8. Balthasars Zorn
„Marc!" Laut hallte Balthasars Stimme durch die verlassenen Räume der verfallenen Fabrikhalle.
„Ja mein Gebieter?" Hastig war Marc in Balthasars Zimmer geeilt und verbeugte sich tief. Er hatte sich vorgenommen die rechte Hand von Lord Beliar, wie sich Balthasar jetzt nannte, zu werden. Da kam ihm der Auftrag, die Potters in eine Falle zu locken gerade recht.
„Wieso haben wir Lily noch nicht in unserer Gewalt?", schrie Lord Beliar plötzlich Marc an. „War es nicht auch noch deine Aufgabe sie zu entführen? Muss ich dir erst zeigen was es bedeutet ungehorsam zu sein?" Marc neigte seinen Kopf noch tiefer um Lord Beliar keine Möglichkeit zu geben seine aufkommende Angst zu sehen. Er hoffte, dass dieser diese Geste als eine Geste der Unterwerfung deuten würde.
„Mein Lord, ich trage keine Schuld!" Mit leichtem zittern in der Stimme versuchte Marc sich zu rechtfertigen. „Sie wird in Hogwarts zu gut bewacht. Niemand kann ihr nahe kommen!" Langsam wurde seine Stimme wieder fester. Sein Lord schien die Erklärung anzuhören. „Ich habe geplant, sie bei ihrem Ausflug nach Hogsmeade zu entführen, dort ist der Schutz nicht so umfangreich und ich denke ich werde dort eine Möglichkeit finden." Marc war sich so sicher mit seinem Plan. Er hoffe, dass sein Meister mit ihm zufrieden sein würde. Neugierig und erwartungsvoll hob er den Kopf an, gespannt auf die Reaktion seines Herrn.
„Du Narr!" brodelte Lord Beliars Stimme gefährlich. Unvermittelt zuckte Marc wieder zusammen. „Zweitklässlern ist es verwehrt auf den Ausflügen nach Hogsmeade mitzugehen. Soll ich wegen DIR noch ein weiteres Jahr vergeuden!", wurde er von Balthasar wütend angefahren „Sie hätte diese vermaledeite Schule gar nicht erst erreichen dürfen. Ich dulde keine Fehler, und Fehler die aus Dummheit begangen wurden schon gar nicht."
Marc hörte nur noch ein geflüstertes „Crucio!" Dann, ein unsagbarer Schmerz durchströmte seinen Körper. Er dachte er würde innerlich verbrennen. Er kippte Kopf über nach vorne und wand und krümmend auf dem schmutzigen Boden. Der Scherz ließ nach und erschöpft blieb er auf dem Boden liegen.
„Sei froh, dass du in meiner Gunst stehst", zischte Balthasar gefährlich leise, „ sonst wäre die Bestrafung nicht so harmlos ausgefallen." Marc stand mühsam mit schmerzverzerrtem Gesicht auf. „Und nun geh mir aus den Augen! Du hast vierundzwanzig Stunden mir einen besseren Plan zu präsentieren."
Ihm taten immer noch alle Knochen weh. Langsam schleppte er sich zur Tür. Bevor er sie öffnete, blickte Marc noch einmal zu Lord Beliar, doch schien er nicht weiter von ihm Notiz zu nehmen. So schnell es seine Kräfte zu ließen ging er in sein Zimmer. Wütend öffnete er die Tür und schlug sie hinter sich zu. Dort warf er sich auf sein Bett, was er sogleich bereute. Sein Kopf dröhnte nach der Folter noch sehr heftig.
Wie konnte er nur so dumm gewesen sein. Da hatte er Monate lang darauf hin gearbeitet in den inneren Kreis zu gelangen und dann war ihm dieser idiotische Fehler unterlaufen. Er hatte einfach nicht mehr daran gedacht, dass Besuche in Hogsmeade erst ab der dritten Klasse erlaubt waren. Er könnte sich selber ohrfeigen. Jetzt musste schnell ein neuer Plan her, vielleicht waren dann noch nicht alle seine Bemühungen, die rechte Hand des Meisters zu werden, verloren.
