Disclamer: Alles gehört Joanne K. Rowling, nur die Handlung gehört mir. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld.
Kapitel 12: Date um Mitternacht
HERMINE:
Ich fand es gar nicht so leicht, ohne Harrys Tarnumhang unbemerkt durch das Schloss zu kommen. Trotzdem hatte ich Glück: Ich traf niemanden. Weder Peeves noch Mrs Norris oder Filch. Ich wollte mir gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn ich erwischt worden wäre.
Eigentlich war das Ganze ja echt albern. Ron wollte mich mitten in der Nacht vor dem Schlossportal treffen und dort ein romantisches Date abhalten –wir hätten ebenso gut zusammen hinausgehen können. Aber ich spielte das Spiel mit und tat so, als wüsste ich gar nicht, wer Der Unbekannte sei.
Es war eine sternklare Nacht und noch nicht einmal besonders kalt. Draußen, vor dem Schlossportal, stand niemand. Ron wollte wahrscheinlich einen großen Auftritt hinlegen.
Ich wartete bestimmt schon fünf Minuten, als Ron plötzlich vor mir stand, Harry neben ihm, in der einen Hand den Tarnumhang.
„Was machst du denn hier?", fragte Ron. Es klang überrascht und er vergaß sogar, mich zu küssen.
„Ich... ähm... wo kommt ihr her?", fragte ich, mindestens genauso überrascht, dass Ron mich so etwas fragte. Und wieso war Harry dabei?
„Wir haben Hagrid besucht", beantwortete Harry meine Frage. „Wir wollten dir Bescheid sagen, aber wir konnten dich irgendwo finden."
Ron nickte zustimmend. „Und? Was machst du hier?"
„Ich... ähm..." Ja, also... Der Unbekannte war also definitiv nicht Ron, musste ich feststellen. Aber mit zurück ins Schloss gehen, das könnte ich auch nicht, Parvarti und Lavender würden mich umbringen, wenn ich nicht blieb. Auf die Schnelle fiel mir nichts Besseres ein, weshalb ich sagte: „Ich wollte auch runter zu Hagrid."
„Und da stehst du dir hier die Beine in den Bauch?" Ron runzelte die Stirn.
„Ich stehe hier nicht!", fauchte ich und erkannte, dass ich langsam echt in Erklärungsnot kam. „Ich wollte gerade gehen!"
„Na dann, viel Spaß noch!" Wütend drehte sich Ron zu Harry um und warf den Tarnumhang über sie.
Die Tür des Schlossportals öffnete und schloss sich wieder.
Hoffentlich spionieren sie mir nicht nach, war mein einziger Gedanke. Ich musste eine Weile warten, bis sich die Tür erneut öffnete. Es war... Seamus?!
„Du hier?" Entgeistert starrte er mich an.
„Das gleiche könnte ich dich fragen!", entgegnete ich und spürte schon wieder das Bauchkribbeln. Es wäre alles so viel einfacher, wenn ich in Ron verliebt wäre. Dann wäre ich glücklich, einfach alles wäre gut. Aber ich konnte es einfach nicht glauben... Seamus war...
„Du bist Der Unbekannte?"
„Was? Ich dachte, du wärst Die Unbekannte."
„Nein... ich..." Was war hier eigentlich los? Ich erklärte Seamus meine Situation: „Ich habe einen Brief gekriegt. Von einem gewissen Unbekannten, der mich heute um Mitternacht hier, vor dem Schlossportal, treffen wollte."
„Dito! Ich auch. Nur dass der Brief nicht von einem Unbekannten, sondern von einer Unbekannten, also von einem Mädchen, kam."
Es folgte ein überraschtes Schweigen. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Was sollte das Ganze überhaupt? Ich stellte die Frage laut.
„Ich hab keine Ahnung." Seamus zuckte mit den Achseln. „Obwohl... ich, ähm, hätte da so eine Vermutung." Selbst im Dunklen sah ich, dass Seamus rot anlief.
