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SSSSSSS
Schattenprinz
SSSSSSS
Kapitel 28
Heimkehr
SSSSSSS
In seinem Haus in London angekommen, ließ Lucius sich auf den erstbesten Stuhl fallen.
„Oh Mann!"
Er legte sein Gesicht in beide Hände.
„Scheiße."
Er hatte die Sache so sorgfältig geplant gehabt, war so überzeugt gewesen, dass sie funktionieren würde ... seinen Vater entthronen, sich für Severus' Anmaßung rächen und selbst die Gunst des Dunklen Lords erlangen – alles in einem einzigen, geschickten Handstreich.
Und jetzt? Was hatte er jetzt?
Lucius stand vor einem Scherbenhaufen.
Zwar hatte er den Posten als Rechte Hand des Dunklen Lords erhalten, aber er war nicht mehr als ein armseliger und vermutlich vorübergehender Lückenbüßer für seinen Vater.
Lucius hatte nicht den Hauch einer Ahnung gehabt, wie unfassbar hochfliegend die Pläne seines Herrn mit Severus gewesen waren, und ihre Enthüllung hatte ihm einen wirklichen Schock versetzt. Nun würde Severus nicht zu der unerhörten Machtposition aufsteigen, die der Dunkle Lord ursprünglich für den Jungen vorgesehen gehabt hatte, aber nicht etwa dank Lucius' Intrige, sondern weil er sich seinem Herrn offen widersetzt hatte. Dass Severus für diese ungeheure Dreistigkeit nicht getötet, ja nicht einmal wirklich bestraft worden war – Macht, die er nie gehabt hatte, konnte er schließlich auch nicht vermissen –, überstieg Lucius' Fassungsvermögen.
Zudem war seine eigene Position im Orden äußerst prekär geworden. Sein neues Amt stand auf tönernen Füßen, und er hatte sich mit seinem Verrat eine Menge einflussreicher Feinde geschaffen. Niemand war so beliebt unter den Todessern wie sein Vater.
Das ist die Rache, dachte Lucius plötzlich. Die Rache dafür, dass ich den Muggel ... dass ich Miguel ...
Kälte kroch in ihm hoch, als er an jene Nacht dachte, die kaum länger als eine Woche zurücklag. Die Erinnerung schlich sich oft in sein Herz, und von Mal zu Mal wurde sie detailreicher und erschreckender. Meist geschah es ganz unerwartet: Beim Essen, im Gespräch mit Freunden, während eines offiziellen Termins im Ministerium ...
Es waren Kleinigkeiten, die jene Nacht in sein Bewusstsein zurückholten, eine Farbe, ein Laut, ein Geruch. Oft kamen die Bilder und Gefühle so überraschend, dass er den Auslöser nicht einmal identifizieren konnte.
Das Seltsame war, dass er sich in diesen plötzlichen Visionen niemals in seinem Körper befand. Um präzise zu sein: Er betrat Miguels Zimmer als Lucius, verhöhnte und schlug ihn als Lucius – doch wenn er ihn vergewaltigte, dann schien Lucius irgendwo neben sich im Raum zu schweben. Und während Miguel vor Schmerz und Angst schrie, ihn anflehte und verzweifelt von ihm loszukommen versuchte, spürte Lucius die Hände Dolohows und Macnairs auf seiner Haut, fühlte das gemeine Reißen in seinem Körper und löste sich fast auf vor Furcht, Schmerz und Scham.
Niemals hätte er für möglich gehalten, dass sein Vater eines Tages so weit gehen würde. Manchmal hatte Aemilius bei von ihm verhängten Körperstrafen bleibende Schäden und einmal, nach Lucius' Mordversuch an Severus, auch seinen möglichen Tod in Kauf genommen. Aber dass er seinen eigenen Sohn auf derartige Weise erniedrigen ließ, hätte Lucius ihm nicht zugetraut.
Allerdings hatte Lucius sich auch niemals zuvor an einem Mitglied der „Familie" vergriffen. Die Hauselfen ... na ja, vielleicht war er ab und an etwas grob mit ihnen gewesen. Wenn sein Vater dahinter gekommen war, dann hatte es jedesmal ein paar Ohrfeigen oder eine Tracht Prügel gesetzt. Doch wirklich grausam war Aemilius dabei nie geworden. Aber Lucius hatte auch nie eins der lästigen Dinger ernsthaft verletzt – nun, zumindest nicht lebensbedrohlich.
Miguel dagegen ...
Lucius und seine Freunde waren nah daran gewesen, ihn zu töten. Sehr nah. Nicht mit ausdrücklicher Absicht, aber sie waren brutal gewesen, rücksichtslos. Wie leicht hätte Dégres Miguel ersticken können, als er dessen Kopf in die Kissen gepresst hatte ... Auch Lucius selbst hätte ihn leicht halb aus Versehen töten können. Zwar hatte Miguel sich kaum noch bewegt, als er seine Haut mit Flüchen zerschnitten hatte, aber er hätte dabei eine Schlagader treffen können – die gab es schließlich nicht nur am Hals und an den Handgelenken.
