5. Ein neues Schuljahr.

Die Woche bei den Weasleys verging wie im Flug. Lediglich Anna vermisste Niclas, der seit letztem Jahr ihr gemeinsamer Freund geworden ist, doch wollten seine Eltern mit ihm nach Transsylvanien in Rumänien, Verwandte besuchen. Lily wollte gar nicht mehr nach Hause, bettelte ständig ihre Eltern an, dass sie lieber bei Anna und Raul bleiben wolle. Doch alles Betteln half nichts und so musste sie traurigen Herzens Abschied nehmen. Dieser fiel dann auch sehr tränenreich aus und Lily glaubte sogar zu sehen, dass auch ein paar Tränen verstohlen in den Augenwinkeln ihrer Mutter glitzerten.

Die letzten Ferienwochen waren dann auch ziemlich langweilig. Hermine bestand darauf, das Lily endlich ihre Hausaufgaben machen sollte, und ihr Vater hatte nur noch das Training im Kopf. Er sagte immer wieder, das wir Balthasar nicht unterschätzen, und immer wachsam sein sollten. Der Spruch stammte einst von Mad-Eye Moody

Endlich war es wieder soweit, und es wurden die Koffer für den Schulaufenthalt gepackt. Lily war nun im zweiten Schuljahr in Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei. Sie freute sich schon auf das Schloss, wo sie ihre Freunde wieder treffen würde. Und so viel ihr der Abschied von ihren Eltern nicht so schwer.

Auf dem Bahnsteig 9 ¾ war wie jedes Mal zu Schulbeginn eine Menge los. Doch Lily fühlte sich nicht mehr so verloren wie beim ersten Mal. Inzwischen war sie ein alter Hase und amüsierte sich darüber wie aufgeregt die neuen Erstklässler doch waren.

Lily verabschiedete sich von ihren Eltern und stieg in den Zug. Sie waren früh dran und so hatte sie keine Schwierigkeiten ein leeres Abteil zu finden. Sie öffnete das Fenster und sprach noch mit ihren Eltern. „Dass du mir auch schön lernst!", ermahnte sie ihr Vater. „Und schreib bald!", sagte Hermine. So plauderten sie noch einen Weile, bis auch Raul und Anna eintrafen.

Die Wiedersehensfreude war groß. Anna fing gleich an zu erzählen und auch Raul war nicht mehr so schüchtern wie im letzten Jahr. Als der Zug anfuhr verabschiedeten sich die Kinder noch am Fenster von ihren Eltern. Die Fahrt wurde lustig, und die Freunde berichteten von ihren Ferienerlebnissen. Es wurde schon dunkel, als der Zug endlich in Hogsmeade ankam.

Die drei Freunde eilten den leichten Hügel zu den Kutschen hinauf, welche sie zum Schloss bringen sollten. Sie bestiegen eine Kutsche für sich und langsam setzte sie sich in Bewegung. Der Weg war holprig und steil und so kamen sie nur langsam voran. Raul wollte sich schon beschweren, dass sich die Kutschen beeilen sollten, da er Hunger habe, doch genau in dem Augenblick bremste sie ab, und hielt vor dem großen Schlossportal.

Hastig verließen sie die Kutsche und rannten die Treppe zum Eingang hinauf. Der alte Hausmeister Mr. Filch musterte jeden Schüler genau, bevor er sie in das Schloss ließ. Dabei murmelte er ständig etwas von Stinkbomben und von kleinen Verbrechern vor sich her. Lily musste grinsen, doch das hätte sie besser verbergen sollen.

„Potter, hier her, Taschen ausleeren!", befahl ihr der Hausmeister. Lily tat wie ihr befohlen wurde, doch außer einem Taschenmesser, und ein paar Steinen befand sich nichts in ihren Taschen. Filch betrachtete die Steine skeptisch. „Wusste ich's doch!", rief er aus. „Das sind, äh, das sind…"

„Steine!", half Lily ihm weiter „Kann ich jetzt gehen? Mir ist kalt!"

