.

SSSSSSS

Schattenprinz

SSSSSSS

Kapitel 20

Auge um Auge

SSSSSSS

Aemilius schritt zufrieden durch das nächtliche Halbdunkel seines Hauses. Es war ein angenehmer Abend gewesen. Er hatte den völlig übermüdeten Severus soeben zu Bett gebracht. Nun würde er sich noch ein schönes Glas Cognac gönnen, und dann ...

Ein merkwürdiges Geräusch störte seinen Gedankenfluss.

„Hallo? Wer ist da?"

Keine Antwort.

„Wenn ihr Hauselfen – Miguel?!"

Aemilius wäre tatsächlich fast über die reglose, am Boden zusammengekrümmte Gestalt gestolpert.

Wahrscheinlich hatte der Muggel die Abwesenheit seiner Herrschaft zu einem Fluchtversuch genutzt. Doch sobald er eine der Türen, die ins Freie führten, berührt hatte, war er von einem Fluch getroffen und betäubt worden. Nichts Schmerzhaftes oder gar Schädliches, aber der Zauber konnte nur magisch gelöst werden.

Aber wie ist der Bursche überhaupt aus seinem Zimmer entwischt?

Schließlich war die Tür von Miguels Zimmer auf den Flur für einen Muggel nicht zu öffnen. Sie reagierte nur auf magisch veranlagte Menschen.

Misstrauisch beugte Aemilius sich über Miguel und berührte ihn leicht an der Schulter.

Nass. Warm. Klebrig.

Überrascht zog er die Hand zurück. Sie war voll Blut.

Illuminos!", befahl er, und die Halle wurde von hellem Licht geflutet.

Ungläubig starrte Aemilius auf den zerrissenen Schlafanzug, die tiefen Schnitte, die den Körper des bewusstlosen jungen Mannes überzogen. Die traurigen Reste seiner Kleidung waren von Blut durchtränkt. Aber er atmete.

Hastig kniete Aemilius neben dem jungen Mann nieder und ließ seinen Zauberstab über den reglosen Körper gleiten, um einen Überblick über das Ausmaß der Verletzungen zu erhalten. Schon nach wenigen Augenblicken war ihm klar, wo er den Schuldigen zu suchen hatte.

Lucius!, dachte Aemilius und spürte, wie sein Blut zu kochen begann. Die Schnitte waren durch den gleichen Fluch entstanden, mit dem er vor zwei Monaten seinen Sohn für dessen Mordversuch an Severus bestraft hatte.

Und da war noch mehr.

Das darf doch nicht wahr sein!

Wie glühende Lava schoss die Wut durch Aemilius' Adern. „Dobby!", brüllte er.

Keine zwei Sekunden später materialisierte der Hauself vor ihm.

„Sie wünschen, Master Mal-. – Oh, Master Malfoy, Sir, was ist passiert, Sir?", fragte Dobby mit vor Schreck geweiteten Augen.

„Hol sofort Jim Avery her!", befahl Aemilius knapp. „Sag ihm, es ist ein Notfall. – Worauf wartest du noch?!", fauchte er den verdatterten Hauselfen an. „Mach, dass du Beine bekommst!"

„Jawohl, Master Malfoy, Sir!", quiekte Dobby und disapparierte mit einem leisen Plopp.

Aemilius levitierte Miguel vorsichtig in die Höhe und eilte mit ihm in den Salon, wo er den jungen Mann auf eine der Ottomanen sinken ließ. Dann entkleidete er ihn vollständig, deckte Beine und Unterleib mit einer Decke ab und begann, die Schnittwunden magisch zu heilen. Er war fast fertig damit, als Jim Avery in den Raum stürzte, offenbar hastig angekleidet, in der Hand seinen abgewetzten Koffer aus rubinrotem Drachenleder.

„Jim", grüßte Aemilius angespannt.

„Was ist los?", fragte der Heiler atemlos. „Das ... Was ist denn mit Miguel passiert?! Das sieht ja schlimm aus!"

„Du hättest ihn vor zehn Minuten sehen sollen. Das meiste habe ich bereits geheilt. – Ich habe dich nicht wegen der Schnittverletzungen rufen lassen. Das hätte ich auch alleine hinbekommen. – Sieh dir das an." Aemilius schlug die Decke zurück und rollte Miguel vorsichtig auf den Bauch.

Avery trat vor und beugte sich über den Bewusstlosen. „Oh Scheiße!", entfuhr es ihm.

