Kapitel 9
Sollte sie nicht doch noch zum Ball gehen? Sie ließ Dave einfach alleine! Lily hatte ein ziemlich schlechtes Gewissen. Es war jetzt kurz nach acht, der Ball hatte gerade angefangen, die Musik fing bestimmt gerade an zu spielen. Dumbledore würde eine kurze Rede halten, die Schüler saßen an kleinen Tischen und gleich gab es dann leckeres Essen, für das sich die Hauselfen schon seit Tagen verrückt machten.
Lily Evans lag hier in ihrem Schlafsaal und trauerte.
Lily wusste, dass ihre Mutter das bestimmt nicht gewollt hätte. Aber sie hat ja auch nicht gerade einen wichtigen Menschen verloren, hatte es erst drei Monate später erfahren. Denn sie hatte ihre Familie verlassen. Ungewollt, aber dennoch, wurde sie nicht ´im Stich´ gelassen.
Lily seufzte. Irgendwie wollte sie ja schon gerne auf den Ball. Andererseits hatte sie Angst, dass sie jemand darauf ansprach, oder sie anfing zu heulen.
Sie war hin-, und hergerissen.
Amélie verließ gerade den Schlafsaal und schloss hinter sich die Tür. Sie hatte irgendwie ein Ungutes Gefühl, Lily in diesem Zustand alleine zulassen. Dennoch ging sie die Treppen hinunter, in Richtung Portraitloch.
Da rief sie jemand zurück.
„Hey Roather! Na mit wem gehst du zum Ball? Siehst gar nicht mal schlecht aus!" Am drehte sich genervt um, es war Black.
Er sah richtig gut aus, stellte Am fest. Er trug einen schwarzen Anzug und drunter ein dunkelblaues Hemd.
„Das kann dir egal sein Black! Ach und Danke für das Kompliment."
Sirius zog die Augenbraue hoch. „ Ein bisschen aggressiv heute?"
Am funkelte ihn an. Auf den hatte sie heute bestimmt keine Lust! Sie drehte sich, erhobenen Hauptes um und stolzierte davon. Normalerweise war sie ganz freundlich zu ihm, zog ihn vielleicht etwas auf. Aber wenn er hinter sich einen Haufen giggelnder Mädchen hatte, von denen er sich bestimmt noch eine Aussuchen würde – obwohl, warum sollte er? Er kann ja auch mit mehreren hingehen, das würde zu ihm passen – war es kein Wunder, dass sie etwas schroff reagierte.
Die Mädchen beschossen sie mit bösen Blicken. Was ungefähr so viel bedeutet wie „Verschwinde, Du Störst! Wir wollen seine ganze Aufmerksamkeit! Fühl dich nicht so als ob du was besseres wärst! "
Diese ganzen Schülerinnen wussten genau, mit wem sie zum Ball ging. Das verübelten sie ihr ganz schön.
Am wurde heute auch von manchen eingebildeten Tussis, unter anderem auch Ex-Freundinnen von Jess, mehrmals angegriffen und ihr wurden einige Androhungen gemacht.
Aber sie nahm das nicht zu ernst. Sie wusste das sie ein Risiko einging, mit einem der beliebtesten Schüler Hogwarts zum Weihnachtsball zu gehen. Die ganzen Girls waren so zickig! Kinderkacke.
„Hey schöne Lady, darf ich sie zum Ball begleiten?" ,fragte Jess, der lässig gegen einer Wand lehnte.
„Oh, hi Jess. ",antwortete Am etwas verwirrt, lächelte ihn dann aber an.
Er bot ihr seinen Arm an und sie gingen hinunter zum Fest.
Lily ging in ihrem Zimmer auf und ab, ihre Gefühle überschlugen sich gerade.
Eine Stimme in ihrem Kopf, machte sich bemerkbar.
„Los, Lily, was machst du hier noch? Geh runter und tanze! Feier! Mach einen drauf. Du hast dir extra so ein schönes Kleid gekauft und jetzt soll es in deinem Schrank vergammeln? Deine Mutter will nicht das du hier alleine bist, sie würde dich viel lieber strahlen sehen. Und das du dich amüsierst! Also los!"
Lily starrte noch einen Moment aus dem Fenster, es schneite. Als Lily 10 Jahre alt war, ein paar Tage nach dem Tod ihres Opas, gingen sie und ihre Mutter im Schnee spazieren.
Sie wusste noch wie ihre Mutter sagte: „Man darf nicht aufgeben, das Leben geht weiter. Wir müssen uns ja nicht für immer von jemandem verabschieden es ist nur für eine gewisse Zeit, wir werden Opa wieder sehen. So schwer es uns auch fällt, ihn jetzt gehen zu lassen, müssen wir das tun, aber denk daran Lily... Man darf sich nicht hängen lassen!"
Es war damals nicht leicht für ihre Mutter. Ihr Mann war auf einer langen Geschäftsreise und würde so schnell auch nicht wieder kommen. Und dann war ihr Vater, Lilys Opa gestorben. Ihre Mutter lag in einem Krankenhaus. Sie hatte Brustkrebs, aber immerhin hatte es sich gebessert. Lily hatte schon damals ihre Mutter bewundert. Wie sie das alles schaffte und nicht zusammenbrach...
