Huhu ihr Lieben,
und auch heir ein neues Kapitel.
Eure Sora
5. Kapitel
Lily hielt auch ihr Versprechen. Sie malte an Harrys Pult, während Draco auf sie aufpasste und sich zwischendurch Notizen machte. Die restlichen Stunden verliefen ohne Probleme und am Ende erhielten Draco und Harry jeweils ein farbenreiches Bild von dem kleinen Mädchen, bevor beide Männer nach draußen gezerrt wurden.
"Ich weiß, dass du die Frage wahrscheinlich nicht gern beantworten wirst, aber ist sie adoptiert?" Fragte Draco. Beide beobachteten wie sie über die Wiese zu ein paar Schülern lief.
"Nein, sie ist meine", sagte Harry nur.
"Du hast sie ausgetragen, oder?" stocherte er weiter.
"Ich wüßte nicht, dass dich das etwas angeht", fuhr ihn Harry an.
"Normalerweise nichts, aber sie hat die Augen meiner Familie", sagte er und hielt Harry fest, als dieser ihn einfach stehen lassen wollte. "Sie ist meine Tochter, oder?" Draco's Stimme zitterten bei den Worten.
"Selbst wenn es so wäre, hast du keine Rechte an ihr. Du hast mir unmissverständlich erklärt, dass ich dir egal bin und dir diese Sexaffäre nichts bedeutet hat. Es war eher eine Auszeichnung für dich mit dem Jungen-der-lebt geschlafen zu haben", sagte Harry und riss sich los. Wenig später schritt er an ihm vorbei mit einer protestierenden Lily auf dem Arm.
Harry hatte eine Entscheidung getroffen, nur war er sich nicht sicher, ob sie richtig war. Alles was er wusste war, dass er es endlich tun musste. Seit Wochen schon ließ er Lily nicht aus den Augen, lenkte sie ab, wenn Draco in der Nähe war und zerrte sie schon fast von ihm, wenn er sah, dass die beiden sprachen. Die Quittung dafür bekam er täglich von seiner Tochter. Sie schmollte, maulte und wurde oft immer einsilbiger ihm gegenüber. Draco dagegen hatte in seiner Gegenwart wieder die kalte Maske aufgesetzt. Doch ab und zu konnte Harry die Enttäuschung in seinen Augen entdecken, wenn er ihm seine Tochter entzog. Und Snape? Harry wich seinem Vorgesetzten einfach aus.
Aber heute morgen war es vorbei gewesen. Harry weckte seine Tochter wie immer und fand bei ihr im Bett ein Kuscheltier in Form eines grünsilbernen Drachen. Natürlich war sofort klar, von wem sie es gehabt hatte. Ängstlich, seine Tochter zu verlieren, hatte er ihn ihr abgenommen und dann ansehen müssen wie sie anfing zu weinen. War ihm etwa nicht klar gewesen, wie sehr er seiner Tochter mit seinem unmöglichen Verhalten verletzen konnte, fragte er sich und schloss sie in seine Arme, nachdem er ihr das Geschenk von Draco wiedergab.
"Süße, was hältst du davon, wenn wir beide heute schwänzen und nach Hogsmaede gehen?", fragte er sie. Die silbernen Augen glitzerten feucht, als sie ihn ungläubig anblickte.
"Aber es ist Freitag und du bestehst doch immer darauf, dass ich in die Schule muss, um zu lernen", sagte sie etwas schniefend.
"Das tue ich auch immer noch, aber wir machen beide heute einen Vater-Tochter-Tag, weil ich dir was wichtiges erzählen muss", erklärte er ihr. "Mach dich fertig, mein Schatz. Ich schicke eine Eule an deine Lehrerin und kümmere mich um meinen Unterricht." Sie nickte und sprang schon fast aus dem Bett.
Harry hatte gerade seine Eule angeschickt und war auf dem Weg zu den Räumlichkeiten einer bestimmten Person. Vor dem Eingang hing ein großes Portrait. Ein weißer Drache und eine hübsche junge Frau waren darauf zu sehen. Beide scheinen noch zu schlafen, so dass Harry fast vorsichtig gegen das Portrait klopfte. Auf dem Bild war nun etwa Rauch aus den Nüstern des Drachen zu sehen, aber beide schliefen weiter. Im nächsten Moment war sein Blick auf die beiden Gestalten auch schon vorbei, denn der Eingang öffnete sich und Draco stand vor ihm. Er war bis auf seine Robe fertig angezogen, so dass Harry seinen gut gebauten Körper wunderbar sehen konnte. Er trug eine enge schwarze Hose und ein grünes Shirt.
"Morgen Potter, wie komme ich zu der ehre? Willst du mir vorschreiben, dass ich von unserer Tochter mindestens hundert Meter entfernt bleibe oder mir lieber gleich den Vorschlag machen doch einen anderen Job zu suchen?" wurde er kühl empfangen, aber Harry überging es.
