Ich weiß, dass das vorige Kapitel erst vor ein paar Tagen rausgekommen ist, aber Sunny921 (Huhu ihrzuwink) hat mich gebeten, dass nächste Kapitel noch in den Herbstferien rauszubringen und deswegen tu ich das einfach mal...
Disclamer: Alles gehört Joanne K. Rowling außer die Handlung, die hab ich selbst zusammengesetzt. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld.
Viel Spaß!
Kapitel 10: Es beginnt und es endet
HERMINE:
Ich nahm mir vor, am Abend mit Seamus zu reden. So konnte ich mich ein wenig auf das Gespräch einstellen. Und es war weiter weg. Ich wusste ja auch, dass man Sachen nicht ewig vor sich herschieben sollte, aber es würde schon schwer genug werden. Alles. Der ganze Tag. Er begann schon merkwürdig.
Ich kam in die Große Halle zum Frühstücken. Ron saß schon am Tisch, obwohl es noch recht früh war. Harry schien noch nicht da zu sein.
Ron strahlte über das ganze Gesicht, als er mich kommen sah. „Hallo, Hermine!"
„Guten Morgen, Ron!", begrüßte ich ihn ebenfalls, verwundert, dass er schon so früh auf den Beinen war.
„Komm, setzt dich!" Ich wies ihn nicht darauf hin, dass ich mich ohnehin, auch ohne seine Aufforderung, an den Tisch gesetzt hätte.
„Willst du nichts essen?", fragte ich ihn, als ich mein Toast mit Butter beschmierte, während er mir nur dabei zuguckte.
„Ich hab schon!", sagte er ungewohnt gut gelaunt. „Ich lese lieber etwas." Und damit holte er sein Exemplar von Kunst der Verwandlung aus der Tasche.
Ich konnte einfach nicht mehr an mich halten und prustete los. Seit wann las Ron Bücher? Und das auch noch mit so viel Freude?
„Was ist?", fragte er stirnrunzelnd.
„Du liest freiwillig? Das kann ich einfach nicht glauben. Wer hat dich dazu gezwungen?"
Verlegen starrte Ron auf den Boden. Schnell steckte er das Buch zurück in seine Schultasche.
Rons merkwürdiges Verhalten fiel nicht nur mir auf. Nachdem er darauf bestanden hatte, meine Tasche von Zauberkunst zu Verteidigung gegen die dunklen Künste zu tragen, fragte auch Harry ihn, was bloß los sei.
„Ich trage ihr doch nur die Tasche. Was ist falsch daran?", erklärte Ron.
„Falsch? Ich habe nicht gesagt, dass es falsch ist.", meinte Harry. „Es ist nur komisch, weil du das sonst nie tust."
„Ich habe mich eben geändert.", sagte Ron achselzuckend.
„Von einen auf den anderen Tag?"
Wieder zuckte Ron mit den Achseln.
„Verstehst du das?", wandte sich Harry an mich.
„Ähm... Nein. Nicht so ganz.", antwortete ich ehrlich.
Der „alte" Ron hätte jetzt wahrscheinlich mit einem lauten Knall die Tasche abgestellt und hitzig gesagt: „Dann trag deine Tasche doch alleine, wenn es dir nicht passt, dass ich mal so nett bin und das für dich mache!" Der alte Ron wäre gar nicht auf solche Ideen gekommen. Der neue Ron jedoch verkniff sich jeden Kommentar und lächelte nur gezwungen.
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Ich hatte mir ganz fest vorgenommen, mit Seamus zu sprechen. Meine Beine waren weich wie Wackelpudding, als ich auf ihn zuging um das zu tun.
Er saß allein in einer Ecke und starrte in das Feuer, das im Kamin brannte. Er wirkte ziemlich einsam.
„Seamus, ich muss mit dir reden." Angestrengt starrte ich auf den Boden. Wenn ich ihn angucken würde, müsste ich nur rot werden. Ich wollte mir jegliche Peinlichkeit ersparen, auch wenn das bei dem Gesprächsthema, dass ich anschlagen wollte, schier unmöglich war.
„Okay", sagte Seamus.