„Was willst du mit Steinen in den Taschen? Fenster einwerfen? Ich bring dich gleich zur Schulleiterin!", freute sich Filch.

„Wenn ich Steine zum Fenster einwerfen brauche hole ich sie mir von Hof, da gibt's genug, die trag ich nicht in der Tasche!", protestierte Lily. „Die sind für meine Sammlung, ich sammle Steine!", versuchte Lily zu erklären.

„Niemand sammelt Steine, du kommst mit!", beharrte Filch. Es blieb Lily nichts anderes übrig als mit Filch zum Büro der Schulleiterin Professor McGonagall zu gehen. „Haltet mir einen Platz frei, ich komme gleich nach", rief sie noch schell ihren Freunden zu. Dann wurde sie von Filch abgeführt.

Anna und Raul eilten in die große Halle und hielten schon mal einen Platz für Lily frei. Diese ließ nicht lange auf sich warten und berichtete was inzwischen geschehen war. Sie waren auf dem Weg in das Büro von Professor McGonagall, da begegnete ihnen die Schulleiterin, welche gerade zum Fest eilte. Sie wies den Hausmeister zurecht und schickte Lily zurück in die große Halle, damit sie die Aufnahmezeremonie der neuen Schüler nicht verpassen sollte.

Genau in diesem Augenblick erhob sich die Schulleiterin und begann ihre Ansprache. „Liebe Schülerinnen und Schüler! Und wieder beginnt ein neues Jahr. Es soll ein Jahr des Friedens und der Versöhnung werden. Darum lasst uns unseren Groll vergessen und miteinander feiern. Doch zuvor werden die neuen Schüler auf ihre Häuser verteilt!" Mit diesen Worten klatschte sie in die Hände und Professor Lupin führte eine kleine Schar junger Hexen und Zauberer hinein.

Lily musste schmunzeln als sie die Neuen in ihren frischen Schuluniformen sah. Der Sprechende Hut wurde herein gebracht und auf den dreibeinigen Schemel gelegt. Jeder blickte gebannt auf den Hut. Dieser zierte sich erst ein wenig und kostete die Aufmerksamkeit voll und ganz aus. Dann auf einmal tat sich nahe der Krempe ein Riss auf und der Hut begann zu sprechen.

Was einst getrennt hat sich zusammengefunden,

ein dickes Band um vier Freunde gebunden.

Die Gründer selbst standen dabei,

und so wurde die große Macht endlich frei.

Das Glück der vier konnte bestehen,

und das Böse musste von uns gehen.

Doch ihr Alle seid auf der Hut.

Das Böse besiegt ist noch nicht gut

Den Einen der böse ist, den zu finden,

müssen die Häuser zusammen sich binden.

Drum ist's egal in welches Haus ich euch steck,

die Grenzen der Häuser ihr wischt sie weg.

Denn nur gemeinsam, ihr werdet sehen,

könnt ihr über das Böse bestehen.

Im Saal begannen alle zu klatschen und der Hut verneigte sich nach allen Seiten. Sogar am Tisch der Slytherins gab es viel Applaus. Nun wurden die neuen Schüler der Reihe nach aufgerufen und auf die Häuser verteilt.

Lily achtete nicht mehr auf die Auswahl sondern unterhielt sich lieber mit ihren Freunden. Anna blickte immer wieder zu dem Haustisch der Slytherins hinüber, so dass Lily schließlich fragte: „Was suchst du da?"

„Ich suche Niclas, aber ich kann ihn nirgends sehen", erwiderte Anna angespannt. Seit ihrem Abenteuer im letzten Jahr, als Niclas ihnen gegen Balthasar geholfen hatte, waren sie sehr gut mit dem Jungen aus Slytherin befreundet. Auch Lily viel nun auf dass Niclas fehlte.

„Er hat sicher den Zug verpasst und kommt später nach", versuchte Lily ihre Freundin zu beruhigen.

