Kapitel 18: Undercover
Als Eric in Miami das Labor betrat, wartete Calleigh bereits auf ihn: "Guten Morgen! Wir müssen unseren Freund vom Überwachungsvideo befragen."
"Warum wir? Wo ist H schon wieder?"
"Auf seiner Mission. Ich frage mich ja schon langsam wirklich, was der ständig tut."
Eric schüttelte den Kopf: "Ich frage mich schön langsam, ob ich das überhaupt wissen will. Na gut, gehen wir unseren Verdächtigen verhören."
Als sie den Verhörraum betraten, hing Joseph Taggert ziemlich gelangweilt am Sessel herum.
"Guten Morgen Mr. Taggert. Ich bin Det. Duquesne und das ist Det. Delko."
Er ignorierte Eric und sah Calleigh mit einem eigenartigen Blick an, den Eric stirnrunzelnd registrierte. Der Kerl war ihm sofort unsympathisch.
"Wir würden Ihnen gerne ein paar Fragen zu Mary Zager stellen", meldete sich Calleigh zu Wort.
"Mary und ich sind Kollegen."
Eric mischte sich ein: "Das wissen wir bereits. Aber sie waren offensichtlich mehr als das." Er schob ihm die Fotos über den Tisch zu.
"Na gut, wir hatten etwas miteinander, das gebe ich ja zu. Sie sah gut aus und war gut im Bett." Joseph Taggert gab sich übermäßig cool und sah schleimig grinsend zwischen Calleigh und Eric hin und her, bevor er sich an Eric wandte: "Wollen Sie mir einreden, dass Sie mit der Süßen hier nichts haben?" Er deutete auf Calleigh: "So etwas passiert nun mal, wenn man zusammen arbeitet."
Calleigh wurde rot und wusste nicht, was sie zu soviel Frechheit sagen sollte. Es hatte ihr die Sprache verschlagen. Eric war wütend: "Mr. Taggert! Es ist durchaus nicht überall üblich, dass man mit seinen Kollegen ins Bett springt, also passen Sie auf, was Sie sagen! Sonst können wir das Verhör auch anders führen."
Taggert hob eine Augenbraue: "Wollen Sie mir etwa drohen? Oder ihrer Freundin mit dem scharfen Hintern imponieren?" Er hatte mit dem Kopf auf Calleigh gedeutet.
Eric sah ihn ernst an: "Nein, ich wollte sie nur darauf hinweisen. Und hören Sie endlich auf, Det. Duquesne zu belästigen, sonst…" Er machte eine Pause und atmete tief aus: "Also… Sie waren vorgestern mit Mary Zager im Hotel und gestern wurde sie tot aufgefunden. Was haben Sie dazu zu sagen?"
Er zuckte mit den Schultern: "Irgendwer wird sie schon umgebracht haben, was weiß ich… Als ich das Hotel verließ, hat sie noch gelebt. Mehr kann ich Ihnen nicht sagen."
"Also wenn ich viel glaube, aber das sicher nicht. Wir brauchen Ihre Fingerabdrücke, Ihre DNA und Ihre Kleidung, die sie vorgestern getragen haben."
Er grinste: "Und SIE brauchen einen Gerichtsbeschluss."
"Okay, dann machen wir das eben auf die brutale Variante. Kein Problem." Er deutete dem uniformierten Polizeibeamten, der an der Türe stand: "Bringen Sie Mr. Taggert bitte in den Arrestbereich?"
Der Polizeibeamte nickte und legte Joseph Taggert die Handschellen an. "Hey, Sie können mich hier nicht so einfach festhalten!"
"Doch, können wir. Zumindest solange, bis wir einen Gerichtsbeschluss haben."
Als Calleigh und Eric gerade den Raum verlassen wollten, fiel Calleigh auf, dass sie ihr Handy am Tisch hatte liegen lassen und sie kehrte nochmals um, wobei ihr Blick unter den Tisch fiel. Sie stutzte.
"Hey, Eric. Er hat etwas für uns dagelassen." Sie deutete auf ein Häufchen Erde, die offensichtlich von den Schuhen des Verdächtigen abgebröselt war.
Eric kroch unter den Tisch und sah sich die Erde näher an: "Erde. Da ist irgendwas drinnen… Sieht aus wie Blüten. Violette Blüten."
