Hallo ihr Süßen.

Ok, ok, ihr habt mich überzeugt. Hier kommt die Fortsetzung.

Ich bin ja nicht so. ;o)

Danke für die vielen lieben Reviews. Ich hab mit einem breiten Grinsen im Büro gesessen und jetzt halten mich meine Kollegen endgültig für nicht mehr ganz zurechnungsfähig. Aber damit kann ich leben.

An Arwen: Danke für den Tipp mit den nicht registrierten Reviews. Was das Rating betrifft, das war ein Versehen. Mein Laptop wollte nicht so wie ich wollte.

An alle, die geweint haben: Kann man ein schöneres Kompliment bekommen? Schnief. Ich finde das sehr, sehr ermutigend. Und vor allem schööööön.

Ich entschuldige mich schon mal vorab für den Pinguin-Dialog, aber ich konnte einfach nicht widerstehen. GRINS

Viel Spaß!

Yulah

P.S.: Stellt euch vor, gestern habe ich einen Brief bekommen in dem JKR schreibt, dass sie mir Harry und all die anderen schenkt! Ist das nicht klasse? Dann bin ich leider wach geworden. Also wie gehabt.

Part II – Wieselweihnacht und Pinguine

Hogsmeade, 30. Dezember 2002

Dingdong...

„Harry würdest du bitte freundlicherweise an die Tür gehen, bevor, wer auch immer davor steht endgültig die Geduld verliert? Es klingelt schon zum fünften Mal."

„Kannst du nicht gehen? Ich bin gerade beschäftigt."

„Nein, kann ich nicht. Und ich weiß, dass du nur Zeitung liest."

„Warum kannst du nicht gehen?"

„Weil ich nichts anhabe, du Scherzkeks!"

„Warum hast du nichts an? Und warum weiß ich davon nichts?"

„Potter! Mach endlich! Und zu deiner Information, ich war duschen und das macht man für gewöhnlich nackt. Jedenfalls da wo ich herkomme."

„Das ist aber doch kein Grund nicht an die Tür zu gehen. Gönn den Nachbarn doch auch mal ihren Spaß."

„Ich weigere mich, darauf überhaupt zu antworten!"

Harry fledderte den Tagespropheten auf den Tisch und ging grinsend zur Tür. Er konnte sich Dracos gespielt empörten Gesichtsausdruck bildlich vorstellen.

„Einen wunderschönen Guten Morgen, was kann ich für Sie tun? Äh, hallo? Ist da jemand drin?."

Draußen standen zwei, bis zur Unkenntlichkeit vermummte Gestalten. Harry versuchte zwischen Schal, Mantelkragen, Kapuze und einer schnell wachsenden Schneeschicht irgendetwas Vertrautes auszumachen und so seine Besucher zu identifizieren.

„Morgen Harry. Da bist du ja endlich. Wir stehen uns schon seid einer halben Ewigkeit die Beine in den Bauch."

„Ginny?"

„Ja, Mensch! Lässt du uns jetzt rein, bevor wir hier festfrieren? Falls es dir entgangen ist, es schneit in.... Was sagt man da? In Strömen? Was auch immer. Es schneit jedenfalls! Und es ist verflucht kalt. Ich glaub ich habe gerade einen Pinguin zwischen den Rosensträuchern gesehen."

„Klar, parkt den Hundeschlitten hinterm Haus und kommt rein. Ich nehme an, dieser andere Polarforscher ist Neville?"

„Ja. Morgen."

Die beiden folgten Harry ins Haus und fingen sofort an sich aus ihren Klamotten zu schälen. Tatsächlich kamen schließlich unter all dem Stoff Ginny und Neville hervor.

„Möchtet ihr Tee? Schmeißt das Zeug einfach zum Trocknen übers Treppengeländer." Dann nach oben gewandt: „Hey Babe, Scott und Amundsen sind vom Südpol zurück!"

„Ich komm gleich."

„Morgen Draco! Wir sind's bloß. Neville und ich. Wir haben Brötchen mitgebracht."

„Macht ja nichts."

Ginny folgte ihrem Mann und Harry in die Küche.

„Mann, wenn ich den erwische, der da draußen die Heizung ausgemacht hat!" Sie setzte sich und nahm Harry die Teetasse ab, die er ihr hinhielt. „Danke Schatz. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sage, aber ich verzehre mich regelrecht nach einer Tasse Tee. Auch auf die Gefahr hin, dass ich klinge wie meine Mum."

„Keine Sorge, Gin. Das tust du doch immer. Hey, nicht mit dem Zucker werfen! Weißt du wie schwer es war den zu würfeln?"

„Blöder Kerl. Und, was gibt's Neues? Wir haben seid Heilig Abend nichts mehr von euch gehört, da wollten wir mal nachschauen, ob ihr noch lebt."

Harry grinste. „Wir hätten uns ja längst mal gemeldet, aber wir waren in letzter Zeit ziemlich... ähm... beschäftigt." Dann hob er schüchtern seine linke Hand und grinste Ginny glücklich an.

„Oh mein Gott! Das ist wunderbar! Dann ist also wieder alles in Ordnung bei euch? Oh, Schatz, ich freu mich so!" Sie sprang auf und umarmte Harry.

„Ja, alles wieder ok. Ich muss mich bei euch Mädels bedanken, dass ihr mir den Kopf gewaschen habt. Und bei Bill, für," er warf einen Seitenblick auf Neville, der mit dem Kater spielte, „du weißt schon. War ein ziemlich heilsamer Schock. Es stimmt schon, manchmal merkt man erst was man hat, wenn man dabei ist es zu verlieren."

„Kein Problem. Wenn es darum geht, jemandem den Kopf zurecht zu rücken dann sag mir Bescheid, ich erledige das. Und? Ich gestehe, ich platze jeden Moment vor Neugier, sind das jetzt nur so ‚Hallo-wir-sind-zusammen-Ringe' oder...?"

In diesem Moment kam Draco in die Küche.

„Sagen wir mal so, nimm dir am ersten September nichts vor."

Ginny stieß einen kurzen Schrei aus und fiel erst Draco, dann noch mal Harry und schließlich Neville um den Hals.

„Du liebe Güte. Wenn ich das vorher gewusst hätte, dann hätte ich dir geschrieben. Das ist ja lebensgefährlich."

„Sorry. Ich freu mich nur so! Und am warum am ersten September? Oh wartet, weil ihr euch da zum ersten Mal begegnet seid!"

„Naja, technisch gesehen sind wir uns irgendwann Ende August zum ersten Mal begegnet. Aber der Grundgedanke geht schon in die Richtung. Außerdem, auf irgendein Datum mussten wir uns ja einigen. Und bevor dein lieber Bruder William wieder lange Finger macht und in fremden Revieren wildert..."

Draco seufzte gespielt entnervt. „Das wird er mir wohl noch auf den Grabstein meißeln lassen. Und, wie war der Südpol?"

Ginny warf ihr Haar zurück und setzte eine betont gelangweilte Miene auf:

„Ach weißt du, hat man einen Pol gesehen, kennt man alle. Und Pinguine werden eindeutig überbewertet."

„Gibt's am Südpol Pinguine?"

„Nicht?"

„Ich mein die gibt es nur an einem Pol."

„Bist du sicher?"

„Oder waren das Eisbären?"

„Ich glaub Eisbären. Ich mein, Pinguine gibt es sogar in Afrika und Australien, warum also nicht auch an beiden Polen."

„Hm. Klingt irgendwie komisch, die Begründung."

„Ja? Fragen wir Hermine, wenn wir sie das nächste Mal sehen. Apropos: Kann es sein, dass in eurem Garten auch ein Pinguin sitzt?"

„Ach, du meinst Bert. Der kommt jedes Jahr um die Zeit vorbei."

„In unserem Garten ist echt ein Pinguin? Ich dachte das war ein Scherz vorhin." Harry hatte vor lauter Zufriedenheit anscheinend einen Moment lang vergessen, mit wem er sprach, denn er ging zum Fenster um nachzusehen. Darum bemerkt er auch das Grinsen nicht.

„Ja. Du weißt doch. Bert."

„Draco. Da ist kein Pinguin."

„Doch," widersprach Ginny, „er hatte eine Pudelmütze auf und hat Tee getrunken."

„Ja. Sag ich doch. Bert. Eine blaue Pudelmütze."

„Mit rotem Bommel."

„Ja."

„Und eine Tasse mit dem Bild von einem Eisbären drauf."

„Genau."

„Und Earl Grey. Hab das Fähnchen vom Teebeutel gesehen."

„Sein Lieblingstee."

„Ganz klar."

„Bert halt."

Harry und Neville sahen zwischen den beiden hin und her und versuchten herauszufinden, ob diese Unterhaltung irgendeinen verborgenen Sinn hatte. Bei Ginny und Draco war das schwer zu sagen. Sie hatten die nicht immer nachvollziehbare und manchmal leicht anstrengende Angewohnheit sich stundenlang mit todernster Miene über den größten Unsinn zu unterhalten und das in einem Tonfall, als diskutierten sie den Weltfrieden oder etwas ähnlich Schwerwiegendes.

„Sagt mal, wovon redet ihr da eigentlich?"

Draco warf seinem Freund eine unschuldigen Blick zu:

„Bert. Pinguine. Du weißt schon."

„Womit eindeutig bewiesen wäre, dass ihr alle beide nicht ganz normal seid! Ich meine, wer unterhält sich schon so begeistert über Pinguine."

„Sehr viele Leute unterhalten sich über Pinguine, Neville. Pinguinforscher zum Beispiel."

Ginny nickte: „Ja, oder Eisbärenforscher, während sie auf den Eisbären warten."

„Oder Pinguinwärter im Zoo."

„Oder Eisbärenwärter im Zoo, die im falschen Gehege sind."

„Oder Pinguinphotographen."

„Oder Eisbärenphotographen, die...." Ginny kam nicht dazu den Satz zu beenden. Harry hatte die Hände gehoben und signalisierte Kapitulation.

„Schon gut, schon gut. Ich denke, wir haben es verstanden. Womit habe ich das nur verdient?"

„Das liegt nur an der Kälte." antwortete Gin fröhlich. „Da friert einem das Gehirn ein und plötzlich kann man nur noch an Pinguine denken."

„Den Großteil deiner Brüder betrifft das natürlich nicht. Da ist nämlich nichts was gefrieren könnte." fügte Draco hinzu.

„Da erzählst du mir nichts Neues, Süßer."

Einen Moment war es still am Tisch, alle dachten an das katastrophale Weihnachtsessen letzte Woche. Dann räusperte Harry sich.

„Wie lief's denn noch, nachdem wir weg waren?"

„Naja, Mum hat sich mit der Ausrede, euch sei was dazwischen gekommen natürlich nicht abspeisen lassen. Und wenn ich ehrlich bin, ich hatte auch nicht wirklich Lust sie anzulügen. Also haben Herm und ich ihr morgens erzählt was passiert ist. Und dann wurde es lustig."

„Definiere ‚lustig'. Und ich will Details!"

„Harry! Seid wann bist du so rachsüchtig?"

„Was heißt denn hier rachsüchtig? Gleiches Recht für alle. Mich habt ihr ja schon in Grund und Boden gestampft. Ich geb ja auch zu, dass ihr recht hattet." Er nahm unter dem Tisch Dracos Hand und spürte erleichtert den beruhigenden Druck der kühlen, schmalen Finger. Es tat gut zu wissen, dass Draco ihm verziehen hatte, dass alles geklärt war und nie wieder zwischen ihnen stehen würde. „Schuldig im Sinne der Anklage. Aber ich finde, ich hab ein Recht auf ein gewisses Maß an Schadenfreude. Außerdem, ich denke, ich bin nicht der Einzige, der gern wissen will, was weiterpassiert ist, oder Jinx?"