Erst als das Blut Miguels zuckenden Leib wie eine zweite Haut bedeckt hatte, war Lucius' Hass erloschen. Er war buchstäblich eingefroren, hatte vollkommen reglos auf sein halb ohnmächtiges Opfer herabgestarrt.
Die anderen hatten plötzlich kalte Füße bekommen und darauf gedrängt, so schnell wie möglich zu verschwinden und Miguel einfach liegenzulassen. Lucius hatte seine Freunde vorausgeschickt und war allein zurückgeblieben – allein mit Miguel, der gefährlich flach atmend mit dem Gesicht nach unten in seinem Blut gelegen hatte, von Zeit zu Zeit kaum wahrnehmbar wimmernd.
Mit einem Mal hatte Lucius sich entsetzlich geschämt. Am liebsten hätte er die ganze Sache ungeschehen gemacht.
Vorsichtig hatte er Miguel auf die Seite gerollt, um ihm das Atmen zu erleichtern. Das Wimmern war sofort vernehmlicher geworden.
Was Heilzauber betraf, war Lucius eine absolute Niete. Und Hraban und Avery, die einzigen Heiler, an die er sich vielleicht hätte wenden können, waren auf dieser verdammten Party gewesen ...
Schließlich hatte Lucius entschieden, Miguel in der Eingangshalle abzulegen. Er hatte nicht den Mut gehabt, sich seinem Vater aus eigenem Antrieb zu stellen, aber auf diese Weise würden er und Severus bei ihrer Rückkehr praktisch über den Verletzten stolpern.
Lucius hatte Miguel auf den Arm genommen und ihn ins Erdgeschoss getragen. Das unaufhörliche gequälte Schluchzen und das warme Blut, das langsam seine Robe durchtränkte, hatte ihm eine stetig steigende Übelkeit verursacht.
Nachdem er sein Opfer unübersehbar in der Halle drapiert hatte, war Lucius in seine Räume zurückgekehrt und hatte sich bis zur Besinnungslosigkeit betrunken. Wenige Stunden später war sein Vater zu ihm ins Wohnzimmer gestürmt, und dann ...
An seine eigene Vergewaltigung konnte Lucius sich nur sehr verschwommen erinnern. Es waren immer nur einzelne Details, die ihn plötzlich ansprangen. Der aufdringliche Geruch von Dolohows Rasierwasser. Das Gefühl von Macnairs groben Händen auf seiner Haut. Das lähmende Entsetzen, das jede Fähigkeit zur Gegenwehr im Keim erstickte, als Macnair es schließlich wirklich tat, als er –. Und dann war da vor allem Schmerz. Ein reißender, gemeiner Schmerz, der ihn blendete, der ihn schreien und zuletzt sogar weinen ließ, obwohl er doch so verzweifelt dagegen ankämpfte.
Er hatte sie vorhin getroffen, Dolohow und Macnair. Lucius hatte gedacht, er würde bei ihrem Anblick nichts als den Wunsch verspüren, sie zusammenzuschlagen und ihnen die Eingeweide herauszureißen. Doch stattdessen waren seine Knie so weich geworden, dass er sich auf Hraban hatte stützen müssen.
Stumm hatten sie sich angesehen, er und seine beiden Peiniger. Obwohl sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst hatten, wie einflussreich Lucius keine drei Stunden später in seiner neuen Position sein würde, hatten sie ihn äußerst beklommen gemustert. Vielleicht war ihnen bei ihrer Tat nicht in vollem Umfang bewusst gewesen, dass sie anschließend wieder mit Lucius würden zusammenarbeiten müssen – und dass er eines Tages im Orden sehr wohl im Rang über ihnen stehen könnte.
Oder mein Vater hat ihnen schlicht so viel Geld geboten, dass sich ihr Verstand vorübergehend ausgeklinkt hat.
Selbstverständlich würde Lucius sich an den beiden rächen, nun, wo er zumindest vorübergehend zur Rechten Hand des Dunklen Lords aufgestiegen war.
Obwohl ... im Moment fühlte er sich selbst für das Schmieden von Racheplänen zu erschöpft und geschlagen.
Lucius strich sich mit beiden Händen durchs Haar. Als er den Kopf hob, fiel sein Blick auf den Brief seines Vaters, der ihn kurz vor dem Ordenstreffen erreicht und den er zornig beiseite geworfen hatte, ohne ihn zu lesen.
Jetzt ist es sowieso egal, dachte er müde und griff nach dem Pergament. Es war sorgfältig mit grünem Wachs versiegelt worden. Lucius hätte das Siegel beinah achtlos erbrochen, doch dann hielt er überrascht inne.
