Und wieder ein neues Kapitel! Ich flehe dieses Mal keinen um Reviews an und ich verkneife mir auch zu sagen, dass das eigentlich ein bisschen unhöflich ist (keines zu schreiben) und so weiter und so fort... Ich wünsche euch dieses Mal einfach nur viel Spaß mit dem neuen Kapitel!
9. Kapitel: Gespräche
HERMINE:
Ich hatte gar nichts zu Ginny gesagt. Kein Ton, kein Sterbenswörtchen. Ich fürchtete, dass ich viel zu verliebt in Seamus war, um ihn auffliegen zu lassen. Mann, hatte es mich erwischt!
Trotzdem gab es am Morgen des nächsten Tages gleich eine gute Neuigkeit.
„Sie haben ihn! Besser gesagt: Sie!", jubelte Ron, der sich sofort meinen Tagespropheten geschnappt hatte, bevor ich überhaupt einen Blick auf die Titelseite werfen konnte.
„Wen?", fragte Harry verschlafen.
„Den Todesser! Die Todesserin! Bellatrix Lestrange!"
Harry verschluckte sich an seinem Kürbissaft und hustete erst einmal einige Minuten lang, bevor er ungläubig fragen konnte: „Bellatrix? Sie haben Bellatrix?"
„Zeig her!" Ich riss ihm die Zeitung aus der Hand und starrte auf die Überschrift: Todesser in Hogsmeade gefasst
„Fantastisch!", raunte ich leise.
„Was ist fantastisch?", fragte plötzlich jemand.
Ich drehte mich um und vor mir stand ein junger Mann, den ich auf etwa Mitte zwanzig schätzte. Blonde Haare, knallblaue Augen. Er sah wirklich gut aus.
Aus den Augenwinkeln bemerkte ich, wie nicht nur Ron und Harry, sondern auch Lavender und Parvarti mich und den Mann beobachteten. Offensichtlich hatten sie Gefallen an ihm gefunden.
„Der Todesser...", begann ich zu erklären, als mir Ron ins Wort fiel: „Die Todesserin!"
Genervt verdrehte ich die Augen. „Gut, die Todesserin die gestern in Hogsmeade gesehen worden ist, wurde gefasst."
„Das ist wahrhaftig fantastisch. Hoffentlich bleibt sie nicht die Einzige. Ich bin übrigens Gray –Professor Niles Gray. Euer neuer Lehrer für Astronomie. Professor Sinistra wird Hogwarts heute verlassen."
„Stimmt!" Harry schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. „Das hätte ich fast vergessen!"
Gray lächelte, belustigt darüber, wie schnell die Schüler ihre Lehrer vergaßen, noch bevor sie richtig gegangen waren. „Nun denn, man sieht sich!"
„Er sieht himmlisch aus!", hörte ich Lavender ein paar Plätze weiter seufzen.
Nicht himmlischer als Seamus, dachte ich. Seamus sah einfach göttlich aus! Auch wenn er Ginny betrog. Mit mir. Auch wenn es nur ein Kuss war. Das schlechte Gewissen, verdrängt durch die gute Nachricht und das unerwartete Auftauchen des neuen Lehrers, kehrte zurück.
Und natürlich genau in diesem Moment, dem unpassendsten aller unpassendsten Momente, kam Seamus mit Ginny an den Tisch.
„Hi!" Ginny winkte uns zu. Ihr Freund vermied es mich anzusehen.
„Ähm... Seamus?", sprach Ron ihn an. „Könnte ich dich mal kurz etwas fragen? Unter vier Augen?"
Ich stand auf und verließ den Tisch.
Sollte ich beleidigt oder froh sein, dass Seamus weder mit mir gesprochen, noch mich angeguckt hatte? Immerhin hatten wir uns geküsst! Vielleicht wollte er mir damit ja ein eindeutiges Zeichen geben: Der Kuss war nur ein Versehen, du bedeutest mir nichts und bitte störe mein Glück mit Ginny nicht, indem du ihr alles erzählst! Andererseits: Wie konnte man jemanden aus Versehen küssen?
