Kapitel 23: Macy´s

Die drei Frauen waren seit einiger Zeit dabei die verschiedenen Abteilungen von Macy´s unsicher zu machen, als ein Kastenwagen der Aufzugsfirma Savaria Concord in die Garage des großen Kaufhauses fuhr und direkt neben einem der Aufzüge hielt. Der Beifahrer nahm mehrere Koffer von der Ladefläche, während der Fahrer den Aufzug in den Keller rief und den Notruf betätigte, um sich mit der Sicherheitszentrale des Gebäudes in Verbindung zu setzen: "Hier Robin Prescott, Savaria Concord, wir sind wegen der Wartung des Aufzugs hier. Sie müssten diese Information in ihren Aufzeichnungen finden."

Es dauerte nur wenige Sekunden, dann meldete sich die Sicherheitszentrale: "Hier Sicherheitszentrale, geht in Ordnung."

Prescott öffneteeinen der Koffer und entfernte mit Hilfe eines Schraubenziehers die Abdeckung des Bedienelements. Ein Sicherheitsbeamter, der im ersten Stock des Gebäudes in einem Raum mit mehreren Monitoren saß und das Sicherheitssystem des Kaufhauses überblickte, konnte die beiden Männer bei ihrer Arbeit im Aufzug beobachten.

"Sieh dir das an, Thomas", meinte Prescott zu seinem Kollegen und deutete auf das offene Bedienelement des Aufzugs.

Der andere Mann warf einen genaueren Blick in das Gewirr aus Kabeln und Platinen. "Diese Kabel müssen wir austauschen."

Die Verbindung zur Sicherheitszentrale war noch aktiv und Prescott wandte sich wieder an den diensthabenden Sicherheitsbeamten. "Sicherheitszentrale, wir müssen ein paar Kabeln aus dem Bedienelement ersetzen und dafür den Aufzug für etwa 5 Minuten komplett vom Netz nehmen. Das heißt, die Kameraüberwachung wird nicht funktionieren und das Sicherheitssystem den Aufzug als nicht vorhanden anzeigen."

"Okay, ihr habt genau 5 Minuten", kam die Antwort aus dem Lautsprecher und Prescott nickte Thomas zu. Dieser hantierte an einer Platine herum und wie vorausgesagt, verschwand das Bild aus dem Aufzug von einem der Monitore in der Sicherheitszentrale. Auf einem weiteren Monitor waren sämtliche Aufzüge als rote Kästchen zu sehen, von denen sich die meisten wie bei einem Computerspiel fast ständig auf und ab bewegten. Und auch dort erlosch eines der roten Kästchen. Der Sicherheitsbeamte betätigte einen Knopf auf seiner Armbanduhr und die Anzeige zählte die vom Wartungstechniker angegebenen 5 Minuten rückwärts mit.

Kaum hatte die Sicherheitszentrale die Verbindung zu diesem Aufzug verloren, eilte Thomas zum Kastenwagen und klopfte an die Seite. Im nächsten Moment öffneten sich die Türen zur Ladefläche und drei schwarz gekleidete Männer sprangen aus dem Fahrzeug. Mit diversen Koffern und Utensilien bepackt, eilten sie zum Aufzug und Thomas fuhr mit ihnen, von der Sicherheitszentrale unbemerkt, in das letzte Stockwerk des Gebäudes.

Sie hatten bewusst diesen Aufzug gewählt, da er sich in direkter Nähe zum Tresorraum befand. Während Thomas wieder nach unten fuhr, erreichten die drei Männer mit nur wenigen Schritten unbeobachtet den entsprechenden Raum und verschwanden darin. Sie wussten, dass um diese Zeit niemand in den Tresorraum kommen würde und machten sich sofort daran ihn zu öffnen. Das Sicherheitssystem des Tresors bestand aus mehreren Schlössern mit Zahlenkombinationen und zusätzlich einem digitalen Schloss.