Auf dem Wachsklumpen zeichnete sich wie immer deutlich das Familienwappen ab. Aber es war verändert. Die silberne Schlange versenkte ihre Giftzähne nicht länger in der fremden Ferse. Das Reptil lag zusammengerollt neben dem Fuß, der es nicht etwa bedrohte, sondern schlicht an seiner Seite stand. Der Wappenspruch fehlte ganz.
Verwirrt strich Lucius mit den Fingerspitzen über das Wachsrelief. Eine unbestimmte Furcht erfasste ihn. Kaum wagte er, das Siegel zu erbrechen.
Endlich gab er sich einen Ruck und öffnete das zusammengerollte Pergament.
Mein Sohn.
Ich habe einen Fehler gemacht. Bitte tue nichts, was du hinterher bereuen könntest. Komm am Tag nach dem Ordenstreffen zum Dinner. Ich erwarte dich um Punkt neunzehn Uhr.
Dein Vater
Aemilius Malfoy.
Lucius ließ den Brief sinken.
Dann las er ihn noch einmal, danach ein drittes und viertes Mal.
Schließlich stand er auf und verließ fluchtartig das Haus.
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„Miguel." Aemilius Malfoy fasste über den Tisch und hielt seine Hand fest. „Du kannst essen, wie du möchtest", sagte der Hausherr ruhig. „Tischmanieren bringen wir dir später bei."
Miguel lächelte verkrampft. Malfoy zog seine Hand zurück und nickte ihm zu.
Erleichtert gab Miguel seinen fruchtlosen Kampf mit dem Besteck auf und begann, sein Hühnchen mit den Fingern zu zerpflücken. Es war heute schon das dritte Essen, das er gemeinsam mit den Zauberern einnahm, und allmählich sehnte er sich nach den einsamen und unbeobachteten Mahlzeiten auf seinem Zimmer zurück. Zwar war Miguel durchaus bewusst, dass es eine hohe Auszeichnung bedeutete, gemeinsam mit dem Hausherrn und Severus speisen zu dürfen, aber er fühlte sich durch das herrschaftliche Zeremoniell bei Tisch überfordert und verunsichert. Obwohl es einen kleinen Trost bedeutete, dass Severus offenbar ebenfalls noch nicht ganz sicher war, was Etikette und Besteckakrobatik betraf ...
„Severus", bat Malfoy freundlich, „würdest du" –
Ein aufgeregter Hauself platzte ins Speisezimmer. „Sir, der junge Master Malfoy hat eine Nachricht geschickt ... Der junge Master Malfoy steht am nördlichen Grenzstein und bittet, Euren Grund und Boden betreten zu dürfen, Sir."
Alle am Tisch erstarrten. Miguels Hände begannen heftig zu zittern. Sein Weinglas klirrte versehentlich gegen den Teller. Das Geräusch erschien ihm so erschreckend laut wie eine Explosion.
Er ist zurück, dachte Miguel entsetzt. Lucius ist zurück.
Halt suchend sah er zu Severus, der rechts neben ihm saß und dessen Gesicht weiß war vor Zorn. Hastig tastete Miguel nach der Hand seines Beschützers. Severus umschloss seine zitternden Finger und drückte sie. Hass stand in den schwarzen Augen wie eine kalte Flammenwand.
„Wenn er dich noch einmal anfasst, ist er tot", hauchte Severus in Miguels Ohr, so leise, dass dieser seine Worte eher ahnte als hörte.
Der Hausherr stand mit einem Ruck auf und stieß dabei den Stuhl so heftig zurück, dass er fast umgefallen wäre.
„Aemilius!" Severus' Stimme bebte vor Erregung. „Was hast du vor?!"
Doch Malfoy schüttelte stumm den Kopf und verließ mit weit ausholenden Schritten den Raum.
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Lucius stand bewegungslos an der Grenzmarkierung zum Besitz seiner Familie. Stundenlang war er durch die umliegenden Wälder und Felder gewandert, bis er den Mut gefunden hatte, über das alte magische Netzwerk der Marksteine eine Nachricht zu senden. Sein Vater hatte ihm Hausverbot erteilt, und das bedeutete, dass Lucius keinen Fuß auf das Gelände von Malfoy Manor setzen konnte. Er musste auf eine persönliche Einladung durch den Hausherrn warten.
Oder auf das, was statt der Einladung kommt.
Fast wehmütig ließ er den Blick über die ausgedehnten Ländereien seiner Familie schweifen. Hier kannte er jeden Baum, jeden Tümpel, jeden Stein. Es tat weh, dieses Land seiner Kindheit und Jugend plötzlich nicht mehr betreten zu dürfen.
Ein Knall.
„Lucius."
Sein Vater war unmittelbar hinter ihm appariert.
Langsam drehte Lucius sich um. Vor ihm stand Aemilius Malfoy, eine beeindruckende Erscheinung vom Scheitel bis zur Sohle. Er war ganz in Schwarz gekleidet, nur der Saum seines Umhangs und die Aufschläge seiner Robe waren mit feinen Goldfäden durchwirkt. Im warmen Licht der Abendsonne schimmerten sie mit Aemilius' platinblondem Haar um die Wette.
