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Schattenprinz
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Kapitel 17
Nemo me impune lacessit
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„Guten Abend, Severus", wiederholte Aemilius leise.
Severus starrte Lucius an, auf dessen Lippen ein böse triumphierendes Lächeln lag.
Er hat uns verraten ...
Neben ihm erklang ein unterdrücktes Schluchzen – Miguel hatte zu weinen begonnen. Ohne darüber nachzudenken, legte Severus ihm einen Arm um die Schultern und zog ihn an sich.
Er wagte es nicht, zu Aemilius aufzusehen. Mit gesenktem Kopf erwartete er den vernichtenden Urteilsspruch.
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Lucius beobachtete die beiden Jungen. Nie hätte er es für möglich gehalten, dass Severus seine Gefühle für den Muggel so offen zeigen würde. Doch da hockte die kleine Blindschleiche, nur unzureichend mit einem schwarzen Umhang bedeckt, und hielt den schluchzenden Stricher in den Armen – ein verzweifelter, nutzloser Versuch, dem Todgeweihten Schutz und Trost zu bieten.
Der Anblick verursachte bei Lucius ein leise nagendes Schuldgefühl. Aber der Triumph überwog bei Weitem. Endlich würden seinem Vater die Augen aufgehen, endlich würde er erkennen, was er da für einen minderwertigen Dreck in sein Haus und sein Herz gelassen hatte ...
„Bist du verliebt in ihn?", fragte sein Vater in die Stille hinein.
Was ...?! Wieso ...?!
Severus nickte stumm.
Lucius' Vater stand schweigend. Die Sekunden dehnten sich zur Unendlichkeit.
„Es ist gut", sagte er schließlich.
Was?! Was hat er da gerade gesagt?!
Lucius glaubte, sich verhört zu haben.
„Vater?", fragte er verwirrt. „Aber" –
„Schweig!", zischte sein Vater. „Zu dir komme ich später! Erwarte mich in einer Stunde in deinen Räumen." Der Zorn glitzerte wie Eiskristalle in seinen kalten grauen Augen.
Scheiße ..., dachte Lucius, während seine Knie weich wurden.
Wie betäubt drehte er sich um und ging in Richtung Kamin.
Oh Scheiße ...
Mit zitternden Händen öffnete er die Flohpulverdose.
Das war mein letzter Fehler. Jetzt schmeißt er mich raus.
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Nachdem Lucius durch den Kamin verschwunden war, wandte Aemilius sich wieder an Severus.
„Du hast mich sehr enttäuscht." Seine Stimme klang bitter, aber beherrscht. „Warum bist du nicht zu mir gekommen? Ich habe dir am Anfang der Ferien gesagt, dass du mit allem zu mir kommen kannst. Du hast eher Lucius vertraut – ein fataler Fehler, wie du inzwischen gemerkt haben dürftest – als mir. Warum, Severus? Sag mir bitte, warum."
Severus zwang sich dazu, aufzusehen und dem Blick seines Gastgebers und Lehrmeisters zu begegnen. Er fand keinen Zorn in Aemilius' Augen, nur Unverständnis, Enttäuschung – und Verletztheit.
Plötzlich schämte Severus sich für das, was er getan hatte.
„Weil du ... weil du ihn getötet hättest", brachte er mühsam hervor.
Mit einem etwas lauteren Schluchzen schmiegte Miguel sich an ihn und verbarg das Gesicht in seiner Halsbeuge.
„Oder du hättest mich dazu gezwungen, es zu tun", fuhr Severus mit bebender Stimme fort, während er Miguel mechanisch über den Rücken strich. „Du hättest mir an ihm das Foltern beigebracht, und dann hätte ich ihn töten müssen."
„Letzteres", bestätigte sein Lehrer ruhig. „Du hättest ihn getötet. Der Avada Kedavra steht auch auf deinem Stundenplan."
„Nein", sagte Severus, und zog den zitternden Miguel noch enger an sich.
Nein, war alles, war er denken konnte. Nein. Lass das nicht zu. Bitte.
„Du hast dich wirklich in ihn verliebt?"
Severus nickte verkrampft.
Sein Lehrer starrte eine Weile ins Leere, versunken in seine Gedanken und Erinnerungen.