Der Rest des Tages verlief recht ereignislos: Ich machte Hausaufgaben, war dabei, als Professor Sinistra uns endgültig verließ und ging mit Harry und Ron hinunter zum See. Ich versuchte alles Mögliche, um mich von Seamus abzulenken. Trotzdem passierte es immer wieder, dass meine Gedanken abschweiften und jemand erst „HERMINE!" brüllen musste, um mich wieder in die Realität zurückzuholen.
„HERMINE!", brüllte da jemand in mein Ohr.
Ich schreckte hoch. „Was?"
Ginny stand neben mir.
Draußen war inzwischen die Dämmerung hereingebrochen. Ich saß im Gemeinschaftsraum der Gryffindors und vor mir lag der halbfertige Aufsatz für Kräuterkunde. Halbfertig nur. Seamus lenkte mich ständig ab. In Gedanken nur, natürlich.
„Willkommen in der Gegenwart! Ich wollte mit dir über--- über ein Problem reden."
„Setz dich!"
„Können wir nicht lieber nach oben gehen? In den Schlafsaal?"
„Gut!"
Ich packte also schnell meine Schulbücher und den Aufsatz in meine Tasche und ging mit Ginny die Treppe hoch, in den Schlafsaal.
Wir setzten uns auf mein Himmelbett und Ginny zögerte eine Weile, ehe sie sagte: „Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll... Ich... also... es geht um Seamus."
NEIN, dachte ich nur. Alles, wirklich alles, nur bitte nicht Seamus. Ich behielt meine Gedanken allerdings für mich und irgendwie war ich es ihr ja auch schuldig –das Zuhören, meine ich jetzt. Wegen dem Kuss, von dem ich ihr nicht erzählt hatte, wie es eigentlich meine Pflicht als ihre Freundin war.
„Was ist passiert?", fragte ich also nur.
„Er... er ist in letzter Zeit so... merkwürdig. Er ist so... nachdenklich und oft kommt es mir so vor, als ob er nicht bei der Sache wäre. Er.. gestern... gestern beim.." Ginny wurde rot.
Verschone mich! Sag mir nicht, wobei! Ich will nichts aus eurem Liebesleben hören!
„Beim.. was?" Sei tapfer! Sei eine gute Freundin!, beschwörte ich mich selber.
„Beim Küssen..."
Ich atmete erleichtert auf. Nur beim Küssen.
„Er hat sich plötzlich ruckartig aufgesetzt und wollte mir nicht sagen, was los war. Und... es gibt öfter solche Situationen. Solche Situationen, in denen er mir nicht sagt, was los ist. Ich... ich weiß einfach nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich habe das Gefühl, er verheimlicht mir etwas."
Die Schuldgefühle waren heftiger als jemals zuvor. Und plötzlich wünschte ich, es hätte den Kuss nie gegeben. Ich wünschte mir, ich hätte mich niemals in Seamus verliebt. Es machte mich krank! Ginny war verzweifelt. Und es war alles meine Schuld. Oder? Dass Seamus so nachdenklich war, musste ja eigentlich nicht an mir liegen. Nein, das lag bestimmt nicht an mir. Also hatte ich eigentlich keine Schuld an Ginnys Schicksal. Was für ein Wirrwarr von Gedanken!
„Ja, das... das scheint so. Es scheint so, als ob er dir etwas verheimlicht." Ich hatte gerade nur das gesagt, was Ginny selbst schon wusste: Er verheimlichte ihr etwas! Nur die Tatsache, dass er mich gestern geküsst hatte. Oder noch mehr?
„Was soll ich tun?", riss mich Ginnys Stimme aus meinen Gedanken.
„Mit ihm reden?"
Rons Schwester schnaubte verächtlich. „Glaubst du, das habe ich nicht schon versucht?"
„Konnte ich ja nicht wissen.", murmelte ich.
„Schon okay. Tut mir Leid, du kannst schließlich nichts dafür."
Doch, das konnte ich.
Nicht nur Ginny musste sich dringend mit Seamus aussprechen. Auch ich. Und ich würde das tun, schwor ich mir. Morgen. Oder übermorgen. Oder überübermorgen. Oder gar nicht. Doch, ich würde es tun. Aber heute nicht mehr. Erst einmal musste ich das Gespräch mit Ginny verdauen. Und meinen Aufsatz fertig schreiben.
