Huhu, wieder ein Chap :)

eure Sora

-------------------------------

4. Kapitel

Draco war bereits anwesend, als Harry seinen Klassenraum betrat. Er saß an einem zweiten Pult, welches neben seinem eigenen aufgestellt worden war. Der Hauslehrer Gryffindors legte seine Mappe auf den Tisch und atmete einmal tief durch.

"Malfoy, wenn wir das die nächsten drei Monate durchziehen müssen, sollten wir uns wenigstens vor den Schülern friedlich verhalten", sagte Harry und reichte ihm seine Hand. "Waffenstillstand?" Der Blonde betrachtete Harrys Hand mit verengten Augen wie ein lästiges Insekt und dachte scheinbar gar nicht daran darauf einzustimmen.

"Wieso sollte ich, Potter? Außerdem nehme ich ganz sicher nicht deine Hand an. Immerhin hast du meine damals auch ausgeschlagen."

"Oh man, du willst es keinem einfach machen, nicht wahr? Alles was ich will, ist das wir uns nicht beleidigen oder gegenseitig verhexen. Es geht mir hier nicht um eine Freundschaft, sondern lediglich die Beilegung unserer Feindschaft", sagte Harry genervt. Er verstand nicht, dass jemand so nachtragend war. Besonders, da es Draco's eigene Schuld war, dass Harry nicht seine Hand genommen hatte. Er hatte sich damals wie ein verwöhntes Balg verhalten.

"Ja, ja, was auch immer", erwiderte Malfoy nur. Harry konnte seinem Kollegen darauf nichts an den Kopf knallen, da die ersten Schüler aus dem siebten Jahr eintrafen. Eine Gryffindor/Slytherin-Klasse, wohl gemerkt.

"Morgen, Professor", begrüßten ihn viele fast schon kumpelhaft und nickten dann dem kühl wirkenden Hauslehrer Slytherin's zu. Sie ließen sich auf die selbst gewählten Plätze nieder.

"Setzt euch ruhig wie ihr wollt, ich..."

„...setze euch eh um", schloss die ganze Klasse und brachte Harry damit zum Lachen. Wie er sehen konnte saßen sogar ein Slytherin und eine Gryffindor schon neben einander, obwohl... Die Klasse war vollständig und Harry lehnte sich locker gegen sein Pult und ließ seinen Blick über eine seiner Lieblingsklassen fallen.

"Bevor ihr euch zu sehr an eure Tischnachbarn gewöhnt, beginnen wir wohl am besten mit dem Wechsel der Plätze", sagte Harry und sah in die nicht besonders begeisterten Gesichter. "Robertsen/Michals Handers/Landon, Christan/Parili.. . ", begann er und brachte bis zum letzten Namen Unruhe in die Klasse. Besonders drei Schüler beanspruchten einmal wieder seine ganze Aufmerksamkeit.

"Gibt es ein Problem Mr. Robertson, Mr. Michals, Ms. Handers", fragte er und sah wie Marian Handers, eine Gryffindor zwischen ihrem Hauskollegen Galen Michals und dem Slytherin Thomas Robertson stand, als diese sich mit tödlichen Blicken bedachten. Marian und Thomas waren auch diejenigen gewesen, die trotz Rivalität zwischen den Häusern beschlossen hatten gleich neben einander zu sitzen.

"Sie kennen das doch schon, Professor Potter. Sie benehmen sich mal wieder wie Kinder", sagte sie und marschierte zu ihrem zugewiesenen Platz. Die anderen beiden bewegten sich keinen Millimeter.

"Irgendwie erinnert mich das an Zaubertränke und Snape", murmelte Draco hinter ihm, was Harry schmunzeln ließ.

"Prof, kann ich neben Marian sitzen? Sie wissen, dass Michals und ich uns nur verhexen würden. Außerdem ist sie auch eine Gryffindor, somit haben sie doch ihre Hausvermischungen", wand Robertson ein.

"Soll ich den Grund laut sagen, oder respektieren sie meine Entscheidung auch so?" erwiderte Harry nur mit gehobener Augenbraue. Geschlagen setzte sich der Slytherin.

"Was meinen sie damit?", fragte Michals sofort.