Dann sah er Severus aus ernsten Augen an. „Ich hätte keine andere Begründung akzeptiert. Aber ... Liebe ist eine sehr alte und machtvolle Magie. Nichts, gegen das wir Menschen ankommen könnten." Aemilius lächelte schmerzlich. „Und wenn es wirklich Liebe war, die dich bewogen hat, mich zu hintergehen," – Severus nickte hastig – „dann ist das nichts, wofür wir uns schämen müssten, du und ich. Ich bin nicht eben glücklich mit deiner Wahl, aber wir werden eine Lösung finden. – Ihm wird nichts geschehen. Er kann hierbleiben."
Ihm wird nichts geschehen! Er kann hierbleiben!
Alles in Severus jubelte. Ihm wurde ganz schwindelig vor Glück.
„Nicht hier in diesem Loch, natürlich. Er wird ein Zimmer im Haus bekommen, und ebenso unter meinem Schutz stehen wie der Rest des lebenden Inventars – Hauselfen, Pferde, Jagdhunde."
Aemilius trat zu ihnen, legte Miguel, der heftig zusammenschrak, eine Hand auf die Schulter und drehte ihn zu sich herum. Der junge Mann sah mit angstgeweiteten Augen zu ihm auf.
„Du", sagte Aemilius streng, „wirst dein Zimmer nicht ohne meine ausdrückliche Erlaubnis verlassen. Und du wirst nichts tun, was Severus in irgendeiner Weise kränken oder verletzen könnte. Hast du das begriffen?"
Miguel nickte stumm. Er zitterte am ganzen Körper.
„Gut. Dann werde ich dich jetzt als meinen Besitz kennzeichnen."
Aemilius zog seinen Zauberstab. Severus fühlte, wie sich Miguels Finger schmerzhaft fest um seine Hand schlossen. Auch er selbst verspürte beim Anblick von Aemilius, der seinen Stab auf Miguel richtete, ein leises Unbehagen. Nervös suchte er den Blick seines Lehrers.
„Ich werde ihm nicht wehtun. Das ist nicht das Dunkle Mal, Severus", beschwichtigte Aemilius mit einem dünnen Lächeln. „Das Zeichen wird dafür sorgen, dass die magischen Banne auf meinem Besitz ihn erkennen und akzeptieren. Und es wird verhindern, dass er das Gelände von Malfoy Manor verlässt."
Miguel sah unsicher zu seinem künftigen Eigentümer auf.
Aemilius fasste ihn an der Schulter und senkte die Spitze des Zauberstabes auf seinen linken Oberarm.
„Still halten!", mahnte er, als der junge Mann vor der Berührung zurückzuckte.
Ein feiner silbergrüner Nebel quoll aus dem Zauberstab und formte sich auf Miguels Haut zu dünnen Linien. Nach wenigen Sekunden zog Aemilius den Stab zurück.
Miguel betrachtete seinen Arm, streckte zögernd die Hand nach dem Zeichen aus und warf dann einen scheuen, um Erlaubnis heischenden Blick zu Aemilius hinüber. Auf ein ermutigendes Nicken hin fuhr er vorsichtig mit den Fingerspitzen über seine Haut. Ein Wappen war dort eingezeichnet, in schimmerndem Silber und einem so tiefen Dunkelgrün, dass es fast schwarz wirkte. Es zeigte eine Schlange, die Giftzähne in einen Fuß versenkt, der sich offenbar erhoben hatte, sie zu zertreten. Darunter stand in winzigen Lettern: Nemo me impune lacessit – niemand fordert mich ungestraft heraus.
Das Familienwappen der Malfoys – und ihr Wahlspruch.
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Kaum eine Stunde waren vergangen, seit Aemilius die beiden Jungen in ihrem Versteck aufgestört hatte. Miguel war inzwischen in einem der Gästezimmer ins Bett gepackt und gründlich von Avery untersucht worden. Als Erstes hatte der Heiler seinem Patienten allerdings ein Beruhigungsmittel verabreichen müssen, damit der junge Mann nicht vor Angst verging, wenn ein Zauberstab zu Heil- oder Diagnosezwecken auf ihn gerichtet wurde. Avery hatte entschieden, sofort mit einem magisch unterstützen Drogenentzug zu beginnen und Miguel mit einer ganzen Anzahl von Tränken und Sprüchen behandelt. Da der Heiler an diesem Tag einen vollen Terminkalender hatte, hatte Severus zaghaft vorgeschlagen, Hraban zu bitten, an Miguels Bett zu wachen. Auch das war geschehen.