„Vater." Lucius zögerte eine Sekunde. Dann sank er vor seinem Vater auf die Knie und neigte den Kopf – eine uralte Demutsgeste, die es dem Mächtigen erlaubte, mit einem Tritt oder Schwertstreich in den ungeschützten Nacken das Leben seines Untergebenen kommentarlos zu beenden.
Lucius starrte angestrengt ins Gras, nahm jeden einzelnen Halm wahr, als wäre er in seine Netzhaut geschnitten.
Nach kurzer Zeit kamen die Stiefelspitzen seines Vaters in sein Blickfeld. Dann spürte er, wie dieser ihm mit dem Zauberstab über den entblößten Nacken fuhr.
Lucius hielt den Atem an.
Eine Hand legte sich auf seinen Hinterkopf.
„Steh auf."
Schwankend erhob er sich. Er wagte kaum, seinem Vater in die Augen zu sehen. Immerhin hätte sein Verrat diesen leicht das Leben kosten können. Zumindest aber hatte er ihn um seinen Rang im Orden gebracht, ihm die Gunst des Dunklen Lords entzogen. Es war kaum fassbar, dass sein Vater nicht härter bestraft worden war. Ganz zu schweigen von Severus. Und von Miguel. Dass der Muggel mit dem Leben davon gekommen war, grenzte schon an ein Wunder.
Als sich ihre Blicke endlich trafen, war es ein wirklicher Schock für Lucius. Das Eis in den Augen seines Vaters schien geschmolzen. Es war das erste Mal, dass Lucius in ihnen so etwas wie Zuneigung erkennen konnte.
„Komm", sagte sein Vater leise. „Sei heute Abend mein Gast."
Lucius nickte benommen. Er wusste, dass der Bann nur vorübergehend aufgehoben war, aber das war schon weit mehr, als er erwartet hatte. Unendlich viel mehr.
Eine Hand umfasste seinen linken Oberarm. „Komm", wiederholte sein Vater sanft, ehe er mit Lucius disapparierte.
Dann standen sie auf der kiesbestreuten Auffahrt des Herrenhauses. Mit einem Gefühl der Beklemmung und Fremdheit folgte Lucius seinem Vater ins Innere des Gebäudes, passierte die Tür, die Eingangshalle ... Und plötzlich wurde ihm klar, woher das Fremdheitsgefühl stammte. Er war nicht länger Teil dieses Hauses, er war Gast. Und Gast würde er bleiben, solange Aemilius Malfoy an diesem Ort lebte.
Sie betraten das Speisezimmer. Der Tisch war bereits gedeckt, das Essen offenbar in vollem Gange gewesen, als Lucius es mit seiner Bitte um Einlass unterbrochen hatte. Hinter halb leeren Weinkaraffen und dampfenden Porzellanterrinen saßen Severus – und Miguel.
Lucius schluckte. Damit hatte er nicht gerechnet.
Beide Jungen starrten ihn an wie einen menschenfressenden Mantikor. Severus war kreidebleich vor Wut. Seine schwarzen Augen funkelten bedrohlich. Fast machte er den Eindruck, jede Sekunde aufspringen und sich auf den ungebetenen Gast stürzen zu wollen. Miguel war, wenn möglich, noch blasser als Severus. Doch in seinen Augen spiegelte sich nicht Zorn, sondern Furcht. Dennoch legte der Muggel Severus die Hand auf den Arm, als ob er ihn stumm darum bitten wollte, ruhig am Tisch sitzen zu bleiben.
Lucius' Vater deutete auf den freien Stuhl gegenüber von Severus. „Setz dich, mein Sohn."
Steif und verkrampft ließ Lucius sich nieder. Sein Vater nahm neben ihm Platz.
Das Essen verlief fast vollkommen schweigend. Wann immer Lucius versehentlich Severus' Blick begegnete, fühlte es sich an, als ramme der Junge glühende Dolche in seinen Geist. Außerdem hatte Lucius den beunruhigenden Eindruck, permanent von Miguel angestarrt zu werden. Aber der Muggel mied seinen Blick, und als ihre Augen sich doch einmal trafen, drehte Miguel hastig den Kopf zur Seite.
Was Lucius' Vater betraf, so benahm dieser sich vollkommen fremd und verwirrend. Er schob Lucius die Schüsseln zu, legte ihm das Essen auf, goss ihm Wein nach – all das, ohne dass sein Sohn ihn ein einziges Mal darum gebeten hätte. Eigentlich war das Bedienen ohnehin Sache der Hauselfen.
Doch noch irritierender als die plötzliche Aufmerksamkeit bei Tisch waren die flüchtigen Berührungen, mit denen Lucius von seinem Vater bedacht wurde. Immer wieder spürte er während des Essens dessen Hand an seinem Bein, seinem Arm, seiner Seite – fast, als ob sein Vater sich regelmäßig vergewissern wollte, dass er tatsächlich noch neben ihm saß.
