Kapitel 12: Spurensuche in Miami
Calleigh hatte sich die Handtasche der Toten, die sich als die vermisste Mary Zager herausgestellt hatte, vorgenommen, während Eric die Fingerabdrücke, die sie auf der Tasche gefunden hatten, untersuchte. Die Abdrücke waren nicht im Computer gespeichert und weder auf der Tasche, noch auf der Kleidung hatten sie weitere Hinweise finden können.
Eric deutete auf das Streichholzbriefchen: "Ich denke noch immer, dass es eigenartig ist, dass sich eine verheiratete Frau in einem Motel herum treibt."
"Eric, sie kann dort genauso gut mit ihrem Mann gewesen sein. Wir sollten die Angestellten befragen, ob sie unser Opfer kennen."
"Irgendjemand sollte auch den Ehemann befragen. Wo ist eigentlich Horatio?"
Calleigh schüttelte den Kopf: "Ich habe keine Ahnung wo der ist. Der ist schon den ganzen Tag unterwegs und als ich ihn danach gefragt habe, hat er nur gemeint, er hätte eine "Mission" zu erfüllen."
"Eine Mission? Seit wann hat H Missionen?"
"Frag mich etwas Leichteres. Jedenfalls ist unser Ehemann auf dem Weg ins Präsidium. Hagen holt ihn ab."
Eric war verwirrt und grübelte noch immer darüber nach, welche Mission Horatio zu erfüllen haben könnte.
Calleigh sah ihn an: "Fahren wir jetzt ins "Ocean Breeze"? Wenn wir zurückkommen, kann uns Alexx vielleicht schon etwas sagen."
Sie nahm das Foto des Opfers und die beidenmachten sich auf den Weg.
Allison und James hatten sich angeboten, auf Maeve aufzupassen, damit die Vier gemeinsam weggehen konnten.
Als sie am Nachmittag überlegten, was sie unternehmen könnten, schlug Tim vor, Andie und Linda mal ein echtes irisches Pub zu zeigen: "Wir gehen zu Coleman´s."
Andie schüttelte lachend den Kopf: "Na toll, die Zwei dürfen offiziell noch keinen Alkohol trinken und ich darf dich dann heim tragen, wenn für dich mehr Bier überbleibt, oder wie? Ich war mit dir zwar noch nie in einem Pub, aber nach dem, was ich von Eric gehört habe… Originalzitat: ein fürchterlicher, lauter, irischer Trinker…"
Tim grinste und meinte dann mit entsetztem Blick: "Tztztz… Das stimmt ja gar nicht, ich weiß nicht, wie der auf so etwas kommt…"
Als Ben ein unterdrückter Lacher entfuhr, sah ihn Tim ernst an: "Pass auf Brüderchen, sonst nehme ich dir dein Rückflugticket weg." Als er Bens erschrockenen Gesichtsausdruck sah, begann er zu lachen.
Linda mischte sich ein: "Ich würde heute Abend gerne tanzen…"
Andie nickte: "Das ist eine gute Idee! Ich auch!"
Tim überlegte kurz: "Dann können wir danach noch in den Club 950 fahren. Ich hoffe, den gibt es noch. Früher hatten die immer einen DJ und spielten unter anderem Latino Musik…"
Andie schüttelte den Kopf: "DU fährst nach dem Pub überhaupt nirgends mehr hin…"
Tim hob eine Augenbraue und sah sie an: "Süße, ich habe mit "fahren" ein Taxi gemeint. Also Ben um genau zu sein."
"Okay, okay, überredet…"
Calleigh stand an der Rezeption und wartete, dass der Manager die Angestellten zusammentrommelte, um sich das Foto anzusehen, während sich Eric im Empfangsbereich umsah.
"Hey Cal. Hier sind überall Überwachungskameras montiert." Er deutete an die Wände.
"Hast DU Lust, dir die Bänder anzusehen? Tyler ist auf Urlaub…"
"Det. Duquesne?" Calleigh drehte sich um und sah sich mit einem Auflauf von Hotelangestellten konfrontiert. Sie lächelte den Manager an: "Mr. Mitchell."
Er errötete und deutete auf die Angestellten: "Das sind alle meine Mitarbeiter, die mit den Gästen direkten Kontakt haben."
"Okay, Ladys und Gentlemen." Sie lächelte in die Menge: "Würden Sie sich dieses Foto bitte ansehen und mir sagen, ob Sie diese Person schon einmal gesehen haben bzw. wenn ja, wann sie hier im Hotel war? Wenn möglich, würde ich noch gerne wissen, mit wem sie hier war."
Das Foto machte die Runde und eine Frau meldete sich: "Ich habe diese Frau gesehen. Sie war erst gestern Nachmittag hier."
Eric las das Namensschild, welches die Frau trug und erkannte, dass sie an der Rezeption arbeitete: "Ms. Witchet? Wissen Sie zufällig auch noch, mit wem sie hier war?"
"Mit einem Mann, aber ich habe ihn nur von weitem gesehen. Sie hat das Zimmer bar bezahlt und ging dann mit ihm hinauf."
"Okay. Welches Zimmer hatten die beiden?" An den Manager gewandt fügte er hinzu: "Und ich bräuchte bitte die Überwachungsbänder der Kameras von gestern Nachmittag."
Ms. Witchet machte sich daran, die Aufzeichnungen auf der Suche nach der Zimmernummer durchzusehen und Mr. Mitchell ging in das Hinterzimmer des Empfangs um die Bänder zu holen.
"Zimmer 342. Eingecheckt, gestern 15.47 Uhr, ausgecheckt wurde um 23.34 Uhr."