Als alle neuen Schüler auf die Häuser verteilt waren, eröffnete die Schulleiterin die Tafel und es erschienen die köstlichsten Speisen. Alle langten herzhaft zu und bald war der Saal mit tratschenden, kichernden und schmatzenden Geräuschen erfüllt. Raul futterte so als hätte er seit Monaten nichts mehr bekommen und Lily wunderte sich, dass er dabei noch immer schlank war. Als auch der Nachtisch verspeist und alle so richtig satt waren, wurden sie von der Schulleiterin ins Bett geschickt.

Lily verabschiedete sich von Raul und eilte Anna hinterher die Wendeltreppe zu ihrem Schlafsaal hinauf. Die Mädchen zogen sich um und gingen zu Bett. Lily war so müde, dass sie sofort einschlief, nur Anna lag noch ein Weilchen wach und fragte sich wie es Niclas wohl ging.

Am nächsten Morgen wurden sie schon sehr früh von der Sonne geweckt, deren helle Strahlen durch einen Spalt der dicken Vorhänge schienen. Die Mädchen richteten sich und gingen hinunter zum Frühstück. Heute würden die neuen Stundenpläne verteilt.

Sie hatten schon angefangen zu essen als Professor Lupin durch die Reihen schritt und jedem seinen neuen Stundenplan in die Hand drückte. Wo Raul bloß bleibt, fragte sich Lily. Es war sonst nicht seine Art, das Frühstück ausfallen zu lassen. Doch gerade als Professor Lupin zu ihnen kam stürmte auch Raul in den Saal.

„Ich hab verschlafen!", entschuldigte er sich und nahm seinen Stundenplan entgegen.

„Aber das macht doch nichts, der Unterricht beginnt doch erst in einer halben Stunde!", versuchte Professor Lupin den aufgelösten Jungen zu beruhigen. „Aber das reicht dann nicht mehr zum Frühstücken Herr Professor!", jammerte Raul atemlos. Lily kugelte sich vor Lachen und auch Anna konnte sich das Lachen nicht mehr verkneifen und prustete los. Ja sogar Professor Lupin musste mitlachen.

„Ja, ja, macht ihr euch nur lustig über mich!", gab Raul beleidigt von sich.

„Aber Raul, wir lachen doch nicht über dich, es ist nur so komisch!", brachte Lily gerade noch so zwischen zwei Lachanfällen hervor. Es dauerte eine Weile bis sich alle wieder beruhigt hatten. Es reichte sogar noch für Raul ein schnelles Frühstück zu genießen. Gemeinsam machten sie sich dann auf den Weg zum Gryffindorturm um sich ihre Schultaschen für den Unterricht zu holen.

Die Woche begann mit Verteidigung gegen die dunklen Künste bei Professor Lupin. Lily Raul und Anna setzten sich in die erste Reihe ganz nach vorne. Lily mochte das Fach und sie konnte den Professor gut leiden. Die Tür wurde geöffnet und Professor Lupin trat herein.

„Na Raul, noch satt geworden?", fragte er auch gleich darauf an Raul gewandt. Der wurde knallrot im Gesicht und nickte nur vorsichtig. Lily konnte nicht anders und prustete gleich wieder los, auch Professor Lupin verzog den Mund zu einem leichten Grinsen. „So, ich denke das wir erst einmal ein wenig den Stoff des letzten Jahres wiederholen!", erklärte er dann der Klasse.

Professor Lupin verteilte ein paar Aufgabenblätter, dann wurde es ruhig und alle arbeiteten konzentriert an den Aufgaben. Die Stunde verging wie im Flug und als alle abgegeben hatten klingelte auch schon die Glocke.

Weiter ging es mit Zaubertränke beim alten Professor Snape. Lily war wirklich gut in Zaubertränke und so konnte der schrullige Professor ihr nichts anhaben. Er erklärte zwar immer wieder, wie schlecht sie eine Mixtur gemischt habe und dass sie alles vergessen würde, doch wenn dann die Noten zurückkamen, dann hatte sie immer ein Ohnegleichen. Sie überhörte inzwischen seine bissigen Bemerkungen und dachte sich ihren Teil.