Ich ließ mich in den Sessel neben ihn sinken. Ich musste unheimlich plump und dumm auf ihn wirken. Oh, ich wünschte, ich wäre nicht zu ihm gegangen!
„Es... es geht um..." Ich spürte, wie ich knallrot anlief und mir unsagbar heiß wurde.
„Den Kuss?", half Seamus und ich sah, wie auch er ziemlich rot anlief.
Ich nickte, erleichtert, dass auch Seamus das Thema nicht so angenehm war, sondern ebenfalls ziemlich peinlich.
Ich erzählte Ginnys Freund von dem Gespräch mit seiner Freundin und dass ich ein wahnsinnig schlechtes Gewissen hatte und fand, dass er endlich normal mit Ginny sprechen sollte.
„Der Kuss kann meinetwegen unter uns bleiben, aber... rede doch wieder normal mit ihr. Oder mach Schluss, wenn du nicht mehr mit ihr zusammen sein willst.", beendete ich meine Geschichte.
„Ich habe schon mit Ginny Schluss gemacht", sagte Seamus zu meiner Verblüffung, „hat sie dir das nicht erzählt?"
Damit, dass dieser Fall eintreten würde, hatte ich nicht gerechnet. „Weshalb hast du mit ihr Schluss gemacht?", fragte ich prompt, ohne irgendwie nachzudenken, dass er darüber vielleicht nicht unbedingt mit mir sprechen wollte. Und: Wieso hatte mir Ginny das denn nicht erzählt?
Er schaute mich nicht an, als er sagte: „Weil ich mich in ein anderes Mädchen verliebt habe."
Das hätte ich mir denken können. Vielleicht... Mein Herz klopfte laut. Vielleicht war er ja in mich...?
„Natürlich nicht in dich!", sagte Seamus da schnell, als hätte er meine Gedanken gelesen.
„Natürlich nicht!" Ich zwang mich ihm ein nettes Lächeln zu schenken. Wahrscheinlich sah es eher wie eine Grimasse aus. Meine ganze Hoffnung verpuffte, platzte, wie eine Seifenblase.
„Ich muss noch Hausaufgaben machen!", benutzte ich seine Ausrede. Das war das, was er zu mir gesagt hatte. Nach dem Kuss. Aber jetzt war alles vorbei. Warum er mich geküsst hatte, wusste ich immer noch nicht. Aber jetzt traute ich mich erst recht nicht mehr, ihn danach zu fragen. Nachdem er mir direkt gesagt hatte, dass er nicht in mich verliebt war.
Müde kehrte ich in meinen Schlafsaal.
„Hermine, du hast Post!", empfing Lavender mich. „Liegt auf deinem Bett. Eine Eule ist gekommen und hat mit ihrem Schnabel fast das Fenster kaputtgemacht." Sie deutete auf das Fenster, als wüsste ich nicht, wo es war.
„Ja, und dann habe ich das Fenster aufgemacht und die Eule ließ eine Pergamentrolle auf den Boden fallen. Steht dein Name drauf.", erzählte mir Parvarti aufgeregt den Rest der Story.
Wer sollte mir schreiben?, fragte ich mich. Hagrid vielleicht, überlegte ich. Das war zumindestens eine Möglichkeit.
Die Schrift war zweifellos so krakelig, dass der Brief ohne weiteres von Hagrid kommen könnte, doch als ich das Pergament aufrollte und den Inhalt las, war ich mir sicher: Dieser Brief konnte nicht von Hagrid sein.
Trotzdem: Ich wusste, wer diesen Brief geschrieben hatte. Zu oft hatte ich Aufsätze in dieser Schrift korrigiert. In Rons Schrift. Und da der Brief auch noch von ihm unterschrieben worden war, gab es keine Zweifel mehr.
Und dieser Brief erklärte, warum Ron heute so nett gewesen war. Warum er mir die Tasche getragen hatte, warum er vor meinen Augen ein Buch las und warum er mir den ganzen Tag nie widersprochen hatte.
Ron hatte einen Liebesbrief an mich geschrieben. Ron war in mich verliebt.