„Ja", bestätigte Aemilius mit unterdrückter Wut. „Dieser Junge gehört zu meinem Haushalt. Das heißt, ich bin für sein Wohlergehen verantwortlich. Und jetzt sieh dir an, was ihm passiert ist. Hier, unter meinem Dach, in meiner Obhut. Einen einzigen Abend bin ich nicht da, und dann ... Aber dafür wird er bezahlen!"

„Wer –?"

„Kannst du dir das nicht denken?", fragte Aemilius müde. „Kümmere dich um den Jungen, bitte."

Rasch zog Avery seinen Stab und sprach verschiedene Heilzauber. Dann suchte er einen kleinen Tiegel aus seinem Koffer hervor und rieb Miguel mit der darin befindlichen Salbe ein.

„Was meinst du?", fragte Aemilius. „Wie schlimm ist es?"

„Er wird keine bleibenden körperlichen Schäden zurückbehalten, falls du das meinst. Aber gut möglich, dass er ein seelisches Trauma erlitten hat. Wer immer das war – ich nehme an, es waren mehrere – hat sich keinerlei Zurückhaltung auferlegt. – Ich weiß nicht, wie viel Arbeit er dir wert ist?"

„Severus hängt an ihm, und ich hänge an Severus. Genügt dir das als Antwort?"

Avery nickte ernst. „Ich habe, ehrlich gesagt, keine Ahnung, wie sehr Miguel unter dieser Sache leiden wird. Vor ein paar Tagen hat er mir erzählt, dass er seit über vier Jahren auf den Strich geht, um seine Drogensucht zu finanzieren – seit er vierzehn ist. Mit Sicherheit ist das also nicht die erste Vergewaltigung, die er erlebt hat. Trotzdem ... es ist durchaus möglich, dass er einen Nervenzusammenbruch bekommt. Ich lasse dir für alle Fälle zwei Tränke da, ein leichtes Beruhigungsmittel und Traumlosen Schlaf."

Aemilius schüttelte abwehrend den Kopf. „Ich habe noch genug von beidem im Haus, danke."

„Gut." Avery steckte die Fläschchen zurück in seine Tasche.

„Aemilius ...", begann er zögernd. „Falls es wirklich dein Sohn war ... Vielleicht wäre es besser, wenn" –

„Mein Sohn ist meine Angelegenheit", unterbrach ihn Aemilius kalt. „Und ich werde zu verhindern wissen, dass er sich noch einmal an irgendeinem Mitglied meines Haushalts vergreift!"

SSSSSSS

„Mein allder Herr", lallte Lucius. „Meiiin allder Herr hat mich nich mal für wert ... wert funden, mich zu ... zu bestrafen ..."

Die Feuerwhisky-Flasche fiel mit einem dumpfen Geräusch auf den teuren und mittlerweile ziemlich mitgenommenen Teppich in Lucius' Wohnzimmer.

„Ich hab se ... hab se verraden un ... un er bestraft mich nich ... Un .. un das alles weg'n nem Muggel und nem Halbluuut ..."

„Lucius", schnitt eine strenge Stimme durch den Nebel, der sein Bewusstsein war. „Trink das hier!"

Trinken ... Gute Idee ... Trinken, jawoll.

„Brrr." Lucius schüttelte sich angeekelt. „Das is ja wiii ... widerlich."

„Ausnüchterungstrank", informierte Hraban kühl. „Doppelte Dosis. Du hast mindestens drei Promille."

Kaltes Gletscherwasser spülte durch Lucius' Hirn. Er stöhnte und blinzelte mehrmals.

„Besser?"

„Scheiße, ja."

Lucius erhob sich unsicher vom Sofa und ließ seinen Blick durchs Zimmer schweifen.

Leere Flaschen. Dreckige Teller. Zerknitterte Kleidungsstücke.

Moment mal. Das sind doch meine ... Scheiße, das sind meine Todesserroben. Warum liegen die hier auf dem Fußboden rum?!

„Hraban ...", murmelte Lucius beklommen. „Haben wir ... war gestern ein Ordenstreffen?"

„Nicht, dass ich wüsste."

„Verdammt, was ...? Warum liegen dann die Sachen ...?"

„Du hast gestern eine kleine Party gegeben. Ich konnte nicht kommen, weil ich schon anderweitig verplant war, aber du meintest, Rosier, Mallory und Dégres wollten mit dir feiern. Du warst ziemlich aufgedreht, aggressiv – aber du wolltest mir nicht sagen, was los war."