Lucius war sehr erleichtert, als dieses seltsame Abendessen endlich vorbei war, sein Vater die Tafel förmlich aufhob und die Hauselfen das Geschirr abzutragen begannen.
Sein Vater gestikulierte sie alle in den Salon hinüber. Verwirrt fragte Lucius sich, was in diesem Haus und zwischen diesen Menschen geschehen war, seit sein Vater ihn vor die Tür gesetzt hatte. Severus und Miguel hatten sich Händchen haltend auf das Sofa gegenüber von Lucius' Sessel gesetzt. Händchen haltend.
„Wein – oder lieber Whiskey?", fragte sein Vater ihn.
Etwas in Lucius krampfte sich schmerzhaft zusammen. „Wein", erwiderte er knapp.
Von allem anderen sollte ich ein Weilchen die Finger lassen.
„Und ihr?"
„Wein, bitte", antworteten Severus und Miguel unisono.
Lucius' Vater schenkte ein und verteilte die Gläser. Dann ließ er sich auf dem Sessel zwischen den beiden Parteien nieder.
Lucius verstand die Welt nicht mehr. Sein Vater saß und aß an einem Tisch mit einem Muggel. Er duldete es, dass Severus und Miguel in seiner Gegenwart Händchen hielten. Er ließ sich sogar dazu herab, Miguel zu bedienen. Dabei war es nicht länger als drei Wochen her, dass Aemilius Malfoy die Begriffe „Muggel" und „Ungeziefer" synonym verwendet hatte.
„Es ist gut, dass du gekommen bist, Lucius."
Nur zögernd begegnete er dem Blick seines Vaters. „Ist es das?", fragte er leise.
„Ja."
Lucius sah rasch zu den beiden jungen Männern hinüber. Es fiel ihm plötzlich schwer, von ihnen als „Jungen" zu denken. Severus war auf eine fast verstörende Weise erwachsen geworden im Laufe dieses Sommers. Und Miguel ... der war eigentlich von Anfang an erwachsen gewesen. Hilflos und ausgeliefert, aber dennoch erwachsen.
„Wie dir wohl kaum entgangen sein dürfte, hast du uns drei ganz schön in die Bredouille gebracht." Merkwürdigerweise klang sein Vater nicht zornig, nicht einmal vorwurfsvoll, sondern so, als ob er eine schlichte Feststellung machen würde.
Lucius schluckte mühsam und fuhr mit den Fingerspitzen über den Rand seines Glases. „Ja", erwiderte er leise. Gleichzeitig wunderte er sich über die Formulierung „uns drei".
Er redet von Miguel wie von einem Gleichgestellten.
Und der neutrale Tonfall, in dem sein Vater gesprochen hatte, war ebenfalls äußerst irritierend.
Eigentlich müsste er toben vor Wut.
„Dir brauche ich sicher nichts über die Verlockungen der Macht zu erzählen, Lucius. Und weder Severus noch ich sind immun gegen solche Versuchungen. Daher haben wir gemeinsam beschlossen, Miguel auf magische Weise vor unseren Schwächen zu schützen. Wir werden den Homagium-Schwur leisten. Und du wirst ihn bezeugen."
Ihr wollt WAS?! Und ich soll ... wie bitte?!
„Ich glaube, ich verstehe nicht ganz ...", sagte Lucius unsicher.
„Und ich glaube, du verstehst sehr gut. Den Homagium-Schwur. Severus und ich gegenüber Miguel, Miguel gegenüber uns. Du wirst unser Zeuge sein."
„Sir", warf Miguel schüchtern ein, „was genau ist das, dieser Schwur?"
Aemilius lächelte dem Muggel ermutigend zu.
Mich hat er nie so angelächelt, wenn ich's mal gewagt habe, ihm eine Frage zu stellen, dachte Lucius bitter.
„Miguel ...", begann sein Vater freundlich. „Vor drei Wochen, da habe ich dich einfach in Besitz genommen und als mein Eigentum gekennzeichnet. Im Moment bist du nach unseren Gesetzen praktisch rechtlos. Ich kann alles mit dir tun, was mir in den Sinn kommt. Zum Beispiel könnte ich Severus erlauben, dich zu töten – oder es selbst tun, wenn das für mich von Vorteil sein sollte."
Lucius stellte verblüfft fest, dass diese Aussage Miguel nicht zu beunruhigen schien.
„Aber ich würde gerne etwas ändern an deinem Rechtsstatus. Ich möchte dich enger in die Familie aufnehmen. Der Homagium-Schwur bewirkt eine wechselseitige Bindung, die nur in beiderseitigem Einvernehmen oder durch den Tod einer Partei wieder aufgehoben werden kann. Dafür ist es aber erforderlich, dass du dein Leben freiwillig in meine Hände legst – und auch in die von Severus."