Na bravo, dachte ich nur. Ron war in mich verliebt, ich und Ginny waren in Seamus verliebt, der wiederum in ein anderes Mädchen verliebt war. Und dann war Ginny aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen auch noch wütend auf mich, sonst hätte sie mir doch erzählt, dass es aus war zwischen ihr und Seamus. Was für ein Chaos!
SEAMUS:
Als ich die Große Halle betrat, suchte ich als erstes nach Hermine. Sie war nicht da, vermutlich hatte sie schon gefrühstückt. Danach fiel mein Blick selbstverständlich auf meine aktuelle Freundin, Ginny, die man, dank ihres Haares, sofort in der Menge erkannte.
Ich setzte mich, als hätten wir uns nie gestritten, neben sie.
„Guten Morgen, Ginny!", begrüßte ich sie und war wieder ganz der Gentleman.
„Seamus, versuche es nicht erst. Ich weiß schon, was los ist."
„Was?" Das konnte nicht sein! Woher sollte sie es wissen?
„Du bist nicht mehr in mich verliebt, oder?" Ginny sah mich an und ihre Augen schwammen in Tränen.
Mir war die Situation ziemlich unangenehm, was verständlich war, nehme ich an. Mir war so heiß, als wäre ich in der Wüste und nicht in einer Zauberschule in Großbritannien.
„Ähm...", stammelte ich blöd rum. Wenn Ginny jetzt Hermine wäre, nein, umgekehrt, wenn Hermine jetzt Ginny wäre... Auch egal. Ich meine, wenn da jetzt Hermine und nicht Ginny sitzen würde, wäre mir dieses Rumgestammel ziemlich peinlich. Aber in diesem Moment war es mir egal. Und das war der beste Beweis. Der beste Beweis, dass ich wirklich nicht mehr in Ginny verliebt war.
„Nein", sagte ich schließlich kleinlaut. Es war die Wahrheit, hab Gnade, Ginny!
„Ich wusste es.", schluchzte Ginny. „Ich habe dich beobachtet. Du..."
Musste sie jetzt rumheulen? Ich war ja eigentlich sehr auf Frauen eingestellt und sehr sensibel und würde sie eigentlich trösten, wenn... wenn die Umstände nur nicht so... so wären.
„Du bist in Hermine verliebt, stimmt's?", fragte sie leise.
„Woher weißt du das?", fragte ich sie völlig verblüfft. Jetzt war ich aber echt baff! Konnte sie Gedanken lesen? Oh ja, das musste es sein. Irgendein Lehrer hatte so etwas neulich erwählt, irgendwie so etwas wie... Legilimentik... Okklumentik... Lagellemontik... irgendwie so.
„Du... Es... Es ist die Art, wie du sie ansiehst. Wie dein Blick durch den Raum huscht und sie sucht. Er bleibt immer an ihr hängen. Ich habe es gesehen.", erklärte sie und es klang richtig anklagend.
„Als du mich beobachtest hast?", fragte ich vorsichtig nach.
Sie nickte.
Stille herrschte zwischen uns. Und nun? Es war alles gesagt. So ein Gespräch schlauchte ganz schön. Und dabei war der Tag noch nicht mal halb rum.
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Der Unterricht des neuen Astronomielehrers war okay. Eigentlich machte er nicht viel anders als Professor Sinistra, trotzdem lobte der Großteil der Mädchen diesen Kerl, äh, Lehrer in den Himmel. Immer wenn Gray irgendetwas sagte, kicherten alle Mädchen, sie nickten eifrig mit den Köpfen und mindestens eine von ihnen sagte immer so etwas wie: „Wow, es ist echt der Wahnsinn, wie viel Sie wissen! Toll!"
Mann, ging mir das auf die Nerven! Und nicht nur mir: Auch Dean nervte es gewaltig.
„Oh Gott, Lavender sabbert gleich auf den Boden, so geil ist die!", flüsterte er, so dass alle im Umkreis es hören konnten. Na ja, zumindestens die Jungs hörten es, die Mädels achteten nur auf Gray.
Und als dann tatsächlich ein Spuckefaden aus Lavenders Mund hing, lachten wir uns alle tot. Unweigerlich zogen wir alle Aufmerksamkeit auf uns. Natürlich fragte ausgerechnet Lavender, was denn los sei, und wir lachten nur noch mehr.
