Viertes Kapitel

Nicht, dass Harry es nicht versucht hätte. Er hatte versucht, aufzuhören, doch es war ihm nicht gelungen. Es war, als stünde er unter einem Imperius-Fluch von der kleinen bösen Kreatur in seinem Kopf, die ihn immer wieder dazu drängte, etwas zu nehmen.
Harry empfand etwas für Ginny, das weit über Freundschaft hinausreichte, das war ihm klar geworden als sie ihn geküsst hatte. Für die kurze Zeit ihres Kusses waren zum ersten Mal seit langer, langer Zeit die furchtbare Traurigkeit und die unendliche Leere aus Harrys Körper verschwunden und hatten einem unglaublichen Glücksgefühl Platz gemacht. Als er wieder Mal auf dem Astronomieturm stand, in die sternenklare Nacht hinausschaute, rauchte, und an diesen Kuss zurück dachte, fiel ihm ein, dass er das Gefühl gar nicht so genau bestimmen konnte.
« Wenn ich es nicht genau definieren kann », dachte er selbstmitleidig « dann muss es wohl Glück sein. »

« Wir haben ein Problem », sagte Hermine.
Sie stand mit Ginny und Ron in der Küche von Harrys Haus, dem Grimmauldplatz Nr. 4. Die Drei hatten dem Orden klargemacht, es gäbe etwas sehr ernstes, worüber sie mit ihnen sprechen müssten.
« Harry », fing Hermine an und machte eine kurze Pause, es fiel ihr schwer es auszusprechen. Außerdem verstärkte dies die dramatische Wirkung des folgenden um ein vielfaches. « ist heroinabhängig ».
Leider hatte ihre Botschaft nicht die erhoffte Wirkung. Alle versammelten Mitglieder des Phönixordens schauten Hermine ratlos an, sie wussten gar nicht, über was sie da eigentlich redete. Bis auf Arthur Weasley und Dumbledore, die beide extrem geschockt aussahen.
« Wie…wie kommt ihr darauf ? », fragte Mr. Weasley ungläubig.
« Wir haben das hier in seinem Koffer gefunden », sagte Ginny und hielt ein kleines Päckchen mit einem weißen Pulver hoch. « Heroin. Ganz klar. », ergänzte Hermine.
« Ist er denn wirklich abhängig ? », fragte nun Dumbledore, der sich bereits gefasst hatte, und die drei dabei eindringlich ansah. Man sah ihm an, dass er höchst besorgt und alarmiert war.
« Er hat sich total verändert. Er ist immer aufgekratzt, verschwindet urplötzlich, und als ich ihn zur Rede gestellt habe, ist er komplett ausgetickt und hat mir wehgetan. », sagte Ginny, deren Mine sich versteinert hatte.
« Könnte uns mal bitte jemand aufklären, über was hier gesprochen wird ? », forderte Mrs. Weasley lauthals.
« Heroin ist eine Droge, Molly…eine Muggeldroge, die schlimmste, die es gibt um genau zu sein. Ohne äußere Hilfe kommt man nicht mehr davon los »
« Aber wieso hat er Ginny wehgetan ? », fragte Lupin sachlich. « Das sieht ihm gar nicht ähnlich ».
« Das ist, was das Heroin aus ihm gemacht hat. Er hat sich nicht mehr unter Kontrolle, er weiß nicht, was er tut und er meint es nicht so. Als er realisierte was er mir angetan hatte, fing er an verzweifelt zu weinen. Er ist absolut am Ende, total verzweifelt », schloss Ginny und fing wieder an zu weinen. Ron war kreidebleich.
« Wir müssen etwas unternehmen », sagte Dumbledore. « Bevor es zu spät ist. »

Aber er versuchte es weiter, schließlich wollte er Ginny etwas beweisen. So lange hatte er es noch nie ausgehalten. Seit dem vorgestrigen Morgen hatte er nichts mehr genommen, und nun war es immerhin schon Abend.
Und er merkte es : Er war dem Imperius Fluch der kleinen Kreatur hilflos ausgesetzt, ihm wurde schlecht, er brach in Schweiß aus, obwohl es doch November war. Sein ganzes Denken war nur noch auf eines fokussiert.
Er stand vom Tisch auf und suchte erst gar nicht mehr nach irgendwelchen sinnlosen Ausreden. Getrieben von dem einzigen Gedanken, der sich in seinem Kopf befand, lief er zum Astronomie-Turm. Schlug die Tür auf, nahm einen Joint aus seiner Tasche und wollte ihn anzünden, doch der zauberstab flog ihm aus den Händen. Überrascht drehte er sich um und sah : Es stand bereits jemand auf dem Astronomie-Turm. Es war...