"Ich meine damit, dass Mr. Robertson seinen eigenen Kopf zum lernen benutzen soll", sagte Harry. Es war nicht ganz die Wahrheit. Es brauchte nur einen Blick, um zu sehen, dass Robertson und Handers ein Paar waren. Wobei auch die gleichen Ringe an ihren Händen dafür sprachen. "Und jetzt setzen sie sich, ich wollte heute noch mit dem Unterricht beginnen." Stille kehrte in den Raum ein und der Gryffindor setzte sich widerstrebend.

"Sehr gut. Schade nur, dass es jedes Jahr das gleiche ist", sagte er und sah etwas enttäuscht auf den Tisch in der ersten Reihe mit den beiden Unruhestiftern. "Wir werden, wie sie alle sehen können in den nächsten drei Monaten einen Gast haben. Professor Malfoy, der demnächst euch in Zaubertränke unterrichtet, wird mir in der nächsten Zeit assistieren. Und bevor Fragen auftauchen, wieso bei mir und nicht dem neuen Schulleiter, er soll einen kleinen Einblick auf euer Verhalten bekommen. Denn wir alle wissen, dass ihr euch bei Professor Snape wie verängstigte Mäuse verhaltet." Leises Schnauben und Proteste waren zu hören, aber innerlich gaben ihm sicher alle recht.

"Ich habe hier", er holte ein paar Pergamente aus seiner Tasche und hielt sie hoch. "etwas, was einigen von euch nicht gefallen wird. Ich weiß, dass die meisten von euch im Sommer oder vorher Siebzehn geworden sind und nun auch außerhalb der Schule zaubern dürfen. Was ihr leider nicht wisst ist, dass das Ministerium bis zur Beendigung eurer Ausbildung alle eure Zauber aufzeichnet. Und diese habe ich mir besorgt." Ein Stöhnen war zu hören und zwei Köpfe knallten geräuschvoll auf die Tische. Harry war nicht überrascht, dass es sich dabei um die beiden Streithähne handelte.

"Dürfen sie das überhaupt, Professor", fragte eine Slytherin.

"Sie sind für jeden einsehbar, der weiß, wo er fragen muss. Ich war von einigen enttäuscht, als ich sah zu was ihre neue Freiheit eingesetzt wurde. Ich muss keine Namen erwähnen, wenn ich von einem Duell mitten in der Winkelgasse spreche. Das testen ihrer Fähigkeiten meine Herren", er sah bedeutungsvoll zu Michals und Robertson. "ist ja nichts schlechtes. Aber den Einsatz von einem Kitzel- oder Wabbelbeinfluch empfinde ich doch als Beleidigung. Sie haben so viel besseres bei mir gelernt. Was sie aber nun nicht als Einladung für ein neues Duell nehmen sollten, jedenfalls nicht ohne einen unparteiischen Lehrer dabei. Melden sie sich bei mir, wenn sie ihre Kräfte ein weiteres Mal testen wollen", sagte Harry und wand sich von den beiden Kontrahenten ab. "Ansonsten war ich positiv überrascht, wie viele von ihnen vergangene oder neue Zauber geübt haben. Ich hoffe nur, Ms. Christian, dass sie sich dieses Jahr nicht bei mir langweilen, denn sie haben den größten Teil des Buches schon selbst erarbeitet", sagte Harry und schaute lächelnd zu einem schüchternen braunhaarigen Mädchen aus Slytherin.

"Nein Professor, ihr Unterricht war noch nie langweilig", erwiderte sie aufrichtig.

"Viele Siliencium- und Zauber für das Verschließen von Türen und Zimmern wurden verwendet, worauf ich aber nicht näher eingehen werden (rot angelaufene Köpfe senkten sich) und ein paar hübsche Flüche von Mr. Warden", er sah auffordernd zu dem rothaarigen Gryffindor.

"Meine Schwester hat mich genervt", sagte dieser nur.

"Danach konnte ich aber keine Aktivitäten in der Zauberei mehr von ihnen feststellen", bohrte Harry weiter.

"Meine Mutter hat mir meinen Stab zur Strafe abgenommen", gab dieser murrend zu und erntete ein paar Lacher.

"Na dann, hatten sie sicher Zeit ihre schriftliche Arbeit über die Sommerferien zu erledigen", sagte Harry. "Sie können sie gleich bei ihren Mitschülern einsammeln."

