So, hier kommt der versprochene zweite Teil. Länger als der erste und mit viiiieeeel mehr Weihnachten. ;o)
Und viiiiieeeel mehr Bert.
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Christmas Tears Part IV - Memories Chapter II
Hogsmeade, 19. August 2004
"Was hältst du von Spaghetti zum Mittag?"
"Wenn du kochst, viel. Wenn ich kochen muss, nichts."
"Als ob ich dich kochen lasse! Das ist mir viel zu gefährlich. Du bist so daran gewöhnt mit irgendwelchen Giften und Säuren und so nem Zeug zu hantieren, dass du uns irgendwann nochmal aus Versehen umbringst."
Draco zog eine Augenbraue hoch. "Sehr charmant."
Harry musste lachen.
"Naja, vermutlich übertreibe ich gerade etwas."
"Vermutlich? Sehr wahrscheinlich trifft es eher."
Harry trat hinter Dracos Stuhl und sah ihm über die Schulter. "Was machst du da?"
"Socken stricken, sieht man das nicht?"
Während er antwortete hielt der ehemalige Slytherin seinen Blick auf den Bogen Pergament gerichtet, der vor ihm lag und schrieb mit schnellen, sicheren Strichen weiter. Harry bewunderte wie immer die elegante, geschwungene Handschrift, die ebenso zu Draco gehörte, wie seine geschmeidige Art sich zu bewegen und seine gewandte Ausdrucksweise. Halblaut las er mit, was Draco schrieb:
"'Mutter. Viele Dank, dass Du beim Verkauf Deines Besitzes auf meine eventuellen Wünsche Rücksicht genommen hast. Dein Angebot ist sehr großzügig. Ich muss es dennoch ablehnen, da wir zur Zeit keine Verwendung für die genannten Gegenstände haben. Ich wünsche Dir eine angenehme Reise. Gruß aus Hogsmeade, Draco.'
Dass du es schaffst, so höflich zu bleiben, finde ich immer wieder bewundernswert. Ich wäre weniger nett gewesen."
"Ja. Ich weiß." Draco lächelte, dann rollte er das Pergament zusammen und verschloss es mit einem schmalen, grünen Band.
"Ich find's gut, dass du 'wir' geschrieben hast."
"Das ist reine Bosheit. Ich reib dich ihr gern unter die Nase."
Harry grinste. "Ja ich weiß. Du bist ein kleiner Sadist, manchmal."
"Du stehst drauf, Potter, gib's zu."
"Solange du im Bett nicht so anfängst."
"Na, ich kann mich beherrschen." Draco legte den Brief im Flur auf die Kommode und kam dann zurück ins Wohnzimmer. "Nimmst du ihn mit, wenn du morgen ins Dorf gehst?"
"Wird gemacht, Sir."
Seit Hedwig vor drei Jahren gestorben war, hatten sie keine Eule mehr und brachte ihre Briefe zum Eulenpostamt im Dorf. Harry hatte es nicht über sich gebracht eine neue Eule zu kaufen und Draco, der das verstehen konnte, hatte nicht darauf bestanden.
Harry sah Draco mit blitzenden Augen an, dann umarmte er ihn und ließ sich mit ihm auf die Couch fallen.
Draco schnappte überrascht nach Luft. "Wer hat dich denn gebissen?"
"Niemand. Aber wir haben URLAUB!"
"Ja, seit über einer Woche."
Harry lachte. "Ja, ich weiß. Aber ich bin irgendwie übermütig heute."
"Das merkt man." Draco sah amüsiert auf seinen Freund, Geliebten und seit neuestem Ehemann, der unter ihm lag und ihn breit angrinste. "Da hab ich mir was eingefangen mit dir..."
Harry ließ seine Hände über Dracos Hintern und unter das dünne Shirt gleiten. "Nur das Allerbeste."
"Wenn du das sagst..." Die silbernen Augen funkelten, dann beugte Draco sich vor und begann Harry tief und hungrig zu küssen.
Es war ihr altes Spiel. Es bedurfte jedes Mal nur einer Kleinigkeit, einer Geste, eines Wortes, um ihre Leidenschaft anzufachen, egal wie wenig Zeit verstrichen war, seit sie sich das letzte Mal geliebt hatten. Harry konnte nicht verstehen, dass es Paare gab, die nach ein paar Jahren genug voneinander hatten und die anfingen sich miteinander im Bett zu langweilen. Er würde niemals genug von Draco bekommen. Auch nach fast sieben Jahren begehrten sie einander immer noch wie ganz zu Anfang. Nur dass Draco schon vor langer Zeit jede Scheu verloren hatte und sich nicht länger nur passiv Harrys Führung überließ. Auch wenn gewisse Aspekte ihrer gemeinsamen Nächte (und Tage) immer bleiben würden. Sie hatten einmal, vor ein paar Jahren versucht die Rollen zu tauschen, einfach, weil Harry wollte, dass Draco (dem vorher klar gewesen war, dass ihm das nichts bringen würde) beide Seiten kennen lernte. Es war eine ziemlich unsichere, leicht verkrampfte und für beide ziemlich unbefriedigende Erfahrung geworden, die sie unter 'Kann, muss aber nicht' ablegten und über die sie im Nachhinein noch immer lachen konnten.
Dann gewannen Verlangen und Leidenschaft die Oberhand und Harry blendete jeden rationalen Gedanken aus.
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Später lagen sie zusammen auf der Couch und genossen die Stille und die angenehme Trägheit des Nachmittags. Draco lag, den Kopf auf Harrys Bauch, mit geschlossenen Augen reglos da, während der Gryffindor müßig mit den hellblonden Haaren spielte, die sich über seine nackte Haut ergossen.
"Sie sind schon wieder viel zu lang." murmelte Draco.
"Nein, sind sie nicht."
"Das sagst du immer, Harry. Wenn es nach dir ginge, hätte ich Haare bis zu den Kniekehlen."
Ein leises Lachen ließ den flachen Bauch unter ihm leicht vibrieren.
"Das sähe bestimmt lustig aus."
Draco drehte den Kopf, so dass er seinen Mann ansehen konnte. "Hauptsache du hast Spaß, was Potter?"
"Jap. Das ist doch der Inhalt deines Lebens oder? Dass ich mich amüsiere."
"Natürlich. Was auch sonst."
"Ich kann mich noch genau erinnern. Bei der Hochzeit hast du gesagt, dass du mich lieben und ehren und unterhalten willst, bis ans Ende deiner Tage."
"Das sind die Momente des Lebens, in denen ein Strick auf einmal sehr verlockend aussieht."
Harry versetzte Draco einen Klaps auf den Hinterkopf.
"Hey! Das ist nicht sehr nett. Ich bin auch sensibel."
Er schob schmollend die Unterlippe vor und schniefte.
Draco lachte, dann schob er sich höher, bis er vollständig auf Harry lag und ihm in die Augen sehen konnte.
"Mit dem Strick bind ich dich fest, damit dich mir keiner klaut."
"Hm... das klingt schon viel besser."
"Harry?"
"Draco?"
"Wolltest du nicht kochen?"
"Hunger?"
"Ich fall gleich Menschen an."
"Ja, ja, das kenn ich. Und dann isst du fünf Nudeln und bist satt."
"Sieben."
"Oh, so schlimm ist der Hunger?"
"Sei froh, bleibt mehr für dich über."
"Ach so. Du hast nur Angst, dass ich verhungere."
"Genau. Ich opfere meine Nudeln für dich."
"Du opferst mir? Ich bin dein Gott!"
"Na, jetzt wollen wir mal nicht übertreiben."
Harry grinste. "Schade. Ich hatte mir schon überlegt, was du mir noch alles opfern könntest."
"Du hast schon alles, was ich hatte." Draco küsste Harry wieder. "Meinen Körper, mein Herz und meine Seele. Alles dein."
"Und ich geb nichts davon jemals wieder her."
Eine Weile küssten sie sich. Dann:
"Harry?"
"Ja?"
"Ich sterbe gleich."
Harry lachte. "Jetzt übertreibst du aber."
Er küsste Draco noch einmal und wand sich dann unter dem schlanken Körper hervor.
"Du könntest ruhig aufstehen und mich rauslassen, Malfoy."
"Ich bin zu schwach."
"Ja, ja. Würde ich jetzt auch behaupten."
Harry verdrehte lachend die Augen, zog seine Hose aus dem Kleiderhaufen neben der Couch und ging in die Küche.
Draco blieb auf dem Bauch auf der Couch liegen und sah ihm nach.
"Zieh lieber die Hose an. Sonst verbrennst du dir noch wichtige Körperteile."
"Statt unqualifizierte Bemerkungen von dir zu geben, könntest du den Tisch decken."
"Jetzt nicht."
"Und warum nicht?"
"Erstens, weil du noch nicht mal mit dem Kochen angefangen hast, es also noch viel zu früh ist und zweitens, weil ich viiiiieeeel zu schwach bin."
"Und drittens, weil du zu faul bist?"
"Ja. Das auch."
"Typisch. Ich muss hier schuften und du liegst in der Gegend rum und lässt dich bedienen."
"Du bist ein ganz Armer."
"Ja, ich weiß. Wenn du das nur nicht vergisst."
Draco lachte leise, stand dann auf und folgte Harry in die Küche. Dort schlang er dem Gryffindor von hinten die Arme um die Taille und küsste ihn auf die nackte Schulter.
"Mein armer, bedauernswerter Harry."
"In meiner Küche steht ein nackter Drache."
"Kannst du dir was drauf einbilden, das hat nicht jeder."
Harry lachte. "Ja, das stimmt wohl. Deckst du jetzt den Tisch?"
"Na gut. Aber nur, weil du es bist. Und vorher geh ich mich wieder anziehen."
"Schade."
Als Draco wieder zurück in die Küche kam, saß Harry auf dem Küchentresen und blätterte in ihrem gemeinsamen Terminkalender. "Was machen wir eigentlich dieses Jahr an Weihnachten?"
"Ne ist klar. Wir haben ja auch schon August. Da muss man sich unbedingt Gedanken über Ende Dezember machen."
"Ja, man kann nicht früh genug damit anfangen. Ich liebe Weihnachten, das weißt du."
"Na, von mir aus. Was hast du dir gedacht?"
"Hm, ich weiß nicht. Wir könnten wegfahren."
"Wohin?"
"Keine Ahnung. Oder wir bleiben zu Hause. Dann ist aber die Frage, ob wir allein feiern oder ob wir mal wieder alle einladen."
"Ich brauch dich gar nicht erst zu fragen, was dir lieber ist."
"Danke gleichfalls." Harry grinste. "Aber wie wäre es mit beidem?"
"Wenn du mir jetzt noch verrätst, wie du das meinst..."
"Wir feiern erst allein. Und am zweiten Feiertag laden wir alle ein."
"Hm." Draco setzt sich an den Tisch und sah Harry nachdenklich an.
"Was heißt 'hm'?"
"'Hm' heißt, dass das durchaus eine Überlegung wert ist."
"Dann würden wir es endlich mal schaffen nur zu zweit zu sein. Ich weiß, dass du dir das schon seit Jahren wünscht."
Draco zog eine Augenbraue hoch. "Woher bloß."
"Du hast ja auch recht damit. Wir hatten seit unserem ersten Weihnachten in Hogwarts nie wieder eins für uns allein."
Beide dachte kurz an dieses erste gemeinsame Weihnachtsfest zurück. Sie waren erst kurze Zeit zusammen gewesen und hatten in der Weihnachtsnacht zum ersten Mal miteinander geschlafen. Bisher war es ihnen nie wieder gelungen ein so ruhiges Fest zu zweit zu verbringen. Immer waren sie eingeladen, waren Freunde da oder kamen unvorhergesehene Dinge dazwischen.
"Irgendwie stehen wir unter einem Fluch."
Draco lachte auf. "Ja genau. Der berühmte Weihnachtsfluch."
"Ja stimmt doch. Ich meine letztes Jahr war ok, da waren wir bei den Weasleys und es war sehr nett, das hast du selbst gesagt. Aber das Jahr davor war für dich der Horror schlechthin, ich war ein Volltrottel und wir hätten uns fast getrennt. Vor drei Jahren waren wir bei Blaise und Lisa, die sich den halben Abend gestritten haben und am Tag drauf war die Feier im Tropfenden Kessel, die auch nicht so der Brüller war..." Harry überlegte kurz. "Vor vier Jahren waren alle hier, vor fünf Jahren hat Percy die halbe Familie fast umgebracht und du hast Tag und Nacht über den Tränken gebrütet."
"Stimmt. In dem Jahr hab ich kaum mitgekriegt, dass überhaupt Weihnachten ist. Und das Jahr davor... war auch nicht so toll."
Harry sah Draco an.
Das Jahr davor…. Ihr erstes Weihnachten in diesem Haus. Nein, es war wirklich nicht besonders toll gewesen...
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Hogsmeade, 24. Dezember 1998
"Leise bröselt der Schnee..."
"Still und starr steht das Reh..."
"Merlin! Nicht das Lametta fressen!"
"Guten Tag. Spreche ich mit dem Psychiatrieflügel vom St. Mungo's? Ja, ich hätte da drei sehr schwere Fälle von Weihnachtswahnsinn. Mein Freund, seine beste Freundin und mein Hund."
Ginny sprang lachend von der Leiter. "Was machst du da, Harry?"
"Ich lass euch einweisen, sieht man das nicht?"
"Mit einer Rolle Kekse?"
Harry legte den improvisierten Telefonhörer wieder auf den Tisch und musterte den Baum. "Und was sieht da jetzt anders aus als vorher?"
"Ich hab ungefähr 500 Kugeln umgehängt!"
"Wie gut, dass nur 23 dran sind..." Draco hob eine Scherbe vom Boden auf. "22... Merlin, dein Schwanz wird über Weihnachten abgeschnitten. Nachher kleben wir ihn wieder an."
"Trotzdem seh ich keinen Unterschied zu vorher."
"Ach, ihr habt doch keine Ahnung. Männer können einfach keine Bäume schmücken."
"Mist. Und ich wollte eine Karriere als professioneller Baumschmücker einschlagen."
"Vergiss es, Herzchen. Kein Talent."
"Woher willst du das wissen?"
"Na, ich hab das Ergebnis doch gesehen."
"Kannst du gar nicht."
"Wohl! Da stand es doch, bevor ich alles gerettet hab."
"Dumm nur, dass Harry den Baum geschmückt hat. Ich hab bloß Schachteln angereicht. Ich klettere nicht auf Leitern."
"Warum nicht?"
"Das ist meine neue Lebensphilosophie."
"Was? Klettere nie auf Leitern?"
Harry verdrehte die Augen, griff nach der Keksrolle und hielt sie ans Ohr. "Hallo? Sind Sie noch dran?"
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Harry genoss die Tage und Wochen vor Weihnachten mehr als jemals zuvor in seinem Leben. Zum ersten Mal war er absolut glücklich. Er hatte ein warmes, gemütliches Zuhause. Niemand sagte ihm, was er tun sollte. Niemand versuchte ihn umzubringen oder ihm etwas anderes, Schreckliches anzutun. Draco hatte sich von dem Schock über den Verrat seiner Eltern wieder erholt und auch wenn noch immer manchmal ein Schatten des Schmerzes in seinem Gesicht zu sehen war, wenn er daran erinnert wurde, hatte er beschlossen sich nicht geschlagen zu geben. Er hatte, wie Harry auch, angefangen einen Job zu suchen, wenn auch bisher erfolglos. Harry seinerseits war ziemlich schnell im Ministerium untergekommen und überlegte derzeit, ob er noch immer seinem alten Traum von einer Ausbildung als Auror nachgehen oder doch lieber erst mal verschiedene Dinge ausprobieren sollte.
Ginny und Hermine, treu wie immer, besuchten sie oft, manchmal in Begleitung von Neville oder einem anderen der ehemaligen Gryffindors, selten auch mit Ron. Dracos frühere Freunde zeigten kein sonderliches Interesse an ihrem ehemaligen Liebling. Nur Blaise blieb treu und kam sie ebenfalls immer wieder besuchen, oft zusammen mit Lisa. Das führte zu hitzigen Debatten und lauten Diskussionen, wann immer er mit Seamus oder, schlimmer, Ron zusammentraf. Aber Blaise war noch nie jemand gewesen, der sich einschüchtern oder die Butter vom Brot nehmen ließ und bisher war es zu keinen ernsthaften Auseinandersetzungen gekommen. Da die meisten ihrer Freunde noch bei ihren Eltern lebten, genossen sie die Tatsache, dass bei Harry und Draco niemand war, der sich einmischte, egal wie unreif oder kindisch sie sich vielleicht benahmen.
Ginny war heute auch eigentlich nur vorbei gekommen, weil sie sich ein Buch leihen wollte. Dass sie jetzt den Baum umschmückte war typisch für sie. Harry störte das wenig.
"Ich geh jetzt nach oben. Soll ich dir das Buch mitbringen, Miss Weasley?"
"Buch? Welches Buch? Ach ja, das BUCH! Ja bitte, sei so lieb, Harry."
Draco grinste. "Sie ist halt auch nicht mehr die Jüngste. Da lässt das Gedächtnis schon mal nach."
"Ja, ja. Das wird es sein."
Harry lachte und ging dann nach oben. Wie immer ließ er auf dem Weg durch das Haus seinen Blick über jeden Winkel gleiten, genoss das Wissen, dass alles hier ihm gehörte, Teil seines Zuhauses war. Dass jeder Farbtupfer an der Wand, jedes Bild, jedes Möbelstück von ihm oder Draco dort platziert worden war, dass es ihre Hände waren, die aus diesem Haus ein Zuhause gemacht hatten und immer noch machten. Draco hatte gelacht, als Harry ihm seine sentimentalen Gedanken mitgeteilt hatte. Aber es war ein warmes Lachen voller Zuneigung gewesen.
Harry blieb kurz neben dem Bett stehen und kraulte Kater Dusty, der zusammengerollt auf der Bettdecke schlief, dann ging er in das kleine Zimmer, das vom Schlafzimmer abging. Es war wohl ursprünglich mal als Kinderzimmer gedacht gewesen und dann irgendwann zu einem Arbeitszimmer umfunktioniert worden. Jetzt beherbergte es Dracos Bücher, seinen Schreibtisch, zwei gemütliche Sessel und den alten Schaukelstuhl, den Harry heiß und innig liebte.
Er blieb vor einem der deckenhohen Bücherregale stehen und ließ seinen Blick über die Buchrücken gleiten. Dracos ganzer Stolz. Klar, einige der Bände gehörten auch Harry, aber das meiste... Hermine war begeistert gewesen. Er bemerkte einige Lücken in den Reihen, dachte aber nicht weiter darüber nach. Draco las, wo er ging und stand und verteilte die Bücher regelmäßig quer über Haus und Garten. Harry sammelte sie mit gleicher Regelmäßigkeit ein und brachte sie hierher, nur um sie kurze Zeit später wieder auf der Veranda oder dem Küchentisch zu finden. Es war hoffnungslos. Und hatte ihn maßlos überrascht. Diese leicht zerstreute, planlose Art zu lesen war völlig untypisch für Draco, der sonst bei allem was er tat sehr konzentriert und vor allem sehr ordentlich war. Zumindest hatte Harry das früher gedacht, als er noch nicht Tag und Nacht mit dem ehemaligen Slytherin verbracht hatte. Inzwischen kannte er schon einige der eher verborgenen Macken und war sich sicher, dass Draco umgekehrt auch seine kleinen Unzulänglichkeiten längst entdeckt hatte. Aber es war bisher nichts dabei gewesen, das unerträglich gewesen wäre.