„Ja?"
„Ich glaube, da will uns einer... na ja... eben...verkuppeln."
„Aber warum? Wer sollte uns verkuppeln wollen?"
„Ginny! Sie weiß, dass ich..."
„Ginny? Wieso Ginny?" Nun war ich total verwirrt. Wieso sollte Ginny uns verkuppeln wollen? Sie wusste doch gar nicht, dass ich in Seamus verliebt war und wenn sie es wusste, dann war sie... Natürlich wusste sie es! Mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Deswegen hatte sie die letzten Tage über überhaupt nicht mit mir geredet. Weil sie wusste, dass ich in Seamus verliebt war und wahrscheinlich war sie darum total sauer auf mich. Aber ich war es doch nicht, die ihr Seamus weggenommen hatte. „Und: Was ist mit dir?", fiel mir Seamus letzter Satz wieder ein.
„Was sollte mit mir sein?" Rot wie Rons Haare war er.
„Du wolltest noch irgendetwas sagen."
„Oh, nein, nein!", wehrte er ab. „Ich..."
Langsam fing es an, mich zu nerven. Mir wurde die Situation zu viel, aber ich verkniff mir das Schreien. Womöglich hätte man uns sonst entdeckt. Trotzdem konnte ich nicht mehr an mich halten und schrie, so gut es ging, im Flüsterton: „Red Klartext, Seamus!" Oh Gott, Seamus musste mich hassen, weil ich so ruppig zu ihm war!
„Ich..." Er holte tief Luft und schaute mir dann direkt in die Augen. Ich schmolz schon wieder dahin. „Ich wollte sagen, dass Ginny wusste, dass ich..." Er geriet in Stocken. „Dass ich..." Er senkte den Blick und flüsterte es nur noch: „Dass ich in dich verliebt bin."
Meine Beine waren weich wie Wackelpudding und ich musste mich hinsetzten, selbst wenn es nur auf das Gras war. Irgendetwas zum Hinsetzten... Seamus hatte mir gerade gestanden, dass er in mich verliebt war. Er hatte... Ich konnte es nicht glauben. Ich konnte es einfach nicht glauben. Das war der Grund gewesen, warum Ginny so wütend auf mich war. Er hatte mit Ginny wegen mir Schluss gemacht. Aber er hatte doch gesagt, er wäre nicht in mich verliebt. Was...?
„Du... Du hast mir doch gesagt, du bist nicht in mich verliebt.", sagte ich mit zitternder Stimme.
„Ich habe mich nicht getraut, es dir zu sagen. Natürlich war ich in dich verliebt." Verlegen sah er aus. Er ließ sich neben mir auf den Rasen fallen.
„Woher wusste Ginny das?"
„Sie meint, sie hätte es gesehen... wie ich dich angeschaut habe und so..."
„Aber ich dachte die ganze Zeit... Ich..." Hermine! Warum sagst du ihm nicht, dass du auch in ihn verliebt bist? Nun mach schon, bevor es zu spät ist!
„Was dachtest du?"
„Ich..." Oh Gott... „Ich habe mich auch in dich verliebt, Seamus, aber ich dachte die ganze Zeit, du wärst nicht in mich verliebt... Ich wollte mich mit Ron..." Ich spürte, wie ich knallrot anlief. Auch vor Scham, weil ich meinen besten Freund so ausgenutzt hatte. „...ablenken."
„Was? Und ich dachte, du wärst nicht in mich... ich..." Er schaute mich überrascht an. Und dann kamen sich unsere Köpfe immer näher. Das war der Kuss, den ich mir immer vorgestellt hatte. Der zweite Kuss von Seamus, meinem... meinem neuen Freund!, dachte ich glücklich und verschwendete keinen Gedanken mehr an Ron.
