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Kapitel 7 – Severus

Genervt stand der ehemalige Tränkemeister vor der Steinmauer, die zur Winkelgasse führte. Es wird jedes Jahr schlimmer, dachte er, dieses grausame Geschenke kaufen. Und dann musste er sich auch noch etwas einfallen lassen. Schließlich wollte er nicht dumm da stehen, wenn es ans Auspacken ging und von ihm kam nichts.

Bereits der Trubel in der Winkelgasse brachte ihn fast zur Weißglut. Und es war noch mehr als eine Woche vor Weihnachten. Doch so, wie diese Hexen und Zauberer durch die Gegend eilten, sah es aus, als wäre morgen bereits der heilige Abend. Ein resignierendes Seufzen entkam ihm, als er seine Lieblingsapotheke in weihnachtlichen Stil sah. Wie er Weihnachten doch hasste!

„Auf in den Kampf!", knurrte er leise zu sich selbst und betrat die Winkelgasse. Gehen wir es systematisch an. Erst die Buchhandlung, die Gefahr dort einem ersten Alptraum zu begegnen war ja schließlich gering. Wie er sich wohl irrte.

Mit sicheren Schritten betrat er die Buchhandlung. Dort traf ihn das Entsetzen. Er stand Auge in Auge mit Gilderoy-der-nicht-mehr-ganz-dichte-Lockhart.

„Was machen Sie denn hier, Lockhart?" blaffte er den wehrlosen Mann an.

„Bin ich Lockhart? Dann gehören die Bücher wirklich mir? Ähm... Kennen wir uns?" sichtlich verwirrt stand der blonde Mann vor Severus. Dieser konnte nur genervt mit den Augen rollen.

„Nein, Merlin sei Dank, kennen wir uns nicht!"

Eine Stimme aus dem Hintergrund rief laut „Gildoroy, wo bist du denn schon wieder? Komm sofort her."

„Wen die nur immer wieder rufen?", fragte der Verwirrte und sah sich um. Snape beschloss seinen ehemaligen, und nun sehr dämlichen, Kollegen zu ignorieren. Doch dies stellte sich nicht als einfach heraus. Gilderoy verfolgte ihn durch den ganzen Laden.

„Was suchst du denn? Kann ich dir helfen? Ich kann nämlich schon lesen!"

„DAS geht Sie nichts AN!"

„Komm schon!!! Ich will dir doch helfen! Vielleicht weiß ich ja, wo du es findest."

„Woher wollen Sie denn wissen, wo ich etwas suchen muss. Sie wissen noch nicht einmal Ihren eigenen Namen!", knurrte ein sichtlich genervter Snape.

Auf einmal kam ein, komplett in weiß gekleideter Mann auf Severus zu.

„Ich hoffe, Gilderoy hat Sie nicht belästigt. Er ist halt ein wenig verwirrt."

„WENIG? Doch, er hat mich belästigt und ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn sie mir ihn jetzt von Hals schaffen würden.", schnarrte er in alter Lehrermanier.

Das tat der sichtlich überforderte Pfleger auch sofort und zog den jetzt enttäuscht aussehenden Gilderoy von Severus weg. Dieser atmete einmal kräftig durch und machte sich weiter auf die Suche nach dem Geschenk für Potter.

Nach zwei entspannenden Minuten ohne Lockhart hatte er das leere Photoalbum für den Goldjungen, wie er ihn in Gedanken immer noch schimpfte, gefunden. Schnell bezahlte er das Geschenk und verschwand aus dem überfüllten Laden.

Draußen blieb er erst mal stehen um sich zu orientieren. Als er den nächsten Laden gesichtete hatte, verkleinerte er die Tüte mit dem Photoalbum. Dieses leere Album würde heute Abend gefüllt werden, mit Photos aus der Schulezeit seiner Eltern. Severus hatte durch Zufall, als er seine Bücher neu sortiert hatte in mehreren Büchern alte Photos gefunden und beschlossen sie Harry zu schenken, da er diese Bilder nicht behalten wollte. Es waren für ihn schmerzhafte Erinnerungen, doch Potter würde sich sicherlich darüber freuen, den die Bilder oftmals Black, Potter und Lily. Es gab auch eins wo Pettigrew abgebildet war, doch das hatte er sofort im Kamin verbrannt.

Nachdem Severus das besagte Album in der Innentasche seines Umhangs verstaut hatte, begab er sich in Richtung Reisebüro, seiner nächsten Haltestelle auf der Tortur des Geschenke kaufens. Er betrat den Laden und kaufte für die Familie Longbottom einen Portschlüssel für die Reise nach Hawaii. Dort würden sie in einem Hotel 2 Wochen lang entspannen und sich kennen lernen können. Denn auch er wusste bereits, das Neville und seine Frau Nachwuchs bekommen haben. Und in einem Urlaub würden sie sich von den Strapazen erholen können. Insgeheim hoffte Severus ja, dass ein Vulkan während des Aufenthalts ausbrechen würde. Nein, er wollte nicht, dass der Familie etwas passiert, aber dem Nichtsnutz Longbottom wünschte er doch einen gehörigen Schrecken. So, wie dieser es immer im Unterricht angerichtet hatte.