„Ich? Ich brauch keine Details. Sag mir, dass diese Idioten geköpft, gevierteilt und anschließend gegrillt wurden, dann bin ich zufrieden. Ich bin ja nicht nachtragend." Er sprach betont fröhlich, dennoch war der leicht bittere Unterton nicht zu überhören. Dabei ging es gar nicht so sehr um ihn selbst. Draco war ein Einzelgänger. Er hatte ein paar wenige, gute Freunde die ihm vollkommen reichten. Er konnte mit der Ablehnung der Weasleybrüder durchaus leben, aber er wusste, dass Harry die Sache nicht so locker nahm, besonders im Bezug auf Ron und das ließ einen tief verborgenen Beschützerinstinkt wach werden.

„Erinnere mich daran, dass ich mir dich nie zum Feind mache, Draco."

„Neville, ich glaube, da besteht keine größere Gefahr."

„Außer du kürst Percy zu deinen neuen Vorbild des Monats, dann sehe ich schwarz für dich. Und dann wäre ich Witwe, noch vor meinem ersten Hochzeitstag. Also lassen wir das lieber. Befriedigen wir lieber Harrys Rachdurst und Dracos Blutgier. Hmmm... An dem Abend oder besser gesagt in der Nacht ist eigentlich nicht mehr viel passiert, nur hat Ron sich vor verschlossener Tür wiedergefunden als er ins Bett wollte und musste in der Badewanne schlafen. Herms Zauber lassen sich mit einem läppischen ‚Alohomora' nicht umgehen...." Sie tauchte die Spitze ihres Zauberstabes in ihre Teetasse und ließ die Bilder aus ihrer Erinnerung aufsteigen:

25. Dezember 2002 (eine Woche zuvor):

Guten Morgen und Frohe Weihnachten Weasleys und Nicht-Weasleys! Nanu, noch keiner auf? Was ist das denn?" Arthur blieb in der Küchentür stehen und sah verwirrt auf den leeren Tisch. Dann hörte er leise Stimmen aus dem Wohnzimmer. Bill und Charlie saßen auf der Couch und unterhielten sich mit Ginny, die sich in einem Sessel zusammengerollt hatte und Remus der an der Fensterbank lehnte. Vom Rest der Familie und ihren Gästen war nichts zu sehen.

Ach hier steckt ihr. Wo ist denn der Rest?"

Morgen Dad. Frohe Weihachten. Mum, Hermine und Paula sind in der Speisekammer und haben sich jede Hilfe verbeten. Neville ist mit Merlin und den Kindern draußen, Percy und Penelope machen, was Percy und Penelope halt immer so machen, die Zwillinge und Ron schlafen noch und... ach so, Harry und Draco sind gestern Abend noch nach Hause."

Arthur hob erstaunt die Augebrauen. „Ach du meine Güte, aber warum das denn? Ist etwas passiert?"

Das fragst du dann am besten nachher deine Söhne, Dad. Und ich meine nicht die beiden die hier sind. Aha, wenn man vom Teufel spricht."

Alle sahen zur Tür, wo in diesem Moment Beweisstück A, ein reichlich zerknitterter Ron aufgetaucht war.

Morgen." nuschelte er.

Ginnys Blick war mörderisch, ihre Stimme zuckersüß: „Guten Morgen, Ronnie! Hast du denn auch gut geschlafen? Oder hat der Wasserhahn getropft?"

Wasserhahn?" Arthur sah verwirrt zwischen seinem jüngsten Sohn und seiner Tochter hin und her.

Guten Morgen. Und fröhliche Weihnachten euch allen." Hermines Stimme unterbrach seine Gedanken. Er warf seiner Schwiegertochter einen erleichterten Blick zu. In Hermines Gegenwart klärten sich solche Ungereimtheiten schnell. Doch dann blieb ihr Blick an Ron hängen. „Naja, fast allen!" Ron nahm ihren Arm und versuchte sie zur Seite zu ziehen.

Hermine. Wir müssen uns mal unterhalten."

Jetzt nicht."

Ich muss aber mit dir reden."

Dein Pech. Ich will jetzt aber nicht mit dir reden! Ich habe zu tun!"

Hermine!"

Sag mal, welchen Teil von ‚nein' hast du nicht verstanden?"

Dann sag mir wenigstens, warum ich in der Wanne schlafen musste!"
"Na dreimal darfst du raten!"

Ron? Warum hast du denn in der Wanne geschlafen?" Arthurs Verwirrung wuchs.

Keine Ahnung! Frag meine Frau!"

Ha! Du weißt genau warum!"

Nein weiß ich nicht! Was zum Teufel hab ich denn getan?"

Sprich nicht in diesem Ton mit mir, Ronald Sebastian Weasley!"

Wie soll ich denn mit dir sprechen? Du sagst mir ja nicht, was ich getan habe!"

Kinder! Was soll denn dieses Geschrei? Es ist Weihnachten! Wir haben Gäste. Und die möchten bestimmt nicht von eurem Gezanke am frühen Morgen geweckt werden. Was ist denn überhaupt los hier?" Molly kam mit einem Korb voller Krapfen ins Wohnzimmer und musterte die Anwesenden streng.

Schlafen die anderen noch?"

Die Zwillinge, ja, der Rest ist auf."

Guten Morgen, liebe Familie." Percy stolzierte ins Zimmer und schien die eisige Atmosphäre nicht zu bemerken.

Na dann werd ich mal den Tisch decken." Molly bemerkte die schlechte Stimmung sehr wohl, aber sie beschloss sich später darum zu kümmern. Im Moment galt es hungrige Mäuler zu stopfen.

Du brauchst bloß für 17 Personen zu decken, Mum." Ginnys Worten folgte angespannte Stille.

Warum? Du glaubst doch nicht, dass ich die Zwillinge im Bett lasse? Die können aufstehen, wie andere zivilisierte Leute auch."

Ich meine nicht Fred und George. Ich spreche von Harry und Draco."

Ron fuhr herum und sah Ginny mit offenem Mund an.

Warum sollten die beiden denn nicht frühstücken wollen, Liebes? So ein Unsinn." Molly schüttelte missbilligend den Kopf. Solche Scherze am frühen Morgen lagen ihr nicht.

Sie sind nicht mehr da. Sie sind gestern Nacht noch abgereist. Ich soll dir und Dad sagen, dass es ihnen leid tut, aber es ist ihnen etwas...." Ein langer, giftiger Blick für Ron und Percy, „..dazwischen gekommen."

Ja aber..." Dann bemerkte sie die Blicke die zwischen ihren Kindern hin und her gingen. „Virginia Marie Weasley… Verzeihung… Longbottom! Du sagst mir jetzt auf der Stelle, was hier los ist! Was dazwischen gekommen. So ein Unsinn! Was ist so wichtig, dass sie sich mitten in der Nacht davonschleichen müssen, ohne jemandem etwas davon zu sagen."

Frag doch mal Ronnie, hier. Oder Fred und George. Oder Percy den Musterknaben!"

Also das verbitte ich mir! Ich habe mir absolut nichts zu Schulden kommen lassen. Wie kannst du etwas derart Unerhörtes behaupten?"

Molly knallte den Korb auf den Kaminsims und achtete nicht auf die Krapfen die herausfielen.

Also schön! Schluss jetzt mit dem Theater! Ich will auf der Stelle wissen, was hier gespielt wird! Ginny?"

Sie sind gegangen, weil Draco nicht in einem Haus bleiben wollte, in dem er unerwünscht ist!"

Wie um alles in der Welt kommt er denn auf so eine absurde Idee? Wenn er unerwünscht wäre, hätte ich ihn wohl nicht eingeladen."

Tja Mum, an dieser Stelle kommen deine Söhne ins Spiel. Sie haben gestern alles daran gesetzt Draco das Leben zur Hölle zu machen. Sie haben ihn beschimpft, verspottet und ziemlich übel beleidigt. Und er hat das nur geschluckt, weil er zu höflich ist. Weil er dein und Dads Gast war und euch nicht alles verderben wollte. Und weil er Harry zuliebe Frieden schließen wollte."

Was?" Mollys Stimme war gefährlich leise. „Ronald?"

Das stimmt doch so gar nicht. Wir haben nur ein bisschen Spaß gemacht."

Spaß! Sowas bezeichnest du als Spaß? Und dann wunderst du dich, dass du in der Badewanne schlafen musstest!" herrschte Hermine ihn an.

Aber..."

Ach sei still! Die Zwillinge, Percy und du, ihr habt euch gestern Abend unmöglich aufgeführt. Und nicht zum ersten Mal darf ich hinzufügen! Jedes Mal wenn Draco in eure Nähe kommt, benehmt ihr euch wie die Axt im Wald. Ich hab es langsam sowas von satt!"

Das geht aber zu weit. Hermine! Wie kommst du dazu mich in diese Sache mit hinein zu ziehen? Ich habe damit nichts zu tun!" keifte Percy.

Nein? Da bin ich aber anderer Ansicht. Und nur weil deine Frau nicht genug Rückgrad hat um dir mal die Meinung zu sagen, brauchst du dir noch lange nicht einbilden, dass du damit durchkommst."

Was glaubst du eigentlich mit wem du hier sprichst, Hermine? Das muss ich mir nicht anhören. Nicht in meinem eigenen Haus!"

Percy, setz dich! Und halt den Mund! Es ist mir neu, dass das hier dein Haus ist. Soweit ich weiß, gehört es immer noch mir und deinem Vater."

Ich meinte...."

Es ist mir vollkommen egal was du meintest. Setz dich! Das gilt auch für dich Ronald!" Dann ging sie zur Treppe. „Frederik! George! Ihr seid in fünf Minuten hier unten! Und wartet besser nicht, bis ich euch holen komme!"

Zurück im Wohnzimmer lief sie ungeduldig hin und her, bis die verschlafenen Zwillinge erschienen.

Was ist denn los, Mum? Warum brüllst du schon am frühen Morgen so rum?"

Setzt euch. Und haltet den Mund! Hermine? Ginny? Würdet ihr mir jetzt bitte der Reihe nach erzählen, was gestern passiert ist?"

Abwechselnd erzählten die Mädchen, was sie am Abend zuvor beobachtet und mitgehört hatten. Bill warf ab und zu einen Kommentar ein, der Rest der Anwesenden schwieg. Wenn die „Angeklagten" versuchten Einwände zu erheben, wurden sie von Molly mit einem kurzen, eisigen Blick und eine gezischten „Ruhe!" zum Schweigen gebracht. Schließlich schwiegen Hermine und Ginny. Sie hatten nichts von Bills Beteiligung bei der ganzen Sache erzählt, weil er letztendlich nicht wirklich damit zu tun hatte und sie hatten auch nichts von dem erwähnt, was Draco und Harry unabhängig voneinander über ihre Beziehung erzählt hatten, denn sie waren sich einig, dass das niemanden etwas anging und es auch nichts mit dem Verhalten der vier Weasley-Brüder zu tun hatte. Aber sie erzählten, welchen Einfluss Spott und Hohn auf Dracos Selbstbewusstsein gehabt hatten und auch, dass die Beziehung der beiden am seidenen Faden hing, weil Draco kurz davor stand zu glauben, was die Weasleys sagten und weil Harry seine Freunde bisher immer verteidigt hatte, weil er ihnen nichts Böses zutraute. Ihren Worten folgte eisiges Schweigen. Molly sah ihre Söhne mit einer Mischung aus Enttäuschung und Zorn an und schien nicht zu wissen, was sie tun sollte. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie das Gefühl, dass ihre Erziehung fehlgeschlagen war. Das schlimmste für sie war dabei, dass die vier sich keiner Schuld bewusst waren, dass ihnen die Grausamkeit ihrer Worte und die Gedankenlosigkeit ihres Handels nicht klar zu sein schienen. Percy hatte eine Miene tiefster Arroganz aufgesetzt und fand den Verlauf der Ereignisse offensichtlich unter seinem Niveau. Ron kochte noch immer vor Wut und weigerte sich seine Frau oder seine Schwester anzusehen. Die Zwillinge warfen sich vielsagenden Blicke zu. Fred kaute auf seiner Unterlippe und sah aus, als langweile er sich. Nur George erweckte zumindest den Anschein, dass er einen Fehler gemacht haben könnte.

