Kapitel 5: Die Überraschung
Nach einer halben Stunde Fahrt stellte Tim den Motor ab. Andie hatte die Augen geschlossen gehabt und die Fahrt genossen. Noch immer war ihr das Motorradfahren nicht ganz geheuer, aber die Nähe zu Tim wog das Gefühl von fehlendem Blech um sie herum auf.
Tim bockte das Motorrad auf, nahm seinen Helm ab und stieg ab. Er legte seinen Helm auf den Boden und bevor Andie noch reagieren konnte, hatte er sich umgedreht und sich verkehrt herum wieder auf das Motorrad gesetzt, sodass er Andie gegenüber saß. Er nahm ihr den Helm ab und legte ihn zu seinem auf den Boden. Andie sah sich um und während ihr auffiel, wo sie waren, strich er ihr zärtlich eine Haarsträhne, die ihr ins Gesicht hing, hinter das Ohr.
Andie sah fasziniert in den Sonnenuntergang: "Hier waren wir nicht mehr seit…"
Tim führte den Satz zu Ende: "… unserer Hochzeit." Er legte seine Hände um ihr Becken und zog sie näher zu sich, sodass ihre Oberschenkel auf seinen lagen und sie beinahe auf seinem Schoß saß. Tims Arme ruhten auf ihren Schenkeln.
Andie legte ihre Hände um seine Hüfte und sah ihn fragend an: "Warum sind wir hier?"
"Weil ich mich bei dir entschuldigen wollte, dass ich dich heute übersehen habe. Außerdem wollte ich dich daran erinnern, dass ich dir hier vor nicht einmal zwei Jahren gesagt habe, dass ich dich über alles liebe und du die Frau bist, mit der ich eine Familie gründen will. Wenn ich so etwas einmal in meinem Leben sage, dann meine ich das auch so…"
Andie senkte den Kopf und wich seinem Blick aus: "Und was läuft da zwischen dir und Calleigh?"
Tim seufzte und neigte den Kopf, um mit Andie wieder Blickkontakt herzustellen: "Was denkst du Süße?"
"Ich weiß nicht, was ich denken soll… Seit Wochen sieht sie uns und insbesondere mich immer so eigenartig an. Als ob sie auf mich eifersüchtig wäre. Ihr tuschelt miteinander, dir fällt nicht auf, wenn ich neben dir stehe…"
Tim holte tief Luft, bevor er zu reden begann: "Ich weiß, ich hätte dir das gleich erzählen sollen, aber ich hatte ihr versprochen, ihr Geheimnis für mich zu behalten… Calleigh war in Eric verliebt oder zumindest hat sie gemeint, es zu sein. Sie hat sich mir gegenüber auf Lindas Geburtstagsfeier verraten und heute habe ich sie wieder darauf angesprochen."
Er seufzte: "Als wir darüber geredet haben, habe ich an der falschen Stelle einen Lachkrampf bekommen und sie war beleidigt. Wir haben das Missverständnis zum Glück mittlerweile geklärt. Calleigh ist neben Alexx, die aber eher wie eine Mutter für mich ist, meine beste Freundin und sie mag dich furchtbar gerne. Sie war nicht auf dich eifersüchtig, sondern auf unsere Beziehung, weil sie sich selbst nach einer Beziehung sehnt."
Er sah Andies ungläubigen Blick, sodass er weiter sprach: "Baby, ich liebe dich und ich hatte eigentlich gehofft, dass du das weißt und ich dir das oft genug sage. Du vertraust mir dein Leben an, sobald du dich auf mein Motorrad setzt, aber in unserer Beziehung vertraust du mir nicht?"
Tim deutete auf Andies Ehering: "Ich hätte dir diesen Ring nicht angesteckt, wenn ich nicht überzeugt davon wäre, dass du DIE Frau für mich bist. Du hast mir eine Tochter geschenkt, die genauso wunderschön ist wie du und hast absolut keinen Grund eifersüchtig zu sein.
Andie setzte dazu an, etwas zu sagen, doch Tim brachte sie mit einem zärtlichen Kuss zum schweigen.
Als sich ihre Lippen voneinander lösten murmelte Andie leise vor sich hin: "Ich habe einfach Angst dich zu verlieren…"
Er lächelte während er den Kopf schüttelte: "Du kannst mich nicht verlieren. Ich werde immer da sein."
Plötzlich wurde die Stille durch das Klingeln von Tims Handy unterbrochen und er versuchte rasch, es aus der Hosentasche heraus zu bekommen, wobei er beinahe seitlich vom Motorrad gefallen wäre und Andie mit ihm. Ihm schwante Schlimmes und als er sich wieder gefangen hatte und einen Blick auf das Display warf, wurde seine Vermutung bestätigt.
Er verzog das Gesicht und sah Andie an, während er den Anruf annahm: "Hey, Cal!" Zur Sicherheit hielt er das Handy ein Stück von seinem Ohr weg und Calleighs Stimme war trotzdem so laut, dass er jedes Wort verstand. Andie musste schmunzeln, als sie Calleighs Begrüßung an Tim hörte: "Was an dem Satz "Ich bin froh, dass Eric nichts davon weiß" hast du bitte nicht verstanden?!"