SEAMUS:
Ich war eingeschlafen. So ein Mist! Es war jetzt kurz nach Mitternacht. Eigentlich hatte ich so um 23:55 Uhr losgehen wollen, aber das war ja wohl mächtig in die Hose gegangen. Wieso waren Hausaufgaben auch nur so langweilig? So völlig zum Einschlafen, im wahrsten Sinne des Wortes? Ich konnte nur hoffen, dass die Unbekannte verknallt genug war, um so lange wie nötig auf ihren Traumprinzen, sprich: mich, zu warten.
Ich legte einen regelrechten Sprint hin, hüfte wie ein Känguru durch das Porträtloch und schoss um die Ecke, als ich plötzlich eine Stimme hörte. Ich konnte mich gerade noch hinter einer Säule verstecken.
„Ach komm, das kannst du doch gar nicht wissen."
„Aber vermuten", schaltete sich eine zweite Stimme ein.
„Eben: Du kannst es nur vermuten. Jetzt denk dir doch nicht irgendwelche Hirngespinste aus. Es ist bestimmt nichts!"
„Ach nein?"
„Nein!"
Die Stimmen klangen ganz nach Harry und Ron.
„Gefiederter Kürbis!", hörte ich das Passwort und sah gerade noch, wie sich das Portätloch öffnete und schloss. Es schien niemand hindurchgegangen zu sein. Merkwürdig! Hatte ich schon Halluzinationen? Hoffentlich nicht!
Ich ging weiter. Na ja, ging? Ich sprintete und schlich halb, immer betend, dass ich niemandem begegnen würde oder ich noch mehr Halluzinationen hätte. Ich riskierte wirklich Kopf und Kragen für das fremde Mädchen. Ob sie wohl aus Gryffindor war?
Oh ja, das war sie, musste ich feststellen, als ich das Schlossportal öffnete und nach draußen schlich. Mein Herz setzte für einen Moment aus, als ich Hermine erkannte. Ich war völlig überrumpelt worden.
„Du hier?", fragte ich völlig verblüfft, ungentleman-like und ich fürchte, es klang auch ziemlich entgeistert.
„Das gleiche könnte ich dich fragen!", erwiderte sie, mindestens genauso verblüfft und entgeistert. Moment mal, wenn sie verblüfft und entgeistert war, dann hatte sie nicht gehofft, dass ich komme. Dann wartete sie auf irgendjemand anderen. Oder?
„Du bist Der Unbekannte?"
Was? Ich... Also, es passiert ja nicht oft, dass ich gar nichts mehr verstehe oder Halluzinationen habe, aber was sollte das ganze denn? Ich meine, ich dachte sie wäre...
„Was? Ich dachte, du wärst Die Unbekannte."
„Nein... ich... Ich habe einen Brief gekriegt. Von einem gewissen Unbekannten, der mich heute um Mitternacht hier, vor dem Schlossportal, treffen wollte.", erkärte sie mir. Okay, das gab der ganzen Geschichte eine völlig andere Wendung. Irgendetwas war hier faul.
„Dito! Ich auch. Nur dass der Brief nicht von einem Unbekannten, sondern von einer Unbekannten, also von einem Mädchen, kam.", erzählte ich daraufhin das, was ich erlebt hatte. Obwohl: Das die Unbekannte ein Mädchen war, hätte ich auch weglassen können. Das konnte Hermine sich ja denken. Hoffentlich hielt sie mich jetzt nicht für völlig banane!
Nun, zumindestens sagte sie nicht in die Richtung, sondern schwieg erst einmal, bevor sie fragte: „Was soll das Ganze überhaupt?"
„Ich hab keine Ahnung." Oh doch, ich hatte eine, aber die konnte ich Hermine gegenüber doch nicht äußern. Ich tat's trotzdem: „Obwohl... ich, ähm, hätte da so eine Vermutung." Oh Gott, ich war bestimmt so rot, dass Hermine denken musste, ich hätte zu viel Rouge, oder überhaupt Rouge, was für einen Jungen ja schon ziemlich abartig war, auf den Wangen.
„Ja?", fragte sie, als ich nichts weiter sagte.