Er fand das Buch, das Ginny suchte schließlich auf dem Schreibtisch. Als er es aus dem Stapel zog war er jedoch nicht schnell genug und löste eine Lawine von Pergamentrollen, Briefen, kleinern Büchern und anderen Dingen aus, die dort gelegen hatten.
"Verdammter, elender Sch... immelkäse!"
Er legte das Buch für Ginny zur Seite und sammelte den Rest unter sehr farbenfrohen Flüchen wieder zurück auf den Schreibtisch. "Dass er aber auch nie diesen Schreibtisch aufräumen kann!" Sein Blick blieb an einem Brief hängen, auf dessen Kopf das Geschäftswappen von Flourish & Blott's gedruckt war. "Hm. Hat er sich da auch beworben?" Harry überflog den Inhalt und runzelte leicht die Stirn.
"Sehr geehrte Mr. Malfoy, wir haben die Bücher, welche Sie uns freundlichst überlassen hatten, eingehend geprüft und schätzen lassen und können Ihnen folgendes Angebot unterbreiten..."
Darunter stand eine recht ansehnliche Summe, die vermuten ließ, dass die Bücher, von denen die Rede war sehr kostbar waren. Das war nicht weiter überraschend. In den Regalen schlummerten einige bibliophile Schätze, das wusste Harry. Aber genauso wusste er, dass Draco sich niemals freiwillig von einem seiner Lieblinge trennen würde. Er legte den Brief nachdenklich wieder auf den Tisch, nahm sich vor, Draco später danach zu fragen. Gerade als er aufstehen wollte, fiel sein Blick auf eine Pergamentrolle, die halb unter einen der Sessel gerollt war. Er hob sie auf und wollte sie ebenfalls zurück legen, als ihm auffiel, dass er sie schon vor ein paar Tagen unten bei der Post gesehen hatte. Sie war noch immer versiegelt und verschnürt. Seltsam... Er las den Absender und runzelte die Stirn. Narcissa Malfoy. Kein Wunder, dass Draco den Brief bisher nicht geöffnet hatte. Das konnte nichts Gutes sein. Er nahm das Buch und ging wieder nach unten, den Brief immer noch in der Hand.
"Hier, Ginny. Dein Buch."
"Oh, danke. Du bist ein Schatz. Dann werd ich euch jetzt mal wieder euren Vorbereitungen überlassen. Ich muss auch wieder heim, sonst kriegt Mum noch nen Koller." Sie umarmte und küsste beide Jungen. "Ich wünsch euch ein schönes Weihnachtsfest, Jungs. Ich meld mich nach den Feiertagen wieder." Sie winkte, zog ihren Zauberstab aus der Tasche und verschwand.
Draco ließ sich auf die Couch fallen und grinste. "So gern ich sie hab, aber sie hat einen Riesenknall."
"Mhm."
"Was ist los, Baby? Alles klar?"
"Ach nichts weiter."
Harry setzte sich neben Draco und sah ihn an.
"Ich hab das hier auf deinem Schreibtisch gefunden. Tut mir leid, ich wollte nicht schnüffeln, aber mir ist alles runtergefallen." Er gab Draco die Pergamentrolle.
"Oh. Ich hatte gehofft, dass er sich vielleicht in Luft auflöst, wenn ich ihn ignoriere."
"Jinx..."
Draco lächelte schwach. Keiner wusste, wie Harry auf diesen Kosenamen gekommen war, aber er benutzte ihn gern. Und es gefiel Draco irgendwie.
"Ich weiß. Ich weiß... ich mag nur nicht daran denken, was sie sich jetzt wieder hat einfallen lassen."
"Vielleicht will sie sich entschuldigen? Weil Weihnachten ist?"
"Wohl kaum. Aber du hast ja recht. Ich mach ihn auf."
Draco löste mit leicht zitternden Fingern das Siegel und den Knoten der Verschnürung, rollte den Bogen auseinander und begann zu lesen. Harry beobachtete ihn aufmerksam und sah erschrocken, wie sich Dracos Augen immer mehr weiteten und er immer blasser wurde.
"Draco? Was ist los?"
Er schien Harry nicht zu hören. Seine Lippen bewegten sich stumm und schließlich ließ er den Brief sinken und sah seinen Freund fassungslos an.
"Lucius..." wisperte er.
"Was ist mit ihm? Ist der Brief von ihm?"
Draco schüttelte den Kopf. Eine einzelne Träne rann über seine bleiche Wange.
"Er... er ist... tot..."
Harry wusste einen Moment lang nicht, ob er wach war oder träumte, ob er wirklich gehört hatte, was Draco sagte. Die Gedanken wirbelten in seinem Kopf durcheinander, er wusste absolut nicht, was er sagen sollte. Dann übernahmen seine Instinkte die Kontrolle über seinen Körper. Ohne ein Wort zog er Draco in seine Arme und hielt ihn fest.
Draco lehnte seinen Kopf stumm an Harrys Schulter und starrte blicklos geradeaus. Er fühlte sich vollkommen leer, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Er empfand keine Trauer, keinen Schmerz. Auch keine Erleichterung oder Schuld. Er fühlte in diesem Moment gar nichts.
Lange Zeit saßen sie einfach nur stumm da. Schließlich lehnte Harry sich leicht zurück, um Draco anzusehen. Er musterte das blasse, aber ruhige Gesicht seines Freundes eingehend.
"Wie fühlst du dich?"
Draco schüttelte leicht den Kopf. "Ich weiß es nicht." Seine Stimme war leise, kaum hörbar. Er hatte Lucius gehasst. Zumindest diese letzten 3 Jahre. Aber es hatte eine Zeit gegeben, da hatte er seinen Vater zutiefst bewundert, hatte zu ihm aufgesehen. Hatte ihn geliebt.
"Ich weiß es einfach nicht. Ich fühle gar nichts."
"Was ist passiert?"
Der Blick der grauen Augen wanderte kurz zu dem Pergament, dass er noch immer in der Hand hielt.
"Er war krank, mehr schreibt sie nicht." Dann flammte plötzliche Wut auf, ließ das Grau zu flüssigem Eis werden. "Er ist bereits vor drei Wochen gestorben! Und diesen Brief hat sie erst vor vier Tagen geschrieben!"
Harry blinzelte, dann streckte er die Hand aus. "Darf ich?"
Draco sah Harry kurz an, dann las er mit rauer Stimme vor, was seine Mutter geschrieben hatte. Der Brief war kurz:
"Ich setze Dich hiermit davon in Kenntnis, dass mein geliebter Ehemann Lucius vor zwei Wochen in Azkaban einer schweren Krankheit erlegen ist. Die Beerdigung fand im engsten Familienkreis statt. Zur Verlesung des Testamentes wirst Du benachrichtigt. Narcissa Malfoy."
Während er las, schien auch der Rest der kurzen Nachricht in Dracos Verstand und Herz zu sickern. Er sah Harry nicht an, sondern starrte stattdessen auf den einen Satz, der ihn plötzlich ansprang und mit kalten Krallen nach seinem Herz griff:
"Die Beerdigung fand im engsten Familienkreis statt"
... im engsten Familienkreis...
Und dann war der Schmerz da, schlug sich kalt und erbarmungslos in seine Seele. Er schluchzte erstickt auf, der Brief entglitt seinen gefühllos gewordenen Fingern. Während bittere Tränen unaufhaltsam über sein Gesicht liefen, ließ er sich von der Couch gleiten, zog die Beine eng an den Körper und lehnte die Stirn auf die Knie.
Harry sah ihn einen Moment erschrocken an, dann fiel er neben Draco auf die Knie und nahm ihn wieder fest in den Arm.
Draco rührte sich nicht. Er ließ zu, dass Harry ihn eng an sich zog und ihm langsam, beruhigend über den Rücken streichelte.
Seine Stimme war kaum zu hören und voller Verzweiflung.
"Warum macht sie das? Warum hasst sie mich so? Was hab ich ihr getan..."
Harry schloss die Augen und schmiegte seine Lippen leicht gegen Dracos Schläfe. "Ich weiß es nicht, Baby... Aber egal was es ist, es ist nicht deine Schuld! Sie ist eine verbitterte, böse Frau und du darfst nichts darauf geben, was sie sagt."
"Sie hat es mir nicht gesagt... sie hat mir keine Chance gegeben mich zu verabschieden..." Draco hob den Kopf und sah Harry aus tränenblinden Augen an. "Egal was ich für ihn empfunden habe, er war mein Vater!"
Harry nahm das bleiche Gesicht in seine Hände und sah Draco fest an. "Draco. Ich weiß, dass dir das jetzt im Moment nicht hilft, aber diese Frau hat es nicht verdient, dass du auch nur eine Träne ihretwegen vergießt."
"Harry..."
"Komm her, Baby... ich bin hier. Ich lass dich nicht allein."
Draco ließ sich willenlos wieder in die feste Umarmung ziehen und klammerte sich fest an Harry. Im Moment stellte er den einzigen Bezug zur Realität dar. War der einzig feste Punkt in einer Welt die um ihn herum in Scherben fiel.
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Als Harry am nächsten Morgen wach wurde, war das Bett neben ihm leer. Das war weiter nicht ungewöhnlich, weil Draco ein Morgenmensch und Frühaufsteher war, während Harry am liebsten erst Mittags aus den Feder kroch. Aber an diesem Morgen versetzte ihn das leere Kissen neben sich plötzlichen in Panik. Zu lebendig war die Erinnerung an die letzte Nacht, an Dracos hilflose Verzweiflung, an die bitteren Tränen, die einfach nicht versiegen wollten. Es war bereits weit nach Mitternacht gewesen, als Draco endlich in seinen Armen eingeschlafen war.
Harry setzte sich im Bett auf und sah sich suchend im Zimmer um. Unendliche Erleichterung durchflutete ihn, als er Draco am Fenster stehen sah. Diese Erleichterung wurde in der Sekunde durch Sorge ersetzt, als Draco sich zum Bett umdrehte. Er war bereits angezogen, obwohl es erst kurz nach Sonnenaufgang war. Sein Gesicht war blass und ausdruckslos. Seine Augen - sonst stürmisches Wolkengrau oder lebendiges, funkelndes Silber - waren stumpf und leer. Harry konnte nicht sagen, ob Wut oder Verzweiflung hinter ihnen lag.
"Jinx? Wie geht es dir?"
Ein winziges, geisterhaftes Lächeln erschien kurz auf den blassen Lippen, nur um gleich wieder zu verschwinden.
"Ich werde zu ihr gehen. Ich will das ein für allemal klären."
Harry war sofort hellwach.
"Draco nein! Tu dir das nicht an. Warte, bis es dir besser geht."
"Ich kann nicht warten. Ich muss das jetzt klären. Es reißt mich innerlich in Stücke und jede Sekunde, die ich warte zwingt mich mehr darüber nachzudenken. Es tut mir leid Harry. Ich weiß, dass das unfair ist, dir gegenüber. Es ist Weihnachten und..." er schüttelte leicht den Kopf. "Ich kann jetzt nicht so tun, als ob nichts geschehen wäre. Bitte versuch mich zu verstehen."
Harry stand auf. "Ich verstehe dich, Draco. Besser als du dir vielleicht vorstellen kannst. Weihnachten ist egal. Das ist jedes Jahr wieder, darum geht es nicht. Aber ich will nicht, dass du noch mehr verletzt wirst."
Draco lächelte, diesmal wärmer und voller Liebe. Er ging zu Harry, umarmte und küsste ihn sanft.
"Mach dir keine Sorgen um mich." Er streichelte sacht durch die zerzausten, schwarzen Haare.
"Draco... lass mich mitgehen."
"Nein, Harry. Das muss ich allein machen."
"Aber..." Harry dachte an die Nacht zuvor, daran, wie verletzt und verzweifelt Draco gewesen war. Narcissa würde seine Schwäche gnadenlos ausnutzen, ihn vollkommen vernichten. Plötzlich hatte Harry Angst.
Draco schien seine Gedanken zu lesen, denn das Lächeln vertiefte sich, ließ die hellen Augen kurz aufblitzen.
"Harry... so wie gestern Nacht hat mich außer dir noch kein Mensch gesehen. Ich habe niemandem jemals so sehr vertraut. Du bist der einzige, der mein Innerstes kennt."
Die grünen Augen weiteten sich, als Harry bewusst wurde, was Draco ihm gerade gesagt hatte.
"Draco..."
"Sie wird mir nichts antun können, Harry. Nicht mehr. Alles was sie hatte, hat sie bereits getan. Ich werde diese Sache beenden. Und sie wird niemals wieder die Macht haben mich so zu verletzen. Ich werde bald wieder hier sein."
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Als der Butler ihm zwei Stunden später die Tür zum Haus seiner Eltern aufmachte, war Draco ruhig und kühl und nichts deutete darauf hin, wie tief ihn seine Mutter getroffen hatte. Und er war fest entschlossen das auch niemanden merken zu lassen. Diese Genugtuung würde er Narcissa nicht gönnen.
Sie saß im Wohnzimmer am Schreibtisch und sortierte Papiere. Als ihr Sohn das Zimmer betrat sah sie auf und musterte ihn überrascht.
"Draco. Ich wünsch dir frohe Weihnachten, mein Sohn. Setz dich. Was führt dich hierher? Was kann ich für dich tun?"
Bei ihrem betont fröhlichen Tonfall spürte er trotz aller guten Vorsätze kalte Wut in sich aufflammen. Plötzlich hatte er den brennenden Wunsch sie zu ohrfeigen, die Arroganz und Falschheit aus ihrem Gesicht zu wischen. Aber er riss sich zusammen, blieb nach außen hin vollkommen gelassen. Er trat zu ihr, zog wortlos einen kleinen Samtbeutel aus der Tasche und warf ihn vor ihr auf den Tisch.
Sie zog fragend eine Augenbraue hoch.
"Was ist das? Mein Weihnachtsgeschenk?"
"Die Summe, die ich dir noch schulde. Du wirst feststellen, dass sie deine lächerliche Rechnung bis auf den letzten Knut begleicht. Wir sind quitt."
"Aber Draco, ich hatte dir doch gesagt, dass ich dir die Restschuld erlasse."
Ihr Lächeln war mild - und vollkommen falsch. Aber das Spiel beherrschte er auch.
"Ich denke, du kannst es besser brauchen als ich, Mutter. So eine Beerdigung ist teuer. Und da du jetzt allein für dich sorgen musst..." Seine Stimme war kalt, der Sarkasmus nicht zu überhören. "Ich hoffe, es war eine angemessene Zeremonie. Ich hätte Blumen geschickt, leider hat mir niemand Bescheid gegeben."
"Ein dummes Versehen, weiter nichts. Ich war so paralysiert von dem Verlust, dass ich einfach nicht klar denken konnte." Sie lächelte ihn entschuldigend an.
Er lachte bitter. "Natürlich." Seine Augen wurden schmal und plötzlich brach die Wut sich ihre Bahn. "Für wie dumm hältst du mich eigentlich? 'Im engsten Familienkreis', ja? Du bist erbärmlich!"
Bei seinen kalten Worten brach ihre Maske. Ihre Stimme war schrill und anklagend.
"DU hast diese Familie verlassen! DU hast uns zu verstehen gegeben, dass du nichts mehr mit uns zu tun haben willst."
"Das ist nicht wahr, und das weißt du! Verdammt, er war mein Vater! Bist du vielleicht auf die Idee gekommen, dass ich mich gern von ihm verabschiedet hätte?"
Sie lachte auf. "Wozu? Wolltest du ihn in seinen letzten Stunden noch damit quälen, dass du dich diesem Bastard an den Hals geworfen hast, der ihn ins Gefängnis gebracht hat?"
"Seine eigene Dummheit hat ihn ins Gefängnis gebracht!"
"Er hat bis zuletzt gehofft, dass du zur Familie zurückkehrst. Wenn du es genau wissen willst, er hätte diese Krankheit vielleicht sogar überlebt, wenn DU ihm nicht das Herz gebrochen hättest!" Ihre Stimme überschlug sich fast.
Draco sah sie kalt an. "Oh nein! Du wirst nicht mir die Schuld an seinem Tod geben! Und wage gar nicht erst Harry da mit reinzuziehen! Lucius hat bekommen, was er verdient hat. Jahrzehntelang hat er seine dunklen Machenschaften betrieben. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er auffliegt."
"Wie kannst du es wagen so von deinem Vater zu sprechen! Er hätte alles für dich getan!"
Draco lachte hart auf. "Oh ja! Er hätte mich mit sich in den Abgrund gerissen. Und als er merkte, dass er die Kontrolle über mich verliert, dass ich nicht länger seine willenlose Schachfigur bin, hat er versucht zu vernichten was er kann. Glaub ja nicht, dass ich nicht weiß, von wem diese Idee mit der Rechnung wirklich ist. Du hast dir das bestimmt nicht ausgedacht. Wie immer warst du nur seine Marionette. Sein braves Hundchen, dass seine Befehle ausführt."
Sie stand auf, ihre Hände auf der Tischplatte waren weiß, so fest hielt sie die Tischkante umklammert.
"Wie kannst du es wagen?!"
"Die Wahrheit tut weh, nicht wahr? Ich bin gespannt, was du jetzt machen willst, wo du anfangen musst für dich selbst zu denken."
"Und du denkst, du bist etwas Besseres als ich, ja? Was bist du denn anderes als Potters kleines Spielzeug? Wenn er die Nase voll hat, wird er dich fallen lassen. Wenn er genug davon hat dich auszuhalten." Sie legte den Kopf zur Seite. "Weißt du, faktisch bist du seine Hure. Du bleibst bei ihm und bist ihm zu Willen, damit er dir bezahlt, was du zum Leben brauchst. Wie fühlt sich das an? Du kannst ja nicht ernsthaft glauben, dass er dich liebt. Ich frage mich wirklich, wie lange es dauern wird, bis er genug von dir hat."
Jedes ihrer Worte traf ihn wie ein Schlag ins Gesicht. Sie wusste zu genau womit sie ihn verletzen, wie sie ihn treffen konnte. Wut und Schmerz mischten sich in ihm und er konnte sie nur stumm aus kalten Augen ansehen.
Ihre eigenen, blauen Augen schienen plötzlich zu brennen. Sie lehnte sich vor und sah ihn eindringlich an.
