Kapitel 37: Männlein und Weiblein
Tim und Andie mussten erst am 2. Jänner wieder arbeiten, sodass sie die letzten freien Tage und die Wärme genossen hatten. Die meiste Zeit saßen sie auf der Terrasse in der Sonne und versuchten, die New Yorker Kälte zu vertreiben.
Andie lies sich die Sonne ins Gesicht scheinen: "Komisch, wie schnell man sich daran gewöhnt, dass es immer warm ist…" Tim und Ben spielten in der Wiese mit Maeve Ball und kamen so gehörig ins Schwitzen. Tim nickte: "Jetzt können wir die warmen Klamotten wieder für ein paar Jahre in den Keller werfen."
Andie stand seufzend auf: "Ich gehe jetzt mal kochen, sonst wird das heute nichts mehr…" Linda stand bereits in der Küche und bereitete Tiramisu für die Silvesterfeier bei Alexx vor, die am Abend stattfinden sollte und Andie hatte noch die Schokotorte, die sich – zumindest offiziell - alle bestellt hatten und die "Winner Snitzel" samt Kartoffelsalat zu machen.
Tim schnaufte, als er hinter dem Ball herhechelte: "Wir sind ausgelastet, mach dir keine Sorgen…"
Maeve konnte zwar nicht stark schießen, weil sie gerade erst damit begann, mit Bens Hilfe zu stehen und die meiste Zeit umplumpste, jedoch verschoss sie den Ball wenn sie ihn traf meistens in irgendeine Richtung und Tim musste schauen, dass er ihn erwischte. Wenn dann noch Ben als Unterstützung auftrat, landete der Ball meistens in den Gärten der Nachbarn und Tim war froh, dass sowohl die Procters, die auf der linken Seite wohnten, als auch die Familie Rodriguez auf der rechten Seite, die beide selbst Kinder hatten, daheim waren und der Ball immer wieder retour geflogen kam.
Tim lief hinter dem Ball nach und Andie konnte gerade noch "Pass…" sagen, als Tim sich auch schon in den in der Wiese liegenden Gartenschlauch verwickelte, stolperte und der Länge nach hinfiel.
Andie und Ben begannen zu lachen und auch Maeve lachte mit.
"Pass auf, wollte ich eigentlich sagen… Aber du könntest den Gartenschlauch eigentlich auch endlich einmal wegräumen… Seit wann bist du eigentlich so tollpatschig?" Als Andie Tims grimmigen Blick sah, drehte sie sich rasch um und wollte durch die Terrassentüre in die Küche flüchten.
Linda stand in der Türe und wollte sehen, was so lustig sei: "Was hat er jetzt…" Weiter kam sie nicht, dann prallte Andie gegen sie: "Autsch!"
Tim lag noch immer am Rasen: "Das geschieht euch beiden recht. Immer über andere lustig machen…"
Linda rieb sich mit einer Hand die Stirn, in der anderen hielt sie eine Schüssel: "Eigentlich wollte ich gerade fragen, ob ihr die Reste von der Mascarpone-Creme haben wollt… Aber jetzt essen wir sie selbst…" Sie deutete Andie mitzukommen und schloss rasch die Terrassentüre und schob den Riegel vor.
"Wetten, dass die beiden jetzt gleich an der Türe kratzen?"
"Warum soll ich wetten, wenn ich genau weiß, dass es so ist…" Andie drehte sich um und begann schallend zu lachen, als sie Tim und Ben vor der Terrassentüre stehen und betteln sah.
"Denkst du, sie kommen von selbst drauf, dass die Terrassentüre im Wohnzimmer offen ist?"
Linda überlegte kurz, dann gab sie ein belustigtes Geräusch von sich: "Die zwei? Ich glaube eher nicht. Die sehen nur etwas zu essen und das Gehirn setzt aus…"
Andie stand vor der Türe und sah hinaus und deutete vor ihrem Bauch, sodass Linda es nicht sehen konnte, nach rechts. Tim sah sie mit einem Blick an, bei dem man die Fragezeichen in seinen Augen sehen konnte. Andie formte mit ihren Lippen lautlos die Worte "Türe" und "offen". Tim sah sie noch verwirrter an und auch Ben verstand nicht, worauf Andie hinaus wollte.
"Andie, vergiss es… mach einfach die Türe auf."
Andie seufzte und lies die Männer hinein. Im selben Moment kam Maeve durch die fixierte Küchentüre aus dem Wohnzimmer in die Küche gekrabbelt. Linda begann zu lachen und hob Maeve hoch: "Na wenigstens eine, die kapiert hat, dass die andere Terrassentüre die ganze Zeit offen ist. In diesem Haushalt merkt man wirklich den Unterschied zwischen Männlein und Weiblein."
