Kapitel 7 für den treuen Leser und für die Schwarzleser (Jaah, ich weiß inzwischen ganz sicher, dass es welche gibt und wäre sehr dankbar, wenn sie ein klitzekleines Toll, wenn es euch gefälltoder auch Scheiße, falls es euch nicht gefällt, schreiben würden)!

Disclamer: Nichts gehört mir außer vielleicht der Handlung. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld.

Kapitel 7: Die Frage

HERMINE:

Ich ließ mir den Gedanken, Seamus tatsächlich zu fragen, ob er mit mir nach Hogsmeade gehen würde, tausend Mal durch den Kopf gehen. Und immer wieder stellte ich mir die Frage: Soll ich oder soll ich nicht?

Beim Mittagessen saßen Harry, Ron und ich so weit wie möglich voneinander entfernt. Es war noch nie so gewesen, dass wir drei wirklich zerstritten waren, mal abgesehen von Ron und Harry. Aber wir alle drei?

"Hallo!", riss mich plötzlich eine Stimme aus meinen Gedanken. Es war Ron.

"Hallo!" Verlegen und immer noch etwas sauer starrte ich auf mein Essen. Ich hatte nur ein bisschen darin herumgestochert. Ich hatte keinen Hunger. Erst die Sache mit Seamus und Ginny, dann der Streit mit Ron und Harry und ich hatte mich tatsächlich auch noch bei Lavender ausgeheult. Aber bisher schien es mir so, als ob sie das, was ich ihr erzählt hatte, tatsächlich für sich behalten hatte. Niemand guckte mich komisch an und Ginny grüßte mich, wie immer.

"Ich… ähm… ich wollte…", stotterte Ron.

"Setz dich doch!", seufzte ich.

Ron ließ sich ungeschickt neben mich fallen. Eine Weile sagte er gar nichts. Als er dann aber doch begann zu sprechen, hielt er den Blick starr auf den Tisch gerichtet. "Hermine, ich wollte dir sagen, dass es mir Leid tut. Unsere Streit und… die Dinge, die ich zu dir gesagt habe."

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ja, mir tut es auch Leid? Oder: Okay, Entschuldigung angenommen? All das erschien mir irgendwie…. unpassend und deswegen sagte ich erst einmal gar nichts.

"Bist du noch sauer?", fragte Ron irgendwann unsicher.

"Nein… ähm… ist schon okay."

Ron atmete erleichtert auf. "Gut", sagte er, "Ich… ähm.. Geh dann mal." Er flüchtete regelrecht vom Tisch und ich saß wieder alleine da.

Ob er sich auch diese Frage gestellt hatte: Soll ich oder soll ich nicht? Wenn ja, dann hatte er sich für das Soll ich entschieden. Er hatte sich bei mir entschuldigt. In diesem Moment beschloss ich, mich ebenfalls für das Soll ich zu entscheiden. Wenn Ron sich bei mir entschuldigen konnte, dann konnte ich Seamus auch fragen, ob er mit mir nach Hogsmeade gehen würde.

Als ich vor der Kerkertür stand, um meine Strafe gleich abzusitzen und wieder einmal Bücher zu sortieren, war ich mir der Sache nicht mehr so sicher. Und als Seamus den Gang entlangkam und ebenfalls auf Snape wartete, den dieser musste uns ja die Tür zu dem Raum aufschließen, war ich mir sicher, dass ich mich nicht trauen würde. Das könnte ich niemals!

Es herrschte eine merkwürdige Stimmung zwischen Seamus und mir. Keiner sagte etwas und wir sortierten stillschweigend die Bücher ein, genau wie beim ersten Mal. Aber da war Seamus viel… lockerer, unbeschwerter. Er war gelangweilt vom Bücher einsortieren. Heute war es eine andere Stille. Vielleicht machte er sich um irgendetwas Sorgen… Er wirkte nicht gerade wie ein Frischverliebter.

Quatsch, fuhr eine Stimme in meinem Kopf dazwischen. Du machst dir nur wieder Hoffnungen. Lass es sein! Er ist in Ginny verliebt, basta!

"Und? Wie fandest du die Disco gestern?", fragte ich um die Stille zu durchbrechen.

"Ähm… ja, gut.", antwortete er.

"Bist du jetzt mit Ginny zusammen?" Ich hätte mir am liebsten auf die Zunge gebissen und sofort den ganzen Satz wieder zurückgenommen. Wie konnte ich ihn nur so etwas fragen?