"Komm zurück, Draco! Wenn du Potter verlässt und nach Hause kommst, erbst du das gesamte Vermögen der Familie. Alles, was bisher Lucius gehörte, kann dein sein! Das Haus, das Geld! Zusammen können wir dem Namen der Familie wieder zu seinem alten Glanz verhelfen. Wir suchen dir eine angemessene Braut. Was du nach der Hochzeit zu deinem Vergnügen machst, spielt ja keine Rolle. Himmel, du könntest dir sogar den kleinen Potter wieder zurückholen, wenn du unbedingt willst. Natürlich zu deinen Bedingungen. Ich denke, bei der richtigen Summe wird auch er schwach werden und wenn nicht, es gibt eine Menge nützliche Zauber. Die Anhänger des Dunklen Lords sind noch immer zahlreich! Wir könnte seine Mission fortführen! Wir könnten zusammen alles erreichen!!"
Mit jedem ihrer fiebrigen Worte spürte Draco, wie er ruhiger wurde. Je mehr sie redete desto mehr wurde ihm bewusst, wie weit sie sich inzwischen von der Realität entfernt hatte, wie verzweifelt sie an einem Leben festhielt, dass nicht mehr existierte. Er spürte, wie auch das letzte Band zerriss, dass zwischen ihm und dieser Frau bestanden hatte. Sie schien auf einmal nicht mehr als eine Fremde zu sein.
"Tut mir leid, aber ich bin nicht interessiert. Ich werde jetzt gehen. Diese Unterhaltung führt zu nichts."
"Das ist nicht dein Ernst! Wenn du jetzt gehst, erbst du nichts! Lucius hat das Testament kurz vor seinem Tod geändert. Du bekommst alles, aber nur unter der Bedingung, dass du dich von Potter trennst und dieser Farce die du Beziehung nennst ein Ende machst!"
"Behalte dein Geld, Mutter. Ich brauch es nicht und ich will es nicht. Mag sein, dass ich zur Zeit von Harry abhängig bin, aber ich kann damit leben und es wird nicht immer so bleiben. In jedem Fall und egal was du sagst, weiß ich, dass er mich liebt und das ist mir mehr wert als jeder Reichtum, den du mir bieten kannst. Leb weiter dein Leben in der Vergangenheit. Aber erwarte nicht, dass ich mich daran beteilige. Leb wohl, Mutter."
Er drehte sich um und verließ ohne ein weiteres Wort das Wohnzimmer. Er hörte, wie sie hinter ihm herrief, ohne darauf zu achten. Vor dem Haus drehte er sich ein letztes Mal um und betrachtete was einst sein Zuhause gewesen war. Dann, mit einem leichten Lächeln machte er sich auf den Heimweg.
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Hogsmeade, 25. November 2004
"Ich bin wieder daha!"
"Ich bin in der Küche."
Harry warf seinen Mantel über das Treppengeländer und lief in die Küche. Draco saß am Tisch und arbeitete. Als Harry hereinkam, hob er den Kopf.
"Hi. Da bist du ja wieder."
"Jap." Harry grinste breit. Er beugte sich runter und küsste Draco schnell, stellte sich dann wieder hin, die Hände auf dem Rücken und sah seinen Mann auffordernd an.
Draco zog eine Augenbraue hoch.
"Was ist? Du hast doch wieder irgendwas vor."
"Wie kommst du darauf?"
"Ich kenn dich. Also spuck's aus. Was ist los?"
Harry grinste noch etwas breiter.
"Ich hab was für dich. Eigentlich sollte es dein Weihnachtsgeschenk werden, aber ich kann nicht so lange warten."
"Warum nicht? Du weißt doch, was es ist."
"Aber ich will wissen, was du dazu sagst. Wobei ich mir das schon denken kann. Aber ich will dein Gesicht sehen!"
"Oh, das ist kein Problem, würde ich sagen. Mein Gesicht ist noch genau an der gleichen Stelle wie heute Morgen als du aus dem Haus gegangen bist."
"Draco! Du weißt genau was ich meine!"
"Nein, erleuchte mich."
"Ich bin mir ziemlich sicher, dass du dich freust und ich sehe gern, wenn du dich freust."
Draco lachte. "Also hast du beschlossen mir mein Weihnachtsgeschenk einen Monat zu früh zu geben? Du hast wirklich einen Knall manchmal."
"Es ist ja nicht mehr dein Weihnachtsgeschenk, wenn ich es dir jetzt gebe. Dann kriegst du Weihnachten was anderes."
"Also ist es für mich ja nur gut, wenn du es mir jetzt gibst."
"Ja, sag ich doch!"
"Na dann."
"Möchtest du es jetzt haben oder nicht?"
"Möchtest du, dass ich es jetzt bekomme?"
"JA!"
"Ich finde es gut, das manche Dinge sich nie ändern. Unter anderem, dass du immer noch genauso merkwürdig bist wie damals an Halloween."
"Süß und merkwürdig hast du gesagt."
"Ja. Sehr süß und sehr merkwürdig."
Harry strahlte Draco fröhlich an, dann zog er ein großes, rechteckiges Paket hinter dem Rücken hervor.
"Bitte schön. Ich hoffe, du freust dich so wie ich, als ich es gesehen hab."
"Eine Schachtel! Die hab ich mir schon immer gewünscht."
"Und stell dir vor, da ist was drin in der Schachtel!"
"Nein! Tatsächlich? Sachen gibt es." Draco hatte die Schachtel vor sich auf den Tisch gelegt und sah Harry amüsiert an, der neben ihm herumzappelte.
"Jetzt mach schon auf, Malfoy! Ich platze gleich!"
"Ja, das ist mir aufgefallen. Und da ich nicht die Küche wischen will..." Er lachte und begann dann das braune Packpapier zu entfernen, in das die Schachtel eingeschlagen war.
"Hach, ist das aufregend."
"Hör auf, dich über mich lustig zu machen. Beeil dich lieber mal!"
"Harry, möchtest du das Paket auspacken?"
Harry lachte und lehnte sich an Dracos Stuhl.
"Nein. Ich bin ja schon friedlich."
"Herzlichen Dank."
Draco schlug das Papier zurück und hob den Deckel der Schachtel an. Er wusste selbst nicht so recht, was er erwartet hatte, aber als er den Inhalt sah, wusste er nicht, was er sagen sollte. In helles Pergamentpapier geschlagen lag ein großes, sehr altes, in dunkles Leder gebundenes Buch. Er strich leicht mit den Fingerspitzen über die raue Oberfläche. Er brauchte den Titel des Buches nicht zu sehen, dazu kannte er es zu gut. Als er Harry ansah leuchteten seine silbernen Augen wie Sterne.
"Das ist..."
"Ja. Das letzte, das noch gefehlt hat! Ich hab es heute morgen auf dem Weg zur Arbeit entdeckt und zurücklegen lassen. Am liebsten hätte ich es gleich mitgenommen. Freust du dich?"
"Fragst du das im Ernst?" Er nahm Harrys Hand und zog ihn auf seinen Schoß.
"Danke, Baby."
Harry legte ihm die Arme um die Schultern und küsste ihn.
"Ich weiß, wie viel dir das bedeutet."
Draco erwiderte den Kuss langsam und zärtlich.
Vor sechs Jahren war Harry zutiefst schockiert gewesen, als er erfahren hatte, dass Draco einige seiner kostbarsten und meist geliebten Bücher an Flourish & Blott's verkauft hatte, um die Schulden bei seiner Mutter bezahlen zu können. Er hatte Harry nichts davon erzählen wollen und hätte dieser den Brief nicht auf dem Schreibtisch gefunden... Harry wusste, was es für Draco bedeutet hatte sich von den Büchern zu trennen, die ihm teilweise von seiner Urgroßmutter vermacht worden waren und die neben ihrem tatsächlichen, materiellen Wert einen unermesslichen ideellen Wert hatten. Harry hatte sich damals vorgenommen Draco die Bücher zurück zu holen. Dieses Vorhaben hatte sich als schwieriger entpuppt als er erwartet hatte. Viele der Kostbarkeiten waren bereits weiter verkauft worden, als er mit seiner Suche anfing und es hatte Harry viel Zeit und Mühe gekostet, sie wiederzubekommen. Aber jetzt waren alle wieder da, wo sie hingehörten.
"Harry?"
"Hm?"
"Du bist schwer."
"Kann gar nicht sein."
"Gehst du trotzdem runter von mir?"
Harry lachte. "Na gut. Sonst brichst du noch zusammen." Er küsste Draco auf die Nase und setzte sich dann auf seinen eigenen Stuhl.
Draco strich leicht über den Ledereinband des Buches und sah Harry dann warm an. Er nahm die Hand seines Liebsten und hauchte einen zarten Kuss auf die Finger. "Ich danke dir sehr, Baby."
"Wenn es dich glücklich macht, war es die ganze Mühe wert. Aber bevor du das nächste Mal deine Sachen verkaufst, frag mich vorher." Er zwinkerte fröhlich.
Draco lächelte. Er hatte es damals - aus Stolz und Scham - einfach nicht über sich gebracht Harry um das Geld zu bitten. Trotz, oder vielleicht gerade wegen der Gewissheit, dass Harry es ihm ohne zu zögern und ohne Fragen zu stellen gegeben hätte. Es hatte lange gedauert, bis Draco bereit gewesen war seinen Stolz herunterzuschlucken und Hilfe anzunehmen. Das betraf nicht nur die Bücher.
"Damals konnte ich das nicht. Heute wäre das anders. Inzwischen hab ich meinen Stolz unter Kontrolle, nicht umgekehrt."
"Ich weiß, Jinx. Und du weißt, dass das nie wirklich zwischen uns gestanden hat."
Draco streichelte nachdenklich über Harrys Handrücken. "Doch. Das hat es. Wenn auch nicht deinetwegen. Aber es gab einen Zeitpunkt, da hätte ich dich fast verlassen deswegen..."
Harry nickte leicht. "Ja. Ich weiß. Aber du hast es nicht getan. Das ist alles, was zählt." Er sah Draco in die Augen.
Dieses eine Mal lag schon so lange zurück... Es war der erste wirklich ernsthafte Streit gewesen. Das erste Mal, dass Harry wirklich Angst gehabt hatte, Draco zu verlieren...
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Hogsmeade, 16. August 1999
"'Sehr geehrter Mr. Malfoy. Wir danken Ihnen für Ihr Interesse, leider müssen wir Ihnen mitteilen...' Verdammter Mist!" Das zusammengeknüllte Pergament flog gegen die Wand und fiel neben dem Kamin zu Boden.
Harry, der auf dem Fußboden saß und Merlin bürstete, zuckte leicht zusammen.
"Baby? Alles in Ordnung?"
"Nein, nichts ist in Ordnung! Das ist die achtmillionste Absage! Ich weiß langsam nicht mehr, wen ich noch um einen Job bitten soll. Inzwischen hab ich wirklich jeden gefragt mit Ausnahme der Weasley-Zwillinge und Madame Rosmerta! Und selbst Kellnern erscheint mir immer verlockender!"
Harry stand auf und ging zur Couch, setzte sich neben seinen Freund.
"Hey. Das wird schon. Du findest sicher etwas. Ich meine, du bist so klug. Ich kann mir nicht vorstellen, dass niemand dich einstellen will."
Dracos Stimme war bitter. "Die interessiert es nicht, wie klug ich bin oder was ich kann. Die sehen meinen Namen und winken gleich ab."
"Ach nein. Das glaub ich nicht."
"Dann denk ich mir das alles aus oder was?"
Draco sprang auf und ging nach draußen. Harry folgte ihm.
"Draco, so hab ich das nicht gemeint."
"Ich weiß. Ich weiß... Es tut mir leid, du kannst schließlich nichts dafür..."
Harry legte ihm leicht die Hand auf die Schulter. Draco zuckte leicht zurück.
"Nicht... Bitte. Lass mich einfach eine Weile allein, ok?"
Er sah den verletzten Ausdruck in den grünen Augen und seufzte.
"Harry bitte. Es hat nichts mit dir zu tun. Ich möchte nur eine Weile allein sein."
"Ok... Ich mach in der Zwischenzeit was zu essen, ja?"
"Ja. Mach das."
Harry warf seinem Freund noch einen besorgten Blick zu und ging dann zurück ins Haus. Durchs Küchenfenster konnte er sehen, wie Draco unruhig auf der Veranda hin und her lief. Er machte sich inzwischen ernsthafte Sorgen um den Slytherin. In den letzten Wochen war er immer launischer und reizbarer geworden. Gleichzeitig zog er sich immer weiter zurück. Harry wusste nicht, wie er seinem Freund helfen sollte. Natürlich war ihm aufgefallen, dass Draco, der seit fast einem Jahr versuchte Arbeit zu finden noch immer nur Absagen bekam. Aber es fiel ihm schwer den Grund dafür zu verstehen. Draco war klug, begabt und charmant. Es war unmöglich, dass wirklich niemand ihn wollte. Und es konnte einfach nicht sein, dass es etwas mit seinem Namen zu tun hatte. Vielleicht sollte er selbst mal im Ministerium fragen. Arthur vielleicht... Auch wenn Draco an Muggleartefakten herzlich wenig Interesse hatte. Oder Shacklebolt... Das wäre schon eher etwas. Draco liebte Bücher und war begnadet was Zaubertränke betraf... da musste es doch etwas geben. Harry nahm sich fest vor, bei nächster Gelegenheit zu fragen.
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Draco lehnte am Verandageländer und versuchte sich zu beruhigen. Es tat ihm leid, dass er Harry angefahren hatte, aber in letzter Zeit fiel es ihm schwer seine Frustration zu unterdrücken. Im Anfang hatte es so einfach geklungen. Mein Geld ist weg? Egal, such ich mir halt nen Job. Immerhin hatte er einen der besten Abschlüsse, die in Hogwarts jemals gemacht worden waren. Für irgendetwas musste das doch gut sein. Als die ersten Absagen eintrudelten hatte Draco sich noch keine großartigen Gedanken gemacht. Aber inzwischen... Er wusste selbst nicht mehr, wie viele Leute er schon um einen Job gebeten hatte. Er war inzwischen bereit fast alles zu machen. Aber jedes Mal kamen nur die selben höflichen Variationen von 'Tut uns leid, aber wir sind nicht interessiert.' Einige wenige waren sogar so weit gegangen offen zu schreiben, dass sie einen Malfoy erst dann einstellen würden, wenn die Hölle einfror. So wie einige der Leute, die er persönlich gefragt hatte, ihm offen ins Gesicht gelacht hatten. Harry wusste nichts davon. Draco brachte es nicht über sich ihm davon zu erzählen. Die Demütigung allein war schlimm genug.
Aber es war nicht allein die Tatsache, dass er keine Arbeit hatte. Draco hätte sich gut damit beschäftigen können zu lesen und zu Hause auf Harry zu warten. Es waren die spitzen Bemerkungen, die Anschuldigungen. Er ließe sich von Harry aushalten. Er würde Harry ausnutzen. Er wäre nicht aus Liebe hier, sondern wegen Harrys Geld. Er wäre nur auf der Suche nach einem reicheren Freund, der ihn mit dem Luxus überhäufen würde, den er gewohnt war um Harry dann sofort zu verlassen.
Draco ließ sich auf die Verandastufen sinken und kraulte Isis geistesabwesend hinter den Ohren.
Es fiel ihm jeden Tag schwerer so zu tun, als mache ihm das alles nichts aus. Denn was zu den Absagen und den Sticheleien kam, waren Kleinigkeiten, die seinen Stolz verletzten und innerlich an ihm nagten, auch wenn er sich nichts anmerken ließ. Harry, der immer und überall bezahlte. Sei es für ein Eis oder ein Butterbier im Tropfenden Kessel oder für ihre normalen Einkäufe. Die Tatsache, dass er wieder zwei seiner Bücher hatte verkaufen müssen, um Harry wenigstens ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen. Für Harry war er gern zu diesem Opfer bereit gewesen, auch wenn es ihm jedes Mal weh tat, wenn er sich von einem seiner Bücher trennen musste. Aber es war Harrys besorgter Blick gewesen, als er das Geschenk ausgepackt hatte. Dieser Blick, der sagte 'Warum schenkst du mir das? Du kannst es dir doch nicht leisten.' Draco hatte in dem Moment plötzliche Wut gespürt und war kurz davor gewesen seinen Freund anzufahren. Dabei war es kaum Harrys Schuld. Er gab sich alle Mühe.
Draco seufzte leicht und beschloss, sich bei Harry zu entschuldigen. Und dann würde er eben einfach weitersuchen müssen. Solange bis er einen Job fand.
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Hogsmeade, 30. August 1999
'Gesucht: junge, flexible Aushilfskraft. Umfangreiche Kenntnisse der Zaubertrankkunst unbedingt erforderlich! Bewerbungen an Kettle & Mortar, Knockturn Alley 329'
Draco starrte die Anzeige seit einer viertel Stunde ohne Unterbrechung an. Er hatte wie üblich den Tagespropheten hinten angefangen, längst nicht mehr an den aktuellen Nachrichten interessiert sondern nur noch an den Anzeigen im hinteren Teil. Wie üblich war nur wenig dabei gewesen und er sah in Gedanken schon die Absagen vor sich. Dann fiel sein Blick auf die Anzeige des Zaubertrankladens in der Nocturngasse. Es war ungewöhnlich, dass überhaupt jemand von dort den Tagespropheten für diesen Zweck nutzte.
Kettle & Mortar. Draco kannte den Laden. Er war oft mit seinem Vater dort gewesen. Der Inhaber war ein alter Zauberer, der niemals und vor niemandem einen Hehl daraus gemacht hatte, dass er die dunkle Magie jeder anderen vorzog. Da er aber niemals offen Voldemort unterstützt hatte und sich auch sonst nichts zu Schulden kommen ließ, hatte das Ministerium ihn bisher unbehelligt gelassen. Draco wusste durch Lucius aber ziemlich genau um die Loyalitäten des alten Mannes. ER würde mit Sicherheit keine Einwände gegen den Namen Malfoy erheben. Im Gegenteil.
Andererseits... es blieb die Nocturngasse. Und der Laden eines Schwarzmagiers. Genau der Weg, den Draco verlassen hatte, als er sich Dumbledore und seinen Leuten angeschlossen hatte.
Er starrt die Anzeige noch einen Moment lang an, dann kreiste er sie ein. Edle Motive brachten ihm kein Geld ein.
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"Draco? Hast du den Tagespropheten gesehen?"
"Liegt auf dem Wohnzimmertisch."
"Wo? Ach da." Harry grinste. "Ich sollte wohl mal meine Brille putzen."
Draco warf ihm einen leicht amüsierten Blick zu, sagte aber nichts.
Harry ließ sich auf die Couch fallen und vertiefte sich in die Zeitung. Eine Weile herrschte träge Stille unterbrochen nur vom Ticken der Uhr und dem leisen Rascheln der Zeitung. Dann brach das Rascheln ab.
"Draco?"
"Hm?"
"Hast du die Kringel hier um die Anzeigen gemalt?"
"Ja. Warum?"
"Weil... du hast aus Versehen eine erwischt, die ist in der Nocturngasse."
Draco ließ sein Buch sinken.
"Das ist kein Versehen."
