Kapitel 34: Der nächste Tag
Tim wachte am nächsten Morgen auf, als die Krankenschwester das Zimmer betrat und das Frühstück brachte.
Er sah sich verschlafen um und ihm war für kurze Zeit nicht klar, wo er war, bevor es ihm wieder einfiel. Ihm tat alles weh und die Nacht war kurz gewesen, da Andie mehrmals schreiend aufgewacht war und um sich geschlagen hatte.
Jedes Mal war er aufgesprungen und hatte versucht, Andie zu beruhigen und er war froh, wenn er sich mit ihr endlich auf den Heimweg machen konnte. Er hasste Krankenhäuser und wollte hier keine Minute länger als nötig bleiben.
Nachdem er sich angezogen hatte, setzte er sich zu Andie ans Bett. Sie lächelte ihn geschafft an und man sah ihr an, dass auch sie nicht gut geschlafen hatte.
"Wie geht es dir?"
"Danke, es geht. Ich habe schlecht geträumt."
Tim nickte: "Ich habe es bemerkt. Du hast ständig "Lassen sie meine Schwester in Ruhe" geschrieen." Er sah sie fragend an: "Wollte der Typ Linda auch…"
Andies behandelnder Arzt samt Anhang betrat in dem Moment das Zimmer zur Visite und Tim verstummte.
Er stand auf: "Ich versuche dann mal, was Frisches zum anziehen für uns beide zu kriegen."
Andie nickte: "Welches Auto haben deine Eltern hier gelassen? Das deiner Mutter?"
"Ja, warum?"
"Gut. Dann sind im Auto Jeans. Ich habe dir zwei gekauft und für mich ist auch eine im Kofferraum. Dann musst du nur noch Oberteile kaufen."
Tim grinste sie an bevor er ging: "Kluge Frau. Okay Süße, ich schau mal, was sich machen lässt."
Als Tim von seiner Shoppingtour wieder zurückkam, machte er ein missmutiges Gesicht.
Andie sah ihn an: "Warum schaust du so drein? Ich habe eine gute Nachricht, ich darf hier raus!"
"Das ist toll, dann können wir ja gleich los, oder?"
Andie nickte und versuchte, aus dem Bett zu kommen. Sie zog die Jeans an, die Tim aus dem Auto mitgebracht hatte und sah in die zweite Tüte, die laut Aufschrift aus dem Krankenhaus-Shop war.
Sie zog zwei Kapuzensweater, einen weißen und einen hellblauen, aus der Tüte und sah sie sich an.
Andie musste lachen, als sie die Aufschrift auf den Pullis las und ihr war jetzt klar, warum Tim so schlecht gelaunt war: "I love NY"
Sie schüttelte den Kopf: "Also das kann ich von mir nicht behaupten, Syracuse ist mir eindeutig sympathischer."
"Mir auch, aber die hatten in diesem blöden Shop nur Souvenirs.", brummte er vor sich hin.
Andie zog sich den kleineren, weißen, Pulli über und blickte an sich hinunter: "Sehr hübsch…" Dann sah sie Tim an, der den hellblauen Pulli angezogen hatte: "Aber du siehst noch besser aus."
Tims Gesichtsausdruck sprach Bände: "Ja ja, danke. Bringen wir es hinter uns." Er deutete auf den Rollstuhl, mit dem er Andie gemäß Krankenhausvorschrift bis zum Auto bringen musste: "Miss Daisy, ihr Chauffeur ist da."
Andie grinste, als sie sich in den Rollstuhl setzte und auch Tim musste lachen.
Während Tim sie den Gang entlang Richtung Aufzug schob sah er sich skeptisch um: "Ich komme mir in dem Pulli vor wie der letzte Volltrottel."
"Nimm es nicht so schwer. Zumindest weiß ich jetzt, dass man dir auch Kapuzensweater anziehen kann und sie dir gut stehen. Auch wenn hellblau vielleicht nicht unbedingt deine Farbe ist." Sie drehte sich um und sah zu Tim hoch: "Ein schwarzer Sweater würde dir sicher gut passen."
"Meinst du? Dann bin ich unterwegs wie Ben… Bin ich dazu nicht schon ein bisschen zu alt?"
"Du bist doch nicht alt, mein Bär", sie musste grinsen, als sie Tims skeptischen Blick sah, "du bist wie ein guter Wein, du wirst mit dem Alter immer besser."
"Na, Mrs. Speedle, wir sind heute aber wieder charmant. Das muss an den Medikamenten liegen. Kannst du die öfter nehmen?"
Andie verzog das Gesicht: "Also, DAS war jetzt ganz sicher nicht charmant. Vielleicht solltest du die Medikamente nehmen?"
Nachdem sie den – wie Tim es aufgrund des Sweaters empfand - Spießrutenlauf durch das halbe Krankenhaus bis in die Garage hinter sich gebracht hatten, konnten sie endlich nach Syracuse aufbrechen. Andie hatte Antibiotika erhalten um eine etwaige Entzündung zu bekämpfen und die Nähte waren selbstauflösend. Lediglich eine Kontrolle durch ihren Gynäkologen würde notwendig sein.
Als sie schließlich auf der Interstate waren, sprach Tim etwas an, was ihm mitten in der Nacht siedendheiß eingefallen war.
"Ich habe jetzt herausgefunden, woran du merkst, dass du schwanger bist."
Andie sah ihn fragend an: "Und das wäre?"
"Du bist eifersüchtig."
Nachdem er Andies skeptischen Blick sah, sprach er weiter: "Du bist sonst nie eifersüchtig, nur wenn du schwanger bist. Jetzt die Sache mit Calleigh und kannst du dich nicht mehr erinnern, wie du mir die Hölle heiß gemacht hast, als du mit Maeve schwanger warst?" Er musste grinsen, als er sich daran zurückerinnerte.
Auch Andie dachte darüber nach und überlegte, was Tim meinte. Sie sah ihn an: "Du meinst Paaam?" Sie zog den Namen extra in die Länge.
"Jep, genau DIE meine ich."
