Kapitel 38: Silvester
Andie half Alexx gerade dabei, das Essen aus der Küche zu holen und auf dem großen Tisch, der als Buffet herhalten musste, anzurichten und lief zwischen Küche und Wohnzimmer hin und her, als Alexx sie in der Küche aufhielt: "Hey, Schätzchen, bleib mal kurz hier." Sie sah sie besorgt an: "Ist wirklich alles in Ordnung mit dir?"
"Ja, alles in Ordnung…" Andie hatte zu rasch genickt und Alexx war sowieso schon den ganzen Abend misstrauisch.
"Ich sehe zwar, dass du lachst, aber deine Augen lachen nicht mit. Irgendwas stimmt doch nicht…"
"Alexx, es ist nichts."
Alexx sah sie mit gerunzelter Stirn an: "Wer hat dich eigentlich geschlagen? Linda ist nicht verletzt, warum du? Timmy ist auch so zurückhaltend und denkt offensichtlich die ganze Zeit über irgendetwas nach."
Andie wusste, dass Alexx nicht locker lassen würde und seufzte: "Ich war schwanger und habe durch die Aufregung während der Geiselnahme das Baby verloren…"
Als Alexx sah, dass Andie die Tränen in die Augen stiegen, umarmte sie sie rasch: "Ach Süße… Das tut mir so leid…"
Andie sah von Alexx´ Schulter hoch: "Alexx, ich möchte nicht, dass jemand davon weiß."
Alexx seufzte, während sie Andie tröstend über den Rücken streichelte: "Kein Problem, Schätzchen… Dein Geheimnis ist gut bei mir aufgehoben, das weißt du doch, oder?"
Andie nickte und als sie sich wieder ein bisschen gefangen hatte, gingen sie zurück zu den anderen.
Als es schließlich Mitternacht wurde, wurde der Sekt geöffnet und gemeinsam zählten sie den Countdown auf Null. Maeve schlief mittlerweile im Schlafzimmer der Woods und sie hatten sich im Garten versammelt um das Feuerwerk anzuschauen und miteinander auf das neue Jahr anzustoßen.
Nachdem es ein bisschen ruhiger geworden war, stand Tim hinter Andie, die an ihm lehnte und in den Sternenhimmel sah, und hielt sie umarmt. Tim seufzte: "Ich hoffe, dass das nächste Jahr besser wird, als das letzte aufgehört hat."
Andie drehte sich zu Tim um und hielt ihr Glas hoch: "Darauf, dass uns endlich mal ein Jahr lang nichts schlimmes passiert." Tim nickte als er mit Andie anstieß: "Und darauf, dass Maeve ein Geschwisterchen bekommt."
Diesmal seufzte Andie, denn ihr war im Moment nach allem außer nach Sex zumute und daher würde sich die Sache mit dem Geschwisterchen ein bisschen schwierig gestalten.
"Und nächstes Jahr feiern wir Weihnachten überall nur nicht in New York. Wir könnten deine Eltern in Wien besuchen, wenn du möchtest."
Andie nickte: "Mir fehlt meine Familie, ich hätte sie gerne in der Nähe. Und ich fände es schön, wenn deine Eltern nach Miami ziehen würden."
"Du kannst wirklich nicht abstreiten, dass du ein Familienmensch bist, oder? Am liebsten hättest du die ganze Familie schön überschaubar auf einem Fleck…"
Andie verdrehte die Augen: "Du bist genauso ein Familienmensch, du tust nur immer so unnahbar…"
Linda kam auf sie zu und legte ihren Arm um Tims Hüfte. Sie sah fragend zu ihm hoch: "Kommst du dann? Sonst ist sein Geburtstag wieder vorbei."
"Bin schon unterwegs." Tim sah Andie fragend an: "Kommst du auch mit?"
Andie grinste und schüttelte den Kopf: "Ich zwei macht das schon. Ich sehe mir das als Unbeteiligte an. Aber ich gehe mit euch hinein."
Ein paar Minuten später kamen Linda und Tim aus der Küche. Im Wohnzimmer hatte Alexx gerade das Licht abgedreht und die Gäste, die nicht Bescheid wussten, sahen sich fragend um. Ben hatte eine Vorahnung und wurde rot, als Linda die mit Kerzen bestückte Schokotorte in seine Richtung trug und die Gäste "Happy Birthday" zu singen begannen.
