Kapitel 35: Erinnerung an Pam
Andie verdrehte die Augen, als sie sich an den Vorfall zurückerinnerte.
Rückblick:
Sie war damals im achten Monat schwanger gewesen und während Tim eines Abends unter der Dusche gestanden hatte, hatte sein Handy geläutet. Tim hatte aus der Dusche hinaus gerufen, dass sie den Anruf annehmen sollte und als sie auf das Display sah, sah sie den Namen "Pam" aufleuchten.
"Speedle?"
Am anderen Ende der Leitung herrschte kurz Funkstille, bevor die Frage kam: "Speed?"
"Nein, ich bin seine Frau. Er ist gerade…", Andie hatte kurz überlegt, "beschäftigt."
Die Anruferin sprach jetzt in einem belustigten Tonfall: "Seine Frau? Seit wann hat er ein Weibchen?"
Auch Andie wurde jetzt schnippisch: " Entschuldigung, tut mir wirklich leid. Kann dir das Weibchen vielleicht irgendwie helfen?"
"Nein, kann es nicht. Ich wollte ihn eigentlich nur fragen, ob er mal Zeit hat um sich mit mir zu treffen."
Es reichte Andie und sie fauchte ins Telefon: "Das glaube ich fast nicht, er ist nämlich demnächst sicher mit Windelwechseln ausgelastet!"
"Naja, er soll mich anrufen, wenn er eine Auszeit vom trauten Familienleben braucht."
Nach dieser süffisanten Meldung hatte die Anruferin einfach aufgelegt und Andie hatte mit dem Handy in der Hand und offenem Mund im Schlafzimmer herumgestanden. In ihrem Magen rumorte es vor Wut.
Tim war gerade aus der Dusche gekommen und hatte ein Handtuch um die Hüfte gewickelt. Er trocknete sich die Haare ab: "Wer wollte was?"
Andie hatte sich zu ihm umgedreht, eine Braue hochgezogen und ihn ernst angesehen: "Wer ist Pam?"
"Pam?" Tim hatte kurz überlegt und kniff die Augen zusammen. bevor es ihm einfiel: "Ah Pam… Ich hatte mal was mit ihr, nichts Ernstes. Wieso?"
"Weil sie gerade angerufen hat! Und du hast ihre Nummer im Handy gespeichert! Sonst wüsste ich nicht einmal, dass diese blöde Kuh Pam heißt, denn gemeldet hat sie sich nicht!"
Tim lies das Handtuch, mit dem er die Haare getrocknet hatte, sinken: "Was wollte sie denn?"
Andie wurde wütend: "Bin ich vielleicht dein Anrufbeantworter!? Wenn du eine Auszeit vom trauten Familienleben brauchst, dann sollst du sie anrufen. DAS wollte sie!"
Tim wollte Andie in den Arm nehmen: "Hey Süße, ich kann doch nichts dafür! Ich brauche keine Auszeit, mir gefällt unser Familienleben."
Andie entwand sich ihm und funkelte ihn böse an: "Und warum hast du ihre Nummer noch immer im Handy gespeichert? Wir sind fast ein Jahr verheiratet! Willst du dir ein paar Optionen offen halten?"
"Wo ist das Problem, wenn ich die Nummer gespeichert habe?" Jetzt wurde auch Tim langsam wütend, denn er verstand nicht, was so schlimm daran war, dass er die Nummer im Handy hatte, solange er nicht anrufen würde. "Denkst du, ich bin die Kontakte durchgegangen, als ich dich kennen gelernt habe – fickbar, also löschen – nicht fickbar, nicht löschen, oder wie?"
Andie sah ihn perplex an.
"Solange ich sie nicht anrufe ist doch alles in Ordnung, oder?"
Andie wollte etwas dazu sagen, aber Tim lies sie nicht zu Wort kommen und redete weiter: "Verdammt noch mal, ich bin mehr als zufrieden mit unserem Sexualleben, also warum sollte ich sie anrufen? Wenn sie unbefriedigt ist und nach fast drei Jahren meint, sie hätte Lust auf eine schnelle Nummer, kann ich nichts dafür!"
