ich ihr hätte zeigen können, daß sie zu mir gehörte.

Ich wußte, daß sie sich zu Luna hingezogen fühlte. Er hatte einiges, was auf Frauen unwiderstehlich wirkte. Er war auf düstere Weise attraktiv und verfügte über einen gewissen gefährlichen Charme, wogegen Leonora nicht gefeit war. Es war mir nicht entgangen, daß sie im Kloster kurz davor gewesen war, mit ihm zu gehen, und es getan hätte, wäre ich nicht mehr rechtzeitig gekommen.

Ich hob ihr Kinn in die Höhe und küßte sie, wild, leidenschaftlich und keinen Widerspruch duldend. „Laß mich dir beweisen, daß du nichts zu befürchten hast, wenn du bei mir bist," flüsterte ich.

„Was meinst du?" wollte sie wissen.

„Wenn du mit nach unten kommst, werde ich es dir zeigen." Ich nahm ihre Hand und zog Leonora mit mir nach unten in mein Gemach. „Fürchtest du dich?" fragte ich, während ich die Tür schloß.

„Nicht sehr," antwortete sie und lächelte schwach.

„Gut." Ich löste ihr Haar und verteilte es über ihre Schultern. Ganz vorsichtig öffnete ich ihr Kleid und streifte es von ihrem Körper.

Sie war wunderschön, doch der Ausdruck in ihren Augen machte mich nervös. Es lag keinerlei Begehren darin, sondern nur Neugier. Das wiederum ließ mich fürchten, dieser Neugier nicht entsprechen zu können.

Vielleicht sorgte das dafür, daß ich ein wenig zu hastig vorging, als ich sie hochhob und zum Bett trug. Meine Hände fuhren über ihren Körper, während ich gleichzeitig versuchte, mich aus meinen Kleidern zu schälen.

Leonora reagierte recht passiv und gab die ganze Zeit nur ein einziges Geräusch von sich; als ich mich über sie schob, keuchte sie leise.

Ich kam ziemlich schnell zum Höhepunkt und ließ mich dann neben sie fallen. Ich konnte beinahe fühlen, daß sie ein wenig enttäuscht war.

„Es wird mit der Zeit besser," versprach ich ihr ein bißchen hilflos.

„Wirklich?" fragte sie, aber ich konnte nicht heraushören, ob sie es ironisch oder ernst meinte.

„Aber bevor wir es wieder versuchen, sollten wir wohl besser heiraten," sprach ich weiter. „Wir haben einen Pater hier, was hindert uns also noch?"

„Nichts," antwortete sie und wirkte auf einmal wieder lebhafter.