Als Ben die Kerzen ausgeblasen hatte, war Tim nach Linda der erste, der ihm gratulierte. Tim umarmte Ben: "Ich wünsche dir alles Gute zu deinem 20sten, Bruderherz."
Er hielt ihm ein größeres Kuvert hin und Ben verdrehte die Augen: "Wir haben doch ausgemacht, dass wir uns nichts schenken, oder?"
"Halt einfach die Klappe und mach es auf, bevor ich es mir anders überlege…"
Ben öffnete das Kuvert und zog den Inhalt heraus. Ungläubig sah er Tim an: "Ich darf wirklich?"
Tim nickte und fügte dann leise hinzu: "Aber ich fahre mit dem Wagen hinterher."
Die anderen Gäste waren neugierig geworden und forderten Ben lautstark auf, sein Geschenk herzuzeigen. Auch Andie wusste nicht, was Tim Ben schenken wollte.
Ben hielt ein Foto in die Höhe. Als die Gäste gelesen hatten, was auf den Bild stand, brach Gelächter aus.
Alexx sah Tim ungläubig an: "Na das muss dich ja Überwindung gekostet haben…"
Tim seufzte und sah dann Ben an: "Ich will dir damit zeigen, wie viel du mir als Bruder wert bist und, dass ich dir vertraue." Die beiden umarmten sich und Andie stiegen die Tränen in die Augen. Sie freute sich, dass Ben und Tim offensichtlich die Vergangenheit ruhen ließen und sich wie Brüder benahmen. Aber sie war nicht die Einzige, denn neben ihr räusperten sich Calleigh und Alexx und Andie bemerkte, dass auch sie feuchte Augen hatten.
Linda, die bis jetzt neben Ben gestanden war und deshalb nicht gesehen hatte, worum es eigentlich ging, nahm ihm das Bild aus der Hand und sah es sich an. Es war ein Foto von Tims Ducati und darauf stand "Gutschein für eine Fahrt alleine mit meinem Heiligtum". Sie musste lachen, denn sie wusste, dass Tim niemanden außer Andie mit seinem Bike mitfahren und schon gar niemanden alleine fahren lies.
Eric stand mittlerweile neben Tim: "Ist dir eigentlich schon einmal aufgefallen, dass ich dich seit mehreren Jahren nerve, weil ich einmal mit dem Ding fahren will?!"
Tim runzelte die Stirn: "Sag nicht "Ding" zu meinem Baby. Das ist genau der Grund, warum DU nicht damit fahren darfst…"
Auch Linda mischte sich jetzt ein und sah Tim ernst an: "Ich nerve dich seit einem halben Jahr, dass ich mit dir mitfahren möchte und du lässt mich einfach nicht! Und Ben lässt du so einfach alleine fahren?! Hast du eigentlich etwas mitzureden, wenn ich einfach dann aufsteige, wenn Ben fährt?"
Tim schüttelte sofort den Kopf: "Bei Ben lasse ich dich sicher nicht aufsteigen… Du darfst mal mit mir mitfahren, okay?"
Linda grinste zufrieden.
Während Ben die Torte anschnitt und verteilte, ging Tim zu Andie hinüber. Andie lächelte ihn an: "Was ist denn mit dir los? Bist du krank?"
Tim lies deprimiert den Kopf und die Arme hängen: "Ich habe einen riesengroßen Fehler gemacht…"
Sie zog Tim lachend an sich und er legte seine Stirn auf ihre Schulter: "Ich weiß, dass er mir mein Baby zu Schrott fahren wird… ich weiß das einfach… mein Baby ist so gut wie tot…"
"Ach komm… Du bist ja dabei und er wird das schon machen.", sie strich ihm über den Kopf und den Rücken, "Du machst dir einfach zu viele Sorgen… Wenn du mich mit deinem Baby fahren lassen würdest, könntest du dir wirklich sicher sein, dass ich es zu Schrott fahre."
Tim murmelte in ihre Schulter: "Du bist meine Frau, dir würde ich es sogar verzeihen, wenn du mein Baby verschrottest… Aber du willst ja gar nicht damit fahren."
"Ja klar… Genau deshalb kannst du jetzt auch leicht sagen, dass du es mir verzeihen würdest. Weil du genau weißt, dass das nie im Leben der Fall sein wird…"
Tim hob seinen Kopf von Andies Schulter und setzte einen schmollenden Blick auf: "Musst du mich immer durchschauen?"
ENDE