Tim und Ben verdrehten die Augen.
Linda hielt den beiden jetzt grinsend die Schüssel hin: "Ein Leckerli für Timmy und Benny?"
Ben verdrehte ob der Bezeichnung "Benny" die Augen und wartete dann gespannt auf Tims Reaktion.
Tim funkelte Linda gespielt böse an: "Hey, Beste! Nur Alexx darf Timmy zu mir sagen… Naja, vielleicht noch meine Mutter, aber das war es dann auch schon… Du jedenfalls nicht. Für dich bin ich Tim, Speed oder Schwagerherz. Im Notfall noch Timothy oder Mr. Speedle, aber sicher nicht Timmy."
Linda grinste ihn an: "Okay, ist ja schon gut…" Sie wollte ihm zur Beruhigung über die Wange streicheln: "Beiß mich nicht, bärtiges Monster…"
Jetzt mischte sich lachend Andie ein und schlug Linda leicht auf die Finger: "Hey, das ist MEIN bärtiges Monster. Finger weg, du hast dein eigenes…" Sie hatte inzwischen den Pudding für die Füllung der Torte am Herd hingestellt und wartete, dass die Masse zu kochen anfangen würde, als sie sah, dass Tim am Knie blutete.
Sie deutete auf die Wunde und sah dann Tim fragend an: "Was ist da los?"
Der sah an sich herunter und wurde blass: "Schwere Verletzung nach schwerem Sturz…"
Andie begann zu grinsen: "Ich hol dir ein Pflaster, ich weiß ja, dass du kein Blut an lebenden Menschen sehen kannst…" Sie spielte damit auf Tims "Reaktion" bei Maeves Geburt an.
Tim verdrehte die Augen: "Ich brauche kein Pflaster…" Aber Andie war bereits am Weg ins Badezimmer.
Als sie wieder in die Küche zurückkam, war Tim alleine in der Küche und stand vor dem Herd wo er gerade den Pudding umrührte, der zu kochen begonnen hatte.
"Danke, fürs umrü…" Andie stutzte, als sie sah, dass Tim gerade seinen rechten Zeigefinger in den Topf steckte, um zu kosten. Sie brauchte aber gar nicht zu schimpfen, denn die gerechte Strafe hatte Tim gerade bekommen
Er hatte den Finger im Mund und hüpfte in der Küche auf und ab, wobei ihm Maeve lachend zusah: "Auaauaaua… heiß, heiß, heiß…"
Andie konnte nur den Kopf schütteln: "Ach wirklich, Mr. CSI… ganz was Neues…"
Nachdem Tim sie mit schmerzverzerrtem Gesicht ansah, nahm sie seine Hand und hielt den Finger unters eiskalte Wasser.
Tim wollte die Hand wegziehen, was ihm aber nicht gelang, da Andie seinen Arm festhielt und in die andere Richtung zerrte: "Ahhhh, das ist kalt!"
"Tim, ich weiß, das ist der Sinn der Sache… Stell dich nicht so an."
Andie zog den Topf mit dem Pudding vom Herd, nahm Maeve hoch und zog Tim an seiner gesunden Hand hinter sich her Richtung Badezimmer um ihn zu verarzten.
Als die Speedles ein paar Stunden später bei Alexx eintrafen, waren Horatio und Eric mit Kelly bereits da. Ben und Linda begrüßten Kelly und Eric und gingen dann hinüber zu Horatio um sich mit ihm zu unterhalten.
Andie freute sich darauf, Kelly endlich kennen zu lernen. Sie musterte die großgewachsene, dunkelhaarige Frau unauffällig und es verschlug ihr kurz die Sprache. Sie wusste, dass Eric bei Frauen gewisse Maßstäbe an den Tag legte und hatte sich schon geistig darauf eingestellt, auf eine hübsche Frau zu treffen, aber Kelly übertraf ihre Erwartungen. Im Gegensatz zu Erics sonstigen Freundinnen, die meist zwar eine hübscher als die andere aber auch dementsprechend oberflächlich oder einfältig waren, schien Kelly auch noch nett und – nach dem was Eric ihr bisher erzählt hatte - klug zu sein. Und Eric schien es wirklich erwischt zu haben, denn er strahlte von einem Ohr zum anderen.
Eric umarmte Andie und hob sie wie üblich ein Stückchen hoch. Während er sie hielt, flüsterte er ihr ins Ohr: "Und? Was sagst du?"