„Ich bin schon in Ihrer Hand", erwiderte Miguel mit einem Anflug von Resignation in der Stimme.
Lucius' Vater schüttelte den Kopf. „In diesem Fall liegt die Sache etwas anders. Der Homagium-Schwur beinhaltet eine gegenseitige Verpflichtung. Er würde eine dauerhafte Verbindung zwischen uns schaffen. Beide Seiten verpflichten sich mit ihm zu Schutz und Schirm der jeweils anderen. Ich wäre dann magisch gebunden und müsste für deine Sicherheit und dein Wohlergehen sorgen, so lange, bis du in eine Auflösung des Eides einwilligst. Für Severus würde es unmöglich werden, dich zu verraten oder dir direkten Schaden zuzufügen."
„Das heißt, sie werden mich nicht töten, wenn Severus übermorgen abreist?"
Lucius verschlug es den Atem.
Mein Vater hat so offen mit ihm geredet?! Und der Muggel geht derartig abgeklärt damit um?!
„Das bedeutet es, ja. Unter anderem. Severus und ich verpflichten uns dir gegenüber zum Schutz von Leib, Leben, Ehre und, was für dich ziemlich sekundär sein dürfte," – Aemilius lächelte leicht – „Besitz."
Ehre?! Bei Miguel? Welche Ehre?!
„Im Gegenzug legst du dein Leben in unsere Hände und schwörst, für uns das Gleiche zu tun. Bist du dazu bereit?"
Miguel zögerte keine Sekunde lang. „Ja."
„Lucius?", wandte sich sein Vater an ihn. „Bist du willens, unseren Schwur zu bezeugen?"
„Ich ..."
Drei Augenpaare musterten ihn durchdringend, fordernd.
Lucius begriff, dass dies seine letzte Chance war, seine Fehler ein Stück weit wiedergutzumachen.
„Ja. Ich bin bereit."
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Miguel sah verunsichert vom einen zum anderen. „Und ... was genau soll ich jetzt machen?"
Aemilius Malfoy erhob sich. „Knie nieder. – Nein, nur auf ein Knie. So ist es richtig."
Severus stand auf und trat hinter Miguel, so dicht, dass dieser seine Körperwärme spüren konnte. Sofort fühlte er sich sicherer und ruhiger.
„Jetzt leg die Hände aneinander – wie beim Beten", wies Malfoy senior ihn an. „Genau."
Dann neigte er sich zu Miguel herab, schob ihm den Zauberstab zwischen die gefalteten Hände und umfasste sie mit seinen eigenen. Severus tat es ihm nach und legte seine Hände zuoberst. Zuletzt stellte sich Lucius dazu und richtete seinen Zauberstab auf ihre verflochtenen Finger. Die Angst klopfte als unwillkommener Gast in Miguels Herzschlag mit und ließ ihn erzittern.
„Alles okay", raunte Severus und drückte seine Hände durch die des Hausherrn. „Er wird es nicht wagen, dir wehzutun."
Miguel nickte nervös.
„Bereit?", fragte Aemilius Malfoy freundlich.
„Ja", antworteten Severus und Miguel gleichzeitig.
„Lucius?"
„Ich ... ja."
Lucius wirkte verwirrt, fast ein bisschen ängstlich. Doch als er den Zauberstab hob, war er konzentriert.
„Schutz und Schirm", begann Aemilius Malfoy laut, indem er Miguel in die Augen sah und seine Hände fester fasste. „Bist du – wie heißt du überhaupt mit vollem Namen?"
„Starkey ... Michael Robin Starkey. Meine Mutter hat mich immer Miguel genannt, aber mein Taufname ist Michael."
Flüchtig huschte ein Bild von einer mageren, ernsten Frau vor Miguels innerem Auge vorbei.
Was sie wohl sagen würde, wenn sie mich jetzt hier sehen könnte? Unter Zauberern? Unter Mördern?
Er war sich nicht sicher, was davon sie mehr erschüttern würde.
„Schutz und Schirm", setzte Aemilius erneut an. „Bist du, Michael Robin Starkey, genannt Miguel, bereit, dein Leben in meine, Lucius Abraxas Aemilius Malfoys, Hände und auch in die von Severus Snape zu legen?"
„Ja, das bin ich."
Ein blassblaues Licht entströmte Lucius' Zauberstab und umgab ihre Hände mit einer leuchtenden Wolke.
„So nehme ich, Lucius Abraxas Aemilius Malfoy, dein Leben an, es und deinen Leib, deine Ehre und deinen Besitz zu schützen und zu schirmen, solange ich atme oder bis du diesen Eid aus freien Stücken löst."
„So nehme ich, Severus Snape, dein Leben an, es und deinen Leib, deine Ehre und deinen Besitz zu schützen und zu schirmen, solange ich atme oder bis du diesen Eid aus freien Stücken löst."
Die blaue Wolke verdichtete sich. Miguels Finger begannen zu kribbeln.