Und? Was habt ihr dazu zu sagen?"

Fred räusperte sich: „Mum, das ist doch total übertrieben. Wir haben bloß ein paar Scherze gemacht. Meine Güte, niemand regt sich darüber auf. Nur weil Malfoy so empfindlich ist. Hätte ja was sagen können."

Scherze? Scherze sind lustig, Fred! Das was ihr gemacht habt, ist nicht lustig. Und es geht auch nicht nur um gestern Abend. Ihr macht das schon seit Jahren! Obwohl ich sagen muss, dass ihr euch gestern selbst übertroffen habt!"

Ist er doch selber schuld!" ereiferte sich Ron. „Er hat sich doch in der Schule auch nicht besser benommen."

In der Schule?" Hermines Stimme überschlug sich fast. „IN DER SCHULE? Das ist, verdammt noch mal, Jahre her!"

Wieso bist du überhaupt auf seiner Seite? Seit Harry mit ihm rumhängt, verteidigst du diesen Abschaum! Was soll das? Er hat dich früher nur beschimpft und er hat dich sogar geohrfeigt!"

Ja Ron, und ich hab ihn beschimpft und ihm im dritten Jahr fast die Nase gebrochen. Das war wie gesagt früher. Und dann sind wir erwachsen geworden. Solltest du bei Gelegenheit mal versuchen!"

Wenn es bedeutet sich mit dem Feind zu verbünden, dann lass ich das lieber bleiben!"

Mit dem Feind? Ron! Der Krieg ist vorbei! Und wenn du dich erinnern möchtest, hat Draco sein Teil zu unserem Sieg beigetragen. Er ist nicht dein Feind. Er ist vielleicht nicht dein Freund, aber er ist der Mann, den dein bester Freund liebt, und das solltest du respektieren!"

Ich werde diesen Bastard niemals akzeptieren. Ihr werdet schon sehen, eines Tages wird er sich von seiner wahren Seite zeigen. Aber dann kommt nicht zu mir gerannt."

Ron hat Recht." Percy fand es an der Zeit seinen jüngsten Bruder zu unterstützen.

Du sei still, Percy! Du bist doch nur sauer, weil Draco den Job bekommen hat, auf den du scharf wars!."

Das ist ja auch ein Unverschämtheit sondergleichen! Wie können sie es wagen, meine Stelle einem, einem Todesser zu geben!"

Ginny verdrehte die Augen: „Jetzt geht das wieder los. Er hat den Job bekommen, weil er besser ist als du, Bruderherz!"

HA! Das glaubst du doch selber nicht!"

Oh doch, das glaub ich nicht nur, das weiß ich. Er ist bei weitem intelligenter als du und er versteht mehr von Zaubertränken als jeder andere den ich kenne; Professor Snape mal ausgenommen. Du kannst ja nicht mal Hustensaft von Schneckenentferner unterscheiden!" Alle erinnerten sich noch an den Vorfall, bei dem Percy mit seiner üblichen ‚Ich-mache-keine-Fehler'-Einstellung die halbe Weasleyfamilie für eine Woche außer Gefecht gesetzt und beinahe für ihr vorzeitiges Ende gesorgt hatte.

Es war übrigens Draco, der damals das Gegengift gebraut hat! Kein Wunder also, das Shacklebolt ihn wollte und nicht dich."

Er ist unverschämt und hat keinerlei Respekt vor seinen Vorgesetzten. Und ich habe höchstpersönlich gesehen, wie er unten in den Archiven mit einem Kollegen rumge.... also ihr wisst schon. Das ist einfach ein unerhörtes Benehmen!"

Hermine lachte so sehr, dass sie fast von ihrem Sessel fiel.

Ja, das hat Tim Kelly mir erzählt. Und er hat mir auch erzählt, dass dieser Kollege Harry war und dass sie sich lediglich geküsst haben, weil Harry glaub ich, Geburtstag hatte. Wenn du natürlich genau im falschen Moment reinkommst, ist das dein Problem. Und er ist nicht unverschämt, nur weil er Kingsley auf einen offensichtlichen Fehler hinweist und sich weigert irgendwelche Laufburschenarbeiten zu erledigen." Mit einem Grinsen fügte sie hinzu. „Dafür haben wir ja dich. Du hingegen verbringst deine ganze Zeit damit, deinen Vorgesetzten sprichwörtlich in den Hintern zu kriechen und nur weil Fudge das gefallen hat, darfst du nicht davon ausgehen, dass alle so sind."

Ich muss mir das nicht länger anhören!"

Doch, Percy, musst du."

Molly hatte dem Streit schweigend zugehört. Sie sah aus, als würde sie ihre Söhne am liebsten ohrfeigen.

Ich bin sehr enttäuscht von euch. Ich dachte ich hätte euch zu Höflichkeit und Gastfreundschaft erzogen. Aber da habe ich mich wohl geirrt. Ich kann einfach nicht fassen, dass meine Söhne sich derart unmöglich benehmen! Am liebsten würde ich euch jedem eine links und rechts um die Ohren geben. Und jetzt sitzt ihr da als könntet ihr kein Wässerchen trüben."

Aber Mum, du willst doch nicht etwa sagen, dass du auch auf Malfoys Seite bist! Das kannst du nicht tun!"

Ich bin auf niemandes Seite, Ron! Es gibt keine Seiten. Wir sind eine Familie!"

Ron wurde kreidebleich. „Familie? Du bezeichnest diesen Sohn eines Todessers als Familienmitglied?"

Oh ja! Harry ist immer wie ein Sohn für mich gewesen, daher ist es nur normal, dass ich seinen Freund ebenso als Familienmitglied betrachte, wie ich es mit euren Männern und Frauen, Freunden und Freundinnen getan habe. Und davon abgesehen: Draco hat sich mir gegenüber immer tadellos benommen. Er ist höflich und gut erzogen und er hat niemals seine persönliche Abneigung gegen einen von euch offen gezeigt. Ganz sicher hat er sich niemals so ungeheuerlich aufgeführt wie ihr! Und wenn du es ganz genau wissen willst, ich habe ihn sehr gern und ich wäre traurig, wenn er nicht mehr herkommen würde."

Dad? Sag du doch auch mal was."

Der Aussage deiner Mutter habe ich nichts mehr hinzuzufügen. Ich stimme ihr in allen Punkten vollkommen zu."

Eins verstehe ich nicht so ganz," Charlie mischte sich zum ersten Mal auch in die Diskussion ein. „Ich meine, das Verhalten der vier Helden hier war unter aller, Entschuldigung, Sau, das steht außer Frage. Aber Draco ist doch normalerweise auch nicht auf den Mund gefallen. Von ihm habe ich aber den ganzen Abend über nicht ein Wort gehört. Warum lässt er sich das gefallen?"

Weil er Harry versprochen hat nicht zu streiten. Er weiß, dass Harry uns als Familie betrachtet und darum war er bereit sich mit diesen Gestalten da zu vertragen. Ungeachtet eventueller Abneigungen. Aber leider haben die Herren da nicht mitgespielt. Es war ja auch wie gesagt nicht das erste Mal gestern. Das geht schon so, seid die beiden zusammen sind. Und irgendwann hat jeder genug. Und..." Hermine zögerte. „...wenn dir jeder sagt, dass du den Menschen den du liebst nicht wert bist, dann fängst du irgendwann an das selbst zu glauben. Und wenn du ständig über deinen Namen und deine Herkunft bewertet wirst und wenn du um jede Chance doppelt so hart kämpfen musst, wie alle anderen, dann ist irgendwann ein Punkt erreicht, an dem nichts mehr geht. Und diesen Punkt hat Draco gestern Abend erreicht. Er ist bereit Harry gehen zu lassen, um ihn nicht länger zu zwingen, sich zu entscheiden."

Aber Harry hat sich entschieden." fügte Ginny hinzu. „Bleibt zu hoffen, dass es nicht zu spät dafür ist."

Molly schüttelte fassungslos den Kopf: „Es kann doch nicht sein, dass ihr Harry zwingt eine solche Entscheidung zu fällen! So etwas darf überhaupt nicht notwendig sein. Anstatt dass ihr euch freut, dass euer Freund, der sein Leben lang einsam war, jemanden gefunden hat, den er liebt und der diese Liebe erwidert. Ihr habt es nicht verdient, dass Harry eine so hohe Meinung von euch hat! Ihr habt seine Freundschaft und sein Vertrauen aufs schändlichste missbraucht! Ist euch eigentlich klar, was ihr mit eurem gedankenlosen Geschwätz vielleicht angerichtet habt? Eines sage ich euch, wenn die beiden sich euretwegen trennen, dann gnade euch Gott!"

Vielleicht sind wir wirklich etwas zu weit gegangen." Georges Stimme war sehr leise und sehr zerknirscht. „Aber ich für meinen Teil hab das wirklich nicht böse gemeint. Mir war wirklich nicht klar, dass er sich das so zu Herzen nimmt. Ich... wenn ich ehrlich bin, ich mag Malfoy. Es macht wahnsinnig Spaß mit ihm zu streiten, weil er sonst total schlagfertig ist und immer eine Antwort auf alles hat. Ich fand es schon früher in der Schule echt witzig ihm zuzuhören. Solange keiner von uns betroffen war, mein ich. Ich finde es nicht schlimm, dass er mit Harry zusammen ist, ich mein, irgendwie passen die beiden ja zusammen. Gestern habe ich einfach das gemacht, was ich immer mache, wenn Draco in der Nähe ist. Und normalerweise gibt er ja auch Kontra wenn wir sticheln. Ich schätze, diese Sache ist gestern etwas aus dem Ruder gelaufen. Tut mir echt leid. Ich denke, wir haben wirklich übertrieben. Fred?" Er sah seinen Zwilling an. Der nickte: „George hat recht schätze ich. Wir waren wohl etwas zu übermütig. Aber bis jetzt ist Malfoy immer ein würdiger Gegner gewesen. Aber als er gestern nicht reagiert hat, na ja, da sind wir halt immer gemeiner geworden, um ihn aus der Reserve zu locken, denke ich. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, dass er vielleicht ernst nehmen könnte, was wir sagen. Niemand nimmt uns doch sonst ernst."

Ron sprang auf: „Sagt mal, spinnt ihr plötzlich? Wir reden hier von Malfoy! Er ist böse! Er ist fieser Abschaum! Er hat uns jahrelang gepiesackt! Er reißt alles an sich, merkt ihr das denn nicht?"

Also das ist das Problem. Du bist eifersüchtig! Es passt dir nicht, dass es jemanden gibt, der Harry wichtiger ist als du!"

Nein! Das ist nicht wahr! Aber er kann... ihr könnt doch nicht alles vergessen haben, was Malfoy uns in der Vergangenheit angetan hat! Er hasst unserer Familie und wir hassen seine Familie!! Das ist schon seit Jahrhunderten so."

Arthur unterbrach seinen Sohn: „Ron! Jetzt gehst du aber langsam wirklich zu weit! Du liebe Güte. Nur wegen einer dummen Familienfehde, deren Ursprung niemand mehr nachvollziehen kann? Nur weil irgendeiner unserer Vorfahren irgendeinem Malfoy in grauer Vorzeit in die Quere gekommen ist oder umgekehrt? Das ist doch verrückt. Es stimmt schon, ich bin auch mit dieser Fehde und den Geschichten über die Bosheit des Malfoy-Clans aufgewachsen, aber man muss auch bereit sein zu vergessen. Draco hat sich ebenso wenig ausgesucht ein Malfoy zu sein, wie du Einfluss darauf hattest, als Weasley geboren zu werden. Und egal welche Differenzen ich vielleicht mit Lucius habe, dass braucht das Verhältnis unserer Kinder nicht zu beeinflussen. Und Harry hat mit der ganzen Sache noch weniger zu tun!"