"Mhm." Mehr sagte er nicht.

"Schön."

"Mhm."

Ich soll nicht! Er wird sicher nicht mit mir nach Hogsmeade gehen, wenn er gerade mit Ginny zusammen gekommen ist. Er wird mit ihr gehen.

Die nächsten Tage gingen dahin. Wir wurden am Donnerstagabend fertig. Alle Bücher waren eingeräumt und waren dort, wo Snape sie haben wollte.

"Endlich!", atmete Seamus auf, als das letzte Buch im Regal stand. "Endlich kann ich meine Abende auch mal anders verbringen als nur mit Büchern!"

Unfreiwillig schoss mir durch den Kopf, was er an den Abenden dann wohl machen würde. Mit Ginny… Chähäm! Ich war froh, dass Seamus meine Gedanken nicht lesen konnte. Warum musste ich ausgerechnet an ihn und Ginny denken im… Bett? Ich schüttelte das Bild vor meinen geistigen Augen schnell ab.

Dafür schoss mir plötzlich das Ich soll! Durch den Kopf und bevor ich wieder richtig klar denken konnte, fragte ich Seamus: "Möchtest du vielleicht mit Harry, Ron und mir nach Hogsmeade kommen? Du könntest Ginny mitbringen und… wir könnten in den Drei Besen ein Butterbier trinken gehen…"

Seamus wurde rot. "Ich.. Ich kann nicht. Ich-"

"Versteh schon. Du willst mit Ginny allein sein.", schnitt ich ihm schnell das Wort ab.

"Ich gehe gar nicht nach Hogsmeade."

"Oh. Ach so. Okay." Log er mich an oder ging er wirklich nicht nach Hogsmeade? Ginny hatte mir schließlich im Laufe der Woche gesagt, sie freue sich schon auf Hogsmeade, woraus ich schloss, dass sie nach Hogsmeade ging. Warum Seamus nicht?

Ich war immer noch völlig verwirrt als Snape kam und uns zähneknirschend sagte, die Strafe sei nun vorbei.

Im Laufe der Woche hatten Ron, Harry und ich uns übrigens wieder vertragen. Ich war froh, beim Essen nicht mehr alleine sitzen zu müssen und jemanden außer Lavender zum Reden zu haben. Auch wenn sie ihren Mund gehalten hatte, was das Seamus-mit-Ginny-Problem anging. Und dafür war ich ihr wirklich dankbar.

SEAMUS:

Ich hasste Minusgradstimmungen! Mit wem, außer Dean, sollte ich denn dann rumhängen? Neville? Danke, nein! Eigentlich hatte ich ja nichts gegen ihn, aber seine Trotteligkeit ging mir echt auf die Nerven. Und Ginny konnte auch nicht jede Pause mit mir verbringen, schließlich hatte sie ja auch ihre Freundinnen. Deshalb beschloss ich nach einem Tag Stillschweigens zwischen mir und Dean mit ihm zu reden. So konnte es schließlich nicht weitergehen. Neville oder das Alleinsein waren nun wirklich kein Ersatz für ihn!

In der Pause ging ich hinüber zu Dean.

"Hi!"

"Hallo!" Dean schaute mich nicht an sondern blickte stur auf den Boden. Der Ich-guck-dich-nicht-an-du-bist-doof-Wettbewerb, oder was machte er da? Okay, vielleicht dachte er ja so etwas in der Art gerade in diesem Augenblick! Trotzdem: In diesem Moment nervte es mich so sehr, dass ich ihn wütend anfauchte: "Mensch, jetzt guck mich doch mal an, wenn ich mit dir rede!"

Trotzig schaute er mich an. Wie ein kleines Kind! Ich meine, warum war er eigentlich sauer? Bloß weil ich gesagt hatte, dass er mit der Hart-wie-ein-Brett-Frisur kein Mädchen rumkriegt und schon gar nicht, wenn sie ihm durch die Haare streichen will? Deswegen konnte man doch nicht so lange schmollen. Dean anscheinend schon!

"Was willst du?", fragte Dean, genauso trotzig wie er guckte.

"Ich wollte mich eigentlich bei dir entschuldigen!"

"Ach!"

"Ja, ach!", äffte ich ihn nach. "Ich hab keinen Bock mehr darauf!"

"Worauf?"

"Auf diese ganze…." Ich suchte nach Worten, die einigermaßen vernünftig klangen und trotzdem gut die Situation beschrieben. Dazu sollte es mal ein Lexikon geben: Wörter, die jede Situation beschreiben und trotzdem anständig und nett und höflich klingen. Gab's leider nicht.