Der Manager kam wieder aus dem Nebenraum und hielt einen Stapel Überwachungsbänder in der Hand, die er Eric gab. Dieser bedankte sich und meinte dann: "Wir müssten das Zimmer auch noch untersuchen."
"Das ist kein Problem, aber es wurde heute schon saubergemacht." Er wandte sich an Ms. Witchet: "Catherine, bringst du die Detectives bitte zum Zimmer 342?"
Während sie ihr folgten, wandte sich Eric an Calleigh: "Ich liebe Hotelzimmer. Körperflüssigkeiten überall."
Calleigh grinste ihn an: "Bist du jetzt unter die Philosophen gegangen?"
"Nein, ich zitiere nur deinen Schatz."
Sie sah ihn ratlos an: "Wen?" Dann sah sie Eric grinsen und wusste, wen er meinte: "Eric!! Hör endlich auf damit! Machst du das jetzt solange, bis Andie es hört und mich killt?"
"Andie hat keine Waffe. Und du wirst doch wohl schneller sein, als sie mit ihrem Skalpell, oder?" Er dachte noch einmal drüber nach: "Aber eigentlich sollte das ganze eher unblutig ablaufen…"
Calleigh schlug Eric mit dem Handrücken auf den Bauch: "Gib es zu, du wartest nur darauf, dass hier mal jemand ein Schlammcatchen veranstaltet!"
Darüber hatte Eric bisher noch nicht nachgedacht, aber der Gedanke gefiel ihm irgendwie: "Ich weiß nicht… Andie ist meine Cousine, will ich das wirklich sehen?"
Als sie seinen skeptischen Blick sah, musste sie lachen: "Ich denke nicht, also hör jetzt endlich einmal auf!"
Zwei Stunden später waren sie wieder zurück im Labor. Bei der Untersuchung des Hotelzimmers hatten sie Blutspritzer gefunden, die auf der gemusterten Tagesdecke nicht gleich zu sehen gewesen waren. Außerdem konnten sie diverse Fingerabdrücke sichern, von denen sie sich jedoch nicht zuviel versprachen, da in Hotelzimmern bekanntermaßen immer viel zu viele Abdrücke von viel zu vielen Menschen vorhanden waren.
Horatio war mittlerweile ins Labor zurückgekehrt und hatte – nachdem er sich kurz die vorhandenen Notizen angesehen hatte - mit der Vernehmung des Ehemannes begonnen.
Der Mann wirkte schockiert, vom Tod seiner Frau zu hören, jedoch hatte Horatio nichts anderes erwartet. Er erklärte, dass er und seine Ehefrau eine glückliche Beziehung geführt und keinerlei Eheprobleme gehabt hätten. Außerdem konnte er ein Alibi vorweisen, da er bis 23.00 Uhr im Büro in einer Besprechung mit mehreren Kollegen und auch Vorgesetzten war. Und zu seinem Glück hatte er noch dazu um 23.25 Uhr ein Ticket wegen Schnellfahrens erhalten.
"Wissen Sie, wo sich Ihre Frau gestern Abend aufgehalten hat?"
"Sie wollte mit ihrer Kollegin Angela gestern noch etwas trinken gehen. Wohin die beiden wollten, kann ich leider nicht sagen." Er machte eine Pause und dachte kurz nach: "Ich dachte, dass es – wie immer, wenn die beiden weggehen - länger dauern würde und bin schlafen gegangen. Ich wurde erst heute Morgen misstrauisch, als Mary noch immer nicht da war und habe die Anzeige erstattet."
Horatio stemmte die Hände an die Hüfte: "Okay, dann müssen wir uns mit Angela Peters unterhalten. Mr. Zager, Sie können inzwischen nach Hause, aber wir werden Sie wahrscheinlich nochmals brauchen."
"Kein Problem." Er machte eine Pause, bevor er Horatio flehend ansah: "Lieutenant, bitte finden Sie den Mörder meiner Ehefrau."
Er nahm den Mann bei der Schulter und brachte ihn vor die Türe: "Ich verspreche Ihnen, wir tun unser Bestes."
Während Horatio los fuhr, um Angela Peters zu treffen, hatte Alexx Calleigh angepiept und diese war sofort in die Gerichtsmedizin geeilt.
Alexx hielt ihr ein Plastiksäckchen mit einer Kugel entgegen: "Ich habe ein Geschenk für dich."
Calleigh lächelte sie an: "Das ist aber nett von dir, Alexx! Und? Hast du noch etwas gefunden?"
Alexx nickte: "Ja, sie hatte kurz vor ihrem Tod Geschlechtsverkehr. Ziemlich wilden sogar, aber offensichtlich einvernehmlich. Sie hat leichte Einrisse auf 11, 12 und 1 Uhr, aberdas ist normal. Leider habe ich keine DNA gefunden, es war vermutlich ein Kondom im Spiel. Aber Hautfetzen unter ihren Fingernägeln habe ich gesichert, was heißt, dass der Sex entweder sehr wild war oder sie sich gewehrt hat, als sie erkannte, dass sie getötet werden sollte."
Calleigh überlegte kurz und nahm Alexx die Tüten mit den Spuren ab: "Eric wird sich freuen. Er darf sich jetzt die Überwachungsbänder alleine ansehen." Sie hielt die Tüte mit dem Projektil in die Höhe: "Ich gehe mich mit dem Schätzchen hier beschäftigen."
Alexx konnte nur lächeln als Calleigh sie verließ, um in die Ballistik zu eilen.