Lily stand auf, holte ihr Kleid und ging ins Bad. Als sie sich im Spiegel betrachtete, schrak sie zurück. Sie sah fürchterlich aus. Sie hatte Augenringe, angeschwollene und gerötete Augen und ihre Haare fielen schlaff herunter.
Eine viertel Stunde später war sie frisch geduscht und stand in Unterwäsche vor dem Spiegel.
Sie cremte sich mit einer nach Vanille duftenden Bodylotion ein.
Ihre Haare massierte sie mit einem Schaum ein, der bezweckte, dass diese leicht gelockt wurden und ihr sanft in leichten Wellen den Rücken hinabfielen.
Sie puderte leicht ihre Wangen und benutze etwas Rouge. Lily entschied sich für einen leicht grünlich glitzernden Lidschatten, den sie dann auftrug. Sie betrachtete sich und merkte, dass nur noch etwas Lipgloss fehlte. Zuletzt zog sie sich ihr Kleid und ihre Schuhe an.
James stand gelangweilt mit Sue, seiner Begleiterin, die ein hellblaues Kleid trug, an einem Tisch. Ihr Kleid hatte überall Rüschen, rosa Pailletten und eine dunkelrosa Riesen-Schleife am Rücken. Dazu trug sie rosa Schuhe, mit einem Hellrosa Wattebausch obendrauf. Zur Krönung hatte sie ein Diadem in den Haaren und rosa Glitzer-Strähnchen. Sie sah aus wie ein aufgescheuchtes Huhn.
Sie erzählte ihm gerade von ihrem Ex-Freund Jess, der Hüter aus Ravenclav und sie schimpfte ausgelassen über ihn. Jess war mit Amélie da und die Beiden amüsierten sich prächtig, James hatte sie vorhin auf der Tanzfläche gesehen. Remus tanzte ebenfalls mit einer Schülerin namens Jeanine, Sirius hingegen saß mit einer Fünftklässlerin aus Griffindor in einer Sitzecke und knutschte.
James hatte mit den Blicken die ganze Zeit die Halle abgesucht, um Lily zu sehen. Doch irgendwann hatte er aufgegeben. Und Amélie konnte er auch nicht fragen, denn diese war ja wie gesagt auf der Tanzfläche. Schon seit Beginn des Balls. Denn Dumbledore hatte beschlossen, dass jeder essen konnte wann er wollte und diejenigen die lieber tanzen wollten, konnten das dann auch, ohne erst das Ende des Essens abwarten zu müssen.
James seufzte, Sue war eine Labertasche, das nervte ihn gewaltig. Vor allem da sie sich schon wieder – oder noch immer? – über Jess ausließ.
Sein Blick schweifte zum Eingang, dort erkannte er Lily. Sie wurde von ein paar fliegenden Engelchen mit silbernem Konfetti übersät. James konnte sie nicht mehr aus den Augen lassen, so bezaubernd sah sie aus. Sie ging langsam durch die Halle, er fand, dass sie aussah wie ein Engel.
„... Also James was meinst du dazu?" ,fragte Sue plötzlich, sie hatte gar nicht bemerkt das James Aufmerksamkeit schon lange nicht mehr ihr galt.
„Ähm was? Achso ... äh ja .. ich stimme dir voll und ganz zu." Sue hatte er total vergessen.
Lily atmete noch einmal tief durch und betrat die Große Halle. Sogleich wurde sie von verzauberten Engeln mit silbernem Konfetti bestreut.
Der Anblick der sich ihr bot war überwältigend, es waren kleine Tische aufgebaut worden und in der Mitte war nun eine riesige Tanzfläche. Die Lehrer hatten eigene Tische, die etwas am Rande standen und direkt daneben war eine Bar.
Alles war geschmückt, an den Säulen hingen Lichterketten, die der Halle ein romantisches Flair verliehen.
Von der Decke herab fielen kleine Schneeflocken, jedoch wurde man nicht nass, wenn sie sich auflösten.
In kleineren Nischen, die Lily bisher nie groß aufgefallen waren, fand man Sitzgelegenheiten vor. Es waren dunkelrote Sessel oder eine Couch, die den Platz zierten. Sie sahen sehr bequem aus, Lily nahm sich vor, diese später mal zu testen.
Lily ging zu einem freien Tisch und sah James in der Nähe, der genau wie sie, an einem Tisch stand. Offensichtlich war er gelangweilt, denn Sue plapperte anscheinend die ganze Zeit irgendwelches Zeugs. Plötzlich drehte sich James suchend um.
Dann trafen sich ihr Blicke und er lächelte sie sichtlich erleichtert an. Wieso erleichtert... Lily lächelte schüchtern zurück und widmete sich dann ganz ihrer Karte.