"Das ist kein...? Draco, das ist nicht dein Ernst jetzt, oder? Du willst dich nicht allen Ernstes da bewerben!"
"Und warum nicht?" Dracos Stimme klang leicht bissig, angriffslustig. Er fühlte sich von Harrys offener Ablehnung in die Ecke gedrängt.
"Das muss ich dir doch wohl nicht ernsthaft erklären! Ich kenne den Laden. Der Inhaber ist ein Schwarzmagier."
"Und?"
"Draco! Du darfst dich da nicht bewerben!"
Harry merkte, dass er einen Fehler gemacht hatte, kaum dass er den Satz ausgesprochen hatte. Dracos Augen wurden schmal.
"Wer will mir das verbieten? Du etwa?"
"Draco, so war das nicht gemeint... Aber es gibt sicher Alternativen..."
"Nein! Die gibt es eben nicht! Im Gegensatz zu dir bin ich nicht Everybody's Darling! In dem Laden muss ich mir keine Gedanken machen, dass der Name Malfoy allein sie schon abschreckt. Da hätte ich eine Chance."
"Aber..."
"NEIN! Spar dir dein Aber! Ich bin es leid, Harry, hörst du! Ich bin es leid, dass man mich abgewidert ansieht, auslacht und rauswirft, wenn ich nach Arbeit frage. Ich will nicht länger wie ein Bettler rumlaufen und die Leute anflehen mir etwas zu tun zu geben. Und ich will nicht länger von dir abhängig sein!"
Harry zuckte zusammen. "Draco... ich... Du BIST nicht abhängig von mir..."
"Doch! Das bin ich. Ich kann mir nicht mal ein simples Brötchen kaufen! Wenn ich dir etwas schenken will, muss ich meine Sachen verkaufen. Ich kann nicht mehr, Harry! Ich will nicht mehr. Ich hab alles aufgegeben und wozu? Damit jeder mich beschuldigt, dass ich dich ausnutze, dass ich mich von dir aushalten lasse? Wenn du morgen beschließt, dass du mich nicht mehr bei dir haben willst, dann steh ich ohne einen Knut da. Allein komm ich im Moment zu gar nichts. Alles hier gehört dir! Das Haus, die Möbel! Das Essen, selbst die verdammten Klamotten, die ich trage!"
Harry sah ihn verletzt an. "Das Haus gehört auch dir... Und es macht mir nichts, wenn ich im Moment alles bezahle..."
"ABER MIR! Verstehst du das nicht? Ich bin nichts weiter als dein Anhängsel! Ein weiterer Beweis für deine Großherzigkeit. Seht euch Harry Potter an. Ist er nicht wundervoll. Kümmert sich sogar um den armen, mittellosen Malfoy, der es geschafft hat zu Hause rauszufliegen. Ich bin dein Sozialfall, Harry, mehr nicht."
"Im Moment bist du gemein."
Draco schloss die Augen. Er wusste, dass er Harry wehtat. Aber er konnte in diesem Moment nichts daran ändern. All die Wut und Enttäuschung, die Demütigungen und Anschuldigungen brachen hervor und schwemmten jedes andere Gefühl mit sich.
"Ich schluck das alles schon viel zu lange. Und wenn mein einziger Ausweg eine Arbeit in der Nocturngasse im Laden eines Schwarzmagiers ist, dann bitte! Im Moment wäre es mir egal, wenn er ein Todesser oder Voldemort persönlich wäre!"
"Was ist mit dem Ministerium? Warum versuchst du es nicht da?"
"Da HABE ich schon! Mehr als einmal. Vielen Dank, keine Interesse. Was mit anderen Worten heißt, Bevor wir einen wie dich einstellen, Malfoy, lernen Schweine fliegen!"
"Findest du nicht, dass du übertreibst?"
"Oh, das war ja klar! Alles ist gut, wenn ich es nur ja nicht wage etwas gegen das Ministerium oder Dumbledore oder deine geheiligten Weasleys zu sagen! Wach auf, Potter! Die Welt ist nicht so, wie du sie gerne hättest. Nur weil sie dich mögen, gilt das noch lange nicht für mich. Im Gegenteil! Ich bin das Böse in Person, weil ich mich dir an den Hals geworfen haben und jetzt auf deine Kosten lebe. Absolut jeder denkt das und die meisten haben keine Scheu es mir ins Gesicht zu sagen! Ich hab ein für allemal die Schnauze voll davon! Und jetzt, wo sich mir eine Chance biete, willst du mir das verbieten! Gefällt es dir, wenn ich abhängig von dir bin?"
"Eine Chance? Das ist doch keine Chance! Wenn du da anfängst, wirst du früher oder später wieder einer von ihnen!" Kaum war der Satz raus, schlug Harry sich die Hand vor den Mund.
Dracos Augen waren funkelndes Eis.
"Wieder?" fauchte er, "Wieder? Ich bin also nur so knapp davon entfernt, einer von ihnen zu werden und nur dein guter Einfluss hält mich bisher davon ab? WIEDER! Ist es das, was du denkst?"
"Nein, Draco, und das weißt du! Ich hab das nicht so gemeint. Dreh mir doch nicht die Worte im Mund rum!"
Draco antwortete nicht. Er stand einfach nur da, zitternd vor Wut und starrte Harry hasserfüllt an. Es war wie damals. Wie in den ersten Jahren in Hogwarts. Harry biss sich leicht auf die Unterlippe.
"Hör zu, ich hab mit dem Minister geredet. Er will sich deine Sachen noch mal ansehen..."
"Du hast WAS?!? Wie kannst du es wagen? Wie kannst du mich dermaßen demütigen? Reicht es nicht, dass sie mich abgelehnt haben? Muss ich jetzt meinen berühmten, beliebten Lover vorschicken, damit er ein gutes Wort für mich einlegt." Seine Augen wurden wieder schmal.
"Meine Mutter hatte recht. Ich bin nicht mehr als deine Hure!"
Bevor Harry antworten konnte, drehte er sich auf dem Absatz um und rannte aus dem Haus.
Harry blieb wie vom Donner gerührt zurück und versuchte zu begreifen, was geschehen war.
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London, 06. September 1999
"Hier Liebes, trink das erst mal."
Hermine reichte Harry eine Tasse Tee und setzte sich dann neben ihn auf die Couch. Er nahm die Tasse und murmelte einen Dank ohne sie anzusehen.
Sie seufzte leise. "Immer noch nichts?"
Er schüttelte den Kopf. "Nein. Ich hab ihn weder gesehen noch etwas von ihm gehört. Seit einer Woche ist er wie vom Erdboden verschluckt." Er schniefte. "Ich hab solche Angst, dass etwas passiert ist... oder... dass er nicht mehr wiederkommt..."
"Ach Harry..." Sie streichelte ihm über den Rücken und suchte nach etwas Tröstendem, was sie sagen konnte. Aber ihr fiel nichts ein. Als Harry vor einer Woche in Tränen aufgelöst vor ihrer Tür gestanden hatte und ihr erzählte, dass Draco nach einem Streit abgehauen war, hatte sie sich nichts weiter dabei gedacht. Natürlich war Harry fertig, es war der erste wirkliche Streit, den er in fast zwei Jahren mit Draco gehabt hatte. Sie war sicher gewesen, dass sich das bald wieder einrenken würde. Inzwischen fing sie langsam an daran zu zweifeln. Draco war an dem Tag nicht nach Hause gekommen. Und auch nicht an den Tagen danach. Seit einer Woche hatte niemand etwas von ihm gehört. Harry war inzwischen halb wahnsinnig vor Sorge. Er malte sich alle möglichen schrecklichen Dinge aus, die passiert sein konnten - das schrecklichste von allen, dass Draco ihn verlassen hatte und nicht wiederkommen würde.
"Es geht ihm bestimmt gut, Harry. Er kann auf sich aufpassen, das weißt du."
"Aber... er hat nichts bei sich. Weder eine Jacke, noch Geld... noch nicht mal seinen Zauberstab..."
"Es ist warm draußen, eine Jacke braucht er nicht. Und seinen Zauberstab auch nicht. Er wird schon zurecht kommen."
"Und was ist... wenn er nicht wieder kommt? Was soll ich dann machen, Hermine?"
"Er wird bestimmt wiederkommen, Harry. Wenn du mir nur erzählen würdest, warum ihr euch so gestritten habt..."
Harry schüttelte den Kopf. "Ich kann nicht, Hermine..."
Sie nickte leicht.
"Er war so wütend,... ich hab ihn nicht mehr so gesehen seit... seit damals in der Schule... bevor..."
"Aber ihr habt euch doch schon öfter gestritten, oder?"
"Ja. Aber noch nie so." Er schloss die Augen und zwang sich, die Tränen zurück zu halten. Er hatte schon zuviel geweint in den letzten Tagen. Nacht für Nacht lag er allein im Bett und starrte auf das leere Kissen neben sich. Und jedes Mal flossen die Tränen.
"Harry... versteh mich jetzt nicht falsch, aber vielleicht ist es gut, wenn ihr mal ein bisschen Abstand bekommt. Ich meine, seit ihr in das Haus gezogen seid, wart ihr nie mehr als ein paar Stunden getrennt."
"Ich weiß..."
Sie küsste ihn sacht auf die Wange. Zum ersten Mal seit langem war Hermine froh, dass Ron nicht hier war.
"Es wird alles wieder gut Harry. Draco liebt dich so sehr. Ich glaube nicht, dass er dich einfach so verlässt. Nicht nach allem was ihr zusammen erlebt habt."
"Ich hoffe, du hast Recht." Er sah sie traurig an. "Danke Hermine. Dass du für mich da bist und mir zuhörst und alles."
"Ach Harry, dafür bin ich doch da." Sie lächelte ihn warm an. "Hör mal, was hältst du davon, wenn du heute hier schläfst? Meine Eltern haben sicher nichts dagegen. Dann kannst du dich ausschlafen und vielleicht ein bisschen zur Ruhe kommen."
"Das ist lieb gemeint Hermine, aber ich kann nicht... Ich kann die Tiere nicht allein lassen...und...ich will zu Hause sein, falls..."
Sie nickte. Ja, falls... Falls Draco sich meldete, nach Hause kam. Sie konnte Harry verstehen.
"Gut. Was hältst du dann davon, wenn wir morgen zusammen frühstücken? Ich komm vorbei und bring Brötchen mit."
Er lächelte leicht. "Gern. Ich bin im Moment ganz froh, wenn ich nicht allein bin und nachdenken muss."
Er stand auf und umarmte Hermine. "Ich werd jetzt gehen. Es ist schon ziemlich spät. Danke nochmal."
"Nichts zu danken, Schatz. Bis morgen."
Als er weg war, blieb sie noch eine Weile allein im Wohnzimmer sitzen und dachte nach. Sie kannte nur Bruchstücke, wusste nicht wirklich, worum es in dem Streit gegangen war. Aber im Moment hatte sie den dringenden Wunsch, Draco zu ohrfeigen für das, was er Harry antat.
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Als Harry nach Hause kam blieb er einen Moment auf der vorderen Veranda stehen und sah auf die stillen, dunklen Fenster. Normalerweise würde, wenn er um diese Zeit nach Hause kam Licht im Wohnzimmer brennen oder zumindest über der Haustür. Es wäre jemand da, der ihn begrüßte, der ihn fragte, wie sein Tag war. Jemand, der ihm zuhörte, während er erzählte, was er den Tag über erlebt hatte, der über seine Witze lachte und ihn anlächelte. Später würden sie zusammen essen, über ihre Freunde oder das Haus reden, sich an Dinge von früher erinnern. Und wenn sie irgendwann ins Bett gingen, würden sie sich aneinander kuscheln, vielleicht ein bisschen reden und schließlich einschlafen in der Gewissheit, dass es jemanden gab, der sie liebte, und dass sie immer füreinander da sein würden.
Jetzt war das Haus leer und trotz der milden Spätsommernacht kalt. Niemand war da, der ihn begrüßte oder ihn in den Arm nahm. Und vielleicht würde dort auch nie wieder jemand sein.
Harry spürte eine Welle der Einsamkeit über sich zusammenbrechen. Er schloss die Augen und stand reglos da, wartete bis das Gefühl des Alleinseins etwas schwächer wurde, dann schloss er die Tür auf und trat in den dunklen Flur.
Merlin kam ihm schwanzwedelnd entgegen, ließ sich kraulen und streicheln und lief dann zurück ins dunkle Wohnzimmer, wo sein Körbchen stand.
Harry lächelte schwach. Wenigstens war er nicht ganz allein. Er konnte Isis auf ihrem Lieblingsplatz, dem Kaminsims sitzen sehen und hörte den Hund, der in seinem Korb herumwühlte um eine angenehme Schlafposition zu finden.
Harry folgte Merlin ins Wohnzimmer. Er wollte gerade die Kerzen anzünden, als er unter der Küchentür einen schmalen Streifen Licht durchschimmern sah. Sein Herz setzte unwillkürlich einen Schlag aus. Lautlos durchquerte er das Zimmer und legte die Hand leicht gegen die Tür. Sie war nur angelehnt und gab dem sanften Druck nach.
Draco saß reglos am Tisch, das Gesicht in den Händen vergraben. Bei dem Geräusch der sich öffnenden Tür hob er den Kopf. Er sah Harry lange Augenblicke einfach nur an. In seinen Augen, die im Kerzenschein dunkel waren mischten sich Trauer und Angst. Als er sprach war seine Stimme leise, kaum hörbar. "Verzeih mir..."
Harry schloss die Augen und ließ sich gegen den Türrahmen sinken. Einen Moment lang war ihm schwindelig vor Erleichterung. Draco war wieder da. Er hatte ihn nicht verlassen. Es war alles wieder in Ordnung. Oder zumindest würde es das bald wieder sein.
Draco war aufgestanden und stand jetzt neben dem Tisch, unschlüssig was er tun sollte, weil er Harrys Reaktion nicht einordnen konnte und sich nicht traute zu tun, was er eigentlich am liebsten getan hätte.
Harry schlug die Augen wieder auf und sah ihn einen Moment lang an, dann überwandt er die Distanz zwischen ihnen und zog Draco in seine Arme.
Der spürte, wie seine Angst sich in Luft auflöste.
"Es tut mir so leid, Harry... ich hab mich furchtbar aufgeführt. Bitte verzeih mir... Ich wollte dir nicht wehtun." Er hatte die Augen geschlossen und die Stirn gegen Harrys Schulter gelehnt.
Harry zog ihn als Antwort nur noch fester an sich. "Ich hatte solche Angst, dass du mich verlassen hast... dass du nicht wiederkommst. Ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht..."
Draco hob den Kopf und sah Harry unsicher an. "Es tut mir so unendlich leid, Harry." wiederholte er. "Ich war gemein und unfair. Ich wünschte, ich könnte rückgängig machen, was ich gesagt habe."
Harry schüttelte leicht den Kopf, lächelte leicht. "Nicht... Es ist gut..."
"Verzeihst du mir?"
"Natürlich! Ich war auch nicht gerade besonders feinfühlig..."
Draco lächelte wehmütig. "Ich hab dir auch kaum Anlass dazu gegeben." Er löste sich aus Harrys Umarmung und ging ins Wohnzimmer, ließ sich auf die Couch sinken. "Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist... Ich hab mich so angegriffen gefühlt... Und du hast den ganzen Frust abgekriegt, den ich seit Monaten in mich reinfresse. Es tut mir leid."
Harry war ihm gefolgt und setzte sich jetzt neben ihn, nahm Dracos schmale Hand in seine.
"Draco. Es ist ok. Du musst dich nicht weiter entschuldigen." Er lächelte warm. "Ich liebe dich, weißt du noch? Ich bin bereit, dir fast alles zu verzeihen."
Draco sah Harry lange einfach nur an, dann schmiegte er sich fest an den Gryffindor, vergrub das Gesicht in Harrys Pullover und atmete den vertrauten Duft ein. "Ich hab dich überhaupt nicht verdient..."
Harry streichelte durch die weichen, hellen Haare. "Danke gleichfalls..."
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Später lagen sie aneinandergeschmiegt im Bett und redeten leise über das, was passiert war.
"Wo bist du die ganze Zeit gewesen? Ich hab mir die allerschlimmsten Dinge ausgemalt... dass du unter einer Brücke schläfst oder sonst wo."
Draco lachte leise. "Die einzige Brücke, die es hier im Umkreis von Meilen gibt ist der Steg über den Mühlbach. Ich glaub nicht, dass ich da drunter passe." Er streichelte Harry leicht über die Wange und küsste ihn sacht. "Ich war bei Blaise. Hab die ganze Zeit auf der Couch gehockt, Eis und Chips und Schokolade in mich reingestopft, ununterbrochen geheult und bin im Selbstmitleid zerflossen. Solange bis Blaise damit gedroht hat mich kalt abzuduschen und einen Exorzisten zu rufen."
Harry zog gespielt entsetzt eine Augenbraue hoch. "Du hast gegessen?"
"Ha ha... sehr witzig." Draco lachte wieder.
Harry sah seinen Freund liebevoll an, dann wurde er wieder ernst.
"Draco... Kann ich dich noch etwas fragen?"
"Sicher. Was denn?"
"Was du gesagt hast... was deine Mutter über uns gesagt hat... du glaubst das doch nicht wirklich, oder? Ich meine... dass du..." Er brachte es nicht über sich, es auszusprechen. Von allen Dingen, die Draco gesagt hatte, hatte ihn dieses eine am tiefsten getroffen.
Draco spürte wieder bittere Schuldgefühle, als er den flehenden, ängstlichen Blick in den grünen Augen sah.
"Ach Harry... bitte vergiss, dass ich das jemals gesagt habe... Es war dumm und unfair und gemein... Ich hab geredet ohne nachzudenken. Es tut mir so unendlich leid... Und es liegt nicht ein Körnchen Wahrheit darin!"
Harry lächelte erleichtert. "Danke... Alles andere war nicht so schlimm... aber das... Ich hatte solche Angst, dass du das wirklich denkst..."
"Nein, Harry. Ich hab mich angegriffen gefühlt, weil ich dachte, du willst mir vorschreiben, was ich tun und lassen soll... Also hab ich um mich geschlagen, wenn auch nur verbal. Das ist ein Reflex. Wenn ich mich in die Ecke gedrängt fühle, werde ich gemein. Hätte ich nachgedacht, hätte ich so etwas niemals gesagt. Und vor allem nicht zu dir. Du darfst nicht eine Sekunde denken, dass ich das wirklich so gemeint habe."
Sie küssten sich wieder. Sanft und langsam. Dann zupfte Harry leicht am Saum von Dracos Schlafanzug. "Da ist noch etwas..."
"Ja?"
"Wegen dem Job bei Kettle & Mortar... Wenn du wirklich willst, dann... Also..." Er schloss kurz die Augen und versuchte seine Gedanken zu sortieren. "Draco, ich kann nicht so tun, als ob ich es gut finden würde, wenn du dort arbeitest... ich fände es im Gegenteil furchtbar... und ich hätte Angst um dich... Aber ich kann dich auch irgendwie verstehen... und ich werde mich nicht einmischen, wenn du dich wirklich da bewerben willst..." Harry sah Draco nicht an, sondern spielte weiter mit dem dunkelblauen Stoff zwischen seinen Fingern. Darum sah er den Blick in den silbernen Augen nicht, die vor Liebe strahlten.