In den Ferien hatte Rauls Vater ein wenig von Professor Snapes Verhältnis zu ihrem Vater erzählt, und dass er auch nach dem großen Kampf sich nicht wirklich mit ihm anfreunden konnte. So konnte sie sich die manchmal sonderbaren Handlungen ihres Professors erklären, und gab sich nicht selbst die Schuld für die ungerechte Behandlung durch ihn.

Heute war es wieder besonders einfach, denn den Trank den sie brauen sollten hatte Lily schon oft gemacht. Sie sollten ein Elixier brauen, mit dem man leichte Kopfschmerzen behandelt. Lily arbeitete schnell und konzentriert, und hatte den Trank in der Hälfte der Zeit fertig. Sie füllte ein Fläschchen ab und brachte es nach vorne an den Schreibtisch.

Snape machte natürlich wieder eine abfällige Bemerkung, dass sie nicht immer so schlampig und voreilig sein soll, bemängelte den schludrigen Verschluss ihres Fläschchens und leerte den Inhalt auf den Boden wo er einen hässlichen braunen Fleck hinterließ.

„Sehen sie Miss Potter was sie durch ihre Schlamperei angerichtet haben! Ich hoffe sie haben noch genug Trank für eine weitere Probe, ansonsten müsste ich ihnen ein S geben! Und zur Strafe für die Sauerei, die durch ihre Unachtsamkeit entstanden ist schreiben sie die genaue Zubereitung des eben ausgeführten Trankes auf. Sie können sich setzen, und damit anfangen!"

Lily beeilte sich ein neues Fläschchen zu füllen und verkorkte es diesmal besonders sorgfältig. Dann setzte sie sich an ihren Platz und fing mit der Strafarbeit an. Bis zum Ende der Stunde war Lily mit ihrer Strafarbeit fertig und reichte sie Professor Snape. Dieser blickte starr an ihr vorbei und steckte die Arbeit in ein Fach unter seinem Schreibtisch. „Sie können jetzt gehen Miss Potter!", war seine knappe Bemerkung.

Lily beeilte sich den anderen in die Mittagspause zu folgen. Heute Mittag hatte sie frei, und sie beschloss ihren Eltern zu schreiben. Darum beeilte sie sich nach dem Mittagessen schnell in den Gemeinschaftsraum zu kommen. Sie hastete die Treppe zu den Schlafsälen hinauf und holte sich ihr Schreibzeug. In der Ecke fand Lily einen freien Tisch, setzte sich und begann zu schreiben.

Hi Mum, hi Dad!

Hier ist es jetzt ziemlich langweilig. Der Unterrichtsstoff ist leicht, und wir haben wenige Hausaufgaben auf. Lediglich mit Professor Snape ist es ein wenig abwechslungsreicher. Er schimpft und lästert oft über mich, doch wenn er mir Strafarbeiten aufgibt, dann kann ich sie meistens während des Unterrichts machen. Außerdem bekomme ich immer ein „Ohnegleichen" für meine Proben. Raul und Anna sind sehr beschäftigt. Raul möchte in die Quidditsch-Mannschaft aufgenommen werden und trainiert jetzt viel, doch mit Anna kann ich gut Hausaufgaben machen. Sie ist nur etwas traurig, weil Niclas noch nicht zum Unterricht erschienen ist. Vielleicht ist er ja im Ausland auf einer andren Schule, doch da hätte man uns doch was sagen können! Mir geht es gut. Ich vermisse euch ganz doll.

Gruß, eure Lily!

Lily faltete den Brief sorgfällig und steckte ihn in einen feuerroten Umschlag. Ihre Mutter würde sicher einen Schreck bekommen, weil sie denkt es ist ein Heuler. Lily wäre gerne dabei um dann das Gesicht ihrer Mutter zu sehen. Sie ging durch das Portraitloch und schlug den Weg zur Eulerei ein. Dort suchte sie sich eine weiße Schneeeule aus. Vielleicht würde sie ja Hedwig gefallen, dachte Lily und band schmunzelnd den Brief an das Bein der Eule. Lily sah noch kurz dem Flug der Eule nach bevor sie sich auf den Rückweg in ihr Zimmer machte.