Kaum unten angekommen schlossen Thomas und Prescott den Aufzug noch im vereinbarten Zeitraum wieder an das Sicherheitssystem an und so schöpfte die Sicherheitszentrale weiterhin keinen Verdacht. Um noch länger mit der Wartung des Aufzugs verbringen zu können, fingen die beiden an, diverse Lämpchen und Schalter zu tauschen und zu putzen. Zuletzt öffnete Prescott noch die Luke in der Decke der Aufzugskabine und kletterte hinauf, um die dicken Kabelstränge, Seilführungen und das System, das einen Absturz der Kabine im Notfall verhindern sollte, zu überprüfen.

Die Verbrecher hatten zwar das Sicherheitssystem des Aufzugs umgangen, aber die menschliche Komponente unterschätzt. Kurz nachdem die drei Männer im Tresorraum angekommen waren, betrat ein Sicherheitsbeamter den Raum der Sicherheitszentrale und sah seinem Kollegen, der dort gerade Dienst hatte, verwundert über die Schulter. "Ist das nicht der Aufzug im Bereich C?" Auf einem der Monitore waren deutlich die beiden Techniker zu sehen, die im Aufzug arbeiteten.

Der Kollege sah ihn verwirrt an "Ja, wieso?"

"Ich bin vor ein paar Minuten im 9. Stock an diesem Aufzug vorbeigekommen und er ist an mir nach oben vorbeigefahren. Das war deutlich zu hören."

"Das kann nicht sein, der Aufzug war eben für 5 Minuten komplett vom Stromnetz abgetrennt und steht da unten schon seit etwa 15 Minuten."

"Du weißt doch, dass dieser Aufzug eigenartig surrt. Das haben die bei den letzten Wartungen nicht beseitigen können."

Die Augen des Mannes, der vor den Monitoren saß, wurden groß und man konnte deutlich sehen wie es in seinem Kopf arbeitete. Doch der andere Sicherheitsbeamte war schneller: "Wenn die den Aufzug vom Sicherheitssystem getrennt hatten, dann konntest du nicht sehen, ob der Aufzug gefahren ist oder nicht. Und der liegt doch direkt neben dem Tresorraum…"

Da sie die Kombinationen kannten, hatten die drei Männer den Tresor mittlerweile geöffnet und angefangen, den Inhalt in den Koffern zu verstauen. Bargeld und einige Mappen verschwanden darin. Zuletzt steckten sie noch eine wertvolle Schmuckkollektion, die ab dem nächsten Tag im Juwelierladen des Kaufhauses ausgestellt hätte werden sollen, in den letzten leeren Koffer. Sorgfältig verschlossen die Männer den Tresor wieder und eilten zum Stiegenhaus neben dem Aufzug, um zurück in die Garage zu gelangen. Sie ahnten nicht, dass das Sicherheitsteam des Kaufhauses bereits Verdacht geschöpft hatte und zwei Sicherheitsbeamte im Stiegenhaus auf dem Weg nach oben waren. Zusätzlich befanden sich noch zwei weitere Beamte in einem in der Nähe befindlichen Aufzug auf den Weg in den obersten Stock.

Erst als sie im Stiegenhaus am fünften Stockwerk vorbeikamen, entdeckte einer der Verbrecher die Sicherheitsbeamten, die bereits zwei Stockwerke unter ihnen waren. Einer der beiden sah im gleichen Moment nach oben „Hey! Stehen bleiben!", rief er und zog seine Waffe, aber das bewirkte das Gegenteil.

„Scheiße!", rief einer der drei Verbrecher und sie machten kehrt, um wieder nach oben zu laufen. Doch im nächsten Moment öffnete sich im obersten Stockwerk die Türe und die beiden Sicherheitsbeamten eilten ins Stiegenhaus. Den Verbrechern blieb also nur mehr die Flucht in die Verkaufsebene des Kaufhauses. Als einer der Männer die Türe öffnete, die eigentlich als Notausgang in die andere Richtung gedacht war, meldete sich eine Sirene zu Wort und gab das Öffnen des Notausganges bekannt.