"Ich will nicht dort arbeiten Harry. Du hattest mit allem Recht, was du gesagt hast. Auch damit, dass es der falsche Weg ist... dass ich zurück in die Dunkelheit fallen würde, wenn ich mich wieder damit einlasse..."
"Baby, nein! SO hab ich das gar nicht gemeint! Ich..."
"Sshht. Nicht, Harry. Du hattest recht. Wenn ich den Job annehme, dann beweise ich damit nur, dass die Leute recht haben, die von Anfang an behaupten, dass ein Malfoy nicht dazu fähig ist sich zu ändern. Und außerdem will ich nicht etwas tun, dass dich unglücklich macht. Und das würde es. Auch wenn du sagst, dass es ok ist. Es würde dich quälen. Ich kenne dich. Vergiss diese Sache. Ich werde mich weder dort noch bei einer anderen Stelle dieses Rufes bewerben."
Harry konnte seine Erleichterung nicht verbergen. "Danke, Draco. Ich weiß, dass es schlimm für dich ist, keine Arbeit zu haben..."
"Es geht mir weniger um die Arbeit..."
"Ich weiß. Und ich möchte, dass du eins weißt, es ist egal, wie lange es dauert, ich will nicht, dass du das Gefühl hast, abhängig zu sein von mir. Alles was ich habe gehört dir genauso. Dieses Haus mit allem was darin ist genauso wie mein Geld. Aber du hattest recht. Es ist blöd, dass du immer mich um Geld bitten musst, wenn du etwas brauchst. Darum hab ich mir überlegt, dass ich dir einen Schlüssel für das Gewölbe besorge und eine Vollmacht..."
"Harry..." Dracos Protest wurde von warmen Fingern unterbrochen, die sich gegen seine Lippen schmiegte.
"Nein. Lass mich ausreden. Irgendwann wirst du eine Arbeit finden und Geld verdienen. Und dann kannst du dieses Geld in das Gewölbe legen und niemand wird mehr wissen, ob es mal dir oder mir gehört hat. Es wird uns gehören und fertig. Und es ist mir vollkommen egal, wie lange es bis dahin dauert. Und was die Geschenke betrifft... Ich will nicht, dass du deine Bücher verkaufst, damit ich ein Geburtstagsgeschenk bekomme. Du musst mir nichts schenken. Ich hab schon alles was ich mir wünsche, solange du bei mir und glücklich bist."
Draco schloss die Augen. Er wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Harrys Liebe raubte ihm jeden klaren Gedanken. Er spürte Tränen unter seinen Wimpern hervorquellen, aber das war ihm egal.
"Ich liebe dich so sehr, Harry..."
x-x-x-x-x
Hogsmeade, 10. Dezember 2004
"Also, die Weasleys kommen alle, sieht man mal von Percy und Penelope ab. Die schmollen immer noch wegen vorletztem Jahr. Und Percy hat lautstark verkündet, dass er lieber Stacheldraht kaut, als an einem Weihnachtsessen teilzunehmen, dass in DEINEM Haus stattfindet."
"Mein Haus? Potter, raus!"
Harry streckte Draco die Zunge raus.
"Du überlebst keine fünf Minuten ohne mich, also sei still."
"Hatten wir Percy überhaupt eingeladen?"
"Nicht dass ich wüsste."
"Ah ja. Und wie kommt er dann darauf, dass es uns interessiert, dass er nicht zu uns kommen würde, wenn er eingeladen wäre?"
"Tja. Das, mein Schatz, kann ich dir leider nicht beantworten."
Draco schüttelte leicht den Kopf und wandt sich dann wieder der Liste zu, die vor ihm auf dem Tisch lag, während Harry die Briefe durchging, die sie bekommen hatten.
"Also wenn ich das richtig sehe, kommen alle, die wir eingeladen haben. Sogar Bill." Er warf Draco einen Seitenblick zu. "Er kommt aber allein. Hat sich schon wieder von seinem Freund getrennt."
Draco sah ihn über den Rand seiner Lesebrille an. "Und weiter?"
"Nichts und weiter. Ich wollte das nur mal erwähnt haben."
"Stört es dich, wenn Bill hier und wieder zu haben ist?"
"Sollte es?"
"Keine Ahnung. Du bist der Eifersüchtige von uns beiden."
"Ha! Und wer hat Cho Chang bei der Feier letzten Monat in Hogwarts mit Blicken erdolcht, weil sie mich umarmt und geküsst hat?"
Harry grinste. Es hatte ihm unsagbare Freude bereitet zu sehen, wie eifersüchtig Draco auf Harrys erste Freundin reagiert hatte.
"Das ist was ganz anderes."
"Ja, ja. Wenn zwei das Gleiche tun."
"Ich bin nie mit Bill zusammen gewesen. Außerdem ist er ein Kerl und keine Frau."
"Was hat das denn damit zu tun?"
"Ganz einfach. Wie ich mich gegen einen anderen Mann zur Wehr setzen muss weiß ich. Aber gegen eine Frau hab ich im Zweifel keine Chance. Weil sie dir Dinge bieten kann, die außerhalb meiner Fähigkeiten liegen."
Harry blinzelte, das Grinsen verschwand. "Draco... Du meinst das nicht ernst, oder? Du denkst doch nicht wirklich, dass Cho oder sonst eine Frau irgendeine Gefahr für dich darstellt?"
Draco sah Harry einen Moment lang aufmerksam an. Dann nahm er die Brille ab, stand auf und setzt sich rittlings auf seinen Schoß.
"Weißt du, was einer der Gründe ist, warum ich dich so so so sehr liebe, Harry Potter? Du bist einfach unglaublich lieb und süß und nimmst mich immer ernst, auch wenn du mich inzwischen besser kennst als jeder andere und wissen solltest, wenn ich dich nur auf den Arm nehme." Er küsste Harry sacht. "Ich fühle mich nicht von Cho bedroht. Ich kann sie nur einfach nicht leiden. Und ich mag es nicht, wenn sie sich dir an den Hals schmeißt. Das hat aber weniger mit ihrem Geschlecht als mit ihrer Person zu tun. Ich bin mir inzwischen sehr sicher, dass ich gegen so ziemlich jeden gewinnen würde, wenn ich jemals um dich kämpfen müsste."
Harry sah Draco an und schüttelte leicht den Kopf. Dann lachte er.
"Irgendwann, Malfoy... ich schwör es dir..."
Draco grinste. "Ich warte, Potter."
Harry ließ seine Hände spielerisch über Dracos Rücken gleiten.
"Glaubst du, ich kann Cho noch einladen? Oder ist es zu spät?"
"Wenn du den Rest des Jahres auf der Couch schlafen willst."
"Och, dieses Jahr ist ja nicht mehr lang."
"Ich mein nächstes Jahr."
"Würdest du das wirklich tun? Mich ein Jahr auf die Couch verbannen? Ein Jahr kein Sex?"
"DAS hab ich nicht gesagt. Ich hab nur gesagt, dass du auf der Couch schläfst. Das heißt ja nicht, dass ich dir nicht gelegentlich Gesellschaft leiste. Und es gibt ja auch noch andere nette Orte. Das Badezimmer, die Küche, die Veranda..."
Harry lachte auf. "Du bist unmöglich, Malfoy!"
"Ich weiß. Und du stehst drauf."
"Stimmt."
Draco küsste Harry noch einmal, stand dann auf und setzte sich wieder auf seinen Stuhl. "Dummerweise erledigt sich der Kram hier nicht von allein, also zurück zum Ernst des Lebens."
"Na gut."
"Und was den Mangel an Sex angeht... Ich hab ja zur Not immer noch Bills Adresse."
Draco duckte sich gerade rechtzeitig, bevor ihn die Erdnuss traf.
"Denk nicht mal dran!"
Draco grinste. Eine Weile schrieb er schweigend weiter. Dann sah er Harry nachdenklich an. "Weißt du... mal im Ernst jetzt... ich glaub es würde mir mehr als merkwürdig vorkommen, mit jemand anderem als dir zu schlafen."
"Ich weiß, was du meinst."
"Du hast mich verdorben, Potter. Ich bin für niemand anderen mehr zu gebrauchen."
"Das will ich dir auch geraten haben. Dich kriegt nämlich auch niemand anderes."
Draco lachte leise.
"Dann wäre das ja geklärt."
Harry grinste und sah dann wieder auf die Briefe, die er vor sich ausgebreitet hatte. "Wieviel Personen sind das jetzt?"
"Mit uns..." Draco zählte schnell seine Liste durch, "20, wenn man die Kids von Charlie und Paula mitzählt. Plus 2 Babys, aber die kann man wohl nicht voll zählen."
"Oh man... wo sollen wir die alle hinräumen... Zu blöd, dass die Zwillinge ausgerechnet jetzt beide ne Freundin haben."
Draco lachte. "Das sag ich."
Harry warf eine weitere Nuss nach seinem Mann. "Petze. Also müssen wir wohl das Wohnzimmer ausräumen und den Riesentisch aus dem Keller holen."
"Sieht so aus. Oder wir verteilen Lose und essen in Etappen."
"Wäre auch mal was neues."
"Molly würde uns erschlagen, aber irgendwas ist ja immer."
"Vermutlich. Zum Glück gehen Fred und George nicht mehr mit diesem Zwillingspärchen. Das war absolut verwirrend letztes Jahr. Und irgendwie gruselig. Ich hab mir die ganze Zeit vorgestellt sie würden heiraten und dann jeweils auch jeder Zwillinge bekommen."
"Du hast Einfälle." Draco lachte wieder. "Molly hat übrigens gefragt, ob wir sie wirklich alle da haben wollen. Sie meinte, dass wir jungen Leute doch bestimmt lieber allein sein würden. Also ohne sie und Arthur und Remus."
"Was hast du ihr gesagt?"
"Das ich beleidigt bin, wenn sie nicht kommt."
"Na, wenn sie das nicht überzeugt hat... Sie hat dich viel zu gern um das zu riskieren."
"Ja. Anscheinend. Es kommt mir immer noch sehr merkwürdig vor, dass ausgerechnet die Weasleys eine so hohe Meinung von mir haben. Sieht man mal von der einen oder anderen Ausnahme ab."
"Ach Quatsch. Percy kannst du nicht zählen. Und Ron mag dich inzwischen auch, selbst wenn er das nie zugeben würde. Was den Rest angeht... Sie mögen dich einfach. Und immerhin, du hast der Hälfte von ihnen das Leben gerettet, vergiss das nicht."
"Ich weiß. Aber das ist doch kein Grund..."
"Draco, weißt du, was das eigentliche Problem ist?"
"Was?"
"Es geht nicht darum, dass sie eine so hohe Meinung von dir haben, sondern darum, dass du eine so schlechte Meinung von dir selbst hast. All die Vorurteile und Gerüchte und bösen Bemerkungen sind viel zu tief in deiner Seele verankert. Darum fällt es dir so schwer zu glauben, wenn dir jemand sagt, dass er dich gern hat wie du bist."
Draco spielte nachdenklich mit seinem Stift. "Es ist einfach wahnsinnig schwer... Ich hab mich jahrelang unmöglich aufgeführt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle ihre Vorurteile so einfach vergessen haben."
"Einfach war das sicher auch nicht. Aber erstens hast du dich sehr verändert seit damals und außerdem hattest du selbst auch eine Menge Vorurteile, speziell über die Weasleys oder Hermine, die du inzwischen aufgegeben hast. Wir sind einfach alle keine 13 mehr." Harry lächelte. "Und du machst es einem heutzutage irrsinnig schwer, dich nicht zu mögen."
Draco sah auf und erwiderte das Lächeln. "Kannst du mir mal sagen, warum wir um diese Jahreszeit immer so furchtbar sentimental werden?"
"Keine Ahnung. Eine Überdosis Zucker und Weihnachtsmusik vermutlich."
"Wahrscheinlich. Also ab jetzt gibt es bis Weihnachten nur noch Knäckebrot und die Weird Sisters."
"Ach ne, weißt du... Gegen die Musik hätte ich ja zur Not nichts, auch wenn ich besseres kenne. Aber Knäckebrot? Das staubt doch aus den Ohren."
"Harry?"
"Ja?"
"Diese Unterhaltung wird gerade absolut sinnlos, das ist dir klar, oder?"
"Jetzt wo du's sagst." Harry grinste. "Ich rede mit niemandem so gerne Unsinn wie mit dir."
"Na, ob das jetzt ein Kompliment ist..."
"Wobei, wenn du mit Ginny redest, dann halte ich den Mund und verneige mich vor den Meistern."
"Apropos Ginny... Wir sind doch 21. Ich hatte noch jemanden vergessen."
Harry blinzelte leicht perplex. "Wen?"
Draco grinste. "Na Bert."
x-x-x-x-x
23. Dezember 1999
"Wie spät ist es?"
"Keine Ahnung. Warum?"
"Nur so."
"Hast du Hunger?"
"Hm... Nein. Du?"
"Ich überlege gerade."
Draco lachte leise. "Du musst erst überlegen, ob du Hunger hast?"
"Ja. Ich hab da nur dieses kleine, knurrige Gefühl im Bauch, von dem ich nicht genau weiß, ob es Hunger ist oder bloß das Mittagessen, dass es sich gemütlich macht."
Draco rutschte etwas tiefer und legte sein Ohr auf Harrys Bauch.
"Ich hör nichts."
"Es ist ja auch nur ein Gefühl und kein Geräusch."
"Ach so."
"Komm wieder her."
Sie lagen zusammengekuschelt auf der Couch und genossen die Stille und Trägheit des Abends. Es hatte vor ein paar Stunden angefangen zu schneien und hier im Wohnzimmer, vor dem brennenden Kamin auf der Couch schien im Moment der gemütlichste Ort der Welt zu sein.
Draco schmiegte sich zurück in Harrys Arme und seufzte leise und zufrieden. Seit ihrem Streit im August hatte er sich alle Mühe gegeben sich an sein, leider immer noch untätiges, Leben zu gewöhnen. Es fiel ihm zwar manchmal sehr schwer, seinen Stolz im Zaum zu halten, aber Harry zuliebe ließ er nicht länger zu, dass er davon beherrscht wurde. Harrys Idee mit dem gemeinsamen Gringottsgewölbe hatte sich wider Erwarten als hilfreich erwiesen. Es war seltsam, da das Geld immer noch Harry gehörte, aber allein die Tatsache, dass er nicht für jede Kleinigkeit darum bitten musste, half Draco sich mit der Situation zu arrangieren. Was Weihnachten betraf... Harry hatte sich schlichtweg geweigert auch nur über Geschenke zu reden. Statt dessen hatten sie am Tag zuvor alles eingekauft, was sie für eine Woche brauchen würden und beschlossen sich hier in ihrem Haus einzuschließen, nicht vor die Tür zu gehen und auch niemanden reinzulassen.
"Meinst du es fällt jemandem auf, wenn wir nie wieder rausgehen?"
"Ich denke irgendwann bestimmt. Spätestens wenn man das Haus nicht mehr sieht vor lauter Briefen und ungelesenen Zeitungen."
"Hm. Schade."
"Als ob du das aushalten würdest. Sobald es wieder etwas wärmer ist und die Sonne scheint, bist du in deinem Garten, redest mit den Rosen und erzählst den Tomaten Witze."
"Ich hab den Tomaten noch NIE Witze erzählt!"
"Doch, hast du! Ich hab dich gehört Potter!"
"Wann?"
"Datum und Uhrzeit kann ich dir nicht sagen, aber es war im vorletzten Herbst."
Harry überlegt kurz, wurde dann rot. "Ach das..."
"Siehst du. Sag ich doch."
"Das war nur, weil du gesagt hast, du ziehst auf den Dachboden, wenn ich den Witz noch einmal in deiner Gegenwart erzähle."
"Sag nicht, dass war diese dumme Geschichte mit den Holzwürmern!"
"Doch. Ich find den Witz gut!"
"Ja, aber nicht fünfhundertmal."
"Doch." Harry grinste. "Ich kann einfach nicht anders. Als ich den Witz im Tagespropheten gelesen habe, musste ich so lachen..."
"Ja. Und ich war im Halbschlaf, hab mich zu Tode erschrocken und bin von der Couch gefallen, weil du da plötzlich losgrölst. Und als du nicht aufgehört hast zu lachen, dachte ich, du bist irre geworden und ich müsste dich ins St. Mungo's bringen!"
"Ja, ich erinnere mich."
"Und dann hast du den Witz wochenlang jedem erzählt, der dir begegnet ist. Egal ob irgendeinem Weasley, Hagrid, der Gemüsefrau auf dem Markt oder Madame Rosmerta. Selbst Snape! Er hat dich angesehen, als würde sich endlich bestätigen, was er schon immer vermutet hat."
Harry lachte. "Ja! Und dann dieser mitleidige Blick, den er dir zugeworfen hat. Ich glaube, am liebsten hätte er dich in dem Moment adoptiert, nur damit du nicht mehr in meiner Nähe sein musst."
"In dem Moment hätte ich das Angebot mit Sicherheit angenommen!"
"Hättest du gar nicht! Dann würdest du nämlich jetzt mit diesem alten Griesgram in einem zugigen Verlies in Hogwarts hocken, statt mit mir auf der Couch zu liegen."
"DAS hab ich ja in dem Herbst nicht wissen können."
"Das war unser erster Herbst hier."
"Stimmt. Als hätte der blaue Hund nicht gereicht, hatte ich einen Freund, der besessen von Holzwürmern war."
Harry küsste Draco auf die Nasenspitze. "Bereust du es?"
"Was?"
"Dass du nicht mit Snape gegangen bist."
"Scherzkeks."
Harry grinste zufrieden und zog Draco fester an sich.
"Ich denk mir einen neuen Witz für die Tomaten aus, versprochen."
Draco kam nie dazu zu antworten, ein Knall aus dem Flur unterbrach ihn. Er runzelte leicht die Stirn.
"Wer kann das sein?"
Harry zuckte mit den Schultern. "Keine Ahnung."
Die Frage wurde eine Augenblick später beantwortet, als Neville, totenbleich und vollkommen außer Atem ins Zimmer kam.
"Oh, Merlin sei Dank, ihr seid zu Hause!"
Harry und Draco setzte sich auf.
"Neville. Was ist passiert? Du siehst aus, als wäre Voldemort persönlich wieder mal aus dem Grab gestiegen und hinter dir her."
"Harry... mach nicht solche Witze." Neville schauderte leicht. Einen Moment lang schien er den Faden verloren zu haben, dann fiel ihm wieder ein, warum er hier war.
"Ihr müsst bitte ganz schnell mitkommen!"
"Was ist denn passiert?"
"Die Weasleys... Molly und Arthur und Charlie und seine Frau und Percy und Penelope... sie sind alle krank."
Draco sah Neville aufmerksam an. "Was heißt krank?"