"Auf diese ganze was?"

"Auf diese ganze Scheiße! Ich hab doch nur gesagt-"

"Schon okay!", unterbrach er mich. "Ich hab da auch keinen Bock mehr drauf!"

War das jetzt gut oder schlecht, fragte ich mich, als er schwieg. Was würde er nun sagen? Okay, lass uns wieder Freunde sein! oder Ich hab keinen Bock mehr auf dich, am besten, ich such mir einen anderen Freund!

"Lass uns die Sache einfach vergessen, okay?"

"Gut!", atmete ich auf. "Dann ist ja jetzt wieder alles im Lot!"

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Mit Ginny lief alles bestens: Wir aßen zusammen Mittag (Dean war auch des Öfteren dabei), wir spielten Schach und lagen am See in der Sonne. Wir kuschelten und knutschten und eigentlich wäre alles perfekt gewesen, wenn nicht ständig Hermine dazwischengefunkt hätte.

Sie tauchte plötzlich einfach in meinen Gedanken auf. Einige werden jetzt sicherlich sagen: „Klarer Fall, er ist in sie verliebt!" Quatsch, war ich nicht. Obwohl ich zugeben muss, dass ich mir darüber schon mal Gedanken gemacht hatte: Was wäre, wenn ich wirklich in sie verliebt wäre und so… Nur zum Spaß, versteht sich.

Auch als Hermine und ich mal wieder beim Nachsitzen die Bücher sortierten, grübelte ich darüber nach. Über Hermine und Ginny. Es war recht merkwürdig über sie nachzudenken und sie dabei neben sich zu haben.

Manchmal schaute ich Hermine aus den Augenwinkeln an. Ich mochte ihre Wimpern, ihre Augen und die vereinzelten Sommersprossen auf der Nase. Wenn ich es so recht bedachte, war Hermine eigentlich ganz hübsch.

"Und? Wie fandest du die Disco gestern?", fragte sie mich irgendwann...

Ich musste an den Blick denken. Ihren Blick. Wie sie mich angeschaut hatte, als sie mich mit Ginny gesehen hatte. Für sie schien die Disco ja nicht so gut gelaufen zu sein. Ich wollte ihr auch nicht von Ginny vorschwärmen, weshalb ich nur sagte: „Ähm… ja, gut."

"Bist du jetzt mit Ginny zusammen?" Aus dem Nichts heraus stellte sie mir diese Frage. Warum fragte sie mich so etwas?

"Mhm." Ich war völlig verwirrt und wusste nicht, was ich sonst hätte sagen sollen.

"Schön."

"Mhm."

Und als wäre diese Frage, ob Ginny und ich zusammen wären, nicht schon komisch genug, fragte sie mich tatsächlich, ob ich mit ihr und Harry und Ron nach Hogsmeade gehen wollte. Sie war wirklich die ultimative Ich-stell-dir-Fragen-die-dich-völlig-verwirren-du-bei-denen-du-keine-Ahnung-hast-was-du-sagen-sollst-Fragestellerin!

Wenn ich ehrlich war, hatte ich einfach keine Lust, mit ihr nach Hogsmeade zu gehen. Ich wollte allein sein mit Ginny. Aber das musste ich ihr ja nicht so direkt sagen, schließlich war ich ein echter Gentleman!

„Ich.. Ich kann nicht. Ich-", stotterte ich blöd rum. Klasse, Hermine musste mich für den größten Idiot überhaupt halten! Moment mal! Seit wann war es mir wichtig, was sie über mich dachte?

„Versteh schon. Du willst mit Ginny allein sein.", sagte sie schnell und schaute auf den Boden. Richtig!, hätte ich am liebsten geschrieen, aber ich wollte sie nicht so vor den Kopf stoßen und weil mir, so auf die Schnelle, nichts Besseres einfiel, behauptete ich einfach: „Ich gehe gar nicht nach Hogsmeade."

Danke, Gehirn! Wieso hatte ich ausgerechnet dich abgekriegt, das blödeste Gehirn überhaupt? Jetzt musste ich mich in Hogsmeade vor ihr verstecken, wenn sie nicht für ewig glauben sollte, dass ich ein Lügner war! Stopp, jetzt machte ich mir schon wieder darüber Gedanken, was Hermine über mich dachte und denken könnte. Ich hatte wirklich das blödeste aller Gehirne abgekriegt!