Kapitel 6 – Neville und Luna
Neville und seine Frau Luna saßen ungeduldig im Wohnzimmer. Ihr vierjähriger Sohn Brian spielte zu ihren Füßen mit seiner Holzeisenbahn. Der Kleine war das Wunschkind der Beiden nach ihrer Hochzeit vor 5 Jahren gewesen. Brian war auch ein richtiger Sonnenschein, bis auf das er gerne Unfug anstellte, was Luna oft in den Wahnsinn trieb, aber sie liebte ihren Sohn nur um so mehr.
Neville erging es genauso, denn er war nur froh das der Kleine lebte. Bei seiner Geburt gab es damals Schwierigkeiten. Das Leben von Luna und seinem Sohn stand damals auf dem Spiel, da bei Luna während der Geburt ein Tumor in der Gebärmutter festgestellt wurde. Die Ärzte konnten diesen entfernen, doch Luna kann seit dem keine Kinder mehr bekommen. Um so mehr liebten sie ihren kleinen Sohn, doch der Wunsch nach weiteren Kindern war geblieben. Da hatten sie die rettende Idee.
Grüne Flammen im Kamin kündigten das Ankommen eines Zauberers an. Wie Neville und Luna erhofften war es Mr. Shickle. Mit undurchdringlicher Miene trat er ihnen. Brian sah kurz zu ihm rüber, spielte dann aber lieber weiter mit seiner Eisenbahn. Er kannte Mr. Shickle bereits und interessierte sich nicht sonderlich für ihn.
„Einen schönen guten Abend, Mr. und Mrs. Longbottom.", grüßte er höflich.
„Guten Abend Mr. Shickle, nehmen Sie doch bitte Platz," erwiderte Neville nervös und deutete auf einen grünen Sessel.
Mit einem „Danke" nahm der Ministeriumsbeamte Platz.
„Sie wissen ja sicher, warum ich hier bin." Nervös nickte das Ehepaar. Sie wollten nur noch wissen, ob ihr Antrag genehmigt wurde.
„Ein paar letzte Fragen muss ich Ihnen noch stellen, ehe ich Ihnen den Neuankömmling vorstelle."
Ein Leuchten trat in die Gesichter der Beiden. So lange hatten sie auf diesen Moment gewartet.
„Das heißt, es hat geklappt?", fragte Luna aufgeregt.
„Ja, wir konnten keine Makel feststellen. Und nach der Beantwortung meiner Fragen, werde ich Ihnen Ihr neues Familienmitglied vorstellen. Auch wenn Sie sie schon kennen."
„Meine erste Frage ist, ob bereits alles für den Zuwachs vorbereitet ist."
„Ja," antwortete Neville. „Wir haben das Zimmer neben dem unseres Sohnes vorbereitet. Es hat sogar ein eigenes Bad. Einen Schulplatz haben wir auch. Sie würde in einer Privatschule für junge Hexen uns Zauberer unterkommen."
„Also wäre meine zweite Frage auch bereits beantwortet," sagte Mr. Shickle begeistert.
„Dann habe ich noch eine letzte Frage. Haben sie Ihren Sohn bereits auf das neue Familienmitglied vorbereitet? Leider haben wir es schon erlebt, dass Kinder mit der neuen Situation nicht klar gekommen sind und sich abgesondert haben."
„Das fragen Sie ihn doch am Besten selbst." Sagte Luna und rief ihren Sohn zu sich. Brian setzte sich erwartungsvoll auf den Schoß seiner Mutter.
„Ja, Mama?" fragte der Kleine neugierig.
„Der Mann vom Ministerium möchte gern wissen, ob du dich schon auf deine Schwester freust?"
Begeistert nickt der Kleine.
„Endlich jemand, mit dem ich spielen kann," grinste Brian seine Mutter an. „Und endlich hab ich jemanden, der auf meiner Seite ist", schmollte er, doch seine Augen blitzten vergnügt.
Mr. Shickle lächelte. „Das klingt perfekt, dann werde ich sie mal holen gehen." Damit verschwand er im Kamin. Luna und Neville strahlten sich gegenseitig an. Endlich war es so weit. Brian wurde nun auch auf dem Schoß seine Ma unruhig.
„Bekomm ich jetzt meine Schwester?" fragte er kleinlaut.