"Ich wollte dich bitten, heute den Unterricht zu übernehmen. Lily und ich müssen ein längst überfälliges Gespräch führen", sagte er.
"Oh, und was soll das sein? Halte dich von dem bösen Malfoy fern?"
"Nein, ein der-'böse Malfoy'-ist-dein-Vater-Gespräch", sagte Harry sanft. Erst war Schock, dann Überraschung und schließlich Dankbarkeit in Draco's Gesicht abzulesen.
"Danke, Harry. Du weißt nicht, was mir das bedeutet", sagte der Slytherin und gebrauchte zum ersten Mal Harrys Vornamen.
"Nein, wahrscheinlich weiß ich das nicht. Nur schwöre ich dir, solltest du ihr weh tun, bringe ich dich um. Das ist mir Askaban alle mal wert", sagte Harry und ging.
In seinen Räumen saß Lily fertig angezogen bereits etwas hibbelig auf der Couch. Sie wusste zwar nicht, wieso ihr Vater sie heute von der Schule nahm, aber wenn er das schon tat, dann musste es um etwas großes gehen.
Wenig später wanderten sie zu zweit durch Hogsmaede und hielten erst an einer Wiese an. Harry zauberte eine Bank und ließ sich darauf mit ihr nieder. Lily spürte wohl, dass ihr Daddy aufgewühlt war und kuschelte sich auf seinen Schoß.
"Du hast mich doch schon ganz oft nach deiner Mama gefragt", begann Harry.
"Mmh, aber du hast mir nichts von ihr erzählt. Ist sie im Himmel, wie der Papa von Susa?" Fragte sie. Susa war eine Erstklässlerin aus Hogwarts, mit der sich Lily vor ein paar Wochen angefreundet hatte und seitdem so oft wie möglich zusammen war.
"Nein, Schatz. Du hast keine Mama", erwiderte er.
"Aber aus welchem Bauch bin ich den gekommen? Tante Fleur hat Brianne aus ihrem Bauch bekommen und irgendwo komme ich doch her, oder? Eine aus meiner Klasse sagt, wir kommen vom Klapperstorch, aber das ist Unsinn!"
"Du kommst aus meinem Bauch", sagte Harry und sie sah ihn mit großen Augen an. Schnell erklärte er weiter: "Ganz selten kommt es vor, daß auch Papas Babys bekommen. Das Baby hat dann nicht eine Mama und einen Papa, sondern zwei Papas."
"Also habe ich noch einen Daddy?" Fragte sie aufgeregt. "Aber wieso war er dann nicht bei uns? Ist er im Himmel?"
"Das ist nicht einfach zu erklären, meine Süße. Dein Papa und ich waren nur kurz ein... Paar und haben uns dann getrennt. Bevor ich erfahren habe, das ich dich bekommen würde, war er schon ganz weit weg und keiner konnte ihn mehr erreichen."
"Und jetzt?" Fragte sie, und ihre silbernen Augen blickten tief in seine smaragdgrünen.
"Habe ich dir je erzählt, dass wenn immer ich deine Augen sehe, daß ich an deinen anderen Papa denken muss?" fragte er sie. Ihre Frage hatte er gar nicht gehört.
"E-er hat meine Augen?"
"Ja", sagte er einfach.
"Professor Malfoy ist mein Papa? Aber wieso bist du denn so böse, wenn ich mit ihm rede, oder daß er mir meinen Drachen geschenkt hat?" Fest drückte er sie an sich.
"Weil ich ein Dummkopf und Angsthase bin. Ich habe Angst, daß du lieber bei deinem Papa bleiben möchtest und nicht bei mir."
"W-wenn d-du w-willst, sprech ich nie wieder mit Professor Malfoy", sagte sie mit hängendem Kopf. Harry hob ihr Kinn an und küsste sie auf die Stirn.
"Das sollst du nicht. Wenn du deinen Papa kennen lernen willst, dann tu das. Du kannst sogar etwas mit ihm unternehmen. Nur bitte sag mir Bescheid, wo ich dich finden kann, okay?" Freudig fiel sie ihm um den Hals.
"Meinst du, er mag mich? Weiß er, wer ich bin? Können wir auch zusammen was unternehmen?..." ein knurrender Magen unterbrach ihren nicht abreißenden Strom an Fragen. Was Harry natürlich erinnerte, daß sie beide noch nichts zum Frühstück gegessen hatten. Was sie natürlich gleich in den Drei Besen nachholten.
Bis zum frühen Nachmittag blieben sie in Hogsmaede und wanderten durch die Geschäfte. Lily wollte unbedingt für ihren Papa ein Geschenk kaufen. Immerhin hatte sie erst einen tollen Drachen von ihm erhalten. Schließlich wurde der Honigtopf geplündert, und Lily trug stolz eine Packung feinster dunkler Schokolade auf dem Weg zurück nach Hogwarts vor sich her.