Ich kann einfach nicht glauben, dass ihr alle so blind seid. Warum seid ihr plötzlich alle Fans von Malfoy? Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er seinem Vater nach Azkaban folgen wird, ihr werdet schon sehen. Aber schön: Wenn Harry unsere Freundschaft nichts bedeutet, dann ist das eben so! Er muss sich entscheiden. Entweder Malfoy oder ich!!!"

Bevor jemand wusste was geschah, holte Hermine aus und versetzte Ron eine saftige Ohrfeige.

Ron! Komm zu dir! Merkst du eigentlich was du da sagst! So etwas darfst du noch nicht einmal denken. Was hättest du denn gesagt, wenn Harry uns damals vor so ein Ultimatum gestellt hätte? Entweder wir bleiben zusammen oder wir sind mit ihm befreundet! Das eine schließt das andere doch nicht aus. Meine Güte. Er ist dein bester Freund! Du liebst ihn wie einen Bruder, das hast du mir selbst gesagt! Willst du wirklich riskieren ihn zu verlieren, nur weil du eifersüchtig bist? Weil du nicht willst, dass die Kinderfreundschaft die ihr hattet vielleicht nicht mehr so eng sein wird wie früher? Ron! Das kann unmöglich dein Ernst sein! Das Percy einen Knall hat, weiß ich ja, aber sag mit bitte nicht, dass ich auch einen engstirnigen Irren geheiratet habe."

Ich weiß ganz genau was ich sage! Harry ist mein Freund, ja. Und ich habe ihn gern. Und darum will ich ihn vor sich selbst beschützen. Er ist blind und taub, wenn es um Malfoy geht. Aber wenn er so bereitwillig in die Falle läuft, die diese kleine Ratte ihm gestellt hat, dann kann ich ihm nicht helfen! Und wenn er unsere Freundschaft wegen ein bisschen gutem Sex wegwerfen will, dann ist das auch seine Sache! Er kann nicht beides haben. Wie gesagt: Entweder Malfoy oder ich! Und das könnt ihr ihm meinetwegen auch genauso sagen. Und es ist mir egal, was ihr davon haltet. Und wenn du," sein Zeigefinger schoss auf Hermine zu, „anderer Meinung bist, dann kann ich das nicht ändern. Aber wenn du schon von Toleranz und so redest, dann solltest du dich mal fragen, wie tolerant du im Moment bist, wenn du mir noch nicht mal meine eigene Meinung lässt. Ich werde gerne weiterhin Harrys Freund sein. Ich werde mich mit ihm treffen und er kann auch gern zu uns kommen. Aber Malfoy will ich nicht in meiner Nähe haben! Ich werde Harrys Haus nicht mehr betreten und wenn ihr den Slytherinabschaum das nächste Mal einladet, dann sagt mir Bescheid, dann komme ich nicht. So, mehr habe ich nicht dazu zu sagen! Lebt damit oder lasst es."

Atemlose Stille folgte, als Rons Worte langsam ins Bewusstsein sanken. Bis Percy plötzlich aufstand und laut applaudierte:

Bravo Ron! Das war sehr gut. Ich bin stolz auf dich. Du hast deinen Standpunkt deutlich vertreten. Das ist sehr gut. Lass dich nicht einschüchtern."

Percy?"

Ja Penelope, Liebling?"

"Halt deine Klappe!"...

Ginny zog ihren Zauberstab zurück. Langsam verblassten die Bilder. In der Küche war es vollkommen still. Nur das Ticken der Uhr und Dustys leises Schnurren waren zu hören. Dracos Augen hingen an Harry, während er ihm beruhigend über den Rücken streichelte. Das eben Gehörte und Gesehene hatte Draco nicht weiter überrascht und auch wenn es trotz aller Beteuerungen, dass es ihm nichts ausmachte, weh tat; es war nichts im Vergleich zu dem Schmerz, den er in Harrys grünen Augen sah.

Ginny nagte leicht an ihrer Unterlippe und sah zwischen ihren beiden Freunden hin und her. Neville murmelte neben ihr ungläubig vor sich hin. Er hatte auch zum ersten Mal gesehen, was passiert war, denn an dem Tag selber hatte er mit Mona, Ben und Josh einen Schneemann gebaut und von eigenen Kindern geträumt und nichts von dem Streit mitbekommen. Zwar hatte Ginny ihm nachher das meiste erzählt, aber es selbst zu hören und zu sehen war etwas vollkommen anderes.

„Baby?" Dracos Stimme war ganz sanft. „Alles ok?"

Harry schien wie aus einer Trance zu erwachen:

„Was? Ja. Ja, es geht mir gut. Ja. Kein Problem."

„Bist du sicher?"

Harry sah seinen Freund an: „Hey, mach dir keine Sorgen. Es geht mir wirklich gut. Nur dass ich jetzt, wo ich es mit eigenen Ohren gehört habe, erst recht ein schlechtes Gewissen habe, weil ich nie glauben wollte, dass sie dich so mies behandeln. Ich könnte Ron erwürgen! Und ich könnte mir selbst in den Hintern treten. Wie konnte ich nur so blind sein?"

Draco küsste ihn sanft auf die Schläfe. „Das hatten wir doch schon. Vergiss es einfach, ok?"

„Harry? War es ok, dass ich euch das gezeigt habe?" Ginny war das schlechte Gewissen deutlich anzuhören.

„Ja. Mach dir bitte keine Gedanken. Früher oder später hätte ich es sowieso rausgefunden. Und es war besser es direkt aus Rons Mund zu hören. Ich denke sogar, ich sollte mich bei dir bedanken, Gin. Ich meine, jetzt weiß ich wenigstens genau woran ich bin, oder? Ron wird sich schon wieder einkriegen. Und wenn nicht...." Er hielt einen Moment inne. Was wenn Ron sich wirklich nicht wieder beruhigte? Nein! Das würde er nicht tun. Ron würde ihre Freundschaft nicht einfach so wegwerfen. Oder? Er schüttelte kurz den Kopf um diesen unwillkommen Gedanken zu verscheuchen.

„Dann ist das eben so. Was die anderen angeht: Percy war schon immer ein Spinner und auf seine Meinung hab ich noch nie viel gegeben. Und ich bin froh, dass ich zumindest bei den Zwillingen recht hatte." Harry grinste schief. Sein Versuch das Thema zu wechseln, war mehr als offensichtlich. Trotzdem ließen sich die anderen darauf ein. Draco verzog das Gesicht. „Na, ich weiß nicht. Wenn sie so mit den Menschen umgehen, die sie mögen, dann möchte ich lieber nicht ihr Feind sein. Auf der anderen Seite, hab ich jetzt die offizielle Erlaubnis, die beiden zur Schnecke zu machen, wenn ich sie das nächste Mal sehe und auch nur eine blöde Bemerkung fällt. Sehr beruhigendes Gefühl."

Ginny lachte: „Sag mir bitte vorher Bescheid. Da möchte ich bei sein!"

„Und ich bin wirklich erstaunt über deine Mum und Hermine! Ich wusste gar nicht, dass sie soviel von mir halten."

Das hätte ich dir auch sagen können! Du hast eine viel zu schlechte Meinung von dir selbst. Es gibt viel mehr Leute, die dich mögen als du denkst. Gin und ich sind nicht die Einzigen, weißt du."

„Ja, schon gut, ich werd's mir merken."

„Harry hat Recht. Ich zum Beispiel kann dich auch gut leiden. Hey! Wieso lacht ihr denn? Das ist mein Ernst!"

„Ach Neville, wir lachen nicht über dich. Danke übrigens, ich mag dich auch."

Ginny stellte erleichtert fest, dass sich die Stimmung wieder gelockert hatte. Einen Moment lang hatte sie bitter bereut, nicht auf die magische Untermalung ihrer Geschichte verzichtet zu haben. Es hätte doch gereicht alles zu erzählen, dann hätte sie die schlimmsten Details weglassen können. Aber dafür war es jetzt zu spät. Zum Glück schienen Draco und Harry die Sache leichter zu nehmen, als sie befürchtet hatte. Und Nevilles übliche Ungeschicktheit hatte die Anspannung schließlich gelöst.

„Na jedenfalls hat Mum anschließend darauf bestanden, dass alle sich vertragen und dass wenigstens der Rest des Festes friedlich verläuft. Hat natürlich nicht geklappt. Percy ist ausgeflippt, weil sein kostbarer Sohn ganz nass und dreckig war, als Nev mit den Kinder wieder rein kam. Dann hat Paula ihm einen Vortrag darüber gehalten, dass es völlig normal ist, wenn Kinder sich schmutzig machen. Mona und Ben sahen natürlich aus wie die Schweine. Das ging dann eine Weile hin und her und schließlich hat Percy den Rest des Abends mit niemandem gesprochen, weil er kein Recht bekommen hat. Ron hat die ganze Zeit vor sich hingeschmollt, weil keiner ihn verstehen wollte, Fred hat den Kaminvorleger angezündet, er behauptet aus Versehen, Ben hat dreizehn Lebkuchen gegessen und sich anschließend auf Penelopes Kaschmirrock übergeben, Charlie und George haben versucht Schach zu spielen und sich wie üblich dabei in die Wolle gekriegt, Bill ist von der Leiter gefallen, als er den Stern auf der Christbaumspitze neu anbringen wollte und hat natürlich den Baum mit umgerissen. Mum hat zwischendurch damit gedroht uns alle in den Psychiatrieflügel im St. Mungo's zu verfrachten, wenn wir nicht aufhören uns wie Verrückte aufzuführen. Beim Essen hat sie Fred und George angemault, ob sie von Werwölfen aufgezogen wurden und dann fiel ihr Remus ein und sie hat sich zehnmillionen Mal bei ihm entschuldigt. Er fand das aber eher witzig. Die Kinder haben alle Schildchen von den Geschenken geknibbelt und wir haben Stunden gebraucht alles auseinander zu sortieren, weil kein Mensch wusste was für wen und von wem war. Ein paar sind übrigens noch übrig. Kann gut sein, dass die euch gehören. Merlin und unsere Katze Ginger sind irgendwie in die Speisekammer eingebrochen und haben den halben Truthahn gefressen...."

Harry schlug sich mit der Hand vor die Stirn. „Himmel! Merlin! Den hab ich total vergessen! Ich hoffe deine Mum ist nicht böse, dass ich euch diesen verfressenen Hund über Weihnachten aufgehalst habe."

„Nein, kein Problem. Mum liebt Tiere genauso wie Kinder. Vielleicht sogar mehr, Tiere widersprechen nicht. Ich weiß allerdings nicht, ob du ihn noch wiederkriegst. Ben und Mona haben ihn nämlich schon adoptiert. Und jetzt liegen sie Charlie den ganzen Tag in den Ohren, dass sie auch einen Hund wollen. Auf jeden Fall hat Merlin das Chaos nicht wesentlich vergrößert. Nur die übliche Wieselweihnacht!"

„Ich hätte mir den Spruch mit dem Wiesel patentieren lassen sollen."

„Zu spät, Herzchen."

„Und dieses Durcheinander ist Standard bei euch? Meine Mutter wäre vom Balkon gesprungen, wenn es bei uns Weihnachten so drunter und drüber gegangen wäre."

„Meine Großmutter auch."

„Meine Tante wahrscheinlich auch, aber vorher hätte sie mir die Schuld an allem gegeben."

