Kapitel 3: Alle Klarheiten beseitigt?

Nachdem er Calleigh im ganzen Labor gesucht hatte, kam sie ihm auf dem Gang entgegen. Als sie ihn sah, wollte sie schnell wieder umdrehen, aber Tim hielt sie am Arm fest.

Calleigh funkelte ihn böse an: "Lass mich los! Was willst du? Mich wieder beleidigen?"

Tim hielt sie weiter fest: "Kannst du mir jetzt bitte einmal zuhören? Ich wollte dich nicht beleidigen. Ich fand die Vorstellung nur so komisch, dass wir beide ein Paar wären."

"Das habe ich gemerkt! Und warum? Bin ich dir vielleicht nicht hübsch genug?"

Er schüttelte den Kopf: "Du bist schon jahrelang meine beste Freundin."

Calleigh hatte einen schnippischen Tonfall: "Also bin ich für dich nur eine Freundin, aber nicht attraktiv oder bin ich nur eine Freundin, WEIL ich nicht attraktiv bin?"

Tim reichte es jetzt und er hob die Stimme: " Was ist heute los mit euch, habt ihr heute beide den Eisprung?!" Er atmete tief aus: "Ich bin verheiratet, Calleigh! Was soll ich jetzt tun, damit du mir glaubst? Soll ich dich jetzt küssen oder vielleicht in eine dunkle Kammer zerren, damit du wieder normal wirst?!"

Calleigh riss erschrocken die Augen auf und zischte ihn an: "Schrei nicht so! Spinnst du?"

Er redete leiser weiter: "Cal, du bist attraktiv UND meine Freundin. Aber dadurch, dass du meine Freundin bist, käme es für mich nie in Frage, mit dir etwas anzufangen! Und deshalb musste ich so lachen. Ich habe dich wirklich gerne und will dich als Freundin nicht verlieren."

Gerade als Tim Calleigh gefragt hatte, ob er sie in eine dunkle Kammer zerren solle, wollte Eric um die Ecke biegen. Als er Calleigh und Tim beieinander stehen sah und die Worte hörte, die Tim zu ihr gesagt hatte, zog er sich hinter die Ecke zurück, bevor ihn jemand sehen konnte und lauschte, verstand aber nicht mehr, was weiter gesprochen wurde.

Eric drückte sich an die Wand und überlegte, was er jetzt tun sollte. Vorhin war er bei Andie gewesen, die sich bei ihm ausgeheult hatte, weil sie vermutete, dass Tim und Calleigh eine Affäre hätten. Er hatte Andie noch gesagt, dass er sich sicher sei, dass Tim ihr treu wäre und jetzt das. Das hätte er von Tim nie erwartet. Andie hatte ihm das Versprechen abgerungen, dass er mit Tim darüber sprechen würde.

In Calleigh stieg ein schlechtes Gewissen auf. Sie legte ihre Hände auf Tims Arme und sah zu ihm hoch: "Meinst du das ernst?"

Tim nickte.

"Tut mir leid, dass ich so überreagiert habe. Ich mache mir einfach zu viele Gedanken…" Sie seufzte: "Ich weiß einfach nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Und als ich vorhin dich und Andie gesehen habe… Ich mag Andie wirklich gerne und ich wünsche mir auch einen Mann, der mich so liebt wie du sie…"

Tim grinste während er Calleigh mit den Worten "Komm her, du Zicke." an sich zog. Während sie sich umarmten gab er ihr einen Kuss auf die Stirn, bevor er sie wieder ansah: "Und falls es dich beruhigt: Als du damals hier angefangen hast, haben Eric und ich uns über dich unterhalten. Du kannst mir glauben, dass es damals ganz sicher nicht um deine Eigenschaften als Freundin ging."

Calleigh errötete, als sie ihn erstaunt ansah: "Wirklich? Das habe ich gar nicht bemerkt…"

Tim wurde ebenfalls rot und nickte: "Ja… Aber ich bin glücklich darüber, dass sich zwischen uns nie etwas ergeben hat und wir Freunde sind."

Sie lächelte: "Mir geht es genauso. Daran musste ich mich offensichtlich erst wieder erinnern. Ich bin froh, dass Eric nichts von der ganzen Sache weiß, denn meine Gefühlsverwirrung war genauso schnell wieder weg, wie sie da war." Zögernd fügte sie hinzu: "Aber eine feste Beziehung hätte ich trotzdem schön langsam mal gerne."

Eric hatte noch einmal vorsichtig um die Ecke gelinst und gesehen, wie sich Tim und Calleigh umarmten. Erschrocken zog er sofort den Kopf wieder ein, um nicht gesehen zu werden.

Tim seufzte: "Also ist das jetzt geklärt, dass wir alle nur sehr gute Freunde sind und das auch so in Ordnung ist?"

Calleigh nickte. Sie musterte Tims Gesicht, während sie laut nachdachte: "Wobei… wenn ich es mir so recht überlege… Habe ich dir schon mal gesagt, dass du wunderschöne Augen hast?" Sie strahlte ihn an: "Ich mag dunkle Augen bei Männern…"

"Ahhhhhh! Cal!"

Sie grinste: "Tut mir leid, das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen. War nur ein Scherz."

