Kapitel 19: Die Überraschung
Horatio war nicht auf seiner Mission und hatte bereits "alles beisammen", als die beiden wieder ins Labor zurückkehrten. Außerdem hatte er die Fingerabdrücke eingescannt und mit denen auf der Handtasche verglichen. Valera hatte bereits eine Übereinstimmung mit der DNA, die Alexx bei dem Opfer gefunden hatte, festgestellt und wenn auch noch die Fingerabdrücke auf der Tatwaffe passen würden, wäre der Täter war damit überführt.
So wenig wie Horatio die letzen beiden Tage im Labor gewesen war, so hyperaktiv war er jetzt. Er hatte auch die Abholung des Wagens von Joseph Taggert veranlasst, dessen Untersuchung ebenfalls vom Gerichtsbeschluss umfasst war und im Kofferraum konnten sie eine Menge Tauchutensilien und eine dazu gehörige Tauchertasche sicherstellen. Die Tasche hatte genau die Größe um das Opfer damit zu transportieren und auf der Innenseite fanden sich Blutspuren.
Die drei hatten alle Beweise auf dem großen Layouttisch ausgebreitet und gingen sie noch einmal durch.
"Die Blutspuren auf der Tagesdecke und in der Tasche stimmen mit dem Blut des Opfers überein, das heißt, die Kleidung von Taggert brauchen wir gar nicht mehr zu untersuchen. Seine Fingerabdrücke haben wir an drei Stellen gefunden: dem Zimmer, der Handtasche und am Allerwichtigsten, auf der Tatwaffe.
Calleigh nickte: "Das Projektil stimmt mit der Tatwaffe überein und die Erde auf seinen Schuhe ist vom Fundort der Tatwaffe."
Eric strahlte: "Also haben wir ihn."
Horatio musste lachen, als er die Genugtuung in Erics Augen sah: "Ja, das tun wir."
"Na dann bringen wir ihm das mal schonend bei, oder?"
"Weißt du, dass du echt boshaft sein kannst?"
"Ja, Cal, das weiß ich. Bei bestimmten Menschen…"
Sie gingen zu dritt hinüber in den Verhörraum, in dem Taggert mittlerweile wieder saß und von einem Polizeibeamten bewacht wurde.
Horatio lächelte ihn an: "So Mr. Taggert. Wollen Sie uns jetzt erzählen, warum sie Mary Zager getötet haben?"
"Wie oft noch? Ich habe sie nicht getötet… Kapiert ihr denn gar nichts beim ersten Mal? Und ihr wollt Cops sein?"
Eric breitete mit Genugtuung den Akt vor ihm aus und zählte ihm auf, was alles bewies, dass er der Mörder war.
Joseph Taggert schluckte. Sein Blick raste zwischen den Laborgutachten und Fotos hin und her, bevor seine Fassade fiel und er in sich zusammensackte.
"Ich war ihr gut genug für wilde Bettspielchen und dann meint sie plötzlich, sie liebt ihren Mann und sie beendet unsere Beziehung. Das konnte ich mir nicht gefallen lassen. Sie hat mit mir gespielt und sich selbst zuzurechnen, was ihr passiert ist. Sie hat das verdient."
Horatio schüttelte den Kopf: "Keiner hat so etwas verdient, Mr. Taggert. Aber Sie haben verdient, was ihnen jetzt blüht."
Als sie den Verhörraum verließen, seufzte Horatio, bevor er zu grinsen begann: "Wollt ihr jetzt wissen, was meine Mission war?"
Calleigh und Eric nickten beide neugierig.
"Dann gehen wir jetzt mal in den Pausenraum."
Als sie die Türe des Pausenraums öffneten, dauerte es einen Moment, bis jemand erkannte, was die Mission war.
Es war Calleigh, die zu quietschen begann: "Ein Weihnachtsbaum! Ein richtiger Weihnachtsbaum!"
Sie lief mit strahlenden Augen auf den reichlich geschmückten Baum zu und Eric sah ihr erstaunt nach, bevor er sich mit skeptischer Miene an Horatio wandte: "DAS ist deine "Mission" gewesen?"
"Hast du eigentlich eine Ahnung, wie schwer es ist am 23. Dezember in Miami eine richtige Tanne zu bekommen?!", erwiderte Horatio leicht empört.
"Und warum hast du unbedingt eine richtige Tanne gebraucht? Wir hatten noch nie eine richtige Tanne im Pausenraum stehen und im Empfangsbereich steht der übliche Plastikchristbaum."
Horatio grinste mit einem Blick auf Calleigh, die noch immer vor dem Baum stand: "Ich wollte Calleigh eine Freude machen."
Diese hatte gehört, was Horatio gesagt hatte und sah ihn an: "Woher wusstest du, dass ich so gerne mal wieder einen richtigen Weihnachtsbaum sehen wollte?"
"Ich habe dir einfach aufmerksam zugehört." Nachdem ihn Calleigh noch immer fragend ansah, sprach er weiter: "Als wir vor drei Tagen zu dem Einsatz gefahren sind, sind wir an dem Baum im Empfangsbereich vorbei gekommen. Und du hast gemeint, dass dir diese – ich zitiere – verdammten Plastikbäume auf die Nerven gehen und du hier endlich einmal einen richtigen Christbaum haben willst."
"Und jetzt habe ich ihn." Sie fiel Horatio um den Hals: "Danke, Horatio."
Als sie ihn wieder los ließ und er Erics Blick sah, wurde er rot: "Kein Problem… Ähm, ach ja… beinahe hätte ich es vergessen: Ihr könnt morgen daheim bleiben. Sollte etwas anliegen, das nicht ohne euch beide zu erledigen ist, rufe ich euch an, aber ansonsten wünsche ich euch schon jetzt ein frohes Fest."
Als er ihre ungläubigen Blicke bemerkte, musste er lachen: "Ich meine das ernst. Macht eure Arbeit fertig und dann geht heim und kommt erst am 26. wieder."
Eric und Calleigh ließen sich das nicht zweimal sagen, wünschten ihm ebenfalls ein frohes Fest und sahen zu, dass sie wegkamen, bevor es sich Horatio anders überlegen konnte.