Marc lag noch lange Wach und zermarterte sich den Kopf. So sehr er sich auch anstrengte, ihm wollte einfach nichts einfallen. Erst spät in der Nacht fiel er in einen unruhigen Schlaf. Er träumte vom Ministerium und von der Aurorenabteilung bei der er ja immer noch angestellt war. Die gesamte Gruppe zu der Marc gehörte war von Balthasar entführt worden. Marc hatte zu der Zeit Urlaub und so hatte keiner bemerkt dass er eigentlich ein Todesser war.
Ein markerschütternder Schrei riss Marc aus dem Schlaf. War das nur ein Traum? Nein, kein Traum, als er wieder diesen Schrei hörte. „Was ist denn hier los?", fragte er sich. Marc erkannte gleich, dass jemand gefoltert wurde. Ihm stellten sich die Nackenhaare auf bei dem Gedanken an den Cruciatus-Fluch. Die beiden anderen Boten schienen mit ihrer Mission auch nicht erfolgreich gewesen zu sein. Es hörte sich an, als ob Balthasar äußerst zornig wäre. Insgeheim schmunzelte Marc in sich hinein. Das würde Balthasar sicher ein wenig von seinem Patzer ablenken. So konnte er Morgen voller Stolz seinen Plan präsentieren. Ja, er hatte einen Plan. Einen äußerst Genialen noch dazu. Wenn er seinen Plan Balthasar präsentieren würde währe er sicher wieder die Nummer eins neben ihm. Zufriedenen lächelnd schlief er ein.
Am nächsten Morgen wurde Marc von seiner Eule sehr früh geweckt. Er wollte in das Ministerium, um noch ein paar Vorbereitungen für die Durchführung seines Planes zu treffen. Er würde Stempel und Siegel aus der Aurorenabteilung benötigen. Marc ging zu Balthasars Raum, um sich die Zustimmung für seinen Ausflug in das Ministerium zu holen. Er klopfte und wartete auf ein Zeichen.
„Komm rein Marc!" drang Balthasars Stimme durch die Tür.
Marc öffnete die Tür und trat mit tief gebeugtem Kopf ein. „Herr ich möchte um Erlaubnis bitten an meinen Arbeitsplatz im Ministerium zurückkehren zu dürfen. Noch bin ich offiziell im Urlaub und man schöpft noch keinen Verdacht gegen mich. Ich brauche von dort einige Dinge für meinen neuen Plan." Vorsichtig hob Marc seinen Kopf.
„Das ging aber schnell, die Zeit ist noch nicht um! Hoffentlich ist er nicht wieder so schlecht wie dein letzter." Balthasars Stimme klang voller Hohn. „Wie willst du diesmal versagen?", grinste er ihm boshaft ins Gesicht.
„Herr, mir fehlen noch ein paar wenige Details an die ich nur im Ministerium gelangen kann, damit die Mission gelingen kann." Marc sah nun Balthasar direkt an.
„So, du bist dir deiner Sache aber diesmal sehr sicher! Ich hoffe für dich, dass es ein guter Plan ist. Doch sei gewarnt, solltest du mich hinters Licht führen wollen, wirst du es nicht überleben." Balthasar wirkte bei diesen Worten sehr bedrohlich und Marc zuckte unweigerlich zusammen.
„Ja Herr, ich weiß. Danke, ich werde euch nicht enttäuschen!" Marc wendete sich ab und ging auf die Tür zu.
„Protego Verita Amnesia!", hörte er Balthasar flüstern und spürte wie ein kalter Schauer über seinen Rücken lief. Erschreckt drehte sich Marc um. Die Panik in seinen Augen und das blasse Gesicht ließen ihn wie einen Toten aussehen. „Herr… Was…?" stammelte er.