„Ja, Thea kommt heute zu uns.", erwiderte sein Vater sichtlich stolz.
Kaum hatte der junge Mann dies ausgesprochen, flammte das Feuer im Kamin erneut grün auf und der weißhaarige Beamte stand wieder im Wohnzimmer der jungen Familie. In seinen Armen hielt er ein junges Mädchen, was sich sichtlich nervös umsah. Kaum hatte sie Luna bemerkt lief der Neuankömmling bereits in ihre Arme.
„Luna!", rief Thea glücklich.
Neville und Luna hatten Thea schon oft besucht. Schon vor Wochen hatten sie dem Mädchen angeboten, sie bei ihrem Vornamen zu nennen. Schließlich war Thea bereits kurz vor ihrem 10. Geburtstag. Sie hatte ihre Eltern im Krieg verloren und wartete seit dem in einem Waisenhaus auf eine neue Familie. Luna und Neville hatten das schwarzhaarige Mädchen mit den rehbraunen Augen sofort in ihr Herz geschlossen. Und auch Thea hatte gehofft, dass die Longbottoms sie mochten. Sie sehnte sich nach Zuneigung und diese beiden Menschen waren ihr sehr sympathisch.
Thea sah sich im Raum um. Ein großes Wohnzimmer bereits weihnachtlich geschmückt. Endlich ein Weihnachten in einer Familie. Als sie Neville erblickte lief sie ebenfalls zu ihm und umarmte ihn herzlich.
„Willkommen in der Familie!", flüsterte Neville sichtlich gerührt. Thea, Luna und auch Neville hatten Tränen des Glücks in den Augen. Selbst Mr. Shickle war gerührt. Wieder hatte er es geschafft eine Familie glücklich zu machen und vor allem ein Kind glücklich zu machen.
Brian sah sich das ganze skeptisch an. Seine Eltern weinten und dieses Mädchen auch. Hatte er nun doch keine Schwester bekommen? Warum war sie dann da? Der Konnte das ganze natürlich nicht verstehen, doch er stand auf und zupfte seiner Mama am braunen Rock. Fragend sah er hoch.
„Mama?" Luna nahm ihren Sohn in den Arm und strahlte ihn glücklich an. Thea hatte das ganze natürlich mitbekommen und ging auf den kleinen Magier zu.
„Du bist also mein kleiner Bruder? Ich bin Thea.", grüßte sie ihn freundlich. Sie hoffte, dass der Kleine sie mögen würde.
„Ich bin Brian.", erwiderte der Vierjährige und reichte seine kleine Hand, so, wie seine Eltern es ihm beigebracht hatten. Erleichtert nahm Thea die Hand und drückte sie leicht. Sie kannte kleinere Jungs bereits aus dem Waisenhaus und wusste, dass sie manchmal sehr stur sein konnten. Doch Brian schien sie willkommen zu heißen.
„Magst du was spielen?", fragte die neue Schwester und begeistert nickte der Kleinere. Das Eis war gebrochen. Brian zeigte ihr seine Eisenbahn und gemeinsam spielten sie.
Mr. Shickle kam auf die Erwachsenen zu, die dem ganzen begeistert zu gesehen hatten und übergab ihnen ein paar Unterlagen.
„Hier haben sie die Adoptionspapiere. Das Ministerium wird sie in unregelmäßigen Abständen besuchen und sich alles ansehen. Aber das wissen sie ja bereits." Beide nickten. „Ich sehe keinerlei Probleme bei Ihnen und wünsche Ihnen allen noch schöne Feiertage." Damit verabschiedete sich der Beamte und verschwand.
Sicher, es würde nicht einfach für die Familie werden, doch sie waren sich sicher, das Richtige getan zu haben. Und ein Blick auf die neue Tochter, wie sie mit Brian spielte und immer wieder den Blick ungläubig schweifen ließ, als könnte sie ihr Glück nicht fassen, zeigte Luna und Neville, dass sie es gemeinsam schaffen würden. Denn auch sie konnten ihr Glück nicht fassen
Ende Teil 6
Ich kenne mich mit den Bedingungen und den Auflagen einer Adoption nicht aus, daher hoffe ich, dass ihr mir eventuelle Fehler verzeiht.
