2. Schöne Ferien
Inzwischen waren die Ferien angebrochen und Lily war mit ihren Eltern nach Hause gefahren. Raul war über die Ferien bei seinen Großeltern und Lily wollte ihn unbedingt besuchen. Schon die gesamte erste Ferienwoche redete Lily auf ihre Mutter ein. „Ich hab es Raul doch versprochen, können wir ihn nicht besuchen gehen?" So ging es den ganzen Tag. „Anna hat gesagt, dass sie auch bei ihren Großeltern Ferien mache will. Vielleicht treffe ich ja dann beide. Bitte!", drängelte Lily weiter.
„Nun mal langsam mit den jungen Pferden", wurde sie von ihrer Mutter ermahnt. „Dein Vater muss diese Woche noch den Bericht abliefern, und dann fahren wir für ein paar Tage zu Freunden hinaus aufs Land. So und nun mach dich an deine Arbeit, Zimmer aufräumen", erklärte Hermine ihrer Tochter.
„Immer Zimmer aufräumen, ich hasse aufräumen!", maulte Lily ihre Mutter an. „Nie darf ich machen was ich will, immer musst du sagen was-„
„Wenn du weiter maulst, dann nehme ich dir den Zauberstab weg, dann kannst du von Hand aufräumen!", drohte nun ihre Mutter. Sie wirkte inzwischen deutlich genervt und Lily entschied sich lieber zu verschwinden.
Eigentlich hatte ihre Mutter ja Recht, man konnte sich in ihrem Zimmer wirklich nicht mehr umdrehen, doch Lily gefiel das. Widerwillig kramte sie ihren Zauberstab unter ein paar Büchern die auf dem Boden lagen hervor. Ein lässiger Schlenker, und die Sachen fingen an sich selbst auf zu räumen. Leider hatte Lily die Sache etwas zu einfach genommen, und so wurde sie fast von dem heranschnellenden Stuhl umgeworfen. Auch die anderen Sachen trafen nicht immer die vorgesehenen Schubladen und Fächer. Nach kurzer Zeit sah das Zimmer fast noch schlimmer aus als vorher.
„Was treibst du hier eigentlich?" Durch den Lärm den Lily machte stand auf einmal Hermine in der Zimmertür. „Willst du uns das Haus abreißen?" Mit einem „Finite Incantatem" fielen die letzten noch verbliebenen Gegenstände auf den Boden und blieben reglos liegen.
Lily musste unvermittelt kichern. Musste ihre Mutter auch immer so übertreiben, das Haus abreißen, also wirklich. „Tschuldigung, hab mich wohl ein wenig vertan!" Mit herzerweichendem Hundeblick schaute Lily ihre Mutter an. Ja, wenn sie solch einen Blick aufsetzte, konnte ihre Mutter ihr meist nicht mehr böse sein.
„Ach lass mal", meinte daraufhin ihre Mutter versöhnt „wir räumen nachher gemeinsam auf, dann zeig ich dir, wie das richtig geht. Außerdem ist dein Vater eben nach Hause gekommen." Lily steckte sich ihren Zauberstab in die Hosentasche und eilte die Treppe nach unten in das Wohnzimmer, wo sie ihren Vater vermutete.
„Expelliarmus" hörte sie leise geflüstert, sie konnte gerade noch schnell genug ihren Zauberstab ziehen, und laut „Protego" rufen. Der Fluch prallte zurück, und lässig fing sie den Zauberstab ihres Vaters auf. Inzwischen war auch Hermine in der Tür erschienen und bog sich vor Lachen.
„Du wirst langsam alt Harry, wenn du unsere Tochter drankriegen willst musst du schon früher aufstehen!" Harry rappelte sich mühsam auf. Doch dann fing auch er an zu lachen.
„Das mit dem alt nimmst du aber zurück", drohte er nun seiner Frau „oder ich leg dich übers Knie!" Mit diesen Worten hechtete er wie ein Raubtier auf seine Frau zu und schlang gierig seine Arme um sie. Hermine quietschte vor Vergnügen.
„Typisch Mann, wenn sie mit Argumenten nicht mehr weiter kommen gebrauchen sie Gewalt!", höhnte nun Hermine, während sie versuchte sich aus der Umarmung zu lösen und an ihren Zauberstab zu gelangen.
