Kapitel 13: Mission Impossible
Als Calleigh eine halbe Stunde später ins Videolabor kam, hing Eric mehr im Sessel als er saß und tippte gelangweilt auf der Tastatur herum.
"Und? Hast du unser Opfer schon gefunden?"
Er seufzte: "Nope…"
Calleigh warf einen Blick auf den Bildschirmrand, wo die Uhrzeit eingeblendet war. Sie sah Eric fragend an: "Eric? Hast du die Bänder von Anfang an durchgesehen?"
"Jep…"
"Und warum machst du das? Im Motel wurde uns gesagt, dass unser Opfer um 15.47 Uhr eingecheckt hat. Du bist gerade mal bei 12.00 Uhr angelangt…" Als sie Erics verdattertes Gesicht sah, musste sie lachen.
Er holte tief Luft und spulte im Schnellvorlauf vor, bis er bei 15.30 Uhr angelangt war, dann sah er wieder genauer hin.
Calleigh stand hinter ihm und tippte plötzlich auf den Bildschirm: "Da ist sie! Und der Kerl. Kannst du den näher heranzoomen?"
"Bin ich Tyler?"
"Ich weiß, dass du das auch kannst, das war nur eine Proformafrage."
Eric grinste, während er auf der Tastatur herumtippte und plötzlich das Gesicht des Begleiters in Großaufnahme und gut erkennbar am Bildschirm erschien.
"Jetzt müssten wir nur mehr wissen, wer unser Freund hier ist."
Calleigh seufzte: "Horatio hat Mr. Zager vorhin heimgehen lassen. Ich werde mir wohl oder übel das Bild schnappen und zu ihm fahren müssen. Hoffentlich erkennt er den Mann auf dem Bild."
Eric stand auf: "Ich komme mit."
Sie schüttelte den Kopf: "Das geht nicht, du musst dir die Hautfetzen, die Alexx unter den Fingernägeln der Toten gefunden hat, ansehen. Die Kugel habe ich schon untersucht, eine 9 mm, die in der Wirbelsäule stecken geblieben ist.. Aber um einen Vergleich durchführen zu können, brauchen wir erst einmal die Waffe."
"Okay, dann nimm Hagen oder Frank mit. Ich will nicht, dass du da alleine hinfährst."
"Eric, ich bin alt genug…"
Er unterbrach sie und sah sie eindringlich an: "Cal, du fährst zu einem Mann, dem du ein Foto von seiner Frau, zusammen mit einem anderen Mann in einem Motel zeigen willst. Hältst du das für klug, wenn du das alleine machst? Wer weiß, was der anstellt, wenn er das erfährt."
Sie hob abwehrend die Arme: "Okay, okay, du hast mich überredet." Sie lächelte ihn an: "Seit wann machst du dir Sorgen um mich?"
Eric verdrehte die Augen: "Immer schon. Schön, dass dir das schon mal aufgefallen ist."
Calleigh war mit Hagen zum Haus des Opfers gefahren und der Ehemann war gar nicht begeistert von dem, was er auf dem Foto sah. Er identifizierte den Mann als Joseph Taggert, einen Arbeitskollege seiner Frau. Erics Befürchtung, was die Reaktion des Mannes anging, bestätigte sich glücklicherweise nicht, vielmehr fiel er aus allen Wolken und war ein Häufchen Elend. Er gab zu, dass sie vor einem halben Jahr eine Krise gehabt hatten, er war jedoch der Meinung gewesen, dass diese mittlerweile beseitigt gewesen wäre und sie wieder eine glückliche Beziehung geführt hätten.
Horatio hatte Calleigh am Weg zum Haus des Opfers angerufen und ihr mitgeteilt, dass Angela Peters, die angeblich mit Mary Zager am Abend unterwegs gewesen war, nichts von dem Treffen mit Joseph Taggert wusste. Sie war offensichtlich das Alibi des Opfers gegenüber ihrem Ehemann gewesen, während sie sich mit Joseph Taggert zu einem Schäferstündchen getroffen hatte.
Horatio hatte Mrs. Peters im Büro angetroffen und sich bei der Gelegenheit die Namen und Adressen der engeren männlichen Mitarbeiter von Mary Zager geben lassen. Er hatte eine Vorahnung gehabt, die sich durch Calleighs Anruf nun bestätigte.
Leider konnten sie dem Mann bisher aufgrund des Überwachungsvideos nur nachweisen, dass er mit dem Opfer im Motel gewesen war, nicht jedoch, dass er mit ihrem Tod irgendetwas zu tun hatte.
Es war mittlerweile nach 20.00 Uhr und Calleigh kam sich langsam vor wie in der Telefonzentrale, denn auch Eric hatte sie zwischenzeitig angerufen. Er hatte endlich sämtliche Fingerabdrücke durch den Computer laufen lassen und die DNA aus den Hautfetzen extrahiert. Beides hatte leider zu keinem Erfolg geführt, da sie im Motelzimmer einfach zu viele unterschiedliche Abdrücke gefunden hatten und die DNA nicht im Computer gespeichert war.
Das Blut auf der Tagesdecke hatte sich als das von Mary Zager erwiesen, sodass zumindest der Tatort bekannt war. Eric war allerdings sehr verwundert darüber, wie der Täter es geschafft hatte, die Leiche vom Zimmer zu einem Fahrzeug zu schaffen, ohne dabei von jemandem gesehen zu werden. Aber das würden sie hoffentlich noch früh genug herausfinden.
Horatio hatte veranlasst, dass Joseph Taggert am nächsten Morgen gleich zum Verhör ins Department gebracht werden sollte und so machten sich die drei Mitarbeiter des CSI auf den Heimweg. Der Tag war doch noch spannend geworden.
Als sie zum Parkplatz gingen, wollten Calleigh und Eric endlich herausfinden, was es mit Horatios "Mission" auf sich hatte.
Der schüttelte nur lachend den Kopf: "Kinder, das werdet ihr noch früh genug herausfinden. Ich sage es euch jetzt sicher nicht. Außerdem war ich noch nicht erfolgreich."
"Ach komm, H, nur ein Tipp."
Calleigh schenkte Horatio ihr schönstes Lächeln: "Ja, ein kleiner Tipp würde uns schon reichen."
Doch Horatio blieb standhaft. "Nein."