Sein nächster Weg führte ihn zu Madam Malkins. Der Laden war, wie jeder andere auch, total überfüllt. Severus konnte froh sein, dass er per Eule bereits Minervas Geschenk bestellt hatte. Eine Robe mit grünen Schottenmuster und einen dazu passenden Hut. Warum die Hauslehrerin von Gryffindor so auf grün stand, wusste er nicht, es interessierte ihn auch nicht wirklich. Auf der Ladentheke fiel ihm ein grässlicher Hut auf. Dieser war Mitternachtsblau und hatte viele, zu seinem Unmut hüpfende, Geschenke in allen möglichen Farben drauf. Das perfekte Geschenk für den alten Zausel, dachte sich Severus und stellte ihn zu dem Geschenk für Minerva dazu.

„Möchten Sie noch etwas?", fragte die Frau.

„Ja, können Sie. Ich brauch noch ein paar Socken, je auffälliger, desto besser.", grinste er hämisch.

„Oh, da haben wir ein paar ganz tolle..." Severus verdreht erneut die Augen, wer wusste schon, was sie toll fand. „... diese sind erst heute gekommen. Folgen Sie mir bitte."

Damit verschwand sie in den angrenzenden Raum. Severus hatte es immer vermieden in diesen Raum zu gehen, denn seine Befürchtung bewahrheitete sich. Der komplette Raum war mit verschiedenen Arten von Socken zugestellt. Bunte, schwarze, einfache und auch sehr ausgefallene Sockenpaare hingen in verschiedenen Höhen der Wände. Es war erdrückend. Aber zu seine Erleichterung gab es ein Fluchtfenster, doch er bezweifelte, dass er da durchpassen würde. Fast ängstlich betrat er diesen Raum und stolperte über etwas Grünes. Dieses begann zugleich zu trällern.

I'm dreaming of a white Christmas,
just like the ones I used to know,
where treetops glisten,
and children listen,
to hear sleigh bells in the snow

Severus traf der Schlag, es war grausam, es war PERFEKT. Erst recht, als er sich das Paar Socken, als das sich das Singende Etwas herausstellte, genauer betrachtete. Grün mit einem singenden Weihnachtsmann. Albus würde sich sicher darüber freuen und er hatte insgeheim seine Rache.

„Diese nehme ich.", sagte er zu der Verkäuferin, die immer noch nach den Socken suchte, die sie ihrem Kunden eigentlich zeigen wollte. Erschrocken drehte sie sich um und lächelte freundlich.

„Genau diese wollte ich Ihnen zeigen.", erwiderte sie.

Severus bezahlte alles und verschwand aus dem überfüllten Laden.

Sein nächster Weg führte ihn in den Laden für Quidditch Bedarf. Die Schlange vor der Kasse war zu seinem Glück kurz. Doch dafür musste er erst einmal reinkommen. Denn vor dem Laden tummelten sich viele Jungen und Mädchen und starrten wie gebannt den neuen Rennbesen im Schaufenster an.

„Habt ihr den schon gesehen?", rief einer der Jungen begeistert.

„Die Deutschen haben den Besen erfunden. Er soll unverwüstlich sein. Angeblich wurde er durch die Peitschende Weide in Hogwarts gejagt und hat nicht einen Kratzer.", rief ein rothaariges Mädchen fasziniert.

„Die Iren werden ihn bei der Weltmeisterschaft fliegen.", kreischte ein kleiner Junge mit Brille und zersausten schwarzen Haaren. Severus hatte die Befürchtung, dass Potter eine Jugendsünde begangen hat. Aber das sollte nicht sein Problem sein. Er würde sich niemals Kinder anschaffen!

Nachdem er sich an den Bälgern vorbeigequetscht hatte, betrat er den Laden. Er kaufte 2 WM-Tickets für das Finale im Quidditch in Österreich. So weit er wusste würde Irland gegen Brasilien spielen. Da Draco, sowie auch Blaise, große Fans von den Iren waren, wäre dies das perfekte Geschenk für die beiden. Er hoffte nur, dass er keine Vertretung für Draco machen musste.

Damit war sein Besuch in der Winkelgasse beendet. Er hatte das Geschenk für Remus und Tonks bereits besorgt. Ein Maler würde ein Porträt von den Beiden malen. Etwas, was das Ehepaar schon immer mal machen wollte. Er konnte immer noch nicht verstehen, warum die beiden geheiratet hatten. Aber er war auch generell gegen eine Ehe. Niemals würde er sich dazu herablassen und von einer Frau, egal welcher, vor den Altar schleppen lassen.