Wenig später lag auf seinem Pult ein dicker Stapel an Pergamenten und Harry begann den eigentlich Unterricht für den Tag. Draco beteiligte sich nicht. Alles, was er tat war das stumme beobachten der Schüler und Harrys Verhalten. Das Klingelzeichen zum Ende der Stunde erschallte und Harry setzte sich zum ersten Mal hinter sein Pult.

"Mr. Robertson, Ms. Handers, bleiben sie bitte noch kurz hier", bat er die beiden Schüler. Diese nickten ihm zu und Harry wartete bis alle anderen den Raum verlassen hatten. Ansonsten war nur noch Draco anwesend, der unbeteiligt aus dem Fenster schaute.

"Habe ich richtig gesehen und sie haben sich verlobt?" Fragte Harry. Eine rotgesichtige Marian nickte. "Na dann, herzlichen Glückwunsch. Ich bin froh, dass trotz Hausrivalitäten die Liebe noch eine Chance hat."

"Ja, aber es darf niemand erfahren. Unsere Häuser benehmen sich derzeit sowieso schon wieder unmöglich. Tom und ich haben schon alles versucht, aber man spricht gegen Wände. Die Slytherin's sind so stur", sagte Marian und erntete einen Knuff in die Seite.

"Ihr wisst beide, dass es dabei nicht allein um deren Verhalten ging. Die Gryffs sind genauso uneinsichtig", gab Harry zu bedenken und nahm eine Bewegung von Draco aus den Augenwinkeln wahr. "Die Toleranz beider Häuser gegenüber dem anderen ist nicht einmal ansatzweise vorhanden, was wirklich traurig ist. Unnötigerweise vergleicht man Slytherin's zu oft mit Schwarzmagiern. Lasst mich euch sagen, dass das Unsinn ist. Ich habe im Krieg Seite an Seite mit einigen Slytherin's gegen ehemalige Mitglieder meines Hauses gekämpft. Nicht das Haus bestimmt eure Charaktere, sondern jeder für sich selbst. Entscheidungen bestimmen unser Leben."

"Das sagen sie so leicht. Bei ihnen war immer klar, dass sie zu der weißen Seite gehören", sagte Thomas schnaubend.

"Oh bitte, wer erzählt das denn? Der Hut wollte mich nach Slytherin stecken, in meinem zweiten Jahr hielt man mich für den Erben Salazars, weil ich ein Parselmund bin und sprechen wir nicht von anderen Zeiten, in denen ich wie ein Aussätziger behandelt wurde. Wie gesagt, Entscheidungen und Handlungen bestimmen unser Leben und nicht das Haus."

"Harry Potter ein Slytherin", kam es von Draco. "Und wieso bist du dann nach Gryffindor?" Beide Schüler stimmten der Frage zu.

"Unterschiedliche Gründe. Ich war gerade Elf Jahre und wusste nichts von der Zauberei, ehe Rubeus Hagrid vor mir stand. Er war der damalige Hüter der Schlüssel von Hogwarts", erklärte er den Siebzehnjährigen. "Er teilte die Ansicht, dass Slytherin's böse sind und dann begegnete mir ein Junge, der genau das werden wollte und vor mir damit angab wie stolz er auf sein reines Blut war. Natürlich waren seiner Meinung nach Halbblüter und Muggelgeborene es nicht wert, unterrichtet zu werden und er verspottete die, die erst beim Empfang des Schulbriefes von der Zauberwelt erfuhren." Er sah bei den Worten nicht zu Draco, wusste aber, dass dieser sich wiedererkannte. "Also tat ich das, was mir am sinnvollsten schien, ich beschwor den Hut mich nicht nach Slytherin zu schicken. Ich kann nicht sagen, dass ich es bereue oder das es das Richtige war. Denn vielleicht wäre ich ebenso zufrieden dort geworden wie in Gryffindor." schloss er und scheuchte seine Schüler in die nächste Stunde, da die ersten Fünftklässler für ihren Verteidigung gegen die Dunklen Künste-Stunde erschienen.

Der Unterricht der Hufflepuffs/Ravenclaws des fünften Jahres war schnell und ohne Probleme verlaufen und Harry packte seine Sachen zusammen, um zum Mittag zu gehen.