„Habt ihr beide eigentlich was von euren Familien gehört? Weihnachtskarte oder so?"

„Nein. Leg ich aber auch keinen gesteigerten Wert drauf. Ich glaub, die Dursleys haben noch nicht mal meine Adresse."

„Was ist mit dir, Draco?"

„Nur der übliche, von Vorwürfen triefende Brief von meiner Mutter. Ich les ihn mittlerweile gar nicht mehr richtig. Reine Zeitverschwendung."

Keiner der beiden schien besonders betrübt über den Mangel an Zuwendung seitens ihrer nächsten Verwandten.

„Sagt mal," Neville schien plötzlich etwas einzufallen, „hab ich das vorhin eigentlich richtig verstanden? Ihr wollt wirklich heiraten?"

„Wie kommst du denn jetzt da drauf? Das ist doch bestimmt drei Stunden her."

„Fiel mir gerade so ein. Und, stimmt es jetzt?"

Draco grinste: „Naja, wir müssen, Harry ist schwanger."

Ginny und Neville sahen sich an.

„Sollen wir?"

„Mach du."

„Ok. Also Jungs. Wir wollten euch da mal was fragen. Hättet ihr Lust im Mai Paten zu werden?"

Was? Und das erzählst du uns erst jetzt!?"

Der Rest des Nachmittags verging in einem Wirbel aus Gelächter, gutmütigem Gezanke, absurden und ernstgemeinten Hochzeitsplänen und Namensvorschlägen, einer Expedition zu Madame Rosmerta, die wegen allgemeiner Erfrierungserscheinungen vorzeitig abgebrochen wurde und schließlich Kakao vor dem Kamin und weiteren Diskussionen über Bert, den Pinguin.

Als Ginny und Neville sich schließlich auf den Heimweg machten, war es bereits weit nach Mitternacht.

Etwas später...

„Harry?"

„Mhm?"

„Ich..." Draco hielt inne, war sich nicht sicher, wie er die Fragen stellen sollte, die ihm im Kopf herumspukten. Er wollte die friedliche, zufriedene Atmosphäre nicht zerstören. Sie lagen zusammengekuschelt im Bett. Dracos Kopf lag auf Harrys Schulter und er zeichnete mit den Fingerspitze feine, sinnlose Muster auf die glatte Haut um den Bauchnabel. Harry hatte einen Arm um ihn geschlungen und spielte mit den hellblonden Haaren, die Draco ins Gesicht fielen.

„Was hast du, Jinx?"

„Nichts. Es ist nur..." Draco drehte sich auf den Bauch und stütze sich auf den Ellbogen um Harry ansehen zu können. Seine silbrigen Augen glühten im Dämmerlicht.

„Es tut mir so leid, dass du meinetwegen deinen besten Freund verlierst."

„Sag mal spinnst du? Es ist nicht deine Schuld! Das ist ganz allein Rons Problem. Ich müsste mich bei dir entschuldigen, weil ich so lange nicht gemerkt habe, was da läuft. Ich liebe dich und egal wie viele meiner Freunde plötzlich anfangen zu spinnen, ich werde mich immer für dich entscheiden, wenn ich muss!"

„Das weiß ich. Und ich liebe dich genauso, aber ich weiß auch, wie sehr dir Rons Verhalten wehtut. Egal was du mir erzählst. Ich kenne dich. Ich möchte einfach nur wissen, ob es dir gut geht, ob mit dir alles in Ordnung ist."

„Es geht mir wirklich gut. Du hast recht, es tut weh, zu sehen, dass mein bester Freund so wenig auf unserer Freundschaft gibt. Aber ich werde damit fertig. Dich zu verlieren wäre viel schlimmer. Und egal, was in der Vergangenheit vielleicht zwischen dir und mir stand, das ist jetzt vorbei und Ron muss lernen das zu akzeptieren, denn sonst ist das, was ihn und mich in der Vergangenheit verband nicht das geringste wert." Er nahm Dracos Gesicht in beide Hände und zog ihn zu sich um ihn zu küssen.

„Ich liebe dich so sehr. Und ich werde niemals wieder zulassen, dass irgendetwas oder irgendjemand sich zwischen uns stellt."

Draco antwortete nicht. Stattdessen schmiegte er sich fester an den vertrauten Körper unter ihm und vertiefte ihren Kuss.

Drei Tage später:

Dingdong...

„Also langsam hab ich echt das Gefühl, ich wohn auf'm Bahnhof. Das ist jetzt das siebte Mal heute. Wehe das ist nicht wichtig!" Harry öffnete die Haustür und wurde sofort von einem bellenden, schneebedeckten Fellhaufen angefallen.

„Merlin! Da bist du ja wieder. Tut mir leid mein Junge, dass ich dich vergessen habe." Er hob den Kopf um zu sehen, wer den Hund zurückgebracht hatte und sah sich zwei identischen, sehr zerknirschten Gesichtern gegenüber.

„Hallo Harry." George.

„Hi Harry. Frohes neues Jahr?" Fred.

„Was wollt ihr denn hier?"

„Ähm... tja also... ich und George...."

„Fred und ich....wird sind hier...."

„Wir wollten....."

„Können wir vielleicht..."

Harry zog eine Augebraue hoch. Es gefiel ihm zu sehen, wie die Zwillinge sich wanden wie die Aale.

„Wollt ihr reinkommen?" fragte er mit zuckersüßer Stimme.

Sie antworteten beide gleichzeitig und voller Erleichterung: „Gern!"

„Tee?"

„Ich ja. Bitte"

„Fred?"

„Nein danke. Bin zu nervös."

Harry ging in die Küche und war froh, dass die beiden Weasleys hinter ihm gingen und sein Grinsen nicht sehen konnten. Ginny hatte ihn gestern vorgewarnt, dass er mit den beiden rechnen musste.

Draco, der am Küchentisch saß und an einem Bericht für Kingsley Shacklebolt arbeitete sah auf als sie hereinkamen und warf den Zwillingen über den Rand seiner Lesebrille einen kühlen, hochmütigen Blick zu.

Harry ging zum Herd und vergrub die Nase tief in der Teedose um nicht zu lachen.

Niemand konnte gucken wie Draco!

„Schatz, ruf den Kammerjäger, der Hund hat ein paar Wiesel angeschleppt."

„Hallo Mal... Draco." George.

„Frohes neues Jahr." Fred.

„Sie mal an, die Wiesel können sprechen. Vielleicht wäre die magische Menagerie an ihnen interessiert."

„Hör mal, Mal....Draco. Wir sind hier, weil...." Wieder Fred.

„Wir wollen uns entschuldigen." George

„Warum?"

Damit hatten die Zwillinge nicht gerechnet. Sie starrten Draco mit offenem Mund an.

„Wie, warum?" Beide.

„Warum wollt ihr euch entschuldigen?"

„Ich verstehe nicht, was du meinst. Wir wollen uns entschuldigen. Warum muss es da einen Grund geben?" Fred.

„Ja, wir haben Mist gebaut und es tut uns leid. In so einem Fall entschuldigt man sich halt." George.

„Seht ihr. Das wollte ich wissen. Ihr entschuldigt euch, weil ihr findet, dass man das so macht."

„Ja sicher. Warum sonst?" George.

„Genau. Gibt es noch einen anderen Grund?" Fred.

„Zum Beispiel, weil Molly euch dazu gezwungen hat? In diesem Fall wäre die Entschuldigung unehrlich und ich würde sie nicht annehmen."

„Stimmt" Wieder beide.

Dann George: „Heißt das, du akzeptierst unsere Entschuldigung?"

Draco legte den Kopf leicht zur Seite und musterte die beiden. Harry hatte es mittlerweile geschafft Teewasser aufzusetzen und kämpfte immer noch mit dem Lachen. Draco war eindeutig im Vorteil und er genoss es die Zwillinge zappeln zu lassen.

„Warum sollte ich? Ihr habt euch benommen wie die letzten Menschen. Was ihr mir in den letzten Jahren an den Kopf geworfen habt, wann immer wir uns begegnet sind, war weit davon entfernt lustig zu sein. Ihr habt beinahe dafür gesorgt, dass ich jedes bisschen Selbstbewusstsein verliere, das ich je gehabt habe. Habt mich dazu gebracht zu glauben, dass eure Meinung über mich, der Meinung aller andern entspricht. Warum also, sollte ich das alles so einfach vergessen, nur weil ihr mich darum bittet?" Dracos Stimme war ruhig und sachlich. Er machten den Zwillingen keine Vorwürfe, er stellte lediglich Tatsachen fest. Dennoch hätte die Wirkung nicht besser sein können, wenn er gebrüllt hätte. Fred und George standen betroffen da und jede Spur von Spaß, die sie vorhin vielleicht noch an ihrer freiwilligen Opferrolle gehabt hatten, war verschwunden. Schließlich fasste George sich als Erster:

„Hör zu, Draco. Es tut mir wirklich leid. Ich weiß, dass es damit nicht getan ist, aber irgendwo muss man ja mal anfangen. Fred und ich haben einfach die Angewohnheit erst zu reden und dann zu denken. Und wenn dann jemand einfach schweigt und sich nicht wehrt, dann gehen wir davon aus, dass es schon in Ordnung war. Das ist keine Entschuldigung, aber sowas passiert uns leider immer wieder. Und wenn jemand wie du, der jahrelang dem Feindbild entsprochen hat, plötzlich zum Freund wird, dann vergessen wir manchmal, dass jetzt ein anderes Benehmen angebracht ist."

„Ja. Und als Hermine und Gin uns dann letzte Woche so runtergeputzt haben, da ist uns zum ersten Mal bewusst geworden, dass es dich vielleicht verletzen könnte, wenn wir so einen Müll reden. Vorher haben wir nie darüber nachgedacht. Wir sind nicht böse oder gemein. Auch wenn du das jetzt vielleicht nicht glaubst."

„Genau. Und wenn wir ehrlich sind. Tja, eigentlich können wir dich ganz gut leiden. Und wir wären wirklich froh, wenn du uns verzeihen könntest und wenn wir, na ja, von vorne anfangen könnten, sagt man glaub ich. Wir können echt nett sein, wenn man uns kennt. Und zu unseren Freunden sind wir immer nett, kannst Harry fragen."

„Vielleicht kannst du dich ja dazu durchringen uns noch mal eine Chance zu geben. Und wenn es dich beruhigt: Bill hat gesagt, wenn er mitkriegt, dass wir uns noch mal irgendjemandem gegenüber so benehmen, nagelt er uns an die nächste Wand."

Harry schnaufte. „Ja. Und ich werd ihm die Nägel reichen!"

Draco seufzte: „Habt ihr schon mal an eine Karriere als Anwälte gedacht? Ihr quatscht einen ja in Grund und Boden. Also schön, Entschuldigung und Friedensangebot akzeptiert. Wenn ich mich an die ersten sechs Jahre unserer ‚Bekanntschaft' erinnere, würde ich sagen, wir sind quitt." Draco nahm die dargebotenen Hände der Zwillinge. Ihre Erleichterung war greifbar.

„So, dann bekommt ihr jetzt auch euren Tee." Harry grinste. „Und zwar den ohne Rattengift."

19. April 2003:

„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag Ginnylein!"

„Harrylein! Danke! Draco! Wie schön, dass ihr gekommen seid."

„Na hör mal, wenn mein Lieblingswiesel Geburtstag hat."

„Ex-Wiesel, bitte, Mr. Malfoy. Ich bin eine verheiratete Frau!"

„Und schwanger."

„Und schwanger."

„Sehr schwanger."

„Ziemlich."

„Ja."

„Wie geht's Bert?"

„Ach weißt du, du kennst ja Pinguine. Schreiben nicht, rufen nie an."

„Tragisch."

„Allerdings."