Er schnappte sich das Handy, das Andie noch immer in der Hand hielt und drückte ein paar Tasten, bevor er es ihr vor die Nase hielt: "Ich lösche die Nummer jetzt, zufrieden?"
Andies Wut verflog, als sie Tim verzweifeltes Gesicht sah. Sie sah ihn an und kleinlaut antwortete sie ihm: "Ja, ich denke schon…"
Tim schnaufte und sah sie an: "Warum bist du plötzlich so eifersüchtig, du weißt doch, dass ich dich liebe." Er begann zu grinsen: "Und du kannst doch echt nicht behaupten, dass wir keinen Spaß im Bett hätten und ich fremdgehen müsste, oder?"
Andie verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf.
"Na eben."
"Trotzdem ist das eine präpotente, blöde Kuh. Die Frechheit muss man mal haben."
Tim nahm Andie in den Arm: "Darum habe ich ja dich geheiratet, Butterfly... Eric war damals übrigens auch nicht begeistert von ihr."
Sie küssten sich zärtlich. Als sich ihre Lippen schließlich von einander gelöst hatten, sah Tim Andie in die Augen und grinste sie an, während er sie enger an sich zog: "Mein Handtuch ist gerade runtergerutscht."
Andie sah zu ihm auf und hielt ebenfalls grinsend den Blickkontakt: "Ich spüre es."
"Musstest du mich an die Kuh erinnern?"
Er grinste, als er sah, dass sie sich noch immer über Pams Frechheit aufregte: "Ja… Aber sie hat sich nie wieder gemeldet. Mein Weibchen hat sie offenbar verschreckt."
"Dein Weibchen wird sich gleich gar nicht wie ein Weibchen benehmen!" Sie hob drohend die Hand.
"Hey, Miss Daisy, drohen sie nicht dem Chauffeur! Sonst bist du ein auf der Interstate ausgesetztes Weibchen…"
Andie schmollte: "Das würdest du wirklich tun?"
Tim nickte nur, bevor er zu grinsen anfing. Die Stille wurde durch das Klingeln von Tims Handy unterbrochen. Er blickte aufs Display, kannte aber die Nummer nicht: "Speedle? …Oh, hallo… Ja, die sitzt neben mir, Moment…" Er reichte Andie das Handy: "CSI für dich…"
Andie griff nach dem Handy und das Herz rutschte ihr in die Hose, nachdem sie die Sache mit dem Aidstest versucht hatte, zu verdrängen und jetzt abrupt daran erinnert wurde. Sie schluckte und atmete tief durch, bevor sie sich meldete: "Andie Speedle?"
"Stella Bonasera, CSI. Wie geht es Ihnen?"
"Danke, es geht. Zumindest besser als gestern. Gibt es Neuigkeiten?"
"Ja, sehr gute sogar. Der Test war negativ, aber Sie müssen sich trotzdem sicherheitshalber in ein paar Wochen noch testen lassen. Außerdem hat er gestanden. Es gab einfach zu viele Zeugen und der Abstrich war eindeutig. Er hat also eine Anklage wegen Vergewaltigung und Körperverletzung am Hals, aus der er nicht wieder rauskommen wird."
Andie atmete erleichtert aus und Tim sah sie fragend von der Seite an. Als sie seinen Blick sah, lächelte sie ihn an, bevor sie wieder mit Stella sprach: "Also brauche ich nicht vor Gericht aussagen?"
"Nein, die Sache ist für Sie erledigt…" Stella fiel auf, was sie gerade gesagt hatte und sie korrigierte sich rasch: "Also zumindest in dieser Hinsicht…"
"Jedenfalls danke für den Anruf, ich bin sehr erleichtert."
"Kein Problem. Ich freue mich, dass ich Ihnen wenigstens ein bisschen helfen konnte." Andie hörte an Stellas Stimme, dass sie lächelte: "Ich wünsche Ihnen alles Gute und ich hoffe, wir sehen uns so schnell nicht wieder."
"Das hoffe ich auch. Danke, nochmals. Bye."
Andie klappte das Handy zu und sah Tim an: "Kein Aids, kein Prozess für mich."
Tim atmete tief aus: "Gott sei Dank. Wenigstens zwei Sorgen weniger."