„Ich glaube, da will uns einer... na ja... eben...verkuppeln." Ich hatte es gesagt. Ich musste bekloppt sein, den Verstand verloren haben und schon stellte Hermine die gefürchtete Frage: „Aber warum? Wer sollte uns verkuppeln wollen?"
„Ginny!" Sagte ich, selbstverständlich ohne nachzudenken. Ich hasste mein Gehirn, aber es plapperte gleich weiter: „Sie weiß, dass ich..." Puh, gerade noch rechtzeitig gestoppt! Oder? Sollte ich... es tatsächlich wagen?
„Ginny? Wieso Ginny?" Sie war total verwirrt. Total. Und gleich würde sie wieder eine der gefürchteten Fragen stellen. Ich lag richtig. „Und was ist mit dir?", fiel ihr mein letzter Satz wieder ein.
„Was sollte mit mir sein?" Ich wünschte, es wäre Rouge und ich wünschte, ich wäre nicht so verlegen. Sie musste sich schon denken können, was ich fast gesagt hätte, so knall-, wirklich, knallrot war ich.
„Du wolltest noch irgendetwas sagen.", meinte Hermine.
„Oh, nein, nein! Ich..." In den sauren Apfel beißen oder lieber die süße Birne nehmen? Haha, selbst in solchen Situationen verlor ich meinen unverwechselbaren Humor nicht.
„Red Klartext, Seamus!", fauchte sie und schien allmählich wirklich die Nerven zu verlieren. Hilfe, ich auch!
„Ich..." Apfel oder Birne? Sauer oder süß? Ich schaute sie unsicher an. Ich sah in ihre Mandelaugen und entschied mich mit sofortiger Wirkung für den sauren Apfel. „Ich wollte sagen, dass Ginny wusste, dass ich..." Jetzt musste ich nur noch reinbeißen. „Dass ich..." Ich schaute schnell weg und biss schnell, kurz und schmerzlos, rein: „Dass ich in dich verliebt bin."
Wie eine Marionette klappte sie zusammen. Nein, sie klappte nicht wirklich zusammen, aber sie ließ sich ziemlich fassungslos aussehend auf den Rasen fallen.
„Du... Du hast mir doch gesagt, du bist nicht in mich verliebt." Ihre Stimme zitterte wie ein Hund bei einem Gewitter, wenn er Angst davor hat.
„Ich habe mich nicht getraut, es dir zu sagen. Natürlich war ich in dich verliebt." Ich setzte mich nun auch hin. Der zweite Biss war gar nicht so schwer gewesen.
„Woher wusste Ginny das?"
„Sie meint, sie hätte es gesehen... wie ich dich angeschaut habe und so..."
„Aber ich dachte die ganze Zeit... Ich..." Sie dachte, ich wäre total bescheuert, würde sie jetzt gleich sagen! Garantiert! So doof, wie ich mich immer anstellte, wenn sie in meiner Nähe war.
„Was dachtest du?" Meine Stimme zitterte jetzt mindestens genauso doll wie ihre eben.
„Ich... Ich habe mich auch in dich verliebt, Seamus, aber ich dachte die ganze Zeit, du wärst nicht in mich verliebt... Ich wollte mich mit Ron... ablenken."
„Was? Und ich dachte, du wärst nicht in mich... ich..." Halleluja! Juhu! Juhu! Juhu! Sagt, dass ich mich wie ein kleines Kind benahm, dass ein Spielzeugzauberstab zum Geburtstag gekriegt hatte, es war mir so egal! Hermine war in mich verliebt! Wir würden ein Paar werden! Sie fand mich nicht idiotisch und bescheuert... Ich küsste sie und war in dem Augenblick der glücklichste Mensch der Welt. An irgendwelche Probleme, die sich ergeben könnten, dachte ich überhaupt nicht. Nicht in diesem Moment.
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Nein, das war natürlich nicht das Ende... Ein paar Kapitel kommen noch! Reviewt fleißig... ähm, ja, mehr wollte ich gar nicht sagen!