Hraban klang vorwurfsvoll.

„Wir waren zum Joggen verabredet heute Morgen um sieben – das heißt: jetzt –, falls du es vergessen haben solltest. Ich habe geklopft, aber du hast nicht reagiert. Kein Wunder, wenn ich mir die vielen Flaschen angucke ... Glücklicherweise war die Tür nicht abgeschlossen."

Lucius zermarterte sich das Hirn.

Gestern Abend ... Rosier, Mallory und Dégres ... Ich war wütend ...

Oh Mist. Der Muggel! Oh Scheiße, verfluchte ...

Eisige Hände griffen nach seinem Herzen.

„Hraban", sagte Lucius mit belegter Stimme, „diesmal habe ich richtig Scheiße gebaut."

Hraban zog die Brauen zusammen und musterte ihn durchdringend. „Was hast du nun schon wieder angestellt?"

Doch ehe Lucius antworten konnte, sprang krachend die Tür auf. Aemilius stürmte in den Raum, sah kurz zu Hraban. „Raus!"

Eilig gehorchte der junge Mann und huschte mit einem letzten besorgten Blick in Lucius' Richtung aus dem Zimmer.

„Vater!"

Lucius hob schützend die Hände vors Gesicht, doch er konnte den Schlag nicht mehr abwehren. Aemilius hatte seine ganze Kraft eingesetzt, und Lucius taumelte heftig zurück. Blut tropfte von seiner aufgeplatzten Oberlippe.

Schweig!", herrschte sein Vater ihn an. „Du hast die Grenze überschritten, jenseits derer ich keine Entschuldigung mehr akzeptiere!"

Mit angewidertem Gesichtsausdruck wischte er die Hand an Lucius' Umhang ab, der über einen der Sessel gebreitet lag.

„Das war das letzte Mal, dass ich mir die Finger an dir schmutzig gemacht habe, Sohn. Ich habe zwei gemeinsame Bekannte hergebeten, die dir den angemessenen Lohn für deine abstoßende Tat auszahlen werden."

„Wen?", flüsterte Lucius. Seine Stimme gehorchte ihm kaum.

„Dolohow und Macnair. Ich bin der Auffassung, ihre spezielle Methode der Bestrafung könnte recht lehrreich für dich sein. Es ist immer schwierig, etwas zu beurteilen, das man nur aus zweiter Hand kennt."

„Vater!", keuchte Lucius entsetzt. „Bitte!"

„Du wirst deine Strafe in deinem Schlafzimmer in Empfang nehmen. Danach wirst du mein Haus verlassen und es von heute an für ein Jahr nicht mehr betreten. Sämtliche finanziellen Zuwendungen sind gestrichen. Guten Tag, Lucius."

Aemilius drehte sich um und schritt in Richtung Ausgang.

„Vater!"

Die Tür fiel ins Schloss.

Vater!"

Lucius rannte zur Tür und rüttelte an der Klinke.

Verschlossen.

„Alohomora!"

Nichts.

„Detonatio!"

Nichts.

Betäubt ließ er sich an der Wand zu Boden sinken und schloss die Augen.

„Immobilia." Die ölige Stimme klang fast gelangweilt.

Wie eine Faust traf der Fluch Lucius in die Magengrube und ließ ihn schmerzhaft gegen die Wand prallen. Er war bewegungsunfähig, konnte nicht einmal die Augen öffnen. Lucius fühlte, wie er grob durchsucht wurde und jemand ihm den Zauberstab aus der Tasche zog. Dann wurde er unter den Achseln und in den Kniekehlen gepackt und hochgehoben.

„Der arrogante kleine Malfoy-Scheißer", knurrte die Stimme Macnairs in sein Ohr. „Salazar, dich wollte ich schon immer mal ficken."

Ein Ruck ging durch Lucius' Körper, als sie ihn fallen ließen. Er schnappte erschrocken nach Luft – und fühlte, dass er auf seinem Bett gelandet war. Er kämpfte gegen den Immobilia an, versuchte, die Augen aufzureißen, Arme und Beine zu bewegen ...

Eine Hand fuhr ihm unter die Robe und übers Geschlecht.

Hass.

Grenzenloser, glühender Hass. Er wollte aufspringen und zuschlagen, zutreten ...

Doch er war gelähmt.