Harry verdrehte die Augen und flüchtete sich zu Neville und Hermine, die auf der Terrasse saßen und sich unterhielten.

„Hallo ihr."

„Hi Harry. Na, alles klar?"

Hermine legte die Hand über die Augen und blinzelte gegen die Frühlingssonne.

„Gut. Und bei dir?"

„Kann mich kaum beklagen."

Harry ließ sich auf einen Stuhl neben Hermine fallen: „Und Neville, freust du dich schon auf deine Rolle als Vater?"

„Oh ja! Charlies Zwillinge waren letztes Wochenende bei uns, Charlie und Paula wollten mal ein paar Tage allein wegfahren. Das war echt klasse. Wir haben total viel Spaß gehabt. Und ich konnte schon mal ein bisschen üben. Wir haben nämlich beschlossen, dass Gin wieder arbeiten geht und ich zu Hause bleibe. Ron meint zwar, dass wäre unmännlich, aber der hat eh keine Ahnung."

„Amen, Bruder!" Fred kam gerade aus dem Haus und hörte Nevilles letzten Satz.

„Hey Fred. Wo ist der Rest von deinem Verein?"

„Tja, Harry. Ich bin einsam und verlassen. Georgie ist zum Feind übergelaufen."

„Das heißt?" Draco war mit Ginny ebenfalls rübergekommen und setzte sich auf die Armlehne von Harrys Stuhl.

„Hi Draco. Das heißt, dass er ne Freundin hat und jetzt den ganzen Tag mit Knutschen beschäftigt ist und ich gucken kann wo ich bleibe. Es ist wirklich tragisch."

„Ja, Fred. Du bist ein ganz Armer. Hab ich schon erwähnt, dass ich schwanger bin?"

„Ja, ist ja nicht zu übersehen, oder?"

„Dann schwing deinen Hintern von meinem Stuhl, Frederik!"

„Wer ist denn die Glückliche?"

„Wer?" Fred sah Draco verständnislos an.

„Die Frau, die dir so grausam deinen Bruder entrissen hat. Wer ist sie? Kennen wir die Dame?"

„Dame? Ha! Wenn du wüsstest! Ginny, wie hieß sie noch?"

Seine Schwester verdrehte die Augen. „Sheila! Das ist wirklich nicht so schwer. Und sie ist wirklich nett. Du bist nur sauer, weil George schneller war als du. Und, weil du jetzt offiziell der letzte Single in der Familie bist."

„Was ist denn mit Bill? Harry! Hau mich nicht!"

Harry hob tadelnd den Zeigefinger. „Doch. Bill interessiert dich nicht, hörst du."

„Du hast echt nen Knall, Potter. Wir mögen Bill, schon vergessen?"

Fred, der irgendwie die Geschichte mit dem Kuss rausgekriegt hatte, grinste breit: „Keine Sorge, Harry. Du kannst Draco wieder von der Leine lassen. Bill ist seid Februar mit jemandem zusammen. Und ihr kommt nie drauf mit wem."

„Und mit wem?"

„Sag ich nicht. Ihr müsst raten!"

„Ach weißt du, so brennend interessiert mich das nun auch nicht. Hermine, wie weit bist du denn mit dem Buch?"

Hermine unterdrückte ein Grinsen und ging ohne zu zögern auf Dracos Spiel ein. Fred liebte es zu tratschen und ihn auf seinen Neuigkeiten sitzen zu lassen, war das schlimmste was man machen konnte.

„Halb durch. Du hattest recht, da stehen ein paar echt interessante Sachen drin. Obwohl ich das mit den Nachtschatten-Giften nicht so ganz verstanden habe. Wenn das stimmt, dann sind die Einsatzmöglichkeiten der dunklen Künste bisher unter völlig falschen Voraussetzungen untersucht worden."

„Ja. Das ist genau das, was ich meine. Die Leute lesen ‚dunkle Magie' und legen es dann sofort weg, ohne darüber nachzudenken. Man müsste...."

Fred platzte der Kragen: „Leute!!!! Ihr wollt doch jetzt nicht ernsthaft über Zaubertränke und dunkle Magie diskutieren? Hallo-o?"

„Warum nicht? Du warst doch fertig mit Reden, oder?"

„Wollt ihr denn nicht wissen, mit wem Bill zusammen ist?"

„Schon, aber wenn du es uns nicht sagen willst, ist das auch gut. Harry, was machst du denn da? Geht's dir nicht gut?"

Harry hatte sein Gesicht gegen Dracos Oberschenkel gepresst, während seine Schultern unkontrolliert zuckten. „Doch." keuchte er zwischen halbherzig unterdrückten Lachern. „Alles klar. Ich versuche nur gerade nicht zu ersticken."

Fred, der sein Publikum wieder schwinden sah, ergriff drastische Maßnahmen, er ließ alle Spielchen und platzte mit der Wahrheit raus: „Bill geht mit Colin Creevey!"

Die Reaktion war nur mäßige Verwunderung.

„Colin Creevey? Ist der nicht ein bisschen jung?"

„Bill steht auf jüngere Kerle, Herm. Das ist doch nichts Neues. Er hatte noch keinen Freund, der nicht wenigstens fünf Jahre jünger war. Und Colin ist bloß ein Jahr jünger als du, also ist das gar nicht so tragisch."

„Gin hat recht, Colin passt genau in Bills Beuteschema. Jünger, hübsch, etwas feminin. Typen die dem Bild nicht entsprechen guckt er gar nicht an, nicht wahr, Draco?"

„Woher soll ausgerechnet ich das wissen, Fred?"

„Och, du weißt schon."

„Haben die Worte: ‚Du spielst mit deiner Gesundheit' irgendeine Bedeutung für dich, Freddy?"

„Nein, warum, Harry?"

„Weil ich dich jetzt leider zum Duell fordern und töten muss, Frederik."

Draco stand auf: „Während du meine Ehre verteidigst, geh ich mal kurz zur Toilette."

„Viel Spaß. Los Weasley, wähle die Waffen!"

Ginny schüttelte den Kopf, während Fred und Harry anfingen auf der Wiese herumzuspringen und sich mit ihren Teelöffeln ein „Degen"duell zu liefern.

„Möchte noch jemand Kuchen?"

„Wie alt waren die beiden noch mal?"

„Hermine. Du weißt doch: Männer entwickeln sich bis 14, anschließend wachsen sie nur noch!"

„Hey!"

„Beschwer dich nicht, Nev. Geh lieber noch Tee holen."

„Wo steckt Ron eigentlich?"

Hermine seufzte. „Er müsste eigentlich jeden Moment hier sein. Ich hoffe nur, er reißt sich zusammen."

„Hat er sich denn wieder beruhigt?"

„Ach, du kennst ihn ja. Wenn er sich einmal in eine Sache festgebissen hat, dann ist es nicht so leicht, ihn wieder davon abzubringen. Ich habe ihm vorsorglich nicht gesagt, dass du Draco auch eingeladen hast. Obwohl, wenn er mal fünf Minuten nachdenken würde, dann würde mein Mann ja selbst drauf kommen. Wir werden sehen. Ich hoffe einfach mal, dass er dir nicht deinen Geburtstag verderben wird. Ach, und da ist er auch schon. Wie aufs Stichwort."

„Hallo ihr. Happy Birthday, Schwesterherz. Sorry, dass ich jetzt erst komme." Ron nahm Ginny in den Arm und drückte sie fest. Dann gab er Hermine einen Kuss und setzte sich neben sie. Während er sich von Ginny Kuchen geben ließ, beobachtete er verwundert Fred und Harry, die gerade versuchten nicht in den Teich zu fallen.

„Was machen die beiden da?"

„Schwer zu sagen. Hey ihr Clowns! Es reicht jetzt. Genug Showeinlagen für einen Tag! Kommt wieder her, bevor euch die Nachbarn noch mit dem Schlauch abspritzen!"

„Ergibst du dich, Weasley!"

„Ja, ja, schon gut. Aber ich fordere Revanche. Hi Ronnielein."

„Hallo Fred. Hi Harry. Lange nicht gesehen." Ron hatte zumindest den Anstand verlegen zu wirken. Harry ließ sich wieder auf seinem Stuhl nieder und nickte Ron kurz zu. „Hallo Ron. Ja. Kann man so sagen."

„Hey Harry, hör mal. Tut mir echt leid, wenn ich Weihnachten ein bisschen grob war. Ich hoffe, du bist mir nicht böse."

„Kommt darauf an." Harry fühlte einen winzigen Hoffnungsfunken.

„Das nächste Mal feiern wir einfach wieder unter uns, dann wird es bestimmt schön. So wie heute." Dann bemerkte er die blonde Gestalt, die in diesem Moment mit Neville aus dem Haus kam. „Was will der denn hier?"

Der Funke erlosch. Harry spürte wie kalte Wut in ihm hochstieg. Die Wut, die er seit vier Monaten unterdrückte. „Er ist mit mir hier!" zischte er. „Hast du ein Problem damit?"

Ron sprang auf. „Allerdings! Ich habe bereits gesagt, dass ich mich weigere auch nur eine Sekunde mit diesem dreckigen Abschaum unter einem Dach zu verbringen!"

„Na, da können wir ja von Glück sagen, dass wir draußen sind." Freds Versuch, die Situation mit einem Witz zu retten, scheiterte kläglich. Harry war jetzt ebenfalls aufgestanden. Die beiden ehemals besten Freunde standen sich gegenüber und funkelten sich wütend an.

"Pass auf was du sagst, Weasley!"

„Sonst was, Potter?"

„Jungs! Setzt euch!" Niemand achtete auf Hermine.

„Das wirst du dann ja sehen."

„So weit hat diese Todesserbrut dich also schon? Du bedrohst deine Freunde."

Die Wut explodierte. Harry holte aus und hätte Ron geschlagen, doch im letzten Moment legte sich eine schmale, weiße Hand auf seinen Arm und hielt ihn zurück.

„Harry nicht. Das ist es nicht wert."

„Draco, er...."

„Ich weiß. Trotzdem. Vergiss ihn."

„Seht ihr!" keifte Ron, „Sehr ihr, wie er ihn manipuliert! Was hast du mit Harry gemacht, du Dreckskerl? Hast du ihn einer Gehirnwäsche unterzogen? Er weiß nicht mehr was er tut, wenn du in seiner Nähe bist!"

Harry wand sich aus Dracos Griff. „Oh, doch, ich weiß verdammt genau, was ich tue! Etwas das ich schon vor langer Zeit hätte machen sollen. Du hast die Wahl Ron: Entweder du hörst endlich mit diesem Mist auf und akzeptierst Draco in meinem Leben oder unserer Freundschaft ist hiermit offiziell beendet!"

„Fein! Wenn es das ist, was du willst! Hermine! Wir gehen!"

„Von wegen, Ronald Weasley! Du wirst dich jetzt bei Harry und Draco entschuldigen und dann schafft ihr diese Sache ein für allemal aus der Welt! Wir sind doch hier nicht im Kindergarten!"

„Auch gut! Dann stehst du eben auf deren Seite! Gut zu wissen! Ich hoffe du freust dich jetzt, Malfoy! Du hast es geschafft unsere Familie kaputt zu machen und Harrys und meine Freundschaft zu zerstören. Ich hoffe du bist stolz auf dich. Du tust mir leid Harry. Ich frage mich nur, wie lange es dauern wird, bis er dich fallen lässt, jetzt, wo er hat was er immer wollte!"

Harry stieß einen unverständlichen Schrei aus und wollte sich auf Ron stürzen. Nur mit Mühe gelang es Draco und Fred ihn zurückzuhalten, während Ron hoch erhobenen Hauptes davonlief.

20. April 2003, 3 Uhr nachts:

„Harry? Was machst du da?"

„Nichts. Geh wieder schlafen, Jinx. Ich komme auch gleich."