SEAMUS:
Als ich am nächsten Tag aufwachte, konnte ich gar nicht richtig glauben, was passiert war. Es schien so weit weg zu sein wie der Mond von der Erde. Oder so ähnlich. Die ganzen gestrigen Ereignisse. Das Ereignis. Und das Eingeständnis. Alles schien weit, weit weg. Als ich an Hermine dachte, spürte ich wieder das Kribbeln im Bauch. War wohl doch nicht alles ganz weit weg.
Ginny wartete im Gemeinschaftsraum auf mich, damit wir zusammen frühstücken konnten. Ich traute mich gar nicht so richtig, sie anzuschauen, im Anbetracht der Tatsache, dass ich eine Andere geküsst und mich Hals über Kopf in sie verliebt hatte.
Sobald wir in der Großen Halle waren, steuerte Ginny auch schon Hermine und co an, Windmühle inklusive.
Ich vermied es, Hermine anzusehen. Ich würde nur rot dabei werden. Nachher passierte noch irgendetwas Peinliches. Vor Ginny.
Was sollte ich mit Ginny machen? Eigentlich lag die Lösung auf der Hand. Klar wie Kloßbrühe. Wohl eher wie Glas, aber gut. Auf jeden Fall war die einzig richtige Lösung, sich von Ginny zu trennen. Aber wie sollte ich das machen? Wie sollte ich ihr erklären, warum ich mich von ihr trennen wollte?
„Ähm... Seamus?", riss mich da eine Stimme aus meinen Gedanken. Es war Ron. „Könnte ich dich mal kurz etwas fragen? Unter vier Augen?"
Das war der Moment, in dem Hermine aufstand und den Tisch verließ. Ich schaute ihr lange nach und hoffte, dass niemand es bemerkte.
„Ähm, klar. Klar.", antwortete ich Ron etwas abwesend.
Wir gingen nach durch die Große Halle, dann durch die Eingangshalle und standen schließlich draußen.
„Also, die Sache ist die", begann Ron. Er wirkte ziemlich nervös. Hatte wohl zu viel Kaffee getrunken.
„Ich... Ich bin da in ein Mädchen verliebt. Und... ich weiß einfach nicht, wie ich sie auf mich aufmerksam machen kann und so. Verstehst du?" Rot wie ein Heuler schaute er mich verlegen an.
„Na ja..." Irgendwie war ich ziemlich überrumpelt worden. Ich hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass Ron mich um einen Rat fragte, was ein Mädchen betraf. „Kommt darauf an, was für ein Typ dieses Mädchen ist.", sagte ich ausweichend.
„Es ist... Schwöre, dass du es niemandem erzählst!"
„Ich schwöre –Ehrenwort!", fügte ich hinzu, als Weasley mich zweifelnd ansah.
Ron holte einmal tief Luft und sagte dann schnell: „Esisthermine!"
Scheiße!, dachte ich. Scheiße, Scheiße, Scheiße! Was sollte ich denn jetzt machen? Und warum fragte er nicht Harry?
„Warum fragst du eigentlich nicht Harry?"
„Harry soll es nicht wissen. Ist mir irgendwie... äh... peinlich..." Wenn Ron wirklich mit Hermine zusammenkäme, würde er es eh erfahren. Natürlich war ich so taktvoll und band ihm das nicht auf die Nase.
„Außerdem kennst du dich doch ´n bisschen besser aus als er, oder? Mit Frauen und so... Was soll ich tun?"
Ich wollte auf keinen Fall, dass Ron und Hermine sich verliebten, ich wollte, dass Hermine mit mir zusammenkam, nachdem ich mit Ginny Schluss gemacht hätte.
Ja, ich gab's endlich zu: Ich war in Hermine verknallt! Alle, die dies schon vor geraumer Zeit behauptet hatten, hatten Recht. Ja, ja...
Auf jeden Fall musste ich Ron jetzt irgendetwas erzählen, durfte ihm aber keinen meiner Supertipps geben, sonst wäre Hermine schneller vergeben als ich... als ich... die Sache mit Ginny beenden könnte, ja, das war ein gutes Beispiel!