„Schutz und Schirm. Bist du, Michael Robin Starkey, bereit, mein, Lucius Abraxas Aemilius Malfoys, Leben, meinen Leib, meine Ehre und meinen Besitz und auch das Leben, den Leib, die Ehre und den Besitz von Severus Snape mit dem deinigen zu schützen, uns mit Treue und Gehorsam zu dienen, solange du atmest oder bis wir diesen Eid aus freien Stücken lösen?"
„Ja, das bin ich."
Die Wolke begann zu zischen und sich zu teilen. Drei blaue Ringe schwebten in der Luft, sanken auf ihre Handgelenke herab. Ein Energiestoß schoss durch Miguels Körper. Dann sickerte das Blau in seine Haut und verblasste.
„Huh!", machte Miguel, als Aemilus Malfoy und Severus Snape seine Hände losließen und sein Herr – nun dachte er das Wort tatsächlich ohne Anführungszeichen – beide Zauberstäbe an sich nahm, um einen an seinen Schüler weiterzureichen. „Das war ja schräg."
„Steh auf", sagte sein Herr freundlich.
Doch Miguel war furchtbar wacklig auf den Beinen.
Mit einem leisen Lachen packte Malfoy senior ihn an beiden Armen. „Ich vergesse immer wieder, dass Muggel anders auf Magie reagieren als wir."
„Huh", wiederholte Miguel. Ihm war ziemlich schwindelig.
„Oh – und das Ganze wird traditionsgemäß durch einen Kuss besiegelt." Sein Herr zog ihn überraschend an sich und küsste ihn leicht auf die Lippen. Miguel blinzelte irritiert, doch da wurde er schon an den Schultern ergriffen und herumgedreht.
Mit leuchtenden Augen und einem bei ihm bestürzend fremd wirkenden Lächeln im Gesicht schlang Severus beide Arme um Miguel und küsste ihn – allerdings weit leidenschaftlicher als Aemilius. Anschließend huschte eine leichte Röte über sein Gesicht.
In diesem Moment fand Miguel ihn einfach nur süß.
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Lucius starrte halb fasziniert, halb abgestoßen auf die beiden jungen Männer, die sich eng umschlungen hielten und gerade einen ziemlich intensiven Kuss austauschten.
Brrr, dachte Lucius und schüttelte sich leicht.
„Lucius?", fragte sein Vater gedämpft. „Kommst du bitte mit nach nebenan?"
Au weia. Jetzt bin ich dran, stellte Lucius zwischen Schock und Resignation fest. War ja auch ausgesprochen dämlich von mir zu glauben, er würde mich einfach so davonkommen lassen ...
Widerstrebend folgte er seinem Vater in dessen Arbeitszimmer.
Das Arbeitszimmer. Ausgerechnet.
Er hatte irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft er hier Moralpredigten und körperliche Züchtigungen über sich hatte ergehen lassen müssen.
„Setz dich, Lucius."
Zu Lucius' Überraschung deutete sein Vater nicht auf den vertrauten, furchtbar unbequemen Arme-Sünder-Stuhl, sondern auf den luxuriösen, mit dunkelgrünem Samt bezogenen Besuchersessel.
Sein Vater nahm hinterm Schreibtisch Platz und musterte ihn nachdenklich. „Ich weiß nicht so recht, wie ich anfangen soll ... Du hast meinen Brief doch schon gestern bekommen, oder etwa nicht?"
„Ich ..." Lucius rutschte unbehaglich hin und her. Zu seinem Ärger half der pompöse Sessel nicht viel, er fühlte sich trotzdem wie auf der Anklagebank.
„Ich habe ihn bekommen, ja. Aber ich habe ihn nicht gelesen. Erst heute Morgen ..."
Sein Vater lehnte sich seufzend auf seinem Stuhl zurück. „Hättest du deine gestrige Aktion unterlassen, wenn du meinen Brief vorher gelesen hättest? Sei ehrlich mit mir, bitte."
Lucius überlegte.
Hätte es etwas geändert, wenn ich seine Mitteilung noch vor dem Ordenstreffen zur Kenntnis genommen hätte?
Er hatte den Dunklen Lord schon brieflich kontaktiert gehabt, bevor die Nachricht seines Vaters ihm buchstäblich ins Haus geflattert war. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte er seinem Herrn noch nichts Konkretes mitgeteilt gehabt, nur vage Andeutungen darüber gemacht, dass sein Stellvertreter ihn hintergehen würde.
Erst kurz vor dem Ordenstreffen hatte Lucius den Dunklen Lord in einem Vier-Augen-Gespräch über die Details informiert. Hätte er also den Brief seines Vaters rechtzeitig gelesen, dann hätte zumindest theoretisch die Möglichkeit bestanden, das Schlimmste zu verhindern. Lucius hätte in diesem Fall eine harmlose, nicht gegen den Dunklen Lord gerichtete Intrige seines Vaters aufdecken können, irgendetwas, das Aemilius Malfoy nicht allzu sehr, Severus und Miguel überhaupt nicht geschadet hätte. Er hätte die Katastrophe verhindern können – wenn er es gewollt hätte.