Draco ging die letzten Stufen der Treppe runter und kam ins Wohnzimmer. Er war wachgeworden und hatte festgestellt, dass das Bett neben ihm leer war.

Er wartete zehn Minuten ab und stand dann auf um nach seinem Freund zu suchen. Harry saß in Pyjamahose und T-Shirt vor dem Kamin und starrte auf ein Photo in seinen Händen. Dann warf er das Bild langsam ins Feuer und sah zu wie es verbrannte. Draco unterdrückte ein Gähnen, zog sich den Bademantel fester um die Schulter und hockte sich neben ihn.

„Hey. Was tust du denn? Warum verbrennst du die Bilder?"

„Da sind Photos von Ron und mir. Ich brauch sie nicht mehr."

Er hielt das nächste Bild über die Flammen. Draco zog seine Hand zurück.

„Hör auf. Das ist doch Unsinn."

„Du hast ihn doch gehört!" Harry schluckte, „Er will nicht mehr mit mir befreundet sein. Also besteht auch kein Grund die," er deutete vage auf die Bilder, Briefe, Postkarte und anderen Dinge, die um ihn herum auf dem Teppich lagen, „aufzubewahren. Es ist sowieso nicht normal das alles aufzuheben. Mädchen machen sowas."

„Das ist jetzt wirklich albern. Du hast diese Sachen aufbewahrt, weil sie dir etwas bedeuten. Ich versteh ja, dass du verletzt bist. Und wütend. Und dass du nichts mehr mit Ron zu tun haben willst. Aber diese Sachen zu vernichten bringt dir nichts. Nicht solange es noch eine Chance gibt, dass sich dieser Streit vielleicht doch noch aus der Welt schaffen lässt."

„Draco! Wie kannst du wollen, dass ich mich wieder mit Ron vertrage? Er war unglaublich gemein zu dir! Und er will nicht, dass wir zusammen sind."

„Das hat er aber nicht zu entscheiden. Du hast recht, Weasley ist mir egal, aber ich weiß, dass er dir nicht egal ist. Du kannst ihn nicht einfach so vergessen. Ich habe dir schon einmal gesagt, dass du das Wichtigste in meinem Leben bist. Und ich möchte, dass du glücklich bist. Mich mit Ron zu arrangieren ist ein geringer Preis dafür. Ich denke, dass Hermine recht hat. Er wird sich schon wieder einkriegen. Und so lange solltest du die Hoffnung nicht aufgeben."

„Nein. Ihr irrt euch. Ron hat das ernst gemeint. Er wird nicht einlenken."

„Mag sein. Aber das kannst du nicht wissen. Hör zu, ich mach dir einen Vorschlag: Leg die Bilder und das andere Zeug in eine Schachtel und stell sie weg. Und wenn du in einem Jahr ab heute noch nichts von ihm gehört hast, dann verbrenne ich sie mit dir gemeinsam. Einverstanden?"

„Ok. Danke."

„Dafür hast du mich doch, oder? Und jetzt komm wieder ins Bett. Es ist mitten in der Nacht."

The Leaky Cauldron, Diagon Alley, 31. Juli 2003:

"Danke Ginny, das ist echt lieb von euch."

„Gefällt es dir?"

„Ja, das ist echt klasse."

„Dachte ich mir. Ich hab's gesehen und dachte an dich. Noch mal alles Liebe zum Geburtstag."

Harry ließ sich wieder umarmen und grinste dabei über Ginnys Schulter Neville zu. „Wo habt ihr die kleine Tash denn gelassen?" Die drei Monate alte Natasha, genannt Tash war der Liebling aller und Ginny und Nevilles ganzer Stolz.

„Bei meinen Eltern. Sie lassen dich übrigens ganz lieb grüßen und ich glaub, sie haben auch eine Karte für dich, aber die hatte Fred, also wirst du sie vermutlich niemals zu Gesicht bekommen."

„Naja, der Gedanke zählt."

„Ja schon, aber die Karte Fred zu geben! Sie kennen ihn doch. Den Zwillingen darf man nichts anvertrauen, auf das man nicht auch gut verzichten kann."

Harry lachte. „Sag sowas nicht, sie unterhalten sich da drüben mit Draco und den würde ich gern noch eine Weile behalten." Er sah zu seinem Freund, der mit den Weasley-Zwillingen am Tresen stand und sich eine mit Händen und Füßen vorgetragenen Geschichte anhörte. „Es ist echt witzig, seit sie sich im Januar bei ihm entschuldigt und Frieden geschlossen haben, stürzen sie sich ständig begeistert auf ihn, sobald sie ihn sehen. Draco hat schon über Exorzismus nachgedacht."

„Klingt gut. Aber ich fürchte, das bringt nichts. Die kommen immer wieder. Ach sie mal, da ist ja Hermine."

Harry folgte Ginnys Blick. Hermine hatte soeben den Pub von der Muggelseite aus betreten und sah sich jetzt suchend um.

„Sie wirkt ziemlich sauer, oder mein ich das nur?"

„Dachte ich auch gerade. Hey Hermine. Hier sind wir!"

„Hey ihr beiden. Harry! Herzlichen Glückwunsch. Und alles, alles Liebe."

Sie umarmte und küsste ihn und drückte ihm dann ein Päckchen in die Hand.

„Entschuldigt dass ich erst jetzt komme, aber in der U-Bahn war die Hölle los."

„U-Bahn?"

„Ja, ich komme gerade von meinen Eltern. Ich soll dir schöne Grüße bestellen. Liebe Güte ist das warm draußen."

„Möchtest du was trinken?"

„Oh ja, das wäre wunderbar. Danach werde ich auch brav alle begrüßen."

„Tom," wand Harry sich an den Wirt, „die Lady hier hätte gern was zu trinken. Sie gehört auch zu mir und bekommt alles was sie sich wünscht. Entschuldigt ihr Süßen mich? Ich glaube ich bekomme noch mehr Gäste. Seamus! Schön, dass du kommen konnest."

„Sie haben gehört Miss. Sie dürfen alles haben, was sie wollen." Tom versuchte eine elegante Verbeugung, wobei ihm sein äußeres Erscheinungsbild etwas in die Quere kam.

„Dann hätte ich gerne eine Axt. Oder ein Fläschchen Rattengift." murmelte Hermine. Dann lauter: „Eine Glas Kürbissaft, bitte."

Ginny zog eine Augenbraue hoch.

„Raus mit der Sprache. Wen willst du ermorden?"

„Na dreimal darfst du raten. Dieser Idiot wollte mir verbieten herzukommen. Langsam hab ich echt die Nase voll. Es ist, als wäre man mit einem Fünfjährigen verheiratet. Dauernd jammert er, dass er keine richtigen Freunde mehr hat. Ich habe ihm klipp und klar gesagt, dass das allein sein Problem ist. Er braucht bloß hinzugehen und sich bei Harry entschuldigen und aufhören so eifersüchtig zu sein. Aber nein, er ist der festen Überzeugung, dass er Recht hat und, dass wir alle ihm noch auf Knien danken werden. Er meint, das wäre nur eine Phase und Harry würde schon noch zur Vernunft kommen. Und er ist durch nichts in der Welt davon zu überzeugen, dass Draco es ernst meint mit Harry."

„Hast du ihm von der Hochzeit erzählt?"

„Bist du wahnsinnig! Ich muss mit dem Mann leben! Es wäre soviel einfacher, wenn ich diesen Hornochsen nicht lieben würde. Dann hätte ich ihn schon längst in den Wind geschossen. Ich weiß ja, dass er eigentlich nicht so ist. Aber so langsam bin ich mit meinem Latein am Ende."

Ginny schüttelte den Kopf. „Männer!"

„Oh ja, Männer!"

Später...

Draco saß allein an einem Tisch in der Ecke und sah den Gästen der Geburtstagsparty beim Tanzen zu. Bis vor zehn Minuten war er noch selbst inmitten all dieser Leute gewesen, hatte mit ihnen getanzt, gequatscht und gelacht. Harrys Freunde betrachteten ihn schon länger als vollwertiges Mitglied ihrer Clique und niemand wäre auf die Idee gekommen das in Frage zu stellen. Niemand, bis auf einen. Draco hatte sich im Halbschatten verkrochen um über das nachzudenken, was er vor zwei Stunden zufällig aus einem Gespräch zwischen Ginny und Hermine mitangehört hatte. Ron weigerte sich noch immer Einsicht zu zeigen und ging damit inzwischen all seinen Freunden auf die Nerven. Harry redete nur selten von seinem ehemaligen besten Freund und wenn, dann lagen Bitterkeit und Ablehnung in seiner Stimme. Bei Tashs Taufe im letzten Monat waren er und Ron sich mit eisiger Verachtung aus dem Weg gegangen. Draco seufzte leise. Die Situation war einfach unmöglich.

„Sturköpfe! Alle beide!" murmelte er. Es musste etwas passieren. Bevor er seinen Entschluss bereuen konnte, stand Draco auf und machte sich auf den Weg zur Tür.

„Jinx? Wo gehst du hin?" Harry tauchte vor ihm auf, ein fröhliches Lächeln im Gesicht und umarmte ihn.

„Dauert nicht lange. Ich habe noch eine Überraschung für dich, aber ich weiß nicht genau, ob es klappt. Sei also nicht enttäuscht wenn nicht."

Er küsste Harry sanft auf den Mund und ignorierte Georges begeisterte Pfiffe. „In spätestens einer Stunde bin ich wieder da."

„Ok. Du wirst mir fehlen."

„Scherzkeks."

Dingdong...

„Verflixt noch mal, ich möchte doch nur einen Abend in Ruhe verbringen, ist das wirklich zuviel verlangt?"

Ron Weasley murmelte genervt vor sich hin, während er durch den Flur ging. Er öffnete die Tür und wollte sie direkt wieder zuschlagen, aber Draco war schneller.

„Was willst du hier, Malfoy? Verschwinde!"

„Ich denke es ist an der Zeit, dass wir uns mal unterhalten, Weasley."

„Ich habe dir nichts zu sagen."

„Schön, umso besser, dann kannst du zuhören." Draco ignorierte Rons Protest und schlängelte sich an ihm vorbei in die Wohnung.

„Raus aus meiner Wohnung!"

„Vergiss es! Erst hörst du mir zu. Weißt du, was heute für ein Tag ist?"

„Donnerstag. Ist das hier ein Quiz oder so? Kauf dir nen Kalender, Malfoy, Geld genug hast du ja."

„Können wir die Tatsache, dass mein Vater mehr Geld hatte als deiner vielleicht mal einen Moment lang außer Acht lassen?"

„Wieso hatte?"

„Er ist tot, Weasley, aber darum geht es hier nicht."

„Dein Vater ist tot?" Ron konnte nicht leugnen, dass ihn diese Neuigkeit schockte. Draco schien dagegen relativ ungerührt.

„Ja. Liest du keine Zeitung?"

„Das wusste ich nicht."

„Es ist ja auch vollkommen uninteressant im Moment. Heute ist Harrys Geburtstag, wie du sicherlich weißt, da du ja deiner Frau verbieten wolltest hinzugehen."

„Woher weißt du das?"