Ich erzählte Ron irgendetwas von wegen: „Du musst einfach nett zu ihr sein... Ihr streitet euch doch so oft... Geb ihr Recht... Zeig ihr, dass ihr auch Gemeinsamkeiten habt..."
Ron saugte alles in sich auf und nahm die Hilfe, die eigentlich gar keine war, das hoffte ich jedenfalls mal, dankbar an.
Als wir wieder zurück in die Große Halle kamen, saßen nur noch ein paar vereinzelte Schüler an ihren Haustischen. Darunter natürlich auch Ginny. Sie hatte eine Schüssel Cornflakes mit Milch für mich aufbewahrt.
„Danke!", sagte ich und vergaß ganz meinen Ich-bin-so-unwiderstehlich-und-dir-so-dankbar-Blick aufzusetzen.
Ich schaufelte das Essen in mich hinein, als gäbe es keinen Morgen. Ginny beobachtete mich. Wahrscheinlich wirkte ich nicht gerade appetitlich und irgendwie wie ein Gentleman, der wusste, wie man sich benahm.
„Seamus, was ist los?", fragte sie nach einigen Minuten des Schaufelns. Ernst sah sie aus.
„Nichts."
„Du kannst mir doch nicht erzählen, das nichts ist!", rief sie auf einmal und funkelte mich zornig an. Ich konnte sie ja verstehen.
„Was soll los sein?" Mann, sie sollte aufhören zu nerven! Ich war beim Essen! Und beim Ausreden suchen.
„Das frage ich dich! Hast du Sorgen?"
Ich schüttelte heftig den Kopf.
Richtig traurig sah sie aus. Mann, ich wollte sie nicht verletzten, auch wenn das jetzt die Gelegenheit wäre. Die Gelegenheit, um ihr zu sagen, dass es Aus ist. Leider war sie zu nett. Nett war sie ja. Hätte nicht alles auf platonischer Ebene bleiben können? Hätte sie mich damals nicht einfach abweisen können? Nach dem Motto Wir sind Freunde und nicht mehr!
Und dann stand Ginny auf und verließ die Große Halle. Mit hängenden Schultern ging sie hinaus. Ich machte sie jetzt schon unglücklich. Noch bevor ich das Beil niedersausen ließ.
„Probleme, junger Mann?" Ein Kerl um die fünfundzwanzig rum, blond, blauäugig und vermutlich auch noch blöd, ließ sich neben mir nieder und versuchte, ganz besonders verständnisvoll und mitleidig auszusehen. Was war das denn für ´n Frosch?
„Nö!" Betont lässig.
„Das hat aber eben ganz anders ausgesehen."
„Beobachten Sie immer andere Menschen? Haben Sie nichts Besseres zu tun?"
„So etwas wie Astronomie unterrichten zum Beispiel?"
Verdutzt sah ich ihn an. Konnte der Kerl mal Klartext reden? Was wollte er von mir?
„Professor Niles Gray, neuer Astronomielehrer!", stellte er sich vor. Au Backe! Ich würde in Astronomie nur noch schlechte Noten kriegen, wenn der Typ, ähm, der neue Lehrer, meinte ich natürlich, nachtragend war. So wie ich den angeschnauzt hatte!
Am späten Nachmittag machte Professor Sinistra endgültig den Abgang. Viele Schüler standen in der Eingangshalle und sahen zu, wie sie unter Tränen Professor Dumbledore und das ganze Lehrerkollegium umarmte, mit Ausnahme von Snape, der sich nicht zum herzzereißenden Schluchzen und aneinanderdrücken herabließ.
Danach lächelte sie noch einmal tapfer in die Runde und dann... dann fiel die Tür endgültig hinter ihr zu. Für immer. Oh Gott, was redete ich da für melancholisches Zeug?
Reden tat ich mit Ginny auf jeden Fall nicht mehr. Den ganzen restlichen Tag sah ich sie nicht mehr. Vielleicht hatte sie ja schon gecheckt, das ich nichts mehr von ihr wollte. Auf jeden Fall musste ich es ihr selbst noch sagen. Natürlich nicht so grob, aber ich musste. Leider. Angenehm würde das mit Sicherheit nicht werden.