Als die Tür des tropfenden Kessels, sich hinter ihm schloss, sah er mit Entsetzen, dass Muggellondon genauso überfüllt war. Nicht weit vom Pub war Harrods, das berühmteste Kaufhaus Englands. Er ging nur selten dorthin und doch kannte er sich aus. Sein erstes Ziel in dem Kaufhaus war die Buchabteilung. Er hatte bei seinem letzten Besuch ein gutes Buch über „Heilpflanzen" gesehen. Das wäre das perfekte Geschenk für die Alleswisserin. Hermine arbeitete schließlich freiberuflich als Heilerin. Und Muggelgeboren war sie auch.

Nachdem er dieses Buch besorgt hatte, machte er sich auf den Weg in die oberste Etage. Sein Alptraum schlechthin würde da beginnen. Die komplette Etage bestand aus Baby- und Kleinkinderbedarf. Hannah und Ron hatten sich eine Wickelkommode gewünscht und diese musste er jetzt besorgen. Doch als er die verschiedenen Ausführungen sah, stand er kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Eine freundliche Stimme hinter ihm fragte: „Kann ich Ihnen helfen?" schon fast erleichtert wollte bedanken, doch noch während des Umdrehens traf ihn erneut der Schlag. Eine kleine und etwas pummelige Frau mit blonden Haaren stand vor ihm. Sie trug ein baby-blaues T-Shirt mit einem riesigen Schnuller drauf und eine rot-weiß gestreifte Weihnachtsmütze. Es half nichts, dachte sich Severus und nickte ihr zu.

„Ich brauch eine Wickelkommode."

Ihre Augen leuchteten vor Freude.

„Welche Höhe sollte sie haben? Haben sie schon Auflagen? Soll es eine bestimmte Farbe sein? Eine Kommode mit eingebauten Mülleimer? Soll sie zu einer normalen Kommode umbaufähig sein? Eine breite Liegefläche? Vielleicht auch mit eingebauter Baby-Badewanne?. Wie viel Stauraum benötigen sie? Oder sollte sogar Platz für Zwillinge sein?", quasselte die Frau, ohne auch nur einmal Luft zu holen.

Sein Mund ging auf, klappte aber vollkommen überfordert wieder zu. Hätten Weasley und Abbott sich nicht präziser ausdrücken können?

„Ich seh schon, ich werde dem werdenden Vater da wohl die Kommoden zeigen müssen, dann können Sie immer noch entscheiden, was das Beste für Ihr Kind ist."

Bei diesem Satz platze Severus der Kragen. Mühsam beherrscht knurrte er die Verkäuferin an.

„Ich werde nicht VATER! Ich HASSE Kinder! Ich muss nur diese beschissene Kommode besorgen!"

Bei jedem Wort wurde die freundliche Verkäuferin immer kleiner. Sie schluckte schwer.

„Oh... ok. Dann sagen Sie mir bitte, wie groß, die werdenden Eltern sind."

Severus atmete tief durch. Die Frau konnte ja schließlich auch nichts dafür.

„Der werdende Vater ist etwa 1,78 m, die werdende Mutter ist etwas kleiner. Auflagen wären sehr gut. Badewanne wird, soweit ich weiß von jemand anderen besorgt. Stauraum sollte sie haben. Mülleimer wird nicht benötigt. Die Farbe sollte hell sein und die Liegefläche muss nicht außergewöhnlich groß sein. Es werden auch, meines Wissens nach, keine Zwillinge erwatet." Severus fragte sich gerade, wann er jemals am Stück so viel gesagt hatte. Doch er hatte fast Mitleid mit der Frau und wollte das Ganze schnell hinter sich bringen.

„Wissen Sie was es wird, damit ich die passenden Auflagen besorgen kann?"

„Nein."

„Ok, dann suchen wir etwas neutrales heraus."

Severus wunderte sich, wie er dieses halbe Stunde puren Horrors zwischen Windeln, Auflagen und Kinderschränken überlebt hatte.

„Wohin sollen wir die Kommode liefern?", fragte die Verkäuferin zum Schluss.

Er gab ihn seine Adresse und verschwand nach der Bezahlung mit eiligen Schritten aus der Abteilung.

Severus schwor sich, nie wieder diese Abteilung zu betreten.

Das letzte was er besorgte war ein Einkaufsgutschein für Ginny Potter, mit dem Hintergedanken, dass Harry den Laufburschen für die chronisch kaufsüchtige Hexe spielen musste.

Als auch das Erledigt war, apparierte er völlig geschafft nach Hause.

Teil 7 Ende