Kapitel 25: Schock für Tim
Der Anführer der Geiselnehmer war ungefähr 10 Minuten auf- und abgegangen, dann hatte er sich an seine Komplizen gewandt und mit ihnen im Flüsterton gesprochen. "Ich vermute, dass die Polizei nicht genau weiß, wie viele Geiseln wir haben und da die Überwachungskameras ausgeschalten sind, können sie nicht überwachen, was wir tun. Wir lassen die jetzt noch etwa eine halbe Stunde zappeln und dann melde ich mich bei ihnen, um die besprochenen Forderungen durchzugeben." Die anderen Männer nickten und wandten ihre Aufmerksamkeit wieder den Geiseln zu.
Der Anführer ließ seinen Blick über die Geiseln schweifen. Insgesamt hatten sie 10 Personen in ihrer Gewalt, davon waren zwei Männer, drei Kinder und der Rest Frauen. Es war leicht zu erkennen, dass es sich um ein Ehepaar mit Tochter und Sohn und eine Mutter mit ihrem Sohn handelte. Die Kinder waren zwischen vier und zehn Jahre alt und weinten verängstigt, während die Eltern versuchten sie zu beruhigen und zu trösten. Aber auch den Erwachsenen sah man an, dass sie Angst hatten.
Linda, Andie und Allison beobachteten die Geiselnehmer aufmerksam und Andie hatte kein gutes Gefühl, dass der Anführer sie und Linda immer wieder mit eigenartigem Blick musterte.
In Syracuse waren die Männer mittlerweile wach und hatten gefrühstückt. Ben und James waren mit Maeve im Garten und spielten mit ihr im Schnee. Tim nutzte die kurze Pause und rief Andie an, um sich zu erkundigen, ob sie gut in New York City angekommen waren.
Er hörte das Freizeichen und nachdem das Handy vier Mal geläutet hatte, wurde sein Anruf angenommen. Jedoch hörte er nicht Andies Stimme, sondern Gebrüll. Er stutzte und versuchte aus dem Stimmengewirr etwas herauszuhören. Tim verstand nur von Männern gebrüllte Wortfetzen und laute Geräusche, als ob jemand das Handy suchen würde, dann die von einem Mann gebrüllte Frage danach, wer am Handy sei und in der Folge Andie wimmern. Dann wurde der Anruf unterbrochen.
Als er nochmals Andies Nummer wählte, schaltete sich sofort die Mobilbox ein und er hörte die Ansage. Er wusste, dass es wahrscheinlich nicht viel Sinn hatte, ihr eine Nachricht zu hinterlassen, trotzdem tat er es: "Andie, was ist bei euch los? Ruf mich sofort an, ich mache mir Sorgen!" Er wählte Lindas Nummer und dann die seiner Mutter. Beide Male sprang sofort die Mobilbox an.
Tim wurde panisch und wählte die Nummer des Notrufs. Eine Frau meldete sich: "Sie haben den Notruf gewählt, wie kann ich Ihnen helfen?"
"Mein Name ist Tim Speedle, Miami Dade Police Department. Ich bin momentan in Syracuse. Ich muss unbedingt wissen, ob in New York City gerade eine Geiselnahme oder so etwas stattfindet!"
"Sir, darüber kann ich Ihnen leider keine Auskunft geben."
Tim wurde wütend: "Hören Sie Lady! Ich rufe nicht an, weil mir langweilig ist. Meine Frau, meine Mutter und meine Schwägerin sind in New York City und ich habe gerade meine Frau angerufen und im Hintergrund Stimmen gehört, bevor der Anruf abrupt unterbrochen wurde. Das hat sich wie… ich weiß nicht… wie eine Geiselnahme angehört. Meine Mutter und meine Schwägerin kann ich überhaupt nicht erreichen. Ich weiß nur, dass sie zu Macy´s wollten."
Er hörte, wie die Frau schluckte, bevor sie ihm zögerlich antwortete: "Einen Moment Sir, legen Sie nicht auf. ich muss mich bei meinem Vorgesetzten erkundigen." Sie schaltete den Anruf auf die Warteschleife und Tim hörte ein Tonband.
Er wurde immer ungeduldiger und lief im Wohnzimmer auf und ab. Nach ein paar Minuten meldete sich ein Mann: "Sir, sind Sie noch dran?"
"Ja, bin ich!"
"Sir, wie meine Kollegin schon gesagt hat: Wir dürfen keine Auskünfte über aktuelle Einsätze geben."
"Hören Sie mir mal genau zu! Meine Frau, meine Schwägerin und meine Mutter sind möglicherweise in Lebensgefahr und wenn ihnen etwas passiert, weil Sie mir keine Auskunft geben, dann reiße ich Ihnen persönlich den Arsch auf! Wenn Sie mir nicht glauben, dass ich Polizist bin, dann rufen Sie gefälligst meinen Boss an! Lieutenant Horatio Caine, CSI, Miami Dade Police."
"Einen Moment Sir!"
Tim hörte wieder das Tonband von vorhin und schlug wütend mit der Faust gegen die Wand. Minuten verstrichen und er konnte es nicht ertragen, so lange im Ungewissen zu sein, was den Verbleib der Frauen anging.
"Detective Speedle? Lieutenant Caine hat uns bestätigt, dass Sie ein Kollege sind." Er holte tief Luft bevor er weiter sprach: "Einige Männer, die eigentlich einen Tresor ausräumen wollten und vom Sicherheitspersonal in die Enge getrieben wurden, haben bei Macy´s Kunden als Geiseln genommen. Möglicherweise sind Ihre Verwandten unter den Geiseln. Ich kann Ihnen nur empfehlen, abzuwarten. Wir haben ja Ihre Nummer und werden Sie informieren, sobald wir etwas Näheres wissen."
Ohne ein weiteres Wort klappte Tim das Handy zu und unterbrach damit die Verbindung. Fassungslos ließ er die Hand sinken, während er gedankenverloren aus dem Fenster starrte. Er raufte sich die Haare und überlegte, was er tun sollte, bevor er in den Garten lief.
Sein Vater sah ihn an: "Da bist du ja endlich. Willst du dir nicht wenigstens eine Jacke anziehen, du holst dir noch den Tod!"
"Dad, Ben, wir haben ein Problem. Die Frauen sind wahrscheinlich als Geiseln genommen worden."
Ben verdrehte die Augen: "Du weißt, dass das ein blöder Scherz ist, oder?"
Tims Stimme wurde laut und er fuhr Ben an: "Sehe ich aus, als ob ich Scherze machen würde?"
Seine laute Stimme hatte Maeve, die mit ihrem Skianzug im Schnee saß, erschreckt und sie begann zu weinen.
Er nahm sie rasch auf den Arm. Während er sie küsste und ihr über die Haare strich, redete er beruhigend auf sie ein: "Schhhh… Süße, nicht weinen. Daddy ist schon wieder leise."
Maeve steckte den Daumen in den Mund und kuschelte sich schniefend an Tim.
Ben und James sahen ihn fassungslos an: "Was heißt Geiseln? Die drei sind einkaufen, wie können sie Geiseln sein?"
Tim erzählte den beiden, was er von der Polizei erfahren hatte.
Ben raufte sich die Haare: "Und was zum Teufel tun wir jetzt?"
"Ich bleibe hier sicher nicht sitzen. Wir fahren nach New York City."