"Erst hatten sie nur Husten und Schnupfen. Also eine normale Erkältung. Und dann haben sie plötzlich überall rote Pusteln bekommen und übergeben sich und haben Fieber... und Molly und Paula sind ohnmächtig geworden."
"Was ist mit dem Rest der Familie?"
"Die sind nicht da. Bill hat kurzfristig abgesagt, die Zwillinge sind irgendwo in der Karibik den Gewinn von diesem Jahr ausgeben und Hermine und Ron sind zum Skifahren. Ginny ist im Fuchsbau geblieben. Sie hat mich hergeschickt..."
Harry sah Draco besorgt an. "Was kann das sein?"
Der Slytherin schüttelte den Kopf. "Klingt wie eine allergische Reaktion auf etwas... Aber worauf... Neville, haben sie irgendetwas ungewöhnliches gegessen oder getrunken?"
"Nein. Eigentlich nicht. Molly hatte Hühnersuppe gekocht... Und Ginny und ich haben ja auch davon gegessen. Das einzige... sie haben den Hustentrank genommen."
Dracos Augen wurden schmal. "Was für ein Hustentrank?"
"Percys Erfindung. Er hat das Rezept selbst entwickelt und den Trank in seinem kleinen Labor zu Hause zusammengebraut. Er meinte noch, dass er damit ein Vermögen verdienen und bestimmt eine Auszeichnung gewinnen würde. Und außerdem wollte er sich damit bei Kingsley Shacklebolt um die freie Stelle im Labor bewerben."
"Ein Trank, den Percy bei sich im Schuppen zusammengepantscht hat... Nennt mich ruhig paranoid, aber ich schätze, wir haben soeben den Grund für die Krankheit der Weasleys gefunden."
"Ich glaub du hast Recht, Jinx."
"Kommt ihr mit? Bitte!"
"Natürlich. Wir sind sofort fertig."
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Kurze Zeit später betraten die drei den Fuchsbau. Ginny kam ihnen vollkommen aufgelöst entgegen.
"Oh Himmel, da seid ihr ja! Ich hab schon gedacht, Neville hätte euch nicht erreicht."
Harry nahm sie in den Arm. "Ganz ruhig, Ginny. Wir sind da. Wie geht es deiner Familie?"
"Schlechter. Penelope ist vorhin auch ohnmächtig geworden und Percy redet wirres Zeug. Die anderen sind auch nicht viel besser dran, nur Charlie geht es noch einigermaßen. Zum Glück haben sie Ben und Mona bei Paulas Eltern gelassen!"
"Draco glaubt, dass der Hustentrank schuld ist."
Ginny sah ihren Freund grimmig an. "Sowas ähnliches hab ich mir schon gedacht. Kommt mit."
Sie ging ins Wohnzimmer voraus, wo Charlie mit leichenblassem Gesicht auf der Couch lag.
"Hey ihr zwei..." Er versuchte zu lächeln, ein Versuch, der sehr kläglich scheiterte.
Draco musterte Charlie aufmerksam. "Kannst du mir beschreiben, was genau passiert ist?"
"Eigentlich nichts weiter. Wir sind im Moment alle erkältet und Mum hat Hühnersuppe gekocht und Milch mit Honig..." Er unterbrach sich und hustete heftig. "Das übliche halt, was sie immer macht, wenn wir krank sind. Sie hat noch Scherze gemacht, dass es gut ist, dass ihr anderen alle nicht da seid, weil wir euch sonst nur anstecken würden. Und dann kam Percy mit diesem Trank. Er meinte, dass uns das Zeug im Null Komma Nichts gesund machen würde."
"Und ihr habt ihm geglaubt?"
"Du kennst ihn doch, Harry. Er kann sehr überzeugend sein, wenn er will. Und das Mittel gegen die Mückenstiche im Sommer hat ja auch geholfen."
"Ja, weil es äußerlich angewandt wird." murmelte Draco. Dann lauter. "Also habt ihr den Trank alle genommen?"
"Gin nicht. Weil sie allergisch auf Erdbeeren ist und Percy vorher gesagt hat, dass er die in den Trank getan hat, damit es besser schmeckt."
Draco verdrehte die Augen, sagte aber nichts dazu. Charlie nippte an dem Glas Wasser, das seine Schwester ihm gebracht hatte und sprach dann weiter.
"Zuerst hat der Trank wirklich geholfen. Meine Nase wurde wieder frei, die Halsschmerzen waren weg. Die anderen sagten, dass es ihnen auch so gehen würde. Wir waren echt begeistert. Und dann wurde Paula schlecht und sie ist umgekippt. Ich hab sie ins Bett gebracht und war dabei zu überlegen, ob ich einen Heiler holen soll, als es die anderen einen nach dem anderen auch erwischt hat."
"Wir dachten erst, dass es vielleicht die Suppe war, aber die haben Neville und ich auch gegessen und uns ging es gut. Und weil es den anderen immer schlechter ging und es um diese Zeit praktisch unmöglich ist einen Heiler zu bekommen, hab ich Nev losgeschickt, damit er euch holt."
Draco, der während des Gespräches aufmerksam den Ausschlag auf Charlies Armen untersucht hatte, saß jetzt mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck da und kaute leicht auf seiner Unterlippe herum.
"Kann ich die anderen auch sehen?"
Ginny stand auf. "Natürlich. Komm mit. Jungs, bleibt ihr hier bei Charlie?"
"Na klar, Ginny."
Draco brauchte nicht lange, um zu sehen, dass die übrige Weasleyfamilie die gleichen Symptome hatte wie Charlie, nur dass sie in wesentlich schlechterer Verfassung waren.
Als sie aus dem Schlafzimmer von Arthur und Molly kamen, lehnte er sich im Flur an die Wand. Ginny sah ihn ängstlich an.
"Was denkst du?"
"Ich bin kein Heiler, Ginny... aber das sieht nicht nach einer einfachen allergischen Reaktion aus."
"Was ist es dann?"
Draco zögerte und sah ihr ernst in die Augen. "Eine Vergiftung."
"Oh Merlin, nein! Was... was können wir machen?"
"Ich muss wissen, was in dem Trank drin war. Dann kann ich vielleicht ein Gegengift mischen... Weißt du, ob Percy das Rezept irgendwo bei sich hat?"
Ginnys Gesicht war grimmig. "Keine Ahnung. Fragen wir ihn."
Percy lag in seinem alten Zimmer auf dem Bett und murmelte unzusammenhängend vor sich hin. Penelope lag bewegungslos neben ihm.
Ginny setzte sich auf den Bettrand.
"Percy! Das Rezept für den Hustentrank, hast du es hier?"
Er sah sie einen Moment lang verständnislos an, schien sie nicht zu erkennen. Dann gelang es ihm, seinen Blick zu konzentrieren.
"Kein Rezept..." Er hob schwach die Hand, deutete fahrig auf seine Stirn. "Alles... da drin..."
"Kannst du mir dann sagen, was drin ist? Es ist wirklich wichtig, Percy."
"Nein. Mein Geheimnis... zu wertvoll..."
"Percy! Die anderen sind alle krank geworden von deinem Trank und du auch, wie dir aufgefallen sein dürfte! Wir müssen wissen, was drin ist, damit wir euch helfen können!"
Percy sah sie verständnislos an. "Das ist... nicht mein Trank! Mums Suppe... Das Huhn war schlecht..."
"Nein, war es nicht! Ich bin doch auch noch gesund! Himmel, Percy! Sag mir bitte einfach das Rezept."
Er schüttelte stur den Kopf. "Nein!"
Draco, der dem Streit stumm zugehört hatte, trat neben das Bett.
"Weasley! Wir brauchen das Rezept aber! Du hast mit dem Zeug deine halbe Familie vergiftet!"
Percys unsteter Blick blieb an Draco hängen. Sofort wurden seine Augen schmal.
"MALFOY!" geiferte er. "Was... tut dieser... Todesser hier...?"
"Percy..."
"Weasley, wir haben keine Zeit für deinen Schwachsinn! Sag mir, was in dem Trank ist!"
"NIEMALS! Du willst... stehlen... Ruhm... mein! Böse! Der Feind..."
Percys Stimme überschlug sich, wurde abgehackt und unverständlich. Seine Augen waren geweitet und ein irrer Zug tanzte um seine Lippen. "Geheimnis!" brachte er noch hervor, dann verdrehte er die Augen und sackte zurück ins Kissen.
Draco gab einen frustrierten Laut von sich und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. "Gin, entschuldige, wenn ich das sage, aber dein Bruder ist das Allerletzte!"
"Da erzählst du mir nichts Neues. Was machen wir denn jetzt." Sie sah ihn flehend an.
"Ist noch etwas von dem Trank da?"
"Ich glaub ja, warum?"
"Wenn Percy uns nicht verrät, was drin ist, muss ich versuchen, es selbst rauszufinden."
"Kannst du das?"
"Ja. Das Schlimme ist nur, dass ich dafür Zeit brauche..."
"Wieviel Zeit?"
"Ich weiß es nicht. Ich hoffe, nicht zuviel."
Sie nickte stumm, dann wischte sie sich mit der Hand über die Augen und schniefte.
"Komm. Die Flasche ist in der Küche."
Harry und Neville hatten Charlie ins Bett gebracht und saßen jetzt abwartend in der Küche.
"Und?"
"Der Trank hat sie vergiftet. Und Percy rückt das Rezept nicht raus, weil er denkt, dass ich ihm seinen Ruhm streitig machen will."
"Dieser SCHWACHKOPF! Und was jetzt?"
"Ich werd versuchen den Trank zu entschlüsseln und dann ein Gegengift zu brauen." Er sah Ginny ernst an. "Ich weiß nicht, wie lange ich dafür brauchen werden, aber ich beeile mich. Sorg inzwischen dafür, dass sie ruhig liegen bleiben und viel trinken. Wasser am besten. Ich hab keine Ahnung, ob Tee gut ist oder noch mehr Schaden anrichtet."
Ginny nickte.
Draco wickelte die Flasche mit dem Rest des Trankes in ein Tuch, dass Neville ihm reichte und ließ das Päckchen in seine Manteltasche gleiten.
"Soll ich mitkommen, Jinx? Ich meine, brauchst du meine Hilfe?"
"Nein. Bleib ruhig noch hier. Die beiden können deine Hilfe besser gebrauchen. Du weißt, dass ich sowieso nicht merke ob jemand da ist, wenn ich arbeite." Er lächelte leicht.
Harry nickte. "Gut. Ich komm dann später nach. Spätestens morgen früh." Er küsste Draco sanft zum Abschied. "Viel Glück, Baby."
"Danke." Draco umarmte Ginny kurz, nickte Neville zu und machte sich dann auf den Heimweg.
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Als Harry am nächsten Morgen nach Hause kam, war alles still. Merlin lag in seinem Körbchen auf dem Rücken, alle Viere von sich gestreckt und schnarchte leise. Oben war das Bett unberührt, sah man von Dusty ab, der auf der Bettdecke schlief. Nichts deutete darauf hin, dass jemand die letzte Nacht hier verbracht hatte.
Harry ging wieder nach unten und weiter in den Keller. Bei ihrem Einzug hatte Draco seinen ganzen Zaubertrankkram hier runter gebracht und seither kaum eines Blickes gewürdigt. Allem Anschein nach hatte er gestern die meisten der Kisten ausgepackt und sorgfältig auf den Tisch und die Regale verteilt. Harry sah unzählige Gläser und Flaschen, Schachteln und kleine Holzbehälter, einen Glaskolben, dessen Inhalt leicht vor sich hin brodelte, mehrer Bücher, die aufgeschlagen dazwischen lagen, unzählige Bogen Pergament, mit Dracos ordentlicher Handschrift bedeckt und alle möglichen Dinge, von denen er kaum ahnte, wozu sie nützlich waren.
Draco saß zusammengesunken am Tisch, den Kopf auf die Arme gebettet und schien fest zu schlafen.
Harry trat hinter ihn und berührte ihn sacht an der Schulter.
"Jinx?"
Draco schreckte aus dem Schlaf hoch und sah seinen Freund einen Moment verständnislos an.
"Harry... Was..." Er fuhr sich mit der Hand über die Augen. "Wie spät ist es?"
"Kurz nach neun. Ich bin gerade nach Hause gekommen. Warst du die ganze Nacht hier unten?"
"Ja... Ich muss wohl eingeschlafen sein, während ich darauf gewartet habe, dass die Probe anfängt zu kochen." Er betrachtete den Kolben.
"Willst du dich nicht ein wenig hinlegen? Du warst bestimmt die ganze Nacht wach."
"Als ich das letzte Mal auf die Uhr gesehen habe, war es halb sechs."
"Dann solltest du wirklich ins Bett gehen. Ich kann dich ja in zwei oder drei Stunden wieder wecken."
"Nein, Harry. Dafür habe ich keine Zeit. Ich hab erst die Hälfte der Ingredienzien, von dem Gegenmittel kaum zu reden. Ich kann jetzt nicht schlafen."
Harry seufzte. Er kannte Draco gut genug um zu wissen, dass jeder Protest sinnlos war.
"Dann iss wenigstens etwas. Ich geh jetzt nach oben und mach dir Frühstück und Kaffee. Es nützt niemandem etwas, wenn du umkippst vor Erschöpfung."
"Danke, Baby." Draco lächelte und küsste Harry leicht. Dann stand er auf und streckte sich. "Merlin, ich könnte Percy erschlagen. Was er alles für Mist in den Trank gemischt hat ist unglaublich!" Er nahm die oberste Liste von dem Stapel Pergamentbögen und studierte sie aufmerksam aus schmalen Augen.
Harry lachte leise und fischte Dracos Brille aus dem Chaos auf dem Tisch.
"Hier. Setz die wenigstens auf. Hier unten sieht dich kein Mensch, also kein Grund zur Eitelkeit."
Er erinnerte sich noch daran, wie sehr er gelacht hatte, als er Draco das erste Mal mit Brille gesehen hatte. Und wie sehr es ihn überrascht hatte, zu erfahren, dass sein Freund normalerweise Kontaktlinsen trug und ohne fast genauso blind war wie Harry selbst.
"Danke." Draco setzte die Brille abwesend auf, ohne den Blick von der Liste zu nehmen, dann begann er in einem der Bücher zu blättern, murmelte dabei leise vor sich hin.
Harry schüttelte leicht den Kopf und ging dann nach oben, um Frühstück zu machen.
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Während der nächsten drei Tage pendelte Harry ständig zwischen Keller und Küche hin und her. Draco weigerte sich weiterhin standhaft ins Bett zu gehen und schlief nur hin und wieder ein paar Stunden im Sitzen am Tisch. Harry, der wusste, dass sein Protest auf taube Ohren fiel, fügte sich und brachte Decken und ein Kissen nach unten, damit sein Freund wenigstens nicht erfror. Davon abgesehen konnte er nicht viel mehr machen, als dafür zu sorgen, dass der Kaffee nicht versiegte und Draco wenigstens hin und wieder etwas aß.
Neville kam mehrmals vorbei um sich nach den Fortschritten zu erkundigen und vom Zustand der Weasleys zu berichten. Sie waren inzwischen alle in ein fiebriges Delirium gefallen, aus dem sie nur ab und an erwachten, ohne zu wissen, wo sie waren oder was um sie herum geschah. Ein Heiler aus St. Mungo's hatte sie sich angesehen und Dracos Diagnose bestätigt. Er konnte seinen Patienten nichts geben, um ihnen zu helfen, da niemand wissen konnte, wie der Trank mit anderen Mitteln reagieren würde.
Ginny war kurz davor verrückt zu werden. Sie weigerte sich trotzdem, Ron oder den Zwillingen vom Zustand ihrer Familie zu berichten. Der Einzige, den sie auf dem Laufenden hielt, wenn er auch keine Möglichkeit hatte zu kommen, war Bill.
Draco war sich nur zu bewusst, dass er inzwischen die einzige Chance der Weasleys war. Harry hatte eine Eule nach Hogwarts geschickt und Professor Snape um Hilfe gebeten. Ihr alter Zaubertrankmeister war sofort gekommen und hatte lange mit Draco geredet. Dann war er wieder zur Schule zurückgekehrt und Harry fühlte sich seltsam im Stich gelassen. Seinem Freund schien es anders zu gehen. Nach Snapes Besuch arbeitete er fieberhaft weiter. Anscheinend hatte der Professor ihm helfen können, wenn es Harry auch ein Rätsel war, wie der das gemacht hatte, ohne einen Finger zu rühren.
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28. Dezember 1999
Harry lag auf dem Bett und trieb irgendwo zwischen Wachen und Träumen. Er war erst vor wenigen Stunden ins Bett gegangen, nach einem weiteren, fruchtlosen Versuch Draco aus dem Keller zu locken. Inzwischen stand er kurz davor, dem Slytherin einfach etwas in den Kaffee zu mischen und ihn anschließend ins Bett zu tragen. Seit fast vier Tagen hatte Draco den Keller nicht verlassen. Er aß kaum, schlief so gut wie gar nicht und war längst jenseits jeder Erschöpfung. Harry war sich sicher, dass nur seine Sturheit ihn daran hinderte einfach umzufallen.
Der Gryffindor drehte sich auf die Seite und kuschelte sich wieder tiefer in die Decke. Er machte sich Sorgen um Draco. Lange würde er so nicht mehr durchhalten können. Harry wusste, dass auch die Heiler im St. Mungo's versuchten ein Heilmittel zu finden. Das hatte er seinem Freund auch gesagt. Aber Draco war davon wenig beeindruckt gewesen. Wie er sagte, hätten sie zum einen keine Möglichkeit herauszufinden, was Percy in sein Gemisch geschüttet hatte und zum anderen sei er ihnen bereits um Tage voraus. Jede weitere Verzögerung konnte die Weasleys das Leben kosten. Harry wusste, dass Draco recht hatte und in die Sorge um seinen Freund mischte sich auch so etwas wie Stolz. Trotzdem musste bald etwas geschehen, bevor der Slytherin in einem ähnlichen Zustand war, wie seine Patienten.
Harry seufzte wieder und hatte gerade beschlossen aufzustehen, als er hörte, wie jemand langsam die Treppe hochkam und die Schlafzimmertür öffnete. Einen Moment später spürte er eine leichte Bewegung auf der Matratze. Er drehte sich wieder um und öffnet die Augen.
Draco saß auf dem Bettrand und schien im Sitzen zu schlafen. Harry setzte sich auf und berührte ihn an der Schulter.
"Hey..."
Draco ließ sich nach hinten sinken und öffnete die Augen einen Spalt breit.
"Fertig..." murmelte er.
Harry war sofort hellwach.
"Du bist fertig?! Oh Jinx, das ist wunderbar! Ist es unten? Wir sollten es gleich zu Ginny bringen. Bist du sicher, dass es funktionieren wird?"
Draco rollte sich auf dem Bett zusammen und schloss die Augen wieder. Er öffnet die Finger seiner rechten Hand und ließ eine schlanke, mit einer hellblauen Flüssigkeit gefüllte Glasphiole auf die Bettdecke rollen.
