Anmerkung: Diese Geschichte steht in keinerlei Beziehung zu meiner ersten FanFic „Der Weg des Schwertes". Kommentare sind wie immer erwünscht. '

Kapitel 03 – Wenn ich an Weihnachten denk.

„Kazuha Schatz, bist du fertig?"

„Ja Dad, bin sofort da!"

Kazuha legte sich ihren Schal um und ließ sich von ihrem Vater in den Mantel helfen. Sie schlüpfte in ihre Winterstiefel und streifte die Handschuhe über ihre Finger. Gemeinsam verließen Vater und Tochter das Haus. Bei ihrem Vater eingehakt schlenderten beide die Straße hinab. Die Hand in ihrer linken Manteltasche fühlte Kazuha die kühle regelmäßige Form des Windlichts; ihr Vater trug den Kranz. Es war erst kurz nach vier, doch in vielen Fenstern leuchteten bereits Lichterbögen, Sterne und Kerzen. Warmes Licht schien auf die schneebedeckte Straße und gab allem einen friedlichen Schein.

Auf dem Weg zum Friedhof war Kazuha mit ihren Gedanken bereits bei den Hattoris. Endlich war es so weit, Weihnachten konnte endlich kommen. Gestern erst hatte sie mit Heiji den Baum gekauft, trotz ihrer Bedenken hatten sie noch eine schöne - wenn auch nicht allzu große - Tanne bekommen. Am Vormittag hatte sie zusammen mit Heiji den Baum geschmückt. Um ihn ein wenig größer wirken zu lassen, hatten sie ihn auf einen kleinen Tisch gestellt und schon bei Tageslicht machte er einen anmutigen Eindruck. Das goldene Lametta würde ihn im Kerzenschein noch prächtiger erscheinen lassen. Zwar waren auch zwei Kugeln zu Bruch gegangen, worüber Shizuka alles andere als erfreut war, aber wie hieß es so schön? „Scherben bringen Glück." Oder etwa nicht? Bei dem Gedanke musste Kazuha lächeln. Sie wusste, dass Heiji an solche Sprichwörter nicht glaubte und doch spürte sie, dass dieser Tag etwas Besonderes werden würde.

Sie merkte nicht, wie ihr Vater sie beobachtete und sich beim Anblick ihres Lächelns auch seine Gesichtszüge aufhellten. Ja, es würde tatsächlich ein besonderer Abend werden.

Als sie das Grab ihrer Mutter erreichten, standen sie schweigend nebeneinander. Jeder in seinen Gedanken versunken.

Früher hatte Kazuha sich vor diesem Augenblick immer ein wenig gefürchtet. Ihre Erinnerungen an diesen einen Abend würden sie heimsuchen und ihr Tränen in die Augen treiben. Doch diese Zeit war lange her. Sie wusste, dass sie die Vergangenheit nicht ändern konnte und war sich mittlerweile darüber im Klaren, dass ihre Mutter nicht wollen würde, dass ihre einzige Tochter ein Leben in Trauer verbringen würde.

Viel war seither geschehen. Kazuha konnte immer noch nicht glauben, dass sie bald das Ende ihrer Schulzeit erreichen würde. Es war noch ein wenig Zeit, bis sie ihr Abschlusszeugnis erhalten und sich um einen Studiumsplatz bewerben müsste. Ein wenig Zeit. Zu wenig Zeit. Eigentlich wusste sie nicht, was sie tun sollte. Sie konnte in Osaka bleiben und studieren, doch sie ahnte, das Heiji es nach Tokio ziehen würde. Tokios Universität war nicht nur besser ausgestattet, sondern hatte dazu auch noch einen besseren Ruf. Ihre Wege würden sich unweigerlich trennen, wenn sie sich entschied, zu Hause zu bleiben.

Kazuha schüttelte den Kopf, um diese deprimierenden Gedanken zu vertreiben. Weihnachten sollte ein Fest der Liebe sein und sie würde sich wieder einmal zusammenreißen und lächeln, ihre Ängste nicht zeigen, ihr Leiden verbergen. Und warum?

‚Ich wünschte du wärst hier, Mama…'

Weil sie ihn nicht beunruhigen wollte. Er würde anfangen zu grübeln und sie mit Fragen bombardieren. Fragen, auf die sie keine Antwort geben wollte, oder konnte? Sie wusste es nicht, doch sie wusste, dass es in Streit ausarten würde und dem wollte sie wenigstens an diesem speziellen Tag im Jahr aus dem Weg gehen, wie es sich für Weihnachten gehörte, wie es sich für einen Jahresabschluss gehörte.

Sie merkte, wie ihre Augen feucht wurden und kniete nieder. Sie wollte nicht, dass ihr Vater ihren Kummer sah und so holte sie Windlicht und Feuerzeug aus ihrer Tasche und zündete die Kerze an.

Kaum stand sie wieder aufrecht, legte sich ein warmer Arm um ihre Schulter. Als sie aufschaute, sah sie in das Gesicht ihres Vaters, der aufmunternd nickte. Er wusste nicht genau, was in seinem Mädchen vorging, doch sie brauchte jemanden, der ihr den Rücken stärkte. Er konnte es fühlen.

„Wollen wir?"

Ohne ihm zu antworten, blickte sie hinunter auf die Kerze, die im Schutz des Glases ihr Licht verströmte und ihr Herz füllte sich mit Wärme. Weihnachten konnte kommen, sie war bereit.