"Hoffentlich", lachte Tim, "mir reichen nämlich schon meine zwei Frauen und Linda. Eine weitere Frau verkrafte ich nicht mehr."

Eric hörte Schritte und ein vor sich hin grinsender Tim kam um die Ecke.

"Hey, Eric!"

Eric sah ihn an und begann zu stottern: "Hey… ähm… hast du kurz Zeit… ich glaube, wir müssen reden…"

Tims Laune verschlechterte sich gleich wieder und er schnaufte: "Delko, nicht du auch noch… Ich habe heute echt schon genug Probleme…"

Doch Eric ließ nicht locker: "Es ist wichtig. Gehen wir nach draußen?"

Die beiden gingen vor die Türe des CSI Hauptgebäudes.

"Was ist los, Eric?"

Tim war Erics bester Freund und ihm war dieses Gespräch mehr als unangenehm. Er hatte sich nie Gedanken darüber gemacht, weil für ihn einfach klar war, dass Tim Andie treu war. Aber nach dem, was er mitbekommen hatte… Er musste es hinter sich bringen und fragte einfach gerade heraus: "Warum betrügst du die Kleine?"

Tims Augen wurden groß und er war sich kurz nicht sicher, ob er Eric richtig verstanden hatte: "Bitte? Was tue ich? Bist du jetzt total bescheuert!?"

Eric schüttelte den Kopf: "Wenn hier jemand bescheuert ist, dann du. Was soll das, dass du Calleigh mitten im Labor sagst, dass du sie in eine dunkle Kammer zerrst und ihr euch küsst… Das ist ja zu offensichtlich. Sogar Andie, die am anderen Ende vom Gebäude arbeitet, hat schon mitgekriegt, das zwischen dir und Cal anscheinend etwas läuft…"

Tim schloss kurz die Augen und atmete tief durch, bevor er Eric anschrie: "Ihr macht mich alle wahnsinnig! Warum müsst ihr ständig Schlussfolgerungen ziehen, obwohl ihr nur die Hälfte wisst?"

Als er einen Streifenpolizisten vorbeigehen sah, der aufgrund von Tims Geschrei zu ihnen herüberblickte, senkte er seine Stimme ein bisschen: "Wenn du nicht so ein Weiberheld wärst, dann wärst du wahrscheinlich mit Calleigh zusammen, ich hätte meine Ruhe und müsste mich nicht ständig für irgendetwas rechtfertigen, das ich angeblich gemeint oder getan habe!"

Eric stutzte und wollte etwas sagen, aber Tim winkte ab und redete weiter: "Ich bin von uns beiden nicht der, der die Frauen betrügt! Ich habe Calleigh gefragt, ob ich sie in eine dunkle Kammer zerren soll, damit sie mir glaubt, dass ich sie attraktiv finde und ich habe sie nicht geküsst, sondern umarmt. Und das, weil sie schon den ganzen Tag beleidigt ist und es mir jetzt gereicht hat. Sie ist wegen dir frustriert und ich bin jetzt der Böse!"

Tim holte tief Luft und bevor Eric etwas sagen konnte, redete Tim weiter: "Meine Frau ist sauer auf mich, weil sie offensichtlich glaubt, ich betrüge sie, weil ich nicht mitbekommen habe, dass sie genau neben mir stand als ich Calleighs Gefühlschaos beseitigen wollte, das du verursacht hast, weil du nicht mitkriegst, dass Cal verschossen in dich war. Wir sind ja wirklich tolle Ermittler!"

Eric stutzte nochmals: "Was heißt war?"

Tim seufzte: "Du solltest davon eigentlich überhaupt nichts wissen, aber ich kann ja meine dämliche Klappe nicht halten. Cal wird mir den Kopf abreißen und ich will mich da nicht noch mehr einmischen. Am besten, du redest mal in Ruhe mit ihr und klärst das."

Eric war verwirrt und nickte schuldbewusst: "Okay, ich gehe Calleigh dann mal suchen… Es tut mir leid, dass ich dir vorgeworfen habe, dass du Andie betrügst… Ich hätte meinem Gefühl vertrauen und nicht einfach Mutmaßungen anstellen sollen."

Tim nickte ebenfalls: "Schon okay… Ich weiß ja, dass du hin und wieder ein bisschen durchdrehst." Er seufzte: "Ich gehe zu meiner Frau und versuche sie davon zu überzeugen, dass ich ihr treu bin… Solltest du mich heute nicht mehr sehen, dann such mich bitte auf ihrem Autopsietisch…"

Eric grinste Tim an: "Weißt du eigentlich, dass du schon genauso schnell und ohne Pause redest, wie sie? Andie macht das auch immer, wenn sie aufgeregt ist."

"Zum Glück muss ich mich nicht so oft aufregen." Tim musste ebenfalls lachen, als er sich die wütende Andie vorstellte und feststellen musste, dass Eric recht hatte: "Wenn ich in Zukunft dabei auch noch hüpfe wie sie, um größer zu sein, dann hast du die Erlaubnis, mich einweisen zu lassen.

Lachend gingen sie gemeinsam wieder ins Gebäude, wo sich ihre Wege trennten.