"Ein Esslöffel... in Wasser...jedem... Es wird helfen... Ich steh sofort auf... und komm nach... wenn..." Seine Worte wurden immer leiser und verebbten schließlich.
Harry lächelte liebevoll.
"Nein, wirst du nicht, Baby."
Er nahm die Flasche behutsam vom Bett und stellte sie auf den Nachttisch. Dann stand er auf, zog Draco aus und legte ihn richtig ins Bett, deckte ihn zu und streichelte leicht über seine Wange.
"Schlaf. Du hast genug getan. Den Rest schaff ich allein."
Harry hauchte einen Kuss auf die blasse Stirn, dann zog er sich leise an, nahm die Phiole und machte sich auf den Weg in den Fuchsbau. Draco bekam von all dem nichts mehr mit.
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Als er wach wurde, schien die Sonne durchs leicht geöffnete Fenster. Einen Moment lang ließ er sich einfach treiben, ohne einen klaren Gedanken. Dann drehte er sich auf die Seite, schmiegte sich tiefer in die warme Bettdecke und genoss das Gefühl erst halb wach zu sein. Dusty rieb sich schnurrend an seinem Gesicht und Draco schob eine schlanke Hand unter der Decke hervor, um den aufdringlichen Kater ein Stück zur Seite zu schieben, ließ dabei die Finger durch das dicke, graue Fell gleiten.
"Guten Morgen, Schmusekater."
Von unten konnte er Stimmen hören, aber er machte sich nicht die Mühe etwas zu hören. Er erkannte Harrys Stimme und eine zweite, dunklere. Egal. Harry hatte ständig irgendwelchen Besuch. Seine Augen wanderten zur Uhr, die auf Harrys Nachttisch stand. Halb drei Nachmittags.
"Fragt sich nur, welcher Tag heute ist. Ich fühle mich, als hätte ich eine Woche geschlafen. Aber ich vermute, mein Katerchen, du kannst mir das auch nicht sagen, was? Welcher Tag ist heute Dusty?"
Als Antwort verstärkte sich das Schnurren nur. Draco lachte leise, dann drehte er sich wieder auf den Rücken. Er hatte keine klare Erinnerung daran, wie er ins Bett gekommen war. Alles, woran er sich erinnerte, war, dass er gesehen hatte, wie sein Trank die Farbe in der Weise veränderte, die er beabsichtigt hatte. Alles danach war unscharf und wie in Watte gepackt.
Er streckte sich und genoss das Gefühl des weichen Bettbezuges auf seiner nackten Haut. Daran, dass er sich ausgezogen hatte konnte er sich auch nicht erinnern, aber er vermutete, dass Harry dafür verantwortlich war. Draco dankte ihm im Stillen dafür. Er hatte seine Klamotten in den vier Tagen, die er an den Tränken gearbeitet hatte nicht einmal gewechselt. Auch noch darin zu schlafen wäre nicht besonders angenehm gewesen.
"Duschen sollten ich allerdings mal." teilte er dem Kater mit. "Aber erst bleib ich noch etwas hier liegen."
Lange hielt er sein Vorhaben jedoch nicht aus. Allein, untätig im Bett rumzuliegen, ohne ein Buch, ohne etwas zu tun... das schaffte er nie besonders lange. Nicht mal, wenn er krank war.
Dusty sprang vom Bett als Draco aufstand und folgte ihm ins Bad.
"Willst du auch duschen, Katertier?"
Statt einer Antwort sprang der Kater auf den Schrank und rollte sich auf Harrys Handtuch zusammen, das dort lag. Draco lachte und machte sich an die längst überfällige Körperpflege.
Als er eine halbe Stunde später mit nassen Haaren und sauberen Klamotten nach unten kam, war Harrys Besuch - wer auch immer es gewesen war - wieder gegangen. Harry saß in der Küche am Tisch und las Zeitung.
Draco trat lautlos hinter ihn, legte ihm die Arme um die Schultern und pustete ihm leicht ins Ohr.
"Hi."
Der Gryffindor zuckte erschrocken zusammen.
"Himmel, Draco! Du solltest eine Glocke um den Hals tragen!"
Dann zog er seinen Freund auf seinen Schoß und küsste ihn.
"Hast du gut geschlafen?"
"Ja. Sehr. Die Frage ist, wie lange hab ich geschlafen?"
"Gut zwei Tage. Du bist Dienstagmorgen ins Bett gekommen und jetzt ist Donnerstagnachmittag."
"Oh man... So lange... Ich weiß, dass ich zwischendurch ein paar mal wach und im Bad war... aber ansonsten..."
Harry küsste ihn wieder. "Du hast es gebraucht. Du warst über vier Tage fast ununterbrochen wach. Ein Wunder, dass du überhaupt so lange durchgehalten hast."
"Es war wichtig." Draco stand auf und setzte sich auf seinen eigenen Stuhl. "Wie geht es den Weasleys? Wie hat der Trank gewirkt?"
"Wunderbar! Sie waren schon abends wieder munter. Das war wirklich genial. Und sie sind alle total aus dem Häuschen und wollen dir danken, aber ich hab ihnen gesagt, dass du erst mal Ruhe brauchst."
"Danke." Draco seufzte zufrieden. "Ich bin froh, dass der Trank gewirkt hat. Ich war mir am Ende nicht mehr sicher, was ich da eigentlich mache."
Harry lachte. "Kein Wunder. Möchtest du Frühstück?"
"Ja, bitte..."
Harry stand auf und redete weiter, während er anfing etwas zu Essen für Draco zusammenzusuchen. "Percy war natürlich ganz die verletzte Unschuld. Dass das alles gar nicht an seinem Hustenzeug gelegen haben kann, und dass das nur ein dummer Zufall war, und dass DU sicher nur einen fertigen Trank gekauft hast und solange gewartet hast, damit es spannender wird. Natürlich glaubt ihm niemand. Er ist ein Spinner. Aber wegen der Aktion hat er jetzt jede Chance auf die Stelle im Ministerium vergeigt. Der Heiler, den Ginny geholt hatte, hat den Fall natürlich Shacklebolt berichtet, der das gar nicht lustig fand."
"Warum hat er Shacklebolt davon berichtet? So spannend war das ja nun auch nicht."
"Doch. Percy hat einen nicht lizenzierten Trank verwendet. Er kann richtig Ärger kriegen deswegen. Shacklebolt war vorhin extra hier. Er wollte die Reste von dem Trank haben."
"Hast du's ihm gegeben?"
"Jap. Er war übrigens total begeistert von deinem Labor unten."
Draco schnaubte. "Labor kannst du das kaum nennen."
"Naja, aber trotzdem. Er war total beeindruckt über die Sachen und vor allem die Bücher, die du hast. Und er wollte auch eine Probe von dem Gegengift haben."
"Na klasse. Wahrscheinlich krieg ich jetzt auch eine Anzeige wegen der Verwendung eines illegalen Trankes!"
"Ach Quatsch, das glaub ich nicht. Immerhin hast du das ja nur gemacht, um den Weasleys das Leben zu retten. Das können sie dir kaum zu Lasten legen."
Harry setzte sich wieder an den Tisch und sah Draco ernst an. "Alle haben gesagt, dass die Weasleys ohne dich nicht überlebt hätten."
"Wer ist alle?"
"Naja, Shacklebolt hat wohl schon mit einer Menge Leute gesprochen. Mit den Weasleys natürlich und mit Snape und dem Heiler vom St. Mungo's. Von dir wollte er auch einige Sachen wissen, aber ich hab ihm gesagt, dass er da warten muss, bis du wieder auf den Beinen bist, weil ich dich nicht wecken wollte."
Draco nippte gedankenverloren an seinem Kaffee.
"Ich weiß nicht, Harry..."
"Mach dir keine Sorgen, Baby. Er wirkte nicht, als wollte er dir irgendetwas anhängen. Ich meine, ich kenne ihn. Und wenn er sauer ist oder wenn etwas nicht so läuft, wie es soll, dann ist er anders drauf."
Draco seufzte. "Es lässt sich ja jetzt sowieso nicht mehr ändern. Auf jeden Fall geht es den Weasleys wieder gut, das ist wohl die Hauptsache. Warten wir ab, was sonst noch kommt."
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03. Januar 2000
"Draco, hier ist ein Brief für dich."
"Wenn er von meiner Mutter ist, schmeiß ihn gleich in den Kamin."
Harry kam ins Wohnzimmer. "Nein. Deine Mutter hat doch vor Weihnachten schon geschrieben. Der ist vom Ministerium. Sieht offiziell aus."
Draco hob den Kopf. "Schmeiß ihn auch in den Kamin."
"Jinx."
"Sorry. Aber das ist mit Garantie die Anklage wegen dem Trank. Ich hab's dir gesagt. Die lassen mich nicht so einfach davonkommen."
"Jetzt mach ihn doch erst mal auf."
Draco nahm die Pergamentrolle von Harry entgegen und schnürte sie auf. Einen Moment zögerte er noch, dann rollte er den Brief auf und begann zu lesen.
Harry ließ ihn nicht aus den Augen und versuchte seinen Gesichtsausdruck zu entschlüsseln.
Nach einer Weile ließ Draco den Brief sinken und sah Harry leicht verwirrt und fassungslos an.
"Was ist los?"
"Ich... Sie..." Draco schüttelte den Kopf und las den Brief noch einmal.
"Was ist los? Ist es wegen dem Trank?"
"Ja... Nein... Es ist..."
"Draco!"
"Sie bieten mir einen Job an."
"Sie machen was?" Harry blinzelte, jetzt genauso perplex wie sein Freund.
"Ja. Sie schreiben, sie hätten meine Unterlagen, die ich ihnen damals geschickt habe nochmal geprüft und hätten mit verschiedenen Leuten gesprochen und sie denken, dass ich für die freie Stelle in ihrem Forschungslabor von allen Bewerbern am besten geeignet wäre."
"Die Stelle im Labor?"
"Ja."
"Die Percy wollte?"
"Anscheinend."
"Wow."
"Allerdings. Dabei hab ich mich darauf gar nicht beworben. Ich wusste noch nicht mal, dass es diese Stelle überhaupt gibt!"
"Das ist Shacklebolts Werk. Wegen der Sache mit den Weasleys. Darum hat er überall diese Fragen gestellt."
"Sieht so aus."
"Draco, das ist wunderbar!" Harry sprang auf und umarmte seinen Freund stürmisch.
"Ja. Vermutlich..."
Harry lehnte sich zurück, Sorge in den grünen Augen.
"Ist es nicht?"
"Doch. Schon... Ich bin einfach ein bisschen überrumpelt gerade."
"Du denkst nicht daran, das Angebot abzulehnen, oder?"
"Bist du verrückt?!? Das ist genau der Job, von dem ich geträumt habe, seit ich alt genug bin mir ernsthaft darüber Gedanken zu machen! Das Forschungslabor des Ministeriums! Merlin, die haben alles, was man sich auch nur vorstellen kann. Und sie unterliegen keinerlei Einschränkungen. Die Dinge, die auf dem Index stehen, alles, was anderswo verboten ist - für sie gilt das nicht! Ich muss mir nie wieder Gedanken um irgendwelche Grenzen machen. Nicht, was Zaubertränke betrifft. Die Leute, die dort arbeiten, werden extrem sorgfältig ausgesucht. Snape hat mir davon erzählt. Sie stellen niemanden ein, der nicht über jeden Zweifel erhaben ist. Weißt du, was es heißt, dass sie MIR diese Stelle anbieten?"
Harry nickte schwach. Die Bedeutung dessen, was Draco ihm gerade erklärt hatte, sickerte nur langsam durch.
"Sie vertrauen dir... Sie glauben keines der dummen Gerüchte."
"Ja. Und sie sind bereit meinen Namen und meine Herkunft zu ignorieren."
Harry umarmte Draco wieder.
"Ich freu mich so für dich. Du hast es mehr verdient als jeder andere."
Draco lächelte, dann küsste er Harry und vergaß eine Weile alles andere.
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Hogsmeade, 26. Dezember 2004
Dingdong...
"Baby, kannst du mal gehen? Es hat geklingelt."
"Wie gut, dass du mir das sagst. Wo ich doch mein Hörgerät nicht eingeschaltet hab."
"Ha, ha. Sehr witzig. Gehst du jetzt mal? Ich kann grad nicht. Ich hab beide Hände im Hintern von diesem Truthahnviech..."
"Bitte keine Details!"
"Wer immer das ist, er ist zwei Stunden zu früh!"
Draco grinste und ging zur Tür. Harry war seit dem Morgengrauen in der Küche und legte ein Verhalten an den Tag, das Molly Weasley zur Ehre gereicht hätte. Draco selbst war daher schon vor einer ganzen Weile geflüchtet und hatte sich damit vergnügt in der halben Nachbarschaft Stühle zusammenzuleihen. Inzwischen stand der Tisch im Wohnzimmer, war gedeckt und mit ausreichend Sitzgelegenheiten umstellt. Das Klingeln an der Tür bot eine willkommene Chance, Harrys Ich-werd-nie-im-Leben-fertig-Tiraden noch eine Weile zu entkommen.
Vor der Tür standen Hermine und Ron mit ihrer 3 Monate alten Tochter Maggie.
"Herzliche Willkommen, fröhliche Weihnachten, ihr seid zu früh!"
Hermine trat ins Haus und umarmte ihn. "Dir auch frohe Weihnachten. Wieso sind wir zu früh? Ron hat gesagt um eins."
"Ja, Ron! Wer hört denn auch auf Ron?"
Draco küsste Hermine auf die Wange und streichelte dem Baby über den Kopf, gleichzeitig schlug er die Tür wieder zu, Ron ins Gesicht, der noch draußen stand.
"Sehr witzig, Malfoy." kam es dumpf durchs Holz.
Draco grinste und machte die Tür wieder auf. "Sorry. Alter Reflex."
"Ja, ja. Würde ich jetzt auch behaupten. Und wieso sind wir zu früh? Harry hat gesagt um eins."
"Nein. Harry hat mit Sicherheit gesagt zwischen drei und halb vier. Das hat er nämlich allen anderen auch gesagt."
Hermine warf Ron einen vorwurfsvollen Blick zu.
"Weißt du, Ronald, manchmal... Kannst du nicht EINMAL in deinem Leben richtig zuhören?"
"Ich bin mir aber sicher, dass er gesagt hat um eins..."
"Ist doch jetzt egal, oder? Ihr seid hier und Ende. Hermine und ich gehen einfach nach oben und dich binden wir auf der Veranda fest."
Ron streckte Draco die Zunge raus, dann sah er sich leicht irritiert im Flur um.
"Warum stehen die Couch und die Sessel hier? Und der Tisch?"
"Och, weißt du, wir wollten einfach mal ein bisschen umräumen. Unser Bett steht jetzt im Bad und die Dusche im Garten."
Hermine verdrehte die Augen und lachte. Ron schnaubte.
"Kannst du mal aufhören mich zu verarschen, Malfoy?"
"Nur wenn du aufhörst blöde Fragen zu stellen. Du kennst dieses Haus. Was glaubst du, wo wir 20 Leute unterbringen sollen?"
"Dann habt ihr die Möbel aus dem Wohnzimmer rausgeräumt, weil wir da essen?"
"Dein Mann ist so klug, Hermine. Ich bin richtig neidisch."
"Ja, ich fass es manchmal selbst nicht."
Sie folgte Draco ins Wohnzimmer.
"Aber ihr habt den Vorteil der Zu-früh-kommenden. Ihr könnt euch euren Platz noch aussuchen."
"Wo ist Harry denn?" Ron umrundete den Tisch und steuerte auf die Küche zu.
"Wenn dir dein Leben lieb ist, kommst du wieder zurück, mein Wiesel. Die Küche ist Sperrgebiet. Da ist seit den frühen Morgenstunden der Wirbelsturm Harry am Werk."
"Er macht wieder Land und Leute verrückt, oder?"
Hermine setzte sich in einen Stuhl am hinteren Ende des Tisches, wo nicht die Gefahr bestand, dass sie oft aufstehen musste.
"Na klar. Was denkst du denn. Du kennst ihn doch. Er macht mich schon seit Tagen irre."
"Das hab ich gehört, Malfoy." Harry steckte den Kopf aus der Küche. "Hi Hermine, hallo Ron. Ihr seid zu früh."
"Wir wünschen dir auch frohe Weihnachten, Schatz. Dein Mann hat uns schon darüber aufgeklärt, dass mein Mann wieder nicht richtig zugehört hat."
Draco verdrehte gespielt theatralisch die Augen. "Männer!"
"Amen Bruder."
Harry lachte. "Ist ja nicht so tragisch. Nur zu essen gibt's noch nichts. Der Truthahn ist gerade erst im Ofen. Wollt ihr denn schon was trinken?"
"Potter?"
"Was denn?"
"Verzieh dich wieder in deine Küche, ich schaff das hier schon."
"Sorry." Harry grinste reumütig. "Ich übertreib mal wieder."
"Allerdings."
"Dann lass ich euch mal wieder allein."
"Kann ich dir helfen, Harry?"
"Ja, indem du dich auf deine vier Buchstaben setzt, Ron."
Er wartete keine Antwort ab, sondern verschwand wieder in der Küche.
Draco zog eine Augenbraue hoch. "Was hast du erwartet, Ronald? Dass er dich helfen lässt, wenn er mich heute morgen nach dem Frühstück gleich aus der Küche geschmissen hat?"
"Ich kann aber kochen."
"Ja, ich auch. Was hat das damit zu tun?"
"DU kannst kochen, Ron Weasley? Da hab ich aber noch nie was von gemerkt."
Draco grinste. "Pssst, Hermine. Verrat ihn doch nicht."
"Ihr seid doof. Alle beide. Und ich rede jetzt nie wieder mit euch."
"Himmel, wird das eine Ruhe."
"Halt die Klappe Malfoy."
"Warum, ich hab doch kein Schweigegelübde abgelegt."
"Ich auch nicht."
"Doch. Gerade eben."
Hermine sah von einem zum anderen und schüttelte leicht den Kopf. "Maggie, meine Süße, wenn du jemals mit einem Jungen nach Hause kommst, kriegst du Hausarrest bis zu den Wechseljahren."
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"Harry, das Essen ist wirklich wunderbar."
"Danke Molly. Dass du das sagst ist ein wirkliches Kompliment. Wie du vor zwei Jahren schon festgestellt hast, die da essen alles, was man ihnen vorsetzt." Harry wedelte mit der Hand vage in Richtung der Zwillinge und Ron, der sich zwischen Essen und Trinken hingebungsvoll mit Blaise zankte.
Lisa sah Hermine an und seufzte.
"Sollten wir die Kinder nicht mal zum Spielen nach draußen schicken?"
"Hey ihr beiden! Ihr könntet den Zwillingen mal helfen ihren Schneemann zu bauen."
Blaise zog spöttisch eine Augenbraue hoch. "Als ob ich im Schnee rumrenne. Mit meinen neuen Schuhen."