„Ich wollte nur sicher gehen, dass du mich, dumm wie du bist, nicht verrätst", beantwortete Balthasar, teuflisch grinsend, die nicht gestellte Frage. „Ich habe dich mit einem Zauber belegt, der zu sofortiger und unwiderruflicher Amnesie führt, solltest du meinen Aufenthaltsort auch nur einer Menschenseele anvertrauen wollen. Also pass auf was du sagst. Und nun Geh!" Balthasar zeigte nun auf die Tür, welche sich von alleine öffnete.
Marc beeilte sich hinaus zu kommen. Diesmal durfte nichts schief gehen. Er wollte Macht und die bekam er nur, wenn er seine Aufträge gewissenhaft und zur Zufriedenheit seines Meisters erledigte. Er holte sich seinen Reiseumhang aus seinem Zimmer, verließ das Gebäude und trat hinaus auf die verlassen geglaubte Seitenstraße. Marc bemerkte nicht den Schatten, der in einem Hauseingang verschwand als er die Straße betrat. Hinter einem Stapel Kisten disapparierte Marc. Die vermummte Gestalt im Hauseingang nickte zufrieden und mit einem leisen Plopp verschwand auch sie.
Marc ging wie üblich zu seinem Büro. Er wollte nicht den Eindruck erwecken, dass er etwas von der Entführung seiner Abteilung wusste. Fröhlich vor sich hin pfeifend schlenderte er den Gang entlang.
„Mr. Smith! Kommen sie bitte mit in mein Büro. Ich habe ihnen etwas mitzuteilen!" Marc stellte sich unwissend. Hatte er vielleicht doch einen Verdacht?
„Jawohl, Mr. Watson." erwiderte er und konnte einen nervösen Klang in seiner Stimme nicht unterdrücken. Mr. Watson führte Marc den langen Gang entlang. An der großen Tür zu seinem Büro, wies er Marc an einzutreten. Er setzte sich in einen Stuhl vor dem großen Schreibtisch. Mr. Watson setzte sich ihm gegenüber. Marc sah sich um. Er war noch nie im Büro des Abteilungsleiters gewesen.
„Ich will nicht lange drum herum reden, Mr. Smith. Wo waren sie in der letzten Woche?" holte Mr. Watson Marc aus den Gedanken. Mark erschrak. Jetzt nur nicht die Nerven verlieren, ganz ruhig, du weißt von Nichts, ermahnte er sich selbst. Er gab die einfachste Antwort die ihm einfiel.
„Äh, ich war im Urlaub. Sie können ja meinen Chef Mr. Potter fragen, er hat ihn mir genehmigt." Manchmal ist die Wahrheit die bessere Lüge dachte sich Marc selbst zufrieden mit seiner Antwort.
„Ja, ich weiß. Ich habe ihren Urlaubsschein hier. Hat sie Mr. Potter unterrichtet, wo sie sich nach ihrem Urlaub melden sollen?" forschte Mr. Watson weiter.
„Nein, ich wollte gerade in mein Büro, meinen nächsten Auftrag besprechen." Marc war erleichtert. Scheinbar hatte Mr. Watson keine Ahnung.
„Die Sache ist nämlich die", erklärte nun der Chef der inneren Sicherheit. „Wir haben keine Ahnung wo sich ihr Chef Mr. Potter mit seiner Abteilung gerade befindet. Wir denken er ist auf einer geheimen Mission. Bis sich die Lage klärt werden sie in der Abteilung von Mr. McCormack ihren Dienst antreten. Sollten sie irgendetwas über den Verbleib ihres Chefs in Erfahrung bringen, wünsche ich sofort unterrichtet zu werden."
„Jawohl Sir!" antwortete Marc erleichtert. Jetzt war er vollends beruhigt. Er würde schnell die Sigel die er für seinen Plan benötigte aus seinem Büro holen und sich dann zu seinem neuen
Chef begeben. Wenn er das auch nicht ganz so geplant hatte, so lief es doch besser als er es erwartet hatte. Jetzt konnte ihn nichts mehr aufhalten. Grinsend verließ er das Büro von Mr. Watson.
