Manrico:

Leonoras und meine Hochzeitszeremonie hatte gerade begonnen, als Ruiz in die Kapelle stürmte. „Manrico, schnell!" rief er.

„Was ist?" fragte ich ungnädig. Ich sollte mit Leonora vereint werden, den Segen der Kirche erhalten, und da gestattete ich nicht einmal meinem besten Freund, dabei zu stören.

„Du mußte es dir selbst ansehen. Es ist wirklich dringend," flehte er.

„Also gut, ich bin sofort wieder hier," versprach ich Leonora.

„Ich werde mit dir kommen," widersprach sie vehement. „Ich bleibe doch nicht hier am Altar stehen wie eine Gans."

Gemeinsam gingen wir nach oben auf die Zinnen. Lunas Männer hatten einen Scheiterhaufen aufgeschichtet, an dessen Pfahl eine Gestalt gebunden war. Ich blickte ein zweites Mal hin und erschrak. Die Person dort unten war zweifellos meine Mutter. „Oh Gott!" keuchte ich.

„Was ist mit dir?" erkundigte sich Leonora.

„Meine Mutter. Luna hat meine Mutter auf den Scheiterhaufen gebracht," antwortete ich erschüttert, um mich gleich darauf zu fassen. „Ruiz, ruf die Männer zu den Waffen, wir werden einen Ausfall machen."

Ruiz verschwand.

„Du wirst in dein Verderben laufen," sagte Leonora verzweifelt. „Du kannst nicht gewinnen, wenn du die Festung verläßt. Du wirst sterben."

„Unsinn, meine Liebste," wehrte ich ab. „Deine Liebe wird mich beschützen, und sollte ich tatsächlich fallen, gehe ich dir nur vorweg in den Himmel. Aber ich kann einfach nicht zulassen, daß er meiner Mutter das antut. Ich muß das Feuer löschen, und wenn ich das mit Lunas Blut tun werde."

„Manrico." In Leonoras Augen standen Tränen.

Ich nahm sie in die Arme und hielt sie fest. Dabei wandte ich nicht einmal den Blick von meiner Mutter, deren Angst ich fast körperlich spüren konnte.

Ruiz räusperte sich neben mir. Ich entließ Leonora aus meinen Armen und nahm von ihm meine Waffen entgegen. „Sollte Castellor fallen," sagte ich leise zu ihm, „bring Leonora von hier fort. Ich könnte nicht ertragen, wenn sie in Lunas dreckige Hände fallen würde." Ich drückte Leonora einen zärtlichen Kuß auf die Lippen. „Wir sehen uns wieder, ganz sicher."

Dann griff ich nach meinen Sachen und stürmte nach unten, um den Ausfall vorzubereiten.

Wir waren kaum aus den Toren von Castellor heraus, als mir klar wurde, daß genau das der Zweck für Lunas Scheiterhaufen gewesen war. Er hatte mich zu einem Ausfall provozieren wollen, um auf diese Weise Castellor einnehmen zu können, und ich war prompt darauf hereingefallen. Aber wie hätte ich anders reagieren sollen? Sollte ich etwa tatenlos zusehen, wie Luna meine Mutter verbrannt hätte? Und er hätte es getan, denn er war und ist ohne jeden Skrupel.

Der Kampf war blutig und vollkommen ungleichgewichtig. Lunas Leute waren nicht nur in der Überzahl, sondern auch zum Äußersten entschlossen und metzelten jeden nieder, der sich ihnen in den Weg stellte.

Eine ganze Truppe von ihnen umstellte mich auf einmal, und ehe ich wußte, wie mir geschah, war ich entwaffnet. Trotz meiner verzweifelten Gegenwehr wurde ich gepackt, gefesselt und den Berg hinunter getrieben.

Vor dem Scheiterhaufen, auf dem sich meine Mutter noch immer befand, stieß man mich in den Staub. „Haben sie dir etwas angetan, Mutter?" fragte ich sie.

„Manrico, mein Sohn, du kommst, um mich zu retten, nicht wahr?" fragte sie zurück und wirkte dabei sehr weit fort von mir. Sie war durch die Erinnerung, die der Scheiterhaufen in ihr wecken mußte, wieder in dieser Verwirrtheit gefangen.

Jemand stieß mir mit dem Fuß in die Seite, und ich sah auf. Neben mir stand Luna, ganz in Schwarz gekleidet, mit Blut bespritzt und Mord in den Augen. „Wo ist sie, du Bastard?" knurrte er mich an.

„Ihr könnt sie nicht finden?" fragte ich erfreut. „Dann solltet Ihr es aufgeben."

„Ich werde sie finden, und dann werde ich dich zu unserem Trauzeugen machen." Er setzte mir seinen schwarzen Stiefel auf die Kehle. „Ich könnte jetzt einfach zutreten, aber so leicht werde ich es nicht beenden für dich. Du hast mir so viele Qualen bereitet, daß du für diese zahlen wirst."