Andie umarmte ihn ebenfalls und flüsterte zurück: "Du hast dich selbst übertroffen…" Dann sprach sie lauter: "Lässt du mich jetzt bitte wieder runter? Ich hab zwei gesunde Beine, ich kann selbst stehen…"
Eric stellte Andie wieder ab und Andie musste schmunzeln, als sie sah, dass Tim – der vorhin bei Horatio gewesen war – jetzt Kelly begrüßte. Er schüttelte ihr die Hand und wusste nicht wo er zuerst hinschauen sollte. Als er bemerkte, dass er jetzt auch Andies und Erics Aufmerksamkeit hatte, bekam er ein schlechtes Gewissen und begann zu stottern: "Hi, ich bin Speed… ähm, Tim… Tim Speedle. Freut mich, dich kennen zu lernen…"
Kelly grinste: "Freut mich auch. Ich habe schon Einiges von dir gehört…"
Tim wurde rot und sah zwischen Eric und Kelly hin und her: "Was? Wieso? Was hat er dir erzählt?"
"Du wirst doch kein schlechtes Gewissen haben, oder? Hast du dir was vorzuwerfen?", grinste Eric.
Tim sah Eric an und verdrehte die Augen: "Nicht, dass ich wüsste, aber ich weiß ja nicht, was du herumerzählst…"
Kelly hatte sich mittlerweile Andie genauer angesehen und sah sie jetzt erschrocken an. Andie fiel jetzt wieder ein, dass ihr halbes Gesicht blau und grün war. Sie hatte zwar versucht, die Blutergüsse rund um ihr Auge mit Make Up abzudecken und hatte Lippenstift aufgelegt um den Riss in ihrer Lippe zu tarnen, hatte aber nur einen Teilerfolg verbuchen können.
Bereits beim Heimflug hatten sie ein paar misstrauisch-erschrockene Blicke, die zuerst auf ihr Auge, dann auf ihre Lippe und zuletzt auf Tim gefallen waren, geerntet, sodass sie Kelly rasch angrinste: "Das war nicht er…", meinte sie auf Tim deutend, der neben ihr stand und den Arm um sie gelegt hatte, "ich war in New York in eine Geiselnahme verwickelt."
Kelly nickte: "Ja, Eric hat mir davon erzählt. Aber ich wusste nicht, dass du verletzt wurdest. Tut mir wirklich leid…"
Eric zuckte mit den Schultern und sah dann Tim an: "Das wusste ich auch nicht… Horatio hat nichts davon gesagt."
"Ist ja egal. Wir haben es alle überlebt, das ist das Wichtigste."
Eric hatte inzwischen Maeve von Linda geholt und knuddelte sie ab: "Kelly? Darf ich vorstellen, das ist meine Zweitfrau Maeve. Maeve Erica Speedle." Er grinste mit Maeve, die Kelly anstrahlte, um die Wette. Kelly strich Maeve über die Backe: "Na du bist ja süß, so was wie dich hätte ich auch gerne einmal."
Eric verdrehte die Augen: "Alles mit der Ruhe, nur nicht hetzen…"
"Ich hetze dich doch nicht. Du musst dich sowieso erst mal bewähren. Dein schlechter Ruf eilt dir voraus…"
Tim warf Eric einen skeptischen Blick zu: "Ach… Und mich fragst du, ob ich mir was vorzuwerfen habe?"
Dies brachte ihm eine Reaktion von Andie ein, die ihren Arm um Tims Taille gelegt hatte, nämlich die, dass sie ihn mit dem Finger unauffällig in die Rippen pickste.
Er sah sie erschrocken an: "Autsch… Womit habe ich das jetzt wieder verdient?"
Andie sah ihn kurz schweigend an und grinste dann: "Such dir was aus…"
Kelly begann zu lachen: "Ich freue mich jedenfalls wirklich, euch endlich kennen zu lernen. Ich muss zugeben, dass ich Eric bereits unterstellt habe, mehrgleisig zu fahren… Er hat immer wieder von Andie geredet… Andie kann so gut kochen, Andie kann dies, Andie macht das… Und dann wollte er mir auch noch einreden, dass Andie seine Cousine ist…"
Andie wurde rot, was das ganze Make Up nicht verdecken konnte: "Aber ich bin wirklich seine Cousine…"
Tim mischte sich ein: "Und sie ist MEINE Süße. Aber gut kochen kann sie, das stimmt!"
"Ist ja schon gut… Meine Kleine, deine Süße, okay. Sind wir uns dann einig?" Erics Blick fiel auf Tims Hände und er registrierte die geschwollenen Fingerknöchel und das Pflaster an Tims Finger: "Was hast du eigentlich mit deinen Händen angestellt?"
Tim sah ebenfalls auf seine Hände und überlegte kurz, was er sagen sollte: "Es gab einen kleinen Zwischenfall…"
Eric grinste schelmisch: "Ach… Hast du deine Pfoten wo hingesteckt, wo du sie nicht haben solltest?" Er sah Andie an, die die Augen verdrehte.