"Gewöhn dich besser schon mal dran..." grinste Fred mit einem vielsagenden Blick auf Lisas überdeutlich gewölbten Bauch. "...Daddy."
Georges Freundin Anne, eine schüchterne 20-jährige sah etwas unsicher von einem zum anderen. Sie war noch nicht lange mit George zusammen und es war ihr erstes Zusammentreffen mit dem geballten Weasley-Clan nebst Anhang und Freunden. Draco, der neben ihr saß, schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln.
"Keine Angst. Man gewöhnt sich dran. Die bellen alle, aber beißen tut keiner."
"Ich hab nur eine, viel ältere Schwester. Bei uns ist es immer sehr ruhig."
George gab ihr einen Kuss auf die Wange. "Bei uns nie." feixte er. "Aber immer lustig."
Freds Freundin Lucy, wilder und frecher als die stille Anne, war schon länger an die Anwesenden gewöhnt und beteiligte sich fröhlich am allgemeinen Chaos.
"Es ist nur so... wild."
Draco lachte leise. "Ja, das ist es. Man sehnt sich nach Ruhe, aber wenn es dann ruhig ist, fehlt einem auf einmal etwas."
Hermine beugte sich über den Tisch. "Noch hast du Zeit zu fliehen. Wenn du länger als ein Jahr in diesem Chaos lebst, bist du verdorben für den Rest der Welt." Sie lachte. "Aber lass dir von uns keine Angst einjagen. Es ist ein sehr angenehmes Leben."
"Das stimmt. Wenn man mal davon absieht, dass man keine Privatsphäre mehr hat."
Harry legte Draco den Arm um die Schultern und zwinkerte Anne zu.
"Lass dir von denen bloß nichts einreden. Sie leben beiden schon viel zu lange mit uns, um das noch objektiv beurteilen zu können."
Sie lächelte scheu. "Ihr beide seid ein Paar, oder?" Sie sah zwischen Draco und Harry hin und her.
Der Gryffindor strahlte. "Jap. Seit... wie lange?"
"Sieben Jahre an Halloween."
"Stimmt."
"Und du bist... Rons Frau, nicht wahr?"
"Schuldig im Sinne der Anklage."
"Es ist wirklich schwierig, sich alle Namen und Gesichter und alles zu merken."
"Wenn du was nicht weiß, frag... Frederik Weasley, wage es ja nicht!"
Fred setzte eine unschuldige Miene auf. "Was denn?"
"Ich habe genau gesehen, dass du meinem drei Monate alten Baby Wein geben wolltest!"
"Nur ein paar Tropfen."
Molly warf ihrem Sohn einen mörderischen Blick zu.
"Junger Mann, warte, bis wir zu Hause sind! Du gibst mir jetzt auf der Stelle das Baby!"
Sie stand auf und nahm Fred Maggie ab, die fröhlich gluckste, reichte das Kind an Charlie weiter, der ihr gegenüber saß und versetzte Fred einen Schlag gegen den Hinterkopf.
"Ich FASSE es nicht!"
"Ach Mum, ist doch nichts passiert."
"Ja, aber gleich passiert was, wenn du nicht aufhörst dich wie ein Irrer zu benehmen!"
"Ich hätte ihr den Wein doch nicht wirklich gegeben."
"Da bin ich mir nicht so sicher. Dir trau ich inzwischen alles zu."
Molly warf ihrem Sohn noch einen mörderischen Blick zu, dann wandt sie sich an Charlie.
"So, du kannst mir die Kleine jetzt wiedergeben, wenn du willst."
"Ach nein, Mum. Ich halt sie gern noch ein wenig. Ist schon ne Weile her, dass meine beiden so klein und handlich waren."
Paula lächelte. "Das stimmt allerdings."
In diesem Moment kamen Mona und Ben wie auf ein geheimes Stichwort wieder ins Haus gepoltert. Ginny, die der Küchentür am nächsten saß half den beiden aus ihren nassen Jacken und Schuhen.
"Na, ihr Zwerge. Schneemann fertig?"
"Jap. Er ist RIESIG!"
"Klasse. Schau ich mir nachher an. Und habt ihr Bert gesehen?"
"Wer ist Bert?" Mona sah ihre Tante aus großen Augen an.
"Oh nein, nicht Bert." stöhnte Ron.
Draco grinste. "Du kennst Bert nicht? Das ist aber eine Bildungslücke."
"Allerdings."
Mona klatschte in die Hände. "Erzähl!"
Ginny warf Draco einen funkelnden Blick zu.
"Ok. Wenn ihr wirklich wollt, erzählen wir euch Berts Geschichte."
Anne sah Hermine fragend an. "Wer ist Bert?"
"Frag nicht... Du wirst es schneller erfahren, als dir lieb ist."
Ginny hob Mona auf ihren Schoß, während Ben sich auf den letzten freien Stuhl kauerte. "Also. Bert ist ein Pinguin. Ein ganz besonderer Pinguin. Er fror nämlich immer. Und das ist ziemlich dumm, denn er wohnte am Nordpol."
"Südpol." widersprach Draco.
"Südpol?"
"Jap."
"Sicher?"
"Auf jeden Fall."
Harry seufzte. "Und schon geht's los..."
Draco ignorierte ihn und sah Ginny todernst an. "Er ist umgezogen. Weißt du nicht mehr? Weil's ihm am Nordpol zu kalt war. Er dachte, dass Südpol wärmer klingt. Also ist er auf die nächste Eisscholle und runter nach Süden."
"Stimmt. Jetzt erinnere ich mich wieder."
"Er ist vom Nordpol zum Südpol auf einer Eisscholle, weil es ihm zu kalt war?" Rons Stimme war der Zweifel deutlich anzuhören. "Warum ist er nicht am Äquator geblieben? Da ist es auf jeden Fall warm."
"Weil er den Äquator gar nicht passiert hat auf seiner Reise."
"Ach, und wie will er das gemacht haben? Der Äquator geht einmal rum. Er MUSS ihn passiert haben."
Ginny grinste Draco an, dann sah sie ernst zu ihrem Bruder.
"Er ist drunter durchgetaucht."
"Genau. Du weißt aber auch gar nichts."
"Drunter durchgetaucht? Das geht doch überhaupt nicht!"
Hermine verdrehte die Augen. "Ron, mach es ihnen doch nicht immer so leicht..."
"Aber sie erzählen Blödsinn..."
Mona zupfte an Ginnys Ärmel. "Erzähl weiter."
Ginny sah Ron noch einmal herausfordernd an, dann wandt sie sich wieder an die Kinder. "Na jedenfalls, nachdem er zum Südpol gezogen war, stellte er fest, dass es da genauso kalt war. Es klang zwar wärmer, aber war es leider nicht."
Ron stöhnte und vergrub das Gesicht in den Händen.
"Also hat Bert angefangen zu überlegen, ob er vielleicht wieder zurück zum Nordpol soll... wenn es eh überall gleich kalt ist. Aber das hat auch nicht geklappt. Die Eisscholle war ja inzwischen auf dem Weg geschmolzen."
"Er könnte eine neue nehmen." schlug Ben vor.
"Hat er auch gedacht. Aber dann fiel ihm ein, dass Eisschollen nicht bergauf schwimmen."
Fred lachte. "Wieso bergauf?"
Ginny seufzte. "Draco erklär es ihm."
"Norden ist oben und Süden unten, oder?"
Fred nickte.
"Na also. Vom Nordpol zum Südpol geht's bergab. Das ist leicht. Aber vom Südpol zurück zum Nordpol geht's bergauf. Das ist mit einer Eisscholle praktisch unmöglich."
Freds Lippen bewegten sich stumm, als er versuchte Dracos Logik zu folgen.
"Das ist der größten Unsinn, den ich je gehört habe!"
"Warte nur ab, Fred. Das wird noch schlimmer..." Harry hatte das Kinn in die Hand gestützt und sah zwischen seinem Mann und dessen bester Freundin hin und her, die sich amüsierte, verschwörerische Blicke zuwarfen. Wenn Draco und Ginny anfingen rumzuspinnen, gab es kaum eine Chance ihre Logik zu widerlegen.
"Also," fuhr Ginny fort. "überlegte Bert, was er sonst noch machen könnte. Immerhin wollte er ja nicht am Südpol erfrieren."
"Er kann sich ja nen Pulli stricken." brummte Ron sarkastisch.
"Ja klar, Ron. Als ob Pinguine stricken könnten." spottete Draco.
"Warum auch nicht? Sie können doch sonst auch alles bei euch. Mit Eisschollen einmal um die Welt segeln, unterm Äquator durchtauchen. Warum also nicht auch stricken?"
"Weil sie keinen Daumen haben. Das weiß doch nun wirklich jeder."
"Genau. Außerdem hatte das Wollgeschäft Antarktika kurz vor Berts Ankunft zugemacht."
"Ein Wollgeschäft?"
"Jap. Die Schneegans, die das geführt hat ist zu ihrer Cousine nach Neuseeland gezogen."
Ron schnaubte.
Mona sah Ginny aus großen Augen an. "Und was ist mit Bert? Ist er erfroren?"
"Nein, Süße. Ihm fiel nämlich gerade noch rechtzeitig sein alter Nachbar vom Nordpol ein."
"Genau." fuhr Draco fort. "Der war nämlich einmal im Jahr mit seinem Schlitten rund um die Welt gefahren und hatte Geschenke verteilt und Bert dachte, dass er ihm ja einen Brief schreiben und ihn bitten könnte, dass er ein paar warme Sachen mitbringt."
"Der Weihnachtsmann!" jubelte Ben und klatschte in die Hände.
"Ganz genau der. Also setzte sich Bert hin und schrieb einen langen Brief."
"Ja klar. Schreiben kann er jetzt wieder. Braucht man dafür keinen Daumen?"
"Nein, nur einen Stift." Ginny kicherte.
"Und wo hat er den hergenommen mitten in der Pampa?"
Draco lehnte sich in seinem Stuhl zurück und sah Ron herausfordernd an.
"Hat er sich von einem vorbeikommenden Eisbären geliehen."
Ginny nickte ernst. "Genau. Eisbären haben immer was zu schreiben dabei."
Ron stöhnte. "Ich geb's auf! Ihr seid doch nicht ganz gescheit!"
"Hat der Weihnachtsmann Bert was mitgebracht?" wollte Ben, den das seltsame Verhalten seines Onkels wenig interessierte, von Ginny wissen.
"Oh ja. Und zwar eine ganze Menge. Zunächst mal eine Pudelmütze."
"Eine blaue Pudelmütze."
"Genau. Mit einem roten Bommel dran."
"Und einen Schal."
"Passend zur Mütze."
"Und dann noch eine Tasse."
"Mit einem Eisbären drauf. Das war der Eisbär, der Bert den Stift geliehen hatte. Der Weihnachtsmann wollte ihm ein Denkmal setzen."
"Weil er so großzügig war. Eisbären verleihen ihre Stifte nur sehr selten."
"Und dann hat Bert noch einen lebenslangen Vorrat Earl-Grey-Tee bekommen."
"Sein Lieblingstee."
"Das wusste der Weihnachtsmann natürlich."
"Weil er Bert früher oft zum Tee eingeladen hatte."
"Das macht man so unter guten Nachbarn."
"Und zum Schluss bekam Bert noch eine neue Eisscholle."
"Eine verzauberte Eisscholle."
"Genau. Die niemals schmilzt."
"Und die bergauf schwimmen kann."
"Und die niemals umkippt."
"Und mit der zieht Bert seit dem durch die Welt."
"Und seit zwei Jahren kommt er immer mal wieder hier vorbei und sitzt in unserem Garten."
"Wirklich?" Monas Augen waren kugelrund vor Staunen.
"Jap. Und wenn ihr ganz leise und vorsichtig seid, dann könnt ihr ihn zwischen den Rosenbüschen sehen."
"Da sitzt er am liebsten."
"Und erzählt den Tomaten Witze." fügte Draco mit einem Seitenblick auf Harry hinzu.
Harry lachte. "Ha, ha. Sehr komisch."
Draco grinste und gab ihm einen Kuss. "Süß und merkwürdig." wisperte er.
"Danke gleichfalls."
Mona und Ben waren aufgesprungen und in die Küche gerannt, wo sie sich jetzt an der Terrassentür die Nasen platt drückten.
"Mummy dürfen wir raus, Bert suchen?"
Paula verdrehte lachend die Augen.
"Da habt ihr ja was angerichtet mit eurer Geschichte. Ich werde für den Rest des Winters nur Geschichten über Pinguine hören."
Harry lachte. "Warum sollte es dir besser gehen als uns, Paula? Wir müssen uns diese Geschichten seit zwei Jahren andauernd anhören. Ohne Hoffnung auf Erlösung."
Ginny lehnte sich zu Draco und legte ihm den Arm um die Schultern.
"Weißt du was, Honey? Wir sollten uns zusammensetzen und ein Buch schreiben. Über Bert."
"Stimmt. Das sollten wir wirklich machen."
Hermine sah sie nachdenklich an. "Das könnte sogar funktionieren. Kinder stehen auf den Blödsinn, den ihr beiden ständig verzapft. Ihr solltet das ernsthaft versuchen."
"Hermine! Ermutige sie doch nicht auch noch! Oder willst du, dass unsere Kinder später mal wollen, dass du ihnen diesen Unfug vorliest?"
"Ich werd ihnen das nicht vorlesen, Ron, sondern du."
"Na wunderbar. Meine Kinder werden denken, dass man mit Eisschollen durch die Weltgeschichte segeln kann, dass Eisbären einen Büroartikelverleih betreiben, und dass man unter dem Äquator durchtauchen kann..."
Harry lachte laut. "Tröste dich Ron, es könnte schlimmer sein."
"Ja. Wenn ich bedenke, dass du und Neville mit jeweils einem von den beiden Wahnsinnigen leben müsst. Mein Beileid, Kumpel."
"Ach weißt du, das Leben mit diesem speziellen Wahnsinnigen hat doch mehr Vor- als Nachteile." Er grinste Draco fröhlich an.
"Das ist aber auch dein Glück, Potter. Denk dran, die Couch steht im Flur. Da ist es sehr unbequem zur Zeit."
"Naja, wenn man bedenkt, dass das Bett im Bad steht..."
"Wisst ihr, was das wirklich Schlimme an der Sache ist?" wandt sich Ron an die Allgemeinheit. "Der Wahnsinn ist ansteckend."
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Weit nach Mitternacht ließ Harry sich im Flur auf die Couch sinken und seufzte tief. Draco schloss die Haustür und setzte sich dann neben ihn. Sie hatten gerade erst die letzten ihrer Gäste verabschiedet.
"Endlich wieder allein."
"Amen, Bruder."
Draco lehnte sich gegen Harry und schloss die Augen. "Und? Hat es dir gefallen?"
"Sehr. Es hatten alle viel Spaß, glaub ich. Und ich auch."
"Das ist schön. Aber jede Woche müssen wir das nicht machen."
Harry lachte leise. "Nein, wirklich nicht." Er legte den Arm um Draco und seufzte wieder. "Räumen wir noch auf?"
"Nein... Lass uns das morgen machen. Es wird bestimmt noch alles da sein, da bin ich sicher. Im Moment möchte ich nur noch in mein Bett."
"Dann lass uns nach oben gehen. Bevor wir hier unten einschlafen."
"Hm..."
"Draco?"
"Trag mich."
Harry lachte leise. "Und wer trägt mich?"
"Ich. Aber erst morgen..."
"Das wage ich zu bezweifeln." Harry stand auf und sah mit einem leicht amüsierten Lächeln auf seinen Gefährten, der bereits halb zu schlafen schien.
"Na gut. Ausnahmsweise." Er hob Draco hoch und ging zur Treppe. "Du bist schwerer als beim letzten Mal, kann das sein? Du hast zu viel gegessen heute."
"Hm..." Draco schlang die Arme um Harrys Hals und küsste ihn auf die Wange. "Wenn du das sagst."
Harry lächelte und ging langsam die Treppe hoch. Im Schlafzimmer ließ er Draco sanft auf's Bett fallen.
"Soll ich dich auch ausziehen oder schaffst du das?"
Die silbernen Augen wurden einen Spalt breit geöffnet, Dracos Stimme war warm und rauchig. "Du musst das machen..."
Harry kannte den Tonfall, wusste, was hinter dem Funkeln in den hellen Augen lag. Er lachte leise und ließ sich neben Draco auf's Bett sinken.
"Doch nicht so müde?"
"Irgendwie bin ich wieder wach. Keine Ahnung warum..."
"Du warst nie müde, gib es zu. Du wolltest nur getragen werden."
"Erwischt."
"Unverschämt."
Draco schlug die Augen ganz auf und sah Harry aus glühenden Augen an.
"Nur für dich, Baby."
Harry lachte wieder, dann küsste er Draco lange und tief.
"Hab ich dir heute eigentlich schon gesagt, wie glücklich ich bin, dass ich dich habe?"
"Ich glaub ja. Aber sag es nochmal. Ich hör es zu gern."
"Ich liebe dich, Draco."
Ein Lächeln ließ die silbernen Augen aufblitzen. Draco strich leicht durch die zerzausten schwarzen Haare.
"Das trifft sich wirklich gut," schnurrte er. "Ich liebe dich auch."
x-x-x-x-x
The End... so far.
A/N:
Was in der Nacht noch weiter passiert, überlasse ich eurer Phantasie. ;o)
Ich bin mir noch nicht sicher, ob und wenn ja, wann ich diese Geschichte fortsetzen werden, aber ihr werdet es als erste erfahren.
Zu Dracos Eltern: Dass sein Vater stirbt, war ja mehr oder weniger klar, da ich das im zweiten Teil schon erwähnte. Ob Narcissa Draco jemals verzeiht (nicht, dass es wirklich etwas zu verzeihen gäbe) und wieder auf den Teppich kommt kann ich nicht sagen. Vielleicht irgendwann mal.
Harrys Witz, den er den Tomaten erzählt hat... Naja, der ist eigentlich nicht wirklich soooo lustig. lach Aber meine Schwester und ich haben uns vor ein paar Jahren tagelang darüber kaputt gelacht. Wie man das halt manchmal so hat. Aber hier ist er, für alle, die es interessiert:
"Treffen sich zwei Holzwürmer im Käse. Sagt der eine zum anderen: 'Ach, haben sie auch so schlechte Zähne?'"
Wenn wir in der richtigen Stimmung sind, reicht es heute manchmal noch, wenn eine von uns sagt "Treffen sich zwei Holzwürmer im Käse.." lach
Ich hab schon die eine oder andere Idee für neue Fics, ich hoffe, im kommenden Jahr werdet ihr ein bisschen mehr von mir hören als im letzten.
Bis dahin.
Ich wünsch euch allen schöne Weihnachten und ein gutes neues Jahr!
Hugs & Kisses
Eure Yulah
P.S.: Ich entschuldige mich bei allen Pinguinexperten und Geographen. Berts Geschichte entbehrt, fürchte ich, jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. Aber dafür ist es ja nur eine Geschichte. ;o) Und es macht einfach zu viel Spaß diesen Unsinn zu schreiben.
Y.N.