"Was hältst du davon, wenn du den Nachmittag über bei Draco bleibst?" Fragte er sie. Begeistert nickte sie und drückte die Schokolade noch dichter an ihre Brust. Harry befürchtete schon, daß sie schmelzen würde.
"Au ja, kommst du mit? Wir können zusammen was spielen", erklärte sie begeistert.
"Sorry, Schatz. Ich wollte noch zu deiner Tante Mia", lehnte er ab. Das ganze hatte zwei Gründe, erstens wollte er Draco etwas Zeit alleine mit ihr geben und zweitens, ertrug er es nicht die beiden zusammen zu sehen. Zu dritt würden sie auch viel zu sehr wie eine richtige Familie wirken. Eine Familie, die es für Harry nie geben würde. Draco war, ist und würde immer unerreichbar für ihn sein. Außerdem brauchte er jetzt einfach Hermine und sei es nur, um sich endlich alles von der Seele zu reden.
Die Unterrichtsstunden waren beendet, als sie die Tore des Schlosses durchquerten und Harry fand Draco im Klassenraum. Dieser biss nervös auf seiner Feder herum und strich sich immer wieder durch die Haare.
Lily lief sofort auf ihn zu und stellte sich vor sein Pult. Harry konnte selbst von der Tür aus die Angst in den Augen des Blonden erkennen, als sie hoch sah.
"Daddy sagt, sie sind mein Papa", sagte sie.
"Ja", erwiderte der Blonde. Harry konnte seine Stimme kaum verstehen.
"Und er meint, daß sie mich mögen und auch mein Papa sein wollen." Draco nickte nur. "Ich darf auch heute Nachmittag bei ihnen bleiben, wenn sie möchten." Der ehemalige Slytherin schaute kurz zu Harry und als der nickte, stimmte er ihr erfreut zu.
"Ich denke, dein Papa hat nichts dagegen, wenn du ihn duzt oder mit Papa ansprichst", sagte Harry und verabschiedete sich von beiden. Er wusste nicht wie er zu den Räumlichkeiten von Hermine gelangte, aber als er ihr gegenüberstand, viel er ihr geradezu weinend in die Arme.
Eine Stunde später hatte sie auch das letzte Detail seiner Zeit mit Draco erfahren und sie tröstete ihn sanft.
"Ich war so dumm, oder? Wie konnte ich auch nur in Erwägung ziehen, daß er sich jemals in mich verlieben könnte. Allein diese dumme... ich weiß noch nicht einmal was ich mit ihm hatte", sagte er und trocknete sich mit einem Taschentuch von Hermine das Gesicht.
"Aber meinst du nicht, daß er auch etwas für dich empfunden haben musste? Immerhin habt ihr nicht nur einmal miteinander geschlafen, sondern es ging über mehrere Wochen", bemerkte sie.
"Das dachte ich auch, aber inzwischen ist mir klar, daß er mich damit bestimmt nur brechen wollte. Es war nichts mehr als ein Spiel für ihn. Oder vielleicht war ich nur eine perfekte Ablenkung vom Schulleben."
"Ja, aber wieso dann du? Er hätte jeden und jede haben können. Du kanntest doch seinen Ruf. Wieso nicht einmal mit dir ins Bett und dann die oder der nächste?"
"Meinst du nicht, daß ich darüber nachgedacht habe und alle möglichen Theorien in meinem Kopf herum schwirrten? Aber du warst nicht dabei, als er sich 'verabschiedete'. Hast nicht den Hass und Spott in seinen Augen gesehen. Weißt du wie sehr ich mir wünsche, daß seine Augen nur einmal so warm für mich blicken, wie wenn er mit Lily zusammen ist? Ich verfolge das seit Wochen. Wenn Lily nicht wäre, ich..." er stockte.
"Denke so etwas nicht einmal! Das machst du nicht ein zweites Mal mit mir und Ran. Harry, wir haben dich gefunden und es war das Schlimmste, was ich mir vorstellen konnte", sagte sie und Tränen traten in ihre braunen Augen. "Außerdem hast du uns geschworen, erst zu uns zu kommen und mit uns zu reden."
"Ich weiß. Kannst du Lily später von Draco abholen? Ich glaube es wird zu viel, wenn ich sie heute noch einmal zusammen sehe", bat er sie und lehnte sich schwer an ihre Schulter.
"Natürlich. Du solltest ein wenig schlafen. Ich lass dir später was in deine Räume zum Abendessen bringen", sagte sie und er nickte müde. Wenig später schlief er auf ihrem Sofa, zugedeckt von einer warmen und weichen Baumwolldecke.
tbc.