Nachdem ein etwas nervöser Hraban seinen Platz eingenommen hatte, hatte Aemilius Severus auf einen langen und schweigsamen Spaziergang durch den Park mitgenommen. Zuletzt hatten sie die Ställe aufgesucht. Jetzt saßen sie nebeneinander auf zwei Strohballen und beobachteten einen Wurf kupferroter Windhundwelpen, die wild durcheinanderkugelten.
„Es gibt eine einfache Regel für den Umgang mit jeder Art von Lebewesen, die dir aus dem einen oder anderen Grund unterlegen sind", stellte Aemilius fest, während er einen der Welpen hinter den Ohren kraulte. „Sei streng, aber gerecht. Bestrafe sie nie für Fehler, die sie ohne böse Absicht begangen haben. Belohne sie, wann immer sie deinen Erwartungen entsprechen."
Das war Aemilius' Grundsatz im Umgang mit allem, was er als „lebendes Inventar" bezeichnete: Hunde, Pferde, Thestrale, Hauselfen – und jetzt auch Miguel. Severus hatte während der vergangenen Wochen ausgiebig Gelegenheit gehabt, seinen Gastgeber zu beobachten, und war zu dem Schluss gekommen, dass Aemilius wohl das war, was man als einen „gütigen Herrn" bezeichnen konnte. Er sorgte zuverlässig für alle Mitglieder seines Haushaltes, misshandelte weder seine Hunde noch seine Hauselfen, und wenn einer seiner Schützlinge krank wurde, verschaffte er ihm oder ihr eine angemessene Heilbehandlung.
„Dein Muggel wird natürlich immer unter uns stehen. Auch das gehört zu deiner Verantwortung einem Unterlegenen gegenüber: ihm seinen Platz zuzuweisen."
Seinen Platz. Ja, den muss er kennen, dachte Severus. Er muss wissen, dass er ein Muggel ist – und dass das einen großen Unterschied macht.
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„Naaa?" Eine sanfte Stimme schob sich in Miguels Bewusstsein. „Wie geht's uns denn so?"
Miguel blinzelte benommen.
Wie's mir geht?
Er spürte in seinen Körper hinein. Da waren keine Schmerzen, aber ein ganz eigenartiges Kribbeln.
„... kribbelt ...", nuschelte er.
„Mhm ... das darf es ruhig. Das soll es sogar. – Mach mal die Augen auf."
Die Augen aufmachen? Wieso denn ...?
Nein, er hatte keine Lust, die Augen zu öffnen.
„Hallo, hörst du mich?"
Jemand tätschelte seine Wange.
Lass mich weiterschlafen ... Bitte.
„Miguel!"
Widerwillig öffnete er die Lider.
Ein nur vage vertrautes Gesicht befand sich über ihm. Schwarze Locken, blaue Augen – ja, richtig, an die erinnerte er sich. Er hatte selten Augen von einem so dunklen Blau gesehen.
Ein Lächeln erschien auf den Lippen des jungen Mannes. „Auf deinen Namen hörst du also – na immerhin. – He, nicht wieder einschlafen. – Hallo, Miguel ..."
Etwas Feuchtkaltes fuhr über sein Gesicht. Miguel grunzte einen Protest und hob träge die Lider.
Die blauen Augen lachten.
„Nun komm schon, du musst deine Medizin nehmen. Dann kannst du auch wieder klar denken."
Sein Kopf wurde angehoben, ein Becher an seine Lippen gepresst. Folgsam schluckte er die süßliche Flüssigkeit.
„So ist's brav."
„Was'n das?"
Er hatte immer noch Probleme damit, seine Zunge in den Griff zu bekommen. Auch sein Gesichtsfeld war irgendwie eingeschränkt. Miguel blinzelte heftig und als das nichts half, fuhr er sich mit der Hand über die Augen.
„Du bist so süß", kicherte es neben ihm.
Irritiert sah er den jungen Mann an, der ihn mit einem entzückten Lächeln betrachtete, das er selbst vielleicht in Reaktion auf ein Katzenbaby oder einen Hundewelpen gezeigt hätte.