Hätte ich es gewollt?
Er war sich nicht sicher. Zu groß war sein Zorn gewesen, zu brennend sein Hass.
Langsam hob er den Blick und sah seinem Vater in die Augen. „Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht."
Sein Gegenüber nickte sinnend. „Das dachte ich mir. – Ich bin dir nicht böse, Lucius, das sollst du wissen – nicht mehr böse, um genau zu sein. Nun, es war natürlich höchst unfair von dir, Severus und Miguel in die Sache hineinzuziehen ... Dir ist doch bewusst, dass sie hätten sterben können? Sehr wahrscheinlich hätten sterben können?"
Lucius nickte. „Sicher."
„Und das war dir gleichgültig?"
Ich wünschte, es wäre mir egal gewesen ... Dann würde ich mich jetzt vielleicht besser fühlen.
„Nein ... nicht ganz. Aber in Anbetracht der Umstände ..." Lucius räusperte sich nervös und schlug die Augen nieder.
„Du wolltest sie opfern, um mich zu treffen. Dein Hass gegen mich war so groß, dass du ihren Tod in Kauf genommen hast." Sein Vater klang sachlich, neutral – als ob ihn diese Angelegenheit überhaupt nicht berühren würde.
„Ich ... ja", gab Lucius widerstrebend zu.
Sein Vater stieß geräuschvoll die Luft aus. „Gut. Es ist, wie ich gedacht habe, meine Schuld gewesen."
WAS?!
„Vater ... ich verstehe Sie nicht ..."
Sein Vater schlug die Beine übereinander und verschränkte die Arme vor der Brust. Als er sprach, drückte sein Tonfall deutlich die defensive Haltung aus, in die er sich begeben hatte. „Was du getan hast, war in gewisser Weise eine ... gerechte Strafe für mein langjähriges Verhalten gegen dich. Zumindest, soweit deine Racheaktion mich getroffen hat. Ich ... jemand, von dem ich es nicht erwartet hätte, hat mir die Augen geöffnet. Es ist wohl so ... Natürlich bist du nicht Schuld am Tod meiner Frau ... deiner Mutter ... und ich hatte kein Recht, dich dafür zu hassen. Und ich ... Im Grunde wusste ich das schon immer. – Ich habe dir sehr unrecht getan, Lucius. Ich ... ich möchte dich ... um Vergebung bitten."
In dieser Sekunde zerriss ein zentraler Teil von Lucius' Weltbild.
Entgeistert starrte er seinen Vater an, nicht fähig zu fassen, was er soeben gehört hatte. „Vater ... Sir ...", stammelte er hilflos.
„Dennoch möchte ich das Hausverbot vorerst nicht aufheben. Es ist höchste Zeit, dass wir lernen, getrennte Wege zu gehen. Ich fürchte, nur wenn wir eine Zeit lang Abstand voneinander halten, wird es uns gelingen, unseren gegenseitigen Hass zu überwinden."
Lucius nickte betäubt.
Sein Vater legte die Hände auf den Tisch und beugte sich leicht vor. „Versteh mich bitte nicht falsch, Lucius. Ich verstoße dich nicht. Aber ich möchte dir die Möglichkeit geben, endlich auf eigenen Füßen zu stehen. Ohne meine Unterstützung – und ohne meine Gängelei. Von Zeit zu Zeit wirst du mir als Gast willkommen sein, und nach Ablauf dieses Jahres kannst du nach Malfoy Manor zurückkehren – in der Hoffnung, dass wir beide dadurch nicht in unsere eingefahrenen Bahnen zurückfallen."
Wieder nickte Lucius. „Ja", sagte er leise. „Das klingt nach einer ... annehmbaren Lösung."
Er erhob sich, ohne die Aufforderung seines Vaters abzuwarten.
„Lucius?"
„Ja?"
„Habe ich deine Vergebung?", fragte sein Vater gedämpft. Es klang fast demütig.
Lucius zögerte einen Moment lang.
Vergebung.
‚Ich vergebe dir.' Er könnte es sagen, jetzt gleich ...
Aber so einfach war es nicht. Selbst, wenn er das Wort jetzt aussprechen würde – er hatte seinem Vater noch lange nicht verziehen. Vor allem diese letzte Sache mit Dolohow und Macnair nicht. Und er hatte keine Ahnung, ob er jemals dazu fähig sein würde, seinem Vater diese letzte und ultimative Demütigung zu vergeben.
„Ich muss ... noch darüber nachdenken. Über alles. Ich brauche Zeit. – Es tut mir leid, Vater."
Aemilius starrte mit gesenktem Kopf auf die Tischplatte. Lange.
Endlich hob er den Blick und sah Lucius aus dunklen, wehen Augen an.
„Ja. Mir auch", sagte er leise.
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