„Ach, man hört so dies und das. Hör zu, Weasley: Mir persönlich ist es vollkommen egal, ob du lebst oder nicht, aber es geht hier um Harry. Und da er dich nun mal, aus Gründen, die mir ein ewiges Rätsel bleiben werden, gern hat wäre ich durchaus bereit mich mit deiner Existenz abzufinden. Ich weiß, dass Harry dir nicht egal ist und ich schätze deine Sorge um ihn, weil mir das beweist, dass er sich nicht vollkommen irrt, was dich betrifft, aber was meine Beziehung zu Harry angeht, so ist diese Sorge absolut unabgebracht! Ich liebe Harry. Ich liebe ihn so sehr, dass ich mir lieber selbst den Arm abhacken würde, als ihm wehzutun. Versuch wenigstens das zu verstehen. Mein Name oder meine Herkunft oder die Zusammensetzung meines Blutes haben nicht das Geringste damit zu tun. Harry ist alles was mir wichtig ist. Du wusstest nicht, dass mein Vater tot ist, dann wusstest du auch nicht, dass in seinem Testament eine Klausel steht, die besagt, dass ich nur etwas erbe, wenn ich mich von Harry trenne und mich ihm nie wieder nähere. Nun, wie du siehst, ich bin noch immer mit ihm zusammen. Meine Mutter hockt irgendwo in Frankreich auf dem Geld und verflucht wahrscheinlich den Tag meiner Geburt. Bevor ich den Job im Ministerium bekommen habe, hatte ich nicht einen Knut und war fast anderthalb Jahre lang vollkommen von Harry abhängig. Das hat mich eine ganze Menge Stolz gekostet, aber das war es wert. Soviel dazu, dass Geld die einzige Triebfeder meines Lebens ist. Ich könnte dir noch zig Dutzend andere Beweise nennen, aber ich denke, dass ich dir keine Rechenschaft schuldig bin. Ich bin hier, weil Harry deine Freundschaft fehlt. Weil du sein bester Freund bist und weil ich es nicht ertrage, dass er unglücklich ist. Letztendlich kannst du mir wohl also doch egoistische Motive vorwerfen. Wir müssen keine Freunde sein. Ich erwarte auch nicht, dass du mich magst oder auch nur mit mir sprichst. Aber ich bitte dich mir zu vertrauen, wenigstens wenn es um Harry geht. Ich werde ihn nicht verletzten. Niemals! Du bist im Moment der Einzige der das tut. Dass du zu seinem Geburtstag nicht kommst, ist nicht das Problem, er hat nächstes Jahr wieder Geburtstag, aber wenn du weiterhin auf deiner Sturheit bestehst und am 1. September nicht kommst, dann wird das eurer Freundschaft definitiv den Todesstoß versetzen. Überleg's dir. Mir tust du damit keinen Gefallen. Es geht hier einzig um Harry. Und jetzt werd ich dich wieder deiner Ruhe überlassen." Draco hatte Ron nicht einmal zu Wort kommen lassen. Jetzt drehte er sich um und war zur Tür hinaus, bevor dieser einen klaren Gedanken fassen konnte. Vielleicht würden die Worte diesmal durch die Schichten von Sturheit und Ablehnung dringen. Draco war schon halb die Treppe runter, als Ron in der Wohnungstür erschien.

„Warte mal! Was ist am 1. September?"

Draco blieb stehen und sah Ron einen Moment an, dann hob er seine linke Hand, sodass der Ring deutlich zu sehen war.

„Finde es doch raus!" Ohne eine Antwort abzuwarten, setzte er seinen Weg fort und ließ einen tief schockierten Ron zurück.

Der lehnte sich wie betäubt gegen die Tür und starrte hinter seinem Besucher her. Sein bester Freund würde in vier Wochen heiraten und er war nicht eingeladen. Schlimmer noch: niemand hatte ihm davon erzählt.

Vielleicht hatte Malfoy recht. Vielleicht war es wirklich an der Zeit das Kriegsbeil zu begraben.

Hogsmeade, 03. August 2003:

Dingdong...

"Ich bin im Garten! Und ich werde nicht nach vorne kommen! Also entweder kommen Sie nach hinten oder später wieder!" Harry saß unter der Laube auf der Treppe zur Küchentür und wartete, ob sein bis jetzt unsichtbarer Besucher wieder ging oder der Aufforderung folge leistete. Als kurz darauf das Gartentor quietschte, konnte Harry sich ein Grinsen nicht verkneifen. Diese Methode des Türöffnens war sehr viel praktischer, als selbst zu gehen.

„Hallo Harry."

Ron Weasley stand auf dem Plattenweg, der vom Tor zur Treppe führte und spielte nervös mit dem Saum seines T-Shirts, während er Harrys Blick auswich.

„Was willst du denn hier?" Harry versuchte seine Stimme ruhig und unbeteiligt klingen zu lassen, so wie Draco es tat, wenn er keine Gefühle zeigen wollte. Leider war der ehemalige Gryffindor nicht sehr gut darin seine Gefühle zu verbergen. Ron hörte die Ablehnung in der Stimme und hob beschwichtigend die Hand. „Harry, hör mir zu. Ich weiß, dass du mich jetzt am liebsten umbringen würdest und ich kann dir das auch nicht verdenken, aber ich bin hier um dich um Verzeihung zu bitten. Und ich diesmal meine ich es wirklich ernst! Es tut mir wirklich leid, dass ich so engstirnig war. Es ist nur, ich hatte solche Angst dich als Freund zu verlieren. Du bist wie ein Bruder für mich und wir haben immer alles zusammen gemacht. Wir haben uns über sechs Jahre lang gemeinsam gegen die Angriffe der Slytherins und gegen Snape und auch gegen Malfoy zur Wehr gesetzt. Nein, lass mich bitte ausreden. Als du dann plötzlich ankamst und sagtest, dass du dich in Draco verliebt hast und schlimmer noch, als ihr plötzlich zusammen ward, da war ich eifersüchtig. Du hattest auf einmal keine Zeit mehr für mich und unsere Freundschaft und ich hatte einfach das Gefühl, dass das seine Schuld war. Und dann haben Ginny und Hermine und all unserer anderen Freunde auch ihre Meinung geändert und jeder erzählte mir, wie nett Malfoy doch eigentlich ist. Und, ich weiß auch nicht, ich habe einfach beschlossen, dass ich ihm nicht verfallen würde. Und ich hab mich so in meinen Hass gesteigert, und dabei wohl übersehen, dass er sich wirklich geändert hat und dass er dich liebt und du ihn und... Als Mum mir sagte, dass sie euch zu Weihnachten eingeladen hat, da hab ich rot gesehen. Ich wollte nicht auch noch meine Familie und mein Zuhause mit ihm teilen müssen. Also hab ich Fred und George aufgehetzt und Percy, obwohl das nicht weiter schwer war. Und dann ist die ganze Sache wohl ziemlich aus dem Ruder gelaufen. Und nachdem ich, als ihr weg ward so deutlich meinen Standpunkt vertreten hatte, fiel es mir schwer einen Rückzieher zu machen. Es tut mir so leid, Harry. Ich weiß, dass du mir wahrscheinlich nicht verzeihen kannst, aber ich würde wahnsinnig gern wieder dein Freund sein. Ich verspreche dir, dass ich versuchen werde nett zu Draco zu sein oder ihn zumindest höflich zu behandeln."

Harry schwieg. Er sah Ron nachdenklich an und versuchte seine keimende Hoffnung im Zaum zu halten.

„Ich erwarte, dass du dich bei Draco entschuldigst. Und zwar nicht nur für Weihnachten."

„Das werde ich. Bitte sei nicht mehr böse auf mich."

„Warum? Warum der plötzliche Sinneswandel?"

„Er war bei mir."

„Wer?" fragte Harry obwohl er die Antwort kannte.

„Draco. An deinem Geburtstag. Er war bei mir und hat mir ziemlich eindringlich ins Gewissen geredet. Er hat mir gesagt, wie sehr er dich liebt, und dass ich ihn nicht mögen muss, aber dass wir deinetwegen doch wenigstens versuchen sollten miteinander auszukommen. Dann hat er mir erzählt, dass sein Vater ihn enterbt hat, weil er mit dir zusammen ist. Ich wusste gar nicht, dass sein Vater tot ist! Auf jeden Fall hat er mich überhaupt nicht zu Wort kommen lassen und rauswerfen ließ er sich auch nicht. Dein Freund kann echt hartnäckig sein."

Harry merkte, wie sich ein Grinsen auf seine Lippen stahl. Er liebte Draco in diesem Moment so sehr wie nie zuvor. Er war zu Ron gegangen, den er nicht mochte und hatte sich mit ihm auseinandergesetzt. Und das nur wegen Harry.

„Ja ich weiß." Dann grinste er Ron offen an. „Und du bist ein gottverdammter Sturkopf, Ronald Weasley!"

„Heißt dass, du verzeihst mir?"

„Das ist deine letzte Chance! Noch so 'ne Aktion und ich verfüttere dich höchstpersönlich an die Haie!"

Ron grinste jetzt auch und fiel seinem neuen besten Freund um den Hals.

„Du hast mir echt gefehlt, Potter!"

„Du mir auch, du Riesenrindvieh!"

„Sag mal," Ron wusste nicht so ganz wie er es sagen sollte, aber es gab da noch etwas das ihm keine Ruhe ließ: „ich hab gehört, dass ihr .... na ja.... heiraten wollt. Stimmt das?"

„Ja. Offensichtlich bin ich schwanger. Behauptet Draco zumindest."

„Ernsthaft."

„Ja. Wir werden in vier Wochen heiraten."

„Warum hast du mir nichts davon erzählt?"

„Ich dachte, es interessiert dich bestimmt nicht."

„Natürlich interessiert mich das!"

„Naja, wenn das so ist... ich bräuchte da noch einen Trauzeugen...."

Und so war es Ron, der vier Wochen später neben Harry stand. Es war Ron, der mehr als eine Träne runterschlucken musste, sehr zur Freude der Zwillinge. Es war auch Ron, der die Ringe auf dem Küchentisch liegen ließ, was endlose Diskussionen nach sich zog, weil Draco vorher gesagt hatte, dass es irgendwie albern war, die Ringe überhaupt abzunehmen, da er und Harry sie ja bereits seit acht Monaten trugen. Zum Glück hatte Hermine in weiser Voraussicht und wohl auch, weil sie ihren Mann kannte, noch mal überall nachgesehen bevor sie das Haus verließ und so konnte sie die Ringe zur allgemeinen Erleichterung aus ihrer Rocktasche zaubern. Und es war Ron, der am Abend, nach etlichen Gläsern Wein und Champagner Draco eine ausführliche und detaillierte Entschuldigung vortrug, die in dem Angebot endete, doch jetzt für alle Zeiten Freunde zu sein. Draco zog es vor, darauf nicht zu antworten. Die wesentlich kürzere, aber ernstzunehmendere, weil nüchtern vorgetragene Version dieser Entschuldigung, die am nächsten Morgen folgte, nahm er dagegen gerne an.

20. Dezember 2003:

„Ich hab hier eine Einladung von Molly Weasley. Sie fragt, ob wir am zweiten Feiertag zum Essen kommen möchten."

„Möchtest du da hin?"

„Nicht, wenn du nicht willst."

„Harry. Möchtest du zum Wieselweihnachtsessen?"

„Ja."

„Gut. Dann sagst du Molly am besten zu. Damit sie anfangen kann zu überlegen, wer auf dem Kaminsims sitzen muss."

„Bist du sicher?"

„Klar, warum nicht? Ich wüsste keinen Grund der dagegen spricht."

„Klasse! Sie wird sich bestimmt freuen."

„Wenn du den Brief zur Post bringst, kannst du dann auf dem Rückweg Fisch kaufen?"

„Was willst du denn mit Fisch?"

„Naja, es ist Dezember. Bert kommt bald wieder."

ENDE

A/N: Also Leute, ich glaub, ich muss da mal was klarstellen. Eigentlich hatte ich ja gedacht, dass sich das von alleine erklärt, aber nachdem mich jetzt schon zwei Leute danach gefragt haben: Also, das mit Harrys Baby war nur ein Joke! Draco hat bloß einen Witz gemacht. Harry ist und war nie schwanger und wird es auch nicht werden! Schwangere Kerle werdet ihr in meinen Geschichten nicht finden.

Hoffe, die Fic gefällt euch trotzdem. ;o)

Küsschen
Eure Yulah