Parvarti schien irgendwann zu checken, worüber wir lachten und wies ihre Freundin ganz „diskret" darauf hin („Lavender!", sagte sie aus dem Mundwinkel. „Da hängt was! Da! An deinem Mund!").
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Als Hermine abends mit mir reden wollte, dachte ich als erstes, sie hätte rausgefunden, dass ich Ron geraten hatte, sich so zu benehmen. Den ganzen Tag über hatte ich beobachtet, wie Ron ihr die Tasche getragen und immer freundlich gelächelt hatte. Es war so idiotisch, Hermine durfte sich einfach nicht in ihn verknallen!
„Seamus, ich muss mit dir reden.", sagte Hermine. Sie schaute mich nicht an.
„Okay", meinte ich nur. Sehr lässig.
Als sie sich auf den Sessel neben mir setzte, elegant, wirklich, hätte ich ihr gar nicht zugetraut, sie hätte sogar vor Ginny platziert werden müssen beim Wer-steht-am-elegantesten-und-anmutigsten-auf-und-kann-sich-auch-so-elegant-und-anmutig-hinsetzten-Wettbewerb, da fiel es mir natürlich wie Schuppen von den Augen. Sie wollte mit mir über den Kuss reden, vermutlich hatte Ginny ihr nicht erzählt, dass es Aus war, Rons Schwester war bestimmt zu eifersüchtig. Und zu traurig.
„Es... es geht um..." Ich sah, wie sie rot wurde, so rot, wie Ginnys Haar und spürte, wie auch ich rot wurde, als ich ihr half und den Satz beendete: „Den Kuss?"
Und dann legte Hermine los: Ohne Punkt und Komma. Angefangen von dem Gespräch mit Ginny über mich, dass ich ihr nichts sagte bis hinüber zu dem schlechten Gewissen, dass Hermine selbst hatte und dass sie fände, ich sollte endlich wieder normal mit Ginny umgehen.
„Der Kuss kann meinetwegen unter uns bleiben, aber... rede doch wieder normal mit ihr. Oder mach Schluss, wenn du nicht mehr mit ihr zusammen sein willst.", waren Hermines abschließende Worte.
„Ich habe schon mit Ginny Schluss gemacht", sagte ich ihr da und dann fragte ich, wie beiläufig: „Hat sie dir das nicht erzählt?" Geschickt: So konnte ich herausfinden, ob Ginny nun sauer auf Hermine war oder nicht. War sie sauer, dann redete sie nicht mehr mit Hermine, war sie es nicht... dann hätte Hermine bestimmt nicht mehr mit mir über den Kuss und ihr schlechtes Gewissen geredet. Also war sie sauer.
„Weshalb hast du mit ihr Schluss gemacht?" Warum fragte mich Hermine immer so unangenehme Sachen? Ausgerechnet sie? Und warum, warum antwortete ich ihr dann auch immer mit Sätzen, die ich am liebsten sofort wieder zurücknehmen würde? Solche Sätze wie: „Weil ich mich in ein anderes Mädchen verliebt habe."
Ich wollte ihr meine Liebe nicht gestehen! Sie... sie war bestimmt nicht in mich verliebt, auf keinen Fall, die Blöße wollte ich mir nicht geben. Wie peinlich wäre das denn bitte sehr, wenn ich sagen würde: „Hermine, ich habe mich in dich verliebt!" und sie dann entgegnen würde: „Sorry, Seamus, keine Chance!" Nein, nein, nein, bloß nicht und deshalb fügte ich schnell hinzu:„Natürlich nicht in dich!"
„Natürlich nicht!", beeilte Hermine sich zu sagen. Täuschte ich mich oder sah sie tatsächlich ein wenig enttäuscht aus?
Auf jeden Fall erhob sie sich schnell, natürlich sehr anmutig, 1. Platz. Sie meinte, sie müsse noch Hausaufgaben machen. Ups, ich auch. Und ich hätte es fast vergessen! Schnell holte ich meine Schulsachen und machte mich an meine Astronomiehausaufgaben.