„HÖRT ENDLICH AUF DAMIT!" rief auf einmal Lily. Harry und Hermine sahen sich verdutzt an und begannen auf einmal lauthals an zu lachen. Lily war es einfach nur peinlich, wenn sich ihre Eltern so kindisch benahmen. Ungeduldig wartete sie bis sich ihre Eltern wieder beruhigt hatten. Immer wieder prustete einer von beiden los. „Wie war es im Ministerium?", konnte sie endlich fragen.
„Ungewohnt!", gab ihr Vater zur Antwort und Hermine sah ihren Mann verwundert an. „Wisst ihr, normalerweise schreibe ich keine Berichte, das erledigt sonst immer mein Sekretär. Doch da ich diesmal der einzige war der aus meiner Abteilung dabei war musste ich den ganzen Papierkram selbst erledigen."
„Schadet dir auch nichts, wenn du auch mal wieder etwas Schriftliches tun musst. Nur weil du der Chef der Abteilung bist, heißt das doch noch lang nicht, das du dich auf die faule Haut legen kannst", ermahnte ihn Hermine. Sie hatten sich inzwischen an den Esszimmertisch gesetzt und Lily trug das Abendessen auf. „Was wird eigentlich aus deiner Abteilung, jetzt wo Voldemort endgültig vernichtet ist?", fragte Hermine nach.
„Das hab ich mich erst auch gefragt. Weißt du noch was Voldemort gesagt hat, als Lily die Kugel mit seiner Seele zerstörte?" Harry blickte zu Hermine herüber. Diese sah ihren Mann fragend an. Harry erklärte „Ich zitiere: „Doch meinen Schüler werdet ihr nicht bekommen. Mit meiner Macht wird er mein Werk vollenden. Komm her mein Schüler und empfange meinen Geist!" Wir glauben, dass Voldemort einen Teil seines Geistes auf Balthasar übertragen hat. Somit ist er nun unser Ziel Nummer eins."
„Du meinst Voldemort hat in Balthasar überlebt?", frage Lily nun geschockt. „Ich dachte der ganze Mist mit dem verstecken hat nun ein Ende." Lily war ziemlich enttäuscht. War doch Voldemort der Grund, warum ihre Eltern sich damals von ihren Freunden getrennt hatten und in den Untergrund gegangen waren. Harrys Spezialeinheit zur Jagd auf Voldemort stand unter strengster Geheimhaltung. Sie waren ständig unter dem Fidelius Zauber, so dass niemand sie finden konnte. Lily konnte nie Freunde zu sich einladen. Erst als sie letztes Jahr zum ersten Mal nach Hogwarts kam hatte sie Anna und Raul kennen gelernt und sich mit ihnen angefreundet. Sie hatte gehofft das, nach dem Voldemort besiegt worden war, sie endlich mal ihre Freunde auch in den Ferien sehen konnte. Doch das schien ja wohl doch nicht zu klappen.
„Warum so traurig?", riss ihre Mutter sie aus den Gedanken. Sorgenvoll blickte sie ihre Tochter an.
„Ich hatte gehofft, dass wir endlich normal leben könnten, Freunde einladen und so." Lily war nun wirklich traurig.
„Ach lasst den Kopf doch nicht hängen. Wir im Ministerium sind uns einig, und das will schon was heißen, dass Balthasar nicht Voldemort ist. Er trägt nur das dunkle Gedankengut in sich, und das Wissen um einige Flüche. Doch wir denken, dass er lange nicht so gefährlich ist wie Voldemort war. Man ist im Ministerium der Ansicht, dass er wohl noch nicht einmal die Unverzeihlichen Flüche beherrscht, wobei ich mir beim Crucio, oder dem Imperio Fluch nicht so sicher bin. Wir werden uns wohl vorerst nicht mehr verstecken müssen. Vielleicht erwischen wir ihn ja bevor er so stark wie Voldemort wird, und dann hat der Spuk ja doch endlich ein Ende."
Lily blickte fragend zu ihrem Vater. „Nun noch eine gute Nachricht!", führte Harry weiter aus. „Ich habe ab heute Urlaub, und wir können schon morgen aufs Land fahren." Er strahlte in die Runde als ob er im Lotto gewonnen hätte. Auch Hermine freute sich riesig:
„Endlich ein wenig ausspannen! Und du Fräulein gehst jetzt am besten rauf und packst deine Sachen. Wir müssen dann nämlich morgen früh los!"
Na toll, dachte sich Lily. Raus aufs Land war genau das, was sie jetzt am aller wenigsten wollte. Sie wollte viel lieber Raul oder Anna besuchen und nicht mit ihren Eltern bei irgendwelchen langweiligen Leuten rum sitzen. Warum hörte eigentlich niemand auf sie?