Calleigh war mittlerweile neben ihm: "Ich habe erst irgendwo violette Blüten gesehen…" Sie dachte verzweifelt nach: "Verdammt, wo war das bloß?"
"Beim Motel. Im Blumenbeet bei dem Weg, der neben dem Gebäude nach hinten zum Pool führt."
"Ach ja, stimmt." Sie sah Eric an: "Jetzt habe ich auch eine Vermutung, wie die Leiche aus dem Motel gekommen ist."
Der grinste: "Er hat sie durch die Terrassentüre hinausgeschafft und dann seitlich am Gebäude vorbei zum Parkplatz. Das war zwar mitten in der Nacht, aber das niemandem aufgefallen ist, dass der eine Frau durch die Botanik schleppt, wundert mich jetzt schon…"
"Vielleicht hat er sie wo eingepackt?"
"Wir haben keine Fasern auf der Kleidung gefunden, aber das heißt ja noch nichts. Wenn er im Blumenbeet war, finden wir dort vielleicht die Tatwaffe."
"Das heißt, wir fahren noch einmal zum Motel. Hoffentlich kommt Horatio bald mal wieder von seiner Mission zurück. Er kann unseren Freund dann noch einmal verhören. Ich bin nicht wild darauf, den Arsch noch einmal zu sehen." Sie sah Eric an: "Übrigens danke, dass du mich vorhin verteidigt hast."
Eric schüttelte nur den Kopf: "Nicht der Rede wert."
Die beiden hatten nicht gehört, dass sich zwischenzeitig die Türe geöffnet und auch wieder geschlossen hatte. Horatio stand neben dem Tisch und sah lediglich zwei Paar Beine hervorlugen: "Hey? Was tut ihr beiden unter dem Tisch? Seid ihr undercover oder spielt ihr verstecken?"
Als er zwei Köpfe von unten gegen die Tischplatte schlagen hörte, beugte er sich hinunter und sah nach, was unter dem Tisch los war. Er musste grinsen: "Oder störe ich und soll vielleicht besser später wieder kommen?"
Die beiden krabbelten unter dem Tisch hervor und Calleigh lächelte Horatio an, während sie sich den Hinterkopf rieb: "Du störst doch nie. Ich gehe mal meinen Koffer holen, damit wir die Erde sichern können."
Eric rieb sich ebenfalls den Kopf: "Hey H. Ich würde mich ja um den Gerichtsbeschluss kümmern, aber wer passt auf die Erde auf?"
Horatio sah ihn fragend an: "Erde?"
Eric deutete unter den Tisch: "Unser Verdächtiger hat Erde verloren. Das heißt, er ist im Blumenbeet neben dem Motel herumgetrampelt und hat dort möglicherweise die Tatwaffe vergraben. Und wir brauchen einen Gerichtsbeschluss, damit wir ihn untersuchen können. Er hat sich geweigert."
Horatio legte die Hand an die Hüfte: "Okay, dann machen wir das so: Du bleibst bei der Erde, Calleigh geht ihren Koffer holen und ich besorge den Gerichtsbeschluss."
Eric seufzte: "Na toll. Ich darf die Erde bewachen…. Seit wann bist du eigentlich von deiner "Mission" zurück?"
Horatio grinste, während er zur Türe ging: "Gerade eben erst und ich war endlich erfolgreich."
"Na das freut mich ja…" Eric setzte sich schmollend auf den Tisch und lies die Beine baumeln.
Calleigh und Eric waren nochmals zum Motel gefahren, während sich Horatio mit Frank und mittels des Beschlusses den Verdächtigen nochmals vorknöpfte.
Sie brauchten nicht lange, um die Stelle des Blumenbeets zu finden, wo erst kürzlich umgegraben worden war und genauso rasch fanden sie die Tatwaffe. Sie war zwar schmutzig, aber trotzdem konnten sie nach einer kurzen Untersuchung sehen, dass die Fingerabdrücke nicht abgewischt worden waren.
Calleigh sah Eric an: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Fingerabdrücke mit denen auf der Handtasche und mit denen von Taggert übereinstimmen. Hoffentlich hat Horatio schon alles beisammen, wenn wir zurückkommen, dann können wir ihn gleich festnageln."
"Wenn er nicht wieder auf seiner Mission ist, dann sicher."
