Mustang
Donnernde
Hufe auf dem staubtrockenen Wüstenboden einer grenzenlosen
Prärie.
In der Ferne heulen Kojoten.
Ein leichter Wind
kommt auf und treibt loses Dornengestrüpp über die
verdurstete Erde.
Bald wird es Nacht sein.
Der Wind kühlt
meine erhitzte Haut und sendet mir Eiswärmeschauer in den
Nacken.
Es ist Furcht, stelle ich fest.
Furcht und
Erregung.
Aufregung.
Heute Nacht, denke ich.
Etwas wird
heute Nacht passieren und danach wird alles anders sein, als
zuvor.
Schöner. Schrecklicher. Echter.
Es wird passieren
und ich fürchte mich davor.
Weil es kein Zurück
gibt.
Die Kojoten klingen jetzt näher und die Furcht taut
in eisigen Rinnsalen zwischen meinen Schulterblättern herab. Wie
Frühlingsschnee.
Es ist gefährlich, was ich heute Nacht
tue. Ich muss mit meinem Herzen dabei sein.
Ich rufe schweigend in
die Dunkelheit und da kommt es herangetrabt, mein
Mustangpferdeherz.
Mein wildes und schönes, freies Herz.
Es
schnaubt sanft gegen mein Gesicht und schreckt mit wild schlingerndem
Kopf zurück, als ich die Hand nach ihm ausstrecke. Doch es läuft
nicht davon.
Seine Vorderbeine tänzeln nervös und
wirbeln Staub und totes Gras auf.
Es schnappt nach meinen
ausgestreckten Fingern, doch ich zucke nicht zurück.
Ich
kenne mein Herz.
Es ist sanft und groß und wild. Aber es
würde niemals willentlich verletzen.
Es blufft, wenn es Angst
hat, eingefangen zu werden.
Ich kann die langen, tiefen Narben
in seinen Flanken sehen, die nicht wieder heilen werden.
Es tut
gut daran, sich zu fürchten. Nicht jeder liebt ein freies
Herz.
Meine Fingerspitzen berühren das feine
stichelhaarige Fell. Dünn ist es und warm.
Leichte Schauer
laufen über sein kräftiges Pulsieren.
Genau wie die
Schauer in meinem Nacken.
Es fürchtet sich auch, erkenne ich,
mein Herz.
Doch es wird mir folgen.