Tim funkelte Eric böse an: "Volldepp… Ich bin ja nicht du…"
Kelly und Andie sahen sich verständnisvoll an und Kelly huschte um Eric herum zu Andie hinüber: "Sind die immer so, wenn die beisammen sind?"
"Sag nicht Volldepp zu mir, du Sack!"
"Die meiste Zeit leider schon…"
"Ich sag Volldepp zu dir, weil du einer bist. Kannst du nie deine blöde Klappe halten?"
"Ich dachte, sie wären beste Freunde?"
"Warum sollte ich? Verstehst du keinen Spaß? Ach, was frag ich eigentlich…"
Andie und Kelly sahen zwischen Tim und Eric hin und her: "Sind sie auch, aber die beiden haben eine Hassliebe… Das ist nicht ernst zu nehmen…"
"Spaß?! Na du bist ein Entertainer… Frage ich dich so etwas vor deiner Freundin?"
"Also sollte ich mich daran gewöhnen?"
"Du weißt genau, dass die Kleine weiß, wie ich das meine…"
"Ja, die beiden brauchen das… Ich höre das schon gar nicht mehr…"
Während Tim und Eric noch herumdiskutierten und gestikulierten, kam Alexx auf das Grüppchen zu. Sie registrierte die beiden Streithähne kopfschüttelnd aber grinsend und umarmte dann Andie. Als sie sie los lies und ansah, schüttelte sie abermals den Kopf: "Süße, du spielst ja alle Farben. Geht's dir gut?"
"Danke, es geht." Alexx´ Kinder Bryan und Janie hatten sich Maeve geschnappt, die Eric kurz auf den Boden gestellt hatte um zu testen, wie gut sie mit Unterstützung schon gehen kann, und waren mit ihr Richtung Kinderzimmer unterwegs: "Andie, wir nehmen Maeve mit, okay?"
Andie nickte: "Ja, okay." Alexx sah ihnen nach: "Aufpassen, die ist noch ein bisschen kleiner als ihr."
Janie, die Maeve an den Händen hielt und ihr so half zu gehen, verdrehte die Augen: "Jaaaaa! Mom, mach dir keine Sorgen..."
Tim grummelte vor sich hin: "Fragt mich auch jemand? Ich bin ja nur der Vater…"
Janie verdrehte die Augen noch mehr: "TIM, wir nehmen Maeve mit, OKAY? Jetzt zufrieden?"
Andie musste lachen: "Das ist praktisch. Bei deinen Kindern braucht man keine Babysitter mehr."
Alexx sah Tim an, der den Kindern skeptisch nachsah: "Hey, schau nicht so skeptisch… Meine Kinder passen schon gut auf deine Tochter auf. Ich habe dir meine Kinder schließlich auch schon mal anvertraut und du hast sie nicht kaputt gemacht, wie ich befürchtet habe."
Andie sah verwundert zwischen Alexx und Tim hin und her: "Was? Tim hat auf deine Kinder aufgepasst? Wann?"
"Timmy, wann war das? Vor fünf Jahren ungefähr, oder?"
"Ja, kommt hin… Sie waren damals nicht wirklich pflegeleicht und den Rest habe ich verdrängt…"
"Ach komm, du hast das schon gut gemacht. Du bist ein richtiger Kindermagnet, wenn sie dich erst mal kennen und wissen, dass du nicht so grummelig bist, wie du immer dreinschaust."
Andie nickte zustimmend: "Stimmt, Ella ist auch ganz vernarrt in dich."
Es hatte inzwischen an der Türe geläutet und Alexx Ehemann Henry hatte Calleigh und Hagen hereingelassen. Calleigh stürmte sofort auf Andie zu und umarmte sie: "Bist du okay? Ich habe mir solche Sorgen gemacht…"
Andie nickte und freute sich, dass das Gefühl, dass sie und Calleigh Freundinnen sind, wieder da war, während Tim lächelnd daneben stand. Er hatte registriert, dass Calleigh gemeinsam mit Hagen gekommen war und vermutete, dass das kein Zufall war. Nach den letzten Ereignissen wunderte es ihn nicht, dass Calleigh ihm nichts davon gesagt hatte und er wollte es ihr überlassen, das Thema anzusprechen.
"Wollt ihr euch nicht alle hinsetzen, das ist ja keine Stehparty." Alexx deutete auf die große Couch.
Mittlerweile waren auch Yelina und Ray jr. sowie Frank da und das Haus wurde immer voller, was Alexx gefiel. Je voller, desto lieber war ihr Motto und sie genoss es, alle um sich gescharrt zu haben.