Und jetzt kam die Angst. Sie hatte scharfe Krallen, die sie in sein Herz und seinen Unterleib schlug.

Mit größter Anstrengung gelang es Lucius, gegen den Druck des Immobilia die Augen zu öffnen. Er starrte in das breit grinsende, von Triumph und Begierde verzerrte Gesicht Antonin Dolohows.

„Wir sollten den Fluch von ihm nehmen. Macht doch viel mehr Spaß, wenn er sich wehrt!", grunzte Macnair irgendwo rechts von Lucius.

„Gleich."

Er wurde unsanft auf den Bauch gedreht. Jemand riss seine Robe hoch und zerrte ihm die Unterhose herunter. Ein Kissen wurde unter seinen Bauch geschoben.

Ich hasse euch ...!

Grobe Hände banden ihn an Hand- und Fußgelenken an den Bettpfosten fest.

Scheiße, wie ich euch hasse ...!

„Jetzt", gluckste Dolohow vergnügt. „Finite Incantatem."

Augenblicklich warf sich Lucius in die Seile, zerrte wild – und ergebnislos – an seinen Fesseln.

„Ihr Schweine!", keuchte er, atemlos vor Wut und Angst. „Euch mach ich fertig!"

Die beiden lachten nur.

„Genug Vorspiel!", grölte Macnair plötzlich. Lucius fühlte die Matratze erbeben, als der Mann sich neben ihn warf. Dann wurde er schmerzhaft fest an den Hüften gepackt. „Hinein ins Vergnügen", grunzte Macnair – und Lucius konnte nichts tun, als die Zähne zusammenzubeißen und es irgendwie durchzustehen.

SSSSSSS

Schwer atmend und zitternd lag Lucius auf seinem Bett. Sie waren fort, lange schon. Doch er hatte nicht die Kraft gefunden, sich zu erheben. Sein Zauberstab lag neben ihm auf dem Nachttisch. Bevor die Todesser gegangen waren, hatten sie Lucius losgebunden. Er war keine Gefahr mehr gewesen, hatte nicht mehr den Wunsch verspürt, die beiden anzugreifen. Er wollte sich nur noch ganz klein zusammenrollen und die Welt aussperren. Weinen, schlafen und vergessen.

Dolohow hatte ihm eine Decke übergeworfen und ihm kumpelhaft auf die Schulter geklopft. „Du wirst's überleben. Da müssen wir alle irgendwann durch."

Macnair hatte eine Phiole neben Lucius' Zauberstab gelegt. „Reib dich damit ein, dann bist du die Schmerzen in fünf Minuten los."

Dann waren sie gegangen. Seitdem lag er so, wie sie ihn verlassen hatten – mit nacktem Unterleib, auf dem Bauch, die Beine gespreizt, unfähig, sich zu rühren.

Endlich brachte er die Kraft auf, sich vorsichtig zu bewegen, um sich in eine etwas weniger erniedrigende Lage zu bringen. Der Schmerz schoss rasiermesserscharf durch seinen Unterleib. Lucius schrie und biss sich auf die Zunge.

Es dauerte einige Minuten, bis er einen erneuten Versuch wagte. Der Schmerz machte ihn fast blind. Mühsam kroch er ein Stück übers Bett und tastete nach Macnairs Phiole, öffnete sie und verteilte etwas von der blassgrünen Flüssigkeit über seinen Zeigefinger. Mit zusammengebissenen Zähnen machte er sich daran, das Heilmittel zu verteilen. Als er seinen Finger zurückzog, war er glitschig von Blut, Scheiße und Sperma. Angewidert wischte Lucius ihn am Bettlaken ab.

Er lag völlig still, atmete so flach wie möglich und wartete darauf, dass der widerwärtige Schmerz endlich abebbte. Nach einer Weile wagte er eine vorsichtige Bewegung. Ein dumpfes Pochen antwortete aus seinem Unterleib, aber das war alles.

Erschöpft setzte Lucius sich auf und starrte mit leerem Blick aus dem Schlafzimmerfenster.

Nach einer langen Zeit erhob er sich, ordnete und vervollständigte mit steifen Bewegungen seine Kleidung.

Dann begann er zu packen.

SSSSSSS

Anmerkung: Ich bin mir nicht sicher, ob der Detonatio-Fluch aus Rowlings Büchern stammt. Falls ich ihn aus einer anderen Fanfiction übernommen haben sollte, möge die/der betreffende AutorIn mir verzeihen.

SSSSSSS