"Du bist wegen mir nicht nach Stytherin", sagte Draco ohne jegliche Emotion. Auch in dieser Stunde hatte er nichts gesagt und nur zugesehen, wie Harry mit der Klasse agierte. Harry betrachtete ihn überrascht.

"Nicht wirklich, aber du warst einer der Hauptgründe. Hilfreich war auch, dass Voldemort einer gewesen war und ich wusste, dass mein erster Freund sicher in Gryffindor landen würde", erwiderte Harry schulterzuckend.

"Und es ist alles wahr, was du den beiden erzählt hast?"

"Natürlich, ich lüge meine Schüler nicht an. Was bringt ihnen das auch. Ich wurde in meinem Leben oft genug belogen, und niemals kam etwas gutes dabei heraus."

"Ich soll also glauben, dass Harry Potter nichts von sich und seinen Eltern wusste, bis er elf wurde?" schnarrte Draco.

"Ich zwinge dich nicht, aber es ist die Wahrheit. Ich bin bei meiner Tante, die Schwester meiner Mutter, und ihrer Familie aufgewachsen. Sie waren Muggel und hassten die Zauberei. Demnach erzählten mir sie nichts davon, in der Hoffnung ich würde niemals etwas mit Magie zu tun haben. Sie sagten mir sogar, meine Eltern seien bei einem Autounfall ums Leben gekommen und daher hätte ich auch meine Narbe." Das Gespräch mit Snape fiel Harry wieder ein und er verhielt sich freundlich gegenüber dem ehemaligen Slytherin.

"Du wurdest sicher trotzdem auf Händen getragen."

"Auf Händen getragen? Ich wäre schon froh, wenn ich nicht die abgetragene Kleidung meines fetten Cousins bekommen hätte. Sieh es endlich ein, Draco, ich bin nicht das, was ihr alle gesehen habt. Ich habe bis zum Eintreffen des Briefes in einem Schrank unter der Treppe zusammen mit Spinnen geschlafen, meine Geschenke zu Weihnachten waren alte, kaputte Socken und mein Geburtstag wurde ignoriert, ich habe die Hausarbeit übernehmen müssen, während mein Cousin sich fett gefressen hat, derselbe Cousin, der meine damaligen Mitschüler an der Muggelschule drohte sich mit mir anzufreunden und mich, wenn er konnte verprügelte. Natürlich ohne von seinen Eltern bestraft zu werden. Ron war und ist mein allererster Freund gewesen und du kannst dir nun sicherlich vorstellen, wieso ich deine Hand nicht genommen habe. Und bevor du damit anfängst, ich sage das nicht, um Mitleid von irgend jemanden zu bekommen. Ich bin stolz, was aus mir geworden ist und noch stolzer darauf, dass meine Tochter ein besseres Leben bekommt", sagte Harry und wollte den Raum verlassen.

"Es tut mir leid", kam es hinter ihm und er drehte sich blitzschnell um.

"Was hast du gesagt?" Fragte er ungläubig.

"Ich sagte, dass es mir leid tut", wiederholte Draco schon fast patzig.

"Ich verstehe nicht, was tut dir leid? Du kannst nichts für meine Verwandten."

"Das meinte ich auch nicht. Ich meinte mein Verhalten. Aber du musst auch verstehen, dass ich nur das Produkt meiner Eltern und deren Erziehung bin", erwiderte Draco und wirkte verschüchtert.

"Das habe ich auch nie bezweifelt. Ich habe deinen Vater kennen gelernt. Ich kannte zwar nicht deine Mutter, aber ich wusste, dass er ein Mann war, der großen Einfluss auf andere ausüben konnte."

"Du hast meinen Vater getötet." Es war keine Frage, sondern eine Feststellung und kein Hass lag in ihr.

"Es tut mir leid für den Menschen, den du als Vater hast, aber nicht um Lucius Malfoy, wie ich ihn kannte. Ich handelte aus Notwehr und hätte ich es nicht getan, wäre Blaise Zabini tot", sagte Harry sanft.

"Zabini war auf deiner Seite?"

"Ja, wir sind noch immer befreundet. So befreundet wie man mit einem sexsüchtigen Verrückten sein konnte. Aber in letzter Zeit sehen wir uns immer seltener. Er hat Pansy Parkinson geheiratet und sie und ich geraten ständig aneinander."