„Ich kann Severus ja so gut verstehen." Eine Hand berührte ungefragt sein Gesicht, tätschelte seine Wange. „Aber ich fürchte, er würde nur ungern teilen."
Er redet ja über mich, als ob ich ein Ding wäre ...
„Wie gut, dass ich Heiler bin. Da kann ich dich wenigstens anschauen und anfassen, ohne dass mir jemand zweifelhafte Motive unterstellt ... Ach, mein Name ist übrigens Hraban, falls du es noch nicht mitbekommen hast."
Miguels Decke wurde zurückgeschoben.
„Dreh dich auf den Bauch."
Miguel verspannte sich augenblicklich.
„He, ist ja gut." Hrabans Stimme schwankte zwischen Mitleid und Amüsement. „Ich will dir bloß 'ne Spritze geben. Und überall da, wo du selbst rankommen konntest, sind deine Venen so zu, dass ich keine Einstichstelle mehr finde. Reine Glückssache, dass ich für die Injektionen gestern und heute morgen noch ein unberührtes Fleckchen an deiner Halsvene ausmachen konnte – aber das war wirklich Millimeterarbeit."
Zögernd rollte Miguel sich auf den Bauch und zog seine Hosen ein Stück herunter. Es pikste unangenehm.
„So, schon vorbei."
Miguel spürte, wie die Einstichstelle desinfiziert wurde – aber nicht mit dem üblichen Getupfe. Er schielte über die Schulter und stellte fest, dass der junge Arzt – Heiler hatte Severus ihn genannt – seinen Holzstab auf ihn gerichtet hielt.
Eine Welle des Unbehagens rollte über Miguel hinweg. Zu deutlich hatte sich das Bild von Severus in sein Gehirn gebrannt, Severus in einem von flackernden Fackeln erhellten Kellerraum, der ihn mit einem Schlenker seines Zauberstabes in eine willenlose Marionette verwandelte.
Doch als keine Schmerzen kamen, siegte die Faszination über die Furcht. „Gibt's auch was, das das Ding nicht kann?", fragte Miguel zaghaft.
Hraban lachte. „Nicht viel. Hängt immer von dem ab, der das ‚Ding' in der Hand hält."
„Könnte ... könnte ich das auch?"
Erneutes Lachen. „Du bist nur ein Muggel. Das ist zu hoch für dich."
Muggel. Dieses Wort war im Verlauf der letzten beiden Tage häufig auf ihn angewandt worden – und immer hatte es einen bitteren Beigeschmack gehabt.
„Was ist das – ein Muggel?", erkundigte Miguel sich unsicher.
Hraban sah mit einem Mal ungemein arrogant aus. „Muggel", dozierte er, „sind das Bindeglied zwischen Menschenaffen und Zauberern. Muggel werden unvollständig geboren, sie haben keinerlei magische Fähigkeiten. In unserer Welt gibt es keinen Platz für sie – es sei denn, als Sklaven."
Miguel, der sich unter Hrabans sanfter und freundlicher Behandlung eben zu entspannen begonnen hatte, kroch wieder furchtsam in sich zusammen. Wenn diese Männer so über ihn dachten ...
Hraban tätschelte seinen bloßen Hintern. „Du brauchst keine Angst zu haben", verkündete er gönnerhaft. „Solange Severus sich für deinen Arsch interessiert, wird Aemilius schon für dich sorgen."
Solange. Und danach?
„Na komm, zieh dich wieder an. Deine Rückseite gefällt mir zwar ganz gut, aber ich bin noch nicht fertig mit der Behandlung."
Hastig zog Miguel seine Hosen hoch.
„Auf den Rücken", befahl Hraban. „Zeig mir mal deinen linken Arm."
Er fuhr prüfend mit den Fingerspitzen über die hässlichen Narben entlang der Venen. Miguel erschauerte unter der Berührung.
Dann beugte der Heiler sich über seine Tasche und kramte einen Salbentiegel hervor. „Normale – das heißt nichtmagische – Narben müssten damit eigentlich problemlos zu heilen sein." Rasch begann er, die kühle, perlmuttern schimmernde Substanz über Miguels Haut zu verteilen.
Und plötzlich konnte Miguel nicht mehr atmen. Es ging einfach nicht. Gleichzeitig versagten ihm Augen und Ohren den Dienst. Er war gefangen – gefangen in seinem eigenen Körper. Er sah und hörte nichts, oder vielmehr: Er sah und hörte Weiß. Ein gleißendes, rauschendes Weiß.