„LILS!" ,rief plötzlich eine Stimme. Lily war gerade in die Karte vertieft und versuchte sich gerade einen kleinen Salat zu bestellen. Man sollte so oft auf den Tisch klopfen, wie die Nummer die vor dem Gericht stand es anzeigte. Also neun mal klopfen. Beim Achten mal schreckte sie hoch. Amélie kam auf sie zugerannt.
„Hey Süße! Du bist ja doch da! Wow du siehst bezaubernd aus!", meinte sie.
Lily lächelte „Danke.. Wo ist Jess?" Es machte Plopp, ein Teller mit Rumsteak erschien.
„Ah, essen wir heute etwa Steak?" ,meinte sie grinsend. „Jess ist an der Bar, er holt was zu trinken."
„Du weißt, dass dich James die ganze Zeit anguckt?"
„Tut er das?" ,fragte Lily.
„Joah... ah er kommt hierher, du ich geh dann mal, bevor ich Jess nicht mehr finde." Sie zwinkerte ihr zu und verschwand in der Menge.
„Hey!" James tippte ihr vorsichtig auf die Schulter.
„Hey!"
„Ganz alleine hier? Darf ich mich hinzugesellen?" ,fragte er und ohne eine Antwort abzuwarten setzte er sich auf einen Stuhl, ihr gegenüber.
„Du isst Rumsteak?" ,fragte er plötzlich verwirrt und deutete auf den Teller vor ihr.
„Nene.. eigentlich nicht. Das war ein Versehen, ich habe einmal zu wenig geklopft. Wo ist Sue?"
„Och ... ich habe zu ihr gesagt, dass ich kurz an die Bar gehe."
Lily grinste. „Und dann kommst du zu mir? Habe ich ein „ Bar" Schild irgendwo kleben? Ohne das ich davon weiß?"
James lachte. „Nein, es ist nur so... ich habe sie nicht mehr ausgehalten und du saßt da so alleine..."
„Na dann."
„Wo warst du den ganzen Tag? Ich habe dich nur vorbeirauschen sehen... ohne dass du irgendeine Antwort gegeben hast! Und Amélie hat auch nichts gesagt."
„Öhm .. nja ..."
„JAMES!" ,rief eine Mädchenstimme. Lily drehte sich um und erkannte Sue, die sich durch ein Pärchen hindurch quetschte.
„Och nein, nicht die schon wieder!" ,murmelte James genervt.
Lily fing an zu lachen.
„Da bist du ja. Ich habe dich schon überall gesucht! Wie konntest du mich nur alleine lassen? Ich bin Jess begegnet und er hat mich total blöd angemacht! Er war mit irgend so einer Tussi unterwegs! Totale Schlampe! Die macht sich über mich lustig und nimmt mir meinen Freund weg und jetzt lässt du mich einfach im Stich!
Du musst mich doch trösten! AH Jess ist so ein Arschloch! Er macht mich total fertig! Bitte küss mich, sonst kriege ich einen Schreikrampf." Sie näherte sich James mit gespitzten Lippen.
Lily verstand James nun. Sue konnte reden, ohne zu atmen! Wie ein Wasserfall... aber dieses Miststück hatte ihre beste Freundin gerade als Schlampe bezeichnet!
Lily stand wütend auf und Sue fiel vor Schreck fast um. „Wie kannst du es wagen meine Freundin als Schlampe zu bezeichnen? Du Miststück!"
„Ach muss sich die kleine Evans jetzt für ihre Freundin einsetzten? Weißte was Evans? Geh wieder in deinen Schlafsaal und Trauer deiner Schlammblutmutter nach!"
Lily erstarrte.
James schaute fragend von Sue zu Lily, bis er dann begriff.
Amélie war aufgetaucht und hatte den letzten Satz von Sue mitbekommen.
Sie ging geradewegs auf Sue zu und knallte ihr eine. Lily drehte sich um und rannte aus der Halle.
Es war mucksmäuschenstill, sogar die Musik hatte ausgesetzt.
Amélie schaute Sue angewidert an und drehte sich dann um.
Sie wurde von Jess festgehalten.
„Wie kannst du es wagen ihr eine zu klatschen?" ,fragte er aufgebracht.
Amélie zog eine Augenbraue hoch.
„Ach lass mich doch in Ruhe und geh zu deiner Schlampenfreundin!" ,rief sie aufgebracht.
Jess war sprachlos.
James eilte währenddessen Lily nach. Sie musste nach draußen gerannt sein, denn das Tor stand offen.
James rannte raus und ging zum See. Dort fand er Lily mit angezogenen Beinen im Schnee sitzen.
Sie hatte Gänsehaut, kein Wunder dachte er. Sie hatte ja nur dieses atemberaubende, kurze Spaghettiträgerkleid an.
Er setzte sich neben sie und legte ihr seinen Umhang um.
„Ist es okay wenn ich bleibe? Oder soll ich wieder gehen?" ,fragte er vorsichtig
Lily lehnte sich plötzlich an James Schulter und fing an zu weinen.
James legte einen Arm um sie und strich ihr sanft über Haar und Rücken.