"Kann ich mir vorstellen. Pansy hat dich gehasst. Wo war sie während der letzten Schlacht?"

"Im St. Mungos. Sie hat eine Woche vorher in einem Kampf schwere Verbrennungen davon getragen. Man kann noch immer Spuren davon in ihrem Gesicht sehen", sagte Harry.

"Ich hätte nicht gedacht, dass sie kämpft. Sie ist der Gewalt immer aus dem Weg gegangen, wenn sie konnte", sagte Draco nachdenklich. Beide schritten nun in Richtung große Halle.

"Wir hatten alle keine Wahl und keiner von beiden wollte so wie Crabbe enden", sagte Harry. Er sprach weiter, als er Draco's fragendes Gesicht sah. "Crabbe hat das Mal angenommen, aber war nicht fähig den Todesfluch zu sprechen. Er wurde von seinem Vater getötet. Goyle hat kurz danach Selbstmord begangen. In seinem Abschiedsbrief stand, dass er das gleiche Schicksal befürchtete und er nicht seinen mordenden Vater zum Schluss sehen wollte."

"Was ist mit den anderen aus meinem Jahr?" Fragte Draco.

"Bulstrode und zwei weitere Jungen wurden Todesser, Nott blieb neutral, wie er meinte und der Rest schloss sich Blaise und Pansy an. Ich denke, sie brauchten nur eine Führung. Jemand der ihnen zeigte, dass es auch einen anderen Weg gab. Aber auch Vertrauen von den anderen Häusern war wichtig."

"Wie habt ihr das geschafft? Niemand hat unserem Haus zugetraut gegen den Dunklen Lord zu kämpfen."

"Hermine", antwortete Harry mit einem Lächeln. "Sie hat die Warnungen des Hutes und Dumbledore's ernst genommen über die Einigkeit und Zusammenschluss aller. Noch als du da warst, hat sie versucht Allianzen in deinem Haus zu schließen. Es war nicht einfach und Mia musste sich einiges anhören, als sie das ansprach. Aber letztendlich hat jeder eingesehen, was für ein Gewinn in deinem Haus steckte." Sie betraten die Halle und waren so in ihrem Gespräch vertieft, dass sie nicht auf die erstaunten Blicke achteten.

"Wo ist eigentlich deine Tochter?" Fragte Draco, als sie sich auf ihre Plätze setzten. Der Stuhl von Lily war leer und auch kein Gedeck stand für sie bereit.

"Sie beginnt heute mit der Schule. Es gibt eine in Hogsmaede, damit die Kinder schreiben, lesen und rechnen erlernen. Hat mich heute morgen damit in den Wahnsinn getrieben", erzählte Harry grinsend.

"Was ist mit ihrer Mutter?" Mit einem Mal wurde Harrys Gesicht verschlossen.

"Sei mir nicht böse, aber ich möchte nicht darüber sprechen." Draco nickte und sie begannen mit dem Mittag. Der Schwarzhaarige konnte es nicht fassen, dass er soeben ein friedliches Gespräch mit seinem alten Schulrivalen geführt hatte. Es war angenehm gewesen, aber dennoch schmerzhaft für ihn. Er spürte, dass die Gefühle für ihn noch lange nicht begraben galten. Er liebte ihn, wenn nicht sogar noch mehr, als damals. Aber konnte ihn der andere auch lieben? Glauben daran konnte er nicht. Vielleicht konnten sie wenigstens Freunde werden. Nur was war mit Lily? Hatte sie nicht ein Recht darauf ihren anderen Vater zu kennen? Bis jetzt war er bei diesem Thema ihren Fragen jedes Mal ausgewichen, aber sobald sie etwas älter war, würde er es nicht mehr können. Schließlich beschloss er für sich selbst, dass er Draco weiterhin beobachten würde und es von seinem Verhalten abhängig machte.

Plötzlich wurde die Tür aufgestoßen, und ein schwarzhaariges Mädchen lief auf den Tisch zu. Überrascht sah Harry sie an und schaute dann auf seine Uhr. Verwirrt sah er sie an, als sie auf einmal neben ihm Platz nahm.

