Anmerkung: Diese Geschichte steht in keinerlei Beziehung zu meiner ersten FanFic „Der Weg des Schwertes". Kommentare sind wie immer erwünscht. '

Kapitel 02 – Leise rieselte der Schnee.

Als Shizuka das Zimmer ihres Sohnes betrat, lag er noch immer in seinem Bett. Sie zog die Vorhänge zur Seite und grelles Licht schien dem schwarzhaarigen Jungen direkt ins Gesicht. Stöhnend zog er sich die Decke über den Kopf.

„Denk nicht mal dran, junger Mann."

„Mum, weißt du eigentlich, wie spät es ist?"

„Ja, 7 Uhr 30. Dein Vater muss in einer halben Stunde auf dem Revier sein."

„Wo ist das Problem?"

„Frag nicht."

Mit diesen Worten verließ sie fürs Erste das Zimmer. Heiji überlegte, wie weit er die Geduld seiner Mutter heute ausreizen sollte. Irgendwie hatte sie sehr gestresst geklungen. Mühsam rollte er sich zur Seite und als er sich aufrichtete und einen Blick auf die Dächer der Nachbarhäuser werfen konnte, hatte er eine dunkle Ahnung, weshalb es für seinen Vater ein Problem werden könnte, pünktlich auf dem Revier zu sein. Ein Blick aus dem Fenster offenbarte bereits einige Leute, die hektisch versuchten, den Schnee aus ihrer Einfahrt zu schaufeln.

Schnell zog er sich Jeans und einen dicken Pullover an und ging zu seiner Mutter in die Küche. Sie reichte ihm eine Heiße Schokolade und meinte, Essen könne er ja später. Super, so hatte er sich seinen ersten Ferientag nicht vorgestellt. Er nahm nur einen Schluck des warmen Getränks und gesellte sich schließlich zu seinem Vater.

Das Auto war bereits freigefegt und nun galt es, die Einfahrt halbwegs passierbar zu machen. Heiji war bereits klar, dass er der Dumme sein würde, der auch den Bürgersteig vor ihrem Haus frei machen durfte, aber da führte kein Weg dran vorbei. Schweigend arbeiteten Vater und Sohn nebeneinander her. Außer einem „Guten Morgen" und „Danke" / „Schon klar." war nur das kratzende Geräusch der Schneeschaufeln auf dem Stein zu hören. Nach nicht einmal 10 Minuten war zumindest die Einfahrt wieder passierbar und Heizo Hattori machte sich auf den Weg zur Arbeit – er würde ohne Frage zu spät kommen, denn der Winterdienst hatte noch längst nicht alle Straßen räumen können.

Als Heiji wieder in der Küche über seinem nun schon abgekühlten Kakao saß, schienen seine Finger wie taub. Die Kälte war durch die Handschuhe hindurch gezogen und nun schienen sie sich regelrecht aufzublähen. Schnell noch einen warmen Toast mit Honig und dann konnte er es sich vielleicht noch ein wenig gemütlich machen, bevor er mit Kazuha einen Weihnachtsbaum kaufen müsste.

Doch diesen Punkt seiner imaginären Tagesordnung konnte er streichen. Er hatte noch nicht einmal seinen Toast vollends aufgegessen, als es an der Tür klingelte. Er stopfte sich das letzte Stück in den Mund und wollte den Gast hereinlassen. Vor der Türschwelle fand er Kazuha in ihrem dunkelgrünen Mantel. Der Schal verdeckte Mund und Ohren und die behandschuhten Hände rieb sie nervös aneinander.

„Kazuha? Was machst du denn schon hier?"

„Heiji? Na ja, eigentlich wollte ich dich ja wecken, aber das hat sich dann wohl erledigt."

Sie schenkte ihm ein bezauberndes Lächeln und schon konnte er wegen ihrer bösen Absichten gar nicht mehr verärgert sein. Sie wusste genau, wie gern er morgens im Bett lag, um somit fast den ganzen Tag zu verschlafen. Es gab nur drei Dinge, die ihn zu 100 davon abhalten würden: Kendo, Mordfälle und meistens Kazuha.

„Tja, da bist du heut zu spät. Komm' kurz rein, ich zieh mich schnell um und dann können wir auch schon los."

Gesagt, getan. Während Kazuha ihre Schuhe im Vorflur abstellte und Mantel, Schal und Handschuhe ablegte, stürmte Heiji in sein Zimmer. Er riss die Türen seinen Kleiderschranks auf und tauschte seinen dicken Pullover – der im übrigen neben der wärmenden Wirkung keine anderen Vorzüge besaß – gegen einen schwarzen Rollkragenpullover ein. Noch schnell die Haare kämmen, Uhr um, fertig.

„Da bin ich, woll'n wir los?"

„Nun warte mal kurz Heiji und lass Kazuha erst mal ihren Tee trinken. Ich hab dir übrigens auch einen gemacht."

Verduzt schaute Heiji auf seine Mutter, die in der Küche gerade den Tee servierte. Kazuha bedankte sich, schaute ihn an und zuckte schließlich kaum merklich mit den Schultern. Es würde ihm wohl nichts anderes übrig bleiben, als mitzuspielen. Widerstand war zwecklos, schließlich wollte er ja nicht zu Fuß gehen müssen, um einen Weihnachtsbaum zu besorgen.

Ohne weitere Widerrede setzte sich Heiji also zu Kazuha an den Tisch. Stillschweigend saßen sie da. Kazuha wärmte sich die Hände an ihrer Tasse, die sich – ebenso wie Heijis – nur langsam zu leeren schien.

Langsam wanderte Heijis Blick von seiner Tasse zu Kazuha. Sie sah hübsch aus, auch wenn er ihr das so nie sagen würde. Warum eigentlich nicht? Es war schon seltsam, wie schwer es ihm viel, solch einfache Dinge ihr gegenüber auszusprechen. Er wollte nicht, dass auch nur irgendjemand auf die Idee kam, dass es zwischen ihm und Kazuha mehr als nur Freundschaft gab – denn da würden sie schließlich alle falsch liegen -

„Weißt du schon, wo du hin willst?"

- oder?

„Mh?"

„Na wegen einem Baum. Ich befürchte, die Besten werden schon weg sein..."

„Kann passieren..."

Doch wieso tat der Gedanke an eine reine Freundschaft mit Kazuha dann eigentlich so weh? Sie waren sich doch beide einig, widersprachen jedem, der etwas anderes behaupten wollten – oder war es vielleicht einfach nur die Angst vor Veränderung? Er kannte bisher nicht viele Beispiele, bei denen eine Beziehung zwischen Menschen, die sich schon so lange kannten, gut gegangen war. Manche hatten es versucht, waren gescheitert und mit hatten somit das Ende eine langen Freundschaft besiegeln können. Das würde er nicht wollen, niemals.

„Heiji?"

„Mh?"

„Du hast noch immer nicht auf meine Frage geantwortet..."

Aber irgendwie wollte er nicht glauben, dass es ihnen auch so gehen würde. Das Band zwischen ihnen war zu stark, um sich einfach im Nichts aufzulösen. Was sie zusammen durchgestanden hatten, konnte manch langjährige Beziehung nicht vorweisen und –

„Heiji??? Hörst du mir überhaupt zu?"

„Ähm. Tut mir leid. Was hattest du gesagt?"