Er war aus der Welt gefallen.
Es war, als hätte er aufgehört, zu existieren.
Was er fühlte, war nicht Angst, sondern Leere. Tabula rasa. Alles war ausgelöscht.
Irgendwie gefiel sie ihm, diese Leere, diese Abwesenheit jeglichen Gefühls. Endlich war er sicher – hier konnte ihn nichts mehr erreichen.
Und dann, nach einer Ewigkeit oder einem Lidschlag, erreichte ihn doch etwas. Es war kein Ton, kein Bild, sondern eine Berührung. Jemand streichelte sein Gesicht, sehr sanft, sehr behutsam, als hätte er Angst, etwas kaputtzumachen. Und obwohl ein Teil von Miguel es unendlich satt hatte, berührt zu werden, und eine Stimme ihn anflehte, ewig in diesem weißen Rauschen zu bleiben, zog die Berührung ihn allmählich zurück an die Oberfläche. Er tauchte durch zähen, weißen Schleim ...
Mit einem Mal war alles wieder da. Die Farben, die Töne ...
Miguel blinzelte verwirrt.
„Mann, hast du mir einen Schrecken eingejagt!" Eine zitternde Hand fuhr durch sein Haar. „Ich dachte, du hättest dich endgültig von dieser Welt verabschiedet."
Die streichelnde Bewegung wanderte abwärts, über seine Schultern und weiter über Brust und Arme. Jetzt erst bemerkte Miguel, dass sein Kopf in Hrabans Schoß ruhte.
„Was war das?", hauchte er verstört.
„Das wollte ich eigentlich dich fragen", kam es gedämpft zurück. „Du hattest einen Erstickungsanfall, danach hat dein Herz ausgesetzt. Ich habe einige Notfallzauber anwenden müssen, und plötzlich warst du wieder da. Hast du sowas öfter?"
Miguel schüttelte stumm den Kopf.
„Dein Herz ist nicht in Ordnung, das habe ich schon gestern gemerkt. Die genaue Diagnose überlasse ich allerdings lieber Avery. – Aber wenn das eben das erste Mal war ... Ein allergischer Schock kann es eigentlich nicht gewesen sein, diese Salbe ist frei von allem, was eine Allergie auslösen könnte. Und so schnell hätte dein Körper auch gar nicht auf das Zeug reagieren können. Vielleicht war es ja" –
„Der Keller", murmelte Miguel.
„Was?"
„Im Keller haben sie das auch mit mir gemacht. Mich eingerieben. Es hat so weh getan."
„Im Keller", sagte Hraban leise.
„Es hat gebrannt ... Als ich klein war, habe ich beim Grillen mal die Hand ins Feuer gehalten. So hat es sich angefühlt. Nur viel schlimmer. Und ich konnte die Hand nicht wegziehen, diesmal ..."
„Feuer", wiederholte Hraban beklommen. „Miguel, weißt du, wie das Zeug hieß, mit dem sie dich eingerieben haben?"
„Severus."
„Wie?"
„Severus hat mich eingerieben. Johannisfeuer."
Hrabans Hände schlossen sich fest um seine Schultern. „Vielleicht ... vielleicht ist es besser, wenn du dich selbst eincremst", brachte er endlich hervor. Seine Stimme klang rau.
Behutsam schob er Miguel von sich, um aufzustehen.
„Nicht", flüsterte Miguel und packte ihn am Handgelenk. „Geh nicht. Bitte. Ich ... ich hab' Angst. Was ist, wenn ... wenn Lucius oder sein Vater ..."
Hraban sank zurück aufs Bett.
„Lucius" – er sprach den Namen aus, als ob er für ihn mit einer großen Enttäuschung verbunden wäre – „wird dir bestimmt nicht mehr nahe kommen. Dafür wird Aemilius schon sorgen."
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Anmerkungen: Das Wappen und den dazugehörigen Spruch habe ich mir von Edgar Allen Poe ausgeliehen; sie stammen aus einer wirklich gruseligen Geschichte mit dem Titel "The Cask of Amontillado". Dort allerdings ist es die Schlange, die Schaden nimmt, nicht der Besitzer des Fußes ...
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