Kapitel 5 – Draco
Ein schmaler Weg führte ihn zu seinen Eltern. Er kannte den Weg, auch wenn alles Schneebedeckt war, trat er keinen Schritt daneben. Draco atmete tief durch, als er die Familiengruft erreichte. So oft war er schon hier gewesen und doch fiel es ihm immer wieder schwer. Denn immer wieder wurde ihm bewusst, dass er keine liebevollen Ermahnungen von seinem Vater hören und auch keine zärtlichen Umarmungen von seiner Mutter spüren konnte. Das alles war Vergangenheit. Und auch wenn es schon so lange her war, es schmerzte immer wieder von neuen.
„Hey Mum, hallo Vater", durchdrang seine tiefe Stimme die Stille. Ja, er war erwachsen geworden, sein Haar trug er so lang wie sein Vater es gern trug, sein Körper glich nicht mehr dem eines Jugendlichen. Und doch fühlte er sich gerade um 8 Jahre zurück versetzt.
„Ich war schon lange nicht mehr hier, ich weiß. Es tut mir leid, aber mein Job vereinnahmt mich sehr. Aber es macht Spaß. Ihr müsstet mich sehen, ich mache Severus alle Ehre. Bin ein sehr ernster Lehrer geworden. Severus sagt mir immer wieder, wie stolz er ist, dass ich seine Rolle als Griesgram übernommen habe. Doch es wäre schön, das auch von euch zu hören."
Ein leichter Wind strich ihm um das Haar, er zog seinen Schal noch zu und knöpfte seinen schwarzen Mantel zu.
„Wärt ihr stolz gewesen? Ich denke schon. Ich bin nur so froh, dass ihr mir nicht böse ward, weil ich mich nicht für Voldemort entschieden habe."
Es war ein schwerer Weg damals gewesen. Die Erkenntnis, dass der dunkle Lord und seine Ansichten nicht das waren, wofür Draco kämpfen wollte. Der Kampf mit Potter, bis dieser endlich erkannte, dass Draco es ernst meinte. Und der Streit mit seinen Eltern. Viele Tränen hatte seine Mutter vergossen. Auch Lucius hatte versucht, Draco umzustimmen, doch am Ende hatte er respektiert, dass sein Sohn seine eigene Meinung und sein eigenes Leben hatte. Sie mussten nie direkt gegeneinander kämpfen und doch tat es weh zu wissen, dass auf der anderen Seite jemand war, den man liebte.
„Ich bin froh, dass das alles nun ein Ende hat. Ihr habt sicher über mich gewacht, als ich meine Prüfungen zum Tränkemeister hatte. Ich bin so froh, dass in Hogwarts gleich eine Stelle frei war. Auch wenn ich wirklich nicht geglaubt habe, dass Severus seine Drohung war macht und aufhört, wenn ich so weit bin. Aber er scheint glücklich als Autor. Er hat bereits 5 Bücher geschrieben, alles Bestseller. 2 davon sind sogar als Lehrbücher anerkannt. Es ist schon komisch, in den Büchern seines Patenonkels zu blättern und daraus zu lehren. Aber es macht Spaß, vor allem weil die Bücher besser beschrieben sind, als unsere Lehrbücher damals in Hogwarts."
„Du würdest stolz auf Malfoy Manor sein, Vater. Alles ist wieder so, wie vor dem Krieg. Das Haus erstrahlt in einer Pracht, die ich noch aus meiner Kindheit kenne. Einfach toll. Wer hätte gedacht, dass Blaise ein „Dekorateur" wird. Nur, weil er schwul ist. Das zeugt doch wieder mal nur von Klischees. Anstatt etwas vernünftiges zu lernen. Na gut, er ist auch Fluchbrecher, aber trotzdem." Seine Worte zeugten von liebevollen Spott. Jeder der sie gehört hätte, hätte gewusst, dass sie nicht böse gemeint waren. Schließlich war Blaise immer noch sein bester Freund.
Die Jahre hatten sie nur immer mehr zusammen geschweißt. Schön früher hatte Draco seinen besten Freund geschätzt, heute wusste er nicht einmal mehr, wie er ohne ihn überleben sollte. Wenn Blaise nicht wäre, hätte er einige Ferien nicht überlebt. Immer war er zur rechten Stelle da, hatte ihm Essen und Trinken mitgebracht, war eine willkommene Gesellschaft. Auch jetzt zu Weihnachten. Blaise war derzeit mit ihm in Hogwarts, hatte mit Albus einen neuen Plan erstellt, wie die Slytherinräume gestaltet werden könnten. Und Draco wusste, wenn Blaise den Job bekommen würde, schaffte Blaise es, ganz Hogwarts umzugestalten.
„Es ist witzig mit Blaise in Hogwarts, fast wie früher. Jetzt fehlt nur noch Potter und Longbottom, damit ich jemanden hab auf dem ich rumhacken kann. Aber es wäre nicht mehr dasselbe. Neville ist echt schlagfertig geworden. Endlich ein Mann. Und Potter? Ich habe neben ihm gekämpft in der großen Schlacht, es ist seit dem nicht mehr das gleich ihn zu triezen." Dracos Worte klangen wehmütig. Es war ja immer ein Highlight gewesen, sich mit Harry Potter zu prügeln, zu duellieren und sich sonst auch nur mal anzukeifen. Doch auch seine „Freundschaft" mit Potter wollte er nicht mehr missen.
Denn seit dem letzten Kampf standen sie sich immer mit Respekt gegenüber. Es gab noch immer kleine Spitzen, doch nie gingen sie unter die Gürtellinie.
„Glaubt es mir oder nicht. Ich wurde von Potter sogar zu Weihnachten eingeladen. Vielleicht liegt es nur daran, dass ich eh in Hogwarts bin. Aber warum sollte er mich dann noch einladen. Vielleicht zähle ich doch schon zu seinen Freunden, wer weiß."
Er atmete die kalte Luft tief ein. Sah gedankenverloren in die Ferne.
„Ich werde mich jetzt wieder auf den Weg machen. Es wird sicher bald dunkel." Er zündete 2 Kerzen an. Eine für jeden Sonntag im Dezember. „Ich komme nächste Woche wieder", murmelte er leise, atmete noch einmal tief durch und ging durch den tiefen Schnee zurück zum Apparierpunkt.
Ende Teil 5
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