"Sag mal, Fräulein, was machst du denn schon hier?" Fragte er. Große Augen blickten ihn an.

"Aber Daddy, ich habe Schulschluss", erwiderte sie. "Und Dobby hat mich abgeholt. Außerdem wollte ich nicht mit denen zu Mittag essen. Wieso muss ich das überhaupt, wenn ich doch danach eh keine Stunden habe. Die anderen Kinder haben mich auch so komisch angesehen, als ich meinen Namen gesagt habe. Wahrscheinlich hätten sie mich beim Essen nur wieder über dich ausgefragt und das kann ich nicht leiden."

"Ach Lils, du sollst doch Freunde dort finden."

"Aber ich habe doch hier genug Freunde. Ich kenne sogar schon ein paar aus dem ersten Jahr", sagte sie. Ein Gedeck erschien vor ihr, und sie füllte sich umständig etwas Kartoffeln und viel Soße auf.

"Liliana..."

"Ja, ich weiß. Du brauchst auch welche in deinem Alter!" sagte sie mit tiefer Stimme. "Aber die können alle nicht zaubern, und mir keine Tricks zeigen. Alles was sie können ist mit Spielzeugzauberstäben herum fuchteln."

"Deine Tochter kann schon richtig zaubern? Hast du ihr einen Zauberstab gekauft? Das ist doch nach den Gesetzen des Ministeriums nicht erlaubt", mischte sich Draco ein. Lily antwortete für ihren Vater.

"Ich brauche keinen Stab, genauso wie Daddy. Ich habe wilde Magie, sagt jedenfalls Opa Albus und wenn ich mich ganz doll konzentriere kann ich richtig zaubern. Soll ich das ihnen mal zeigen?" Fragte sie eifrig.

"Nicht jetzt und erst recht nicht in der Halle, junge Dame. Auch sollst du nicht zaubern, wenn ich oder ein Erwachsener bei dir ist. Ich möchte gar nicht wissen, was dir meine Schüler schon wieder beigebracht haben", belehrte Harry sie. Der rote Mund verzog sich zu einer Flunsch.

"Dein Dad hat recht, Liliana. Als ich klein war, habe ich meine Nanny mal stumm gezaubert, weil sie mir Vorschriften machen wollte. Es dauerte drei Wochen bis sie wieder ein Wort sprechen konnte", erzählte Draco ihr. Harry dachte, die Welt würde untergehen. Draco Malfoy, der Slytherinprinz und sein Schulfeind hatte ihm soeben recht gegeben.

"Echt? Ich habe als ich fünf war meinen Kinderbesen so verzaubert, dass ich so hoch wie Daddy fliegen konnte. Seitdem fliegt immer einer neben mir mit. Denn damals war nur Tante Mia dabei und sie mag das fliegen nicht. Alle hatten natürlich Angst ich würde runter fallen, aber mir ist nichts passiert. Bin im Sturzflug runter und hatte nicht eine Schramme", erzählte sie ganz stolz.

"Genau, und Hermine weigert sich, seit dem mit dir auf das Quidditchfeld zu gehen", fügte Harry trocken hinzu. Ein Blick zu Draco ließ ihm das Herz in die Hose fahren. Der Blonde lachte offen und befreit. Seine Augen glänzten und sein Gesicht wirkte warm und freundlich. Nichts erinnerte an den Jungen, den er kannte. Harry wagte einen Blick zu Snape, in dessen Augen soviel Erleichterung und Dankbarkeit für Harry lag.

"Bei wem darf ich heute Nachmittag bleiben, Dad? Tante Mia sagt, dass sie keine Zeit für mich hat, da ihre siebte Klasse einen Test schreibt und Opa Albus und Tante Minny sind nicht mehr da. Kann ich bei dir bleiben?" Fragte sie hoffnungsvoll.

"Ich kann doch auf sie aufpassen, während du unterrichtest", bot Draco an, was Lily lächeln ließ.

"Au ja, Professor Malfoy", sagte sie und blickte bettelnd zu Harry. "Bitte Daddy, ich bin auch ganz lieb und zaubere nicht. Ich schwöre auf alle meine Scherzartikel von Onkel Fred und George."

"Na dann muss es dir ja ernst sein", war Harrys einziger Kommentar und nickt ihr als Zustimmung zu.

tbc.